Beiträge zur Geschichte des Adels
im Herzogtum Sachsen-Lauenburg und angrenzenden Territorien

Eberhard Specht - Speyer / Rhein 2020

 

                 

5. Die Herren von RITZERAU / von DUVENSEE   (1222 – 1600+)



Herkunft, Wappen und Familie:


Die Herren von Ritzerau gehören zu den herausragenden Geschlechtern des askanischen Herzogtums Sachsen-Lauenburg. Sie nannten sich schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts nach ihrem Stammsitz D-23896 Ritzerau im Kirchspiel Nusse. Für die Annahme, dieser Stammsitz habe in D-17153 Ritzerow bei Stavenhagen gelegen 1 „Das im Amte Stavenhagen belegene Dorf Ritzerow hat seinen Ursprung demselben (Geschlecht Ritzerau) zu verdanken und ist dessen alter Stammsitz gewesen. Nachhero haben sie sich wohl im Lauenburgischen als im Holsteinischen ausgebreitet und verschiedene Güter daselbst erworben“, gibt es kein stichhaltiges Argument. Zum einen war dieses Ritzerow Domanialdorf, bis es Herzog Wartislaw von Pommern 1276 an das Kloster Rühn verschenkte 2 bei dem es bis zur Säkularisation verblieb - einen Adelssitz, nach dem sich die Ritzerau hätten nennen können, hat es hier nicht gegeben -, zum anderen widerspricht es dem Gang der Kolonisation von West nach Ost. Schon Lisch stellte fest: „Für Mecklenburg, Vorpommern und Rügen ist aber eine Wanderung der Cultur von Westen gegen Osten hin eine nicht zu leugnende Thatsache“3. Eher ist es daher denkbar, dass wir es bei Ritzerow bei Stavenhagen mit einer Gründung der Ritzerau zu tun haben, die ja auch zum östlichen Mecklenburg und nach Pommern Beziehungen hatten 4.


Über die Anfänge des ritzerauischen Geschlechts wissen wir nichts. Die jüngste Veröffentlichung, die das Geschlecht erneut in den Kreis der Raben/Raven-Geschlechter einordnet 5 erscheint schon wegen der nicht ausreichend dokumentierten Urkundenbelege recht spekulativ (siehe S. 36f). Von Weltzien ist offensichtlich älteren Überlieferungen (von Raven) gefolgt. Auf die Zufälligkeit des Leitnamens Raven-Corvus-Walrav läßt sich indes - bei zudem völlig verschiedenen Wappen - eine genealogische Verbindung der Ritzerau mit den Raven (Uckermarck), von Raben-Stück (Mecklenburg und Dänemark) und Raben von Pappenheim nicht begründen. Auffallend ist aber die große Nähe der Ritzerau zu den ersten Wackerbarth. So erscheinen im Ratzeburger Zehntenlehensregister um 1230 in einer eingeschobenen Urkunde über das Land Wehningen, dessen Zehnten dem Grafen von Dannenberg zustanden 6, Corvus et Conradus, milites de Raceburg. Bei einer Nennung in dieser Form muss man in aller Regel von einem engen Verwandtschaftsverhältnis ausgehen. Da wir aber wissen, dass der edelfreie Corvus von Ritzerau und Konrad von Lauenburg verschiedenen Sippen angehören, mag man daran denken, dass sie Halbbrüder gewesen sind.


Soviel sich gesichert feststellen lässt, stammen die Ritzerau aus dem westfälischen Raum 7, wo der bei den älteren Ritzerau gebräuchliche seltene Vorname Walrav des öfteren begegnet 8. Schon Helmold von Bosau berichtet 9, dass der westfälische Bevölkerungsanteil bei der deutschen Besiedlung des alten Polabenlandes von großer Bedeutung gewesen ist. So stammen ja u.a. die Schorlemer, die in der Kolonisationszeit einen bedeutenden Güterkomplex mit Wulfsdorf, Beidendorf, Blankensee und Schattin besaßen 10, und die nachweislich schon im 12. Jahrhundert ins Land gekommen waren, eindeutig aus Westfalen. Sie standen nicht nur in Beziehung zu den Grafen von Arnsberg 11, sondern auch zu den Edelherren von Lippe 12. Gerade diese letztere Beziehung mag nicht zufällig sein, erscheinen doch auch im Lauenburgischen die Ritzerau, die ja ein den von der Lippe ähnliches Wappen führen, in Verbindung zu den Schorlemer. Das ritzerauische Wappen zeigt zuerst im Schild in rot auf weiß zwei unterwärts gezinnte Querbalken, die jedoch oberwärts und sägeförmig gekerbt sind 13. Ab 1360 findet man dann konstant zwei Turnierkragen übereinander mit oben vier und unten drei Latzen. Die Helmzier zeigt auf einem Helm zwei Büffelhörner. Eine spätere Zutat sind je drei ausgestellte Fähnlein oder ohne Büffelhörner vier wachsende Fähnlein. Die Decken sind Rot und Silber 14. Im Rheinland und in Westfalen kommt der Turnierkragen als selbständiges Symbol ebenfalls vor. So führten u.a. die bereits genannten von der Lippe aus Vinsebeck und Wintrup im Stift Paderborn ein Wappen mit zwei Turnierkragen 15, das dem der Ritzerau fast entspricht. Im Laufe der Zeit erfuhr das ritzerauische Wappen dann verschiedene Verballhornungen.


von RITZERAU: Wappenvarianten


Ob die Ritzerau schon zum Kolonistenadel, zur ersten Schicht der grundherrlichen Lokatoren im Polabenland gehört haben oder aber - wie die Tralau-Krummesse - ihre Güter als bereits zum Teil kultiviert und deutsch-rechtlich organisiert gewonnen haben, lässt sich nicht entscheiden 16. Aufgrund ihres ausgedehnten Güterbezirkes schon im ersten Drittel des 13 .Jahrhunderts, der allerdings 1222 noch nicht in dem Umfang urkundlich nachgewiesen ist, wie es Neuschäffer annimmt 17, ist allerdings nicht auszuschließen, dass auch die Ritzerau bereits im 12. Jahrhundert ins Land gekommen sind 18, am ehesten dannim Gefolge Graf Adolfs I. von Dassel mit den Schauenburger Grafen. Wenn wir auch zunächst fast nichts über das Geschlecht hören, so weist schon Biereye 19 darauf hin, dass der unter Herzog Albrecht I. von Sachsen genannte Walrawe (III) (Raven, Corvus) de Ritserowe unter Albrecht von Orlamünde nie erwähnt ist und daher wohl von ihm nicht belehnt war. Da aber bereits 1222 ein Hartwicus (I) de Riczerowe, der seinem Rufnamen nach zur Familie gehört 20, bezeichnenderweise bei Bischof Brunward von Schwerin (1194-1238) genannt ist 21, wird diese bereits schon länger im Lande ansässig gewesen sein. Vielleicht war ihr der bedeutende Lehnsbesitz an der Nordwestgrenze der Grafschaft Ratzeburg zu Holstein mit der Verpflichtung übertragen worden, diesen Grenzabschnitt der Grafschaft zu schützen 22. Ihre Stellung gründet sich auch hier an der Beteiligung am Landesausbau. In dem ursprünglich zur Grafschaft Ratzeburg gehörenden Land Ratzeburg war mindestens jedes der 1230 vorhandenen Dörfer im Auftrag des Landesherrn angelegt worden, doch wurden hier in weitaus stärkerem Maße als etwa in der Sadelbande Adlige als Lokatoren am Siedlungsausbau beteiligt. Wohl ähnlich wie wir es von Marquard von Stenwer in Wagrien kennen 23, dürften auch im Lauenburgischen Adlige als Lokatoren mit einem geschlossenen größeren Gebiet belehnt worden sein, über das sie die Grundherrschaft mit der Niederen Gerichtsbarkeit sowie Zehntrechte und auch Erträge aus der Hohen Gerichtsbarkeit erhalten haben 24. Zudem dürfte auch im Land Ratzeburg eine Hufe, nämlich die vom Adligen ursprünglich selbst bewirtschaftete, Bedefreiheit genossen haben. Von den um 1230 erkennbaren größeren zusammenhängenden Gebietskomplexen im Land Ratzeburg der Grönau, Karlow/Stove, Parkentin, Ritzerau, Salem, Schorlemer und Krummesse dürften mindestens die der Grönau, Karlow, Ritzerau, Salem und Schorlemer auf Lokatorentätigkeit dieser Familien zurückzuführen sein 25.


Schon früh finden wir die Ritzerau auch unter den Burgmannen auf der herzoglichen Burg in Ratzeburg 26. Aufgrund des Umstandes, dass die ersten Urkunden, in denen das Geschlecht genannt ist, mecklenburgische Urkunden sind, werden die Ritzerau auch der mecklenburgischen Ritterschaft zugerechnet. Dieser Umstand hat denn wohl auch zu der Fehleinschätzung geführt, das Geschlecht stamme aus Ritzerow bei Stavenhagen 27 .


Wie wir es auch bei anderen Geschlechtern der Kolonisationszeit erkennen können (z.B. bei den SCHORLEMER, SCHACK), gehören auch die Ritzerau zu den ursprünglich edelfreien Geschlechtern 28. Als „viri nobiles“ bildeten sie die niedrigste Stufe des Fürstenstandes 29. Der Träger war Kleinfürst und Chef einer adligen Großsippe. Da aber das kolonisierte Land nur als Lehen verteilt wurde, verschwanden die meisten kleinen Edelherren im Laufe der Kolonisation schnell dadurch, dass sie durch das Lehensverhältnis ihren freien Fürstenstand einbüßten und sich in den gewöhnlichen niederen Lehnsadel einreihten. Wir werden dies auch bei dem edelfreien Walrav (I) von Ritzerau sehen. Nach ihrer Einschmelzung in den niederen Lehensadel finden wir die Ritzerau dann als Lehensträger der Grafen von Holstein, Schwerin und Ratzeburg, der Herzöge von Sachsen-Lauenburg und Mecklenburg, der Bischöfe von Ratzeburg und Schwerin, zuletzt der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf und der Könige von Dänemark. Vor allem in Sachsen-Lauenburg spielte das Geschlecht im 14. und 15. Jahrhundert eine wichtige Rolle, aber auch in Holstein, wo es noch 1564 zu den 51 landtagsfähigen Geschlechtern gehörte 30 und in Mecklenburg, wo es bereits um 1500 als erloschen galt 31, da die Union der Stände von 1525 von den Ritzerau dort nicht mehr unterschrieben worden war.


Im Lauenburgischen waren die Ritzerau wohl den Daldorp (1325 - +1735) zunächst verwandt, deren Wappen ebenfalls den Turnierkragen zeigt 32 und bei denen die auch bei den Ritzerau immer wiederkehrenden Leitnamen Bartold/Bertold und Otto begegnen. Ob die Daldorp allerdings ein „eigenes Haus“ der Ritzerau gewesen sind, wie es von Weltzien annimmt 33, scheint mir fraglich (siehe > IX - 60).


Wappen von DALDORP


In mehr als 400 Urkunden und Regesten aus der Zeit zwischen 1222 und dem Ende des 16. Jahrhunderts spiegelt sich die Bedeutung der Herren von Ritzerau für die Geschichte des Herzogtums Sachsen-Lauenburg. Bereits in der Generation der Söhne Walravs (I) - in seinem Testament sind neben der Witwe Adelheid ausdrücklich Söhne („cum filiis“) genannt 34 - spaltete sich das Geschlecht offenbar in zwei Linien, eine ältere, um oder kurz nach 1374 erloschene, die sich später auch von Duvensee nennt und die die Vorliebe für den Leitnamen Walrav beibehielt, sowie eine jüngere, die den Geschlechtsnamen weitertrug. Ob diese sich ebenfalls auf Walrav (III) zurückführen lässt, hat jüngst Johannes von Wackerbarth hinterfragt. Er macht darauf aufmerksam, dass im Ratzeburger Zehntenlehensregister von 1230 als Besitzer von zwei Gründungshufen in Gülze ein „Albertus“ genannt ist, in dem Biereye Albert von BRAHLSDORF sehen möchte 35. Johannes von Wackerbarth sieht in diesem Albertus 36 einen Angehörigen der Familie von Ritzerau und setzt ihn gleich mit dem 1226/1247 gennannten Albernus/Albero de Ritzerowe. Wenn dann 1262 Konrad (II) von Wackerbarth und sein (?)Vetter Bertold (II) von Ritzerau den Besitz der Stadt Mölln an Gülze bestätigen 37, so wäre zu überlegen, ob nicht Bertold (I) von Ritzerau ein Sohn von Albern/Albert von Ritzerau gewesen ist.


Eine wichtige Quelle für die Genealogie des Geschlechts sind die Urkunden vom 24.02.1306 38 und vom 20.09.1306 39. Erst von diesem Zeitpunkt an kann die Genealogie als im Wesentlichen gesichert gelten. Durch diese beiden Urkunden ist zugleich gesichert, dass die von Duvensee in agnatischer Linie von den von Ritzerau abstammen 40: Walrauenus (II) de Ritzerowe ist Vater („pater noster“) der Brüder Hinricus (I), Thetlivus (II) und Walravenus (VI) de Duuense. Dies bestätigt auch die Schenkungsurkunde über den Ravensdiek vom 24.10.1353 41. Die dort genannten Schenker, Angehörige der von Duvensee und von Ritzerau, geben einen deutlichen Hinweis, dass sie aufgrund des gemeinsamen Besitzes demselben Geschlecht angehören 42. Warum die von Duvensee dann ein eigenes Wappen führen, das mit dem der von Ritzerau keinen Zusammenhang aufweist, bedarf noch der Klärung. Hier ist vielleicht von Bedeutung, dass beim niederen Adel im mecklenburg-lauenburgischen Raum Wappen überhaupt nicht vor der Mitte des 13. Jahrhunderts erscheinen. Man kann in der Frühzeit sogar noch von weitestgehend personalisierten Schilden ausgehen. Das Siegel Walravs (III von Ritzerau von 1240 ist das früheste Wappen eines Adligen in der Region überhaupt. Seine Verwendung ist dabei vielleicht ein Hinweis auf den einstmals hohen Rang der Familie, der sich dann nurmehr als Anspruch in der Verwendung eines eigenen Siegels äußerte. Wappenabspaltungen sind in dieser frühen Zeit durchaus normal. Wir sehen dies bei den Wackerbarth, wo eine livländische Linie ein eigenes Wappen führt und eben auch bei den von Duvensee. Deren zeigt eine gestürzte Spitze, die auf einem mit Rautenlinien überzogenen Grunde liegt 43, ein Wappen, das auch die im Kirchspiel Bosau 1353 bezeugt Familie von LOYOWE/LOGOW führt 44, ohne dass bislang eine Verbindung zwischen beiden Geschlechtern erkennbar wäre. Es ist allerdings anzumerken, dass sich Angehörige der Familie von Duvensee in den Dienst der Grafen von Holstein stellten, wie z.B. Elerus (III) de Duuense 45.


von DUVENSEE                          von GOTMOLT                 von LOYOWE/LOGOW


Aufgrund des unterschiedlichen Wappens verneint von Warnstedt, ein ausgewiesener Kenner auch des lauenburgischen Adels, eine agnatische Abstammung. Er schreibt 46: „Die von Duvensee zum Stamme Ritzerow zu führen ist doch ein Nonsens. Die Wappen sind ja völlig verschieden. Die Duvensee gehörten zur Sippe der Wackerbarth/Parkentin usw. daß ein früher Duvensee nach seinem mütterlichen Großvater, Walrawen von Ritzerau, den Vornamen bekommen hatte und daß er wegen Muttererbe zufällig eines der (mindestens vier) Rittersitze zu Ritzerau besaß, darf hier nicht irreführen“. Diese Ansicht von Warnstedts ist meines Erachtens schon deshalb nicht haltbar, weil es durchaus möglich war, dass Mitglieder ein- und derselben Familie verschiedene Wappen führten - und dies nicht nur bei den sogenannten Bastardlinien. Im Übrigen ist die Quellenlage zweifelsfrei 47. Beachtenswerter sind da schon die Überlegungen, die von Weltzien anstellt, der die unterschiedlichen Wappen der Duvensee und Logow - er reiht noch die Poggensee und Krummesse hinzu - auf eine Verschwägerung zurückführt 48. „Diese Familien“, führt er aus, „führen ganz andere Wappen, waren mit den Ritzerow verschwägert, überließen ihnen ihren Besitz oder Teile davon. Darauf nannten sich die Ritzerow, die zu dieser Zeit sehr zahlreich auftraten, wohl zur Unterscheidung noch diesen Rittersitzen“. So erwägt er, ob nicht Walrauenus de Ritzerow die Erbtochter von Duvensee geheiratet hat und damit deren Lehen erhielt. Die Söhne dieses Paares hätten sich dann nach dem Lehen der Mutter von Duvensee genannt. Wer aber waren dann diese Duvensee des 13. Jahrhunderts, von denen die mittelalterlichen Urkunden nichts berichten? Ich denke, auch diese Überlegung ist deshalb wenig wahrscheinlich, weil wir durchaus mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß Duvensee, wo der Zehnte 1230 noch nicht verlehnt war, bereits damals ritzerauischer Besitz gewesen ist. Mir scheint eine andere Verbindung näher zu liegen.


Auffallend ist der bei den Duvensee durchaus seltene Vorname Gerlach, der zeitgleich bei einem weiteren Geschlecht auftritt, den von Gotmolt/Wotmolt, deren Wappen nun dem der Duvensee weit eher gleicht als dem der Wackerbarth und Parkentin 49. Zwischen den Duvensee und den Gotmolt bestand nicht nur eine Ähnlichkeit des Wappens, die Mitglieder dieser Geschlechter traten auch gegenseitig als Zeugen beim Verkauf von Landbesitz auf 50. Hier mögen nahe verwandtschaftliche Beziehungen bestanden haben, vielleicht in der Weise, daß die Mutter Gerlachs von Duvensee und der Vater der Brüder Johannes, Marquard und Gerlach von Gotmolts Geschwister waren? Warum die Duvensee dann aber ein den Goltmolt ähnliches Wappen angenommen haben, bleibt unbeantwortet. Sicher ist derzeit nur, mit der Urkunde vom 24.02.1306 davon auszugehen, dass die von Duvenseeschen Brüder Söhne Walrauenus de Ritzerowes und direkte Abkömmlinge in männlicher Linie des 1240 gestorbenen Walrav (III) von Ritzerau gewesen sind.


Die Urkunde enthält jedoch keinen Hinweis auf das fehlende Bindeglied zwischen den beiden Walrav. Als möglicher Großvater der duvenseeschen Brüder kommt am ehesten einer der urkundlich gesicherten, aber namentlich nicht bekannten Söhne Walravs (III) in Frage. Für Bertold (II) hatten die Brüder von Duvensee eine Verpflichtung zu seinem Gedächtnis übernommen, ohne dass ein Hinweis auf den Grad der Verwandtschaft angegeben wäre. Da die Urkunde vom 24.02.1306 51 sonst bei jedem Namen den Grad der Verwandtschaft nennt, möchte ich annehmen, dass Bertold zwar ein Verwandter der duvenseeischen Brüder war, aber eben nicht ihr Großvater. Dies wäre sonst sicherlich vermerkt worden. Wenn die von Duvensee dennoch eine Verpflichtung für sein Andenken übernahmen, so muss dafür ein besonderer Grund vorgelegen haben. Vermutlich haben wir in Bertoldus (II) de Ritserowe den Begründer einer jüngeren (?) Linie vor uns, bei der der ältere Leitname des Geschlechts, Walrav, nach 1286 nicht mehr auftritt. Zeitgleich wird dieser Bertold der Generation des unbekannten Großvaters der duvenseeischen Brüder angehören. Wer dieser unbekannte Ahnherr der von Duvensee gewesen ist, darüber sagen die Quellen nichts, doch spricht eben vieles dafür, dass er ein uns namentlich nicht bekannter Sohn Walravs (I) gewesen ist. Wir gewinnen so die wahrscheinliche Stammfolge des Geschlechts für die Zeit um 1300.


Stemma (nach MUB V, 3068 und 3111)


Für das frühe Bestehen von zwei Linien lässt sich schon die Urkunde vom 02.11.1280 53 heranziehen, wo bei der Aufzählung der Zeugen an dritter Stelle Walravenus de Rizerowe genannt ist, dem an sechster Stelle Hartwicus (IV) de Ricerowe folgt. Beide sind Burgmänner (castellani nostri) des Herzogs Johann I. in Ratzeburg und waren offensichtlich keine Brüder. Sonst hätte man eine Nennung unmittelbar hintereinander oder einen der üblichen Zusätze „frater de ...“, „et frater suus“ oder „frater eius“ erwarten dürfen. Der Burgmann und Ritter Hartwicus (IV) de Rizerowe ist also zu unterscheiden von dem gleichzeitigen Domherrn Hartwicus (III) de Ritzerowe. Während der letztere aller Wahrscheinlichkeit nach ein Bruder Walravs (IV) gewesen ist, wird der Ritter und Burgmann Hartwig (IV) zu der zweiten, von Bertold (II) begründeten Linie gehört haben.


Die weitere Genealogie des Geschlechts, das sich mit den Söhnen Hartwigs (VI) des Olden, Bertold (VI) und Otto (III) erneut in zwei Linien spaltet, kann dann im Wesentlichen als gesichert gelten, sieht man von den Zuordnungsschwierigkeiten für die letzten Namensträger einmal ab.


Eine Klärung hat sich hinsichtlich des mutmaßlichen Absterbens der Ritzerau ergeben. In Holstein erlischt das Geschlecht vmtl. 1601 mit Margarethe (III) von Ritzerau und in Pommern mit den Töchtern von Werner von Ritzerau nach 1604.




Besitzungen:


Die Ritzerau waren vor allem im Lauenburgischen begütert, hatten aber auch im westlichen Mecklenburg und später, nach dem Verlust ihrer Stammgüter, auch in Ostholstein und Pommern Besitz. Die Urkunden machen dabei deutlich, daß sich das Grundeigentum nicht nur auf den Alleinbesitz, sondern auch auf den anteiligen Besitz an verschiedenen Dörfern verteilt 54. Es ist hier nicht der Ort, diesen Besitz im Einzelnen darzustellen. Eine kurze Übersicht muss genügen.


  1. Altengamme: Wenn Hartwig (IV) 1303 bekennt, an Grubes Grundbesitz im Ort keine Rechte zu haben, so bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die Ritzerau im Ort begütert gewesen sein müssen, zumindest aber dort über Rechte verfügen konnten


  1. Altenkrempe: kurz nach 1156 angelegtes Kirchdorf mit - um 1300 - 20 Hufen; vor 1397 noch landesherrlich; die Ländereien kamen um 1400 an das neu angelegte Gut Hasselburg. Ritzerauischer Besitz wurde es 1518 mit der Belehnung Ottos (VI) von Ritzerau mit Hasselburg. 1560/1569 kam es durch Erbgang an Hans Rantzau.


  1. Bergrade: 1230 Lehen des Corvus; 1394 Verkauf an Vromold Warendorp, Bürger in Lübeck durch Otto (III) von Ritzerau; Verzicht der von Ritzerau auf das Reemptionsrecht; 1418 Verkauf an das Kloster Marienwohlde


  1. Berkenow: in der Neumark/Pommern, Besitz Werners v. R.; kam über dessen Tochter Margarethe an Marx von Scharen


  1. Camin: 1230 Dorf mit 28 Hufen, Hartwig (IV) besaß hier 1296 Anteilsbesitz von zumindest 2 Hufen


  1. Dammersee“: bei von Mülverstedt als ritzerauischer Besitz genannt; ohne Quellenbeleg; vermutlich Lesefehler; gemeint ist zweifellos Duvensee (siehe dort)


  1. Dechow 55: 1230 besitzt Gottschalk „von DECHOW“ den Zehnten von 2 Hufen, Ende des 13. Jhdts. Landesherrlich, Besitz der von Ritzerau wohl noch vor 1300; Burganlage (13. Jhdt. bis nach 1399); 1399 Verkauf des Dorfes und Hofes, sowie des ritzerauischen Anteils am Dechower See an den Bischof von Ratzeburg. Später erneut im Besitz der Familie von Ritzerau, die 1510 den See an den Bischof von Ratzeburg verkaufen. 1517/1569 erneut Lehnsbesitz der Ritzerau.


  1. Dobersdorf: war bis 1625 Besitz der von Pogwisch. 1557 wird Jochim v. R. in Verbindung mit dem Gut genannt. Ob er hier allerdings auch begütert war, hat sich bislang nicht klären lassen.


  1. Döbbersen: schon 1194 Kirchdorf, 1226 im Besitz des Klosters Zeven. 1230 Dorf mit 12 Hufen, Corvus besitzt den halben Zehnten; 1335 ist tota villa Doberschen Besitz der von Ritzerau, die dort wahrscheinlich über einen Rittersitz verfügten; Verlust des Dorfes nach 1335


  1. Dümmer: 1230 Dorf mit 10 Hufen, Corvus besitzt den halben Zehnten; Verlust vor 1335.


  1. Duvensee 56: (siehe Dammersee); hier war der Zehnte 1230 noch nicht verlehnt. Das Dorf war aber wohl schon zu diesem Zeitpunkt Besitz der von Ritzerau, die sich mit einer Linie nach ihrem Rittersitz dort von Duvensee nannten. Burganlage (1346 zerstört), Wirtschaftshof; nach wiederholten Verpfändungen und Rentenverkäufen endgültiger Verlust 1465/1468 an die Stadt Lübeck. Herzog Johann IV. kauft 1471/1476 den Anteil von Ottos (IV) Söhnen Volrad (II), Otto (V) und Hartich (X) zurück.


von Ritzerauischer Besitz

  1. Eilbek: 1247 hat Albernus von Ritzerau Teilbesitz; Verkauf an das Heilig-Geist Hospital in Hamburg


  1. +Gardensee: 1230 Besitz der von SALEM; vor 1286 Besitz der von Ritzerau; 1321 Verpfändung von Hebungen; Verlust vor 1371


  1. +Gülze (Gülzow): Dorf am Nordufer des Möllner Sees, dort „Gülzower Berg“ und ehemalige Gülzower Feldmark, heute Vorstadt von Mölln, 1230 hat Albertus, vmtl. Albern von Ritzerau, Zehntenbesitz


  1. Hasselburg 57: um 1400 angelegte Wasserburganlage, Gutshof; Belehnung 1518 an Otto (VI) von Ritzerau; 1560/1569 durch Erbgang an Hans Rantzau


  1. +Helle 58 1230 Dorf mit vmtl. 8 Hufen; seit wann das vmtl. zwischen 1403 und 1409 untergegangene Dorf ritzerauischer Besitz war, lässt sich nicht sagen. 1230 war der Zehnte nicht verlehnt. 1394 Verkauf des „gansen gutes ... to der Helle“ an Vromold Warendorp; nach Wiedereinlösung durch die von Ritzerau 1471 Verpfändung an Herzog Johann IV.


  1. Hobstin i. Holstein (Pustin slavicum): um 1300 nachgewiesen als slawisches Dorf; an die von Ritzerau kam es 1518 mit Hasselburg; 1560/1569 durch Erbgang an Hans Rantzau.


  1. Kartlow: in der Neumark/Pommern; Besitz Werners v. R.; kam über seine Tochter Barbara an Friedrich von Köppen


  1. Groß Klinkrade 59: 1403 im Besitz der von Ritzerau (sicher schon vorher); 1458 Rentenverkauf; 1471 Verpfändung und 1476 Erwerb durch Herzog Johann IV.


  1. +Klein Klinkrade (Wendisch Klinkrade) 60: vermutlich noch im 15. Jahrhundert untergegangen; 1391 Verkauf an den Lübecker Bürger Wigger Brekewold; Wiedereinlösung; 1458 Rentenverkauf; 1471 Verpfändung und 1476 Verkauf an Herzog Johann IV.


  1. Kniephof (heute Kniephagen): um 1300 noch als slawisches Dorf nachgewiesen; als Meierhof teilte es bis 1806 das Schicksal von Hasselburg; ritzerauischer Besitz 1518 bis 1560/1569


  1. Koberg: 1230 gehört als Lehen dem Corvus; nach Rentenverkäufen (1384, 1452/1454) erfolgte 1465/1468 der Verkauf an die Stadt Lübeck


  1. Krumbek i.Holstein: im 14. Jahrhundert Besitz der Hake (1334), des Bischofs von Lübeck und der von Siggen; 1526 Belehnung mit Otto (VI) von Ritzerau; durch Erbgang 1560/1569 an Hans Rantzau


  1. Labentz: in der Neumark/Pommern; Besitz Werners v. R.; kam über seine Tochter Barbara an Friedrich von Köppen


  1. Labenz:1230 noch nicht genannt, 1390 hat Heinrich von Essen Pfandbesitz; 1394 Verkauf an Vromold Warendorp; 1407 Wiedereinlösung durch die von Ritzerau und 1476 Verkauf an Herzog Johann IV.


  1. Groß Lankow (Prierslancow) 61 vmtl. Gutshof; 1370 Schenkung an das Ratzeburger Domkapitel; 1407 Streit zwischen den von Ritzerau und dem Prior über die Besitzrechte.


  1. Klein Lankow (Minore Lancow): 1230 Dorf mit 12 Hufen, war 1306 Besitz der von Duvensee; um diese Zeit wird eine Burg und Landwehr erwähnt; 1312 Verkauf an das Domkapitel zu Ratzeburg; 1324 erwerben die von Ritzerau Rechte in villa lankowe sita in parrochia Mustyn.


  1. Lüchow 1230 Zehntenbesitz eines Emeko (?von FISSAU 62), der auch in Breitenfelde und Sandesneben Zehntenbesitz hatte ; 1374 Verkauf des halben Dorfes durch Bertold (V) an die Brüder Schiphorst; 1443 Rentenverkauf aus Dorf und Gut Lüchow durch Bertha von Ritzerau an den Lübecker Bürgermeister Cord Brekewold


  1. +Lütau 63: untergegangenes Dorf auf der Möllner Gemarkung am Lütauer See. Inwieweit das Dorf selbst ritzerauischer Besitz war, ist unklar. 1322 Verkauf der halben Mühle durch die von Duvensee an den Möllner Bürger Johannes Colberg. 1413 Verkauf der restlichen Anteile an der Mühle durch die von Ritzerau an die Stadt Mölln.


  1. +Manau 64: (siehe Manderow), 1230 Lehen des Corvus; 1321 Rentenverkauf; vor 1407 wird das Dorf wüst; Verkauf der Gemarkung 1465/1468 an Lübeck.


  1. Manderow“: bei von Mülverstedt als Besitz genannt; sicherlich ein Lesefehler, gemeint ist hier wohl eher > +Manau


  1. Mechow: 65 bereits 1194 genannt; 1230 Dorf mit 22 Hufen, der Zehnte war nicht verlehnt; 1351 Verkauf des Dorfes, Hofes und der Burganlage durch Hartwig (VI) von Ritzerau an das Ratzeburger Domkapitel


  1. Groß Molzahn und

  2. Klein Molzahn: ursprünglich nur ein, 1230 Dorf mit 12 Hufen, der Zehnte noch nicht verlehnt; 1306 Teilbesitz der von Duvensee, die damals eine Rente aus dem Dorf schenkten. 1370 dann zwei Dörfer: Dudeschen und Wendeschen Molzahn, die von Hartwig (V) von Ritzerau dem Ratzeburger Domkapitel geschenkt werden. 1407 Streit zwischen den von Ritzerau mit dem Domkapitel über das Besitzrecht


  1. Mustin: 66 1230 Dorf mit 30 Hufen, Besitz der von SALEM; 1294 der Hagenow/Mustin, 1291 Feste; im Verlauf des 14. Jahrhunderts an die von Ritzerau; vermutlich durch Erbfolge um 1440 an Luder Dargaz; 1517/1569 erneut Besitz der von Ritzerau; durch Erbgang an Hans Rantzau; Gutshof; ob die für Hans Rantzau nachgewiesene Burganlage schon zur Zeit der von Ritzerau bestanden hat, lässt sich nicht sagen.


  1. Neuengamme: Die wiederholte Nennung von Angehörigen des ritzerauischen Geschlechts in Verbindung mit Neuengamme 67 lässt darauf schließen, dass die Ritzerau auch dort begütert waren.


  1. Neustadt i. Holstein: hier besaß Otto (VI) von Ritzerau ein 1532 erbautes Haus, das im Erbgang an Hans Rantzau und 1601 an Balthasar von Ahlefeldt fiel.


  1. Poggensee: 1230 Dorf mit 14 Hufen, der Zehnte war noch nicht verlehnt; 1240 ist Hartwicus de Pocgense genannt, der aber vielleicht nach Poggensee bei Bad Oldesloe gehört; Schenkungen (1301) und Rentenverkäufe (1391, 1447, 1463); 1465/1468 Verkauf an die Stadt Lübeck.


  1. Pustin (Pustin teutonicum, heute Sibstin i. Holstein): kam an die von Ritzerau mit Hasselburg; 1526 Rentenverkauf; 1560/1569 durch Erbgang an Hans Rantzau

  2. +Ravensdiek: ursprünglich großer Sumpf inmitten eines tiefen Talkessels mit einem schmalen Ausfluss nach Nordosten bei Farchau 68, im Zuge des Ausbaus der Landwehr von Ratzeburg nach Mölln zu einem bischöflichen Fischteich aufgestaut.; 1353 Schenkung (1371 erneuert) durch die von Ritzerau an den Bischof von Ratzeburg.


  1. +Ravenskamp: untergegangenes Dorf bei Farchau, am Ravensdiek; 1230 ist es noch nicht genannt, ob es ritzerauischer Besitz gewesen ist, lässt sich nicht sicher sagen, ist aber zu vermuten


  1. Groß Ritzerau und

  2. Klein Ritzerau: namengebender Stammsitz des Geschlechts 69 1230 Lehen des Corvus, war die Burganlage (Groß) Ritzerau. Daneben wurde das Dorf z. T. als Klein Ritzerau unterschieden. 1230 besitzt Corvus den Zehnten. Später besaßen die beiden Linien der Ritzerau jeweils das halbe Schloss, sowie das halbe Dorf (Klein) Ritzerau mit der halben Mühle, dazu Volrad (II), Otto (V) und Hartwig (X) einen Hof in (Klein) Ritzerau, während Hans (II) einen Hof beim Schloss besaß. Nach wiederholten Verpfändungen und Rentenverkäufen erfolgte 1465/1468 der endgültige Verkauf an die Stadt Lübeck, die bis 1937 im Besitz des Dorfes blieb.


Klein Ritzerau (links), Hof Ritzerau (oben rechts) und Kirchdorf Nusse (vorn)
(Karte von 1571 von Daniel Frese in: Uter/Weimann „Nusser Kirchspielbuch“, S. 22)


  1. Schlagsdorf: 1230 Dorf mit 28 Hufen, Teilbesitz der von Duvensee (6 Hufen), den diese 1306 mit dem Besitz des Domkapitels zu Ratzeburg in Walksfelde tauschten.


  1. Schlanewitz: in der Neumark/Pommern; Besitz Werners v. R.; kam über seine Tochter Barbara an Friedrich von Köppen


  1. Semlow: in der Neumark/Pommern; Besitz Werners v. R.; kam über seine Tochter Barbara an Friedrich von Köppen


  1. +Groß Silkendorf und

  2. +Klein Silkendorf (Silkenburg) 70: 1230 noch nicht genannt; Dorf mit Doppel(?)-Burganlage (Silkenburg) bei Koberg (Schevenböken); vermutlich schon im 14. Jahrhundert wüst geworden. 1465/1468 verkaufen beide Linien von Ritzerau dem Lübeck Rat auch die wüste Feldmark Siltendorf.


  1. Sirksfelde: 1230 besitz Eylo (I) 2 Hufen, Besitz der von Ritzerau vor 1324; vmtl. Burganlage (Turmhügel nö am Dorf), 1465/1468 Verkauf an die Stadt Lübeck


  1. +Wendisch-Sirksfelde 71: 1230 war der Zehnte nicht verlehnt; das Dorf wird noch 1291 genannt; vor 1468 wüst; Verkauf der Feldmark an die Stadt Lübeck (1465/1468).


  1. Sirksrade: im 13./14. Jahrhundert Besitz der von Parkentin, 1230 ist Nothelm (von PARKENTIN) Zehnteninhaber; kam vielleicht als Mitgift einer Parkentin an die von Ritzerau; 1401 Verkauf an den Lübecker Bürger Hermann Lange.


  1. Sterley: 1230 Dorf mit 40 Hufen, bereits 1240 Teilbesitz der von Ritzerau 72; 1383 und 1517/1531 waren es 2 ½ Hufen; nach 1531 vermutlich als Mitgift Catharinas (I) von Ritzerau an die von Wackerbarth.


  1. Techin: 1230 Dorf mit 16 Hufen, Besitz der von SALEM; vor 1306 Hebungen der von Ritzerau zu Gunsten der Ratzeburger Domkirche.


  1. Tramm: 1230 Dorf mit 8 Hufen; 1321, 1344 Hebungen zu Gunsten des Ratzeburger Domkapitels; 1351 Grenzstreitigkeiten mit dem Kloster Reinbek; 1373 erhält die Witwe Hartwigs (V) von Ritzerau ¾ Hufen; 1465/1468 Verkauf an die Stadt Lübeck.


  1. Volksdorf“: nach von Mülverstedt als Besitz der von Duvensee genannt; durch Urkunden nicht belegbar. Vermutlich ist > Woltersdorf gemeint und nicht Volkensdorf bei Grevesmühlen.


  1. Walksfelde: 1230 im Besitz des Propstes; Teilbesitz der von Duvensee 1306 durch Tausch von 6 Hufen in Schlagsdorf


  1. Wehden: 1401 Verkauf an den Lübecker Bürger Hermann Lange


  1. Woltersdorf: (siehe Volksdorf); 1230 Dorf mit 12 Hufen; Dorf mit Hof 1306 Besitz der von Duvensee; Ende des 14. Jahrhunderts (1376) im Besitz von Lübecker Bürgern; offenbar Wiedereinlösung, denn 1439 verkaufen die von Ritzerau eine Rente; 1465/1468 Verkauf an die Stadt Lübeck.


Darüber hinaus verfügte das Geschlecht offenbar auch im Raum Lüneburg, in den Vierlanden und vielleicht auch in Holstein über weiteren Besitz, der sich jedoch nicht mehr verifizieren lässt.




Beziehungen zu geistlichen Einrichtungen:


Wie wir es auch sonst beim Adel kennen, so stehen auch die von Ritzerau in engen Beziehungen zu den geistlichen Einrichtungen ihrer Zeit. Diese Beziehungen stecken zugleich den geographischen Rahmen ab, in dem das Geschlecht wirkte.


Angehörige der von Ritzerau finden wir als bischöflich-ratzeburgische und bischöflich-schwerinsche Vasallen, aber auch zum Hamburger Domkapitel bestanden Verbindungen. Vielleicht gehört schon der 1194/1210 bezeugte 73 Kanonikus/Diakon Harduicus hierher. Bekannt sind drei Domherren zu Ratzeburg: Hartwig (III) (1291/1301), Thidericus (I) (1296) und Hartwicus (IX) (++1408), Pfarrherr zu Wismar. Vielleicht gehört auch der 1370 bezeugte Pfarrherr von Neubrandenburg 74, Dominus Hinricus (IV) Rytzerow sowie der Kanoniker der Magdeburger Kirche, magistro Ritzero, dazu. Ritzerauische Töchter sehen wir als Nonnen in mehreren Klöstern: (?)Bertha (I) 1228 in Bergedorf, Sophia (I) (1398/1400) als Priorin des Klosters Rehna, NN. (1351) als Nonne im Kloster Reinbek, Abele (I) (1426) im Kloster Lüne und Alheyd (II) (1426) und Soffyge (II) (1426) im Kloster Eldena südlich von Grabow, Adelheid (I) von Duvensee (+n. 1383/v. 1389) als Äbtissin des Klosters Neuenwalde im Land Hadeln sowie Beca Ritzerowe, 1505 Priorin des Klosters Eldena.


Schenkungen und Stiftungen sind bereits in der zweiten Generation durch Urkunden belegt. So bestimmt Walrav (III) in seinem Testament zwei Mark aus der Mühle in Ritzerau und den Zehnten von drei Hufen zu seinem Gedächtnis und für die Armen 75. Hartwig (III), der Domherr zu Ratzeburg, hatte 18 Talente aus seinem Besitz in Poggensee dem Domkapitel geschenkt 76. Und aus der Urkunde vom 24.02.1306 77 erfahren wir von den umfangreichen Schenkungen, die die von Ritzerau im 13. Jahrhundert gemacht haben: Hebungen aus Molzahn, Techin, Poggensee, Woltersdorf und Klein Lankow, allesamt an die Domkirche zu Ratzeburg, 1344 hatten Walrav (VI) und Detlef (II) von Duvensee eine Vikarie in Nusse gestiftet und sie mit Einkünften aus Klein Klinkrade und Tramm bewidmet 78. 1351 überlassen die von Ritzerau ihr Anspruchsrecht auf ihre Güter zwischen Talkau und Tramm dem Kloster Reinbek als Gegenleistung für die Aufnahme ihrer Schwester in das Kloster 79. 1353 schenken beide Linien, die von Ritzerau und die von Duvensee, die Örtlichkeit Ravensdiek bei Farchau an Bischof Volrad von Ratzeburg 80 und schließlich schenkt Hartwig (VII) 1370 seine Dörfer Wendischen und Dudeschen Molzahn sowie Lankow an das Ratzeburger Domkapitel zur Dotierung von zwei Vikarien an der Kirche und Kapelle zu St. Marien in Ratzeburg 81. Die zur Hälfte verdeckten „drei Mauerzinnen“ an einem der berühmten Fenster der Breitenfelder Kirche deuten darauf, dass die Ritzerau, die ja im Raum Breitenfelde auch begütert waren, hier als Stifter auftraten 82. Weitere Schenkungen, wie etwa die des kleinen silbernen vergoldeten Kelchs 83 an den Ratzeburger Dom dürfen wir voraussetzen, auch wenn Urkunden darüber fehlen. So wird vor allem die Aufname der ritzerauischen Töchter und wohl auch der Domherren nicht ohne Gegenleistungen vonstatten gegangen sein.




Ritzerauische Burganlagen und Wirtschaftshöfe:


Etwa seit der Mitte des 13. Jahrhunderts – vmtl. im Zusammenhang mit ihrer Erstarkung u. a. durch die Bedeprivilegien von 1280 und 1288 - beginnen die adligen Grundherren im Herzogtum Sachsen-Lauenburg, den Fürsten und Bischöfen nachzueifern und kleine Burgen zu errichten. Der Bau von Burgen, ein an sich königliches Recht, verlagert sich durch den Niedergang königlicher Machtausübung immer mehr auf die Herzöge und Grafen. In den kolonialen Siedlungsgebieten Wagrien und Polabien nehmen die kleinen adligen Grundherren, die als nobiles zum Teil selbst noch der untersten Stufe des Fürstenstandes entstammen, dieses Recht ebenfalls für sich in Anspruch. So lassen die Urkunden mehrere befestigte Wohnsitze der Herren von Ritzerau erkennen, die die für diese Anlagen typische Dreiteilung 84 in Dorf (villa), Wirtschaftshof (curia) und besondere Befestigung/Bergfried (fortalicium bzw. propugnaculum) erkennen lassen. Besonders deutlich ist dies in Duvensee und Mechow. Erschließen lässt es sich in Ritzerau und +Silkenburg und wohl auch in Dechow, Döbbersen, und Mustin. Ob damit alle Herrensitze erfaßt sind, lässt sich nicht sagen. Für Groß Molzahn, wo von Weltzien einen solchen annimmt 85, gibt es keinen urkundlichen Beleg, wohl aber für das Vorhandensein eines Wirtschaftshofes. Solche Wirtschaftshöfe lassen sich für die ritzerauischen Besitzungen mehrfach belegen, z.B. in Helle 86, Dechow 87, Mustin 88,vielleicht auch in Woltersdorf 89 . Geschützt wurden die kleinen Burgen 90 in der Niederung durch das Wasser, das sie in Gräben umfloss und durch Sümpfe und anderes unwegsames Gelände. Die Grafschaft Ratzeburg bot mit seiner Vielzahl von Seen, Flüssen und feuchten Niederungen ideale Voraussetzungen für derartige Anlagen. Die Burgen dienten der Verteidigung. Ihr Mittelpunkt bildet fast ausnahmslos der hölzerne oder steinerne Bergfried, rund oder auch viereckig und dann meist quadratisch, auf einer runden oder auch ovalen, aufgeschütteten Kuppe. Derartige Burgen werden als Turmburg oder Motte bezeichnet. Die Vorbilder für diesen Burgentyp finden sich in Nordfrankreich im 10. und 11. Jahrhundert. Zum Schutz gegen die Normannen errichtet, zeigt der berühmte Teppich von Bayeux das eindrucksvollste Epos dieser Zeit in Bildern die Erstürmung derartiger Motten durch Wilhelm den Eroberer und seine Normannen.


Turmhügelburg (Motte) auf dem Teppich von Bayeux (11. Jhdt.)


Diese neue Befestigungsart ist grundverschieden von den germanischen und slawischen Erdwällen mit daraufstehenden Holz-Erde-Mauern wie wir sie z. b. bei den Ringwällen in Oldenburg und Sirksfelde sowie Farchau, aber wohl auch am Duvenseer Wall, bei Kittlitz 91 und an anderen Plätzen vorfinden. Mochten solche Anlagen auch mehr Menschen aufnehmen, zur Verteidigung auf einer derart großen Fläche bedurfte es auch einer großen Zahl.

Ob die Entwicklung der ritzerauischen Anlagen dabei ähnlich gewesen ist, wie bei der gut dokumentierten Husterknupp genannten Burganlage im Erfftal bei Frimmersdorf, Kreis Grevenbroich im Regierungsbezirk Düsseldorf 92, lässt sich nicht sagen, doch werden wir voraussetzen dürfen, dass die adligen Grundherren auch in der Grafschaft Ratzeburg zunächst bescheiden angefangen haben, die Anlage ihres Hofes und befestigten Sitzes auszubauen. Wie wir uns diesen Ausbau derartiger Anlagen vorzustellen haben, dafür bietet die Burg Husterknupp ein anschauliches Bild. Ausgangspunkt war zunächst eine Flachsiedlung im ausgehenden 9. Jahrhundert, die sich mit einer nur leicht erhöhten Kernmotte in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts fortsetzt, wobei sich bereits der Wirtschaftshof in einer Vorburg befindet. Im 11. Jahrhundert geht die Anlage dann zu einer 6,40 m hohen Hochmotte mit Vorburg über. Sind auch die zeitlichen Abfolgen hier völlig anders als in der Grafschaft Ratzeburg, so sind aber doch die Erfahrungen, die die westfälischen Einwanderer in ihre neue Heimat mitgebracht haben, bestimmend für die Burganlagen dort geworden. Eine Vorstellung, wie wir uns diese Anlage in der Grafschaft Ratzeburg vorzustellen haben, bieten die Rekonstruktionsversuche für die Anlagen in Schlagsülsdorf und Dutzow.


Alte Burganlage von Dutzow (Rekonstruktion von G. Stange)


Die Blütezeit der Adelsburgen zwischen 1280 und 1360 manifestiert auf besonders eindrucksvolle Weise die exponierte Stellung des Adels, machen sie doch deutlich, dass der Adel von einem landesherrlichen Recht, dem Befestigungsrecht, weitgehend bedenkenlos Gebrauch machte 93. Der von den Burgen ausgehenden Bedrohung machte vor allem die Landfriedenspolitik Lübeck ein Ende. Im Bündnis mit weiteren Hansestädten und Landesherren gelang es ihr 1291 und erneut 1349/1353 mehrere Burgen lauenburgischer Rittergeschlechter (1291: Ribe, von Karlow); 1349/1353: von Karlow, von Züle) zu zerstören und den Widerstand des Adels zu brechen.

1. Groß Ritzerau:


Hof Ritzerau: Situationsplan
(bei Fehling)


Über den für das Geschlecht namengebenden Stammsitz (Groß) Ritzerau wissen wir nur noch wenig. Er lag in der Niederung des Duvenseebaches, der hier in den Ritzerauer Hofsee mündet und zwar westlich des Baches und nördlich des Sees. Hofmeister 94 und Kersten 95 beschreiben einen runden Burghügel (Hochmotte), der von einem Graben umgeben ist, auf dem bis 1845 das 1634 erbaute, 62 Fuß lange und 42 Fuß breite Renaissanceschloß Ritzerau gestanden hat.


Die zwischen 1837 und 1845 entstandene kolorierte Handzeichnung von Stolle gibt noch eine Vorstellung von den Ausmaßen der einstigen Hochmotte. Die Böschung ist so steil dargestellt, daß man bei dem Durchmesser ihrer Plateaus von 36-38 m und ihrer Grundfläche von 48-50 m die Höhe mit 5 bis 6 m annehmen darf. Der umlaufende Wassergraben war etwa 8-10 m breit, ab der Zugbrücke bis zu 17 m 96. Der Turmhügel wurde noch Ende des 19. Jahrhunderts völlig abgetragen. 97


Hof Ritzerau 1571
(Daniel Frese)


Unmittelbar nördlich vor dem Burghügel befand sich der ebenfalls von einem Graben umgebene Hof, den im 15. Jahrhundert Hans (II) von Ritzerau besaß und zu dem in späterer Zeit der gleichfalls von einem Graben umgebene Vorhof hinzukam. Die Reste der Gutsgräben geben kein klares Bild von der früheren Hofanlage. 98 Ursprünglich muss es eine Zeit gegeben haben, in der allein die Burg vorhanden war. Der Gutshof entstand wahrscheinlich bei einer Verstärkung der Burg in der Zeit zwischen 1409 und 1626, während der Vorhof wahrscheinlich erst im Jahre 1626 durch einen Graben befestigt wurde 99. Deutlich erkennbar sind die drei Glieder der Hofanlage auf dem von Fehling wiedergegebenen Plan aus der Mitte des 18. Jahrhunderts 100. Heute ist von der einstigen Anlage so gut wie nichts mehr erkennbar. Am Platz der abgetragenen Motte befindet sich ein Silagebecken, die Gräben sind zugeschüttet und nur noch andeutungsweise zu erkennen, die Gebäude des modernen Wirtschaftsbetriebes darübergebaut. Die auf einer Karte von Daniel Frese aus dem Jahre 1571 dargestellten Fachwerksgebäude in geschlossener Bauform sind zweifellos der Fantasie des Zeichners entsprungen und entsprechen in keiner Weise dem überlieferten Grundriss der Anlage.


das sogenannte Schloss von Ritzerau
(Gemälde von W. Stolle)


Lage der Ritzerauischen Burganlagen in Nusse


Am Südrand des Hofsees befand sich inmitten von feuchten Wiesen eine flache Geestkuppe mit Namen „Gänseburg“. Von Befestigungswällen oder einem Graben sind Überreste nicht mehr zu erkennen und auch Funde sind nicht bekannt 101. Nordwestlich der Anlage fanden sich in fortlaufender Linie 24 gut erhaltene Eichenpfähle (Hofmeister) und in der östlich gelegenen Wiese soll ein Pfahlbau im moorigen Untergrund stecken. Hier fanden sich etliche Tongefäßscherben. Wem die Anlage zuzusprechen ist, lässt sich nicht sagen. Vielleicht haben wir es hier mit einer weiteren ritzerauischen Anlage zu tun.



2. Duvensee:

Duvensee: Lageplan von slawischem Ringwall und Turmhügelburg


Die 1346/1347 zerstörte Burganlage in Duvensee wird zum Teil mit dem Duvenseer Wall identifiziert 102, dessen Anlage heute nur noch schwach im Gelände sichtbar ist 103. Doch dürfte diese Anlage der mittelslawischen Zeit angehören und nach dem Bruch des fränkisch - obodritischen Bündnisses - 817 - entstanden sein. Vermutlich hat sie den aufgegebenen Sirksfelder Wall ersetzt 104.


Scheidet der Duvenseer Wall als ritzerauische Anlage mithin aus, so lässt sich die vermutliche Lage des Rittersitzes der Herren von Duvensee doch aus den Flurkarten von 1777 und 1780 erschließen, die vor und nach der Verkoppelung aufgenommen sind. Etwa halbwegs zwischen Duvensee und Klinkrade ist östlich der Straße, wo eine Geländenase in die Niederung vorspringt, der Flurname „auf der Borg“ verzeichnet. Gräben und Wälle sind nicht mehr dargestellt, doch haben wir mit der Möglichkeit zu rechnen, dass hier der Sitz der Herren von Duvensee gelegen hat. 105 Kersten 106 vermutet diese Burg am nördlichen Dorfrand, westlich der Straße auf der Hauskoppel des Bauern Franz Grell, in der Niederung des Mühlenbachs (vgl. Flurkarte von 1777 Stelle F) 107. Dort sind auf der zum einstigen See


Duvensee nach der Flurkarte von 1777
(schwarz: Lübsche Untertanen, rot: Altsteinhorster Untertanen,
Burganlage der von DUVENSEE vmtl. bei Hof F)

hin sich erstreckende Fläche zwei flache Erhöhungen - ein Quadrat von ca. 35 m Seitenlänge und ein Kreis von ca. 27 m Durchmesser, voneinander getrennt durch einen ca. 8 m breiten und insgesamt umgeben durch einen noch etwas breiteren Graben, im Süden vorgelagert, vielleicht ein Wall - zu erkennen 108. Für diese Burg gibt es nur eine mündliche Überlieferung. So erinnert sich der Verfasser noch daran, dass in seiner Jugend dieser Platz bei alten Leuten unter dem Namen Schlossberg bekannt war. Einige alte Bauern konnten sich noch an die Abtragung des Walles und der vorhandenen Mauerreste erinnern. Gastwirt Funk berichtete, dass an einzelnen Stellen kreisbogenartige Steinlagen festgestellt wurden. Einzelne Steinblöcke waren dabei so schwer, dass sie von vier Pferden nicht hätten fortgezogen werden können. Von der Burg soll ein unterirdischer Gang in Richtung Linau geführt haben. Dies alles klingt nach sehr viel Fantasie. Vielleicht stand an dieser Stelle aber nicht die Burg, sondern der bis 1476 bezeugte Wirtschaftshof der Herren von Duvensee, die nach der Zerstörung ihrer Burg im Jahre 1346 bis zu ihrem Aussterben im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts auf ihrem Hof in Duvensee ansässig blieben 109.


Duvensee: Lageplan des Hofes (Prange)


Reste der ehemaligen Burganlage der von DUVENSEE
(rechts Reste des vmtl. Burghügels mit Burggraben)


3. Mechow:


Die typische Dreiteilung der Anlagen in Dorf, Wirtschaftshof und besondere Befestigung haben wir auch in Mechow deutlich im Text der Verkaufsurkunde von 1351 belegt 110. Von dem befestigten Sitz der von Ritzerau/von Duvensee schreibt Hofmeister 111, dass in Mechow nichts erhalten und auch die genaue Lage unbekannt sei. Nun sind bei Krüger 112 aber zwei Lagepläne von Mechow von 1727 und 1806 abgebildet, die deutlich erkennen lassen, dass die hinter dem Gutshof fließende Bäk eine Schleife macht. Auf dieser Schleife ist ein kleines Gebäude eingezeichnet, das auf dem Plan von 1806 (Ziff. k) als Schweinestall bezeichnet wird. Mit Langenheim 113 scheint sicher zu sein, dass wir hierin die Stelle des durch den Wassergraben umgebenen festen Wohnturmes zu sehen haben. Diese Annahme wird bestätigt durch ein Luftbild, dass die Anlage einer Burg an dieser Stelle deutlich erkennen lässt 114. In der Landschaft lässt sich indes nur eine schwache Erhebung ausmachen. Die Gräben sind zugeschüttet und das hier stehende Gebäude lässt Erkenntnisse nicht mehr zu.


Mechow: Lageplan der mittelalterlichen Turmhügelburg (bei Dähn)

Lage der mittelalterlichen Turmhügelburg (Dähn)


Hof Mechow: Lageplan der mittelalterlichen Turmhügelburg
(bei Krüger)



4. +Silkenborg:


Koberg: Cäcilieninsel (Groß Silkenborg)


750 m östlich vom Forsthaus Schevenböken bei Koberg liegen mitten im Wald dicht beieinander zwei kleine Burgen 115 , Die erste Anlage, die sogenannte Cäcilieninsel (Caecilien- ist vmtl. eine moderne Entstellung aus Silken-), ist eine kleine Motte mit einem Durchmesser von 15 m und einer Höhe von 3,5 m. Sie wird von einem breiten, tief eingeschnittenen, noch heute Wasser haltenden ringförmigen Graben umschlossen. An der Westseite ist ein Vorwall mit einem Außengraben vorgelagert. Hier vermutet Hofmeister 116 eine Brücke über den Graben, weil sich dort eine Mulde im Vorwall und ein Pfad zur Kuppe der Motte gegenüberliegen. Auf der Kuppe fand Schuchardt bei einer Grabung im Jahre 1911 unter einer 0,75 m mächtigen Humusschicht im gewachsenen Lehmboden außer einigen grauen Scherben und ein paar Eisennägeln die Pfostenlöcher eines im Grundriss annähernd quadratischen bis leicht trapezförmigen Holzturmes, dessen Eckpfosten 4,5 bzw. 5,2 m auseinander standen. Zwei an der Westseite vorspringende Pfosten mit einem Pflaster dazwischen deuten vermutlich auf einen Eingang.


Koberg: Groß und Klein Silkenborg
(Lageplan bei Hofmeister)


130 m nordöstlich liegt ein zweiter, ähnlicher Burghügel. Er ist mit knapp 2,5 m Höhe und einem Durchmesser von 12 m an der Basis deutlich kleiner. Ihn umgeben ein heute trockener Ringgraben und ein flacher Außenwall. Auf der Kuppe des Hügels legte Schuchardt das quadratische Felsteinfundament eines Bergfrieds von 5 x 5 m frei, dessen Fundamentmauern etwa 1 m dick waren. Im Inneren und auf dem Fundament fanden sich große Mengen von verbranntem Lehm- und Holzwerk, in den Ecken deutlich Reste verkohlter Rundhölzer, etwa 10 cm im Durchmesser und gebrannte Lehmstücke in Form von halbierten Röhren: offenbar die beim Brand verziegelte Lehmverkleidung der Rundhölzer, außerdem große Eisennägel und graue Scherben.


Lageplan der ritzerauischen Burganlagen bei Schevenböken


Auffallend sind die bei beiden Burghügeln einsetzenden Grabenzüge, die Hofmeister wohl zu Recht als Reste von Befestigungsanlagen ansieht 117. Vermutlich umschlossen sie ehemalige Wirtschaftshöfe, die den Burgen vorburgartig angegliedert waren 118. Wir können mithin auch für die Silkenburg die typische Dreiteilung in Dorf, Wirtschaftshof und Befestigung nachweisen.


Urkundlich ist die Silkenburg nie erwähnt. Doch scheint es zweifelsfrei, dass sie aufgrund ihres Typs und historischer Erwägungen in die Zeit zwischen der Mitte des 13. und der Mitte des 14. Jahrhunderts zu datieren ist 119. Als die von Ritzerau 1465/1468 ihre Stammgüter verkauften, ist nur noch von de woste veltmarke Syltendorpe (Syltendorpe ist verschrieben aus Silkendorf) die Rede. Es war also vermutlich schon längere Zeit her, dass die Burganlage ihre Funktion verloren hatte. Möglicherweise fiel sie der großen Welle der Burgenzerstörung der Jahre 1346 bis 1349 zum Opfer 120. Auffallend ist das Doppel der Burghügel, wobei man an zeitlich sich ablösende Anlagen denken könnte. Möglich bleibt aber auch die Vorstellung einer Art Ganerbenburg, wie wir sie bei der Stintenburger Hütte vorfinden 121.



5. Döbbersen:


1230 gab es 12 Hufen, davon vier Ritterhufen – vielleicht im Besitz der Ritzerau - und eine Hufe für die Kirche. Der Umstand, dass die von Ritzerau 1230 im Land Wittenburg über Zehntenbesitz im Kirchdorf Döbbersen und in Dümmer verfügten, legt die Vermutung nahe, dass sich auch dort eine Burganlage befunden hat, zumal die Ritzerau dort noch 1335 ansässig waren. Möglicherweise birgt der in einer Wiese bei Düsterbeck nahe Döbbersen liegende Hügel, Schlossberg genannt, wo sich undatierte Baureste fanden 122, die Reste dieser ehemaligen Burg. Die Wiese, heute verlandet, war früher ein See und der Hügel ein durchaus idealer Standort für eine Burg. Ob die von Ritzerau als Zehntenlehnsinhaber in Döbbersen auch die Lokatoren dieses Bereichs waren 123, muss dahingestellt bleiben, da Döbbersen noch 1226 als Besitz des bremischen Klosters Zeven erscheint 124. Die Dorfkirche wurde 1255, zu einer Zeit als die Ritzerau hier saßen, geweiht.

Döbbersen: Dorfkirchevon 1255
(aus ritzerauischer Zeit)


6. Dechow:


Turmhügelburg
(Rekonstruktion bei Wachtel; so könnte die Burg
der von DECHOW/von RITZERAU ausgesehen haben)


Eine Burganlage ist für Dechow schon im 13. Jahrhundert nachgewiesen. Von ihr haben sich sichere Zeugnisse nicht erhalten. Erster urkundlich bezeugter Besitzer war 1229/1230 Gottschalk von Dechow. Die heute noch sichtbaren Zeugnisse beschränken sich auf einen kleinen steilen Hügel am Nordausgang des Dorfes, der von einem kleinen flachen Graben umgeben ist. Auf der eingedellten Kuppe dieses Hügels fand sich noch Mauerwerk 125. Nach den Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege in Mecklenburg haben wir uns die Anlage folgendermaßen vorzustellen:


Nach den Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege in Mecklenburg haben wir uns die Anlage folgendermaßen vorzustellen:


Auf dem ca. 100 x 80 m großen umfriedeten Hof standen die Wohnungen für die ritterliche Familie und ihr Gesinde, sowie verschiedenen Wirtschaftsgebäude. Befestigt war der Hof mit Graben, Wall und darauf stehendem Palisadenzaun. Der Zugang war mit Tor und Zugbrücke gesichert. Bei Gefahr zog man sich in die mit wenigen Leuten zu verteidigende Turmhügelburg am Ostrand des Hofes zurück. Diese wurde nach den archäologischen Befunden dreimal niedergebrannt und wiederaufgebaut, zuletzt - in ritzerauischer Zeit - als mit Ziegeln ausgemauerter Fachwerkwehrturm (Bergfried) mit einem Grundriss von 3 x 3 m, hinter einer

Dechow: ehemalige Turmhügelburg
(Foto: Specht 1998)

Brustwehr aus Wall und Palisade auf einem aufgeschütteten Hügel von heute 3 m Höhe und 15 m oberem Durchmesser, umgeben von einem 7 bis 10 m breiten Graben. Das Ende dieser Anlage kam, als 1399 die Ritzerau „unsen hof, dorf und gudt tho Dechow“ dem Ratzeburger Bischof verpfändeten 126. Danach wurde die Anlage aufgelassen und fiel wüst. In der unmittelbaren Nachfolge des Dechower Hofes steht dann vielleicht die Mustiner Anlage des 15. Jahrhunderts.



7. Mustin:


Dass sich auch in Mustin eine Burganlage befunden hat, beweist die Tatsache ihrer Zerstörung im Jahre 1291 127. Da der Ort auch nach diesem Zeitpunkt adeliger Besitz war 128 und wir als gesichert annehmen dürfen, dass etliche dieser Besitzer in Mustin selbst angesessen waren, werden wohl auch die von Ritzerau hier eine Burganlage besessen haben. Dies scheint schon deshalb nicht unwahrscheinlich, weil das Geschlecht hier auch nach dem Verlust von Mechow und Lankow mit Mustin und Dechow immer noch über einen durchaus ansehnlichen Besitz verfügte. Neben der mutmaßlichen Burganlage sind sowohl für Mustin als auch für Dechow Wirtschaftshöfe gesichert.


Zeugnisse der Mustiner Burganlage besitzen wir erst aus späterer Zeit. Zur Zeit von Hans Rantzau befand sich in Mustin ein stattliches Herrenhaus. Es lag am Südrand des großen Mustiner Sees, rings von Moor umgeben, dort wo heute die Koppel Ohle Hoff liegt, eine sanfte Diluvialkuppe von 75 und 100 m Durchmesser. Auf diesem Gelände dürfen wir auch

Mustin: Lageplan der Turmhügelburg

Mustin: vermutliche Lage der ältesten Burganlage (Dähn)


Mustin: Burganlage („Arx Mustina“)
(nach der „Rantzauischen Tafel“)


die ältere, 1291 zerstörte Burganlage und deren Nachfolgebau vermuten, wenngleich dies nicht gesichert ist 129. Von den Gräben und Wällen ist heute keine Spur mehr zu sehen. Nur der Boden ist mit Bauschutt durchsetzt und die Ortsüberlieferung spricht mit Bestimmtheit von einer Burg an diesem Platz. Am Uferrande hat der See eine Pfahlreihe konserviert, die fortifikatorischen Zweck gehabt haben wird 130.



8. Labenz:

Labenz: Lageplan der mittelalterlichen Hofanlagen


Labenz gehörte von Anfang an zum ritzerauischen Güterkomplex. Möglicherweise befanden sich dort auch zwei mittelalterliche Anlagen der Ritzerau 131. Die eine hoch gelegene Fläche von 25x30 m, umgeben vom Wasserlauf der Lowenze, bietet eine weite Sicht über das ebene Land. Die Kuppe zeigt deutliche Merkmale umfangreicher Erdarbeiten. Ein zugeschütteter Graben auf der Oberfläche des Hügels ist noch leicht an der Bodenwelle und an der Vegetation zu erkennen.


Bei der zweiten Anlage südöstlich des Dorfes sind weitere Erdwerke erkennbar. Hier soll sich ein Burgwall befunden haben 132. Wie diese Anlagen zu bewerten sind, hat sich bislang nicht klären lassen. Vermutlich waren es aber keine Burganlagen, sondern eher Wirtschaftshöfe oder Mühlen.



9. Hasselburg:


Hasselburg erscheint erst spät in den Urkunden, erst seit dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts, dürfte aber wesentlich älter sein 133. Die Nähe der Kirche in Altenkrempe, die um 1200 erbaut worden ist, legt die Vermutung nahe, dass hier von alters her eine enge Verbindung zwischen Kirche und Ritterburg bestand, ähnlich wie in Pronsdorf oder Haseldorf. Wie diese Anlage im 16. Jahrhundert ausgesehen hat, als die Ritzerau Hasselburg besaßen, lässt sich nicht sicher sagen. So wissen wir auch nicht, ob die um 1570 erbaute rantzauische Anlage den ritzerauischen Hof ersetzt hat oder ob dieser weiter westlich gelegen hat. Dort liegen im Forst „Hörsten“ in einem hügeligen Gelände mehrere markante Kuppen, die eine Burganlage bilden.

Hasselburg: Lageplan der mittelalterlichen Burganlage

Das Gelände gehört zum Randgebiet der Kremper Au. Dähn 134 beschreibt die Anlage wie folgt: „Man betritt das Burggelände über den östlichen Hügel. Er besitzt einen Durchmesser von ca. 29 m und ist noch etwa 1,4 m hoch. Auf seiner Oberfläche befinden sich zahlreiche Feldsteine, vermutlich Reste eines Tores. Etwas westlich dieses Torbereiches liegt ein ovaler Hügel von 18x21 m und 1,6 m Höhe. Er könnte die Vorburg getragen haben. Der eigentliche Turmhügel folgt wiederum westlich davon. Ein weiterer kleiner Hügel unbekannter Funktion ergänzt die Reihe nach Westen hin. Nördlich dieser Kuppe befindet sich ein flaches Plateau, vielleicht der ehemalige Wirtschaftshof“.

Hasselburg: Lageplan der mittelalterlichen Turmhügelburg (Dähn)


Hasselburg: vmtl. Lage der einstigen Burganlage (bei Dähn)


Hasselburg (“Arx Hasselborchia“
(nach der „Rantzauischen Tafel“)



Der Verlust der Stammgüter:

(vgl. die eingehenden Untersuchungen durch Schulze, Raiser und Grassmann)


Das Wirkungsfeld der Ritzerau lag im Spannungsfeld der beiden mächtigen Hansestädte Lübeck und Hamburg und dem zwischen beiden liegenden Herzogtum Sachsen-Lauenburg. Die Konflikte zwischen diesen Parteien bestimmten das Schicksal dieser mächtigen Adelsfamilie. Es war der notorische und für das Mittelalter so typische Mangel an Bargeld, der den Adel, aber auch die Herzöge von Sachsen-Lauenburg, in die Arme des Finanzzentrums Lübeck trieb. Die Stadt selbst, ihre reichen Kaufleute, die Kirche und Stifter waren bereit und willens, Geld gegen Zinsen auszuleihen. Diese Transaktionen erfolgten entweder als Renten aus Dörfern sowie aus einzelnen Bauernstellen, oder man kaufte Objekte, zumeist mit der urkundlichen Verankerung eines Wiederkaufsrechts. Schließlich konnte man auch zum Mittel der Verpfändung greifen, indem man für die Herleihung von Geldsummen immobile Objekte als Pfand gab. Die Übergänge zwischen einer Überlassung als Pfand und einem Verkauf gegen Wiederkaufsrecht waren natürlich fließend 135. Lübeck auf der einen Seite konnte dabei Sicherungen einbauen, wie z.B. die Möglichkeit des Wiederkaufs auf einige Jahre beschränken oder ihn auch nur für Familienangehörige offenhalten. Die „Verkäufer“ auf der anderen Seite hatten die Möglichkeit, gerichtlich vorzugehen oder derartige privatrechtliche Verhältnisse auch „mit grober Hand“ durch Gewalt zu ihren Gunsten beeinflussen. Alle genannten Möglichkeiten werden wir im Verhältnis der Stadt Lübeck zur Familie von Ritzerau sehen. Diese traten, wie andere lauenburgische Adlige 136 auch, außer mit Mölln, in seiner Funktion als vorgeschobenes Kapitalzentrum der Stadt Lübeck 137, auch mit Lübeck selbst schon früh in enge Verbindung, wobei das Schwergewicht finanzieller Natur war, aber nicht nur, wie das Beispiel Hartwigs (V) und Ottos (III) zeigt. Die großen Pestepidemien, die seit 1350 auch den Norden Deutschlands immer wieder heimsuchten und die einen starken Bevölkerungsrückgang und zahlreiche Wüstungen zur Folge hatten 138, die noch verstärkt wurde durch die zunehmende Landflucht, hatte eine tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Krise zur Folge. Das Wüstwerden vieler Dörfer - wir sehen dies auch im Bereich des ritzerauischen Güterkomplexes in +Gardensee, +Helle, +Klein Klinkrade, +Manau, +Siltendorf und +Wendisch Sirksfelde - bedrohte die Existenz des von den Grundrenten lebenden Landadels. Die Reaktion waren Überfälle des Adels auf die Transporte der Kaufleute. Sie haben unser Bild vom „Raubritter“ geprägt. Städte und Landesherren suchten dieser Entwicklung durch die „Landfriedenseinigungen“ zu begegnen 139. Hinzu kam - und dies wog ungleich schwerer -, dass Lübeck im Jahre 1359 Stadt und Vogtei Mölln erwerben konnte 140, sowie 1370 die Herrschaft Bergedorf 141. Dadurch trat nun eine starke Interessenkollision mit den adligen Familien ein, denn im Gefolge dieser geschäftlichen Transaktionen kam es zur Pfandhuldigung des lauenburgischen Adels in der neuen lübschen Vogtei. Auch die Ritzerau schworen und begaben sich so in ein territoriales Untertanenverhältnis zu Lübeck, während sie lehensrechtlich an ihren Herzog gebunden blieben 142. Hinzu kam, dass ihre ständige Geldnot - vgl. z.B. Bertold (VI) von Ritzerau - jetzt eine andere Qualität bekam. Hatte sich Lübeck in der ersten Phase seiner Beziehungen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts mit Geldanleihen und deren Pfandsicherung begnügt 143, so strebte es nun nach dem Landbesitz des Adels selbst. Als erste wichen noch im 14. Jahrhundert die von Krummesse den Interessen der mächtigen Hansestadt 144, dann kamen 1424/1444 die von Grönau, deren Besitz an der Salzstraße im Wege lag 145. Jetzt waren es vor allem die ritzerauischen Güter westlich der Stecknitz an der Südflanke der Vogtei Mölln, die die Begehrlichkeit Lübecks weckten. So zeichnet sich ab Beginn der dreißiger Jahre des 15. Jahrhunderts eine zweite Stufe der Beziehungen der Ritzerau mit der Stadt Lübeck ab, deren zunehmende Dramatik schon bald erkennbar wird 146.


Bereits 1401 hatte Otto (III) der Stadt seine Güter wegen des Bergedorfer Fehlschlags angeboten 147. 1413 war die Stadt dann mit den Knappen Volrad (I) und Johannes von Ritzerau in Geschäftsverbindungen getreten 148. Vor 1431 müssen sie dann ihr Schloss Ritzerau zeitweilig an Lübeck versetzt haben, denn in diesem Jahr zahlten Hans (II) und Otto (IV) von Ritzerau dem Rat zu Lübeck 200 Mark von einem Kapital von 360 Mark lüb zurück, für das sie ihr Stammschloss Ritzerau verpfändet hatten 149. In den nächsten 35 Jahren beanspruchten sie weitere Kredite von Mölln und Lübeck. 1442 verkauften Hans und Otto (IV) von Ritzerau einem lübschen Bürger eine Rente aus ihrem halben Dorf Duvensee 150. 1447 erwarb der Rat die Berechtigung zur Nutzung eines Eichengehölzes 151 und 1448 verkaufte Otto (IV) einem Möllner Priester eine Rente aus Klein Ritzerau 152. 1452 überließ Hans (II) von Ritzerau einem Lübecker Bürger eine Rente aus seinem halben Dorf Koberg zum Besten der Frauen im Armenhaus zu St. Ägidien in Lübeck 153. 1454 legte er diese Rente um nach seinem Hof in Klein Ritzerau 154. 1463 verschreiben die Brüder Volrad (II) und Otto (V) von Ritzerau einem Möllner Bürger eine jährliche Rente aus einer Hufe im Dorf Poggensee 155und 1465 eine solche aus drei Hufen in Tramm 156. 1466 verkaufen sie dem Lübecker Rat eine Anzahl Bäume 157 sowie einem Lübecker Ratsherrn Einkünfte aus ihrem Hof in Klein Ritzerau 158. Der Hof wurde in den folgenden Jahren dann nochmals mit einer Rente an denselben Ratsherren belastet 159


Diese fortwährenden Anleihen machten die finanziellen Schwierigkeiten der Familie von Ritzerau offensichtlich, auch dem Lübecker Rat. Zug um Zug band die Stadt die Familie enger an Verpflichtungen. Schon 1452 hatte sich die mächtige Hansestadt, als Hans (II) von Ritzerau wegen verschiedener Gewalttaten 160 zur Zahlung einer Geldbuße von einem lübschen Gericht in Nusse verurteilt worden war, das Vorkaufsrecht an seinen Gütern einräumen lassen 161. Als ihm dann die Schulden über den Kopf wuchsen, ließ sich ein Verkauf nicht mehr vermeiden und die Stadt konnte ihr Vorkaufsrecht geltend machen. So veräußerte Hans von Ritzerau dann 1465 seinen gantzen andeel am Schlosse Ritzerau mit seinem dort belegenen Hof, auf dem er wohnte, dazu die halben Dörfer Klein Ritzerau mit der halben Mühle, Koberg, Poggensee, Duvensee, Woltersdorf und Tramm, sowie die wüsten Feldmarken von (+Wendisch-)Sirksfelde, +Manau und +Siltendorf 162. Wie schon beim Erwerb der Grönauer Güter 1424/1444 erhielt Lübeck die Dörfer mit allen Nutzungen und Rechten, mit allen Gerichten, einschließlich des Blutgerichts, mit der Bede, Dienstgeldern und Diensten der Bauern und mit dem ganzen eghendome an geistlichen und weltlichen Lehen. Es hat ganz den Anschein, als sei es der Stadt hier an einer geschlossenen und dauernden Herrschaft gelegen gewesen 163, denn Hans von Ritzerau gestattete der Stadt, alle noch verpfändeten Rechte in den Dörfern in seinem Namen wieder auszulösen, sowie das Schloss Ritzerau auszubauen und die dafür aufgebrachten Summen auf die Kaufsumme aufzuschlagen. Dadurch erhielt Lübeck nicht nur die Möglichkeit, alle noch nicht miteingeschlossenen Rechte in seine Hand zu bekommen, sondern gleichzeitig wurde der Rückkauf, den sich Hans von Ritzerau vorbehalten hatte, erschwert. Diesem Ziel diente weiter die Bestimmung, dass Hans (II) von Ritzerau und seine Erben die Dörfer nur für sich selbst, nicht aber zum Nutzen und Gebrauch eines anderen zurückkaufen dürfe. Damit sollte, wie schon bei dem Erwerb der Vogtei Mölln, verhindert werden, dass ein Dritter das Geld für den Rückkauf gibt.


Drei Jahre später geben dann auch die Vettern Hans (II), Volrad (II) und Otto (V) auf und verkaufen ihre Anteile an den Stammgütern für sich und ihren unmündigen Bruder Hartwig IX) für 37733 Mark lüb an den Rat der Stadt Lübeck 164. Hartwig (X) von Ritzerau, der beim Verkauf noch unter der Vormundschaft seiner Brüder gestanden hatte, fand sich nicht ohne weiteres mit dem Verlust der Familiengüter ab, ohne jedoch das Rad zurückdrehen zu können. 1486 musste er sich der Hansestadt Lübeck gegenüber verpflichten, ihr Gebiet zu meiden und die Lübecker unbehelligt zu lassen 165 und sein Bruder Otto (V) legte im selben Jahr in einem Notariatsinstrument vor lübischen Ratsherren das Gelöbnis ab, sich auf Verlangen zur Haft zu stellen und nichts Feindliches gegen die Stadt zu unternehmen 166. Schließlich einigten sich die Parteien 1487 zu einem Schiedsverfahren 167. Otto (V) von Ritzerau leistete Urfehde 168 und Hartwig (X) erkannte gegen Zahlung einer Abfindungssumme von 500 rheinischen Gulden den von seinen Brüdern auch in seinem Namen getätigten Verkauf als bindend an und verzichtete auf alle weiteren Ansprüche 169.


Aber nicht nur die Ritzerau selbst fanden sich mit dem Verlust ihrer Stammgüter nicht ohne weiteres ab. Auch Herzog Johann IV. von Sachsen-Lauenburg (1463-1507) war schon im August 1465 in Lübeck erschienen 170 und hatte die Vorlage der Verkaufsbriefe von Mölln, Bergedorf und Riepenburg verlangt, offenbar um die Rechtsgültigkeit anzuzweifeln, wie er es denn im Februar 1466, kurz nach der ersten Ritzerauer Käufen auch tat 171. Unterstützt wurde er dabei von Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg (1440-1471) 172, dessen Städtefeindlichkeit hinlänglich bekannt war. Gegenüber dem Rat der Stadt Lübeck bemängelte er, dass der landesherrliche Konsens zu dem Kaufvertrag noch ausstünde 173. Obwohl Lübeck durchaus vergleichsbereit war, kam eine Einigung nicht zu Stande 174, und im Mai 1467 forderte Herzog Johann IV. erneut die Rückgabe der Vogteien 175. Wieder wurde er dabei vom brandenburgischen Kurfürsten unterstützt. Mitten in diese Verhandlungen, die ebenfalls ergebnislos verliefen, platzte dann der Kauf der übrigen Teile der Ritzerauer Güter durch die Hansestadt. Diese hatte es indes versäumt, die lehensrechtliche Genehmigung Herzog Johanns IV. einzuholen. Der widersprach denn auch sogleich energisch dem Verkauf und versuchte, wie schon früher sein Onkel Erich V., damit zu argumentieren, dass die Verkäufe ohne seine lehensrechtliche Zustimmung abgeschlossen und daher ungültig seinen 176. Dem setzte Lübeck entgegen, dass es Mölln samt Zubehör, wozu auch die Ritzerauer Güter rechneten, in Pfandbesitz habe und die Adligen der Vogtei dem Rat zu Lübeck den Huldigungseid geschworen hätten, so dass es eine Lehnherrschaft des Herzogs nicht anerkennen könne. Nach zähen Verhandlungen kam es im April 1469 zu einer Einigung, in der nun neben den Ritzerau auch dem Herzog u.a. ein Wiederkaufsrecht eingeräumt wurde, geknüpft allerdings an die Wiedereinlösung der Vogtei Mölln 177. Der Herzog gab jedoch noch nicht auf. Um den Verkauf zu hintertreiben, ließ er sich am 14.11.1471 von den drei ritzerauischen Töchtern Abel Schack, Adelheid Dargessen und Beke von Buchwald, die wegen ihres Brautschatzes noch 500 Mark aus den Gütern zu fordern hatten, diese Forderungen abtreten 178. Unter Vermittlung von Bischof Albrecht Krummendiek von Lübeck (1466-1489) kam dann schließlich ein Vergleich zustande, in dem die Stadt Lübeck dem Herzog ein „Geschenk“ von 1000 Mark machte und vier Wagenpferde dazugab 179. Der Herzog erteilte daraufhin am 22.07.1472 seine lehnsrechtliche Genehmigung, wobei vereinbart wurde, dass den Herzögen von Sachsen-Lauenburg die Wiedereinlösung der

Kernbereich des von Ritzerauischen Besitzes im Herzogtum Lauenburg


Ritzerauischen Güter nur bei Wiedereinlösung der Vogtei Mölln zustehen sollte. Dafür verpflichteten sich die Lübecker zu Ritzerau keine Mauern, Turm oder starkes Bollwerk bauen, noch neue Wälle aufführen zu lassen 180. Damit war die Ritzerauer Frage immerhin vorläufig geklärt, wenngleich es bis 1540 nicht an Versuchen der Familie Ritzerau gefehlt hat, das Rad der Geschichte gewaltsam und am Verhandlungstisch noch einmal zu drehen 181. Die Ritzerauer Dörfer sind - mit Ausnahme von Duvensee - nicht mehr an die Herzöge zurückgefallen, sondern auch bei der Rückgabe der Vogtei Mölln 1747 bei Lübeck verblieben 182. Erst mit dem Großhamburggesetz von 1937 kamen die Dörfer an den Kreis Herzogtum Lauenburg zurück. Der so hartnäckig von der Stadt Lübeck verfolgte Erwerb des Stammsitzes der Ritzerau, der dann Jahrhunderte lang als Stadtgut genutzt wurde, wurde unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten und angesichts der Finanznot unserer Städte zur Bürde. So endet mit dem Verkauf dieses Stücks „Tafelsilber“ in unseren Tagen an den Unternehmer Fielmann ein aufregendes Kapitel regionaler Geschichte, dass wie kaum ein anderes die vielfältigen Interessen der übermächtigen Hansestadt Lübeck gegenüber dem Landadel verdeutlicht hat.


Das nach der Zerstörung von 1409 wiederaufgebaute Schloss Ritzerau, das nach dem Übergang an Lübeck 1465/1468, Sitz des lübischen Vogts der neugeschaffenen Vogtei Ritzerau war, musste 1845 abgebrochen werden. Von Kobbe 183 konnte noch 1836 schreiben, dass man in den öden, einsamen Gemächern noch das vollständige Bild - das einzige in Nordalbingien erhaltene - eines mittelalterlichen Ritterschlos-

ses findet.

Das starke Interesse am Erwerb der Ritzerauer Güter lag zweifellos darin begründet, dass eine Verbesserung der Verkehrssicherheit der Handelswege erreicht wurde. 184 In diesem Sinne motiviert auch die Ratschronik die Erwerbungen, wenn es dort heißt: wente (die Güter des Hans (II) von Ritzerau) weren deme rade van Lubeke wol beleghen, na deme dat se rorden an de Voghedye to mollen und an de ghudere de Nutze, de alrede des rades waren 185.

Die von Ritzerau waren die letzten adligen Herren, die den Wirtschaftsinteressen der Hansestadt Lübeck im Bereich des Herzogtums Sachsen-Lauenburg weichen mussten. Wie die von Grönau und von Krummesse hatten auch die von Ritzerau das Pech, dass ihre Besitzungen den handelspolitischen Interessen der übermächtigen Hansestadt Lübeck im Wege standen. Ständige finanzielle Schwierigkeiten ließ das Geschlecht schon früh in eheilvolle Abhängigkeit zu Lübeck geraten. Aber anders als die von Grönau und von Krummesse ergaben sich die Ritzerau nicht kampflos in ihr Schicksal. Davon zweugen die unzähligen Fehden mit der Hansestadt und die – wenn auch vergeblichen – Versuche bis 1540, den einstigen Besitz zurückzuerlangen. Ihnen war lediglich ein Restbesitz an der Grenze zu Mecklenburg in Mustin und Dechow, sowie 2 ½ Hufen in Sterley verblieben. So war für sie im Herzogtum Sachsen-Lauenburg keine Basis mehr für eine weitere Entwicklung gegeben. Folgerichtig sehen wir denn auch die letzten Angehörigen des Geschlechts in anderen, in dänischen Diensten, wo sie noch einmal 1518 in Ostholstein mit Hasselburg einen ansehnlichen Lehnsbesitz erhalten und in Pommern, wo sie bei Dramburg ebenfalls Lehnsbesitz erwerben. Doch reichte die Kraft nicht mehr, um dauerhaft Fuß zu fassen. Noch vor Ende des 16. Jahrhunderts ist das Geschlecht im Mannesstamm erloschen.

Bürgerliche Namensvorkommen:


Die Brüder Metze und Henning RITZEROW sind als erbare herren und achtbar manne am 30.09.1322 Zeugen der Brüder von Rammel, die ihren Lehnsmann Bartus de Dammerow den Besitz von 8 Hufen in Damerow und 2 Hufen in Roglin bestätigen. 186 Beide werden als hinterpommersche Familie 187 bezeichnet. Über eine eigenständige adelige pommersche Familie Ritzerow ist im 14. Jahrhundert nichts bekannt. so dass Metze und Henning doch eher an die in Neubrandenburg bezeugten bürgerlichen Familie Ritzerow anzubinden, die ihren Namen wohl nach Ritzerow bei Stavenhagen trägt, sind. Hinricus RITZEROW ist 1370 als Pleban in Neubrandenburg erwähnt 188. Seine Zugehörigkeit zum Geschlecht Ritzerau ist zweifelhaft, wenngleich nicht gänzlich auszuschließen, sind doch gegen Ende des 14. Jahrhunderts zumindest drei Mitglieder der Familie (Adelheid I, Sophia I und Hartwig IX) im geistlichen Stand nachweisbar. Ich möchte aber eher annehmen, dass er Verbindungen zum Ratsherrn Achim RYCEROWE in Neubrandenburg hatte, der am 24.01.1386 als Zeuge auftritt 189. In diese Reihe mag auch jener magistro RITZERO scholastico gehören, der Kanoniker der Magdeburger Kirche war. Er ist zugegen, als sich Erzbischof Konrad von Magdeburg mit Nikolaus von Werle, Graf Gunzelin von Schwerin, Fürst Wizlaw II. von Rügen und Waldemar von Rostock gegen die Markgrafen von Brandenburg verbündet 190. Das Kaiserbederegister von 1496 nennt Angehörige der Familie in Gnoien (Albrecht RITZEROW), Weitin (RITZEROW), Waren (RYTZEROW) und Göhren (Hans RYSSEROW) 191. 2009 nennt das Telefonbuch in Deutschland den Namen zehnmal. Um 1620 nennen die mecklenburgischen Kontributionslisten weitere Namensträger in Malchin (1624 Clauß RIßEROW), Neukalen (1624 die RITZEROWsche, Jürgen RITZEROW), Friedland (1624 Ewald RITZEROW) und Rostock (1620 Clauß RITZEROW) 192. Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert lebt Johann Christopher RITZEROW. Seine Tochter Sophia (*21.11.1797 +14.01.1873) heiratet Christian Eberhard von NETTELBLADT (*14.01.1792 +20.03.1863). In die USA (Ohio) kommt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Robert RITZEROW (*1841, Sohn: Charles Edward *1866 +1896, Enkel: a. Raymond Kenneth *1895 und b. Charles Edward *1896 +1976).


Stammfolge



In zahlreichen im Internet veröffentlichten Stammbäume gehen – t. T. unter Berufung auf von Weltzien 193 - weiterhin von der Annahme aus, das geschlecht der Herren von Ritzerau sei aus Westfalen über Pommern in die Grafschaft Ratzeburg gekommen. Den Ahnherren sehen sie in dem Edelfreien Ramus Vrann 194, der im 12. Jahrhunderts aus Westfalen kommend in den Dienst der pommerschen Herzöge getreten war.


von Weltzien: Stammtafel von RITZERAU (Anfänge)


Ramus Vrann und seine Söhne Heinricus Rammouitis und Borts (Boriz) waren Burgmannen Herzog Casimirs I. von Pommern (+1180). 1208 sind sie Mitstifter des Klosters Treptow an der Tollense und schenken dem Kloster aus ihrem Besitz Lokencin, Bercowe, Gladeshove und Rosemarsow 195. Dafür, dass sie die Stammväter des ritzerauischen Geschlechts sind, fehlen indes die Beweise.


Betrachtet man nun die bei von Weltzien wiedergegebene Stammtafel, so springen die Ungereimtheiten sofort ins Auge. Bei seinem Dominus Corvinus (*vor 1211 +1240) und Walrauen (Hartwicus *vor 1195 ++1227) stimmen schon die angenommenen Geburtsdaten nicht. Der Sohn kann nicht vor dem Vater geboren sein! Wenn er zudem seinen Dominus Corvinus und Raueno Nobilis ein gleiches Todesdatum im Jahr 1240 zuschreibt, so lässt sich dieses nicht belegen. Wenn er weiter Walrauenus (Hartwicus) als Ehefrau Adelheid von Salem zuordnet, so steht dies in krassem Widerspruch zu Walrav von Ritzeraus Testament von 1240. Adelheid – aus welchem geschlecht ist ungeklärt – ist zweifelsfrei die Witwe von Walrav („ejusdem militis relicta“) 196 und nicht sie des vermutlich schon 1227 bei Bornhöved gefallenen Hartwicus, für den es im Übrigen auch nicht den geringsten Hinweis gibt, dass auch den Rufnamen Walrav trug.


Auch der in der Stammtafel aufgeführte Henricus (+1250) gehört nicht zu den von Ritzerau. Dies ist Heinrich (II) von Salerm-Wittenburg. Schließlich gehört auch Hartwig (1240/1302, Margarethe von Lützow) nicht hierher. In der Generation nach 1240 steht allein Hartwig von Poggensee (1240/1259), der aber vermutlich nicht den von Ritzerau zuzuordnen ist, sondern den von Tralau oder von Lasbek. Hartwicus (+um 1302) und Hartwicus (1291/1300, +v. 1306) gehören erst der Folgeneration an.


In der Forschung hat offenbar die unterschiedliche Nennung Walrauen, Rauen, Corvus, Corvinus dazu verleitet hier verschiedene Personen zu vermuten. „Der Vasall Covus wird sonst in Urkunden als de Raceburch, de Ritserow, Walrauen, Raueno“ in mannigfachem Wechsel erwähnt“, erkannte schon Biereye 197.n Bei allen Namensnennungen nach 1215 und vor 1240 handelt es sich um eine Person. In der von Weltzienschen Stammtafel sind folglich Dominus Corvinus (1220/1240) und Walrauen (1227/1240) zu einer Person zusammenzufügen.


Was also bleibt von der von Weltzienschen Stammtafel?


Da sind zunächst die Edelfreien (Nobiles) Rauen sen. und sein Sohn Rauen jun. Sie erscheinen um de Wende vom 12. Zum 13. Jahrhundert im Umfeld der Grafen von Dassel zu Nienover. Wenn man einen Anknüpfungspunkt für die Herkunft der von Ritzerau annehmen will, dann liegt er vermutlich dort. Graf Adolf I. von Dassel (+1224) hatte nach dem Tod von Graf Bernhard II. von Dannenberg (+1198) und dessen Sohn Bernhard III. (+1199) Adelheid von Wassel (+1244), die Witwe Graf Bernhards II. geheiratet und war von Graf Adolf von Schauenburg mit der Grafschaft Ratzeburg belehnt worden. Vermutlich in seinem gefolge kam sein Getreuer Walrauen (Rauen sen.) in die Grafschaft Ratzeburg, wo er mit umfangreichem Lehnsbesitz ausgestattet wurde (u. a. mit Ritzerau). Aber Graf Adolf konnte sich nicht behaupten. Am 25.05.1201 wurde er in der Schlacht bei Waschow von den Obotritenfürsten Niklot und Pribislaw vernichtend geschlagen und floh über die Elbe zurück nach Nienover. Die Grafschaft Ratzeburg wurde dänisch. Auch Rauen sen. wird mit seinem Lehnsherrn zurück ins Niedersächsische gegangen sein, denn 1215 ist er dort – zusammen mit seinem Sohn Rauen jun. – Zeuge.


Rauen sen. hatte vmtl. neben Rauen jun. mit Hartwicus (I) einen weiteren Sohn, der sich im Kampf gegen die dänische Herrschaft als Vasall der Grafen von Schwerin bewährte und erfolgreich an der Vertreibung der Dänen teilnahm. Vermutlich war er es, der den Lehnsbesitz in der Grafschaft Ratzeburg zurückerhielt, vmtl. kurz vor 1227.


Unterstellen wir die gerade skizzierte Annahme als wahrscheinlich, so könnte die Ritzerauische Genealogie um 1200 im Niedersächsischen, in Nienover, im Umfeld der Grafen von Dassel begonnen haben, was eine Herkunft letztlich aus Westfalen nicht ausschließt.





Die erste Generation:



?Walrauen (I; Rauen sen., Dominus Corvus)


(I – 1); *um 1165 +nach 1215; Nobilis, urk. 1215, gräflich von Dasselscher Vasall – 1215 ist Walrauen (Rauen sen.) -zusammen mit seinem Sohn Rauen jun. – Zeuge bei Gräfin Adelheid von Wassel, deren Ehemann Graf Adolf I. von Dassel und ihren Sohn Graf Adolf III.. sowie Hartmann von Hagen bei einer Schenkung für das Kloster Mariensee bei Bassum 198 . Walrauen kam vmtl. um 1189/1200 mit Graf Adolf I. von Dassel in die Grafschaft Ratzeburg, wo er u. a. mit Ritzerau belehnt wurde, das fortan für sein geschlecht namengebend wurde. Nach der Schlacht bei Waschow verlor er diesen Besitz und floh mit seinem Lehnsherrn zurück ins Niedersächsische., N. NN.


Kinder (vmtl., u. a.):

  1. Rauen jun. (Walrav II) > II-2

  2. ?Hartwig (I) > II-3




Die zweite Generation:



Rauen jun. (Walrav II) ?++Bornhöved 1227


(II – 2); *um 1190/1195 +nach 1215, Nobilis, er urkundet 1215 zusammen mit seinem Vater für Gräfin Adelheid von Wassel. Möglicherweise nahm er 1227 an der Schlacht bei Bornhöved teil, wo er zusammen mit seinem bruder Hartwig fiel?



Hartwig (I) von RITZERAU ++ Bornhöved 1227


(II – 3); *um 1195/1200 ++Bornhöved 1227, Nobilis, urkundet 1222 als Hartwicus , bischöflich-schwerinscher Vasall. - Hartwicus de Riczerowe tritt urkundlich nur ein Mal, am 31.03.1222 in Erscheinung, als Bischof Brunward (1194-1238) im Schweriner Dom die Verehrung der Reliquie vom Heiligen Blut bestimmt 199 . In der Grafschaft Ratzeburg fehlen urkundliche Nachrichten von ihm vermutlich deshalb, weil er Gegner Albrechts von Orlamünde (1202-1225) war 200 . Dies macht auch deutlich, dass wir Angehörige des Geschlechts der Ritzerau erst nach der Schlacht bei Mölln und dem Sturz Albrechts von Orlamünde im Jahre 1225 zuerst in Holstein und wenig später auch in Sachsen-Lauenburg finden. Ob bereits der 1194/1210 bezeugte Diakon und Kanonikus Hartuicus/Harwico 201 den Ritzerau zuzurechnen ist, die ja eine besondere Nähe zur Geistlichkeit ausgezeichnet hat, lässt sich nicht sagen. Dass Hartwig als Stammvater des Geschlechts anzusehen ist, wird durch das spätere Auftreten seines Rufnamens in ihm wahrscheinlich 202. Da wir nach 1222 nichts mehr von Hartwig hören, ist es möglich, dass er 1227 als Gegner der Dänenherrschaft in der Schlacht bei Bornhöved teilgenommen und gefallen ist. Über den Umfang seines Eigen-und Lehnsbesitzes fehlen jegliche Angaben. Wenn Neuschäffer diesen Besitz mit Ritzerau, Bergrade, Duvensee, +Helle, Klinkrade, +Wendisch-Klinkrade, Koberg, +Manau, Poggensee, +Silkendorf und +Wendische Sirksfelde angibt 203 , so beruht dies auf reiner Spekulation, da erstmals das Ratzeburger Zehntenlehnsregister von 1230 204 Angaben über den Zehntenbesitz macht und damit zumindest einen ersten Anhaltspunkt für den Umfang der Begüterungen des Geschlechts erkennen läßt.


Wenn Walrav (III) von Ritzerau und Konrad (I) von Lauenburg wirklich Halbbrüder gewesen sind 205 , dann müsste Hartwig eine Witwe geheiratet haben, die einen Sohn hatte, der Stammvater der Familie von Wackerbarth geworden ist. Hartwigs Kinder waren vermutlich:


Kinder:

  1. Walrav (III) > III-4

  2. Albernus > III-5

  3. ?Tochter N > III-6

  4. ?Bertha > III-7

  5. ?Bertold (I) > III-8



Die dritte Generation:



Walrav (III) von RITZERAU/von RATZEBURG (+1240, nach 25.04 / vor 25.12.)


(III – 4); Nobilis, Ritter, 1229/1237 Burgmann in Ratzeburg, gräflich-schwerinscher und herzoglich-lauenburgischer , sowie bischöflich-ratzeburgischer Vasall, urkundet zwischen 1227 und 1240 als Rauenus, Raweno, Coruus, Walrauen(us), Walraweno - Besitz und Stellung in den Zeugenreihen machen es so gut wie sicher, dass die in den Urkunden genannten Rauen nobilis, Rauen de Racesburg, Coruus und Walraven sich auf dieselbe Person beziehen. Für eine Aufspaltung der zwischen 1227 und 1240 genannten Walrauen, Raven und Corvus in mehrere Personen 206 fehlt ersichtlich jeglicher Grund. Erstmals genannt ist Raueno de Ritserow um die Wende des Jahres 1227 als Zeuge, als Graf Heinrich I. der Schwarze von Schwerin nach der Schlacht bei Bornhöved, an der er vermutlich teilgenommen hat, den Lübeckern zollfreien Handel in seinem Lande gewährt. Im Gegenzug sendet der Rat von Lübeck jedes Jahr Wein nach Schwerin 207 . Walrav ist zu dieser Zeit Burgmann in Ratzeburg. Die Burgen des Mittelalters waren nur zum Teil Wohnsitz adliger Familien 208 . Viel waren, im Besitz der Landesherren, die von dort ihre Territorien kontrollierten und schützten. Im askanischen Herzogtum (Sachsen-)Lauenburg waren dies neben Ratzeburg, Lauenburg und Dutzow. Diese militärischen Aufgaben, die diese Burgen erfüllten, wurden meist dem niederen Adel entstammenden Burgmannes übertragen, die sich für eine bestimmte Zeit oder auf Dauer auf der Burg aufzuhalten und die notwendigen Wach- und Wehrdienste wahrzunehmen hatten. Die Entlohnung für diese Dienste bestand in der Übertragung eines Burglehens 209 . Dessen Gegenstand war nicht die Burg, die in der Verfügung des Eigentümers blieb, sondern häufig (nicht immer) ein Haus auf der Burg, in dem der Burgmann wohnte, während er seiner Burghutverpflichtung nachkam. Stets aber gehörten zu einem solchen Burglehen Einkünfte an Geld und Naturalien, aus denen der Burgmann während der Zeit der Burghut seinen Unterhalt bestritt. An die Stelle dieser Einkünfte konnten auch Besitzungen und Rechte treten, die entsprechende Einkünfte abwarfen. In jedem Fall hob die Stellung als Burgmann, den Inhaber dieses Amtes über seine adeligen Genossen hinaus.


Ausdrücklich als nobilis bezeichnet und in der Zeugenreihe den Hofbeamten vorangestellt, wird Raveno in der Urkunde vom 13.08.1228, in der Herzog Albrecht I. von Sachsen den Johannitern das Dorf Pogez verleiht 210 . An der Spitze der Zeugen steht er auch noch 1229 in der Schenkungsurkunde des Herzogs über Disnack an denselben Orden 211 . Ebenfalls 1229 ist er - nun Coruus miles de Razeburg genannt - zusammen mit Conradus miles de Razeburg , der vermutlich den Wackerbarth zuzurechnen ist 212 , Zeuge beim Vertrag des Ratzeburger Bischofs Gottschalk (1229-1235) mit dem Dannenberger Grafen über die Zehnten im Lande Wehningen 213 .


1230 nennt das „Ratzeburger Zehntenlehnsregister“ Corvus als Lehnsinhaber in Ritzerau, Manau, Bergrade und Koberg. Außerdem besaß er den halben Zehnten in Döbbersen und Dümmer im Lande Wittenburg 214 .


  • Ritserowe . Manowe . Bercroth . Coberch beneficium Corui sunt / Ritzerau . Manau . Bergrade und Koberg gehören als Lehen dem Corvus.


  • XII (mansos) (D)obersche ecclesia I(I) preter quos dimidiam decimam habet Coruus / 12 Hufen Döbbersen. Die Kirche 2. Außer diesen hat den halben Zehnt Corvus,


  • X (mansos) Dvmmere dimidiam decimam habet Coruus / 10 (Hufen) Dümmer. Den halben Zehnt hat Corvus“


Ob ihm darüber hinaus weiterer Besitz, insbesondere im Bereich seiner Stammgüter, gehörte, steht zu vermuten, lässt sich jedoch nicht nachweisen, da der Zehnte hier vielfach noch nicht vergeben war - wie dies für Duvensee, Klinkrade, Poggensee, Wendisch Sirksfelde und Helle ausdrücklich gesagt wird – oder in Händen anderer Zehnteninhaber (Sirksfelde), von denen wir nicht wissen, ob und in welchem Verhältnis sie zu den Ritzerau standen. Nachweislich verfügte er zumindest in Sterley über Anteilsbesitz 215. Immerhin spricht der Umfang des 1230 bezeugten Besitzes für eine bereits längere Anwesenheit des Geschlechts im Land, wobei der Grundbesitz – wie bei den Grönau und Salem – am ehesten auf Lokatorentätigkeit zurückgehen wird 216.


Nach 1230 verschwindet die bevorzugte Stellung des Raveno nobilis in den Urkunden immer mehr. In dem Diplom über die Bestätigung des Klosters Preetz vom 03.08.1232 hat Raven de Raceburg seinen Platz schon hinter den ministeriales. Er steht aber noch an der Spitze der Ritterschaft 217. In den Jahre 1235 bis 1237 wird er dreimal in Urkunden der Ratzeburger Bischöfe als Zeuge genannt und zwar am 02.12.1235, als Bischof Gottschalk zu seinem Gedenken dem Domkapitel in Ratzeburg den halben Zehnten aus Woitendorf im Lande Gadebusch schenkt 218, um 1236, als Bischof Ludolf der Heilige (1236-1250) bestätigt, dass die Frauen Odilia und Bertha (I), ihr Erbgut der Kirche zu Bergedorf übertragen und sich dort als Nonnen aufnehmen lassen 219. Diese Urkunde ist zwar auf „1236“ datiert, das MUB merkt jedoch an, dass das Jahr 1228 eigentlich treffender wäre. Durch diese Vordatierung wäre dann auch erklärbar, warum Otto (II) Albus in der Rangfolge als der ältere vor Walrav (I) von Ritzerau zu stehen kommt. Schließlich bezeugt Walrav (III) am 26.12.1237 die Bestätigung des Nonnenklosters Rehna 220. In diesen drei Urkunden steht Walrav von Ritzerau nun nicht mehr an der Spitze der ritterlichen Zeugen, sondern ist mitten unter sie eingereiht. Die Einschmelzung des Edelfreien Raven in den gewöhnlichen Vasallenstand ist vollzogen 221, eine Entwicklung, die wir auch bei anderen edelfreien Geschlechtern im Herzogtum Sachsen-Lauenburg beobachten können 222.


Im März und April 1238 hielt sich Walrav (III) im Gefolge Herzog Albrechts I. in Ratzeburg auf, wo er für diese Zeit als Rauenus de Razeburg ausdrücklich als Burgmann bezeugt ist 223. Als Coruus ist er am 05.03.1238 Zeuge bei der Bestätigung der Freiheiten des Dorfes Walksfelde 224 und als Raweno am 04.04.1238, als der Herzog dem Kloster Reinbek die Schenkung der einen Hälfte von Reinbek durch Graf Adolf IV. von Holstein bestätigt und ihm die andere Hälfte sowie das Dorf Mühlenrade schenkt 225. Schließlich ist er als Zeuge zugegen, als der Herzog am 14.04.1238 dem Domkapitel zu Ratzeburg die Grenzen und die Rechte von Römnitz und Ziethen bestätigt und ihm die Kirche in Schlagsdorf überweist 226. Wenige Tage später, am 25.04.1238, finden wir Wolraweno in Dodow, als Bischof Ludolf die Schenkung der Kirche zu Schlagsdorf bestätigt 227. Vor Weihnachten 1240 ist er dann gestorben, denn am 25.12.1240 bestätigte Bischof Ludolf das von seinem Getreuen, Herrn Walrav (III), Ritter von Ritzerau (fidelis noster dominus Walraven miles de Rithserowe) errichtete Testament 228. In diesem vermachte er eine Mark aus der Mühle in Ritzerau jährlich für Almosen an die Armen, eine weitere Mark für das servitium der Ratzeburger Domherren und die Zehnten von drei Hufen in Sterley, die er vom Bischof zu Lehen trug, für die Speisung der Armen. Das Testament erwähnt auch Walravs (III) Witwe Adelheid mit ihren Söhnen (cum filiis):


„ …. Presentibus igitur litteris protestamur, quod dilectus fidelis noster dominus Walraven miles de Rithserowe, viam universe carnis ingressaurus, presentibus filiis, cognitis et amicis, familiaribus, heredibus et coheredibus, eiusdem consentientibus eidem et mediantibus, testamentum faciens pro se taliter et testatus:


  • In molendino Rithserowe pro remedio anime sue duas marcas numerum annuatim assignavit, unam in anniversaria commemoratione ipsius ad elemosinas pauperum fidelium, reliquam et servitium fratrum Raceburgensium annuatim et singulariter assignavit

  • In villa Stralie decimam trium mansorum, quam den manu nostra tenuit, item pro remedio anime sue petivit assignari, ita quod tota decima eorumdem mansorum annuatim in cibos pauperum proveniret, et quod prior Raceburgensis successive hos fructus recipiens, singula singularis distribuat, ordinavit.


Nos igitur, nullis iustis petionibus volentes oviare sicut a nobis permodum ejusdem militis relicta domina Adelheidis cum filiiis, heredibus et coheredibus, jus, quod in eisdem didimis habere videbantur, nobis resignantibus, humiliter postulavit, pro ratihabitione confirmavimus hoc testamentum …..


Testes autem hujus re sunt: Johannes des Nuthse, Johanne des Parkenthin, plebani; Otto de Kowale, Konradus Wackerbarth, Poppo de Crempe, milites ….“


Unter Walravs Söhnen wird der Ahnherr der Linie von Duvensee zu suchen sein. Als Zeugen erscheinen neben zwei Geistlichen u.a. die Ritter Otto von Kogel, Konrad Wackerbarth und Poppo von Krempe, sicherlich nahe Verwandte des Erblassers und seiner Frau. An der Urkunde hängt ein großes schildförmiges Siegel 229. Es zeigt zwei Turnierkragen, der obere von sechs ganzen und eines sich rechts in den Rand verlierenden, der untere von vier ganzen und zwei sich in den Rand verlierenden Lätzen mit der Umschrift +CLIP (EU)S * DNI * WALRAVE(NI) . MILITIS. Es ist dies das älteste überlieferte Adelswappen aus dem herzogtum Sachsen-Lauenburg. Als Ahnherr (proavus) der Brüder Heynekinus, Dethleuus und Walrauenus de Duuense ist er am 24.02.1306 genannt 230.


Aus seiner Ehe mit Adelheid stammen vmtl. u. a. die Kinder:


  1. Sohn N > IV-10; > siehe Linie von DUVENSEE

  2. ?Tochter N > IV-11


Welchem Geschlecht Adelheid entstammte, ist unbekannt. Wolf-Lüdeke von Weltzien wollte in ihr eine Angehörige der Familie von Salem erkennen 231. Johannes von Wackerbarth erwägt eine Verbindung zur Familie Albus/Witte 232. Dies ist insoweit beachtenswert, als wir Walrav (III) und Otto Albus von Wittenburg 1228 gemeinsam als einzige weltliche Zeugen über die fromme Stiftung einer Odilia und deren Tante Bertha (I) sehen. Hier weist Odilia als weibliche Namensform von Otto in Richtung der Familie Witte/Albus und Bertha ist ein Name, den wir bei weiblichen Angehörigen der Fmilie von Ritzerau belegt finden. Walrav (III) und Otto (II) Albus müssen also irgendwie miteinander verwandt gewesen sein. Und Ottos (II) Sohn, Otto (III) von Kogel steht in 13 zu ihm erhaltenen Urkunden ganze neunmal neben Walrav (III) und wird bei Walravs Tod ausdrücklich als Verwandter bezeichnet. Diese enge Verzahnung der Familien Witte/Albus und von Ritzerau lässt sich, da keine Blutsverwandtschaft vorliegt, eigentlich nur durch eine Eheverbindung erklären. Vermutlich war Walravs (III) Frau Adelheid eine geborene WITTE, Tochter von Otto (I) Albus.


Auffallend ist auch die enge Verbindung Walravs mit der Familie von Wackerbarth, insbesondere mit Konrad von Lauenburg. Dies lässt sich eigentlich nur dadurch erklären, dass Walrav (III) von Ritzerau und Konrad von Lauenburg Halbbrüder gewesen sind 233. Im Ratzeburger Zehntenlehensregister erscheinen „Corvus et Conradus, milites de Raceburg“ als Zeugen in einer eingeschobenen Urkunde über das Land Wehningen, dessen Zehnten dem Grafen von Dannenberg zustanden 234. Die Konjugation „et“ zwischen zwei Personen findet sich nach eingehender Durchschau der Urkundenbücher ausschließlich bei Verwandten ersten Gradesoder bei Geistlichen desselben Konvents. Bei Vater und Sohn ist meist eine nähere Erläuterung („senior“, „iunior“ oder „filius“), bei Brüdern der Hinweis „fratres“ hinzugefügt. Walrav und Konrad stammten aufgrund ihrer verschiedenen Wappen aber unzweifelhaft aus verschiedenen Sippen, zudem war Walrav edelfrei, Konrad dagegen nicht. Dies lässt dann eigentlich nur den Schluss zu, dass sie am ehesten Halbbrüder gewesen sind, die sich für eine gewisse Zeit das Burglehen in Ratzeburg teilten 235. Das passt insofern, als der mutmaßliche Schwiegervater Walravs, Otto (II) Albus von Ratzeburg, dieses bereits 1194 innegehabt hatte und auch Zeuge bei genau jener Urkunde war, die den gleichen Sachverhalt, d. h. den Zehntbesitz der Grafen von Dannenberg im Land Wehningen regelte 236. Unklar bleibt, wie das genaue Verwandtschaftsverhältnis von Walrav II(I) und Konrad gewesen ist. Sie hatten aber wohl eine gemeinsame Mutter. Dies lassen wohl die Urkunden erkennen, wo Konrad als der vielleicht ältere erstmals 1224 genannt wird, während die ?Brüder Walrav (III) und Albern von Ritzerau erst 1226 bzw. 1227 urkunden.


v. DUVENSEE v. RITZERAU

Mögliche Verbindung der Familien
Albus/Witte, von Wackerbarth, von Ritzerau


Albernus von RITZERAU (+nach 29.06.1247)


(III – 5); Nobilis, urkundet zwischen 1226 (?) und 1247 als Albernus, Albero, holsteinischer Vasall, Truchsess - Möglicherweise ist er mit jenem Albernus/Albero gleichzusetzen, der uns als Truchsess des Grafen Adolf IV. von Holstein (1225-1238) am 29.09.1226 bei der Bewidmung des Klosters Preetz begegnet 237. Ein zweites Mal ist der Truchsess Albero genannt, als der Graf im Dezember 1236 den nach Hamburg handelnden Kaufleuten der Mark Brandenburg ein Privileg hinsichtlich der Herabsetzung des Ungeldes erteilt 238. Begütert war Albernus von Ritzerau u.a. in Eilbek. Dort verkaufte er 1247 drei Hufen, die er gemeinsam mit dem Hamburger Vogt Gerhard von Graf Johann I. von Holstein (1238-1263) zu Lehen besaß, an das Heilig-Geist Hospital in Hamburg. Herzog Johann I genehmigte diesen Verkauf am 07.06.1247 239.


Die Schlacht bei Bornhöved (1227)
(Miniatur aus der sächsischen Weltchronik, um 1300)


Möglicherweise hatte Albernus aber auch im Herzogtum Sachsen-Lauenburg Besitz. Hier ist im Ratzeburger Zehntenlehnsregister 1230 ein "Albertus" als Besitzer von zwei Hufen in "Gvletse" (Gülze) am Nordufer des Möllner Sees genannt 240.


„Gvletse. Albertus II preter quos dimidiam habet prepositus. X (mansis)/

Gülze. Albert 2. Außer diesen hat der propst den halben (Zehnt) X (Hufen)“


Biereye will in ihm einen Angehörigen der Familie von ZAPEL/von BRAHLSDORF erkennen, der weiteren Zehntenbesitz in Zapel, Stresdorf und Wotenitz hatte 241. Dies ist nicht zwingend, gibt es doch gute Gründe, in „Albertus“ Albern von Ritzerau zu erkennen, denn im Jahre 1262 bestätigten Konrad Wackerbarth, vmtl. der Neffe Alberns zusammen mit Bertold (II) von Ritzerau, in dem man in diesem Zusammenhang vielleicht als Sohn von Albern von Ritzerau ansprechen kann 242, den Besitz der Stadt Mölln an Gülze 243.


Letztmals genannt ist Albernus de Rytserowe am 29.06.1247 als Zeuge, als Herzog Johann I. von Holstein dem Heilig-Geist-Hospital eine Fischereigerechtigkeit an der Eilbek verleiht 244.


Kinder (vmtl):

  1. ?Bertold (II) > IV-12, > siehe Linie von RITZERAU



(?) N. von RITZERAU


(III – 6; Das Auftreten des überaus seltenen Vornamens Raven bei dem Geschlecht von Stove - Raven (Corvus) von STOVE ist 1240/1249 genannt 245 - lässt an die Möglichkeit denken, dass seine Mutter, Gemahlin von Luthard von STOVE, der 1230 Zehntenlehnsbesitz in Stove, +Ekhorst und Rünz hatte, eine geborene von Ritzerau gewesen ist.



Bertha (I) ?von RITZERAU


(III -7), gnt. 1228 Nonne im Kloster Hoibek – Zusammen mit ihrer Verwandten Odilia (?)WITTE hatte sie der Kirche in Bergedorf Schenkungen gemacht, wohl aus Anlass ihres Übertritts in das neugegründete Zisterzienserkloster Hoibek, schon bald nach Reinbek und 1238 nach Köthel verlegt und 1534 zerstört wurde 246. In einer Urkunde, deren Ausstellungsdatum nicht genau bekannt ist, weist Bischof L(unleserlich) ihr und Odilia in Bergedorf und Neuen Gamme Einkünfte zum Unterhalt zu 247. Als Aussteller der Urkunde wird allgemein Bischof Ludolf I. (1236-1250) angesehen, doch sprechen gute Gründe dafür, sie Bischof Lambert (1228) zuzuschreiben 248. Die Tatsache, dass Otto (II) Albus und Walrav (III) von Ritzerau als einzige weltliche Vertreter diesen Vorgang bezeugen, macht es fast sicher, dass beide Frauen engste Verwandte gewesen sind. Bertha wird als Muhme („materta“) von Odilia bezeichnet. „Materta“ bedeutet dabei ursprünglich „der Mutter Schwester“, also Tante. Aber wenigstens mit den späten mittelhochdeutschen Zeiten hat das Wort seinen Sinn auch auf die Schwester des Vaters, auf Geschwisterkinder und weibliche Seitenverwandte ausgedehnt 249. Der Name Bertha weist dabei auf die Familie von Ritzerau, wo uns als männlicher Rufname Berthold als einer der Leitnamen begegnet, während Odilia als weibliche Namensform zu Otto auf die Familie Albus/Witte/von Wackerbarth weist. Leider gibt das Mecklenburgische Urkundenbuch den Wortlaut der Urkunde nicht wieder, sondern nennt nur die Zeugen.


Ein besonders enges Verhältnis zwischen den Familien Albus/Witte und von Ritzerau belegen die mehrfachen Nennungen von Otto (III) von Kogel und Walrav (III) von Ritzerau unmittelbar nacheinander 250. Sie drängen ein Verwandtschaftsverhältnis geradezu auf. Vermutlich war Odilia ihre Nichte. Die Verwandtschaft wird dann über Walrav II(I) von Ritzerau Ehefrau Adelheid herrühren, die dann Schwester von Odila gewesen sein könnte. Bertha wäre so am ehesten eine Tante Walravs (III) und gehört damit in die Generation von Hartwig (I) von Ritzerau.


Ob Bertha mit jener Bertha gleichgesetzt werden kann, die nach dem Ratzeburger Zehntenlehnsregister von 1230 über Zehntbesitz von jeweils einer Hufe in Prieschendorf und Veelböken verfügte 251, lässt sich nicht sagen, ist aber eher unwahrscheinlich. Jegorov 252 hat sie wohl zu Unrecht dem Geschlecht von Parkentin zuweisen wollen, das in der Nähe von Prieschendorf und Veelböken über Zehntenbesitz verfügte. Vermutlich war die Zehnteninhaberin Bertha die Witwe eines Lokators 253, aber sicherlich keine Angehörige eines der bedeutenden Adelsgeschlechter der Kolonisationszeit...

(?) Bertold (I)


(III – 8); Domherr, Subdiakon, structuarius des Klosters in Ratzeburg, urk. 1230/1246 - Als sich Bischof Gottschalk und das Domkapitel am 09.08.1230 mit der Stadt Lübeck über die gemeinsame Grenze ihrer Gebiete vergleichen, ist der Subdiakon Bertoldus unter den Zeugen 254. Der gleichfalls genannte Diakon Conradus könnte zur Familie Wackerbarth gehören. Am 08.09.1231 sind der Subdiakon „Bertolfus“ und der Diakon Conradus erneut unter den Zeugen, als Bischof Gottschalk und sein Domkapitel bezeugen, dass sie für die im Zuge der Anlegung der neuen Mühle zu Lübeck veranlasste Staaung der Wakenitz, eine Entschädigung für den ihnen dadurch enstandenen Schaden erhalten haben 255. Der Priester Bertold ist dann am 26.12.1237 als Zeuge zugegen – mit Raueneo de Razesburg und Otto de Cowale – als Bischof Ludolf das Nonnenkloster Rehna bestätigt 256. Insbesondere seine Nennung zusammen mit Walrav (III) von Ritzerow und Otto (III) von Kogel legt es nahe, auch den Kleriker Bertold in seinem engen familiären Zusammenhang mit der Familie von Ritzerau zu sehen. Dann erhielt „dominus Bertoldus Raceburgensis ecclesie, canonicus“ 1246 von Bischof Ludolf von Ratzeburg den Zehnten von vier Hufen in Camin übertragen, die der Ritter Bernhard (?von MOLZAHN) widerrechtlich zu verkaufen trachtete. Wohl, weil es wegen der weiten Entfernung zu umständlich war, den Zehnten dort einzusammeln, vertauschte Bertoldus ihn gegen vier Hufen in Multsan, die ebenfalls dem Ritter Bernhard gehörten 257. Der Name Bertold, der durchaus in der Zeit geläufig und weiter verbreitet ist, lässt indes im Zusammenhang mit Molzahn aufhorchen. Er ist nicht nur einer der Leitnamen der Familie von Ritzerau. Molzahn erscheint zudem noch vor 1300 als Besitz dieser Familie. Ich halte es daher für möglich, dass der Domherr und structuarius Bertoldus der Familie von Ritzerau angehört hat. Er wäre dann am ehesten in die Generation vor dem ab 1248 bezeugten Bertold (II) von Ritzerau anzusetzen.



?Eylo (Eyler I)


(III – 9); Das Ratzeburger Zehntenlehensregister nennt Eylo 1230 mit dem Besitz von 2 Hufen in Sirksfelde 258. Auch sein Name lässt aufhorchen, kehrt er doch in der Familie von Ritzerau bei der Linie von Duvensee mit Eyler (II) und Eyler (III) wieder. Dies wird kein Zufall sein, zumal Sirksfelde ritzerauischer Besitz war. Entweder hat bereits Eylo zur Familie von Ritzerau gehört oder aber sein Rufname ist über ihn in die Familie von Ritzerau gelangt.




Die (ältere) ritzerauische Linie von DUVENSEE



Dass die von DUVENSEE und die von RITZERAU eines Stammes waren, ist durch die Urkunden vom 24.02.1306 und 20.09.1306 259 eine unwiderlegbare Tatsache (siehe S.). Ungeklärt ist indes die Frage, wann die Trennung der beiden Linien erfolgt ist. Allgemein wird angenommen, dass der 1240 gestorbene Walrav (I) von Ritzerau mehrere Söhne hatte, von denen der eine, uns namentlich nicht bekannte, Stammvater der (älteren) Linie von DUVENSEE geworden ist und sein jüngerer Bruder Bertold (II) Stammvater der (jüngeren) Linie von RITZERAU. Diese Annahme hat jüngst Johannes von Wackerbarth gnt. von Bomsdorff kritisch hinterfragt 260. Er macht auf den Inhaber von zwei Gründungshufen des Dorfes Gülzow (heute Möllner Gemarkung), Albertus, aufmerksam, den Biereye nicht einzuordnen vermochte und ihn versuchsweise mit einem Angehörigen der Familie von ZAPEL/von BRAHLSDORF sah. Es gibt indes gute Gründe, in dem Gülzower Zehnteninhaber Albertus einen Angehörigen der Familie von Ritzerau zu sehen, denn im Jahre 1262 bestätigten Konrad Wackerbarth, vmtl. der Neffen Alberns zusammen mit Bertold (II) von Ritzerau, in dem man in diesem Zusammenhang vielleicht als Sohn von Albern von Ritzerau ansprechen kann, den Besitz der Stadt Mölln an Gülze 261.


Stemma: von DUVENSEE


Ich halte die Ansicht von Wackerbarths für durchaus erwägenswert. Meines Erachtens wird sie auch durch die Urkunde vom 24.02.1306 262 gestützt. Dort wird bei jedem Angehörigen der auf Walrav (III) zurückreichenden Familie von Duvensee der Grad der Verwandtschaft angegeben. Für den ebenfalls genannten Bertold (II) fehlt ein solcher Hinweis. Der Grad der Verwandtschaft wird also nicht derart gewesen sein, dass Bertold (II) ein Sohn Walravs (III) gewesen ist. Vielleicht war er dessen Neffe. Dann wäre er als möglicher Sohn von Albern von Ritzerau Großonkel der duvenseeischen Brüder Heinrich, Detlev und Walrav gewesen. Ich möchte deshalb annehmen, dass die Trennung des ritzerauischen Geschlechts in die beiden Linien von DUVENSEE und von RITZERAU bereits in der Generation der Söhne Hartwigs (I) erfolgt ist, wobei der Name von DUVENSEE zuerst bei den Söhnen zweiter Ehe von Walrav (IV) auftaucht.




Die vierte Generation:



N. von RITZERAU


(IV – 10); vmtl. Sohn von Walrav (III); urkundlich nicht belegt. Sein Rufname war vielleicht „Hartwig“. Dies entspräche der Namenfolge der Ritzerau. Er ist als Stammvater der duvenseeischen Linie des Geschlechts zu erschließen, da die Art der Nennung von Bertold (II) in der Urkunde vom 24.02.1306 263 es ausschließt, dass dieser der Vater der duvenseeischen Brüder Heinrich (I), Detlev (II) und Walrav (VI) gewesen ist. Dass er ein Sohn Walravs (III) gewesen ist, wird dadurch wahrscheinlich, dass von diesem (namentlich nicht genannte) Söhne gesichert sind 264. Der Rufname seines Sohnes Detlev lässt daran denken, dass er mit einer Angehörigen der Geschlechts der (?)von PARKENTIN verheiratet gewesen ist, wo diesem Rufnamen Leitnamenfunktion zukommt.


Kinder:

  1. Walrav (IV) > V-14

  2. Detlev (I) > V-15

  3. Hartwig (III) > V-16



(?) N von RITZERAU


(IV – 11); Das Auftreten des ritzerauischen Leitnamens Walrav bei den von Krummesse - 1299 ist Walraven de Crumesse genannt 265 - lässt am ehesten daran denken, dass eine ritzerauische Tochter in das Geschlecht der von KRUMMESSE eingeheiratet und den Namen aus ihrer Familie mitgebracht hat. Die Annahme, Bertold (II) von Ritzerau hätte eine Krummesse geheiratet und seine Söhne hätten sich dann - neben der alten Familie von Tralau/Krummesse - ebenfalls nach diesem Ort genannt 266, erscheint nun doch etwas zu abenteuerlich. Beweise dafür lassen sich jedenfalls nicht erbringen. An dem Vorhandensein sehr enger verwandtschaftlicher Verbindungen zwischen beiden Familien dagegen scheint mir kein Zweifel.




Die fünfte Generation:



Walrav (IV) von RITZERAU + nach 19.03.1289

(V – 14); Ritter, Burgmann in Ratzeburg, herzoglich-lauenburgischer Vasall; urkundet zwischen 1267 und 1289 als Walrauen(us), Walrabeno, Walravenus, Walrawen; er ist begütert u. a. in Lankow, Duvensee, Woltersdorf und Techin - Erstmals ist Walrav (IV) am 02.05.1267 genannt, als Bischof Johann III. Tralau von Lübeck (1260-1276) die von dem Lübecker Bürger Hilmar gestiftete Präbende im Dorf Görtz im Amt Oldenburg i. H. und in dem Dorfe Gerstenkamp bestätigte 267. Am 08.07.1274 ist er Zeuge, als die Herzöge Albrecht II. und Johann II. die Wehre in und am Ratzeburger See an den Lübecker Bürger Bertram Mornewech - dem Stifter des Heiligen-Geist-Hospitals zu Lübeck - verkaufen 268. Am 29.03.1278 ist Wolrabeno dabei, als Herzog Johann I. seiner Gemahlin Ingeborg ihr Leibgedinge verschreibt 269. Zusammen mit seinem Bruder Detlev (I) (et frater eius) ist er (?) Zeuge, als die beiden askanischen Herzöge am 18.10.1278 dem Johanniskloster zu Lübeck die Dörfer Dechow und Utecht für 800 Mk. Verkaufen 270. Mit Hartwig (IV) von Ritzerau ist er am 02.11.1280 - zusammen mit Volkmar (III) von Grönau, David (I) Karlow, Johann (I) von Kulpin, Detlev (II) von Parkentin und Johann (I) von Krummesse - unter den Burgmännern in Ratzeburg genannt, als der Herzog den gerichtlichen Zweikampf im Ratzeburgischen aufhob und dem Adel umfangreiche Bedeprivilegien erteilte 271. Wegen ihrer Schulden forderte die Landesherrschaft 1280 eine nur in besonderen Notsituationen zu erhebende Steuer, die sogenannte große Bede oder Außerordentliche Bede. Dieser Forderung versagte sich der Adel nicht, verlangte aber seinerseits Gegenleistungen seitens der Landesherrschaft, die sich neben der Aufhebung des gerichtlichen Zweikampfes, an dessen Stelle eine Eidesreinigung treten sollte, verpflichtete, von den Gütern ihrer Vasallen nur noch bewilligte Beden zu erheben. Unter diesen freien Gütern sind dabei wohl jene adeligen Grundherrschaften zu verstehen, die beim Landesausbau von Abgaben befreit worden waren 272. Damit wurde zwar nicht das landesherrliche Bestuerungsrecht in Frage gestellt, wohl aber das Recht des Adels, Steuern zu bewilligen, bestätigt. Eine solche Bewilligung einer Großen Bede erfolgte erneut 1288 273. Die Ritzerau stehen hier auf der Seite des durch diese Urkunde privilegierten Adels, dem Steuerfreiheit gewährt wird und der so an Einfluss gewinnt. 274 Anfang 1282 ist Walraven de Ritzerowe Mitlober, als Herzog Johann I. dem Rat zu Lübeck über 750 Mk lüb. Pf. quittiert, die er als Vogt der Stadt Lübeck im Voraus erhalten hat. Walrav verpflichtet sich hier für seinen Herzog zum Einlager gegen Lübeck 275. Am 25.03.1284 tritt er - wieder mit Hartwig (IV) von Ritzerau - erneut als Mitlober bei seinen Lehnsherren Johann I. und Albrecht II. auf, als diese bekennen, dass sie als Schutzvögte der Stadt Lübeck von dieser die ihnen gebührenden Kaiser- und Reichsgefälle für zwei Jahre im Voraus empfangen haben. 276 Ein letztes Mal (?) erscheint Walrauenus zusammen mit seinem Verwandten Hartwig (IV) am 19.03.1289 als Zeuge, als Herzog Albrecht III. dem Domkapitel zu Ratzeburg u.a. das höhere Gericht in Römnitz bestätigt 277. Walrav (IV) besaß u.a. Lankow, das seine Erben 1312 verkaufen 278.


Über seine familiären Verhältnisse wissen wir, dass seine namentlich nicht bekannte - wohl zweite - Frau, in der von Weltzien eine Erbtochter „von Duvensee“ vermutet 279, die aber eher der Familie von LASSAN oder der Familie von ZÜLE angehört haben dürfte 280 - am 08.09.1307 noch am Leben war 281 und dass er der Vater der Brüder Hinricus/Heynekinus, Thetlivus und Wolrauenus de Duvense gewesen ist, sowie eines 1306 bereits verstorbenen Hartuicus 282. Als weiterer Sohn - wohl aus einer ersten Ehe - lässt sich ein 1306 ebenfalls verstorbener Eyler der Ritzerowe erschließen, dessen Sohn Gerlach als Brudersohn (fratruelis) der Gebrüder von Duvensee bezeichnet wird 283.


Kinder: (vmtl.)

1. Ehe:

  1. Eyler (II) > VI-21

  2. Hartwig (V) > VI-22

2. Ehe:

  1. Heinrich (I) > VI-23

  2. Detlev (II) > VI-25

  3. Walrav (VI) > VI-24

  4. ?Tochter N. > VI-26



Detlev (I) von RITZERAU


(V – 15); urkundet als Thetlews. Er ist nur einmal, am 18.10.1278, zusammen mit seinem Bruder Walrav (IV) als Zeuge 284 genannt. Auch wenn in der Urkunde der Familienname nicht ausdrücklich genannt ist - es steht nur Walrauen et frater eius Thetlews -, kann es sich hier nur um einen Angehörigen der Familie von Ritzerau handeln, da nur bei ihr um diese Zeit der Vorname Walrav gesichert ist. Der Name Detlev ist bis dahin in der Familie von Ritzerau fremd. Gebräuchlich dagegen ist er in den Familien von Parkentin und von Wackerbarth. Dort wird man vielleicht Detlevs Mutter vermuten dürfen, die den Namen in das ritzerauische Geschlecht mitgebracht hat.



Hartwig (III) von RITZERAU (+vor 20.09.1306)


(V – 16); Domherr zu Ratzeburg, Onkel (patruus) der Brüder Hinricus, Theltlivus und Wolravenus de Duvense 285. Er urkundet zwischen 1291 und 1301 als Hartwicus. - Am 25.05.1291 war er Zeuge, als sich Bischof Konrad von Ratzeburg über die Aufstauung der Wakenitz durch die Stadt Lübeck beklagte und sich seine Zustimmung mit 200 Mk. bezahlen ließ. Steht beim Verkauf 286 eindeutig der Ritter Hartwig (IV) in der Reihe der Mitlober, so ist hier Hartwicus de Ritzerowe eindeutig in der Reihe der concanonici eingereiht. 287. Vermutlich war er es und nicht der gleichzeitige Ritter Hartwig (IV), der dann am 24.04.1292 bei der Schlichtung des Streits zwischen dem Domkapitel zu Ratzeburg und der Stadt Lübeck durch die Bischöfe Hermann von Ratzeburg (1291-1309) und Burchard von Lübeck (1276-1315) für das Ratzeburger Domkapitel zugegen war 288. Seine geistliche Stellung spricht jedenfalls für diese Annahme.

1301 ist der Domherr Hartwig bei der Bestimmung des den Domherren zu reichenden Brotes und Bieres durch Propst Heinrich als derjenige genannt, der eine Stiftung zu seiner Memorie aus Poggensee gemacht hatte 289: “.... decem et octo talenta in censu Pokense, que dominus Hartwicus frater noster in suo dedit servicio, quod tertia feria pentecostes consuevit fieri, nichilominus perdurante ....“. Da die Urkunde keinen Monatstag für sein servitium angibt, ist nicht sicher, ob er zur Zeit, als das Statut gegeben ward, noch lebte. Sicher war er am 24.02.1306 nicht mehr am Leben, denn nun heißt es von Hartuicus, der der Domkirche zu Ratzeburg 16 punt siliginis vermacht hatte: bone memorie canonicus 290. Noch einmal wird Hartuicus sacerdotis, quondam concanonici nostri de Ritzerowe urkundlich erwähnt, als am 05.12.1336 das Domkapitel für empfangene Memoriengelder, welche es zur Einlösung seines Dorfes Oldendorf (Ollndorf) bei Schönberg i. Meckl. verwandt hat, Hebungen aus der Mühle bei Lockwisch, aus Wahlsdorf und aus Thandorf bestimmt. 291




Die sechste Generation:



Eyler (II) von RITZERAU (+vor 20.09.1306)


(VI – 21); Knappe, erscheint selbst nicht urkundend (Eylerus) - Die Tatsache, dass sein Sohn Gerlach fratruelis der Brüder Heynekinus, Thetlivus und Wolravenus de Duuensee war 292, erweist ihn - auch wenn er unter dem Namen von Ritzerau erscheint - als einen, offenbar früh verstorbenen älteren Bruder der Duvensee aus der ersten Ehe Walravs ((IV). In diesem Zusammenhang ist es vielleicht von Bedeutung, dass bereits 1230 in Sirksfelde, das später als Besitz der Ritzerau erscheint, ein Eylo den Zehnten von zwei Hufen besaß 293. Eyler scheint enge familiäre Verbindungen zur Familie von Gotmolt besessen zu haben.


Stemma: Mögliche Verwandtschaft von RITZERAU/von GOTMOLT


Darauf deutet nicht nur der Name seines Sohnes Gerlach, der auch bei den Gotmolt vorkommt 294, sondern auch das Wappen der Gotmolt, das dem der Duvensee zumindest ähnelt 295. Vielleicht hatte er also eine von GOTMOLT zur Frau?


Kinder: (u. a., vmtl.)

  1. Gerlach > VII-32

  2. ?Tochter N > VII-33



Hartwig (V) von RITZERAU (+ vor 24.02.1306)


(VI – 22); Hartwicus war war ein früh verstorbener Bruder (fratris nostri) der Brüder Heynekinus, Thetlivus et Wolrauenus de Duuense aus der ersten Ehe Walravs (IV). Er hatte Besitz in Techin, woraus er der Domkirche zu Ratzeburg 2 Mk jährlicher Hebungen überlassen hatte 296. Jöns 297 erwägt, ob nicht auch Bernardus de TECHIN 298 der Familie von Duvensee zuzuordnen ist. Dies scheint mir schon wegen des Rufnamens Bernhard wenig wahrscheinlich, da dieser weder bei den Ritzerau noch bei den Duvensee vorkommt. Da Bernhard von Techin sich ganz offensichtlich nach seinem Wohnsitz nannte – eine Burganlage in Techin („Bookholtbarg“) ist nicht unwahrscheinlich 299 – wird es sich bei dem Besitz Hartwigs (V) in Techin eher um Streubesitz gehandelt haben, vielleicht aus dem Erbe seiner Mutter?



Heynekinus (Heinrich I) von DUVENSEE (+nach 25.07.1335)


(VI – 23); Ritter, herzoglich-lauenburgischer und bischöflicher-ratzeburgischer Vasall, nennt sich stets von Duvensee; Sohn Walravs (IV) 300; urkundet zwischen 1306 und 1335 als Heynekinus, Heineco, Henricus, Hinricus de Duuenze - Heynekinus de Duvense tritt in den Urkunden - zunächst als Knappe, ab 1312 als Ritter - zumeist mit seinen Brüdern Detlev (Thetlivus) und Walrav (Wolravenus) auf, so erstmals in der für die Genealogie der Familie so wichtigen Urkunde vom 24.02.1306, in der die Gebrüder von Duvensee bekennen, dass ihre Vorfahren der Domkirche zu Ratzeburg Hebungen aus Molzahn, Techin, Poggensee, Woltersdorf und Klein Lankow zu Memorien überlassen haben 301. Ausdrücklich genannt sind Walrav (IV) („patris nostri“), Hartwig (V) („fratris nostri“), der Domherr Hartwig (III) (patruus noster), Walrav (III) („proaui nostri“) und der Ritter Bertold (II) von Ritzerau.


Omnibus ad quos presens scriptum pervenerit, Hinrichus, Thetlivus et Walrauenus fratres dicti de Duuense salutem in omnium salvatore. Negotiationes humane actiones oblivio, dissensionum susicatrix nepharia, citius aboleret, nisi scriptuarum testimonii subventione salutifera munirentur. Igitur tenore presencium fatemur et fideliter protestamur, quod nos in presencia illustris principis Alberti ducis Saxoniae recognovimus constanter et fassi sumus viva voce, bona quodam nostris in bonis constituta esse libera ecclesie Razeburgensis eo donacionis tytulo, quo ipsa nostri progenitores pro suarum remedio animarum perpetuo possidenda contulerunt eidem. Que bona propriis vocabulis duximus exprimenda:


  • in Molsan IIII marcas denariorum Lubicensium duas scilicet in anniversario Walraueni militis des Ritzerowe, patris nostri


  • in Thechin duas marcas in anniversario Hartuici fratris nostri

  • in Pockense XVI punt siliginis, que contalit ecclesie Razeburgensi Hartuicus bone memorie canonicus ibidem, patruus noster, que videlicet XVI punt siliginis redimere possumus, quamdocunque nobis placuerit, pro marcis nonaginta, ecclesie Razeburgensis nobis in hoc pleniter consenciente.


  • Item in Wolterstorp hereditatem unius mansi cum ansa et servitute et omnibus proventibus in anniversario Bertoldi militis


  • In Minore Lancowe duas marcas in anniversario Walraueni militis proavi nostri, unam ad cobnsolacionem dominorum, alteram ad elemosynas pauperum


Item coram dicto principe assercionibus recognavimus, nos deinceps nolle ecclesia, Razeburgensm in omnibus suis bonis per nos aut per alios molestare aut eidemaliquibus gravaminibus obviare. In cuius rei testimonium presens scriptum sigillorum nostrurum corroboratione duximus muniendum. Testes sunt: Thetleuus de Parkentyn, Henricus de Parkentyn, Volc(marus) de Gronowe, Henricus et Johannes fratres de Crummesse, milites ….“


Die Brüder von Duvensee sind erneut - zusammen mit ihren Neffen Gerlach von Duvensee, Sohn des verstorbenen Knappen Eyler von Ritzerau („Heynekino, Walraueno et Dethleuo fratris dicti de Duuense et cum fratruele ipsium, Gerlaco, filio videlicet quondam Eyleri famuli dicti de Ritzerowe“), als Besitzer von 6 Hufen in Schlagsdorf (sex mansis, quos possident in territorio ville Slawekesdorp cum cotariis) genannt, die sie mit dem Domkapitel zu Ratzeburg gegen dessen Besitz in Walksfelde (que possident in villa Walgodesvelde) tauschen. Die Herzöge Albrecht III. und Erich I. genehmigen diesen Tausch am 20.09.1306 302. Unter den Zeugen erscheinen außer den in der Urkunde vom 24.02.1306 genannten Rittern auch die Verwandten Otto (I) und Bertold (IV) von Ritzerau.


Als das Domkapitel zu Ratzeburg am 08.09.1307 auch das Eigentum der 6 ½ Hufen in Schlagsdorf erwirbt, die zuvor die Brüder Johannes, Petrus, Marquard und Heynekinus von Lassan - vielleicht eine Seitenlinie der Karlow - besessen haben, sind auch die Vasallen des Bischofs von Ratzeburg, die Brüder Hinrich (I), Detlev (II) und Walrav (VI) von Duvensee mit ihrer Mutter und ihrem Vetter Gerlach genannt, die als nächste Verwandte der von Lassan den Rechtsakt bezeugen 303. Möglich, dass die Mutter der duvenseeischen Brüder eine geborene von Lassan war und so der Name Heynekinus (Heinrich) in die Familie gekommen ist. Dass die Mutter der Brüder in der Urkunde genannt ist, lässt jedenfalls aufhorchen. Zudem hat es den Anschein, als sei 1306/1307 ein ursprünglich zusammengehörender Besitz verkauft worden, der erst im Wege eines Erbganges geteilt worden ist. 1312 verkaufen der Ritter Hinricus de Duvense und seine Brüder, die Knappen Detlius und Walrauenus sowie deren Vetter Gherlachus dem Domkapitel ihr von Walrav (IV) ererbtes Dorf Klein Lankow. Herzog Erich I. und Herzogin Margarethe verkaufen dem Domkapitel am 24.06.1312 dazu alle ihre Rechte an dem Dorf mit Ausnahme des Burg- und Brückenwerks 304.


Die Brüder von Duvensee sind, zusammen mit Bertold IV) von Ritzerau, in der Urkunde vom 22.10.1318 als Zeugen genannt, in der Herzog Erich I dem Kloster Scharnebeck aus Dankbarkeit für dessen reichlichen Beitrag zu seinem Lösegeld gestattet, die Güter fortziehender Klosterbauern aus Kirchwerder und Gamme einzuziehen und den Zins aus diesen Orten nach Belieben wegzuführen 305. Dieselben Personen, sind am 21.12.1321 Zeugen, als die Brüder Mugveld den Brüdern Witte die Hälfte ihres Dorfes Albsfelde verkaufen 306. Anfang 1324 stellen die Ritter Hinricus, Dethleus et Walterus (!) dicti de Duuense einen Revers aus, dass Herzog Erich I. ihnen die höhere Gerichtsbarkeit über Hals und Hand, den Schweineschnitt, die Bede, den Dienst eines freien Mannes in Lankow und alle seine Rechte in diesem Dorf verpfändet hat 307. Ein letztes Mal erscheinen die Brüder von Duvensee dann gemeinsam am 25.07.1335 im Verzeichnis der Vasallen des Stifts Ratzeburg 308: „Item Henricus, Walrauenus et Dethleuus fratres de Duuense, milites, de dimidia decima omnium bonorum suorum“.


Zusammen mit seinem Bruder Detlev (II) und den Brüdern Otto (I) und Bertold (IV) von Ritzerau ist Heynekinus am 25.11.1306 beim Bündnis genannt, das die Stadt Lübeck mit den Herzögen von Sachsen-Lauenburg gegen die Grafen von Holstein wegen der Zerstörung des Turms in Travemünde schließt 309. Am 13.05.1321 sind beide zugegen - zusammen mit Bertold (IV) von Ritzerau, als Herzog Erich I. dem Heilig-Geist-Hospital zu Lübeck den vollen Besitz des Hofes zu Falkenhusen und dem Johanniskloster den Besitz der Dörfer Beidendorf, Blankensee, Schattin, Utecht und Wulfsdorf bestätigt 310.


Mit seinem Bruder Walrav (VI) verkauft Hinrich (I) 1322 dem Möllner Bürger Johannes Colberg die halbe Mühle in +Lütau 311.


Alleine erscheint Heineco de Duuenze 1307 in den Aufzeichnungen über an den Herzog von Sachsen-Lauenburg geleisteten Zahlungen mit 100 Mk 312. Mehrfach ist er als Zeuge bei Rechtsgeschäften seines Lehnsherrn, Herzog Erich I zugegen:


  • so am 24.09.1318, als dieser dem Kloster Zarrentin gestattet, auf dem Teiche bei der Buchhorster Mühle (bei Lauenburg) eine Prahm zur Überfahrt zu halten 313


  • am 08.09.1319 bei der Bestätigung des Verkaufs der halben Dörfer Wulfsdorf, Beidendorf und Blankensee durch die Brüder Johannes, Marquard und Gerlach von Gotmolt an das Johanniskloster zu Lübeck 314


  • am 01.12.1321 - zusammen mit Bertold (IV) und Dietrich (II) von Ritzerau - , als Herzog Erich I. eine Vikarei in Ratzeburg gründet und diese mit Einkünften aus Gardensee und der Hälfte der Albrechtsmühle vor Ratzeburg ausstattet 315


  • schließlich am 20.12.1323, als der Herzog gegen Zahlung von 200 Mk. den Vertrag des Jahres 1295 genehmigt, in dem sein Oheim und seine Brüder dem Domkapitel zu Ratzeburg u.a. Eigentums- und Hoheitsrechte über die Kapitelsgüter im Lande Ratzeburg verkauft hatten 316


Am 22.05.1324 ist er Zeuge, als Herzogin Elisabeth und ihr Sohn, Herzog Albrecht IV. den Verkauf einer Rente aus Theutonicali Zyrickesuelde durch Gerhard Ghodowe bestätigen 317. Nach dem 25.07.1335 ist Heynekinus dann gestorben, denn ob er noch mit dem am 06.12.1343 genannten Heyne van deme Duvensse gleichzusetzen ist, der sich samt anderen Adligen unter den Schutz und Frieden der Herzöge von Mecklenburg begab 318, darf bezweifelt werden, da er hinter hern Walrauen van deme Duvense genannt ist und man ihn, wenn er noch mit dem seit 1306 bezeugten identisch wäre, als den älteren an der ersten Stelle genannt erwarten müsste.


Kinder (vmtl.):

  1. Heyne (Heinrich II) > VII-34



Thetleuus (Detlev II) von DUVENSEE (+nach 29.09.1344)


(VI – 24); Ritter, herzoglich-lauenburgischer und bischöflich-ratzeburgischer Vasall, Sohn Walravs (IV) 319, nennt sich stets von Duvensee, urkundet zwischen 1306 und 1344 als Thetlivus, Thetleuus, Dethleuus, Detlius, Detleff - Zumeist tritt er in den Urkunden - zunächst als Knappe, ab 1315 als Ritter - gemeinsam mit seinen Brüdern Heinrich (I) und Walrav (VI) auf, so am 24.02.1306, 20.09.1306, 25.11.1306, 08.09.1307, 24.06.1312, 22.10.1318, 21.12.1321, 1324, 25.07.1335. Zusammen mit seinem Bruder Hinrich (I) (Heynekinus) ist er am 25.11.1306 und am 13.05.1321 genannt. Mit seinem Bruder Walrav (VI) ist her Detleue van deme Duvense am 06.12.1334 zugegen, als sich Herzog Albrecht IV. mit seinem Onkel Erich I. wegen seiner Ansprüche auf den Zoll zu Lauenburg, auf das Land Darzing, auf Redefin, Wehningen und das Land Hadeln und Wursten vergleicht 320. Dass die Familie auch Beziehungen ins Land Hadeln hatte, das Teil des askalnischen Herrschaft war, belegt eine Urkunde vom 08.09.1335, in der Detlev (II), sein Bruder Walrav (VI) und ihr „Vetter“ Bertold (IV) von Ritzerau als Zeugen auftreten, als Herzog Albrecht IV. beurkundet, dass das zwischen der Witwe des Ritters Gerhard von Bederkesa einerseits und den Rittern Philipp Monech und Johann von Elm andererseits dahin getroffene Übereinkommen, wonach der ersteren die lebenslängliche Nutznießung der Güter in Steinau zugebilligt wird, die vordem die Ritter Gerhard und Johann Lowe inngehabt haben 321. Wenn hier die von Duvensee und Bertold (III) von Ritzerau als einzige adelige Zeugen auftreten, dann kann dies nur beseuten, dass sie verwandtschaftliche Beziehungen ins Land Hadeln gehabt haben müssen. Am ehesten war die Witwe des Gerhard von Bederkesa dann eine Angehörige der Familie von Duvensee. Am 21.06.1336 ist Detlev (II) Zeuge, als Herzog Erich I. Schmilau mit dem Moor, das er zuvor seiner Gemahlin Elisabeth als Leibgedinge verschrieben hatte, an Bischof Volrad von Ratzeburg verkauft 322 und am 14.08.1336, als Herzog Albrecht IV. der Vikarie in der Heilig-Geist-Kirche in Mölln eine Rente von den Einkünften aus der Oberschleuse an der Stecknitz verkauft 323. Am 21.12.1326 bezeugt Detlev (II) - zusammen mit Bertold (IV) und Dietrich (II) von Ritzerau, die Schenkung des Patronats der Kirche zu Mustin an das Ratzeburger Domkapitel durch Herzog Erich I. 324. Detleuus de Duvenze ist dann - zusammen mit seinem Bruder Walrauenus und den Verwandten Bertoldus, Hartwicus und Thydericus de Ritserowe - am 20.09.1336 dabei, als die Patronatsrechte an der Kirche zu Mustin bestätigt werden 325. Als Bischof Volrad von Ratzeburg am 12.03.1337 die Stiftung einer Vikarie im Heiligen-Geist-Hause zu Mölln bestätigt, erscheinen als erste in der Zeugenreihe „honestis et strennuis militibus Walraven et detlevo fratribus de Duvense“ 326. Am 29.08.1344 bestätigt Bischof Volrad die von „Walrauen et Dethleuus fratres dicti de Duvensee, milites“ mit Einkünften als Klein Klinkrade und Tramm bewidmete Vikarie zu Nusse 327.


1321 bekräftigt er zusammen mit Bertold (IV) von Ritzerau den Verkauf des Zehnten vom Felde Stenvelth an die Stadt Mölln durch David (I) Wackerbarth 328. Mit seinem Vetter Bertoldus de Ritserowe erscheint Dithleus de Duvenze, miles Anfang 1315 als Zeuge bei Herzog Johann I., als dieser für 100 Mk sein Dorf Panten an Bischof Marquard von Ratzeburg verkauft 329, sowie am 21.12.1319, als Herzog Erich I. den Verkauf von Zehnten vom Hof Falkenhusen durch den Bischof und das Domkapitel an das Heilig-Geist-Hospital zu Lübeck bestätigt 330 und am 10.04.1323, als der Herzog mit dem Kloster Reinfeld eine halbe Hufe in Neuengamme gegen eine ganze in Kirchwerder tauscht 331. Ein letztes Mal ist her Detleff van deme Duvenze riddere mit Bertold (IV) von Ritzerau am 09.03.1337 in einer Urkunde genannt, in der Herzog Erich I. in einem Streit zwischen Gerd von Oedeme auf der einen und den Bürgern von Lüneburg auf der anderen Seite urteilt. In diesem Streit ging es um das Leibgedinge von Gerd von Ödemes Mutter. In seinem Urteilsspruch sprach der Herzog Detlev (II) von Duvensee und Bertold (IV) von Ritzerau „en recht tho“ 332. Dies ist wohl nur vor dem Hintergrund verwandtschaftlichen Beziehungen der beiden zur Familie von Oedeme zu verstehen, etwa dergestalt, dass Gerd von Oedemes Mutter vielleicht eine von Duvensee gewesen ist.


Über die familiären Verhältnisse Detlevs (II) wissen wir fast nichts. 1343 hilft Detlev (II) einen Streit zwischen den von Wackerbarth auf Sterley und der Stadt Lübeck beizulegen 333. Wohl deshalb vermutet von Weltzien 334, dass Detlev mit einer Angehörigen des Geschlechts von WACKERBARTH (?Tochter von David I) verheiratet war. Das ist möglich, doch gibt es dafür keinerlei Belege.


Kinder:

  1. Walrav (VII) > VII-34



Walrav (VI) von DUVENSEE (+nach 01.11.1354)


(VI – 25); Ritter, herzoglich-lauenburgischer und bischöflich-ratzeburgischer Vasall, Sohn Walravs (IV) (55), urkundet zwischen 1306 und 1354 als Wolravenus, Walrauen(us), Walrauen, Walraven de/van deme Duuenze - Walrav (VI) tritt zumeist - zunächst als Knappe, ab 1315 als Ritter - gemeinsam mit seinen Brüdern Hinrich (I) und Detlev (II) - 24.02.1306, 20.09.1306, 08.09.1307, 24.12.1312, 22.10.1318, 21.12.1321, 1324, 25.07.1335 - bzw. mit seinem Bruder Detlev (II) - 06.12.1334, 21.06.1336, 14.08.1336, 12.03.1337, 29.09.1344 - oder seinem Bruder Hinrich (I) -1322 - auf. Walricus (22.10.1318) bzw. Walterus (1324) sind dabei zweifellos fehlerhafte Schreibweisen. Masch hat daraufhin vermutet, dass Walrav (VI) vielleicht zeitweilig das Gut Ritzerau besessen hat und sich nach diesem Besitz nannte, um sich von anderen Mitgliedern seiner Familie, die denselben Vornamen hatten, zu unterscheiden. 335 Diese Deutung erscheint höchst bedenklich, da die Urkunden für die Zeit keinen weiteren Walrav aufweisen. Die Nennung als Walrauen de Ritserowe bzw. de Duuenze scheint mir eher ein weiterer zwingender Hinweis darauf zu sein, dass die Duvensee und Ritzerau eines Stammes sind. Der Familienname war noch Variationen unterworfen. Entscheidend war der Wohnsitz. Wir sehen dies ja deutlich bei Walravs (VI) früh verstorbenen Bruder Eyler (II) von Ritzerau, dessen Sohn Gerlach sich von Duvensee nannte.


Wappen Walravs (IV) von DUVENSEE (1323)


Am 08.09.1335 ist Walrav (VI) zusammen mit seinem Bruder Detlev (II) und Bertold (III) von Ritzerau Zeuge, als der Witwe des Ritters Gerhard von Bederkesa die lebenslängliche Nutznießung der Güter in Steinau zugebilligt wird, die zuvor die Ritter Gerhard und Johann Lowe innegehabt hatten 336. Am 06.12.1343 gehört Walrav (VI) - mit Heyne (II) van deme Duuense, Otto (II) und Hartwig (V) von Ritzerau und anderen - zu den Adligen im Herrschaftsbereich der Bergedorf - Möllner Linie der askanischen Herzöge, die sich mit den Herzögen Albrecht I. und Johann I. (IV.) von Mecklenburg verbünden 337. Dieses Büdnis sah nicht allein Kriegsdienste gegen den Herzog von Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg vor, sondern erwähnt auch einen massiven Konflikt zwischen den Herren von Krummesse und den Schack. Wir sehen hier die Herren von Duvensee und Ritzerau als selbstbewusste Vertreter ihrer Interessen, die die Schwäche ihrer Lehnsherren geschickt zu nutzen wussten und nicht zögerten, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, um ihre Eigeninteressen zu fördern. Am 11.01.1347 urkundeten „Walrauen van dem Duvensee, ridder unde Walrauen, en knape, dessulven ridders sone“, dass die Fehde zwischen ihnen und der Stadt Lübeck gütlich beigelegt sei 338. Diese Fehde stand wohl, wie die so vieler anderer Adelsgeschlechter in dieser Zeit (von Parkentin, von Krummesse, von Tralau, von Wackerbart) in dem großen Kontext der Auseinandersetzungen der Hummersbüttel mit den Grafen von Holstein, in die u. a. auch die Stadt Lübeck hineingezogen worden war. Im Verlauf dieser Fehde hatten die Lübecker 1346 das Schloss Duvensee zerstört („dat ere gesinde dar mede was, dat unse veste unde hus tome Duuense ghebrant wart“) und nach Beendigung der Fehde offenbar eine reichliche Entschädigungssumme gezahlt, für die die von Brokberg, Vögte zu Stade und der der Ritter Gebhard Schulte dem Rat zu Lübeck danken 339. Im Zuge dieser Fehde mag auch ein weiterer Sitz des Geschlechts, die Silkenburg bei Koberg, zerstört worden sein 340.


1351 ist Walrav Zeuge, als seine ritzerauischen Vettern Dorf und Hof Mechow verkaufen 341. Am 31.03.1353 ist er mit Hartwig (VI) dem olden von Ritzerau dabei, als Herzog Johann III. dem Landfrieden der Stadt Lübeck mit den Herzögen Albrecht I. und Johann I.(IV.) von Mecklenburg und Graf Otto von Schwerin beitritt 342. Zusammen mit seinem Sohn Walrav (VIII) und den ritzerauischen Vettern tritt er am 24.10.1353 als Schenker der Örtlichkeit Ravensdiek bei Farchau an Bischof Volrad von Ratzeburg auf 343. Letztmalig ist „unse truwe man Walrauen van deme Duvenzee, riddere“ am 01.11.1354 - zusammen mit Hartwig (VI) von Ritzerau, bei der Vereinbarung eines zweijährigen Landfriedens der Herzöge von Mecklenburg und Sachsen-Lauenburg mit den Wendischen Städten als Zeuge dabei 344.


Mit seinem Wappen siegelte er außer 1323 (siehe oben) 1344 + S' - RAVENI DVVEN -- , 1347 S' WALRAVEN D' DVVENZE MILIT' und 1353 * S' WALRAVEN DE DVVENZE 345. Von Weltzien 346 ordnet ihm die Söhne Hinrich, Detlev und Hartwig zu. Sie sind urkundlich nicht zu belegen und daher zu streichen. Sicher zuzuordnen ist ihm nur der Sohn


Kinder:

  1. Walrav (VIII) > VII-35



(?) N. von DUVENSEE


(VI – 26); Gerhard von BEDERKESA (+vor 08.09.1335). Dass sie eine duvenseeische Tochter gewesen ist, erschließt sich aus dem Umstand, dass, als ihr als Witwe am 08.09.1335 die lebenslängliche Nutznießung der Güter in Steinau (Land Hadeln) zugebilligt werden, die zuvor die Ritter Gerhard und Johann Lowe innegehabt hatten, Detlev (II) und Walrav (VI) von Duvensee und Bertold (IV) von Ritzerau als einzige adeligen Zeugen den Vertrag beurkunden 347. Am ehesten war Gerhard von Bederkesas Witwe eine Schwester der Brüder Detlev (II) und Walrav (IV) von Duvensee.



(?)N. von DUVENSEE


(VI – 27); +nach 09.03.1337; N. von OEDEME. Im Streit um ihr Leibgedinge sind am 09.03.1337 Bertold (IV) von Ritzerau und Detlev (II) von Duvensee Zeugen beim Schiedsspruch Herzog Erichs I. von Sachsen-Lauenburg. Das Auftreten von Mitgliedern der Familie von Ritzerau/von Duvensee lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass die Witwe von Oedeme eine Angehörige des Geschlechts von Ritzerau gewesen ist. Ich möchte sie hier der Linie von Duvensee zuordnen, da diese Linieenge Beziehungen ins Niedersächsische gehabt hat.


Kinder:

  1. Gerd von OEDEME


Die sechste Generation:


Gerlach von DUVENSEE (+nach 21.09.1319)


(VII – 32); Ritter, herzoglich-lauenburgischer und bischöflich-ratzeburgischer Vasall, Sohn Eylers (I) von Ritzerau und Neffe (fratruelis) der Brüder Heynekinus, Thetlevus et Wolravenus de Duuense 348, urkundet zwischen 1300 und 1319, zumeist mit seinen duvenseeischen Vettern (20.09.1306, 08.09.1307, 24.06.1312) als Gerlacus, Gherlachus de Duuense - Am 21.09.1300 ist Gerlach Zeuge, als die Brüder von Gotmolte die ihnen gehörende Hälfte der Dörfer Beidendorf, Blankensee und Wulfsdorf an das Johanniskloster zu Lübeck verkaufen 349. Er hatte Besitz in Schlagsdorf und Klein Lankow, den er mit seinen duvenseeischen Vettern 1306 vertauscht bzw. verkauft 350. Letztmalig ist er Zeuge, als am 21.09.1319 das Johanniskloster die andere Hälfte der 1300 gekauften Dörfer erwirbt 351. An dieser Urkunde befindet sich ein schildförmiges Siegel, das auf der Fläche das duvenseeische Wappen zeigt 352: eine gestürzte Spitze, die, glatt und erhöht, auf einem mit Rautenlinien überzogenen Grunde liegt; in jeder Raute steht ein Punkt, am Rand die Umschrift S . GERLACI + D' * DVVENSE :

Wappen Gerlachs (I) von DUVENSEE (1319)


Nach von Weltzien wäre er mit einer Angehörigen des Geschlechts von Lassan verheiratet gewesen 353. Dafür fehlen urkundlich gesicherte Hinweise, wenngleich der nebeneinander liegende Besitz beider Geschlechter in Schlagsdorf und Techin auffällt. Dies mag durchaus auf eine familiäre Beziehung zwischen den Familien von Duvensee und von Lassan deuten (siehe bei V-14). Wenn von Weltzien ihm noch eine Tochter zuordnet, die angeblich mit Detlev dem Groten von Züle (1308/1336 auf Steinhorst und Niendorf) verheiratet gewesen sein und die ihm Besitz in Duvensee mit in die Ehe gebracht haben soll 354, so entbehrt dies jeglicher Grundlage, denn von Zülescher Besitz lässt sich in Duvensee nicht nachweisen. Zudem passen auch die mutmaßlichen Lebensdaten Detlevs von Züle (1308/1336) schwerlich, der eher der Generation von Gerlach angehört hat.


Kinder (vmtl):

  1. Eler (III) > VIII -48



(?) N. von DUVENSEE


(VII – 32); Eine ritzerauische Tochter war angeblich mit dem Knappen Ulrich von BLÜCHER - er urkundet 1305 bis 1325 - aus dem Haus Wittenburg verheiratet 355. Urkundlich belegen lässt sich dies nicht, doch spricht der Umstand, dass Ulrich von Blücher seinen zweiten Sohn Gerlach nennt, für diese Möglichkeit. Ulrichs Frau wäre dann am ehesten eine Schwester oder Tochter von Gerlach von Duvensee.



Heyne (Heinrich II) von DUVENSEE


(VII – 33); Knappe, nennt sich von Duvensee, urkundet 1343 als Heyne van deme Duuense - Zusammen mit Walrav (VI) von Duvensee begibt sich Heyne am 06.12.1343 nebst anderen Adligen der Vogtei Mölln unter den Schutz und Frieden der mecklenburgischen Herzöge Albrecht I. und Johann I.(IV.) 356. Ob er noch mit Heynekinus (Heinrich I) in Zusammenhang gebracht werden kann, muss bezweifelt werden. Als offenbar ältester der duvenseeischen Brüder ist dieser bis 1335 stets als Erster genannt. Jetzt steht Heyne hinter dem Ritter Walrav (VI), der zudem als her bezeichnet und aus der Reihe der übrigen Adligen hervorgehoben wird. Heyne wird also einer jüngeren Generation angehören. Vielleicht war er ein Sohn von Heynekinus (Heinrich I)?



Walrav (VII) von DUVENSEE


(VI – 33); Knappe, herzoglich-lauenburgischer Vasall, Sohn Detlevs (II) von Duvensee, urkundet 1344 als Walrauenus - Er ist nur einmal, am 29.08.1344 bezeugt („Walrauen famulum filium Dethleui de Duuensee militis bone memorie“), als bestimmt wurde, dass er nach dem Tode seines Oheims Walrav (VI) das Patronat über die von diesem und Detlev (II) gestiftete Vikarie in der Nusser Kirche erhalten sollte 357. Vermutlich ist er jung verstorben.



Walrav (VIII) von DUVENSEE (+nach 23.04.1372/vor 01.09.1373)


(VII – 34); Knappe, herzoglich-lauenburgischer und lübscher Vasall, Sohn Walravs (VI) (Walrauen, en knape, des suluen ridders (Walraven) sone 358, urkundet zwischen 1347 und 1372 als Walrauen, Walraven de/van deme Duuense - Walrav (VIII) erscheint zunächst zusammen mit seinem Vater - 11.01.1347, 24.10.1353. Am 01.11.1351, 06.07.1360 und 29.06.1368 ist er zusammen mit Eiler (II) von Duvensee unter den lauenburgischen Adligen der Vogtei Mölln, die der Stadt Lübeck nach der Übernahme dieser Vogtei als neuer Lehnsherrin huldigen 359. Am 07.01.1370 ist er Zeuge, als Herzog Erich III sein gesamtes Herzogtum der Stadt Lübeck verpfändet 360. Wieder zusammen mit Eyler (II) ist er genannt, als Hartwig (V) der Ältere von Ritzerau am 11.04.1370 dem Domkapitel zu Ratzeburg die Dörfer (Groß) Lankow sowie Groß und Klein Molzahn schenkt 361. Letztmalig erscheint Walrav (VI) am 23.04.1372 als Zeuge 362. Es ist dies der letzte urkundliche Beleg über ein männliches Glied der Familie von Duvensee. Sie wird bald danach erloschen sein und wurde offenbar von den Verwandten in Ritzerau beerbt. Mit seinem Wappen siegelt Walrav (VIII) 1344 - VENI DE DVVENZ -, 1347 (hier ist die gestürzte Spitze weitläufig rautenartig schraffiert und liegt höher als der glatte Grund, Umschrift zwischen einfachen Linien lautet * S' . WALRAVEN DE DVVENZE 363, 1359, 1360 und 1370 S' WALRAVE(N) . DE . DVVENZE.


Er war vmtl. mit einer von ZÜLE (?Tochter von Köne/Konrad +vor 1370 und Beate von Blücher oder Volrad +vor 1371 und N. von Sprengel) verheiratet (siehe bei VIII/50).


Kinder (u. a., vmtl.):

  1. Detlev (III) > VIII–49

  2. ?Adelheid (I) > VIII -50




Die achte Generation:


Sie umfasst, wohl bedingt durch die große Pestwelle, die ab 1348 die ganze zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts erfasste, nur wenige urkundlich gesicherte Vertreter.



Eyler (III) von DUVENSEE (+nach 12.03.1371)


(VIII – 48); Knappe, gräflich-holsteinischer und lübscher Vasall, nennt sich von Duvensee, urkundet zwischen 1359 und 1371 als Elerus, Eler, Eylardus de/van deme Duuenze - Die Einordnung von Elerus de Duvense in die Genealogie der duvenseeischen Linie des Geschlechts Ritzerau ist unsicher. Sein Rufname deutet indes auf eine direkte Abstammung von Eyler (II). Vermutlich trug er seinen Namen also von Eyler (II) von Ritzerau, der dann am ehesten der Großvater gewesen sein dürfte. Elerus - auch Eylardus genannt - wäre dann ein Sohn Gerlachs von Duvensee. Er urkundet zumeist mit Walrav (VIII) - 01.11.1359, 06.07.1360, 29.06.1368, 11.04.1370. Am 08.12.1363 gehört Eler van deme Duuenze zu den lauenburgischen Adligen, die in den Dienst des Grafen Adolf von Holstein treten 364. Letztmalig genannt ist er, als er am 12.03.1371 seiner Lehnsherrin, der Stadt Lübeck, Pfandinhaberin der Herrschaft Mölln, huldigt 365. Mit seinem Wappen siegelt Eler 1359, 1360 (Umschrift * S' EYLARDI . DE . DVVENSE), 1370 (Umschrift: S' ELERI DE - ZE *) und 1371 (Umschrift: * S'ELERI. DE . DVVENZE) 366



Detlev (III) von DUVENSEE (+nach 24.06.1371)

(VIII – 49); Knappe (?); er ist nur einmal als Dethlof van deme Duuenzee am 24.06.1371 urkundlich als naher Verwandter und Mitlober genannt, als die Brüder Volrad, Hermen, Heyneke, Make und Henneke von Züle dem Kloster Zarrentin ihr Dorf +Klemperow verkaufen 367. Da die übrigen Mitlober aus dem südwestlichen Mecklenburg stammen (Neuhaus, Vellahn und Camin), darf wohl auch für Detlev (III) Besitz in diesem Raum sowie ein verwandtschaftliches Verhältnis zur Familie von Züle unterstellt werden. Eine Einordnung in die ritzerauische Stammtafel ist nicht möglich. Sein Siegel zeigt einen glatten Schild mit einer fein gegitterten, gestürzten, bis zur Mitte des Schildes reichende Spitze.



Adelheid (I) von DUVENSEE (+n. 25.06.1383/v. 1389)


(VIII – 50); ULTIMA LINEA; urkundet 1362/1383 als Alheyde/Aleke van duuenze; Nonne (1362) dann Priorin (1363/1383) des Klosters Neuenwalde im Land Hadeln.


Kloster Neuenwalde um 1850


Die Familie von Duvensee hatte offenbar familiäre Beziehungen ins Land Hadeln 368, wohin vmtl eine Tante als Gemahlin des Gerhard von Bederkesa geheiratet hatte 369. Das Kloster Neuenwalde war 1219 in Midlum im Lande Wursten gegründet worden. 1282 verlegte man es nach Wolde (Altenwalde) im Land Hadeln. 1334 verließ das Kloster auch diesen ort und gründete die Siedlung Nigenwolde (Neuenwalde). Der frühere Standort trägt seitdem den Namen Altenwalde. Die Zahl der Nonnen betrug kaum mehr als 15. Unter den Klöstern des Erzstiftes Bremen war es vergleichsweise unbedeutend. Trotz seiner geringen Größe erlangte das Kloster jedoch in seiner näheren und weiteren Umgebung einen beträchtlichen Einfluss. Die Grundherrschaft des Klosters erstreckte sich vor der Reformation fast über den gesamten Geestrücken der Hohen Lieth. Hier lag das Kloster zwischen den Marschländern Hadeln und Wursten. Zum Klostergut gehörten die Dörfer Neuenwalde (53 Feuerstellen), Krempel (13 Feuerstellen), Wanhöden (7 Feuerstellen), der Hof Neumühle, das Vorwerk Kransburg die Windmühle in Altenwalde, die Hölzungen Henbusch, Klosterbruch, Rhodenbruch, Dahlemer Holz, der Stüh und Fahlenbusch sowie Anteilsbesitz u. a. in Oxstedt, Berensch, Arensch, Holte, Gudendorf 370. Mit dem Übergang des Klosters in den Besitz der Bremischen Ritterschaft im Jahre 1383 wurde das Kloster ein Stift zur Erziehung und zum Unterhalt der ledigen Töchter der Ritterschaft. Noch heute ist es als evangelisches Damenstift Eigentum der Ritterschaft des ehemaligen Herzogtums Bremen.


Die Leitung des Klosters lag in der Hand des Propstes. Zur Zeit der Priorin Adelheid von Duvensee waren die Lambert (1365), Reyner (1372) und Cord Sweder (1375/1389). Er führte die Rechtsgeschäfte und leitete die Verwaltung der klösterlichen Güter. Die Priorin war mit der geistlichen Leitung des Klosters betraut und führte die Aufsicht über die Nonnen und überwachte die Einhaltung der Klosterdisziplin 371.


Das Archidiakonat Hadeln und Wusten
(unterstrichen: Besitz/Anteilsbesitz des Klosters Neuenwalde)


Erstmals genannt wird Aleke Duuense mit Heilwig Bloseke und Ermengard von Aumung als „clostervrowe to Nyenwolde“ am 17.06.1362, als die Knappen Werner, Heinrich und Ditmar von Elm für 5 ½ Mk die jährliche Rente von zwei Eimern Roggen aus den Einkünften ihrer Güter in Ringstedt verkaufen 372. Ein Jahr später ist domina Alheide de Duuense dann Priorin des Klosters. Sie erscheint nun in zahlreichen Urkunden als diejenige, vor der – zusammen mit dem Propst – Rechtsgeschäfte abgeschlossen werden, so am 12.03.1363 als das Kloster eine halbe Hufe mit einer Hausstelle in Dalem vom Pfarrer zu Delstedt gegen eine halbe Hufe mit einer Hausstelle in Drangstedt tauscht 373 und am 24.06.1364 – hier steht sie nur als Priorin verzeichnet -, als die Brüder Heinrich und Ditmer von Elm dem Kloster ihr Holz im Valenbusch zum Gedenken an ihren verstorbenen Bruder Werner schenken 374 Am 29.06.1365 verkauft der Knappe Heinrich von Bederkesa vor dem Propst, Aleke van Duuense, „de nu priorissa is des closters to Nienwolde“, der Konventualin Heilwig Bloseke und dem ganzen Konvent sein Gut in Oxstedt für 10 Mk 375. Da der Hof im Hühnerkamp, den der Pfarrer Wilken von Groden zu einer ständigen Vikarie an der Kreuzkapelle in Altenwolde gestiftet hatte, dem ersten Inhaber zum Lebensunterhalt nicht ausreichte, legen der Propst Lambert, die Priorin Alheydis und der ganze Konvent des Klosters am 03.07.1365 die Güter des Klosters in Arensch und Holte dem Vikar für seine Lebenszeit zu 376. Am 29.09.1367 verkaufen die Knappen Johann Louwe und seine Söhne Johann und Marquard vor der Priorin Alheyde und dem Konvent des „closters des hillighen Cruces tu wolde“ dem Kloster für 4 Mk ein Viertel Landes in Dalem 377. Dieselben verkaufen am 22.02.1368 der Priorin Alheyd van Duuense und der Nonne Adelheid von Bremen für 9 Mk die jährliche Rente von zwei Eimern Roggen aus ihrem Gute in Drangstedt 378.


Am 18.10.1372 verkaufen die Brüder Erich und Diedrich von Elm dem Propsten Reyner, Alheyde der prioren und dem Konvent des Klosters für 10 Mk 5 Hausstellen in Sievern 379. Am 06.12.1375 verkaufen dieselben vor dem Propst Cord (Sweder), Alheyde van Duuense der prioren und dem Konvent für 40 Mk dem Kloster 19 Hausstellen in Wehden 380. Vor den Vorgenannten verkauft dann am 25.07.1376 der Knappe Gerhard von Desebüttel dem Kloster sein Gut mit Zins und Zehnten und sonstigem Zubehör in Laven für 20 Mk 381. Dann verkauft Heinrich von Gehren, sonst Lappe genannt, Alheyde der prorissen des klosters tu Nienwolde gheheten von Duuense und Alheyd von Bremen am 08.09.1376 aus seinem Gut in der Wolere Wis für 6 Schillinge und 6 Mk eine Tonne Gerste 382. Am 28.10.1376 schnekte der Knappe Heinrich Gogreve von Bederkesa vor dem Propst, der Priorion Alheyde van Duuense und dem Konvent eine Rente von 20 Eimern Hafer in den Odingzehnten zu Lehe und ebstimmt 10 Eimer Hafer für die Klosterküche und 10 Eimer für die Nonnen 383. Am 11.11.1376 bezeugendie Pfarrer zu Wanna, Lehe und Nordleda bezeugen, dass vor ihnen die Gebrüder Junge, Kirchspielsleute zu Nordleda, dem Vormunde und Alheyde van duuenze der priorissen sowie dem Konvent des Klosters zu Neuenwalde ihre Höfe zu Nordleda auf Wiederkauf verkauft haben 384. Letzmalig genannt ist Aleke priorne thu Nyenwole am 25.06.1383, als sich das Kloster fünf Wurstern gegenüber verpflichtet, die jährliche Memorie von neun Verstorbenen Angehörigen derselben zu feiern. Dafür erhält das Kloster das, jenen von den letzteren hinterlassene Gut in Sachsendingen 385. Es ist dies zugleich das letzte Mal, dass der Name von Duvensee urkundlich genannt wird.



Die (jüngere) Linie von RITZERAU


Stemma: von RITZERAU


Die vierte Generation:


In die auf Walrav (III) folgende Generation werden z.T. die Brüder Heinrich und Nikolaus „von Ritzerau“ mit Besitz in Mustin und +Gardensee gesetzt 386. Hierfür gibt es keinen urkundlichen Beleg. Zudem ist es mehr als fraglich, ob die von Ritzerau schon zur Zeit der Abfassung des Zehntenlehnsregisters um 1230 Besitz in Mustin und Gardensee hatten, denn bei den dort genannten Zehntenlehnsinhabern handelt es sich um Heinrich und Nikolaus von Salem, deren Geschlecht im 12. und 13. Jahrhundert Mustin, Gardensee und Salem besaß. Sie waren sicherlich Angehörige eines der um 1230 bezeugten größeren Geschlechter im Kolonisationsgebiet. Der Leitname Nikolaus bei den von Salem könnte an eine Zugehörigkeit zu dem Geschlecht der Hahn/von Dechow deuten. Dieses Geschlecht hätte dann um Mustin/Dechow einen größeren Besitzkomplex besessen, der 1230 bereits durch Erbe aufgeteilt erscheint. Jedenfalls sind Heinrich und Nikolaus von Salem in der ritzerauischen Genealogie zu streichen. Inwieweit verwandtschaftliche Beziehungen der von Salem zu den von Ritzerau bestanden, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Von Weltzien erwägt 387, ob die Ehefrau Walravs (I), Adelheid, eine geborene von Salem gewesen sein könnte. Dies wurde zuvor bereits ausgeschlossen Mit der Möglichkeit einer Eheverbindung zwischen beiden Geschlechtern muss dennoch ernsthaft gerechnet werden, erscheinen doch die Ritzerau schon im 13. Jahrhundert in den alten Besitzungen der Herren von Salem in +Gardensee (1286), +Lutowe, Tessin und im 14. Jahrhundert auch in Mustin als deren Erben. Ob aber bereits Adelheid eine von Salem gewesen ist, scheint mir zweifelhaft. Man sollte dann doch wohl unter den Zeugen im Testament ihres Mannes einen Angehörigen dieser Familie erwarten dürfen. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass sie der Familie Witte/Albus/von Kogel angehört hat 388. Auch der bei den von Ritzerau beliebte weibliche Vorname Adelheid scheint auf sie zurückzugehen.



(?)Hartwig (II) „von POGGENSEE“ (+nach 15.01.1259)


(IV – 12); Ritter, holsteinischer Vasall, urkundet zwischen 1240 und 1259 als Dominus Hartwicus, Hartuicus de Pocgense - Allgemein wird angenommen, dass Hartwig ein Angehöriger der Familie von Ritzerau gewesen ist, da Hartwig einer der Leitnamen dieses Geschlechts war und das bereits 1230 als Dorf mit 14 Hufen genannte Poggensee im Kirchspiel Nusse, von dem der Zehnte damals nicht verlehnt war, 389 schon im 13. Jahrhunderts Besitz der Ritzerau gewesen ist. 390 An dieser Annahme sind Zweifel berechtigt. Hartwig von Poggensee erscheint ausschließlich in holsteinischen Urkunden. Dort ist er u. a. in der Umgebung der Tralau /Krummesse genannt 391, bei denen der Rufname Hartwig ebenfalls geläufig ist. Und in der unmittelbaren Umgebung der tralauischen Begüterungen um Oldesloe liegt ein weiteres Poggensee, das Ende des 13. Jahrhunderts als Besitz der Lasbek erscheint. Ich halte es daher für wahrscheinlicher, Hartwig von Poggensee einem der Geschlechter mit dem Strahlenwappen zuzuordnen. Auch Prange hegt mittlerweile Zweifel an seiner Auffassung. In einem Schreiben vom 30.10.2000 an den Verfasser schreibt er: „Die Vermutung in Ihrem Schreiben vom 21. Oktober, dass der 1240 genannte Hartwig von Poggensee nicht nach Poggensee im Kirchspiel Nusse, sondern nach Poggensee im Kirchspiel Oldesloe benannt sei, hat allerdings mancherlei für sich. Die beiden Urkunden SHRU I, 601f sind zwar nicht ausschließlich holsteinisch – die Tralau-Krummesse gehören ja gleichermaßen nach Stormarn wie ins Kolonisationsgebiet, so auch die Wittenburg -, desto mehr aber die beiden Urkunden SHRU II, 45 und 175. Möglich ist letztlich wohl beides; wie so oft, und gerade bei der Gruppierung des älteren Adels, bleibt es am Ende bei einem non liquet“.


So möchte ich Hartwig von Poggensee in der ritzerauischen Stammtafel eher streichen, ohne dass sich damit sagen ließe, welchem Geschlecht er nun angehört. In Poggensee bei Oldesloe erscheinen jedenfalls die von Lasbek als seine Erben. Dort allerdings tritt der Rufname Hartwig nicht auf. Vielleicht haben wir ihn den von Tralau/Krummesse zuzuordnen?


Hartwig von Poggensee erscheint mehrfach als Zeuge, erstmals am 24.10.1240, als die Geschwister Heinrich (II) d. J., Marquard (I) und Alburg von Krummesse ihr Dorf und Kirche Rahde im Gau Hollenstedt sowie ihr Allodialgut in Diesdorf an ihren Oheim, den Verdener Domherren Amelung, verkaufen 392. Hier wird bei den Beteiligten noch die Herkunft aus dem niedersächsisch-westfälischen Siedlungsraum deutlich. Am 06.07.1253 ist Hartwig de Phocgense Mitlober, als die Räte zu Lübeck und Hamburg dem Heinrich von Barmstede auf sechs Jahre für 1400 Mark Hafer und Weizen verkaufen 393. Letztmalig ist Hartwig dann am 15.01.1259 beim Verkauf von Dazendorf in Holstein durch die Grafen Gerhard I. und Johann I. von Holstein an das Johanniskloster zu Lübeck als Zeuge genannt 394.



Bertold (II) von RITZERAU (+nach April 1271/vor 1306)


(IV – 13); Ritter, Sohn (?)Alberns; herzoglich-lauenburgischer, gräflich-schwerinscher und bischöflich-ratzeburgischer Vasall, urkundet zwischen 1248 und 1271 als Bertoldus, Bartoldus. - Seine Einordnung in die ritzerauische Genealogie ist nicht gesichert. Unzweifelhaft ist seine Verwandtschaft zur Familie von Duvensee, die sich auf Walrav (III) von Ritzerau zurückführt. Der Umstand, dass er dreimal in Mölln betreffende Urkunden als Zeuge auftritt 395, gibt möglicherweise einen Fingerzeig auf seine Herkunft. Im Raum Mölln war möglichwerweise Albern von Ritzerau Zehnteninhaber in Gülzow, das vor 1262 an die Stadt Mölln kam. Dies ließe daran denken, dass Albern von Ritzerau Bertolds Vater gewesen ist. Für diese Annahme könnte vielleicht auch sprechen, dass Bertold (II) erstmals 1248, also nach dem Tode Alberns von Ritzerau, urkundet.


Erstmals genannt ist er am 19.03.1248, als Herzog Albrecht I. von Sachsen die Zustimmung der Erben zu der von dem verstorbenen Reinfried von Lauenburg 396 gemachten Schenkung von etwas über zwei Hufen an der Strecknitz zwischen Lübeck und Wulfsdorf an das Heiligen-Geist-Hospital zu Lübeck erwirkt 397. In der Folge erscheint er wiederholt im Gefolge der Herzöge Johann I. und Albrecht II. und ihrer Mutter, der Herzogin Helena, als Zeuge:


  • so am 27.04.1261 und am 08.10.1261, als diese für 1300 Mk auf das Land Boitin zugunsten des Bistums Ratzeburg verzichten und Bischof Ulrich (1257-1284) die Vogtei des Landes Boitin verkaufen 398. Damit fand ein langer Streit um die Vogteirechte im Lande Boitin ein vorläufiges Ende. Er hatte begonnen, als Herzog Albrecht I. von Sachsen nach der Schlacht bei Bornhöved in der Nachfolge Heinrichs des Löwen und der Grafen von Ratzeburg die Vogteirecht für sich selbst forderte. Diese waren 1236 zwar Bischof Peter (1236) von Kaiser Friedrich II. bestätigt worden, wurden aber von Herzog Albrecht I. bestritten. Der Streit eskalierte und führte schließlich zur Flucht Bischof Ludolfs (1236-1250) ins Exil nach Wismar. Erst nach dem Tod des Herzogs kam es dann 1261 zum Vergleich mit der Herzoginwitwe.


  • am 17.02.1262, als Herzogin Helena der Stadt Mölln den Besitz des Dorfes Gülze bestätigt 399


  • am 20.01.1263 bei der Schenkung des Dorfes Pinnow an die Stadt Mölln durch die beiden Herzöge von Sachsen-Lauenburg 400


  • am 27.08.1264 als die Herzogin dem Arnold von Sachsenhagen dessen Belehnung mit Zehnten und Gerichtsbarkeit über zwei Hufen in +Gerlegestorpe bestätigt 401


  • ein Jahr später, am 06.06.1265 in Parchim, als Herzogin Helena dem dortigen Heiligen-Geist-Haus drei Hufen in Grebbin schenkt 402


  • und am 15.06.1266, als die Herzöge Johann I. und Albrecht II. dem Kloster Scharnebeck 3 ½ Hufen im Neulande bei Hitzacker schenken und ihm die Zollfreiheit für Getreide und Viktualien gewähren 403.


Außer mit seinen askanischen Lehnsherren erscheint Bertold (II) nur einmal, am 12.08.1262, als Zeuge im Gefolge des Schweriner Grafen Gunzelin I. als dieser dem Kloster Medingen das Eigentum an der Hälfte der Mühle zu Karrentin verleiht und die Zehnten aus den Dörfern Vorwerk und Hassel (im hannoverschen Amt Medingen) auflässt, die das Kloster vom Bischof von Verden erworben hatte 404. Letztmalig genannt ist Bertoldus de Ritcherowe im April 1271 bei der Erneuerung des Vertrages über die Abtretung des Landes Boitin durch die Herzöge Johann I. und Albrecht II. 405. Diese hatten nach ihrer Volljährigkeit den Vergleich von 1261 widerrufen und erneut die Vogteirechte über das Land Boitin beansprucht. Erst als der Bischof noch einmal 1000 Mk als Entschädigungssumme zahlte, erkannten die Askanier das bischöfliche Vogteirecht an. Am 24.02.1306 gedenken die Brüder von Duvensee seiner im Zusammenhang mit den von ihren Vorfahren gemachten Schenkungen als verstorben 406.


Da in der Folgegeneration das zuvor im Besitz der von Salem befindliche Gardensee als ritzerauischer Besitz erscheint, mag dieser am ehesten durch eine Heirat erworben sein. Wenn man also an eine Eheverbindung von Ritzerau/von Salem denkt 407, dann mag diese eher auf Bertold (I) bezogen werden. Belege dafür gibt es nicht, nur Indizien auf Grund der besitzgeschichtlichen Entwicklung.


Mit wem Bertold (II) verheiratet war, ist unbekannt. Möglich, dass seine Frau dem Geschlecht (?) von SALEM entstammte, da offenbar noch vor 1286 der Besitz dieser Familie in Gardensee und (?) Mustin an die von Ritzerau kam.


Kinder:

  1. Hartwig (IV) > V-17

  2. Walrav (V) > V-18

  3. Bertold (III) > V-19

  4. Dietrich (I) > V-20




Die fünfte Generation



Hartwig (IV) von RITZERAU (+nach 16.01.1302)

(V – 17); Ritter, Burgmann zu Ratzeburg, herzoglich-lauenburgischer, mecklenburg-schwerinscher und bischöflich-ratzeburgischer Vasall; er urkundet zwischen 1280 und 1303 als Hartwicus, Hartuicus - Hartwig (IV) urkundet zunächst mehrfach mit Walrav (IV), so am 02.11.1280 bei der Erteilung der umfangreichen Bedeprivilegien für den lauenburgischen Adel und am 19.03.1289. Er war aber wohl nicht dessen Bruder - ein entsprechendes Verwandtschaftsverhältnis wäre in den Urkunden, den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend, sicherlich vermerkt worden - sondern eher dessen Vetter. Als Zeuge erscheint er erstmals allein am 25.03.1282 bei Bischof Ulrich von Ratzeburg, als dieser die Zehnten aus Warnekow und Bleese im Lande Gadebusch zu Lehn gibt 408. Am 13.06.1283 ist er zugegen, als die Fürsten und Städte im norddeutschen Raum unter Führung Herzog Johanns I. gegen die kämpferische Selbstherrlichkeit des Adels ein Landfriedensbündnis schließen, welches 1291 verlängert wird und seine Bewährungsprobe in der großen Fehde besteht, die im Frieden zu Dutzow (1291) mit der Schleifung zahlreicher Adelsburgen ihren Abschluss findet. 409. 1284 ist Hartwig Zeuge, als der Ritter Emeke Hake vom Domkapitel in Ratzeburg den halben Zehnten von Buchholz in Erbpacht nimmt 410. Diese Urkunde zeigt im Siegel noch den Ritzerauischen Turnierkragen und die Buchstaben ...TWICI D.R.TS. Am 25.03.1284 verpflichtet er sich u. a. mit seinem Verwandten Walrav (IV) als Mitlober bei seinen Lehnsherren Johann I. und Albrecht II., Schutzvögten der Stadt Lübeck gegebenenfalls zum Einlager in Mölln 411. 1286 ist er zusammen mit seinem Bruder Walrav (IV) Besitzer von Gardensee 412. Als Lehnsmann Herzog Albrechts II. sehen wir Hartwicus de Ritcerowe am 26.11.1286, als dieser seinen Neffen Helmold von Schwerin in Sold nimmt, damit dieser ihm im Krieg gegen seinen Oheim, Herzog Otto von Lüneburg und dessen Verbündete beistehe 413. Hartwig verpflichtet sich auch hier zum eventuellen Einlager nach Mölln. Am 15.12.1288 ist er Zeuge, als der Herzog seine Vasallen im Lande Ratzeburg für die Bezahlung seiner Schuld auf seine und seiner Neffen Johann II., Albrecht III. und Erich I. auf Lebenszeit erneut von aller Schatzung und Bede befreit 414. Eine dauerhafte Befreiung der Ritterschaft und ihrer Grundholden von der Großen Bede dürfte aber mit dem Privileg kaum verbunden gewesen sein 415. Der Herzog gibt dem Adel mit dieser Urkunde aber ein für die Zukunft fundamentales Privilegium. Nicht nur, daß Albrecht II. dem Adel alle bestehenden Rechte bestätigte, spricht er auch einen Verzicht auf künftige Bede- und weitere Steuerzahlungen des Adels aus und geht damit den Weg weiter, den sein Vorgänger Johann I. 1280 eingeleitet hatte, indem das Bewilligungsrecht des Adels bei Großen Beden ausdrücklich und ohne Einschränkungen anerkannt wurde. Dementsprechend versicherte die Landesherrschaft 1303, dass eine im Land Ratzeburg und zu Dutzow erhobene Bede von der Ritterschaft aus freien Stücken bewilligt worden sei, eine Verpflichtung zu einer solchen Leistung jedoch nicht bestanden habe und auch in Zukunft nicht bestehe 416. Außerdem stärkt er die Mitwirkung des Adels in Angelegenheiten des Landes, indem er zugesteht, dass die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten zwischen dem Herzog und seinen Vasallen durch ein Schiedsgericht von vier dazu bestellten Rittern zu erfolgen hat. Die gefällte Entscheidung dieses Gremiums wollten auch die Fürsten respektieren. Wir sehen Hartwig (IV) von Ritzerau also 1288 am Beginn eines Entwicklungsprozesses mitwirkend, an dessen Ende die Ständeherrschaft stand 417. Hartwig wirkt dann als Zeuge am 19.03.1289 bei dem Rechtsakt mit, in dem der Herzog dem Domkapitel das höhere Gericht in Römnitz bestätigt 418 und am 18.05.1291, als Herzog Albrecht II. der Stadt Lübeck das Wasser der Wakenitz und des Ratzeburger Sees verkauft - die Voraussetzung zum bald darauf erfolgten Stau der Wakenitz - ist Hartwig (IV) erneut Zeuge 419.


In der Folgezeit ist die Zuordnung der Urkunden auf ihn nicht immer gesichert, da zwischen 1291 und 1306 ein weiterer Hartwicus de Ritzerowe auftritt, der zumeist als Kanonikus gekennzeichnet und damit von Hartwig (III) zu unterscheiden ist (siehe V-16). Hartwig (IV) verfügte offenbar über den Familienbesitz im Mecklenburgi-schen, u.a. in Camin. Dies ergibt sich aus einer Urkunde vom 25.02.1296 420, in der die Ritter Burchard von Jesow, Johann von Lützow, Friedrich von Schossin und Hermann von Blücher, sowie die Ratmänner von Wittenburg bezeugen, dass der Priester Johann von Holthusen dem Kloster Zarrentin die Einkünfte von „duorum mansorum redditus in villa Camin sitorum, sicut idem Johannes a domino Hartwico milite de Ritzerowe tenuit et tenet“, auf acht Jahre überlassen hat. Am 20.09.1296, als die Herzöge Albrecht III. und Johann II. den Wakenitzvertrag 421 vom 08.07.1274 bestätigen 422, ist Hartwig Zeuge. Bereits einen Tag später, am 21.09.1296, erscheint er in der Zeugenreihe der Herzogin Ingeborg und ihrer Söhne Albrecht III. und Johann II., als diese den Zoll zu Herrnburg dem Möllner Zoll gleichstellen 423. Zugegen ist Hartwicus de Rytzerowe miles auch am 21.09.1299 beim Verkauf der Dörfer Möhnsen, Grabau, Groß Pampau, Brunsdorf und drei Hufen in Wiershop an Hasso von Herslo, das Hamburger Domkapitel und Marquard Katteskruch durch die Herzogin und ihre Söhne 424. Am 01.11.1299 ist er Zeuge, als die Herzöge Johann II. und Albrecht III. den Hamburgern und allen das Meer befahrenden Kaufleuten in Mölln ein Privilegium zur Errichtung eines Leuchtturms auf der Insel Neuwerk und das Strandrecht erteilen 425. In mehreren Urkunden vom 15.03.1300 erscheint Hartwig (IV) dann unter den Zeugen, als die Herzöge Johann II., Albrecht III. und Erich I. den Verkauf des Dorfes Utecht durch ihre Vorfahren, sowie die Verkäufe der Hälfte von Wulfsdorf, Beidendorf und Blankensee und von Schattin durch die Lübecker Bürger Gottfried und Johann von Cremun an das Johanniskloster zu Lübeck bestätigen 426. Hartwig ist erneut Zeuge am 16.01.1302, als die Herzöge Johann II. und Albrecht III. der Stadt Mölln deren Privilegien und das Lübecker Recht bestätigen, sowie das Dorf Pinnow schenken 427. Ein letztes Mal ist „Hartwicus miles de Retserowe, castrensis in Raceburg“ am 21.06.1303 als Burgmann in Ratzeburg genannt 428. An diesem Tage bekennt er, an Grubes Grundbesitz in Altengamme keine Rechte zu haben. Diese Aussage belegt im Umkehrschluss, dass die Ritzerau in den Vierlanden begütert gewesen sein müssen. Dies erklärt dann auch das wiederholte Auftreten in den Zeugenreihen bei Rechtsgeschäften, die vor allem Alten- und Neuengamme betreffen.


Der Rufname seines (?)Sohnes Otto deutet darauf, dass Hartwig (IV) mit einer Frau verheiratet war, in der der Rufname Otto gebräuchlich war. In Frage kommen hier das Geschlecht der Witte/von Kogel, das aber bereits erloschen war oder vielleicht eher die von Plön. Letztere verfügten in Schlagsülsdorf und Thandorf über Besitz, der an den der von Ritzerau anschloss. Zudem sehen wir die Ritzerau bei dem Verkauf des Plönschen Besitzes zusammen mit den von Plön urkunden 429.


Aus seiner Ehe mit N. NN. (?von PLÖN) stammen


Kinder:

  1. ?Nicolaus > VI-28

  2. Otto (I) > VI-29

  3. Bertold (IV) > VI-30

  4. Dietrich (II) > VI-31



Walrav (V) von RITZERAU


(V – 18); bischöflich-ratzeburgischer Vasall (?); Bruder von Hartwig (IV), Mitbesitzer von Gardensee, urkundet 1286 als Walraueno. - Er ist sicherlich von dem anderen Walrav (IV), Ritter und Burgmann, dem Stammvater der Herren von Duvensee zu unterscheiden. Zusammen mit seinem Bruder ist er nur einmal, 1286, genannt, als Bischof Konrad von Ratzeburg dem Ratzeburger Domkapitel u.a. die Anwartschaft auf das Dorf Gardensee verleiht, sofern die Brüder Hartwig und Walrav (Hartwico milite Walraueno eius fratre) darauf Verzicht geleistet haben 430.



Bertold (III) von RITZERAU


(V – 19); Knappe (?); Herzoglich-lauenburgischer Vasall, urkundet 1286 als Bertoldus - Bertoldus de Ritzerow ist 1286 Zeuge, als Herzog Albrecht III. einen Teil seiner Zehnten in Neuengamme an das Kloster Reinfeld verkauft 431. Das Fehlen in urkundlichen Belegen seit 1271 lässt es wahrscheinlicher erscheinen, dass er nicht mehr mit dem zuletzt 1271 genannten Ritter Bertold (II) identisch ist, zumal er in der Zeugenreihe nach den Rittern erscheint und daher wohl unter die Knappen zu zählen ist. Seinem Namen nach wird er Bertold (I) indes nahegestanden haben. Vielleicht war er dessen Sohn (?).



Dietrich (I) von RITZERAU


(V – 20); Domherr zu Ratzeburg; urkundet als Thidericus - Er erscheint nur einmal am 13.05.1296 als Thidericus de Ritserowe, Raceburgensis ecclesie canonicus unter den Zeugen, als Graf Nicolaus von Schwerin dem Kloster Zarrentin die Mühle zu Wittenburg verkauft 432. Die einmalige Nennung lässt eine sichere Einordnung nicht zu. Da der Name aber in der auf Hartwig (IV) zurückgegenden Linie wiederkehrt, mag er am ehesten dorthin gehören und dessen Bruder (?) gewesen sein.




Die sechste Generation


(?) Nicolaus „von RITZERAU“


(VI – 28); Knappe, urkundet 1306 - Nicolaus de Ritzerowe ist nur ein Mal am 25.11.1306 zusammen mit seinen Brüdern Otto (I) und Bertold (III) als Vasall der askanischen Herzöge genannt 433. In der gleichlautenden Urkunde im Urkundenbuch der Stadt Lübeck 434 fehlt sein Name allerdings. Es ist also Vorsicht geboten! Der Name ist bei den Ritzerau fremd. Allerdings könnte er über die Heirat eines Angehörigen der Familie von Ritzerau mit einer Tochter von Salem in die Familie gekommen sein. Vielleicht kam so auch der Besitz der Familie von Salem mit Dechow und Mustin an die von Ritzerau.



Otto (I) von RITZERAU (+nach 25.07.1335)


(VI – 29); Ritter, herzoglich-lauenburgischer und bischöflich-ratzeburgischer Vasall; Bruder Bertolds (III) und Dietrichs (II) von Ritzerau, urkundet zwischen 1306 und 1335 - In den Urkunden tritt er zumeist mit seinem Bruder Bertold (IV) auf. So am 20.09.1306 beim Tausch der duvenseeischen Besitzungen in Schlagsdorf 435, am 25.11.1306 beim Bündnis der Stadt Lübeck mit den Herzögen von Sachsen - Lauenburg 436 und am 24.06.1312 beim Erwerb (Klein) Lankows durch das Domkapitel zu Ratzeburg 437. Otto (I) ist 1312 Ritter, sein Bruder Bertold (III) Knappe, d.h. Otto (I) war der ältere der Brüder. Ein letztes (?) Mal erscheint er am 25.07.1335 - zusammen mit seinen Brüdern - im Verzeichnis der Vasallen des Stiftes Ratzeburg als Besitzer des Dorfes Döbbersen („de tota villa Doberschen“), wo schon Walrav (III) den halben Zehnten besessen hatte 438.


Item Otto et Bertoldus milites et Tidericus armiger, fratres dicti de Ritzerowe, de tota Døberschen et de dimidia decima omnium villarum suarum, quas hebent, exceptis illis, in quibus episopus uel prepositus recipiunt decimas“


Der Name Otto tritt mit ihm erstmals in der Familie von Ritzerau auf. Er deutet am ehesten auf eine Verwandtschaft zur Familie von Kogel/Wackerbarth, in der dem Namen im 13. Jahrhundert Leitnamenfunktion zukam oder eher zur Familie von Plön, deren Besitz in Schlagsülsdorf und Thandorf unmittelbar an den der Ritzerau anschloss und der der Rufname Otto ebenfalls gebräuchlich war. Vielleicht war Ottos Mutter also eine von Plön? Aus seiner Ehe stammen vermutlich 439 die


Kinder:

  1. Otto (II) > VII-37

  2. Henneke (I) > VII-38



Bertold (IV) von RITZERAU (+nach 29.12.1340 / vor 29.11.1351)


(VI – 30); Ritter, herzoglich-lauenburgischer, fürstlich-mecklenburgischer und bischöflich-ratzeburgischer Vasall, Bruder Ottos (I) und Dietrichs (II), urkundet zwischen 1306 und 1340 durchgehend als Bertoldus - Die Häufigkeit seines Auftretens in den Urkunden erweist ihn als den bedeutendsten der drei ritzerauischen Brüder. Zunächst steht er als Knappe noch im Schatten des älteren Bruders Otto - 20.09.1306, 25.11.1306, 24.06.1312. - Ab 1315 ist er Ritter und die beherrschende Persönlichkeit der Familie. Wiederholt tritt er zusammen mit seinen duvenseeischen Vettern auf - 1315, 22.10.1318, 08.09.1319, 21.12.1319, 13.05.1321, 21.12.1321,1 20.12.1323, 21.06.1336.


Bertold (IV) ist Zeuge, als Herzog Erich I. am 16.10.1318 dem Domkapitel zu Ratzeburg alle Rechte an Groß Mist (heute Neuleben) mit Vorbehalt des Burg- und Brückenwerks sowie der Landwehr abtritt 440. Am 08.09.1320 quittierte er für den Herzog dem Grafen Gerhard IV. von Holstein (1312-1323) über 1150 Mk 441 und am 31.10.1321 entscheidet er mit Johann (I) von Krummesse als Schiedsrichter einen Erbschaftsstreit der Herzöge Johann II. und Erich I. über die Güter des verstorbenen Herzogs Albrecht III. 442. Am 21.12.1321 gibt er seine Zustimmung, als sein Bruder Dietrich (II) dem Domkapitel zu Ratzeburg Hebungen aus +Manau und Tramm überläßt 443. Am 01.12.1321 ist er zusammen mit seinem Bruder Dietrich (II) und Heinrich (I) von Duvensee Zeuge als Herzog Erich I. eine Vikarei in Ratzeburg mit Einkünften aus Gardensee und der Albrechtsmühle vor Ratzeburg ausstattet 444. Er ist Zeuge, als Fürst Heinrich von Mecklenburg Anfang 1323 Bischof Marquard von Ratzeburg (1309-1335) zur Sühne die Dörfer Falkenhagen und Rünz überlässt 445 und am 23.04.1332 bei der Sühne zwischen den von Parkentin und Bischof Marquard 446. Am 21.02.1334 ist er zugegen, als Herzog Erich I. dem Ratzeburger Domkapitel für 2100 Mk die bisher im Besitz der Familie von Plön befindlichen Dörfer Schlagsülsdorf sowie Thandorf verkauft und sie mit Groß Mist zum Lande Boitin legt 447. Zusammen mit seinem Sohn Hartwig (V) bezeugt er am 01.05.1334 die Belehnung Wipert von Lützows mit Burg und Dorf Dutzow 448. Und am 01.11.1334 ist er Zeuge, als Herzog Erich I. dem Johanniskloster zu Lübeck seine Rechte auf den Camerbrook bei Utecht und alle Rechte an den in seinen Landen erworbenen Dörfern abtritt 449. 1335 ist Bertoldus de Rytzerowe, miles in dem Bericht des Domherren Otto von Grönau an Erzbischof Burchard I. von Bremen (1327-1344) genannt 450. Mit seinen Brüdern Otto (I.) und Dietrich (II) besitzt er in diesem Jahr „de tota villa Doberschen“ und den halben Zehnten „in omnium villarum suaru“ 451. Als am 20.09.1336 Bischof Volrad von Ratzeburg und Herzog Erich I. durch Schiedsspruch erkennen, dass die Bauern zu Buchholz am Ratzeburger See dem Domkapitel den halben Zehnten zu geben haben, sind Zeugen der Ritter Berthold (III) von Ritzerau sowie seine Söhne, die Knappen Hartwig (VI) und Berthold (IV) 452.


Bereits am 21.12.1326 und erneut am 20.09.1336 war er zugegen, als Herzog Erich I. dem Domkapitel zu Ratzeburg das Patronat der Kirche zu Mustin schenkte und ihm die dortige Pfarre inkorporierte 453. Am 08.09.1335 bezeugt er – zusammen mit Detelv (II) und Walrav (IV) von Duvensee die Übertragung der lebenslangen Nutznießung der Güter in Steinau im Lande Hadeln, die zuvor die Ritter Gerhard und Johann Lowe inngehabt hatten, an die Witwe des Gerhard von Bederkesa durch Herzog Albrecht IV. von Sachsen-Lauenburg 454. Dann erscheint er am 09.03.1337 zusammen mit Detlev (II) von Duvensee bei einem Schiedsspruch Herzog Erichs I. in dem Streit um das Leibgedinge der Mutter Gerds von Ödeme 455. Am 05.03.1340 ist er Mitlober, als Heinrich (I) von Grönau und sein Sohn Volkmar (VI) über eine Schuld von 60 Mk urkunden und zu deren Abtragung 5 Mk Renten an ihrem Hof Tüschenbeck überweisen 456. Zuletzt genannt ist Bertold (IV) am 29.12.1340, als die Brüder Vollrath, Hartwig und Otto von Plön bekennen, dass das Domkapitel zu Ratzeburg ihnen ihre Ansprüche auf die zum Hof (Schlag-)Sülsdorf belegenen Erben nach einem Schiedsspruch Bertolds abgekauft hat 457. An der Urkunde hängt sein rundes Siegel mit einem Schilde mit zwei Turnierkragen, der obere mit vier, der untere mit drei Latzen und der Umschrift + S' B''TOLDI . RITCEROWE MILIT. Verheiratet war Bertold (IV) von Ritzerau angeblich mit einer (?)von PENTZ aus dem Hause Redefin 458. Dafür fehlt indes der urkundliche Nachweis.


Kinder:

  1. Hartwig (VI) “de olde” > VII-39

  2. Bertold (V) > VII-40

  3. Dietrich (III) > VII-41

  4. Konrad (I) > VII-42

  5. Tochter N. > VII-43

  6. ?Tochter N > VII-44


In späteren Urkunden (29.12.1351, 24.10.1353, 11.04.1370, 01.12.1371, 16.08.1373, 01.09.1373) erscheint er als verstorben 459.



Dietrich (II) von RITZERAU (+nach 20.09.1336)


(VI – 31); Knappe, herzoglich-lauenburgischer und bischöflich-ratzeburgischer Vasall, jüngerer Bruder Ottos (I) und Bertolds (III) von Ritzerau, urkundet 1321 bis 1336 als Thidericus, T(h)ydericus - Zuerst urkundet er am 01.12.1321 mit seinem Bruder Bertold (IV) bei der Ausstattung einer Vikarie in Ratzeburg 460. Am 21.12.1321 überläßt Dietrich (II) dem Domkapitel zu Ratzeburg mit Zustimmung seines Bruders Bertold (IV) und mit Genehmigung der Herzöge Johann II. und Erich I. 10 Mk jährlicher Hebungen aus +Manau und Tramm gegen solche in Gardense 461. Am 21.12.1326 und am 20.09.1336 ist er bei der Schenkung und Bestätigungs der Patronatsrechte an der Kirche zu Mustin zugegen 462. Bald danach ist dann vermutlich gestorben, denn in späteren Urkunden (27.10.1351, 24.10.1353, 1370) ist er als verstorbener Vater des Knappen Hartwighs des olderen (Hartwig VII) genannt 463.


Aus seiner Ehe mit einer namentlich nicht bekannten Frau stammen die


Kinder:

  1. Hartwig (VII) “de oldere” > VII-47

  2. Ermengard > VII-48



Die siebte Generation



Otto (II) von RITZERAU


(VII – 37); Knappe, herzoglich-lauenburgischer Vasall, urkundet 1343 (?) bis 1347 - Otto (II) von Ritzerau ist vermutlich erstmals (?) am 06.12.1343 genannt, als er sich mit anderen Angehörigen seiner Familie und weiteren Adligen unter den Schutz und den Frieden der mecklenburgischen Herzöge Albrecht I. und Johann I.(IV.) begibt 464. Bei ihm ist nicht sicher, ob er nicht noch mit Otto (I) gleichzusetzen ist. Zweifelsfrei von diesem zu unterscheiden ist der Knappe Otte van Ridzerowe, der am 08.01.1347 Zeuge bei der Beilegung der Fehde zwischen den von Wackerbarth und der Stadt Lübeck ist 465. Wie Otto (II) in die ritzerauische Genealogie einzubinden ist, lässt sich nicht sagen. Am ehesten wäre er ein Sohn Ottos (I), da wir die Kinder von Bertold (IV) bzw. Dietrich (II) weitgehend kennen. Sein Siegel an der Urkunde von 1347 zeigt auf geneigtem Schilde die beiden Turnierkragen mit oben vier und unten drei Lätzen und im Grund neben dem Schild einige Blumen. Die Umschrift zwischen einfachen Kreisen lautet: + S' OTTONIS . RITZEROWE. 466



Henneke (I) von RITZERAU


(VII – 38); Knappe, urkundet 1346 als Henneke - Henneke Rytzerowe ist am 02.04.1346 Zeuge, als sich Henneke Hummersbüttel der Ältere gegen Graf Johann I. von Holstein (1328-1363) verpflichtet 467. Wenn er nicht mit dem nur 1343 genannten Heyne van deme Duuense gleichzusetzen ist, was wohl schon aus sprachgeschichtlichen Gründen ausscheiden muss, da Heyne Kurzform zu Heinrich, Henneke dagegen zumeist Kurzform zu Johannes bzw. Hans ist 468, wäre Henneke am ehesten ein Sohn Ottos (I) (?)



Hartwig (VI) de olde von RITZERAU (+nach 13.10.1371/vor 01.09.1373)


(VII – 39); Knappe, herzoglich-lauenburgischer, gräflich-holsteinischer und lübscher Vasall, Sohn Bertolds (IV), urkundet zwischen 1334 und 1373 als Hartwicus, Hartwich, Hartwigh mit dem Zusatz (ab 1353) de eldere, de olde, maior, senior(is) - Die Vielzahl der Urkunden, in denen uns Hartwig (VI) von Ritzerau entgegentritt - wiederholt mit seinen Brüdern Dietrich (III), Bertold (V) und Konrad - erweisen ihn als den überragenden Vertreter seines Geschlechts in der sechsten Generation. Erstmals tritt er am 01.05.1334 neben seinem Vater als „knecht“ auf bei der Belehnung der von Lützow mit Burg und Dorf Dutzow in Erscheinung 469. Ebenfalls mit seinem Vater urkundet er am 20.09.1336 470. Er ist Zeuge, als Herzog Erich I. am 21.06.1336 Schmilau an Bischof Volrad von Ratzeburg verkauft 471 und am 20.09.1336 bei der Übertragung des Patronats der Kirche zu Mustin 472. Am 06.12.1343 gehört er mit Otto (II) von Ritzerau sowie Walrav (VI) und Heyne (II) von Duvensee zu den Adligen, die sich unter den Schutz und Frieden der Herzöge Albrecht I. und Johann I. (IV.) von Mecklenburg begeben 473.


Mehrfach erscheint Hartwig (VI) dann um die Mitte des 14. Jahrhunderts, einer an Fehden reichen Zeit, als Zeuge bei Sühneabreden und Friedensschlüssen, zumeist im Gefolge seines Lehnsherren, Herzog Erichs III., so


  • am 10.01.1345 beim Waffenstillstand der Ritter Detlev (VII) von Behlendorf (Parkentin), Detlev Kulznig und Walrav von Parkentin mit der Stadt Lübeck 474


  • am 25.05.1351 beim Vertragsschluss Herzog Albrechts V. mit Herzog Erich II. dem Jüngeren in Nykjöbing wegen des Krieges mit den Grafen von Schwerin 475


  • am 31.03.1353 beim Beitritt Herzog Johanns III. zum Waffenstillstand der Stadt Lübeck mit dem mecklenburgischen Herzögen Albrecht I. und Johann I. (IV.) sowie Graf Otto von Schwerin 476


  • am 01.11.1354 bei der Vereinbarung eines zweijährigen Landfriedens der Herzöge von Mecklenburg, Sachsen-Lauenburg mit den Wendischen Städten 477


  • am 27.09.1357 - zusammen mit seinem Bruder Dietrich (III) - beim Bündnis der Stadt Hamburg mit den Herzögen Erich II. und Albrecht V. gegen Walter und Pape Kule und deren Helfer, die im Lande Hadeln Hamburger Bürger und Kaufleute beraubt hatten 478


  • am 06.05.1360 beim Abschluß eines einjährigen Friedens zwischen Herzog Erich II. und der Stadt Lübeck 479



  • am 16.03.1361 bei Abschluss eines dreijährigen Freundschaftsvertrages zwischen Herzog Erich II. und der Stadt Lübeck 480

  • und am 30.12.1365 bei der Sühnevereinbarung Dietrichs (III) und Bertolds (VI) von Ritzerau mit dem lübschen Vogt Thidericus Steynbeke 481.

An den großen Auseinandersetzungen der Herren von Hummersbüttel mit ihren Lehnsherren, den Grafen von Holstein, in den vieriger Jahren des 14. Jahrhunderts, in die fast der gesamte holsteinische und lauenburgische Adel hineingezogen wurde, war auch Hartwig von Ritzerau – und mit ihm wohl sein ganzes Geschlecht – aktiv beteiligt. Zusammen mit seinem Lehnsherrn, Herzog Erich II., stand er auf der Seite der Dänen, die den aufsässigen holsteinischen Adel unterstützten. Zusammen mit Witte Mahr hatte Hartwig im Kampf acht Pferde erbeutet, die ihnen der lübsche Reitervogt jedoch abgenommen hatte. Am 28.06.1348 fordert er nun vom Rat der Stadt Lübeck die Herausgabe 482.


Hartwigs Lehnsherr, Herzog Erich II. von Sachsen-Lauenburg, der nur über einen Teilbereich des Herzogtums regierte (Lauenburg, Ratzeburg, Neuhaus, Marschvogtei um Obermarschacht und Barförde) hatte zu Beginn seiner Regierung dem Treiben seines Adels, insbesondere der Scharfenberger, gegenüber dem Handelsverkehrt zwischen den Städten Hamburg, Lübeck und Lüneburg tatenlos zugesehen, dieses wohl insgeheim, auch gefördert. Als dann sein Bergedorfer Vetter Albrecht IV. im Bunde mit Hamburg und Lübeck in Erichs Gebiet einfiel, änderte dieser seine Politik und schloss am 01.03.1349 mit den Grafen Johann III., Heinrich II., Klaus und Gerhard V. von Holstein und der Stadt Lübeck einen Landfrieden auf drei Jahre 483, dem unter dem Eindruck der Fehden der Hummersbüttel auch Graf Adolf VII. von Holstein und die Stadt Hamburg am 10.08.1349 beitraten 484. Er sollte Geltung haben „binnen den landen to Raceborch, to Sadelbendingen, to Holsten unde to Stormern“. Auch in den Landen zu Schwerin und Wittenburg sollten Friedensbrecher verfolgt werden. Das richtete sich ganz offensichtlich gegen die Adligen, die an der östlichen Landesgrenze des Herzogtums Sachsen-Lauenburg saßen, wie die von Karlow, von Zecher, von Züle. Nun sollten alle Festen, deren Besitzer selber Friedensbruch begangen oder Friedensbrechern Vorschub geleistet hatten, zerstört werden, mit Ausnahme „der heren slote, de en oldinghes to hort hebben“. Diese Aufgabe übernahmen Hartwig (VI) von Ritzerau, Heinrich Lüchow, der Vogt Herzog Erichs II. und der Stadtvogt von Lübeck. So wurde das Jahr 1349 für den landsässigen Adel insgesamt ein kritisches Jahr. Wir sehen Hartwigh (VI) van Ritzerow als Kriegsoberster seines Lehnsherrn aktiv an der Niederschlagung der Fehde mit den Scharfenbergern beteiligt 485. Unter Hartwigs Kommando zogen die Verbündeten unter Führung Lübecks vor das befestigte Bernstorf, das den mit den Scharfenbergern verbündeten von Züle gehörte und zerstörten es. Die von Scharfenberg und von Züle waren es vor allem, die die Handelswege durch ständige Überfälle unsicher machten. Als nach der Schleifung mehrerer fester Orte, darunter Zecher und Gudow, schließlich auch der Stammsitz der Scharfenberger in Linau eingenommen und geschleift worden war 486, die Scharfenberger dennoch von mecklenburger Gebiet aus ihre Überfälle fortsetzten, sehen wir Hartwig (VI) von Ritzerau als Feldhauptmann in lübschen Diensten mit Anderen ins Land Wittenburg einmarschieren, wo sie die den von Züle gehörenden Orte Neuenkirchen, Tessin und Camin sowie das den von Stück gehörende Kützin zerstörten. Die zeitgenössischen Chronisten berichten darüber recht anschaulich 487 :


Dar na bi sunte Nicolaus daghe (um den 06.12.) Hartwich van Ritzerowe unde des hertoghen voghet van Sassen Hinric Luchowe, unde der stat voghed van Lubeke reden in dat land to Wittenborch, unde leghen dar inne enen dach unde ene nacht, unde wunnen menghe ghude vestene in deme lande. de erst het Nyenkerken; dar uppe se sloghen ses man der viande dod, de arghe rovere warn, unde loseden enen armen man ute deme stocke, de dar ghevanghen was, unde branden de vestene. dar neghest ghewunnen se de vestene Tessyn, unde branden se bet an de grund; dar na wunnen se Kemmyn, unde loseden dar der manne ute deme stocke; der weren twe borghare ute Lubeke. desse der vestene horden to den van Züle. dar na wunnen se de vestene Kossyn, de horde to dem van Stüken. desse vere vestene wunnen se al binnen eneme daghe, unde branden se unde vorstoreden se tomale“.


Beteiligt ist Hartwig (VI) auch bei den um diese Zeit geschlossenen Verträgen zwischen Herzog Erich III. und der Stadt Lübeck über den Ausbau und die Unterhaltsverpflichtung der Landwehr zwischen dem Ratzeburger und Möllner See sowie der Vertiefung der Delvenau 488.


Am 19.04.1349 war er zugegen, als Herzog Erich III. die Beilegung des Streits mit dem Kloster Reinfeld beurkundet und dessen Güter in seinem Land in Schutz nimmt, sowie die Bauern in Neuengamme und Pogez vom Burgwerk in Lauenburg befreit 489. Zusammen mit seinen Brüdern Bertold (V), Dietrich (III) und Konrad verkauft er unter Zustimmung seiner Söhne („cum consensu filiorum Hartwise predicti“) und seines Vetters Hartwig (VI) am 1351 Dorf und Hof Mechow mit Befestigung und See an das Domkapitel zu Ratzeburg. Herzog Erich III. verzichtet dabei am 29.12.1351 auf seine Rechts als Landesherr 490. In Gegenwart Herzog Erichs III. legen die von Ritzerau ebenfalls 1351 ihren Streit mit dem Kloster Reinbek bei. Sie überlassen dabei dem Kloster am 27.10.1351 das Anspruchsrecht auf ihre Güter zwischen den Dörfern Tramm und Talkau, wogegen das Kloster eine Schwester der ritzerauischen Brüder als Nonne aufnimmt 491.


Die Fredeburg mit anstoßender Landwehr (1594)


Mit dem Auftreten Hartwigs (VI) („Hartwicus filius quondam Thidericus de Rytzerowe“), seines Vetters, wird Hartwig (VI) in den Urkunden ab 1351 als „senior“ bzw. „de eldere“ von dem jüngeren unterschieden.


Ravensdiek
(5: der Ravensdiek, 6: ehemalige Pulvermühle, 7: ehemaliges Dorf Ravensdiek)


Am 17.08.1352 ist Hartwig (VI) zusammen mit seinem Bruder Dietrich (III) Zeuge, als Vicke (I) von Karlow und sein Sohn Ludolf (IV) Besitz in Falkenhagen an Bischof Volrad von Ratzeburg verkaufen 492. Beide Brüder, dieses Mal zusammen mit Hartwig (VII) junior („eorum patruus“) sind erneut am 16.05.1353 Zeugen, als die Brüder Detlev (I) und Heinrich (II) von Grönau dem Lübecker Heiligen-Geist- Hospital alles Land vom Scheideberg zwischen Grönau und Falkenhusen bis Blankensee verkaufen 493. Ebenfalls 1353 gehört Hartwig (VI) mit Walrav (VII) von Duvensee und dessen Sohn Walrav (VIII), seinen Brüdern Bertold (V), Dietrich (III) und Konrad von Ritzerau, sowie Hartwig (VII) zu den Schenkern der Örtlichkeit Ravensdiek an Bischof Volrad von Ratzeburg 494. Diese Örtlichkeit hatte strategische Bedeutung innerhalb der 1351 von den Lübeckern zum Schutz der Straßen errichteten Landwehr vom Ratzeburger See bei Farchau bis zum Möllner See. Hier war Hartwig (VI) von Ritzerau bereits an den Vertragsverhandlungen und Vertragsabschlüssen beteiligt, die der Errichtung des Landwehr vorausgegangen waren; so am 24.08.1348 als die Herzöge Erich II. und Johann III. über den in Gemeinschaft mit der Stadt Lübeck vom Ratzeburger See nach dem Möllner See gezogenen Landwehrgraben und die Ausgrabung der Delvenau urkunden 495 und am 16.06.1351 als Hartwig (VI) mit Herzog Erich II. der Stadt Lübeck verspricht, den Landwehrgraben, so wie auch einen durch einen Schlagbaum verschließbaren Weg darüber bis zum Ravensdiek zu bauen und beständig zu unterhalten 496.


Die Schenkung von Ravensdiek durch die Ritzerau und den Duvensee ermöglichte es nun Bischof Volrad, seinen Beitrag zur Errichtung der Landwehr in seinem Herrschaftsbereich um Farchau zu leisten. Herzog Erich II. d. J. bestätigte Bischof Volrad am 24.10.1353 diese Schenkung 497. Am 26.09.1354 schuldet das Heilig-Geist-Hospital zu Lübeck Hartwig drittich marke schuldig 498. Zusammen mit seinem Bruder Konrad unterzeichnet er am 14.04.1359 als herzoglich-sachsen-lauenburgischer Rat eine Urkunde, in der Herzog Albrecht V. mit Zustimmung Herzog Erichs III. der Stadt Lübeck die Pfandherrschaft über Mölln mit der Vogtei („opidum nostrum Molne cum domino nostro et advocatia, que ad dictum opidum Molne pertinent“ 499) an Lübeck verkauft 500. Erst 1683, nach 324 Jahren, kehrte Mölln zu Lauenburg zurück und ihren endgültigen staatsrechtlichen Abschluss fand die Möllner Pfandschaft sogar erst 1747.


Mit dem Verkauf wurde der landsässige Adel (die KRUMMESSE, RITZERAU, PARKENTIN, ZÜLE), dessen Güter zum Teil in der verpfändeten Herrschaft lagen, de facto zu Vasallen der Stadt Lübeck. Dieser versprachen Hartwig (VI) und Hartwig (VII) von Ritzerau, sowie Walrav (VIII) und Eler (III) von Duvensee und der übrigen Ritterschaft der Vogtei Mölln am 01.11.1359 – zum Teil widerstrebend - zunächst vorläufig, bis nach der Rückkehr des außer Landes weilenden Herzogs Albrecht V. zu leistenden Huldigung, Gehorsam zu leisten. Die förmliche Huldigung selbst fand am 06.07.1360 statt 501. Am 29.06.1368 gehören die vier zu den Mitverfassern eines Huldigungsreverses an die Stadt Lübeck 502.


Als am 24.06.1359 die Brüder Detlev (I) und Heinrich (II) von Grönau dem Heiligen-Geist-Hospital zu Lübeck alles Land vom Scheideberg zwischen Grönau und Falkenhagen bis Blankensee für 500 Mk. lüb. Pf. unter dem Vorbehalt des Wiederkaufs verkaufen bezeugen dies außer Hartwicus (VI) maior auch seine Brüder Dietrich (III) und Konrad, sowie Hartwig (VII) „junior“ 503. Mit seinem Bruder Kord (Konrad) ist Hartwig (VI) am 21.04.1359 Zeuge, als die Herzöge Albrecht V. und Erich III. mit Bewilligung Bischof Wiperts von Ratzeburg (1356-1368) 15 Mk. lübb.Pf. Jährlicher Hebung aus dem Zoll der Stadt Mölln der Vikarie in der Kapelle des heiligen Kreuzes bei Bergedorf schenken 504. Die Brüder sind auch am 10.08.1360 bei der Eheabrede zwischen den Herzögen Albrecht I. von Mecklenburg und Erich II. zugegen 505. 1362 ist Hartwig (VI) senior mehrfach Zeuge bei Herzog Erich II. So am 10. und 15.07., als dieser seine Hoheitsrechte an den Dörfern Schlagbrügge und Schlagresdorf gegen die in Goldensee und 7 ½ Hufen in Drögenvorwerk abtritt, die zuvor von den Brüdern Nicolaus und Hartwig von Bülow an das Domkapitel zu Ratzeburg verkauft worden waren 506.


Zusammen mit seinem Bruder Dietrich (III) sowie Eler (III) von Duvensee und anderen Rittern tritt Hartwig (VI) in den Dienst des Grafen Adolf VII. von Holstein-Pinneberg (1353-1370). Am 08.12.1363 bekennen die Genannten „dat wi uns gheheret hebben in greven Alves von Holsten und Stormeren denest“ 507. So sehen wir Hartwig (VI) dann auch im Gefolge des Grafen von Holstein, als am 18.03.1364 die Stadt Hamburg den mit diesem geschlossenen Vertrag bekräftigt 508. Hier wirkte Hartwig (VI) d. A. von Ritzerau in dem großen Streit zwischen dem jungen Grafen Adolf VII. von Holstein und der Stadt Hamburg um die Hoheitsrechte über die Stadt nicht unwesentlich mit. Dieser Streit beschäftigte sogar Kaiser Karl IV., der Herzog Albrecht II. von Mecklenburg zum Schiedsrichter ernannte. Als Sachwalter des mecklenburgischen Herzogs 509 war Hartwig (VI) direkt an den schwierigen Verhandlungen vom 26.05. bis 23.06.1363 beteiligt, die letztendlich zu Gunsten der Grafen von Holstein entschieden wurden. Dann sehen wir Hartwig (VI) im Gefolge Graf Adolfs VII. von Holstein, als am 18.03.1364 die Stadt Hamburg den mit diesem geschlossenen Vertrag bekräftigt, wobei sie allerdings erreichte, dass Graf Adolf VII. der Stadt ihre Privilegien bestätigte 510.


Hartwicus des Rytzrowe senior ist erneut Zeuge am 15.04.1367, als Ludolf (IV) von Karlow gegenüber Bischof Wipert von Ratzeburg auf seine Ansprüche an die 1356 von seinem Oheim verkauften vier Hufen in Falkenhagen verzichtet 511 und dann bei Herzog Wilhelm von Braunschweig und Lüneburg, als dieser am 21.01.1368 dem Abt und Konvent des Klosters Scharnebeck das Gut zu Echem und Luningshorst verkauft 512. Bei Herzog Erich III. ist er am 07.12.1368 zugegen, als dieser dem Kloster Reinbek dessen Privilegien bestätigt und ihm alle Dienste an den Gütern in seiner Herrschaft überlässt 513. Am 18.02.1369 ist Hartwig (VI) dabei, als Herzog Erich III. sein Herzogtum an die Herzöge Wilhelm und Magnus II. von Braunschweig und Lüneburg verpfändet und einen Beistandspakt mit ihnen schließt 514. Ebenso ist unse getruwe man Hartwig (VI) von Ritzerau wenige Tage später, am 11.03.1369, beim Erbverbrüderungsvertrag Erichs III. mit den Welfenherzögen zugegen 515. Dann ist er als Zeuge genannt, als Abele von Torgau am 14.09.1369 „na rade unde na anwisinghe Hartwighes Ritzerow unde Marquardes Bardewich“ die Beilegung ihres Zwists mit dem Kloster Scharnebeck bekundet 516. Möglicherweise gab es also familiäre Beziehungen Hartwigs (V) zu Abele, der Witwe Harneids von Torgau (> VI – 41). Zusammen mit Walrav (VI) von Duvensee ist Hartwig (V) am 07.01.1370 Zeuge, als Herzog Erich III. der Stadt Lübeck sein gesamtes Herzogtum (Bergedorf) für 26262 ½ Mk verpfändet 517. Im selben Jahr, am 11.04.1370, schenkt er zu seinem und seiner Verwandten Seelenheil und unter Zustimmung seiner Söhne Bertold (V) und Otto (III), sowie seines Neffen Hartwig (VII) und Walravs (VI) und Elers (II) von Duvensee sein Dorf (Groß) Lankow dem Prior des Ratzeburger Domkapitels sowie seine Dörfer Dudeschen und Wendeschen Molzahn zur Gründung und Dotierung zweier Vikarien in der Kirche und Kapelle zu St.Martin in Ratzeburg 518. Am 21.12.1370 erscheint er unter den Ratgebern Herzog Erichs III., als dieser alle von ihm und seinen Vorfahren der Stadt Lüneburg gegebenen Rechte bestätigt 519. Nachdem er am 12.03.1371 seiner Lehnherrin Lübeck noch ein Mal gehuldigt hat 520, erscheint Hartwig (VI) letztmals als lebend bezeugt am 13.10.1371 als Kaiser Karls IV. über Herzog Magnus II. von Braunschweig und Lüneburg und dessen Anhänger - darunter Hartwicus de Rytzzerow - die Reichsacht verhängt 521. Vor dem 01.09.1373 ist er dann gestorben, denn unter diesem Datum heißt es von seinen Söhnen Bertold (VI) und Otto (III), dass sie „filii quondam Hartwici“ waren 522. Verheiratet war Hartwig (VI) mit einer Frau namens Margarethe NN. Aus dieser Ehe stammen die


Kinder:

  1. Bertold (VI) > VIII–51

  2. Hartwig (VIII) > VIII–52

  3. ?Abele (I) “von TORGAU” > VIII -53

  4. Otto (III) > VIII–54

  5. Sophia (I) > VIII -55


Hartwig (VI) von Ritzeraus Witwe Margarethe lebt noch 1384. Am 21.12.1373 überlassen ihr Nikolaus Boom und seine Frau Abele ¾ Hufen in Tramm 523 und am 14.11.1384 verkauft sie zusammen mit ihrem Sohn Otto (III) eine Rente aus ihrem Dorf Koberg, für die sich zuvor Volkmar Scharpenberg und Eccard Wulf verbürgt hatten 524.


Hartwig (VI) urkundete mit seinem Siegel am 10.01.1345, 09.10.1348, 31.03.1353, 06.07.1360 und 11.04.1370 525. Das Siegel zeigt auf dem Schild zwei Turnierkragen untereinander, der obere mit vier, der untere mit drei Lätzen. Die Umschrift zwischen einfachen Linien lautet: + S' HART + WICI DE RI + TZEROWE. Seine Frau Margarethe siegelt am 14.11.1384. Ihr Siegel 526 zeigt auf der Fläche eine Frauenfigur, in einfachem, doppelt gegürtetem Gewand, den Kopf, der oben in den Schildrand ragt, mit einem Tuch bedeckt. Sie hält in den Händen rechts den Schild der Ritzerau, links einen, der gespalten ist und die rechte Hälfte kreuzweise schraffiert zeigt. Die andere, leider nicht mehr deutlich erkennbare Hälfte, enthielt offenbar Querbalken. Das Siegel trägt zwischen Perlenkreisen die Umschrift: + S' (MA)RGRETE . DE RIT(Z)ER(OW).

Siegel Margarethe von RITZERAU (1384)


Allgemein wird Grethe für eine Tochter Volrads von LÜTZOW und N. von Hasenkopp zu Gadebusch gehalten 527, doch scheint dies aufgrund des senkrecht gespaltenen Schildes kaum möglich. So vermutet denn von Weltzien unter Hinweis auch auf die vielfältigen Dienste ihres Mannes bei den Grafen von Holstein zu Recht, dass sie aus dem Holsteinischen stammt. Er schreibt 528: „Im Gegensatz zum benachbarten Dänemark gibt es in Norddeutschland nur sehr wenige Wappen mit senkrecht gespaltenen Schild. Schon immer haben freie Schildflächen dazu geführt, sie mit Linien oder Mustern zu füllen, wenn es schon keine Schildfigur gab. Nach Durchsicht von Siebmachers Wappenbüchern blieb nur ein Wappenschild übrig und ich fand auch eine ähnliche Form. Es scheint mir das Wappen der RANTZAU zu sein“.


War also die Dame Grethe von Ritzerau eine Angehörige des so mächtigen und einflussreichen holsteinischen Geschlechts (?) Vieles spricht für diese Annahme, hatte doch Hartwig (VI) von Ritzerau vielfältige Verbindungen nach Holstein, so dass eine Verbindung mit dem einflussreichsten Adelsgeschlecht Holsteins nur logisch erschiene. Doch scheint Vorsicht geboten. Da das Wappenschild der Grethe von Ritzerau auf der rechten Seite verderbt ist, käme auch eine Herkunft aus dem Geschlecht der von Siggen in Frage, dessen Wappen ebenfalls einen gespaltenen Schild mit Schraffur in der rechten Hälfte zeigt 529. Für gesichert halte ich daher nur, dass Grethe von Ritzerau aus Holstein stammt.



Bertold (V) von RITZERAU


(VII – 40); Knappe, herzoglich-lauenburgischer Vasall, Sohn Bertolds (IV), urkundet zwischen 1336 und 1363 durchgehend als Bertoldus - Erstmals genannt ist Bertold (V) am 20.09.1336 zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Hartwig (VI) 530 . Gemeinsam mit seinen Brüdern Hartwig (VI), Dietrich (III) und Konrad sowie seinem Vetter Hartwig (VI) verkauft er 1351 Mechow 531 bzw. verschenkt Besitz zwischen Tramm und Talkau 532 und in Ravensdiek 533. Mit seinem Bruder Konrad, den Rittern Hartwig (I) und Eccard (II) von Krumesse, sowie dem Knappen Hinrich (VI) von Krumesse stimmt er am 30.08.1363 der Verpfändung des der Familie von Grönau gehörenden Anteils an Blankensee an das Johanniskloster in Lübeck zu 534. Die Mitlober sind zweifellos die nächsten Verwandten der Brüder Detlev (I) und Heinrich (II) von Grönau.



Dietrich (III) von RITZERAU (nach 30.12.1365/vor 01.09.1373)


(VII – 41); Knappe, herzoglich-lauenburgischer und gräflich-holsteinischer Vasall, Sohn Bertolds (IV), urkundet zwischen 1351 und 1365 als T(h)idericus, Thydericus, Dyderik - In den Urkunden erscheint Thidericus de Ritzerowe zumeist mit seinen Brüdern Hartwig (VI), Bertold (IV) und Konrad - 29.12.1351, 27.10.1351, 17.08.1352, 24.10.1353, 1356, 24.06.1359. Mit seinem Bruder Hartwig (VI) bezeugt Dyderik van Ritzerowe am 27.09.1357 den Vertrag zwischen der Stadt Hamburg und den Herzögen Erich III. und Albrecht V. zum Schutz Hamburger Bürger im Lande Hadeln 535. Am 08.12.1363 gehört er zu den Adligen, die in den Dienst des Grafen Adolf VII. von Holstein treten 536. Am 30.12.1365 schließen er und sein Neffe Bertold (VI) von Ritzerau mit dem lübschen Vogt Thidericus Steynbeke eine Sühnevereinbarung 537. Beide werden hier als patruis bezeichnet, d.h. es können nicht mehr die Brüder Bertold (V) und Dietrich (III) von Ritzerau sein. Patruus dürfte hier wie in der Urkunde vom 22.11.1391 538 im Sinne von „Neffe“ gemeint sein. An dieser Urkunde hängt sein Siegel 539. Es zeigt auf stehendem Schilde die beiden Turnierkragen mit oben vier und unten drei Lätzen. Die Umschrift zwischen glatten Kreisen lautet: S' TIDERICI . DE . RITZEROWE. Nach diesem Datum ist er nicht mehr urkundlich genannt. Am 01.09.1373 wird er als verstorben bezeichnet. Seine angebliche Ehe mit einer Angehörigen der Familie von GRÖNAU 540 bleibt Spekulation. Sie ist eher zu streichen. Man hätte ihn dann am 30.08.1363 541 bei der Verpfändung des grönauischen Anteils an Blankensee unter denen finden sollen, die als Angehörige diesem Rechtsakt zustimmen



Konrad von RITZERAU (+nach 30.08.1363/vor 01.09.1373)


(VII – 42); Knappe, herzoglich-lauenburgischer Vasall, Sohn Bertolds (IV), urkundet zwischen 1351 und 1363 als Cord, Conradus - Konrad von Ritzerau urkundet überwiegend mit seinen Brüdern Hartwig (VI), Dietrich (III) und Bertold (V) gemeinsam - 1351, 27.10.1351, 24.10.1353, 14.04.1359, 21.04.1359, 24.06.1359, 10.08.1360, 30.08.1363.1359 ist er Rat Herzog Erichs III. 542. Nach dem 19.02.1360 datiert eine Urkunde über die Auszahlung von 300 Mk. von für ihn von den Kämmereiherren erhobenen Geldern an ihn durch den Lübecker Ratsherrn Bertram Vorrad 543 und am 26.05.1360 quittiert Konrad für seinen Lehnsherren Herzog Albrecht V. über den Empfang von 1000 Mk Silber aus der Kaufsumme für die Pfandherrschaft Mölln, die er vom Rat zu Lübeck ausgehändigt erhalten hat 544. Am 29.06.1361 quittiert er erneut, dieses Mal darüber, dass er alles auf Mölln bezogenen Geld von der Stadt Lübeck ausbezahlt erhalten hat 545. Vor dem 01.09.1373 ist er dann gestorben.

Siegel Konrads von RITZERAU (1360)

Die Urkunde von 1360 zeigt im Siegel das Wappen der Ritzerau 546: über einem gedehnten Schild, der schmal gerandet ist und zwei Turnierkragen untereinander zeigt, den oberen mit vier, den unteren mit drei Lätzen, steht ein Helm von vorne gesehen, der eine unzerschlitzte Helmdecke trägt und mit Büffelhörnern besteckt ist. Das Siegel trägt zwischen schnurförmigen Kreisen die Umschrift: + S' : CONRADI . RITZEROWE



N. von RITZERAU


(VII – 43); Nonne, Konventualin des Klosters Reinbek, Tochter Bertolds (IV), genannt 1351 - Wegen ihrer Aufnahme in das Kloster Reinbek gab es Streit, der 1351 unter Vermittlung Herzog Erichs I. durch Überlassung von Ritzerauischen Güter zwischen Tramm und Talkau an das Kloster beigelegt wurde 547. Dabei werden ihre Brüder Hartwig (V), Dietrich (III), Bertold (V) und Konrad genannt



(?) N. von RITZERAU


(VII – 44); Eine ritzerauische Tochter der sechsten Generation war möglicherweise mit Vicke (I) von KARLOW verheiratet 548, der am 17.08.1352 mit seinem Sohn Ludolf (IV) dem Bischof Volrad von Ratzeburg vier Hufen verkaufte 549. Sie ist urkundlich nicht zu belegen. Da aber bei dem Verkauf des Anteilsbesitzes in Falkenhagen die Brüder Hartwig (VI) und Dietrich (III) von Ritzerau als Zeugen auftreten, mögen diese durchaus nahe Verwandte, vielleicht Schwäger des Verkäufers, gewesen sein.



(?) N. von RITZERAU


(VII – 45); Eine ritzerauische Tochter war angeblich mit Henning von LÜTZOW verheiratet, der 1348 auf Pritzier saß 550. Dafür gibt es indes keine urkundlichen Belege.



(?)N. von RITZERAU


(VII – 46); vmtl. ¥ Heinrich (VI) von KRUMMESSE (urk. 1359/1377); sie brachte vmtl. den Rufnamen Otto in die Familie von Krummesse.



Hartwig VII de oldere von RITZERAU (+nach 14.11.1384)


(VII – 47); Knappe, herzoglich-lauenburgischer, gräflich-holsteinischer und lübscher Vasall, Sohn Dietrichs (II) von Ritzerau, urkundet zwischen 1351 und 1384 als Hartwicus, Hartwich, Hartwighe, zuerst ab 1351 als „de junghe“ bzw. „junior“, später als „de oldere“ - In der Urkunden erscheint Hartwig (VII) von Ritzerau zumeist mit dem Zusatz Sohn des Dietrich („Tidekenzone“) bzw. als junior - die Bezeichnung als maior 551 ist zweifelsfrei ein Schreibfehler -, um ihn von seinem Vetter Hartwig (VI) dem olden zu unterscheiden. Nach dessen Tod wird er dann als Hartwig de oldere bezeichnet, um ihn nun von Hartwig (VIII) deme junghesten zu unterscheiden. Zumeist urkundet Hartwig (VII) mit seinen Vettern Hartwig (VI), Dietrich (III), Konrad und Bertold (V) - 27.10.1351, 31.10.1351, 29.12.1351, 16.05.1353, 24.10.1353, 24.06.1359, 06.07.1360, Mitte 1363, 29.06.1368, 11.04.1370, 12.03.1371. Am 01.11.1359 huldigt er mit anderen seiner Familie seiner neuen Lehnherrin Lübeck 552 und am 08.12.1363 begibt er sich in den Dienst des Grafen Adolf VII. von Holstein 553. Am 01.09.1373 bestätigt er zusammen mit Bertold (VI) und Otto (III) die von ihren Vorfahren gemachte Schenkung der Örtlichkeit Ravensdiek an den Bischof von Ratzeburg 554. Mit Bertold (VI) ist er am 28.01.1376 Zeuge bei der Überlassung des Patronatsrechts an der Pfarrkirche zu Bergedorf an Herzog Erich III. durch Bischof Heinrich von Ratzeburg im Tausch gegen das Patronat der Pfarrkirche in Breitenfelde und der St. Ägidienkurie in Mölln 555. Zusammen mit seinem Sohn Heinrich (III) bestätigt er am 12.11.1383 die testamentarische Übertragung der Einkünfte von vier Hufen aus Sterley durch seinen Schwager Christian Kule – (seine Schwester war mit Christian Kule verheiratet; dass er selbst eine Kule geheiratet hätte, wie von Weltzien 556, ist durch Urkunden nicht belegbar) - an das Domkapitel zu Ratzeburg 557. Letztmalig genannt ist Hartwig (VII) - wiederum zusammen mit seinem Sohn - am 14.11.1384 als Mitlober, als Otto (III) von Ritzerau eine Rente aus Koberg verkauft 558. Er siegelt mit seinem Wappen 1360 und 1365 559. Es zeigt auf stehendem Schilde die beiden Turnierkragen mit oben vier und unten drei Lätzen; im Grunde daneben einige Blumenranken. Die Umschrift zwischen einfachen Kreisen lautet: . S' HARTWICI D' RITZEROW . IUNI. 1370 zeigt das Siegel einen rechtsgedrehten Schild mit dem Wappenbild der Familie und die Umschrift + S' HARTICH DE RITZEROWE.


Aus seiner Ehe mit einer namentlich nicht bekannten Frau, die angeblich eine von KULE (Schwester seines Schwagers) gewesen sein soll 560, stammt


Kinder:

  1. Heinrich (III) > VIII - 57



Ermengard (I) von RITZERAU


(VII – 48); Tochter Dietrichs (II) - Sie ist am 12.11.1383 als Gemahlin des holsteinischen Ritters Christian KULE und als Schwester Hartwigs (VII) (sorore mei Hartwici prefati) genannt 561. Der einmalige Beleg des Namens läßt keine Rückschlüsse darauf zu, ob wir es auch hier mit einen ritzerauischen Frauennamen zu tun haben. Wenn ja, dann könnten Ermentrud, die zweite Frau Volkmars (V) von Grönau bzw. Ermengard, die Frau Heinrichs (VII) von Krumesse auf Anker (siehe IX-73) die nahen verwandtschaftlichen Beziehungen dieser Familien zur Familie von Ritzerau erklären.




Die achte Generation


Sie umfasst, wohl bedingt durch die große Pestwelle, die ab 1348 die ganze zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts erfasste, nur wenige urkundlich gesicherte Vertreter.



Bertold (VI) von RITZERAU (+nach 02.04.1382 / vor 24.11.1384)

(VIII – 51); Knappe, herzoglich-lauenburgischer und lübscher Vasall, Sohn Hartwigs (VI), urkundet zwischen 1365 und 1382 durchgehend als Bertoldus de Rytzerowe - Erstmals urkundet Bertold (VI) zusammen mit seinem Onkel Dietrich (III) von Ritzerau am 30.12.1365 bei ihrer mit dem lübschen Vogt Thydericus Steynbeke geschlossenen Sühne 562. Beide werden hier als patruis bezeichnet, d.h. es können nicht mehr die Brüder Bertold (V) und Dietrich (III) von Ritzerau sein. Patruus dürfte hier wie in der Urkunde vom 22.11.1391 563 im Sinne von „Neffe“ gemeint sein. Es urkunden also Bertold (VI) und sein Onkel Dietrich (III). Möglich bleibt natürlich auch, dass wir hier einen weiteren Bertold vor uns haben, der in der Stammtafel dann aber nicht einzuordnen ist. Sicher bezeugt ist Bertold (VI), als er 1370 und 1371 zusammen mit seinem Vater und weiteren Familienangehörigen bei der Schenkung von Groß und Klein Molzahn sowie Lankow an das Ratzeburger Domkapitel und bei der Huldigung des in der Vogtei Mölln ansässigen Adels genannt ist 564. Zusammen mit seinem Vater Hartwig (VI) bezeugt er am 15.04.1367 den Verkauf von vier Hufen in Falkenhagen durch Ludolf (IV) von Karlow 565. Am 21.12.1370 ist er, mit Hartwig (Vi), unter den Ratgebern Herzog Erichs IV., als dieser der Stadt Lüneburg alle von ihm und seinen Vorfahren gegebenen Rechte und Freiheiten bestätigt 566. und am 12.03.1371 huldigt er seiner Lehnsherrin, der Hansestadt Lübeck 567. Am 23.04.1372 verbürgen sich die Knappen Bodo von Lerbeke und Adolf Scholdenvlete dafür, dass Graf Otto I. von Schauenburg (1353-1404) seine Bertold (VI) von Ritzerau zugesagte Kündigungsfrist einhalten wird 568. Als Herzog Magnus II. von Braunschweig-Wolfenbüttel (1369-1373) seinem Schwiegersohn, Herzog Erich IV. Schloss und Stadt Schnakenburg, Schloss und Stadt Hitzacker und die Stadt Bleckede und weitere Besitzungen verpfändet, ist es Bertold (VI) von Ritzerau, der als Vasall des askanischen Herzogs am 08.04.1373 die Pfandsumme in Empfang nimmt 569. Er ist zugegen, als sein Lehnsherr am 10.04.1373 verspricht, die verpfändeten Besitzungen gegen Rückzahlung der Pfandsumme wieder auszuliefern 570.


Zusammen mit seinem Bruder Otto (III) und seinem Vetter Hartwig (VII) bestätigt er am 01.09.1373 die Schenkung von Ravensdiek an den Bischof von Ratzeburg 571. Diese Urkunde ist wegen ihrer genauen Filiationsangaben über drei Generationen von besonderem Interesse. Dann sehen wird den famosus vir Bertoldus de Rytzerowe, famulus, als Herzog Erich IV. dem Stift Ratzeburg alles Eigentum an den Lehngütern Groß und Klein Molzahn überlässt, das Bertolds Vater Hartwig (Vi) der Kirche in Ratzeburg geschenkt hatte 572. Darauf erscheint Bertold am 29.09.1373 erstmals in den Aufzeichnungen des Niederstadtbuches der Stadt Lübeck über die Schuldverhältnisse benachbarter Adeliger mit folgendem Eintrag: „Bertoldus de Ritzerowe tenetur pueris Hinrici Snur et Detleuo Snur ab manus eorundem puerorum centum et XXV marcas denariorum, infesto Pasche proxime futuro persoluendas, pro quibus Ludolphus des Molne et Wernerus ... Berner vna cum ipso coniuncta manu fideiusserunt“ 573. Bertold (VI) ist am 05.04.1374 zugegen, als Herzog Erich IV. und die Herzöge Wenzeslaus und Albrecht von Sachsen und Lüneburg einen Freundschaftsvertrag schließen 574. Zusammen mit seinem Bruder Otto (III) nimmt er am 09.04.1374 die erste der drei Raten der Sicherheitsleistung von 1000 lötigen Mark in Empfang, die die Stadt Lüneburg für die Auslieferung des Schlosses Bleckede durch die Herzöge Wenzeslaus und Albrecht zu zahlen sich verpflichtet hatte 575. Als Zeuge erscheint Bertold (VI) am 14.09.1374 bei der Übergabe zur treuen Hand von Schloss und Weichbild Bergedorf an die Brüder Johann und Eggert Wulf 576 und am 15.09.1374 bei der Übertragung des Patronatsrechts an der Pfarrkirche zu Breitenfelde und die Überlassung der Vikarie am St. Johannes-Kloster in Mölln an Bischof Heinrich von Ratzeburg 577.


Wiederholt als Zeugen - oft zusammen mit seinem Bruder Otto (III) - finden wir Bertold (VI) dann in Privaturkunden im Zusammenhang mit Besitzveräußerungen durch adlige Geschlechter:


  • am 11.10.1375 zusammen mit Otto (III) beim Verkauf einer jährlichen Rente von 10 Mk aus Walksfelde durch Volrad von Züle an den lübschen Bürger Ludeke von Osnabrück 578


  • am 06.11.1375 als der Knappe Hartich (IV) von Zecher (die von Zecher waren ein Zweig der von Züle) seinen Hof und sein Erbe in Petersberg an das Ratzeburger Domkapitel verkauft 579


  • am 22.07.1376 in Schwerin beim Verkauf von Rodenberg, Menzendorf, Blüssen und Grieben samt der dortigen Mühle und einen Anteil von Lübsee durch die von Bülow an Bischof Heinrich von Ratzeburg 580


  • am 25.03.1377 bei der Übertragung von 4 Hufen beim Kahlekamp durch Detlev von Parkentin an das Kloster Reinbek 581


  • am 08.04.1377 zusammen mit Otto (III), als Detlev (I) von Grönau seinen Hof Stove mit der Burg und der Mühle sowie die Dörfer Stove, Kronskamp und Neschow gegen die bischöflichen Dörfer Farchau, +Tangmer und Pötrau vertauscht 582


  • am 20.05.1377 bei der Überlassung des Dorfes Groß Rünz an Bischof Heinrich von Ratzeburg gegen das Dorf Panten durch Detlev (I) von Grönau, dessen Bruder Heinrich (II) und seines Sohnes Volmar (VIII) 583

  • am 21.09.1378 beim Verkauf des Ackers bei der Büllenmühle bei Stove durch Arnold von Karlow an den Bischof von Ratzeburg 584


  • am 02.03.1380 beim Verkauf des halben Dorfes Krummesse mit der Mühle, des halben Dorfes Niemark und des Sees bei Beidendorf 585, des Dorfes Wulmenau 586 und der halben Dörfer Bliestorf, Kronsforde und Grinau 587 durch Marquard (III) von Krummesse an den lübschen Bürger Segebodo von Crispin


  • am 18.04.1380 als Mitlober beim Verkauf eines Bruchs und zweier Stücke bei Cronskamp durch Vicke und Henneke von Scharfenberg an Bischof Heinrich von Ratzeburg 588



  • am 05.06.1381 als Mitlober, als der Knappe Gerd Ghudow verspricht, sein dem Rat der Stadt Mölln verpfändetes Gut Brunsmark innerhalb eines Jahres an die Herrschaft Herzog Erichs IV. zu bringen 589


  • am 07.06.1381 zusammen mit Otto (III) beim Verkauf des halben Dorfes Schenkenberg durch Heinrich (VII), Johann (VI) und Otto von Krummesse an den lübschen Bürger Johann Schepenstede 590


  • am 02.04.1382 beim Verkauf der halben Dörfer Krummesse und Niemark sowie ihrem Anteil an Beidendorf 591, ihrer beiden Höfe mit der Wassermühle in Krummesse und die halben Dörfer Kronsforde und Grinau 592 durch Eccard (II) und Henneke (V) von Krummesse an die lübschen Bürger Gerd und Hermann Darsow.


Wir sehen Bertold (VI) von Ritzerau als Vasallen Herzog Erichs IV. 1378 bei dessen Vergleich mit Erzbischof Albert von Bremen 593 und am 17.04.1379 als Treuhänder Bischof Heinrichs von Ratzeburg, als Henneke von Bülow zu Röggelin die ihm gehörende Hälfte der Bullenmühle bei Carlow verkauft 594.


Bei Bertold (VI) werden erstmals die finanziellen Schwierigkeiten sichtbar, in die die Ritzerau seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts gerieten und die sie in eine immer stärkere Abhängigkeit zur Hansestadt Lübeck brachten. Aufzeichnungen des Niederstadtbuchs der Stadt Lübeck über Schuldverhältnisse benachbarter Fürsten und Adliger zu lübschen Bürgern aus. Am 04.03.1369 schuldete er Hinricus Raad 112 Mk 595und am 29.09.1373 den Kindern von Henrich und Detlev Snur 125 Mk 596. Dramatisch ist dann das Jahr 1374. Hier weist das Niederstadtbuch für Bertold (VI) von Ritzerau insgesamt 3389 ½ Mk 20 d Schulden aus 597:

  • Bertoldus de Ritzerowe tenetur Arnoldo Wintermast C et LXXXVIII marcas den. (25.01: 188 Mk)

  • Bertoldus de Ritzerowe, armiger, tenetur Rodolpho van der Lippe C et XXX marcas lüb. (25.04: 130 Mk)

  • Bertoldus de Ritzerowe debitor principalis ... quingentas et XXVI marcas minus viginti denarios (21.05: 525 Mk – 20 den.)

  • Bertoldus de Ritzerowe tenetur Hinrico Luchowe centum et XXX marcas den. (15.06: 130 Mk)

  • Bertoldus de Ritzerowe tenetur Hermanno de Molendino CCC LXXII marcas den. (15.06.: 372 Mk)

  • Bertoldus de Ritzerowe tenetur Volmaro de Buxstehude CC et quinquaginta marcas den. (13.07.: 250 Mk)

  • Bertold van Riterowe tenetur Ghodeken Ghamme CCCC et VI marcas (15.08.: 406 Mk)

  • Bertoldus de Ritzerowe tenetur Ghodeken Ghamme CC et XXXV marcas (29.08.: 235 Mk)

  • Bertold de Ritzerowe tenetur Euerhardo Paal C LXXXVII marcas (29.08: 187 Mk)

  • Bertoldus de Ritzerowe, armiger, tenetur Johanni de Ankhem CC et octoginta marcas lub. (29.09.: 280 Mk)

  • Bertoldus de Ritzerowe tenetur pueris Hinrici Snur et Dethleuo Snur alias dicto Vollste ad manus eorundem puerorum C marcas den. (21.10: 100 Mk))

  • Bertoldus de Ritzerowe, armiger, tenetur Euerhardo Kansten ... CCCC marcas minus XV marcas lub.den. (21.10.: 400 Mk)

  • Bertoldus de Ritzerowe tenetur Hermanno Bodenwerder CC et LX marcas (21.12.: 260 Mk)

  • Bertoldus de Ritzerowe tenetur Hinrico de Essende CCC et XLI marcas (29.12.: 341 Mk)


Am 26.12.1379 bekennt Bertold (VI), dass er dem Knappen Volkwin Partzow weitere 135 Mk schuldet 598. Die Folge dieser immensen Verschuldung ist der nun einsetzende Güterverkauf der ritzerauischen Besitzungen, der seinen Höhepunkt im 15. Jahrhundert findet. Er beginnt am 29.09.1374 mit dem Verkauf von Lüchow an die Brüder Emeco und Detlev Schiphorst durch Bertold sowie am 23.03.1376 mit dem Verkauf ihres Dorfes Woltersdorf durch die Brüder Bertold (VI) und Otto (III) an die lübschen Bürger Emeke Schiphorst und Radeke Stoltevoet 599.


Der Domkirche in Ratzeburg stiftete Bertold (VI) einen kleinen, 15 cm hohen, silbernen vergoldeten Kelch. Auf den sechs rhombenförmigen Flächen am Knauf sind fünfblättrige Blüten wie auch zwischen den einzelnen Worten der Umschrift am Fuß dargestellt. Die Umschrift lautet: BERTOLDUS DE RITZEROWE ME CONTULIT . ORATE PRO EO. Dazu ist auf der einen Seite das Wappen der Ritzerau eingraviert 600.


Letztmalig urkundet Bertold (VI) am 02.04.1382 - zusammen mit seinem Bruder Otto (III) - als Mitlober und Verwandter der von Krumesse bei deren Verkauf der halben Dörfer Krummesse und Niemark sowie ihres Anteils am Beidendorfer See 601. Vor dem 24.11.1384 ist er dann gestorben, denn beim Verkauf einer Rente aus Koberg durch seinen Bruder Otto (III) heißt es „... Bertoldes ... mynes broders, deme God gnedigh sey”. 602


Verheiratet war Bertold (VI) mit Abele von ZÜLE, Tochter von Detlev dem Groten von Züle auf Niendorf am Schaalsee 603. Über sie kam der Name Volrad in die Familie von Ritzerau. Ausdrücklich als Söhne Bertolds genannt 604 bzw. als solche zu erschließen 605 sind


Kinder:

  1. Hartwig (IX) de jungheste > IX – 59

  2. Bertold (VII) > IX – 60

  3. Dietrich (IV) > IX – 61

  4. Henneke (II) > IX – 62

  5. Volrad (I) > IX – 63


An mehreren Urkunden hat sich sein Siegel erhalten (1365, 1370, 1371 und 1380). Das runde Siegel zeigt über einem gelehnten ungerandeten Schild, auf dem die beiden Turnierkragen mit oben vier und unten drei Lätzen liegen, einen stehenden Helm von vorne gesehen, der mit zwei Büffelhörnern besteckt ist, die nach außen je fünf Fähnlein tragen. Die Decke ist unzerschlitzt. Schild und Helmzier reichen unten und oben in den Schriftrand, der zwischen glatten Kreisen folgende Umschrift hat: S' B'TOLDI D' RITZEROW. 606


Siegel Bertolds (VI) von RITZERAU


Hartwig (VIII) von RITZERAU


(VIII – 52); Sohn Hartwigs (VI) - Er ist nur einmal - am 15.04.1367 - als Hartwicus zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Bertold (VI) genannt, als Ludolf (IV) von Karlow Besitz in Falkenhagen verkauft 607.



?Abele (I) „von TORGAU“


(VIII – 53); * ..... + ....., ¥ Harneid von TORGAU – Sie bekundnet am 14.09.1369 „na rade unde anwisinghe Hartwighes (Hartwig V) Ritzerow unde Marquardes Bardewik“ die Beilegung ihres Zwists mit dem Kloster Scharnebeck 608. Sie hatte vmtl. enge familiäre Beziehungen zur Familie von Ritzerau. Ihr Vorname Abele gehört jedenfalls zu den bevorzugten Frauennamen dieses Geschlechts. Möglich also, dass Abele „von Torgau“ eine ritzerauische Tochter gewesen ist, die ihren Verwandten Hartwig (VI) von Ritzerau in einer für sie schwierigen Lage um Hilfe bat.



Otto (III) von RITZERAU (+nach 29.01.1401 / vor 20.11.1403)


(VIII – 54); Knappe, herzoglich-lauenburgischer, bischöflich-mecklenburgischer und lübscher Vasall, Sohn Hartwigs (VI), urkundet 1370 bis 1402 -- Bis zum Tode seines Bruders Bertold (VI) steht er in dessen Schatten und urkundet zumeist zusammen mit diesem - 11.04.1370, 01.09.1373, 09.04.1374, 11.10.1375, 20.03.1376, 08.04.1377, 02.04.1382. Selbständig urkundet Otto (III) erstmals am 22.02.1383, als Eccard (II) und Henneke (V) von Krummesse ihr Dorf Kastorf an den lübschen Bürger Arnold Stark verkaufen 609. Am 29.03.1383 ist er Zeuge, als Heinrich (VII) von Krummesse sich wegen eines Fischteiches zwischen Klein Sarau, Disnack und Holstendorf mit dem Kloster Reinfeld vergleicht 610. Dann bezeugt er als Verwandter der von Krumesse auf Klempau am 20.03.1384 deren Verkauf des Kannenbrooks und Ellerbrooks an Gerd Darsow 611.


Es schließen sich dann Verkäufe an, die zeigen, dass auch bei den Ritzerau die finanzielle Lage weiterhin angespannt war. Am 14.11.1384 verkaufte er, zusammen mit seiner Mutter Grethe und mit Zustimmung Herzog Erichs III. d.Ä. der Vikarie an der St.Marien-Kapelle in der Pfarrkirche zu Mölln für 200 Mk eine jährliche Rente von 13 Mk aus der Leibzucht der Mutter und dem Erbe des Vaters in Koberg 612. Genannt sind seine Verwandten Hartwighe deme olden unde ...Hinrike, zyneme zone sowie Hartwighe dem junghesten, Bertoldes zones, mynes broders, deme God gnedigh sy, Volkmar Scharpenberg, Eghard Wulf, Johann Schack zu Basthorst sowie Henneke (?VI) und Hinrik (VII) von Krumesse. Bereits am 11.11.1384 hatten sich Volkmar Scharpenberg und Eccard Wulf wegen dieses Rentenverkaufs für ihn verbürgt. Am 02.04.1391 verpfändete Otto (III) dem Lübecker Bürger Paul von Allen eine Rente von 23 Mk aus Poggensee 613. Für ihn gebürgt hatten offensichtlich Gerhard Voghet und Reimer Calven. Das ergibt sich aus einer Urkunde vom 20.04.1393, in der Gerhard Voghet erklärt, dass die ihm von Reimer Calven wegen des Dorfes Ritzerau ausgestellten Urkunde, wonach Otto (III) von Ritzerau sie wegen der dem Peter van Allen geleisteten Bürgsdchaft schadlos halten werde, jetzt nur noch für Reimer von Calven gelte 614. Am 22.12.1391 verkauft Otto (III), zusammen mit Hartwich unde Bertold, sine vedderen, Bertoldes sone von Ritzerowe, deme God gnedich sei, dem Lübecker Bürger Wigger Breckewold für 250 Mk ihr Dorf Klein Klinkrade 615. Mitlober sind die Verwandten Detlev (I) von Grönau und Hinrich (VII) von Krumesse. Im Jahr 1393 finden wir Otto (III) dann als Zeugen, als Herzog Erich III. Bischof Gerhard von Ratzeburg das von den von Züle gekaufte Gut Stintenburg überläßt 616, als der Bischof mehrere Urkunden, die die Herzöge von Sachsen-Lauenburg betreffen, an die Könige von Dänemark transsumiert 617 und als Herzog Erich III. auf dem Landding zu Urnehöved auf alle Ansprüche auf das Herzogtum Schleswig verzichtet 618. Am 20.04.1394 ist Otto (III) gezwungen, sein Dorf Bergrade, das zum Kern der ritzerauischen Besitzungen gehörte, für 600 Mk an den Lübecker Bürger Vromold Warendorp zu verkaufen 619. Zwar behält er sich ein Rückkaufsrecht vor, doch verzichtete er bereits am 23.08.1394 auch auf dieses 620. Damit war Bergrade das erste Dorf, dass die Ritzerau im Bereich ihrer Stammgüter aufgeben mussten. Die finanziellen Schwierigkeiten Ottos (III) waren damit jedoch keinesfalls behoben, denn am 08.04.1401 verkaufte er auch sein gut to Tzirksrode unde de halue Wedeghe für 100 Mk an den lübschen Bürger Hans Lange 621.


Wie sein Bruder Bertold (VI) muss sich auch Otto de Ritzerow bei Lübecker Bürgern Geldleihen: Am 30.03.1382 160 Mk von den Kindern des Bernhard Zulverberner 622 und am 19.11.1387 bekennt er 267 ½ Mk lüb. Pf. von Jakob und Emekinus van deme Haghene geliehen zu haben 623. Am 21.05.1385 bekennt er von Hinrich von Essen und Vromold Warendorp „17 lastas salis“ erhalten zu haben 624.


Wir finden Otto (III) von Ritzerau wiederholt als Zeugen in Privaturkunden:


  • am 11.11.1394, als seine Neffen Hartwig (VIII), Bertold (VII), Dietrich (IV), Henneke (II) und Volrad (I) ihr Gut Labenz und +Helle verkaufen 625


  • am 02.07.1397 bei der Bestätigung der Güterverkäufe der von Krummesse an die Darsow durch Herzog Erich III. 626


  • am 20.10.1397 bei der Überlassung des Patronats über die Petrikirche und die Kapelle des Heiligen Kreuzes zu Bergedorf durch Herzog Erich III. an den Vogt des Dompropsten zu Ratzeburg 627


  • am 11.11.1397 als die Darsow Herzog Erich III. und seinen Nachkommen das Rückkaufsrecht an Krumesse, Niemark, Kronsforde und Grinau einräumen 628


  • am 24.07.1398 als nach dem Aussterben der von Parkentin zu Stecknitz deren Zehnten wieder an die Ratzeburger Kirche fallen 629

  • am 22.01.1399 als Mitlober, als seine Neffen Henneke (II) und Volrad (I) von Ritzerau ihre Ansprüche an den Grenzländereien zwischen Dechow und Kuhlrade, sowie ihren Anteil am Dechower See an Bischof Detlev von Ratzeburg verkaufen und diesem ein Vorkaufsrecht an ihrem Gut Dechow zugestehen 630


  • am 19.11.1399 als Heinrich (VII) von Krummesse Herzog Erich III. das Recht einräumt, die wieder dessen Willen verkauften Krummessischen Güter wieder einzulösen 631


  • am 25.02.1401 beim Verkauf von Siebenbäumen (“al unse gud, dat wy hebben tho Seuenbomen“) durch Herzog Erich III. an den lübschen Bürger Hinrich Brekewold 632 Otto (III) ist hier Ratgeber des Herzogs


  • am 29.01.1402 beim Verkauf des Dorfes Stubben durch Make von Züle an den lübschen Ratsherren Hermann Darsow 633.


Als Rat (“unse truwe radgheuere“) Herzog Erichs III. tritt Otto (III) außer am 25.02.1401 am 18.09.1400 auf, als der Herzog den Verkauf von 10 Mk Rente aus Walksfelde durch Volrad von Züle bestätigt 634.


Bergedorf im Jahre 1593

Als militärischer Befehlshaber (Vogt) im Dienst der Stadt Lübeck sicherte Otto (III) deren Pfandherrschaft Bergedorf 635. Er ließ jedoch nach dem Tode Herzog Erichs III., mit dem die Bergedorfer Linie des askanischen Herzogshauses von Sachsen-Lauenburg erlosch, dessen Nachfolger Erich IV., dem er ebenfalls lehnspflichtig war, 1401 in das feste Schloß Bergedorf ein und vereitelte so wider seinen Willen den Anfall der Herrschaft Bergedorf an Lübeck. Wohl deshalb bezeichnet ihn von Kobbe als „tapfern Krieger, bieder und arglos“ 636. Er war ganz offensichtlich kein Politiker. Otto (III) ging daraufhin nach Lübeck, um der Stadt seine Güter als Entschädigung anzubieten. Er wurde im Marstall inhaftiert und starb bald nach dem 29.01.1402 in der Hansestadt. In den zeitgenössischen Berichten liest sich das so 637: „Dar na in deme zomere quam de sulve hertighe Erik unde wan Barghedorpe, dat slod, dat syn vedder settet hadde den van Lubek vor eynen summen gheldes. dat sulve slod hadde inne van der Lubeschen weghene. en gud man, ghenomet Otte wan Ritzerowe, unde was des sulven hertoghen Erikes man beseten. to deme sprak de hertoghe, dat he ene uplete in guden loven. de gude man vorsach syk gudes unde truwen loven to syme heren; he let ene up de borch myt den synen. do de hertoghe uppe deme slote was so stark alse de voghet Otto, he sprak: 'Dyt slod is unse rechte erve; hyr scholtu, Otto, van scheden; wy willet hiir uppe blyven'. dar wart de gude man bedraghen in gudem loven van synem heren, unde moste gan van deme slote myt den synen. des wart de hoghe bedrovet, unde wuste nicht, wes he wolde beghynnen. he wart tho lesten des to rade, dat he to Lubeke inreth unde gaf syk deme rade ghevanghen. darboven droch he up der stad syne veste, de Ritzerowe ghenomet was, unde ghink myt willen in der stad vengnisse unde slote. das was he ynne wol by twen jaren und starf dar ynne van melancolien“.


Die Askanier konnten sich nicht lange der Herrschaft über Berdedorf erfreuen. Bereits 1420 gingen Stadt und Schloss wieder in den Besitz der Hansestädte Lübeck und Hamburg über.

Erstürmung des Schlosses Bergedorf im Jahre 1420 durch welfische Truppen
(Datei Pincerno)


Übergabe des Schlosses Bergedorf durch Otto (III) von Ritzerau (1420)


Seit dem 20.11.1403 erscheint Otto (III) von Ritzerau dann wiederholt in Urkunden als bereits verstorben 638, so am 24.06.1404, 02.02.1407, 11.11.1418, 01.04.1424, 02.10.1426, 11.11.145. Mit seinem Wappen siegelt er 1370 (Umschrift: S' OTTO DCI RICEROWE), 1384, 1394, 1399, 1401 (Umschrift: + S'O ... NIS . DE. RITSEROWE) und 1402 639. 1384 zeigt das Siegel auf dem Schilde, der von einem rundbogigen Sechspass umgeben ist, die beiden Turnierkragen mit oben vier und unten drei Lätzen. Die Umschrift zwischen gekerbten Kreisen lautet: + S' OTTONIS . DE RITSE(RO)WE *. 1399 lautet die Umschrift + S’ . OTTONIS . DE . RITSE – WE x


Siegel Ottos (III) von RITZERAU (1399)

Verheiratet war Otto (III) mit einer Mette (Margarethe) (?)von GRÖNAU, vmtl. Tochter von Detlev (I) von Gronow die in den Urkunden in der Kurzform als Mette erscheint, so am 20.11.1403 bei der Vereinbarung mit ihren Neffen Volrad (I) und Henneke (II) über die Nutzung des Schlosses Ritzerau 640. Am 02.02.1407 verpfändete sie dann für 360 Mk den Anteil am Schloss Ritzerau weiter, den ihr zuvor für 400 Mk ihre Neffen Volrad (I) und Henneke (II) verpfändet hatten 641. Dadurch geriet der Stammsitz der Ritzerau in die Auseinandersetzungen der Stadt Lübeck mit Herzog Erich IV. Als dieser nach seinem Erfolg in Bergedorf 1409 versuchte, auch Mölln und sein Gebiet im Handstreich zu nehmen, wurde auch „das feste Haus Ritzerau“ belagert und von den Brüdern Wackerbarth, die die Burg Ritzerau im Auftrag Lübecks sichern sollten, voreilig an den Herzog ausgeliefert 642. Die Rückeroberung durch die Lübecker erfolgte umgehend: „De van lubeke reyseden ut myt vele volkes unde beleden de vesten, ghenomet ritzerowe, vnde wunnen de tolesten myt storme, unde breke se ganslyken; sunder eyne clene tyd darna, to buweden se wedder de van lubeke, unde leden darup wepeners unde schutten“ 643. Mit dem Neubau war Ritzerau nicht allein mehr Adelssitz, sondern auch militärischer Stützpunkt der Lübecker 644. Als Mutter von Hans (II) ist Mette noch einmal am 11.11.1454, nun Grethe genannt, erwähnt 645.


Kinder:

  1. Otto (IV) > IX–66

  2. Abele (II) > IX- 67

  3. Alheyd (Adelheid II) > IX–68

  4. Soffyge (Sophia (II) > IX–69

  5. Hans (II) > IX–70

  6. Tochter N. > IX–71

  7. Tochter N. > IX-72

  8. ?Ermengard (II) > IX-73


Aus welchem Geschlecht Mette stammte, ist nicht überliefert. Ob sie tatsächlich eine geborene von Grönau war 646 muss also offenbleiben. Mir scheint, sie war eher eine von Krummesse, denn bei der Vereinbarung über die Benutzung des Schlosses Ritzerau stehen Mette am 20.04.1403 ihre wohl nächsten Verwandten, Henneke (VI) und Otto (I) von Krummesse auf Anker zur Seite, möglicherweise ihre Brüder.



Sophia (I) von RITZERAU


(VIII – 55); Priorin des Klosters Rehna 647, urkundet 1398/1400 als Sophye, Czoffye, Czoffya - Das Kloster Rehna war zwischen 1230 und 1236 zunächst als Benediktinerinnenkloster gegründet worden und wechselte 1319 zum Prämonstratenserorden. Es konnte bis ins 14. Jahrhundert einen beträchtlichen Reichtum anhäufen, indem es neben Zehnten und Anteilen von Gerichtsbarkeiten auch größeren und kleineren Grundbesitz erwarb 648.

Kloster Rehna


Als Priorin ist Sophia von Ritzerau mit ihrem Vornamen genannt, als die Brüder Heinrich und Wenzlav Benzin am 13.01.1398 dem Kloster u.a. ihren Hof in Benzin schenken 649 und wenig später, am 29.06.1398, als die Knappen Heinrich Güstow und sein gleichnamiger Sohn dem Kloster die Schadelandmühle verkaufen 650. Ohne Nennung ihres Namens erscheint die Priorin am 08.01.1400, als Bischof Johann von Lübeck die Stiftung einer Vikarei in der Marienkirche zu Lübeck durch den Lübecker Bürger Johann Brützkow bestätigt 651. Schließlich ist Czoffye Ritzerowe priorissen to Rene am 02.02.1400 genannt, als die mecklenburgischen Herzöge, König Albrecht I. (III.) von Schweden und Johann IV., dem Kloster Rehna 10 Mk. Rente aus Frauenmark schenken, wofür das Kloster Gebete und Seelenmessen für die Schenker und deren Gemahlinnen gelobt 652. In die ritzerauische Genealogie ist die Priorin Sophia nicht sicher einzuordnen. Möglich ist, dass sie für die Nonne Sophia (VIII-62) namengebend war. Dann war sie am ehesten deren Tante und wohl eine Schwester von Otto (III) von Ritzerau.



(?) N. von RITZERAU


(VIII – 56); ? N. von DALDORP; die Ähnlichkeiten der Wappen der von Ritzerau und von Daldorf legen die Vermutung nahe, dass hier ein sehr enger familiärer Zusammenhang bestanden hat. Wenn nun um 1400 bei den Daldorf die Vornamen Bertold und Otto erstmals auftauchen, dann mögen diese am ehesten über die von Ritzerau in dieses Geschlecht gekommen sein. Es besteht also die Möglichkeit, dass eine ritzerauische Tochter aus der Linie, in der die Namen Berthold und Otto gebräuchlich waren, in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts einen Daldorf geheiratet hat. Am ehesten wäre sie dann eine Tochter von Bertold (V) gewesen. Diese Annahme wird gestützt durch die Tatsache, dass am 02.02.1430 beim Verkauf einer Rente aus Wotersen durch die Brüder Vicko, Hans und Otto Daldorp u.a. Hans (II) von Ritzerau als Mitlober erscheint und Hans Daldorp in der Folge wiederholt seine ritzerauischen Verwandten als Mitlober unterstützt.



Heinrich (III) von RITZERAU


(VIII – 57); Knappe, Sohn Hartwigs (VI) „des olderen“, genannt 1383/1384 als Hinricus - Heinrich (III) ist nur zweimal, am 22.11.1383 und am 14.11.1384 zusammen mit seinem Vater genannt 653. Selbständig urkundend tritt er nicht in Erscheinung.



Dominus Hinricus (Heinrich IV) RITZEROW


(VIII – 58); Hinricus Ritzerow ist 1370 als Pleban in Neubrandenburg erwähnt 654. Seine Zugehörigkeit zum Geschlecht Ritzerau ist zweifelhaft, wenngleich nicht gänzlich auszuschließen, sind doch gegen Ende des 14. Jahrhunderts zumindest drei Mitglieder der Familie (Adelheid I, Sophia I und Hartwig IX) im geistlichen Stand nachweisbar. Ich möchte aber eher annehmen, dass er Verbindungen zum Ratsherrn Achim Rytzerowe in Neubrandenburg hatte, der am 24.01.1386 als Zeuge auftritt 655.




Die neunte Generation



Hartwig (IX) von RITZERAU (++Wismar 1408)

(IX – 59); Domherr zu Ratzeburg 1399/1408, erscheint in den Urkunden als Hartwigh de jungheste, Sohn Bertolds (VI) und Abele von Züle, urkundet zwischen 1384 und 1408 - Erstmals ist Hartwig (IX) am 14.11.1384 als Hartwighe deme junghesten, Bertoldes zone, mynes (Ottes) broders genannt 656. Zusammen mit seinem Onkel Otto (III) und seinem Bruder Bertold (VI) verkauft er am 22.12.1391 das Dorf Klein Klinkrade 657 . Wieder mit seinem Bruder Bertold (VI) ist er am 04.04.1393 Zeuge, als die von Züle ihr Gut Steinburg bei Panten an Bischof Gerhard von Ratzeburg verkaufen 658 und am 20.04.1394 sind die beiden Brüder, zusammen mit ihrem Verwandten (?) Heinrich (VII) von Krummesse, Bürgen beim Verkauf Bergrades durch Otto (III) von Ritzerau 659. Schließlich verkaufen Hartwig (IX) und seine Brüder Bertold (VI), Dietrich (IV), Henneke (II) und Volrad (I) am 11.11.394 dem Lübecker Bürger Vromold Warendorp dat danse gut to der Labensehe unde to der Helle 660. Zusammen mit seinen Brüdern Henneke (II) und Volrad (I) verkauft er - nun Domherr in Ratzeburg - am 16.07.1399 Dorf und Hof Dechow an Bischof Detlef von Ratzeburg (1395-1419) 661. Insbesondere die Urkunden vom 11.11.1394 und 16.07.1399 machen es sicher, dass der Domherr Hartwig von Ritzerau identisch ist mit dem 1384 erstmals bezeugten Hartwig deme junghesten, Sohn Bertolds (V) von Ritzerau.


Wismar: Ansicht von Nordwesten (Merian 1653)


Da er zunächst nicht in einer geistlichen Funktion auftritt, wird Hartwig (IX) nicht von Anfang an die geistliche Laufbahn ins Auge gefasst haben. Bei der wirtschaftlichen Lage, in der sich mittlerweile auch die Familie von Ritzerau befand, muss ein geistliches Amt mit der damit verbundenen Pfründe durchaus verlockend gewesen sein. Um 1400 sehen wir Hartwig (IX) als einen von acht Domherren des Kapitels mit einer Pfarrstelle versorgt 662. Zunächst an der Marienkirche in Wismar, die 1321 Fürst Heinrich II. von Mecklenburg dem Ratzeburger Domkapitel geschenkt hatte 663. Als er hier um 1400 vertrieben wurde 664, wurde er 1401 als domkapitularischer Pfarrer an der Wismarer Nikolaikirche eingesetzt, die dem Ratzeburger Domkapitel 1400 von Bischof Detlef von Ratzeburg geschenkt worden war 665. Das Besetzungsrecht des Domkapitels wurde jedoch nicht ohne Widerstand hingenommen und führte insbesondere in Wismar zu harten Auseinandersetzungen, die mit der Ermordung Hartwigs (IX) im Jahre 1408 ihren blutigen Höhepunkt fanden 666.


Wismar: St. Nikolai


Auf Veranlassung des Wismarer Bürgermeisters Johann Tuckesert, hatte Heinrich Tidemann den Domherrn Hartwich von Ritzerau erschlagen. Das Domkapitel zu Ratzeburg forderte daraufhin die Sühne für ihr ermordetes Mitglied, doch konnten mehrere deswegen in Schönberg anberaumte Zusammenkünfte und namentlich eine auf den 13. 03. 1408 unter dem Vorsitz von Bischof Detlev angeordnete, diese nicht herbeiführen. Da einigten sich endlich die Bevollmächtigten des Kapitels, Johannes Kalf und Johannes Crempe mit Johann Tuckesert und seinen Mitschuldigen, den Bischof zum Schiedsrichter zu ernennen, der auf dem Wege der Güte oder des Rechts diese Angelegenheit entscheiden sollte. Dieser bestimmte am 23.04.1408 667: Johann Tuckesert habe zwischen dem Tage dieses Ausspruchs und Petri Kettenfeier (01.08.) der Ratzeburgischen Kirche feste, freie Einkünfte von jährlich 30 Mk. lub. Pf. zu überweisen oder, könne er dies nicht, 500 Mk. zu zahlen, wofür das Kapitel eine Rente auf den Belauf jener Summe anzukaufen gehalten sei. Davon wurden 6 Mk zu zwei Memorien für Hartwich Ritzerowe, eine an seinem Sterbetage und die andere auf den 13. März bestimmt, 6 Mk zu einer ewigen Lampe in der Ratzeburger Domkirche auf oder neben dem Grabe des Erschlagenen, 2 Mk zu Wein und Oblaten, 2 Mk zur Struktur der Kirche angewiesen und für die übrigen 14 Mk eine beständige Messe angeordnet, welche täglöich von zwei dazu bestellten Domherren gelesen wurde. Ferner musste Tuckesert dem Kirchherrn in Proseken 12ß jährlicher Einkünfte anweisen, um dafür an dem Sterbetag ein Totenamt mit vier Messen zu feiern. Dann hatte Tuckesert mit seinen Söhnen und Mitschuldigen ohne Kappen, Mantel und Gürtel und Heinrich Tidemann mit einem Strick um seinen Hals und barfuß, begleitet von 200 ihrer Freunde, den Propst, Prior und das ganze Kapitel in der St. Nikolaikirche zu Wismar zu bitten, diese Sühne anzunehmen. Die 200 Freunde sollten sich zusammensetzen aus 50 Priestern, 50 Rittern oder Knappen, 50 Bürgermeister, Ratsherren und Bürger und 50 Jungfrauen und Frauen. Sie hatten zu erklären, dass ihnen der an Hartwich Riterowe gegangene Totschlag leid sei, dass sie die ihnen vom Bischof aufgelegten Bedingungen erfüllen wollten, dass sie sie vollkommen billig fänden und im umgekehrten Verhältnis sich damit beruhigen würden und dass sie bäten, ihnen um Gottes und der heiligen Jungfrau willen zu verzeihen. Darauf sollten Tuckesert, Tidemann und seine Helfer jeder ein brennendes Licht von zwei Pfund Wachs, jede Frau und Jungfrau ein brennendes Licht von einem halben Pfund und jeder der überigen einen Pfennig opfern, auch sollten alle geloben, nie gegen die Ratzeburger Kirche und ihre Personen etwas feindliches mehr zu unternehmen 668.



Bertold (VII) von RITZERAU


(IX – 60); Knappe, herzoglich-lauenburgischer Vasall; Sohn Bertolds (VI) und Abele von Züle, urkundet 1389 bis 1394 - Bertold (VII) ist erstmals 1389 genannt, als Henneke von Bülow auf Röggelin dem Ratzeburger Bischof die halbe Bullenmühle in Carlow verkauft 669. Dann erscheint er am 22.12.1391 als Bertold, Bertoldes sone van Ritzerowe beim Verkauf von Klein Klinkrade 670. In der Folgezeit urkundet er stets zusammen mit seinen Brüdern - 04.04.1393, 20.04.1394, 11.11.1394. Nach dem 11.11.1394 tritt er in Urkunden nicht mehr in Erscheinung, denn die Urkunde vom 29.11.1399 wiederholt nur die Besitzverhältnisse von 1394 671.


Zum Teil wird Bertold (VII) von Ritzerau als Stammvater der von Daldorf angesehen. 672 Wenn dem so wäre, dann wäre er noch bis 1408 auf Dalldorf genannt, das er dann wohl über eine von Schack erheiratet hätte Nun scheint es zwar unbestritten zu sein, daß die von Daldorp und die von Ritzerau genealogisch zusammenhängen - dafür sprechen schon die Wappen beider Geschlechter, die sie als Angehörige der Balkenwappensippe ausweisen, doch wäre Berthold (VI) in keinem Fall der erste Daldorf.


Wappen von DALDORP
(links: Berthold Daldorp 1401, rechts: Bertelt Daldorp 1459)


Bereits 1325 ist ein Hermann de Daldorp bezeugt 673 und Berthold von Daldorf selbst hatte einen Vetter, der wieder Hermann de Daldorp hieß 674. Es ist also mit voreiligen Schlussfolgerungen Vorsicht geboten. Die Urkundenlage spricht gegen die Annahme, Bertold (VI) von Ritzerau sei personenidentisch mit Bertold von Daldorf. Die Zusammenhänge müssen anders erklärt werden. Am ehesten bestand wohl ein kognatischer Zusammenhang. Vielleicht war die Mutter Bertholds von Daldorf eine geborene von Ritzerau ? (siehe unter Nr. 50)


Bertold (VII) ist möglicherweise Vater von


Kinder.

  1. ?Bertold (VIII) > X-74

  2. ?Vicke (Friedrich) > X-75




Dietrich (IV) von RITZERAU +v. 1399


(IX – 61); Knappe, Sohn Bertolds (VI) von Ritzerau und Abele von Züle, urkundet 1394 als Diderik - Dietrich (IV) von Ritzerau ist nur ein Mal, am 11.11.1394 zusammen mit seinen Brüdern Hartwig (IX), Bertold (VI), Henneke (II) und Volrad (I) beim Verkauf der ritzerauischen Güter Labenz und +Helle genannt 675. Vermutlich ist er bald darauf gestorben.

Wenn von Weltzien ordnet ihm zu Unrecht die Söhne Otto (1370/1402, N. von WOTZEKE, Tochter von Detlof von Wotzeke) und Dietrich 1365/1370, +v. 1399) zu 676. Sie sind in der Genealogie zu streichen, da es sich hier um Otto (III) und Dietrich (III) handelt.




Henneke (II) von RITZERAU (+nach 25.11.1413)


(IX – 62); Knappe, herzoglich-lauenburgischer Vasall, Sohn Bertolds (VI) von Ritzerau und Abele von Züle, erscheint in den Urkunden zunächst in der Kurzform Henke, Henneke, später als Johann, urkundet zwischen 1394 und 1413 - Erstmals genannt ist Henneke am 11.11.1394 beim Verkauf von Labenz und +Helle. Zusammen mit seinen Brüdern Hartwig (VIII) und Volrad (I) verkauft er am 16.07.1399 Hof und Dorf Dechow 677, nachdem er bereits am 22.01.1399 zusammen mit Volrad (I) für 50 Mk seine Ansprüche an den Grenzländereien zwischen Dechow und Kuhlrade 678, sowie für weitere 200 Mk seinen Anteil am Dechower See 679 an Bischof Detlef von Ratzeburg verkauft hatte. Am 08.04.1401 sind Henneke (II) und Volrad (I) Zeugen beim Verkauf des Gutes Sirksrade und der halben Wedeghe durch ihren Oheim Otto (III) 680. 1403 schulden die Brüder dem lübschen Bürger Bernard Cusveld 100 Mk 681. Am 20.11.1403 treffen sie mit der Witwe ihres Oheims Otto (III), Mette, eine Vereinbarung über die Benutzung des Schlosses zu Ritzerau 682. Ebenfalls noch 1403 verkaufen sie dem Conrad Brekevold zu Lübeck für 16 Mk alle Nutzung der „twyer dorp de ghenomet synt tor helle“ und „tor labentzehe“ 683. Am 24.06.1404 bekennen Henneke (II) und Volrad (I), dass sie keine Ansprüche an die Aufstauung des Teiches zwischen ihrem Felde, dem Duvensee und dem Bergrader Feld haben, sondern dass diese allein dem Vromold Warendorp zustünden 684. 1405 verkaufen die beiden ritzerauischen Brüder unter dem Vorbehalt des Rückkaufs und mit Einwilligung Herzog Erichs III. d. Ä. für 150 Mk eine einjährige Rente aus Mustin an die Vikarie an St. Marien zu Lübeck und versprechen am 25.04.1405 mit Einwilligung ihrer Mutter Abele ihrem Lehnsherren, diese Rente in der Woche nach dem 11.11.1406 wieder einzulösen. Für den Fall, dass sie dazu nicht in der Lage sein sollten, sollte der Herzog gegen Zahlung von 150 Mk das Dorf Mustin mit allem Zubehör zurückkaufen können 685. Der Urkunde ist u.a. auch zu entnehmen, dass die von Ritzerau in Mustin schon früher Besitz gehabt haben („also unse eldern ... dat vrygest ghehat hebben“), vielleicht als von Salemsches Erbe. Die Vikare an St.Marien willigen am 04.05.1405 in das Wiederkaufsrecht ein 686, 19. Am 29.11.1406 beurkundet der Rat zu Lübeck, dass Volrad (I) und Henneke (II) von Ritzerau ihren Anteil „in deme houe unde an deme dorpe to.) deme Duuenzee“ an Vromold Warendorp verkauft haben 687. Henneke schwört der Stadt Lübeck Urfehde.


Vor dem 02.02.1407 mussten die Brüder dann die ihnen gehörende Hälfte „in deme slote to Ritzerowe beide dar enbouene unde dar benedene mit deme ackere, de uns darto behored, unde ok was wj ackers hebben, de gelegen heft to deme dorpe to Mannowe, de nu to deme slote rede lecht ist …“ für 400 Mk an die Witwe ihres Oheims Otto (III), Mette, verpfänden 688. Zusammen mit seinem Bruder Volrad (I) nahm Henneke (II) nun offenbar seinen Wohnsitz in Duvensee, wo er 1413 genannt ist 689. Wieder zusammen mit seinem Bruder Volrad (I) verkauft er am 13.01.1409 „ere Lykstowinge de gestowet is in der Manowe, beleghen uppe deme velde twisschen dem Duuensehe unde Berkrode“ an Vromold Warendorp 690. Und am 09.10.1412 gestatten beide Brüder dem Rat zu Lübeck gegen Zahlung von 10 Mk für 16 Jahre die Nutzung ihres Eichenholzes in der Feldmark zu Groß Klinkrade 691. Am 21.02.1413 sind Henke von Ritzerowe und sein Bruder Volrad (I) Eideshelfer bei der Urfehde ihres Knechts Henning von Abo 692.


Henneke/Henke (II) von Ritzerau ist allem Anschein nach personenidentisch mit jenem Johann von Ritzerau, wohnhaft zu Duvensee, der am 25.11.1413 zusammen mit seinem Bruder Volrad seinem Vetter Hans (I?) von Ritzerau gestattet, von der Rente von acht Pfund Roggen aus der Lütauer Mühle, die sie dem Rat zu Mölln am 24.11.1413 für 100 Mk verpfändet hatten, vier Pfund gegen Zahlung von 40 Mk einzulösen, so daß sie, falls sie die andern vier Pfund einlösen wollen, 60 Mk zu erlegen haben 693.


Henke / Henneke erscheint mehrfach mit seinem Siegel 694: so 1399 (Umschrift - NEKINI . DE RITZEROWE ), 1404 (Umschrift: ...ENNEKE WA RITSE. ...), 1406 (Umschrift: HENNEKE VAN RITSERO) und 1413 (Umschrift: + S HENKE + VAN + RISSEROWE).


Henneke (II) ist möglicherweise Vater von


Kinder.

1 Tochter N. > IX – 76


Volrad (I) von RITZERAU (+bald nach 30.11.1414)


(IX – 63); Knappe, herzoglich-lauenburgischer Vasall, Sohn Bertolds (VI) von Ritzerau und Abele von Züle, urkundet zwischen 1394 und 1414 als Volrad, Vollert, Vullerd - Volrad (I) erscheint zuerst am 11.11.1394 zusammen mit seinen Brüdern Hartwig (VIII), Bertold (VI), Dietrich (IV) und Henneke (II) beim Verkauf des Gutes Labenz und +Helle 695. In der ganz überwiegenden Zahl der auf uns gekommenen Urkunden tritt er dann zusammen mit seinem Bruder Henneke (II, Johann) auf - 22.01.1399, 16.07.1399, 08.04.1401, 1403, 20.11.1403, 24.01.1404, 25.04.1405, 29.11.1406, vor 02.02.1407, 13.01.1409, 09.10.1412, 21.02.1413, 25.11.1413.


Allein urkundet Volrad van Rytzerow am 30.08.1407 als Zeuge beim Verkauf einer Rente in Schretztaken durch Heinrich (VII) von Krummesse zu Anker an den Vikar bei der Ägidienkirche zu Lübeck, Johannes Wesseler 696 und am 09.06.1410 bei der Sühne des Knappen Henning von Hagen 697. Als lebend erscheint er ein letztes Mal am 30.11.1414 als Schuldner von Albert Lippen, dem er 172 Mk unter der Verpflichtung zum Einlager schuldig ist 698. In zwei weiteren Urkunden vom 24.04.1434 und 13.11.1443 699 wird er als verstorben bezeichnet (saligen Volrades van Rytzerouwe). Offenbar starb er jung, vermutlich bald nach 1414. Aus seiner Ehe mit einer namentlich nicht bekannten Frau, vielleicht einer von KARLOW oder von SCHARPENBERG 700, stammen die


Kinder:

  1. Abele (III) > X–77

  2. Bertha (II) > X–78

  3. Adelheid (III) > X–79

  4. Anna (I) > X–80

  5. Beke (Elisabeth) > X–81

  6. Albe > X-82


Seine Witwe, heiratete in zweiter Ehe offenbar den Witwer Detlef von SCHARPENBERG auf Seedorf, der zwischen 1395 und 1443 urkundet. Aus dieser zweiten Ehe hatte sie einen Sohn Hermann Schapenberg, der 1463 ausdrücklich als vrou Abel Schakken (geb.von Ritzerau) er broder genannt ist 701 Er war begütert in Bernstorf/Kirchspiel Lassahn. Im Einzelnen stellen sich die etwas komplizierten verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ritzerau und den Scharpenberg wie im nachfolgenden Stemma aufzeigt dar 702.


Volrad I erscheint mit seinem Siegel (Umschrift: s' vllert : va : ritserowe :) 1404 und 1413.



(?) N. von RITZERAU


(IX - 64); Sie ist urkundlich nicht gesichert. Angeblich war sie mit (?)Volkmar (IX) von GRÖNAU verheiratet 703, der 1421 der Stadt Lübeck Urfehde schwört. Da sich die Ritzerau und Grönau wechselseitig bei Rechtsgeschäften als Mitlober unterstützen, ist eine Eheverbindung zwischen beiden Familien vorauszusetzen. Sie mag allerdings durchaus schon früher, etwa in der Mitte des 14. Jahrhunderts, angesetzt werden.



Hans (I) von RITZERAU


(IX – 65); Er ist 1413 als Vetter von Henneke II und Volrad (I) von Ritzerau genannt, die ihm gestatten, von der Rente von acht Pfund Roggen, die sie dem Rat von Mölln verpfändet hatten, vier Pfund gegen Zahlung von 40 Mk wieder einzulösen 704. Offensichtlich war Hans zu diesem Zeitpunkt bereits geschäftsfähig, denn sonst hätte es wohl eines Hinweises auf seine Unmündigkeit und eines Vormunds bedurft. Er kann also nicht gleichgesetzt werden mit dem Bruder Ottos (IV) von Ritzerau, der erst 1476 gestorben ist und 1413 schwerlich erwachsen gewesen sein kann. Vetter ist also nicht wörtlich zu nehmen. Hans (I) wird am ehesten ein nicht einzuordnender Nachkomme der siebenten Generation sein, mithin ein Vetter zweiten Grades der Brüder Johann/Henneke (II) und Volrad (I) von Ritzerau. Von Weltzien ordnet ihm ohne Quellenangabe einen Sohn Dietrich (IV) zu 705.



Otto (IV) von RITZERAU (+nach 13.11.1453/vor 25.11.1468)


(IX - 66); Knappe, herzoglich-lauenburgischer und lübscher Vasall, Sohn von Otto (III) von Ritzerau und Mette von Grönau, urkundet zwischen 1426 und 1453 - Otto (IV) von Ritzerau ist erstmals am 02.10.1426 genannt, als er seinen Schwestern, den Klosterjungfrauen Abele (I), Alheyd (I) und Soffyge (II), die ihm 75 Mk geliehen hatten, eine jährliche Rente von 6 Mk „ute myneme dorpe Wolterstorpe unde ute symeme redesten ghude, belegen in deme kerspel to Bredenuelde, ute ghenomen achte mark järliker rente, de de vicarii to unser leuen Vrouwen kercken bynnen Lübecker alle yar vor hundert mark pennynghe van myner weghen dar eer ane hebben“, verkauft 706. Als Mitlober erscheint u.a. Hanse van Ritserow, Otten broder. In der Folge treten die Brüder dann wiederholt gemeinsam handelnd auf, vorwiegend im Zusammenhang mit


Verkäufen von Grundbesitz und Renten sowie als Zeugen: Am 17.04.1431 bekundet der Rat der Stadt Lübeck, daß Hanse unde Otte broderen geheten Rittzerowen von den 360 Mk, die ihre Mutter für die Verpfändung des Schlosses Ritzerau erhalten hatte 707, 200 Mk zurückbezahlt haben 708. Am 24.04.1434 verkaufen die Brüder dann dem Brigittenkloster in Marienwohlde wiederkäuflich für 500 Mk „den haluen see geheten de Duuense unde den hoff mit deme dorpe tho deme Duvenzee, dat druddendel in deme Manauer zee unde de Manauer wissche belegen in der Manouwe in deme kerspel to Nutze des stichtes to Razeborch“ 709. Am 18.10.1439 verkaufen sie für 500 Mk eine jährliche Rente von 30 Mk aus ihrem Dorf Woltersdorf 710. Mitlober sind die Verwandten Luder Schack zu Basthorst, Gherd und Hartwig von Krumesse zu Klempau und Hans Daldorp zu Lauenburg. Ebenfalls für ein Kapital von 500 Mk verkaufen Hans (II) und Otto (I) dann am 12.03.1442 wiederkäuflich eine jährliche Rente von 30 Mk „in unde ut unser helfte des dorpes unde gudes to deme Duuenzee unde in deme haluen see darsulves tobehorende ... mit allen ackeren, holten, wisschen, weyden unde vischeryen“ an den Lübecker Bürger Hinrich Constin, die dieser am 28.09.1442 und am 28.09.1452 dem Kloster Marienwohlde überlässt 711.


Am 13.11.1438 sind Hans (II) und Otto (IV) Zeugen, als ihr Verwandter Gerd von Krumesse zu Klempau eine jährliche Rente aus seinem Gut Lankau verkauft 712, desgleichen am 23.04.1439 bei einem Rentenverkauf durch Hartwig Schacks Witwe Rikaerdis 713. Hans (II) und Otto (IV) von Ritzerau, „unse lewen getruwen“, sind am 02.11.1440 Zeugen, als Bischof Magnus von Hildesheim und Herzog von Sachsen - Lauenburg und sein Bruder Bernhard II. dem Johanniskloster zu Lübeck dessen Rechte an den Dörfern Utecht, Schattin, Wulfsdorf, Beidendorf und Blankensee bestätigen 714. Als Bertha (II) von Ritzerau am 13.11.1443 eine Rente aus Lüchow verkauft, bezeugen dies ihre Vettern Hans (II) und Otto (IV), sowie Gerd von Krumesse zu Anker, Luder Dargytze zu Mustin, Hartwich (III) Parkentin zu Gudow und Hartwig (III) von Krumesse zu Klempau. 715 Otte unde Hans van Ritzerouwe knappen sind am 06.11.1448 bzw. am 15.09.1449 unter den Mitgelobern für Herzog Bernhard II. von Sachsen-Lauenburg, als dieser den Vikaren im Dom zu Lübeck 70 Mk Rente aus Hamwarde, Wiershop und Abbendorf und dem Lübecker Domkapitel 112 Mk Renten aus Büchen, Fitzen, Thömen und Krukow verkauft 716.


Ohne seinen Bruder erscheint Otto (IV) von Ritzerau dann am 07.09.1444 als Zeuge, als Herzog Magnus für 4000 Mk eine jährliche Rente von 240 Mk aus +Lütau, Witzeetze, Groß Sarau, Krummesse, Niemark und Berkenthin verkauft 717, sowie am 16.11.1444 beim Verkauf von Behlendorf, Giesensdorf, Klein Anker, Harmsdorf und Albsfelde ebenfalls durch den Herzog 718. Am 04.03.1447 verkauft Otto (IV) dem Rat zu Mölln als Lehnsinhaber der drei von der verstorbenen Beke Molres in den Gotteshäusern zu Mölln gestifteten Vikarien für 45 Mk eine jährliche Rente von 3 Mk aus Poggensee 719. Wenig später, am 09.05.1447 nimmt er erneut Geld auf und überlässt dem Rat zu Lübeck für 11 Mk jährlich die Benutzung seines Eichenholzes „twisschen den wegen van Nusse unde deme Bukberghe wente to deme Koberghe, van deme Koberghe bijlangen deme weghe na Tzirekesuelde, unde ... allent dat ekene holt bilangen dem muro dale up de luchter hant unde de Bokhorst, alse de Schede vor jaren nerleden darane geghen is ....“ auf 12 Jahre 720. Am 02.10.1447 erteilt Otto (IV) seine Zustimmung, als sein Bruder Hans (II) seiner Frau Jutte (von Heest) alle seine Güter als Wittum verschreibt 721. Am 27.02.1448 verkauft er dem Priester Ludeke Bergmann in Mölln und dessen Erben für 200 Mk eine Rente von 12 Mk „an mynem andeele des dorpes unde gudes to Lutken Ritzerowe unde deme gantzen houe beleghen darsulues“ 722. Am 06.11.1448 sind Otto (IV) und Hans (II) van Ritzerouwe, knapen mit Helmold Scharpenberg Mitgelober für Herzog Bernhard II., als dieser den Vikaren im Dom zu Lübeck 70 Mk Rente aus Hamwarde, Wiershop und Abbendorf verkauft 723. Erneut als Mitgelober seines Lehnsherrn, dieses Mal mit Heyne (IV) Lasbek zu Groß Zecher, tritt Otto (IV) dann am 15.09.1449 beim Verkauf von 112 Mk Renten auch Büchen, Fitzen, Thömen und Krukow an das Lübecker Domkapitel auf 724. Dann ist Otte van Ritzerouwe am 15.11.1451 Mitgelober beim Verkauf von 18 Mk. Rente aus der Brockmühle und aus Krüzen im Kirchspiel Lütau 725. Als Herzog Bernhard II. am 26.01.1452 den Vorstehern der Leichnams-Bruderschaft zur Burg in Lübeck für 1200 Mk eine jährliche Rente von 84 Mk aus den Dörfern Wangelau und Bartelsdorf verkauft, ist unter den Mitlobern auch Otto (IV) von Ritzerau 726. Am 09.11.1452 ist er dann Zeuge, als Heinrich (VII) von Krummesse eine Rente aus seinem Dorf Lankau verkauft, 727 desgleichen wenige Tage später am 16.11.1452 bei der Sühneverpflichtung seines Bruders Hans (II) von Ritzerau 728. Ebenfalls bei seinem Bruder Hans tritt er als Zeuge auf, als dieser am 18.12.1452 eine Rente aus dem halben Dorf Koberg verkauft 729. Letztmalig (?) genannt ist Otto (IV) dann als Vasall Herzog Bernhards am 13.11.1453, als dieser an den Lübecker Ratmann Johann Segeberg eine jährliche Rente veräußert 730. Wann Otto (IV) von Ritzerau gestorben ist, lässt sich nicht sagen. Am 25.11.1468 jedenfalls war er tot 731.


Aus der Ehe mit einer namentlich nicht bekannten Frau (N. (?) von ZÜLE), die nach Ansicht von Weltzien eine Tochter Volrads von Züle auf Marsow (Sohn von Detlev von Züle und N. von Marsow, Tochter von Werner von Marsow) und N. von Brahlsdorf a.d.H. Tessin gewesen sein soll 732, stammen die


Kinder:

  1. Abele (IV) > X–83

  2. Tochter N. > X–84

  3. Volrad (II) > X–85

  4. Otto (V) > X–86

  5. Detlev (IV) > X–87

  6. Hartwig (X) > X -88


Mit seinem Wappen siegelt Otto (IV) 1439 und 1452. 733. Das Siegel von 1439 zeigt auf dem Schild zwei Turnierkragen, die aber statt der Lätze in gewöhnlicher Form abhängende Spitzen haben, und zwar oben drei und zwei halbe, unten zwei und zwei halbe. Von der Umschrift zwischen geschnürten Kreisen ist erhalten: + + + + OTTE ........ Das Siegel von 1452 zeigt auf dem Schilde die beiden Turnierkragen in der bekannten Form.Die Umschrift lautet S OTTO VAN RISEROWE



Abele (II) von RITZERAU


(IX - 67); Tochter von Otto (III) von Ritzerau und Mette von Grönau, genannt 1426 - Sie war Nonne im Kloster Lüne. Dieses 1172 als Kanonissenstift gegründete Kloster in Lüneburg wird 1272 erstmals urkundlich als Benediktinerinnenkloster erwähnt. Das Kloster etablierte sich schon bald als autonome Lokalmacht in der Lüneburger Heide. Es rekrutierte seine Nonnen zumeist aus den einflussreichen Lüneburger Patrizierfamilien, aber auch aus dem umliegenden Adel bis hin ins Herzogtum Sachsen-Lauenburg. 1372 durch einen Großbrand fast vollständig vernichtet, begann man sofort mit dem Wiederaufbau. Sophia von Ritzerau erlebte 1420 die Fertigstellung des Klostervierecks und der Klosterkirche, die bis heute ihr mittelalterliches Gesicht bewahrt haben. Das Kloster verfügte über bedeutenden Besitz, u. a. an der Lüneburger Saline. Zusammen mit ihren Schwestern Alheyd (II) und Soffgye (II) hatte sie ihrem Bruder Otto (IV) 75 Mk lüb. geliehen, für die dieser seinen Schwestern am 02.10.1426 eine jährliche Rente von 6 Mk aus seinem Dorf Woltersdorf einräumte 734.


Kloster Lüne
(Matthäus Merian, 1654)


Alheyd (Adelheid, II) von RITZERAU


(IX – 68); Tochter von Otto (III von Ritzerau und Mette von Grönau), genannt 1426 (siehe bei Abele (I) - Nonne im Kloster Eldena bei Ludwigslust (Amt Grabow). Dieses zwischen 1229 und 1235 von den Benediktinern gegründete und später von den Zisterziensern besetze Kloster, lag etwa 14 km südwestlich von Ludwigslust. Reste finden sich heute nicht mehr. Als letztes brannte 1835 die Kirche, das ehemalige Zentrum des Klosters, bei einem großen Dorfbrand ab 735.



Soffyge (Sophia II) von RITZERAU


(IX – 69); Tochter von Otto (III) von Ritzerau und Mette von Grönau, genannt 1426 (siehe bei Abele (I) - Nonne im Koster Eldena (Amt Grabow).


Kloster Eldena


Hans (II) von RITZERAU (+Lübeck 1474)


(IX – 70); Sohn von Otto (III) von Ritzerau und Mette von Grönau; Knappe, herzoglich-lauenburgischer und lübscher Vasall, urkundet zwischen 1426 und 1476 - Hans (II) von Ritzerau erscheint wiederholt gemeinsam urkundend mit seinem Bruder Otto (IV) im Zusammenhang von Verkäufen von Grundbesitz und Renten sowie als Zeuge - 02.10.1426, 17.04.1431, 24.04.1434, 18.10.1438, 23.04.1439, 13.11.1439, 18.10.1439, 02.11.1440, 12.03.1442, 13.11.1443, 06.11.1448 736, 15.09.1449 737. Allein ist er Zeuge, als am 23.05.1429 der Knappe Marquard Rantzau dem Lübecker Bürgermeister Heinrich Rapesulver eine ihm zustehende Rente von 20 Mk aus Wotersen verkauft 738. Erneut ist er Zeuge, als dann am 02.02.1430 die Brüder Vicko, Hans und Otto Daldorp für 200 Mk eine weitere Rente von 16 Mk aus Wotersen an den Lübecker Bürgermeister verkaufen. 739 Am 11.11.1434 ist Hanse von Ritserowe Mitlober, als Johann (VII) von Krummesse zu Klempau dem Vikar an St. Marien zu Lübeck und der Kirche zu Krummesse, Johann Warendorp, eine Wiese in Beidendorf für 25 Mk verkauft 740. Am 02.10.1447 verschreibt er seiner Frau Jutta von HEEST (*um 1415 +vor 1481), Tochter von Lorentz von Heest und Elsabe Hummersbüttel, alle seine Güter als Wittum 741. Sie stammte aus altem holsteinischen Adel, der vor allem im Raum Stormarn begütert war und war eine Tochter des Ritters Lorenz von Heest 742.


1451/1452 wurden dann für Hans (II) Schicksalsjahre. Er war mit der Stadt Lübeck in Streit geraten, als er einen jungen Burschen namens Klaus Bruns, der 1451 aus dem dänischen Faborgentlaufen war und von dem es hieß, er hätte dort viel Geld gestohlen, widerrechtlich auf seinem Schloß Ritzerau gefangen hielt. Hans von Ritzerau ließ den Burschen in der Hoffnung, von ihm zu erfahren, wo er das gestohlene Geld versteckt hätte, auf das Grausamste foltern. Vergeblich, denn Klaus Bruns war unschuldig. Offenbar aus Wut darüber, dass sich die Hoffnung auf eine reiche Beute zerschlagen hatte, trat Hans den Jungen mit Füßen und sperrte ihn solange in ein modriges Loch, bis ihm die Füße abfaulten. Als er zuletzt gar den Entschluss fasste ihn zu ermorden, verhalfen ihm Diener des Hans von Ritzerau zu Flucht. Er kroch auf Händen und Füßen vom Schlosshofe bis an den See, wo er mit Hilfe eines Kahns auf lübsches Gebiet nach Nusse entkam. Hans von Ritzerau holte ihn von dort unter Verletzung lübscher Hoheitsrechte gewaltsam zurück. Diesen Eingriff in seine Hoheitsrechte wollte die mächtige Hansestadt nicht dulden, zumal Hans von Ritzerau schon früher Jagd- und Fischereirechte der Stadt verletzt hatte. 743 Sie ließ ihn ergreifen und nach Lübeck bringen, wo er beinahe ein Jahr im Turm saß. Am 16.11.1452 bekennt Hans, dass er in diesem Jahre mit dem Rat zu Lübeck sich sehr „veruneinigt“ habe, „umme des willen, dat ik enen, genomet Claus Bruns von Faborgh (Faaborg auf Fünen) mit eckliker gewalt unde sunder irlovinge des rechtes uth ereme gerichte to Nutze gevoret unde upp mynen hoff to Ritzerowe gebracht unde eme darsulves sine vote im stocke hadde afgeborken, ok darumme, dat ik ere planckwerk nedder worpen unde twe van eren visscherkanen genomen unde gesencket hadde, dat se pinliken unde zere hochliken an my gerichtet mochten hebben.“ Als er endlich durch Fürsprache seines Bruders Otto (IV) und seines Neffen Hartmann Scharpenberg freikam, musste er am 16.11.1452 dem Rat 200 rheinische Gulden, und an den von ihm geschundenen jungen Burschen eine jährliche Rente von 30 Mk zahlen. Zugleich ließ sich der Rat in der Urfehde Hans (II) von Ritzeraus vom 07.02.1453 744 bestätigen, dass er bei einem eventuellen Verkauf oder einer Verpfändung seines Stammsitzes Lübeck ein Vorkaufsrecht einräumte. Diesem musste sich auch sein Bruder Otto (IV) anschließen 745: In den zeitgenössischen Chroniken liest sich der Vorfall folgendermaßen 746:


Anno domini 1451. Een klover van 15 yaren edder darby wart vorvluchtich ut Dennemarken umme deverige willen, der me eme tech, der he doch unschuldich was, alse me na bevant. Desseme klovere worden breve naghesceven, dat he vele gheldes hadde ghestolen. Aldus wart de klover anghegrepen in deme lande to Holsten unde wart ghevort to Rittzerouwe in dat lant van Louenborch. Dar wart he bevolen eneme guder hande manne, ghenomet Hans von Rittzerouwe, dat he ene pyneghen scholde unde afvraghen, wor he dat ghelt ghelaten hadde; doch en scholde he nicht den klover lemen edder jenigerleye arch don to syner sunt. Des pyneghede he den klover vaken unde sere unde helt ene lank in deme stocke, doch en konde he em nicht afvraghen, wente he was unschuldich. Des quam dat up ene tiid, dat let ene do also sitten, dat eme de vote vorvulden; unde do se vorvult weren, do toch he eme de vote af unde warp se vor de hunde. Hiirna wart eme lede, dat desse unmynschlyke mysdaet utqueme, eme to schanden unde to schaden, unde wolde den klover doden; doch a freden eme syne knechte, dat he des nicht en dede, wente God mochte den unschuldighen dot swarliken an eme wreken. Alsdüs blef dat na. Do warneden de knechte den klover hiirvor. Des toch de klover by nachttyden de knoken ut deme stocke, wente eme de vote ave weren, unde krop ut deme hove uppe den henden unde uppe den kneen; unde alse he nicht en woste, wor he henne scholde, so quam he up de see, dar uppe licht dat wikbilde Notse. Dar vant he enen kaen; dar saet he ynne unde halp syk, dat he overquam in dat wikbilde, unde let syk dar leyden. Alse do Hans van Rittzerouwe syner myssede unde vornam, dat he was to Notse, do toch he darhen unde nam en myt ghewalt ut deme gheleyde ane willen des rades van Lubeke, den dat wikbilde tohort. Also do de rat vornam, dat he de walt ghedan hadde teghen God unde recht, unde ok eer vorklaghet was, dat he ok er ghevisschet hadde up des rades vriheyt, do sande de rad darhen unde leet ene gripen unde setteden ene yn den torn, dar he ynne sad langhe tiid. Ok leet de rad halen den klover unde sanden ene in den Hilgen Gheist unde leten eme helen syne knoken. Darna, do Hans boven eyn yar dar geseten hadde, wolde he wedder ut, so moste he deme klover maken 30 mark gheldes to syneme lyve, ok moste he des rades willen maken vor de ghewalt, de he ghedan hadde, unde moste orveyde don vor syk unde vor syne erven“.


In den „Lübischen Geschichten und Sagen“ 747 liest sich das bei Ernst Deecke folgendermaßen:


1451 war ein Junge, Carl Bruns mit Namen, seines Alters 16 Jahr, aus Dänemark entlaufen; der war beschuldigt, daß er daselbst viel Geld gestohlen. Deswegen ward er von einigen Holsten ergriffen, die eine gute Beute bei ihm zu holen vermeinten, und nach Sachsen gebracht, daß ihn Hans Ritzerau peinlich befragen sollte, wo er die gestohlenen gelder gelassen. Doch ward dabei ausgemacht, daß er den Jungen nicht töten noch ihm an seiner gesundheit Schaden tuen sollte. Junker Hans, der auf eine gute Beute hoffte, ließ den Jungen auf der Peinbank recken und strecken, aber der bekannte nichts; gleichwie er denn auch ganz unschuldig war. Endlich, wie er nichts bekennen wollen, ließ der Junker ihn aufs äußerste anziehen und peinigen, trat ihm selbst die Beine und Schienen entzwei und ließ ihn so wieder in den Stock legen. Da saß der Junge, daß ihm die Beine abfaulten. Die nahm Junker Hans mit eignen Händen und warf sie vor die Hunde. Wie er nungleichwohl sah, daß er von dem Jungen nichts zu hoffen hätte, auch nicht wußte, wo er ihn lassen sollte, war er gesinnt, ihn zu töten; jedoch seine Knechte wehrten ihm ein solches und sprachen, er sollte es nicht tun, denn Gott würde solch unschuldig Blut nicht ungerochen lassen. Weil sie aber ihres Herrn tyrannisches Gemüt verspürt, haben sie aus Mitleid den Jungen gewarnt. Der kroch auf den Knien und Händen in der Nacht vom Hofe, kam endlich an den See und fand daselbst einen Kahn. Damit arbeitete er sich, so gut er konnte, fort bis in das Dorf Nusse. Dieses gehörte einem Rate zu Lübeck. Dem klagte der Junge die große Grausamkeit, so ihm der Ritzerau angetan, und begehrte Schutz und Geleit. Wie aber Junker Hans erfuhr, daß der Claus zu Nusse wäre, ritt er dahin und holte ihn mit Gewalt und ohne Vorwissen eines Rats und des Vogts wieder aus dem geleit. Diese Frechheit aber ließen die Herren von Lübeck sich gar sehr verdrießen, und weil sich der Junker ohnehin an der Stadt vergangen mit Fischerei und Jagd und anderen Händeln mehr, wurden die lübschen Diener ausgesandt und mußten ihn ins Gefängnis legen. Den Jungen aber ließ Ein Rat auf einem Wagen nach Lübeck führen und tat ihn in den Heiligen Geist, wo er, so gut es ging, geheilt ward. Junker Hans saß über ein Jahr im Tuerm und mußte, außer der Urfehde, die er schwur, dem Jungen jährlich, so lange er lebte, 30 Mk lübisch an Renten aussetzen“.


Trotz dieses Vorfalls wird Hans (II) von Ritzerau von dem Fortsetzer der Chronisten Detmar auffallend geschont, der den Vorfall von 1451/1452 überhaupt nicht erwähnt. Der Erfüllung seiner Sühneverpflichtung diente offenbar der Verkauf einer Rente von 200 Mk für einen Zins von 14 Mk aus dem halben Dorf Koberg an den Lübecker Bürger Johann Segeberg zum Besten der Frauen im Armenhaus St.Ägidien am 18.12.1452 748. Und am 11.11.1454 überträgt er dann die von ihm zu zahlende Hälfte der von seinem verstorbenen Vater Otto (III) dem Vikar an der Marienkapelle in der Pfarrkirche zu Mölln verkauften Rente aus Koberg auf den Hof Klein Ritzerau 749. Möglicherweise kam es zu weiteren Vorfällen, denn am 02.11.1457 bittet Hans (II) von Ritzerau den Rat zu Lübeck um Aufschub der Ausstellung einer bereits ausgehandelten Urkunde wegen eines bei Nusse geschlagenen Knechts, weil neue Vorwürfe seitens des Clawes Vinkenfeger erhoben wurden 750. Am 25.05.1464 überlassen Hans unde Volrad veddern genomet van Ritzerouwe, knapen dem Lübecker Rat ihr Eichenholz auf dem Manauer Felde während der nächsten 20 Jahre für 160 Mk 751. Vetter ist hier nicht wörtlich zu nehmen. Volrad (II) war der Sohn von Hans verstorbenen Bruder Otto (IV), der hier erstmals urkundend auftritt. Mit ihm hatte Hans (II) offenbar erhebliche Differenzen, wohl im Zusammenhang mit der Entwicklung der Verhältnisse um die ritzerauer Stammgüter, über die zu entscheiden Herzog Johann IV. am 20.07.1465 den Rat der Stadt Lübeck bittet 752.


Die finanziellen Schwierigkeiten des Hans (II) von Ritzerau wurden immer offensichtlicher und der Druck der Stadt Lübeck immer größer. Eine Schlüsselrolle kam hierbei offenbar dem Schwager von Hans zu, dem Lübecker Domherren Dionysius von Heest. Hans von Ritzerau und seine Frau Jutta von Heest, die ohne leibliche Erben geblieben waren, verkauften schließlich am 16.11.1465 dem Rat zu Lübeck „ihren gantsen andeel des slotes to Ritzerouwe mit myneme houe, yk uppe wone, mit der helfte des dorpes Lutken Ritzerouwe unde myne haluen molen daby belegen, dato de helfte des dorpes Koberch mit der helfte des dorpes Poggenzee, dato de helfte des dorpes Duuenzee mit der helfte des dorpes Wolterstorpe, Tramme, mit den wosten veltmarken Tzirkesuelde, Manouwe und Siltendorpe unde alle des vorscreuenen slotess dorperen, veltmarken guderen und tobehoringen, bewechlich unde unbewechlich, also zee in allen eren ende schedingen unde veltmarken begrepen unde gelegen sind, mit allen ackeren holten bisschen mit der iacht, mit wisschen weyden vyyschdyken vischerien wateren zeen ryueren unde anderen vleten enden unde schedingen der watere, invloten unde affloten, wegen unde inwegen, uthgengen unde wedder ingengen, stonwinghjen, mit aller: grund, droge, und naeth, mit dem rechte unde richte mynes dele, des hoghesten middesten unde sydesten, in hals unde in hant, mit den roekhonren unde pachthonren, mit der bede denste unde denstgelde, mit dem gantsen egendome der leene denste unde geystlik und weltlick mynes vorscreuenen andels unde mit aller nut unde vryheit alse yk unde myne vorfaren desuluen gudere ye vriest gehat unde beseten hebben ....“ für 7000 Mk 753. Hans und seine Frau baten sich dabei freie Wohnung auf dem Lübecker Bauhof aus und zwar wo Rodewald, der alte Baumeister gewohnt hat. Hierfür wurden 2600 Mk von der Kaufsumme einbehalten, sowie für jeden einmalig 100 Mk 754. Ein eventueller Wiederkauf sollte nur durch Hans selbst oder seine Nachkommen möglich sein und musste zwei Jahre vorher angekündigt werden. Der Rat der Stadt Lübeck verpflichtete sich am 19.11.1465 weiterhin zur Zahlung einer jährlichen Rente von 50 Mk an Hans von Ritzerau und dessen Ehefrau, wobei das Kapital von 700 Mk in den Kaufpreis mit eingerechnet werden sollte. Der Rat behielt sich dabei vor, diese Rente nach dem Tode von Hansens Ehefrau Jutte durch Zahlung von 700 Mk von den rechtmäßigen Erben ihres Brautschatzes zurückkaufen zu können 755. Vergeblich versuchte Herzog Johann IV. Gegenüber der Stadt Lübeck seine Lehnsrechte an den ritzerauischen Gütern durchzusetzten, wobei ihm Kurfürst Friedrich von Brandenburg zur Seite stand, der gegenüber der Stadt wegen des Geldes, das diese Hans von Ritzerau geliehen hatte, schwere Vorwürfe erhob 756.


Offenbar der weiteren Absicherung der lübschen Interessen diente das Bekenntnis des Domherren Dionysius Heest vom 08.12.1465, wonach der Brautschatz seiner Schwester Jutte nicht mehr als 700 Mk betragen habe und er allen Ansprüchen daran nach dem Tode der Schwester entsage 757. Hans (II) von Ritzerau und seine Frau waren Rentner von Lübecks Gnaden geworden!


Durch den Verkauf seiner Güter war Hans (II) von Ritzerau mit Herzog Johann IV., dessen lehnsrechtlicher Konsens zu dem Verkauf nicht eingeholt worden war, in Streit geraten. Darüber berichtet der Fortsetzer des Detmar in der Ratschronik der Stadt Lübeck zum Jahr 1466 758: „Item in dusseme Jahre de rad van Lubeke weddescattede unde nam in de veste van Ritserouwe, unde dat qwam aldus by. Dar was en guder hande man uppe de tiit, geheten Hans van Ritserouwe; deme was de hertige van Louenborch unghenedich unde dede em vele overlast unde unrecht ane schult. Do sach he wol, dat de here en ovele mende, unde he en konde deme heren nicht wedderstan. Aldus bod he deme rad van Lubeke syne gude veyle, wente se weren deme rade van Lubeke wol beleghen, na deme dat se rorden an de voghedye to Mollen und an de ghudere to Notse, de alrede des rades weren. Des wart de rad myt em ens des kopes unde geven eme vrye woninge in der stad unde geven eme so vele dartho, also se des underlank ens worden. Unde dit myshaghede deme hertighen van Louenborch sere, dat dit geschen was ane syne witlicheit und vulbort, unde hadde dat gherne gekeret, hadde he gekont. Doch do he horde, wo ere endracht stunt, do moste he dar thovreden ane syn“.


Aus einer zwischen dem 27.07. und 07.08.1465 ausgestellten Urkunde erfahren wir von einem Diebstahl bei Hans von Ritzerau. Nach den Tätern, Laurens Heste und N. Bekendorpper fahndet Detleff von Buchwaldt, Detlevessone 759. Nach dem 25.11.1468 hören wir von Hans (II) von Ritzerau nichts mehr. Er starb 1474. Seine Frau Jutta ist vor dem 09.08.1481 als Witwe in Lübeck gestorben, denn unter diesem Datum bekennt Eggert Heest für sich und die übrigen Erben, vom Rat der Stadt Lübeck die 700 Mk wieder empfangen zu haben, für welche die verstorbene Jutta von Ritzerau unter Vorbehalt des Wiederkaufs eine Rente von 50 Mk gekauft hatte 760.


Hans (II) siegelte 1426 mit seinem Wappen 761. In einem elliptischen Vierpass steht über einem gelehnten Schild mit den üblichen Turnierkragen ein Helm mit rankenartiger Decke und mit zwei Büffelhörnern besteckt, die je zwei Querbinden und außen je vier Fähnlein führen. Die Umschrift zwischen derben glatten Kreisen lautet: + HANS + VAN + + RITSEROUWE +. Ob ihm das der Urkunde vom 02.02.1407 762 anhängende Siegel mit der Umschrift * S' HANS VAN RITSEROWE gehört oder auf Henneke (II) bzw. auf Hans (I) zu beziehen ist, lässt sich nicht feststellen.


Hans (II) von Ritzerau hat auch nach seinem Tod die Gerichte beschäftigt. Dies lässt sich z. B. einer Mitteilung des Rates zu Lübeck vom 13.10.1478 an den Rat der Stadt Rostock entnehmen, in der er über die bevorstehende Ankunft des Herzogs von Meißen in Lübeck informiert. Dabei ergebe sich dann für Dr. Arnde van dem Loe aus Rostock Gelegenheit zur persönlichen Anbringung „der Sache mit Hans Ritzerowe“ 763. Um welche Angelegenheit es sich dabei handelt, erfahren wir allerdings nicht.



N. von RITZERAU


(IX – 71); Tochter von Otto (III) von Ritzerau und Mette von Grönau - Sie ist aus der Urkunde vom 16.11.1452 zu erschließen, in der sich Hans (II) von Ritzerau zur Sühne gegenüber der Stadt Lübeck verpflichtet 764. In dieser Urkunde wird ihr Sohn Hartmann Scharpenberg genannt, der als myner (Hansens) suster sone bzw. als des gesechten Hansens Ritzerouwen sustersone bezeichnet wird. Ihr Gemahl war Hartwig von SCHARPENBERG 765, der 1442 Anführer der Mecklenburger war, als diese in Lübeck einfielen.



(?) N. von RITZERAU


(IX – 72); angeblich Tochter von Otto (III) von Ritzerau und Mette von Grönau, - gnt. 1450; sie war Ehefrau des Ritters Matthias von JAGOW (*um 1390 +1464), Herrn auf Aulosen, Lintberg und Zagel, Sohn des Matthias von Jagow.


Kinder:

  1. Margarethe von JAGOW * ….. + ….., Hartwig von BÜLOW (+n. 1471) auf Wedendorf, Amtshauptmann zu Stove 766

  2. Mathias von JAGOW * ….. +nach 1487, Else NN.



(?) Ermengard (II) „von Krumesse“


(IX – 73); Ehefrau von ?Heinrich von KRUMMESSE (VIII; 1384/1407) und Mutter von Gerd von Krummesse - urk. 1438/1443. Ihre Zugehörigkeit zum ritzerauischen Geschlecht ist nicht gesichert. Sie beruht auf der Überlegung, dass offensichtlich engste verwandtschaftliche Beziehungen zur Familie von Ritzerau bestanden haben. So sind am 13.11.1438 Hans (II) und Otto (IV) von Ritzerau und am 05.01.1443 Otto (IV) von Ritzerau Mitlober, als Ermengard ihre Zustimmung zum Verkauf von zwei Renten aus ihrem Leibgedinge Lankau durch ihren Sohn Gerd gibt 767. Die Nähe der Verwandtschaft wird auch in der Urkunde vom 13.11.1443 deutlich, in der als erste Mitlober bei Bertha (II) von Ritzerau Ermengards Sohn Gerd und Luder Dargytze, Ehemann der Alheit (III) von Ritzerau, erscheinen 768. Da der Rufname Ermengard dem ritzerauischen Geschlecht nicht fremd war (siehe VI – 43), halte ich es für möglich, dass Ermengard von Krummesse eine geborene von Ritzerau war und dann am ehesten eine sehr nahe Verwandte (Schwester?) von Hans (II) und Otto (IV).



Die zehnte Generation



Bertold (VIII) von RITZERAU


(X – 74); Er ist nur einmal, am 06.08.1421 urkundlich bei seiner, Volkmar (IX) Grönaus und Arnd Steens Urfehde genannt. Zusammen mit diesen war er mit Gewalt in Lübecker Gebiet eingefallen und dabei in die Hände der Stadt Lübeck geraten und im Marstall festgesetzt worden 769. Sein Siegel 770 mit der Umschrift: S BERTELT VAN RITZEROUWE zeigt auf gelehntem Schilde eine schräglinke Teilung, durch eine schmale Leiste angegeben (Bastardstreifen ?), darüber liegen die beiden Turnierkragen mit oben vier und unten drei Lätzen. Eine Einordnung in die Stammtafel ist nicht möglich. Möglicherweise war er ein Sohn Bertolds (VII) oder Hennekes von Ritzerau 771.


Siegel Bertolds (VII) von RITZERAU (1421)


Vicke (Friedrich) von RITZERAU


(X – 75); Auch er ist in die Stammtafel nicht einzuordnen. Möglicherweise war er ein Sohn Hennekes (Hans I) von Ritzerau 772. Genannt ist er nur 1434, als der letzte Lützow von der geraden Linie auf Dutzow und Thurow, Volrad von Lützow, ohne männliche Erben gestorben war und nur eine Tochter, N. von LÜTZOW, hinterlassen hatte, die mit Vicke von Ritzerau verheiratet war. Als nächste Erbin - aufgrund des auch von den askanischen Herzögen anerkannten Erbjungfernrechts - hatte sie die Güter ihres Vaters in Besitz genommen, doch belehnte Herzog Bernhard II. auf Bitten der nächsten Agnaten von derselben lützowschen Linie, Lüder und Busso von Lützow, diese am 01.05.1434 773. Der Name Vicke (Friedrich) ist der ritzerauischen Familie fremd. Er mag am ehesten über eine Eheverbindung aus dem Geschlecht der von Karlow oder von Bülow stammen.



(?) N. von RITZERAU


(X – 76); Angeblich Tochter von Hans von Ritzerau. Sie ist urkundlich nicht gesichert. Verheiratet war sie mit Melchior von PERSSIN 774. Da nun Hans (II) offensichtlich ohne leibliche Erben geblieben war, käme als mutmaßliche Vater wohl eher Hans (I) oder eher Henneke (II) in Frage.



Abele (III) von RITZERAU (+nach 1476)


Siegel Abel (III) von RITZERAU (1463)


(X – 77); Tochter Volrads (I), urkundet zwischen 1434 und 1476 - Erstmals genannt ist Abele (II) von Ritzerau zusammen mit ihren Schwestern Alheyd (III), Bertha (II), Anna (I) und Beke am 24.04.1434, als ihre Vettern Hans (II) und Otto (IV) von Ritzerau dem Kloster Marienwohlde u. a. das Dorf Duvensee verkaufen 775. Abel von Ritzerau war zweimal verheiratet. Der ersten Ehe mit Helmich von SCHARPENBERG auf Seedorf (genannt 1442/1457) 776, war ein Sohn Volrad entsprossen, der wiederholt mit den Ritzerau zusammen genannt ist. Ihr zweiter Mann (¥ vor 1458) war Otto SCHACK (+vor November 1462), Sohn von Jürgen Schack, Burgmann zu Lauenburg. Zusammen mit ihrem Sohn Volrad Scharpenberg verkauft Abele am 20.03.1458 eine Rente aus Groß und Klein Klinkrade für ein Kapital von 120 Mk 777. Abermals Witwe, verkaufte Abel Schacke am 18.11.1462 zusammen mit ihrem Sohn dem Lübecker Ratmann Heinrich von Hachede für ein Kapital von 300 Mk eine jährliche Rente von 21 Mk aus dem halben Dorf Duvensee mit dem Vorbehalt des Rückkaufs. Herzog Bernhard II. und sein Sohn Johann IV. bestätigten den Verkauf, behalten sich aber das Recht des Rückkaufs für den Fall des Aussterbends der Familie von Ritzerau vor 778. Am 14.02.1463 verkaufen „Abel Schakken, Hermen Scharpenberch, er broder, Vollerd Scherpenberg, er son, dem Clawes Swarte, Werkmeister am Dom zu Lübeck und Werneke Kock, Bürger zu Lübeck“, für 80 Mk „unse holt“ auf dem Klinkrader Feld 779. Das Holz erstreckte sich vom Südostzipfel der Feldmark Klinkrade, wo sie mit denen von Göldenitz, Sirksrade und Duvensee zusammenstieß, im „Lohholz“ an der Sirksrader und Düchelsdorfer Scheide entlang bis zur Flur „Hohenrade“ und von dort im „Hintzenkrog“ und „Kreiensahlenbusch“ wieder zurück, um das „rume“, d. h., das geräumte, unter dem Pflug befindliche Feld, nämlich „Hintzenrade“ und „Stubbenrade“, herum bis zur Flur „Ritzenrad“ 780. Die Urkunde zeigt ihr Siegel 781: auf geneigtem Schilde liegen die beiden Turnierkragen mit oben vier und unten drei Lätzen untereinander. Die Umschrift zwischen glatten Kreisen lautet + S ABEL + + SCHACKEN + + +.


Am 08.04.1464 bekennt Vrou Abele Schacken, wohnhaft zu Nusse, vormals zu Mölln wohnhaft gewesen, der Bruderschaft des Kalands zu Mölln 32 Mk zu schulden 782. Am 01.11.1468 verpfändet sie für ein Darlehen von 300 Mk die Hälfte von Duvensee an das Kloster Marienwohlde 783. Zusammen mit ihren Schwestern Alheid Dargessen und Beke von Buchwald verpfändet sie dann am 14.11.1471 zunächst das halbe Schloss Ritzerau, den Hof und das halbe Dorf Duvensee und den halben See sowie Klein Klinkrade für 5000 Mk an Herzog Johann IV. 784. 1476 verkaufen die Schwestern Klein Klinkrade dann endgültig an den Herzog 785.

Kinder:

  1. Volrad von SCHARPENBERG * …. + …., urk. 1459/1469



Bertha (II) von RITZERAU


(X – 78); Tochter Volrads (I), urkundet 1434 bis 1443 - Sie ist am 24.04.1434 beim Verkauf von Duvensee zusammen mit ihren Schwestern Albele (II), Alheyd (III), Anna (I) und Beke als „juncvrouwe“ genannt 786. Am 13.11.1443 verkauft sie dann als Witwe 787 mit Zustimmung durch Herzog Bernhard II. dem lübschen Bürgermeister Cord Brekewold und dessen Sohn für 450 Mk eine Rente von 27 Mk aus ihrem Dorf und Gut Lüchow 788.



Alheyd (Adelheid III) von RITZERAU (+nach 1476)


(X – 79); Tochter Volrads (I), urkundet 1434 bis 1476 als Alheit, Alheyd - Sie urkundet am 24.04.1434 zusammen mit ihren Schwestern Abele (II), Anna (I), Beke und Bertha (II) 789 bzw. als Ehefrau des Lüder von DARGESSEN (Dargetze) auf Mustin - 14.11.1471 790 und 1476 791. Ihr Siegel hängt an der Urkunde von 1471 792. Es zeigt das ritzerauische Wappen mit den beiden Turnierkragen übereinander und oben vier und unten drei Lätzen. Die Umschrift zwischen glatten Kreisen lautet: S' AELHEIT + VAN + RITZEROUWE . Ihr Mann erscheint wiederholt als Mitlober und Zeuge bei ihren ritzerauischen Vettern.



Anna (I) von RITZERAU


(X – 80); Tochter Volrads (I) - Sie ist nur einmals, am 24.04.1434 zusammen mit ihren Schwestern Abele (II), Bertha (II), Alheyd (III) und Beke beim Verkauf von Duvensee als juncvrouwe genannt 793. Nach einer Aufschwörungstafel in Halberstadt war sie mit einem N. von HAREN verheiratet 794.



Beke (Elisabeth) von RITZERAU (+nach 1476)


(X – 81); Tochter Volrads (I), urkundet zwischen 1434 und 1476 - Beke urkundet stets zusammen mit ihren Schwestern, so beim Verkauf von Duvensee am 24.04.1434 (UBL VII, 524) bzw. nach dem Verlust der Stammgüter der Familie, als Herzog Johann IV. versucht, über die Töchter Volrads (I) die Endgültigkeit des Verkaufs noch aufzuhalten 795. Verheiratet war Beke von Ritzerau mit Detlev von BOKWOLDE (BUCHWALDT) auf Johannsdorf bei Dassow, der zwischen 1425 und 1470 urkundet 796 Nach von Weltzien 797 wäre sie mit Reimar von Buchwaldt auf Bergen verheiratet gewesen). Ihr Siegel hängt an der Urkunde vom 14.11.1471 798. Es zeigt das ritzerauische Wappen mit den beiden Turnierkragen, oben mit vier und unten mit drei Lätzen und der Umschrift zwischen glatten Kreisen + BEKE * VAN * BOKWOLDE SUOR.


Siegel von (oben) Albe, Adelheid (III) und (unten) Beke von RITZERAU (1471)


Albe von RITZERAU


(X – 82); Albe läßt sich als weitere Tochter Volrads (I) von Ritzerau durch die Urkunde vom 14.11.1471 erschließen. Sie war ebenfalls mit einem N. von BUCHWALDT verheiratet. Ihr Siegel 799 zeigt das Wappen der Ritzerau mit der Umschrift zwische glatten Kreisen: * S' ALBE * VAN BOKWOLDE . Ihre Einordnung in die Stammtafel ist unsicher. Vielleicht haben wir es bei ihr mit einer weiteren Tochter Volrads (I) zu tun? 800



Abel (IV) von RITZERAU


(X – 83); Tochter Ottos (IV) und N. von Züle - gnt. 1458/1467; sie erscheint in der Literatur als Ehefrau des herzoglich-lauenburgischen Rats Lüder SCHACK d.Ä. (genannt 1439/1464), Herrn auf Basthorst, Sohn von Johann Schack und N. von Scharpenberg 801.


Kinder:

1. Otto SCHACK * 1503 + …..



N. von RITZERAU


(X – 84); Tochter Ottos (IV) und N. von Züle; sie ist ohne Nennung ihres Vornamens als Schwester - unse suster - von Dethleff (IV), Volrad (II) und Otto (V) am 07.11.1467 bezeugt 802.



Volrad (II) von RITZERAU (+nach? 15.03.1476)


(X – 85); Knappe, herzoglich-lauenburgischer und lübscher Vasall, Sohn Ottos (IV), urkundet zwischen 1458 und 1497 als Volrad, Vollert, Vullert. - Erstmals genannt ist Volrad (II) von Ritzerau am 20.03.1458 als Zeuge beim Verkauf einer Rente aus Groß und Klein Klinkrade durch seine Cousine Abel Schack und ihren Sohn Volrad Scharpenberg 803. Bei ihr erscheint er dann noch einmal am 08.04.1464 als Zeuge 804. Als Vasall Herzog Bernhards II. ist er zugegen, als dieser am 13.11.1458 eine Rente aus Klempau und Klein Sarau und wenig später, am 19.12.1459, eine weitere an die Vorsteher des Heilig-Geist-Hospitals in Lübeck verkauft 805. Bei seinem Verwandten Otto Schacke, Burgmann zu Lauenburg tritt Volrad van Ritzerouwe to Ritzerouwe als Mitlober auf, als dieser am 10.11.1459 den Vorstehern des Heiligen-Geist-Hauses für 300 Mk. eine jährliche Rente von 21 Mk. aus seinem halben Dorf Müssen und der dazu gehörenden halben Mühle verkauft 806. Am 30.10.1466 tritt er erneut bei Otto Schacke als Mitlober auf, als dieser dem Rat zu Lübeck für 100 Mk eine jährliche Rente von 7 Mk aus Siebeneichen verkauft 807. Bei Vicke (III) von Karlow ist er Zeuge, als dieser am 11.11.1461 eine jährliche Rente von 28 Mk für ein Kapital von 400 Mk aus dem Hof Tüschenbek und dem Dorf Hornstorf verkauft 808.


Ab 1462 erscheint Volrad (II) dann zumeist gemeinsam mit seinem Bruder Otto (V), so am 18.11.1462 bei Nutzungs- und Rentenverkäufen ihrer Verwandten Abel Schack (X-77). Am 05.02.1463 verkaufen die Brüder dem Möllner Bürger Hermann Schilling für ein Kapital von 50 Mk eine jährliche Rente von 3 Mk aus einer Hufe in Poggensee, besittet unde buwet Eggerd Meyger 809. Am 23.04.1465 verkaufen sie den Vorstehern und Kirchjuraten der Pfarrkirche St. Nikolai in Mölln für 200 Mk eine jährliche Rente von 12 Mk aus drei Hufen in Tramm, die Eggerd Heynemanne, Tymmeken Krusemanne und Lutken Bernde bebauen 810. Nachdem Hans (II) und Volrad (II. von Ritzerau bereits am 25.05.1464 dem Rat zu Lübeck die Benutzung des Eichenholzes auf dem Manauer Felde für die Dauer von zwanzig Jahren überlassen hatten 811, verkaufen sie dem Ratsbaumeister zu Lübeck, Hinrich Helmstadt, am 20.03.1466 Holz aus ihren Waldungen 812 und ein paar Monate später, am 18.11.1466, verkaufen sie dem lübschen Ratsherrn Heinrich von Hachede für ein Kapital von 200 Mk eine jährliche Rente von 14 Mk aus dem Hof Klein Ritzerau 813. Bereits ein Jahr später, am 07.11.1467, verkaufen Volrad (II) und Otto (V) von Ritzerau für sich, „unsen broder Detleff, unse suster unde unse erven“ dem Heinrich von Hachede für ein weiteres Darlehen von 500 Mk eine Rente von 35 Mk aus ihrem Hof Klein Ritzerau 814.


Dann spitzt sich auch für die Söhne Ottos (IV) von Ritzerau die Situation dramatisch zu. Am 19.11.1468 übernehmen Volrad (II) und Otto (V.) vor dem lübschen Rat die Vormundschaft für ihren unmündigen Bruder Hartwig (X) 815. Dies war der erste wichtige Schritt, mit dem der Verkauf ihrer Stammgüter eingeleitet wurde. Dass den Lübeckern dabei nicht ganz wohl war, beweist der Umstand, dass sie im Zusammenhang mit der Übernahme der Vormundschaft am 21.11.1468 die Güterteilung unter den Brüdern als Grund für den Verkauf durch den bischöflichen Offizial Johannes Wildung und den Kanonikus Volkmar von Anderten anerkennen ließen 816. Dann folgte als letzter Akt des Dramas am 25.11.1468 der Verkauf der den Söhnen Ottos (IV) von Ritzerau gehörenden Hälfte der Stammgüter an die Hansestadt Lübeck 817. Von dem vereinbarten Kaufpreis von 3733 ½ Mk wurden verschiedene Beträge gleich weitergeleitet, um andere Gläubiger der Ritzerau zu befriedigen. So ersuchen Volrad (II) und Otto (V) am 05.07.1469 den Rat der Stadt Lübeck, von der Kaufsumme 2000 Mk an Claus Rantzau, seligen herrn Schacken sone, auszuzahlen 818. Am 18.07.1469 bekennen die ritzerauischen Brüder, von der Kaufsumme 200 Mk erhalten zu haben 819 und am 05.08.1469 quittieren Volrad (II) und Otto (V) - auch im Namen ihres Bruders Hartwig (X) - dem Rat zu Lübeck über 700 Mk, von denen 600 Mk an Bischof Albert von Lübeck und 100 Mk an dessen Offizial Johann Wildung gezahlt werden sollen. Die Summe soll am Kaufpreis angerechnet werden 820. Am 11.08. Und 23.09.1469 haben sie dann jeweils weitere 600 Mk von der Kaufsumme erhalten 821. Am 17.11.1469 bestätigt Clawes Rantzau, vom Rat der Stadt Lübeck 1400 Mk als Teil der von den Ritzerauischen Brüdern auf ihn angewiesenen 2000 Mk empfangen zu haben 822. Am 05.12.1469 ist der Kauf dann auch finanziell abgewickelt. Volrad (II) und Otto (V) von Ritzerau bekennen für sich und ihren Bruder Hartwig (X), die vollständige Kaufsumme für ihren Anteil an den Ritzerauischen Gütern erhalten zu haben 823.


Der Verkauf verlief nicht ohne politische Komplikationen. Hatte schon Kurfürst Friedrich von Brandenburg 1466 gegenüber dem Lübecker Rat bemängelt, dass der landesherrliche Konsens zu Kaufkontrakt zwischen Hans (II) und der Stadt Lübeck noch ausstünde 824, so war man 1468 beim Erwerb der anderen Hälfte der ritzerauischen Güter vorgewarnt. Herzog Johann IV. hatte den Verkäufen zunächst widersprochen und behauptet, die Ritzerau könnten aus lehnsrechtlichen Gründen nicht freibleibend über ihren Besitz verfügen 825. Die Stadt erreichte jedoch im Frühjahr 1469, dass ihr Herzog Johann IV. den Konsensbrief ausstellte 826. Darin stimmte der Herzog den Verkäufen seiner Lehnsleute unter einigen Auflagen, die bauliche Ausgestaltung des festen Hauses Ritzerau betreffend, zu: die Lübecker durften ihren neuen Besitz zwar in Stand halten, nicht aber die Befestigungen verstärken: „dat de van Lubich to Ritzerouwe nyge muren thorne offte stercke bolwercke buwen offte andere nyge wale upscheten edder maken scholen. Jedoch darenbaven de van Lubick mogen darsulves uppe Ritzerouwe berchfrede unde huse in stenderwerck gemuret offte sust andere ringhe beqweme buwete to erer nottroft unde lust buwen, de mit plankwerke, hakelwercke offte thunen bevesten unde de groven unde andere buwete darsulves in wesende holden, so dat se unde de eren dar velich afflegher und wesend hebben mogen“. Im Gegenzug erklärte sich der Herzog bereit, dass die ritzerauischen Güter nur dann eingelöst werden konnten, wenn auch die Vogtei Mölln wieder an das Herzogtum fiele. Die Lübecker ließen sich diesen Konsens noch einmal 1000 Mk. und vier gute Wagenpferde kosten 827. Lübeck konnte sich nun seines neu erworbenen Besitzes relativ sicher fühlen.


Schon Anfang 1470 ist Volrad (II) erneut in finanziellen Schwierigkeiten, denn am 17.03.1470 leiht er erneut 80 Mk vom Rat der Stadt Lübeck 828. Danach hören wir von ihm nichts mehr, denn in der Urkunde vom 15.03.1476, in der Otto (IV) und Hartwig (X) versprechen, die Güter zu Ritzerau wieder einzulösen, scheinen Volrad (II) und der ebenfalls genannte Vetter Hans (II) von Ritzerau bereits verstorben zu sein 829. Jedenfalls waren sie nicht mehr im Lande.


Volrad (II) trat nach dem Verlust seiner Güter als Knappe in den Dienst Herzog Friedrichs von Gottof 830. Verheiratet war er vermutlich mit N. SCHACK, einer Tochter von Heinrich Schack auf Gültzow und N. von Bibow a.d.H. Behrendshagen 831. Aus dieser Ehe stammen die


Kinder.

  1. Anna (II) > XI–89

  2. Otto (VI) > XI–90

  3. Georg > XI–91

  4. Ernst > XI- 92


Mit seinem Wappen siegelt Volrad (II) 1458 und 1466 832. Das Siegel von 1458 zeigt auf geneigtem Schilde die beiden Turnierkragen und die Umschrift in geschnürten Kreisen: S VOLRET VAN RYCEROWE . Das Siegel von 1466 zeigt auf stehendem Schilde die Turnierkragen mit der Umschrift: S VOLLERT VAN RITZEROWE



Otto (V) von RITZERAU genannt Vacke (+nach 10.12.1490)

(X – 86); Knappe auf Mustin und Dechow, herzoglich-lauenburgischer Vasall, Sohn Ottos (IV) und N. von Züle, urkundet zwischen 1460 und 1490 - Erstmals genannt ist Otto (V) von Ritzerau am 11.07.1460 als Zeuge, als Luder Schacke und Otto Schacke, Luders Sohn, zu Basthorst dem Bürgermeister und Rat der Stadt Mölln als Lehnsherren eine Jahresrente von 6 Mk aus Erträgnissen ihres Gutes Hamfelde verkaufen 833. Danach erscheint er ganz überwiegend mit seinem älteren Bruder Volrad (II) - 05.02.1463, 23,04.1465, 20.07.1465, 20.03.1466, 18.11.1466, 07.11.1467, 19.11.1468, 25.11.1468, vor 26.11.1468, 26.11.1468, 04.12.1468, 23.04.1469, 05.07.1469, 18.07.1469, 05.08.1469, 11.08.1469, 23.09.1469, 17.11.1469 und 05.12.1470. In Form einer Urfehde entsagte Otto (V) am 16.0ß9.1471 jeglicher Gewalt gegen über der Stadt Lübeck 834. Nach dem Tod seines Onkels Hans (II) forderte er vergeblich dessen Nachlass in Lübeck. Am 15.03.1476 verpflichteten sich Otto (V) und sein noch minderjähriger Bruder Hartwig (X), ihre Güter zu Ritzerau von den Lübeckern wieder einzulösen und Herzog Johann IV. das Wiedereinlösungsrecht abzutreten, falls sie die dazu nötige Summe nicht aufbringen können. Beide Brüder werden in der Urkunde Vacke genannt 835. 1476 verkaufen Otto (V) und Hartwig (IX) Groß Klinkrade und ihren Anteil an Klein Klinkrade an Herzog Johann IV. 836. Sonst sehen wir Otto (V) von Ritzerau im Zusammenhang mit Streitigkeiten mit der Stadt Lübeck. Der Verlust der Familiengüter hatte ganz offensichtlich ein gespanntes, zum Teil gewalttätiges Verhältnis zwischen den Vertragsparteien von 1468 zur Folge. So forderte er 1474 nach dem Tode seines Oheims Hans (II) offenbar mit Gewalt dessen Nachlaß in Lübeck. Er wurde deshalb zeitweilig in Lübeck inhaftiert, musste dann jedoch am 16.09.1474 der Gewalt in Form einer Urfehde entsagen 837.


Nach dem Verlust der ritzerauischen Stammgüter zogen sich die Ritzerau auf die ihnen verbliebenen Güter in Mustin und Dechow zurück. Dies belegt eine Urkunde vom 04.06.1479, in der Ottonem Ritzerowe in Mostyn – zusammen mit Hartwig (III) von Parkentin - als Bürge für Hinrich und Otto Schack zu Basthorst, Otto Schack zu Lauenburg und Vicko Bodin genannt ist, als diese in einem Rechtsstreit von dem Lübecker Offizial Volkmar von Anderten als päpstlich bestelltem Richter auf die Klage der Vorsteher des Heiligen-Geist-Hospitals in Lübeck zusammen mit Rat und Gemeinde der Stadt Wittenburg vor dessen Gericht geladen werden 838. Allerdings muss für kurze Zeit auch Detlev von Stove in Mustin ansässig gewesen sein. Er wird nämlich am 27.02.1494 aus „to Mustyn“ wohnhaft bezeichnet 839.


Im Zusammenhang der Fehde seines Bruders Hartwig (X) mit der mächtigen Reichsstadt verlangte Otto 1486 weiteres Gerät aus dem Erbe seines Oheims und mußte im gleichen Jahr, am 18.02.1486, geloben, nichts Feindliches gegen die Stadt zu unternehmen und sich auf Erfordern zu Johanni wieder zur Haft in Lübeck zu stellen 840. Als 1497/1489 die Streitigkeiten zwischen der Stadt Lübeck und der Familie von Ritzerau endlich beigelegt wurden, erkannte Otto (V) schließlich die Fakten an und leistete am 10.12.1490 erneut Urfehde 841.


1466 siegelt Otto (V) mit dem Wappen der Familie 842. Das Siegel zeigt auf stehendem Schilde die beiden Turnierkragen und die Umschrift: S ...VAN RITZEROWE.


Kinder (vmtl.)

  1. Anna (III) XI-93



Detlev (IV) von RITZERAU


(X – 87); Sohn Ottos (IV) - Er ist nur einmal in der Urkunde vom 07.11.1467 843 genannt, als seine Brüder Volrad (II) und Otto (V) für sich und unsen broder Detleff dem Lübecker Ratmann Heinrich von Hachede für 500 Mk eine jährliche Rente von 35 Mk aus ihrem Hof Klein Ritzerau verkaufen. Wenn es sich in dieser Urkunde nicht um einen Schreibfehler handelt und der unmündige Bruder Hartwig (IX) gemeint ist, der ab 1468 in Erscheinung tritt, dann wird Detlev (IV) bald nach 1467 gestorben sein.



Hartwig (X) von RITZERAU genannt Vacke


(X – 88); *um 1445 +um 1513; Knappe, herzoglich-lauenburgischer Vasall, Sohn Ottos (IV) von Ritzerau und N. von Züle, urkundet 1466 bis 1490 (1513?) - Hartwig (X) stand zunächst unter der Vormundschaft seiner älteren Brüder Volrad (II) und Otto (V), d.h., er wird um 1445 oder später geboren sein. Die Übernahme der Vormundschaft wird am 21.11.1468 durch den bischöflichen Offizial in Lübeck, Johannes Wildung und durch den Kanonikus Volkmar von Anderten bestätigt 844. In der Folge ist Hartwig (X) dann zumeist mit seinen Brüdern gemeinsam handelnd bezeugt - 25.11.1468, vor 26.11.1468, 26.11.1468, 04.12.1468, 23.04.1469, 05.06.1469, 11.08.1469, 23.09.1469, 17.11.1469, 05.12.1469 und 15.03.1476.


Wie sein Bruder Otto (V) hat auch Hartwig (X) den Verlust der Familiengüter nicht einfach hinnehmen wollen. Dies lässt sich aus einer Reihe von Urkunden erschließen 845. Nach Erlangung seiner Volljährigkeit hatte Hartwig versucht, den Verkauf der Familiengüter rückgängig zu machen, zumindest versuchte er einen „Nachschlag“ zu erreichen, denn er war der Meinung, seine Vormünder hätten unter Wert an die Lübecker verkauft. Nachdem seine Versuche mißlungen waren, von Lübeck noch Geldzahlungen zu erlangen, schwor der der Stadt Rache. Er sammelte Anhänger aus der Priegnitz, aus Mecklenburg und Lauenburg um sich, lagerte auf den Heerstraßen, plünderte die mit Handelswaren beladenen Wagen der Lübecker und tötete die Beraubten. Als im September 1482 die Kühe in Mölln ausgetrieben wurden, raubte er mit seinen Gefährten die ganze Herde, die auf das Gut Hartwigs von Lützow auf Dutzow, auf mecklenburgisches Gebiet geschafft wurde 846. Das Jahr 1483 wurde dann für Hartwig (X), da er auf rechtlichem Wege nichts gegen die mächtige Hansestadt auszurichten vermocht hatte um sein Erbe wiederzubekommen, ein Jahr der Fehde 847. Eine gewisse Beruhigung in den Auseinandersetzungen trat erst ein, als Hartwig (X) am 22.01.1486 versprach, bis zum nächsten Johannistag das Gebiet der Stadt Lübeck zu meiden und die Lübecker unbelästigt zu lassen 848. Doch dann begannen die Auseinandersetzungen erneut. 1487 wurden auf Hartwigs Kopf ein Preis von 400 Mk ausgesetzt und wer ihn lebendig nach Lübeck einbringen könne, sollte 600 Mk haben. Schließlich fanden 1487 und 1489 in Segeberg und Oldesloe Verhandlungen statt, bei denen die „Untaten“ der Ritzerau gegen die Stadt zur Sprache kamen. Dazu waren am 07.01.1487 zur Beilegung des Streits acht Schiedsrichter erwählt worden 849. Diese bestimmten am 27.01.1489 das Verfahren, welches zur Schlichtung des Streits beachtet werden sollte 850. Das Verfahren verlief dann wohl zufriedenstellend, obwohl die Rechtmäßigkeit der Kaufverträge von 1465/1468 nicht mehr in Zweifel gezogen, ein Wiederkauf von Lübeck abgelehnt und die Kosten für den Wiederaufbau des Schlosses Ritzerau nach dessen Zerstörung 1409 aufgerechnet wurden. Hartwig (X), mittlerweile inhaftiert, fügte sich in das Unvermeidliche und erkannte am 11.12.1490 den von seinen Brüdern Otto (V) und Volrad (II) auch in seinem Namen abgeschlossenen Verkauf des Schlosses Ritzerau nebst den dazu gehörenden Gütern und Dörfern gegen Zahlung von 500 rheinischen Gulden als auch ihn bindend an 851.


Nach dem 11.12.1490 verschwindet Hartwig (X) aus dem Blickfeld. Wohin er sich gewandt hat, lässt sich nur ahnen. Die Ritzerau hatten mit dem Verlust ihrer Stammgüter lediglich im lauenburgisch-mecklenburgischen Grenzraum einigen Besitz halten können und zwar Mustin mit Dechow sowie einen Anteil von 2 ½ Hufen in Sterley. Diesen Besitz finden wir 1513 in Händen eines Hartwig von Ritzerau 852. Da nun 1517 hier erstmals junghe Hertch Rytzerow genannt wird 853, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass wir mit dem 1513 bezeugten Hartwig noch den seit 1466 bezeugten Bruder von Volrad (II) und Otto (V) vor uns haben. Seine mutmaßlichen Lebensdaten sprechen jedenfalls nicht dagegen.




Die elfte Generation


Nach dem Verlust seiner lauenburgischen Stammgüter verlagert sich das Wirkungsfeld der Ritzerau nach Holstein, wenngleich es weiterhin mit Besitz in Mustin, Dechow und Sterley im Lauenburgischen gegütert bleibt. Wir finden die Ritzerau nun im Umfeld der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf und als Herzog Friedrich I. (1481-1533) schließlich 1523 den dänischen Königsthron besteigt, wird auch sein getreuer Gefolgsmann Otto (VI) von Ritzerau versorgt.


Mit der Verlagerung ins Holsteinische ändern sich auch die Vornamen. Die alten Leitnamen verschwinden und auch das Wappen scheint gewandelt, will man nicht ein Versehen annehmen. Es zeigt jetzt die Zinnenmauer, die wir von den Dithmarscher Vogdemannen und den ihnen stammverwandten Reventlow kennen 854.


Wappen von RITZERAU (bei Rietstap)



Anna (II) von RITZERAU


(XI – 89); Tochter Volrads (II) von Ritzerau und N. Schack; - Sie war verheiratet mit Caspar von KALAND, Herrn auf Rey in Mecklenburg, Sohn von Levin von Kaland und Anna von Damm 855.


Kinder:

  1. Ilsabe von KALAND *vor 1488 Ewald von OLDENBURG (* ….. +vor 1524, er angeblich in einer II. Anna von RITZERAU), Sohn von Claus von Oldenburg und Lucia Vieregge



Otto (VI) d. J. von RITZERAU (+nach 1543)


(XI – 90); Holsteinischer Lehnsmann, Sohn Volrads (II) (Otto Volradsson Ritzerow) 856 und N. Schack; urkundet zwischen 1494 und 1543 - Die frühen Jahre Ottos (VI) von Ritzerau sind durch dänische Quellen recht gut dokumentiert 857. Aus ihnen wird deutlich, daß Otto zu den einflußreichsten holsteinischen Adligen in der Umgebung Herzog Friedrichs von Gottorf, des späteren dänischen Königs Frederik I. (1523 - 1533) gehörte. Er diente ihm zunächst als Stallmeister (1494/1498) und geleitete den Herzog auf zahlreichen Reisen u.a. nach Antwerpen (1498), Stendal (1502), Lüneburg (1502), Kopenhagen und Berlin (1504). Herzog Friedrich verdankte er auch seinen politischen Aufstieg. Er diente seinem Gönner zunächst als Amtmann von Gottorf (1509/1515), dann als Amtmann und Bürgermeister von Plön. Hier weist er 1516 die Klage der Stadt Lübeck gegen Heinrich Rantzau wegen eines dem lübschen Bürger Kordt Koning abgenommenen Wagens mit Heringen wegen Unzuständigkeit zurück 858. 1520/1523 ist Otto (VI) von Ritzerau Amtmann in Oldenburg i. H. Aus dieser Zeit (1523) datiert ein Schreiben des Rates zu Lübeck an Otte Ritzerau wegen eines bei Großenbrode gestrandeten Schiffes des Lübecker Bürgers Kordt Koning 859. 1524 ist Otte Ritzerau – zusammen mit Iven Reventlow – Einnehmer der Kreisumlage der Lübecker Gotteshäuser für König Frederik I. von Dänemark 860. Zwischen 1524 und 1530 ist Otto dann Amtmann von Segeberg. An ihn wendet sich 1524 der Rat der Stadt Lübeck in einem Schreiben wegen der von Heinrich Rantzau im Namen des Königs von Dänemark erhobenen Forderung nach der Hälfte der jährlichen Einnahmen aus den im Fürstentum Lübeck liegenden Lübecker Kämmerei- und Kirchendörfern zum Unterhalt der Reiter und Knechte zum, die zum Schutze des Fürstentums aufgeboten werden müssen 861. Als Vogt von Segeberg erscheint er wiederholt in den Aufzeichnungen des Lübecker Domkapitels 862.


Die Bedeutung Ottos (VI) von Ritzerau im Gefüge des dänischen Staates wird augefällig durch den Zumstand, dass er nach der Thronbesteigung des Herzogs Friedrich von Schleswig als König Frederik I. von Dänemark während dessen Abwesenheit einer der Statthalter des Dänischen Königreiches 863 und königlich dänischer Rat 864 gewesen ist.


Schloss Gottorf um 1584
(aus: Braun u. Hogenberg „Civitates Orbis Terrarum)


In den zeitgenössischen Urkunden erscheint Otto (VI) bei Herzog Friedrich vorwiegend im Zusammenhang mit Geldanweisungen für die eigene Besoldung, für zuvor für den Herzog verauslagte Beträge oder als Überbringer der Abgaben der von ihm verwalteten Ämter, etwa Oldenburgs i. H., von wo er 1502 die Steuern in Höhe von 81 Mk 6ß 4d überbrachte. Vor allem aber ist er Mitlober bei den zahlreichen Schuldverschreibungen seines Lehnsherrn:


  • am 26.08.1509 als „amptmann to Gottorpe“ bei der Schuldverschreibung über 600 Mk für Clauß Breyde 865


  • am 13.01.1511 bei einer Rentenverschreibung für Oelgard, die Witwe von Heinrich Rantzau, die dem Herzog 1000 Mk geliehen hatte 866


  • am 25.01.1511 als „amptman“ bei der Schuldverschreibung über insgesamt 1575 Mk für Diderik von Obbershusen 867


  • zwischen dem 07. und 13.01.1513, als der Herzog bekennt, dem Diderik Blome 9600 Mk houetstol unde 575 Mk rente zu schulden 868. Diese Urkunde zeigt auch das Siegel Ottos von Rytzerowen to Gottorp.


  • am 15.07.1513 bei der Schuldverschreibung über 1000 rheinische Gulden für das St. Johannis-Kloster in Lübeck 869


Hasselburg
(nach der „Rantzauischen Tafel“)


  • zwischen dem 07. und 13.01.1525 als Otto Ritzerow (amptman) to Segebarge, als König Frederik I bekennt, dem Gosche von Ahlefeldt zu Saxtorp für ein geliehenes Kapital eine Rente von 23 Mk schuldig zu sein 870


  • schließlich ist er Mitsiegler, als der König am 24.04.1525 dem Clemens von der Wisch Haus und Amt Hanerau verkauft 871.


Als „amptman zeu Gottorff“ hatte ihn - zusammen mit „unsern marschal“ Paul Rantzau - Herzog Friedrich 1512 beauftragt, die Deiche bei Radhemeß zu besichtigen und instandsetzen zu lassen, nachdem sich die Einwohner über Versäumnisse beklagt hatten 872.


In weiteren Urkunden finden wir Otto (VI) als Zeugen und Mitlober bei anderen holsteinischen Adligen in zahlreichen Privaturkunden, vor allem bei den von Ahlefeld. So ist er Mitlober bei Clawes van Aleveld auf Lehmkuhlen am 25.01.1511 873, 03.02.1511 874 und 10.01.1519 875. Otto Rytzerow tor Hasselborch ist am 03.05.1522 unter den Bürgen für Hans Rantzau zu Neuhaus, als dieser dem Vikar an der Petrikirche zu Lübeck, Martin Ties, für ein Kapital von 600 Mk eine jährliche Rente von 30 Mk aus Diemersdorf, das er von dem Vikar erworben hat, sowie aus dem Dorf Klingstein verkauft 876. Zusammen mit anderen holsteinischen Rittern siegelt Otte Ritzerouwe am 01.09.1522 bei einem Übereinkommen zwischen der Stadt Lübeck und den Herzogtümern Schleswig und Holstein 877. Otto Rytzerouwe tor Hasselborch ist am 03.05.1522 unter den Bürgen für Hans Rantzau zu Neuhaus (Ksp. Giekau), als dieser dem Vikar an der Petrikirche zu Lübeck, Martin Ties, für ein Kapital von 600 Mk eine jährliche Rente von 30 Mk aus Diemersdorf, das er von dem Vikar erworben hat, sowie aus dem Dorf Klingstein verkauft 878 Inmitten des schleswig-holsteinischen Adels ist Otto Ritzero tor Hasselborch am 14.04.1523 dann unter denen, die König Friedrich I. in Gottorf huldigen 879. Mit Clemens von der Wisch zu Hanerau, Henneke Sehestedt zu Krummendiek und Jürgen von der Wisch zu Dänisch-Nienhof verspricht er zwischen dem 06. und 13.01.1527 dem Amtmann Johann Rantzau zu Steinburg, der ihretwegen für 4000 Mk. lüb. mit Zinsen, zu bezahlen an Benedikt Rantzau, Schacks Sohn und für 3000 Mk. lüb. mit Zinsen, zu bezahlen an Christoffer Ratlow zu Dänisch-Lindau, gebürgt hatte, diesen schadlos zu halten und verpflichtete sich gegebenenfalls zum Einlager in Kiel 880. „De strenge und erbar Otte Ritzerouwe tor Hasselborg, unse (König Frederiks I.) rede lehnman und leve getruve“ ist Mitsiegler, als Otto von Qualen zu Koselau zwischen dem 06. und 13. 01.1528 dem Hinrich Rantzau zwei Bauern in Neu-Rathjensdorf sowie alle Rechte an den übrigen Einwohnern des Dorfes, ausgenommen die Ackerheuer der Eutiner Domherren, verkauft und König Frederik I. von Dänemark am 30.03.1528 in Rendsburg die Verkaufsurkunde bestätigt 881. Am 29.03.1530 ist Ottho Ritzerowe, Lehnsmann König Frederiks I. „nha unsers Furstentoms Holsten Lehns Gerechticheit und Gewonheit“ zugegen, als Jürgen von Ahlefeldt auf Gronenberg mit dem Dorf Schulendorf und vier Leuten in Pansdorf belehnt wird. 882 Bei Heinrich Rantzau ist er Zeuge, als dieser und seine Ehefrau Anne 1530 deren Mutter Oelgard Rantzau und deren Kindern 3000 Mk Brautschatz und Kleinodien im Wert von etwa 1000 Gulden quittieren und einen Erbverzicht bis auf 1000 Gulden leisten 883. Für „der Holsten Rustunge“ stellte er fünf Pferde 884.


Sicher für seine zahlreichen Dienst, die er seinem Herzog geleistet hatte, wurde er von diesem 1518 mit dem Gut Hasselburg bei Altenkrempe belehnt 885. Dieser bedeutende Güterkomplex umfaßte außer dem Schloss und Gut Hasselburg die Dörfer Sibstin (Dudeschen Pustin), (Alten-)Krempe und Hobstin 886. Am 02.02.1526 verleiht König Frederik I. „dem düchtigen Otto Rytzerow thor Haßelborch beseten“ auch das Dorf Krumbek 887.



Vertrag über die Zession des Dorfes Krummbek durch König Frederik I. von Dänemark als Inhaber der Vikarie zu Altenkrempe an Otto von Ritzerau zu Hasselburg gegen eine Rente aus dem Dorf Sibstin





Im selben Jahr verkauft dieser auff 24 Mk eine jährliche Rente aus seinem Dorf Postyn (Sibstin) 888. Dass Otto (VI) darüberhinaus auch noch über Besitz im Herzogtum Sachsen-Lauenburg verfügte, ergibt sich aus einer Urkunde vom 23.12.1510, in der er mit Zustimmung von Herzog Magnus von Sachsen-Lauenburg dem Bischof von Ratzeburg den Dechower See mit der Örtlichkeit, Holz und Feld, welches der lange Röden hieß, verkaufte, soweit die von Ritzerau daran seit ewigen Zeiten Besitz gehabt hatten 889. Auch hinsichtlich der Stammgüter seiner familie gab sich Otto (VI) noch nichjt geschlagen. 1511 unterstützte Herzog Erich von Sachsen-Lauenburg seine Beschwerde gegen die Stadt Lübeck, in der er vorbrachte, dass die Stadt Lübeck ihm trotz Angebots des Kaufpreises die Lösung seines Erbhauses zu Unrecht verweigere 890. Es gelang ihm nicht einmal, die Vorzeigung der betreffenden Kaufurkunden von Lübeck zu erzwingen. So äußerte Kurfürst Joachim von Brandenburg sein Befremden, daß ein Knecht der Ritzerau in Lübeck verlacht worden sei, als er die Bitte seines Herrn zur Vorlage der urkunden vorgebracht habe 891. Auch Jahre später, 1540, führten Verhandlungen der Ritzerau und zehn adliger Standesgenossen mit Lübeck zu keinem Ergebnis. Die Stadt Lübeck beharrte auf ihrem Rechtsstandpunkt. Das Haus Ritzerau sei von Einem Ehrwürdigen Rat erworden worden, das könnte mit Urkunden belegt werden und der Rat habe es 30 bis 60 Jahre und über Menschengedenken innegehabt. Falls den Junkern etwas anderes bekannt sei, sollten sie es beweisen. Der Einspruch des sachsen-lauenburgischen Kanzlers nach Urkundeneinsicht wurde abgelehnt. Die Beweislast lag bei den Ritzerau. Nach dreitägigen Verhandlungen mussten diese und ihre Standesgenossen die Lübecker Kanzlei unverrichteter Dinge verlassen. Der Verlust der Stammguter in Ritzerau war endgültig.


1525 ist Otto (VI) von Ritzerau Verbitter des Klosters Cismar 892. In den Jahren 1526 bis 1531 erhielt er von König Frederik I. mehrere Vikarien als Geschenk, u.a. 1526 das Recht, die Vikarie in der Kirche von Lensahn zu besetzen 893 und 1530 eine weitere für sich und seine Erben als „Verlehnung des Closters und Abdien zum Zismar“ 894. Um das Jahr 1532 ließ er als Patron der Kirche zu Altenkrempe, die St. Katharinen-Kapelle, so vor dem Dorfe Crempe zunebenst einem kleinen Kirchhof belegen, abbrechen. Vermutlich handelte es sich dabei um die 1294 von Volrad von Krempe gestiftete Kapelle. Aus den Ziegeln ließ er sich dann auf einem in Neustadt i. H. angekauften Grundstück ein Haus bauen 895. 1533 ist Otto Ritzerow zu Hasselburg dann Mitunterzeichner einer Urkunde, in der sich Lüder von Lützow auf Thurow, der im Zusammenhang mit Streitigkeiten um das Gut Kittlitz von dessen Besitzer, dem holsteinischen Adligen Sivert Swin, gefangengenommen worden war, gegen Zahlung von 1000 Gulden freikaufte 896 stiftete er mit seiner Frau Drude Krummendiek (*um 1495 + …..), einer Tochter von Borkward Krummendiek auf Kletkamp und der Catharina Pogwisch 897, die er vor 1512 geheiratet hatte, die Kanzel in der Kirche zu Neustadt 898. Ein letztes Mal erfahren wir von ihm aus einer Sentenz König Christians III. von Dänemark vom 27.02.1543 in Klagesachen der Äbtissin des Klosters Itzehoe gegen Frau Heilwig von Ahlefeldt geb. Krummendik zu Heiligenstedten. Dort ist die Rede von „dusent gulden by den van Hamborch uthgekamen, welche Otto Ritzerow mit in sienen bruthschatt kregen“ 899. Dann verliert sich seine Spur. Er wird vermutlich bald danach gestorben sein.


Den Verlust der Stammgüter seiner Familie suchte Otto noch einmal zu wenden. So unterstützte ihn 1511 Herzog Erich V von Sachsen-Lauenburg bei seiner Beschwerde darüber, dass Lübeck ihm trotz Angebot des Kaufpreises die Lösung seines Erbhauses zu Unrecht verweigere 900. Es gelang Otto dabei nicht einmal, die Vorzeigung der betreffenden Kaufurkunden von Lübeck zu erzwingen. So äußerte Kurfürst Joachim von Brandenburg (1499-1535) sein Befremden, dass ein Knecht der Ritzeraus in Lübeck verlacht worden sei, als er die Bitte seines Herrn zur Vorlage der Urkunden vorgebracht habe. Auch spätere Verhandlungen der Familie Ritzerau und zehn adliger Standesgenossen mit der Hansestadt im Jahre 1540 führten zu keinem Ziel. Lübeck argumentierte, das Haus Ritzerau sei von E. E. Rat erworben worden. Das könne mit Urkunden belegt werden, und der Rat habe es „30 bis 60 Jahre und über Menschengedenken innegehabt“. Falls den Junkern etwas anderes bekannt sei, sollten sie es beweisen. Der Einspruch des sächsischen Kanzlers und der Wunsch nach Einsicht in die Urkunden wurden erneut abgelehnt. Die Beweislast lag bei den Ritzeraus. Unverrichteter Dinge mussten sie nach dreitägiger Verhandlung die Lübecker Kanzlei wieder verlassen. Es war dies der letzte Versuch der Familie Ritzerau, die Verkäufe von 1465/1468 rückgängig zu machen.


Verheiratet war Otto (VI) von Ritzerau mit Trude KRUMMENDIEK, Tochter von Borkvard Krummedige zu Heiligenstedten, Kletkamp und Stellau und Catharina Pogwisch 901. Aus einer von König Christian III. von Dänemark am 27.02.1543 in Rendsburg ausgestellten Urkunde 902 erfahren wir, dass Dorothee Krummendiek „dusent gulden und etlicke breve, register, ock gulden und sylvern clenodien und ander reschup ludennde ... der ebdissin und closter to Itzehoe vor lanngen jarn tho druwen handen getan“. Das Kloster hatte mit dem Geld gearbeitet und 1000 Gulden nach Hamburg ausgeliehen, offenbar die Summe, „wilche Otto Ritzerow mit in sienen bruthschatt kregen“.


Kinder:

  1. Paul > XII-95

  2. ?Jochim > XII-96


Besitz Ottos (VI) von Ritzerau in Ostholstein


Georg von RITZERAU +vor 1500


(XI – 91); Sohn Volrads (II) und N. Schack; stand in holsteinischen Diensten - Georg von Ritzerau war ganz offensichtlich im Lauenburgischen begütert, wo die Familie mit Mustin, Dechow und 2 ½ Hufen in Sterley noch über einen durchaus respektablen Besitz verfügte. Diesen Besitz sehen wir 1531 zunächst in der Hand von Arnd von Ritzerau, der dann am ehesten Georgs Sohn gewesen sein mag. Nach 1531 erscheint der Teilbesitz in Sterley ab nicht mehr in ritzerauischem Besitz. Er war vermutlich die Mitgift für Georgs Tochter Catharina (I) und fiel auf diesem Wege an die Wackerbarth. Georg von Ritzerau erscheint in der Ahnentafel Daldorf 903 als Ehemann einer geborenen N. von STRALENDORF (*vor 1458 +nach 1500), vermutlich einer Tochter von Henning von Stralendorf d.Ä. auf Zurow und Margarethe von Wackerbarth. Er hatte sie vor 1472 geheiratet. Vielleicht brachte sie ihm Anteile der Pfandvogteien Crivitz und Mecklenburg in die Ehe, die ihr Vater zu Pfand besaß 904.


Kinder:

  1. Margarethe (I) > XII-97

  2. Hartwig (XI) > XII-98

  3. Catharina (I) > XII-99

  4. Otto (VII) > XII-100

  5. Arndt > XII-101

  6. ?Daniel > XII-102



Ernst von RITZERAU


(XI – 92); Sohn Volrads (II) und N. Schack; holsteinischer Vasall (?) - Auch Ernst von Ritzerau erscheint in der Ahnentafel Daldorf 905. Er wird als in Holstein ansässig bezeichnet. Verheiratet war er mit einer N. von BERNSTORFF 906, vielleicht einer Tochter Hermann von Bernstorffs d.Ä. auf Teschow (genannt 1422 bis 1446).


Kinder (vmtl):

  1. Margarethe (II) > XII–103

  2. ?Werner > XII-104



Anna (III) von RITZERAU


(XI – 94); *um 1468 + ....; ?Tochter Ottos (V), ihrem mutmaßlichen Geburtsdatum nach gehört sie in die zehnte Generation, ¥ Claus STAKE (*Lütjenburg um 1464) auf Gerwitz und Neversdorf, Sohn von Claus Stake. Bobé 907 nennt sie als „Anna Poulsdatter Ritzerow“, d. h. als Tochter von Paul von Ritzerau. Das passt aber nicht zu den Lebensdaten ihres Ehemannes.


Kinder:

  1. Margarethe Stake *um 1500 +Lübeck 1550, 1519 Markward von BUCHWALD *Övelgönne um 1480 +1545, Sohn von Ditlev von Buchwaldt.



Beca von Ritzerow


(XI – 95); * ….. +Eldena vor 1515, sie ist 1505 Priorin des Klosters Eldena, in die ritzerauische Genalogie ist sie bislang nicht einzubinden.




Die zwölfte Generation



Paul von RITZERAU (*vor 1535 +n. 17.02.1577)


(XII – 95); holsteinischer und herzoglich - lauenburgischer Vasall, Sohn Ottos (VI) von Ritzerau und Drude Krummendiek, genannt 1544 bis 1577 - Erstmals urkundlich genannt ist Pawell von Ritzerau, als er 1544 den Lübecker Bürger Hans Kasken verhaften lässt, der ihm 50 Mk schuldet 908. Dann sehen wir ihn 1548 als Verwalter der Vikarie „Unserer Lieben Frau“ in Altenkrempe 909. Neben Hasselburg (1556 zue Haselborch), dass er bis 1564 besaß und weiterem Besitz in Ostholstein erscheint Paul von Ritzerau ab spätestens 1557 auch als Besitzer von Mustin und Dechow 910. Um den Besitz dieser Lehengüter, die Paul nach dem Tode seines „Vetters“ Arnd von Ritzerau für sich beanspruchte, hat es Streit gegeben. Die lehensrechtliche Beurteilung war dabei zunächst gegen ihn ausgefallen, denn im Gutachten des Kanzlers Klammer 911 heißt es: „Wan Pawel Ritzerow von dem Stammen, der Arndten Ritzerowen nachgelassen guter erstlich erworben hat, nicht herkommen, und mit Arndten Ritzerowen nicht In sampten belehnung gesessen Ist, So khan ehr die lehenguter, als Arndt nach sich gelasse(n) hat, nicht ererben, vngeachtet, das ehr sunst Arndt Ritzerowen vetter, vnd eines helmes vnd schildes ist. Auch ob gleich im lehenbrief stünde, das Arndt vnd seine lehenerben, weren mit den gutern belehnet, Sonder weil Arndt Ritzerow die guter allein vor sich empfangen vnd zu lehen getragen hat, vnd keine manlich leibes erben nach sich gelassen hat, So sein seine guter dem lehenhern erlediget, vnd heimgefallen, vnd hat der lehenher nach gestallen sachen mehr Recht die guter an sich zu nemen, vnd Pawel Ritzerowen vmb seiner forderung Rechts zupflegen, dan das Pawel Ritzerow die guter zu sich nemen, vnd der Lehenher sie von Ime fordern solle“.


Ob Paul von Ritzerau selbst - zumindest zeitweise - in Mustin wohnhaft gewesen ist, lässt sich nicht sagen. Am 09.12.1557 verglich er sich mit Detlef und Jasper von Buchwald zu Sierhagen. Er sitzt zu dieser Zeit „als echter natürlicher Lehnträger“ auf Hasselburg, wo er noch 1564 genannt ist. Hasselburg war aber schon 1560 seinem Schwager Hans Rantzau zu Lehen 3gegeben worden 912. Am 17.01.1558 ist Pawel Ritzerow thor Hasselborg Zeuge, als Franz von Bülow bekennt, dem Benedikt von Ahlefeldt zu Gelting 1000 Gulden zu schulden 913.


1559 nahm Paul von Ritzerau im gefolge Herzog Adolfs I. von Schleswig-Hiolstein-Gottorf am Krieg gegen die Dithmarscher teil. Unter dem Oberbefehl von Johann Rantzau marschierten etwa 25 000 Mann über Albersdorf und Meldorf nach heide, wo am 13.06.1559 die Entscheidung über das etwa 6000 Mann starke Heer der Dithmarscher fiel. Diese verloren in „der letzten Fehde“ ihr Unabhängigekit. Paul von Ritzerau wurde im Verlauf des Feldzuges durch einen Schuss in seine Schienbeine verwundet 914.


Schlacht um Meldorf (1559)


1562 ist er dann Vormund für Hans von Ahlefelds Witwe 915. 1569 gibt Herzog Franz I. von Sachsen-Lauenburg dem Franz von Spörcken, Hauptmann zu Boizenburg, der ihm 40.000 Taler geliehen hatte, die Anwartschaft auf das freie Lehengut Mustin/Dechow, das zu diesem Zeitpunkt - zwischen dem 06.und 13. Januar - noch Paul von Ritzerau innehatte 916. Wohl noch 1569 ist Paul von Ritzerau dann gestorben 917, denn der Kirche zu Mustin war noch in diesem Jahr „ein Pferd heimbgefallen, alß Pawl Ritzerow begraben“ 918. Dies steht im Widerspruch zu dem Umstand, dass er 1577 noch als Pate aufgetreten ist. Dieses Pferd hatte die Kirche aber nicht bekommen, denn im Kirchenvisitationsprotokoll von 1590 heißt es, dass Jürgen Weiger, damals Pächter zu Mustin, dafür noch 15 Taler bei sich hatte 919. 1581/1590 zahlte Otto von Lützow zu Thurow für 100 Mk heubtstuels, so von Pawell Ritzerowen zu Ewigen zeitten in der Kirchen (zu Mustin) gegeben seindt, jährlich 6 Mk Zinsen 920.


Ein für unser Empfinden nicht gerade positives Bild von der Persönlichkeit Pauls von Ritzerau gewinnt man aus einem Rechtsstreit, den die Hansestadt Lübeck gegen ihn im Jahre 1555 vor dem Reichskammergericht in Speyer eingeleitet hatte 921. Der Klage lag folgender Sachverhalt zugrunde: 1553 war einer von Paul von Ritzeraus Bauern, ein Drewes Eddeler, aus Sipupen (?Sibstin), aus dem Gutsbezirk Hasselburg ohne Aufkündigung nach Lübeck entwichen. Er hatte gegenüber seinem Junker etliche Male gedroht, „der Junker solle sich auf Galgen und Räder schicken, er, Eddeler, wolle sich auf Feuerluntchen und Raketen richten und ihn mit Brand heimsuchen und beschädigen“. Paul von Ritzerau ließ ihn unter Gewaltanwendung vom Hofe des Lübecker Ratsverwandten Heinrich Brömse in Klein Steinrade nach Hasselburg zurückbringen, wo er vermöge Holsteinischen Landrechts öffentlich über ihn Gericht hielt und ihn nach peinlicher Befragung zum Tode verurteilte. Der Unglückliche war dann auf das grausamste zu Tode gemartet worden 922. Paul von Ritzerau ließ Eddeler auf ein Rad legen „und ehe denn solches geschehen, habe er ihm die Beine längs lassen aufschneiden und also eine Zeit lang sitzen lassen“.


Aufgrund dieses Sachverhalts klagte der Rat der Stadt Lübeck Paul von Ritzerau wegen Landfriedensbruchs an und erwirkte im Januar 1555 eine förmliche Ladung vor das Reichskammergericht. Die Ladung mußte Paul von Ritzerau vorgelesen werden, weil er erklärte, nicht lesen zu können. Erst sieben Jahre später, am 06.11.1562, überreichte er seine Verteidigungsschrift („Defensionales und Schirmartikel“). Er führte darin u. a. folgendes aus: „Über Menschengedenken sei es also gehalten, daß derjenige, welcher einen Unterthan in seinen Gütern nicht länger sitzen lassen wollte, auf Cathedra Petri kündigen könne, und daß dann in bestimmter Zeit der Unterthan die Güter zu räumen schuldig sei. Gleichergestalt sei es Gewohnheit, daß der Unterthan, dem es nicht gelegen wäre, unter seinem Junker zu wohnen, die Macht habe, Cathedra Petri aufzukündigen und nachdem er Zins und Gült, so er dann noch Einiges seinem Junker schuldig wäre, entrichtet und von menniglich clagloß gemacht, alsdann mit Hab und Gütern seines Gefallens in eine andere Herrschaft frei zu verrücken und sich allda häuslich niederzusetzen. Wenn ein Unterthan außerhalb bestimmter Zeit, ohne Aufkündigung und ohne Entrichtung ersessener (= fälliger) Zinse und Gülte, heimlich mit Hab und Gütern sich hinwegstellt und uffrürt, so habe derselbe nach Holsteinischem Landrecht Leib und Gut verwirkt. Doch möge er seinen Leib mit 60 Mark Lübsch erkaufen und lösen“. Erst 1570, 17 Jahre nach der Entführung, erging das Urteil. Es lautete zugunsten Pauls von Ritzerau, weil das Reichskammergericht zu der Auffassung gelangt war, dass die Entführung nicht auf dem Territorium der Hansestadt Lübeck stattgefunden habe, mithin also kein Landfriedensbruch vorliege. Das Urteil, das uns einen guten Einblick in die Verhältnisse des Adels zu seinen Gutsbauern vermittelt, enthält kein Wort zum bedauernswerten Schicksal des gemarterten Drewes Eddeler.


Letztmals als lebend genannt ist Paul Ritzerow als Pate für August (*Ratzeburg 17.02.1577 +1656), den Sohn von Herzog Franz II. von Sachsen-Lauenburg 923. Nach einer Reihe von sieben fürstlichen Personen, die sich allerdings vertreten ließen, wird er als erster Vertreter des landsässigen Adels genannt. Dies mag seinen Grund darin haben, dass ihm aufgrund seines Alters dieser Rang zukam.


Über die familiären Verhältnisse Pauls von Ritzerau ist die Quellenlage nicht eindeutig. So wird ihm als Ehefrau eine N. SCHACK zugeordnet, die Mutter seiner Tochter Maria gewesen sein soll 924. Paul wird hier als „in Niedersachsen“ bzw. „erbgesessen zu Ratzeburg“ bezeichnet. Wir haben die Ritzerau zwar in niedersächsischen Urkunden gesehen, ein Besitz der Familie hat sich dort aber bislang nicht feststellen lassen. Sicher ist dagegen die 1553 geschlossene Ehe Pauls mit Maria von MÜNCHHAUSEN (*um 1535, genannt 1563), einer Tochter des Landvogts Otto von Münchhausen (*um 1488 +n. 1557) zu Ratzeburg und der Ilse von Honstedt verw. von Ritzerau (*um 1505), die 1553 geheiratet hatte 925.

Kinder: (u. a., vmtl.):

  1. Margarethe (III) *(1554) > XII–105

  2. Maria *(1556) > XII–106



Joachim von RITZERAU


(XII – 96); Knappe (?), holsteinischer Vasall, urkundet 1557 - Joachim von Ritzerau ist nur einmal aus einer 1557 datierten Urkunde bekannt, der sich entnehmen lässt, dass er seinen Knecht Hans Wulff nach Lübeck schickte, um dort freigegebene Kinder seiner Mündel in Doberstorf abzuholen 926. In die ritzerauische Stammtafel lässt sich Joachim nur schwer einordnen. Nach Mustin gehört er wohl nicht, da die dort ansässige Linie mit Arndt ohne Hinterlassung von männlichen Erben erloschen war. So mag er am ehesten ein Sohn Ottos (VI) und Bruder von Paul von Ritzerau gewesen sein. Wo Jochim begütert gewesen ist, lässt sich den Quellen nicht entnehmen. In Doberstorf wohl nicht, denn dieses war alter Besitz der Pogwisch. Vermutlich aber betsanden enge verwandtschaftliche Beziehungen Joachims von Ritzerau zu diesem holsteinischen Uradelsgeschlecht.



Margarethe (I) von RITZERAU


(XII – 97); *um 1450 + ....., Tochter von Georg von Ritzerau und N. von Stralendorf; vor 1474 Matthias Ulrich von PENTZ (+1500) auf Redefin und Melkhof in Mecklenburg (genannt 1464 bis 1500) 927, Sohn von Helmold von Pentz und N. von Lützow. Als dessen Ehefrau ausdrücklich bezeugt ist sie 1488.


Kinder:

  1. Anna (Margarethe) von PENTZ * …. + ….., Rudolf SCHACK auf Hasenthal

  2. Pasche von PENTZ * ….. +n. 1533, Barbara von OLDENBURG

  3. Margarethe von PENTZ *….. + ….., Ludolf SCHACK

  4. Helmold von PENTZ * ….. +1573, Else von GILTEN



Hartwig (XI) von RITZERAU (++ 1531)


(XII – 98); herzoglich-lauenburgischer Vasall, Sohn Georgs von Ritzerau und N. von Stralendorf, Bruder von Otto (VII) und Arndt; genannt 1517 bis 1531 -- Möglicherweise ist er es, der 1512 von Herzog Friedrich von Gottorf 1 kleth vor 10ß erhält 928. Urkundlich sicher bezeugt ist er erstmals 1517 als junghe Hertich Rytzerow im Landbederegister des Herzogtums Lauenburg als Besitzer des der Familie von Ritzerau im Lauenburgischen verbliebenen Restbesitzes in Mustin, Dechow und 2 ½ Hufen in Sterley. Hier wird er auch in den Registern von 1521 und 1525 bezeugt 929. Um 1519 hatte er Ilse von HONSTEDT (*vor 1505, genannt 1535), Tochter von Dietrich von Honstedt, Herrn auf Frankenfeld und N. von Alten, geheiratet. Dem Dekan des Ratzeburger Domkapitels hatte Hartwig in dessen Dekaneigütern gewaltsam Roggen abgenommen. Aus diesem Grund wandte sich 1525 der Ratzeburger Bischof Georg von Blumenthal an den Amtmann Otte Sehestedt zu Segeberg und die Brüder Hartich (XI), Otto (VII) und Arndt Ritzerau zu Mustin, um den entstandenen Streit zu bereinigen 930. 1531 wird Hartwig (XI) von Dietrich Blome ermordet. Dies ergibt sich aus einer Zeugenaussage des späteren herzoglich-sachsen-lauenburgischen Vogts zu Ratzeburg, Ottos von Münchhausen 931, der 1543 in einem Prozess bekundet, dass seine Frau Ilse (von Honstedt) vorher einen Ehemann gehabt habe, der totgeschlagen worden sei 932.


Kinder (vmtl.)

  1. Catharina (II) *um 1530 > XIII-107



Catharina (I) von Ritzerau (*vor 1515 +n. 1535)


(XII – 99); Tochter Georgs von Ritzerau und N. von Stralendorff, genannt 1535 - Sie wurde vor 1531 - ausweislich eines Wackerbarthschen Grabsteins - Gemahlin des Joachim von WACKERBARTH (*um 1500/1505 +n. 1565) auf Kogel (genannt 1563), Sohn des Hartwig von Wackerbarth auf Kogel 933. Über sie kam vermutlich der ritzerauische Anteil von Sterley (3 Stellen mit 2 ½ Hufen) 934 an die von Wackerbarth.


Kinder:

1. Hartwig (IV) von WACKERBARTH *1542 +11.09.1602, 1565 Margarethe von DALDORP adH. Wotersen *22.09.1540 +1616



Otto (VII) von RITZERAU


(XII – 100); herzoglich-lauenburgischer Vasall zu Mustin und Dechow; vmtl. Sohn von Georg von Rtitzerau und N. von Stralendorf, Bruder von Hartwig (X) und Arndt. Er wird nur einmal, 1525, urkundlich mit seinen Brüdern im Zusammenhang mit Übergriffen Hartwigs (XI) auf Güter des Domdekans von Ratzeburg genannt 935. Otto (VII) wird früh gestorben sein, da 1531 sein Bruder Arndt nach dem gewaltsamen Tode Hartwigs (XI) als alleiniger Besitzer von Mustin und Dechow erscheint.



Arndt von RITZERAU (+um 1553)


(XII – 101); herzoglich-lauenburgischer Vasall auf Mustin und Dechow, vmtl. Sohn von Georg von Ritzerau und N. von Stralendorf, Bruder von Hartwig (XI) und Otto (VII), Vetter Pauls von Ritzerau, genannt 1527 bis 1547 - Arnd von Ritzerau erscheint erstmals 1525 urkundlich im Zusammenhang mit den Übergriffen seines Bruders Hartwig (XI) auf die Güter des Dekans des Ratzeburger Domkapitels 936. Dann nennt ihn eine 1527 in Mustin ausgestellte Urkunde 937. Nach dem gewaltsamen Tod seines Bruders Hartwig (XI) erscheint er 15311547 als dessen Nachfolger im Besitz der Lehngüter Mustin und Dechow 938. 1531 gehörte ihm auch noch der alte - schon 1240 bezeugte - Teilbesitz in Sterley. 1543 ersuchen Arndt von Ritzerau, Luleff und Luder Schacke, Chim Wackerbarth und andere den Rat der Stadt Lübeck um Auslieferung des Knechts Ditleff Schacke d. J. aus Rambow 939.


Zur Zeit, als Arnd von Ritzerau Mustin besaß, hatte der dortige Pastor Heinrich Haus einen Grenzbaum abhauen lassen und an den Lübecker Bürger Lafrenz Wilde zu Schiffswrangen verkauft 940.Von der Mustiner Kirche hatte er 10 Mk geliehen, für die er jährlich 2 Mk Zinsen zahlte. 10 Mk selliger Arndt Ritzeraw 2 Mk alle yar erhalten to rente, heißt es noch im Visitationsprotokoll von 1557 941.


Mustin: Herrenhaus im 16. Jhdt. (bei Schröder)


Als Arndt von Ritzerau um 1553 starb und keine „manlich leibes erben nach sich gelassen“ hatte, fielen seinen Lehengüter als erledigtes Lehn an den Landesherren zurück. Dies wollten die nächsten Verwandten auf Hasselburg nicht hinnehmen. So kam es zum Streit und der lüneburgische Kanzler Balthasar Klammer wurde mit einem Rechtsgutachten beauftragt, in dem es vor allem um die lehensrechtlichen Fragen (siehe bei Paul von Ritzerau) und um die Erbansprüche von Arnds Witwe ging 942.


Hinsichtlich dessen, was „Arndten Ritzerowen nachgelassen witwen aus ihres Hauswirts gutern nach genauwen Sachsischen Rechten gehöre, sagt das Gutachten, daß Ihr aus Ihres Mannes gutern gepuren: Leibgeding, Morgengabe, Gerade und mußteill ... wie underschiedlich folget“. Wegen der interessanten erbrechtlichen Ausführungen soll das Gutachten hier wörtlich zitiert werden.


Leibgeding: Was Arndt Ritzerow hat seiner HausFrawen In den Lehengutern mit bewilligung des Lehenhern zur Leibzucht, In der ehestifftung, oder sunste hernach verordnet, dasselbige behaltet sie zur Leibzucht, wie Leibgedinges recht ist, pillich; Was aber das mit bewilligung od. Bestendiger vertrostung des lehenhern nicht geschehen were, das hette keine krafft, vnd gepurete aber gleichwol der Witwen, Iegen Ihre eingeprachte ehegelt vnd brautschatz ein leibzucht, aus der erbschafft, so sie daraus mag zubekommen sein, oder so es die erbschafft nicht vermochte, nach vblichem geprauch aus den Lehengutern, als nemlich, Noch eins so vill, als Ihr ehegelt gewesen, dauon die nutzung die Zeit Ihres lebens zuhaben und zugeniessen


Morgengabe: Es ist vnder dem adel gepreuchlich, das s(ie) Ihre HausFrawen den nechsten morgen nach dem ehelichen beilager, mit eine(m) Cleinode vnd einem Hoff oder anderem gude bemorgengaben, So auche Arnd(t) Ritzerow seine HausFrawen nach solch(em) geprauch auch bemorgengabet hette, So würde Ihr solches auch billig genennet, Jedoch so es In Lehengutern geschehen, so müste auch des Lehenhern bewilligung darbei kommen sein. Wan aber die Fraw von Ihrem Hauswirt nicht bemorgengabet, vnd Ihr Ingemein die morgengabe verschrieben were, so gehorete in dieselbige nach gemeinem beschriebenen Sachssen Rechte, nachfolgende stück, Nemlich: Alles veldgenge weibliche viehe, als kühe, kelber, zigen, feldgenge schweine, unbese(i)lte mutterpferde, die alle tage zu velde lauffen, vnd man noch nicht eingespannet hette, Auch alle zimmer und zeune, die nicht gehoben vnd volnpracht sein.


Gerade: Darzu gehoren alle schaffe, so vf d. misten vnd vor den hirten gehen, gense, enthen, kisten, kasten, laden und truhen, dasInne die fraw Ihre gezirde, kleider, leinen gerethe vnd geschmuck behalten, vnd darzu sie die schlüessel bei zeit Ihres mannes gehapt, Alles garn, gesotten vnd ungesotten, lein, flachs, alles leinwant, geschnitten vnd ungeschnitten, alle hauptpfüle, küssen, leinlachen, tischlachen, vnd quelen (Handtücher), ausbescheiden, was sich des zu hergewette gehoret, alle federn, geschlissen vnd ungeschlissen, bedelacken, kolten, decklacken, sperlacken, vmbhenge, vorhenge, schleier, becken, leuchten, ein waschkessel, brawpfannen, sie man teglich vermuetet, vnd die nicht eingemauret sein, noch stede still stehen, sedeln, tepten, alle weibliche kleider, vorspan, krüge, heffelin, pacificall, alles golg vnd silber, zu frawen gezirde gewircket, perlenkrentz, Corallen, vnd perlen, schnuer, ale gürtell vnd borden mit golde oder silber beschlagen, frawen bettücher, Alle weibliche gebende, wocken, weiffen, spilden, bürsten, scheren etc.


Mußteill: Darzu gehoret, die helffte aller gekaufften speis, Nemlich, die helffte des fleisches, gesaltzen vnd vngesaltzen, die helffte alles getrenckes, Es sei wein oder bier, die helffte alles gedroschen korns, weitzen vnd gersten, Auch alles erbes, malt, hirse, bonen, Reibsaltz, hanffe, butter, schmaltz, kese, saltz vnd die helffte alles was zu essen vnd drincken verschafft, vnd In den scheunen, vnd vf den boden vorhanden Ist. Aber haber, hew vnd stro gehoret nicht darzu“.


Diese Erbansprüche gelten nur zu Lebzeiten der Witwe, „denn es mag kein weib zu eigen behalten Ihre Leibzucht, noch Ihre Erben nach Ihrem Tode, Suntemal das das Leibgeding nicht lenger weret, dan zu Ihrem (das Ist der frawen) leib, dan nach ihrem absterben fallet das leibgeding an des mannes erben, oder an den hern, ob der man keinen lehenhern hette“.


Arndt von Ritzerau hinterließ aus seiner Ehe mit einer uns unbekannten Frau offenbar eine Tochter.


Kinder:

  1. Tochter N. > XIII-109



Daniel von RITZERAU (*um 1543 +nach 1586)


(XII – 102); er ist in die Stammtafel nicht einzuordnen; am ehesten könnte er ein Sohn Georgs oder Ernsts gewesen sein. Daniel von Ritzerau hatte um 1565 Sidonia von BRAHLSTORF (*vor 1550, ULTIMA GENTIS), Tochter von Hans von Brahlsdorf (+1597) auf Tessin geheiratet 943. Durch diese Ehe wurde Daniel offenbar in Tessin bei Wittenburg begütert. Der Besitz fällt nach seinem Tod an die von Züle. Aus seiner Ehe hatte er eine Tochter


Kinder:

  1. Beate. > XIII -108



Margarethe (II) von RITZERAU (*vor 1495 +n. 1535)


(XII – 103); Tochter Ernsts von Ritzerau und N. von Bernstorff 944., genannt 1535 - Margarethe (II) von Ritzerau heiratete vor 1534 Heinrich von MEINSTORF (*um 1490 + …..) 945, Sohn des Jürgen von Meinstorf und der Erne Rantzau.


Kinder:

  1. Margarethe von MEINSTORF *um 1520 +….., Joachim SCHACK (*Hasenthal um 1510 +ebd. 1573), sachsen-lauenburgischer Geheimrat und Hofrichter auf Müssen und Hasenthal, Sohn von Lorentz Schack und Catharina von Both 946.



Werner von RITZERAU ?+v. 1536


(XII – 104); herzoglich-pommerscher Vasall - Werner von Ritzerow war begütert in der Neumark auf Labentz, Berkenow, Kartlow und Schlanewitz im Kreis Dramburg /Schievelbein 947. Genannt ist er 1523 948. Seine Einordnung in die Stammtafel ist nicht möglich. Die Seltenheit des Namens Ritzerau lässt es aber als völlig unwahrscheinlich erscheinen, dass es eine weitere Familie dieses Namens gegeben hat. Auch das Wappen - es zeigt zwei, allerdings in spitze Zacken auslaufenden Querstreifen 949 - stellt lediglich eine Verballhornung des Ritzerauischen Wappens dar und beweist die Zugehörigkeit zur lauenburgischen Familie. In Pommern ist das Geschlecht sonst unbekannt. So wird es z. B. bei Bagmihl 1843 nicht erwähnt 950 Vielleicht handelt es sich also bei Werner von Ritzeraus Besitz nicht um Lehens-, sondern um Pfandbesitz.


Aus seiner Ehe mit einer namentlich nicht genannten Frau stammen die


Kinder:

  1. Margarethe (IV) > XIII-109

  2. Barbara > XIII-110

  3. Walpurga > XIII-111


Kreis Belgard in der Neumark
(Lage des ritzerauischen Besitzes)



Dreizehnte Generation:



Margarethe (III) von RITZERAU (*01.04.1543 +16.03.1601)


(XIII – 105); Tochter Pauls - Über sie vollzog sich der Übergang der ritzerauischen Lehnsgüter in Ostholstein und Lauenburg auf ihren (oo ab 1568) Ehemann Hans RANTZAU (*1531 +1588), Sohn von Caspar (Jasper) Rantzaus und Margarethe Rantzau auf Schmoel 951. Die Ehe blieb kinderlos. Caspar Rantzau war Präfekt in Rendsburg, Verbitter von Bordesholm, Fehmarn und Hadersleben und ein bedeutender Herr der Reformation in Holstein. Er hatte in Wittenberg studiert und im Hause von Philipp Melanchthon gewohnt. Caspar Danckwerth berichtet 952: „Hans Rantzau von Schmohl hat die letzte Ritzerowerin geheiratet. Sie hat ihm diesen Hof (Hasselburg) zum Heyrath Gut zugebracht. Der aber hernach an Hans Rantzau von Neuhaus gekommen ist“. Nach einer Angabe von M.A. Angelus Struthimont aus dem Jahre 1595 war Magdalena von Ritzerau Hansens von Rantzau Hausfrau und die letzte des Geschlechts. Magdalena wird ein 953 Schreibfehler sein und das ULTIMA GENTIS bezieht sich zweifellos nur auf die Hasselburger Ritzerau.



Maria von RITZERAU (*1556)


(XIII – 106); Tochter Pauls , genannt 1573 - Sie heiratet Wulfert von WAHLE (*um 1520/1525 +1570), Sohn des Tönnies von Wahle, Herrn auf Dötlingen bei Wildeshausen in der Grafschaft Oldenburg und der Elske von Dorgelo 954. Sie erscheint mehrfach in Ahnentafeln, etwa in der der Caroline Charlotte von Schele 955, bei Anthon Günter, Ilse Dorothea und Ilse Catharina von Harling 956 und Friedrich von Voss 957.


Kinder:

  1. Anton von WAHLE *um 1560/1565 +02.02.1621, Herr auf Dötlingen, I. 03.02.1589 Anna STEDING +1600, Tochter von Heinrich Steding d. J. und Johanna von Dincklage, II. 1603 Elisabeth von SCHLEPEGRELL

  2. Ilsa von WAHLE *um 1573 +um 1638, Christian von HARLING *1558 +17.10.1621, Geheimer Rat, Landdrost



Catharina (II) von RITZERAU (*um/vor 1530 +10.03.1601)


(XIII – 107); Tochter Hartwigs (X) von Ritzerau und Ilse von Honstedt; - Sie heiratete 1544 Segeband von ESTORFF (+1546), der 1526/1541 als Herr auf Neetze genannt ist. Er war ein Sohn des Johannes von Estorff und der Rixa von Wittorf 958.

Kinder:

1. Segeband von ESTORFF *1545 +31.01.1604, Esther von ELLEN *1549 +26.01.1604



N. von RITZERAU


(XIII – 107); sie ist als Tochter von Arndt von Ritzerau zu erschließen. Näheres über sie ist nicht bekannt.



Beate von RITZERAU (*vor 1567)


(XIII – 108); Tochter von Daniel, genannt 1581; sie heiratet vor 1581 Wedig von ZÜLE (*vor 1560 +1616), Herrn auf Tüschow und Tessin, Sohn des Chim von Züle auf Marsow und der Catharina von Barnekow 959. Sie bringt ihrem Mann ihren Besitz Tessin in die Ehe.


Kinder:

1. Joachim von ZÜLE *vor 1583 +vor 1681, vor 1599 Adelheid von WACKERBARTH *vor 1580, Tochter von Claus von Wackerbarth und Hippolyta Schack



Margarethe (IV) von RITZERAU


(XIII – 109); Tochter Werners, genannt 1586 - Bei ihrer Eheschließung mit Marx von SCHAREN brachte sie 600 Gulden Ehegeld mit. Ihr Mann war Herr auf Labentz und erhielt noch Berkenow und nach dem Tod des Schwiegervaters auch Semlow 960.



Barbara von RITZERAU


(XIII – 110); Tochter Werners (?Diennies) von Ritzerow, genannt 1604 - Sie bringt 1604 bei ihrer Eheschließung mit Friedrich von KÖPPEN (genannt 1598/1601) 500 Gulden Ehegeld mit. Ihr Ehemann war ein Sohn des Dr. jur. Johann von Köppen d.Ä. (Treuenbrietzen 1533 +Berlin 15.07.1611, Reichsadelsstand 1571, Kurbrandenburgischer Geheimer Rat, Professor jur., Vizekanzler, Kammergerichtsrat in Berlin). Friedrich von Köppen erhält über seine Frau Labentz 961. Ihr Ehemann tritt in einer Schuldforderung für seine Frau auf 962.



Walpurga von RITZERAU


(XIII – 111); Tochter Werners - Bei ihrer Eheschließung mit Christoph von VÖLTZKOW - 1605 Herr auf Völtzkow bei Schievelbein - brachte sie 475 Gulden Ehegeld mit 963. Ihr Ehemann tritt in einer Schuldforderung für seine Frau auf 964.








Register


Die Familie erscheint in den Urkunden in folgenden Schreibweisen: RITZERAU, RITZEROW, RITZERO, RITSERO, RICEROWE, RICZEROWE, RITHSEROWE, RITHSEROUWE, RITHSEROWE, RIZEROWE, RITTZEROW, RYTSEROWE, RYTTZEROWE, RYTTZEROUWE, RITCHEROWE, RITTEROWE, RETZEROWE - DUVENSEE, DUUENSE. DUVENZE


Albe (X-82)

Abele I (v. Torgau, VIII-53); II (IX-67); III (X-77); IV (X-83)

Adelheid, Alheyd I (v. Duvensee, VIII-50 ULTIMA LINEA); II (IX-68); III (X-79)

Albernus (III-)

Anna I (X-80); II (XI-89); III (XI-94)

Arndt (XII-101)


Barbara (XIII-110)

Beate (XIII-108

Beca (XI-95)

Beke (X-81)

Bertha I (III-7); II (X-78)

Bertold I (III-8); II (IV-13); III (V-19); IV (VI-30); V (VII-40); VI (VIII-51); VII (IX-60);

VIII (X-74)


Catharina I (XII-99); II (XIII-107)

Corvus, Corvinus > Walrav


Daniel (XII-102)

Detlev I (V-15); II (v. Duvensee; VI-24); III (v. Duvensee, VIII-49); IV (X-87)

Dietrich I (V-20); II (VI-31); III (VII-41); IV (IX-61)


Ermengard I (VII-48); II (?v. Krummesse, IX-73)

Ernst (XI-92)

Eyler, Eylo I (III-9); II (VI-21; III (v. Duvensee, VIII-48)


Georg (XI-91)

Gerlach (v. Duvensee, VII-32)


Hans I (IX-65); II (IX-70)

Hartwig I (II-3);II (v. Poggensee IV-12).; III (V-16); IV (V-17); V (VI-22); VI (“de olde”,VII-39); VII (“de oldere”, VII-47); VIII (VIII-52); IX (“de jungheste”, IX-59); X (X-88); XI (XII-98)

Heinrich, Heyne I (v. Duvensee, VI-23); II (v. Duvensee, VII-34); III (VIII-57)

Henneke I (VII-38); II (IX-62)


Joachim (XII-96)


Konrad (VII-42)


Margarethe I (XII-97); II (XII-103); III (XIII-105); IV (XIII-109)

Maria (XIII-106)


Nicolaus (VI-28)


Otto I (VI-29); II (VII-37); III (VIII-54); IV (IX-66); V (X-86); VI (XI-90); VII

(XII-100)

Paul (XII-95)

Rauen > Walrav


Sohn N (IV-10)

Sophia I (VIII-55); II (IX-69)

Tochter N (vmtl.) (III-6); (IV-11); v. Duvensee (VI-26); v. Duvensee (VI-27); v. Duvensee (VII-33); (VI-40); (VII-43); (VII-44); (VIII-56); (IX-64); (IX-71); (IX-72); (X-76); (X-84); (XIII-107)


Vicke (Friedrich) (IX-75)

Volrad I (IX-63); II (X-85)


Walrav I (I-1); II (II-2); III (III-4); IV (V-14); V (V-18); VI (v. Duvensee, VI-25); VII (v. Duvensee, VII-35); VIII (v. Duvensee, VII-36)

Walpurga (XIII-111)

Werner (XII-104)





Angeheiratete Familien:



von BEDERKESA (VI-26); von BERNSTORFF (XI-92); von BLÜCHER (VII-33); von BRAHLSTORF (XII-102); von BUCHWALD (X-81, X-82)


von DALDORP (S. 4; VIII-55); von DARGATZ (X-79


von ESTORFF (XIII-107)


von GOTMOLT (VI-21); von GRÖNAU (VII-41; VIII-54; IX-64)


von HAREN (X-80); von HEEST (IX-70); von HONSTEDT (XI-98)


von JAGOW (IX-72)


von KALAND (XI-89); von KARLOW (VII-44); von KÖPPEN (XIII-110); von KRUMMENDIEK (XI-90); von KRUMMESSE (IV-11: IX-73); von KULE (VII-47; VII-48)


von LASSAN (V-14); von LOGOW S. 5; von LÜTZOW (VII-39; VII-45; X-75)


von MEINSTORF (XII-103); von MÜNCHHAUSEN (XII-95)


von OEDEME (VI-27)


von PARKENTIN (IV-10); von PENTZ (VI-30; XII-97); von PERSSIN (X-76); von PLÖN (V-16)


von RANTZAU (VII-39; XIII-105)


von SALEM (IV-13); von SCHACK (X-77; X-83; X-85; XII-95); von SCHAREN (XIII-109); von SCHARPENBERG (IX-71; X-79); von STOVE (III-6); von STAKE (XI-94); von STRALENDORF (XI-91)


von TORGAU (VIII-53)


von VÖLTZKOW (XIII-111)


von WACKERBARTH (VI-24; XII-99); von WAHLE (XIII-106); WITTE (S. 47; III-4)

von ZÜLE (V-14; VII-36; VIII-51; IX-66; XIII-108)






Nachtrag:


Harduicus, Harwicus


Kanonikus der Ratzeburger Kirche; er urkundet zwischen 1194 und 1210. 1194 ist Harduicus Raceburgensis ecclesie canonicus Zeuge bei der Verteilung der Stiftsgüter zwischen dem Bischof und seinem Domkapitel 965- 1210 ist Harwico canonicus Zeuge bei der Verlehnung des Dorfes Kükelühn in Wagrien nebst hebungen aus der oberen Mühle und dem Zoll in Lübeck an das St. Johannis-Kloster zu Lübeck durch Graf Albrecht von Holstein 966.


Wir wissen nicht welchem Geschlecht der Kanonikus Hartwig zuzurechnen ist. Als Kanaonikus wird er in dieser frühen Zeit aber sicherlich einem Adelsgeschlecht angehört haben. Nun ist der Name Ha