Beiträge zur Geschichte des Adels
im Herzogtum Sachsen-Lauenburg und angrenzenden Territorien

Eberhard Specht - Speyer / Rhein 2020

 

                 

6. Die von Schorlemer / Schorleke (1196/1200 – 1476+)
im Herzogtum (Sachsen-)Lauenburg



Wappen, Herkunft und Besitz


Zu den Namen, die nach der Überwindung der Teilung Deutschlands in das Bewusstsein vieler Eingang gefunden haben, gehört die von Friedrich von Schorlemmer, Nachfolger Martin Luthers im Amte an der Schlosskirche zu Wittenberg. Er entstammt einem alten uradeligen Geschlecht aus Westfalen, das seinen Namen nach der Wüstung +Scurlingesmari, zwischen Warendorf und Sendenhorst, trägt 1 . Dort, im mittleren Westfalen am östlichen Hellweg, beerbte es das Geschlecht von Friedhardskirchen in der Lippstädter Gegend. Die Familie stand in Beziehung zu den Grafen von Arnsberg 2 .


Das Geschlecht erscheint in Westfalen erstmals 1217 mit Reinfridus de Surlemere, der am 14.05. bzw. 03.07. als Zeuge für den vor einem Kreuzzug ins Heilige Land stehenden Grafen Gottfried II. von Arnsberg (+v. 1239) auftritt 3. Vielleicht war auch Reinfrid aus Kreuzzugsabsichten nach Arnsberg gekommen und befand sich deshalb im Gefolge des Grafen 4. Möglicherweise ist dieser Reinfrid noch identisch mit Remfridus de Scorlemere, der 1238 als Zeuge bei Graf Bernhard III. von Lippe erscheint, als dieser einen Streit zwischen dem Kloster Loccum und Margarethe, der Witwe des Ritters Berthold schlichtet 5. Am 14.07.1267 ist ein Thydericus de Scorlinemere Zeuge bei Bischof Simon von Paderborn, als dieser eine Güterresignation genehmigt 6. Dieser Theodericus de Scurlemer erscheint um 1280 als Lehnsträger des Grafen von Ravensberg 7. Sein Zeitgenosse ist Reinfridus de Scorlemer, den die Urkunden zuerst am 18.11.1275 als Zeugen bei Graf Gottfried III. von Arnsberg (+1282) nennen 8. Am 31.03.1276 ist er Zeuge bei Burggraf Heinrich von Stromberg 9. Am 08.07.1294 urkundet Rentfridus de Schorlimere mit seinen Brüdern Tidericus und Temenus (Timmo) über ihre erzielte Einigung die Güter Welda und Klein Willebadessen betreffend 10. Am 10.10.1297 leistet das Stift Oedingen dem Ritter Reinfrid von Scorlenberg und dessen Sohn Reinfrid Währschaft über seine Güter in Westernkotten 11. Einen Tag später, am 11.10.1297 verleiht Graf Ludwig von Arnsberg seinem Ministerialen Remfried von Scorlenberg die an dessen Erbpachtgütern in Westenkotten anhaftende Vogtei 12. Dann besiegelt Simon zur Lippe am 01.03.1300 eine Schenkungsurkunde des Ritters Remfried von Schorlemer für Klein Kappel 13. In einer weiteren Urkunde erscheint Reinfried am 30.09.1300 als Zeuge bei Graf Ludwig von Arnsberg, als dieser eine Güterbelehnung Friedrichs von Hörde beurkundet 14. In einer zwischen 1302 und 1303 ausgestellten Urkunde erscheint Renfried mit seinem Bruder Dietrich gnt. Duysborgh und Söhnen Andreas und Renfried 15. 1311 ist er zusammen mit seinem Sohn Thimmo genannt. Sein Sohn Reinfried, wohl der schon 1301 und 1316 bezeugte, wird 1338 von Graf Gottfried IV. von Arnsberg mit einem Ministerialenhof in Erwitte und einer Ministerialenhufe in Ardey belehnt 16. Außerdem hat er Einkünfte u.a. in Westerkotten 17 als Arnsberger Vasallengut.


Der Leitname Reinfried erscheint noch im 15. Jahrhundert bei den westfälischen Schorlemer. So führt das westfälische Ritterschaftsverzeichnis von 1437 Reinfried von Schorlemer und seine Söhne Johann und Reinfried, sowie Reinfried von Schorlemer gnt. Klusener auf 18. Der westfälische Zweig der Schorlemer blüht noch heute.



Stemma: von SCHORLEMER (Westfalen)


Das Wappen der westfälischen Schorlemer zeigt im Schild in Rot einen auf beiden Seiten abwechselnd gezinnten schrägrechten, silbernen Balken 19, während die lauenburgischen Schorlemer/Schorleke im Schild einen Pfau führten 20.



Wappen von SCHORLEMER (Westfalen)


In die Grafschaft Ratzeburg kamen die Schorlemer – wie die von Ritzerau und andere – bereits im 12. Jahrhundert an der Spitze jener westfälischen Kolonisten, von denen Helmold von Bosau 21 berichtet. Im Herzogtum Sachsen-Lauenburg variiert dann die Schreibweise des Geschlechtsnamens erheblich. Mir ist kein Adelsgeschlecht bekannt, dessen Name eine solche Vielfalt von Variationen aufweist wie das der Schorlemer. Der Name erscheint hier als SCHORLEMER, SCHURLEMER, SCURLEMER, SCURREM, SCORLEMERE, SCHORLEMERE, SCORLEMORLE, SCHORLEMURE, SCHORLIMERE, SCHORLEMORLE, SCHORTELSMURLE, SCORLEKE, SCHORLEKE. Die Schorlemer/Schorleke waren nach Ausweis der Urkunden dasselbe Geschlecht wie der Herren „von SEEDORF“ am Schaalsee 22. Sein Verbreitungsgebiet ist begrenzt geblieben.



Wappen von SCHORLEKE (Lauenburg)
(links: Schorleke, Mitte Siegel Ludolfs (V), rechts von Hahn)


Zum Teil wird die Herkunft der Schorleke im Herzogtum Sachsen-Lauenburg als „unbekannt“ angesehen, da weder Wappen noch Geschlechtsname bekannt seien 23. Dies ist jedoch nicht richtig, da wir das Wappen Detlefs von Seedorf kennen 24. Aufgrund dieses Wappens rechnen von Kobbe 25 und Bertheau 26 die von Seedorf zu den Schorleke, die einen Pfau als Wappenbild führten. Abweichend giebt Siebmacher das Hahnenwappen der Familien von Hahn/von Dechow/von Bibow/von Hardenack 27 . Vergleicht man indes die Wappenbilder der Schorleke und der von Hahn mit dem Detlefs von Seedorf, so ist zwar eine eindeutige Identifizierung nicht möglich, doch scheint die Ähnlichkeit mit dem Wappenbild der von Hahn geringer als mit dem der Schorleke. Auch mir scheint es daher wahrscheinlicher, dass die Schorleke und von Seedorf ein und dasselbe Geschlecht sind und dieses wiederum identisch ist mit den Schorlemer.


Besitz:

1. Abbendorf (Juliusburg): Abenthorp gehörte ehemals der Familie Wulf von Schwarzenbeck, 1328 zum Ksp. Gülzow gelegt, 1416 verpfändete Wulf das Dorf an Otto Schack, 1441 herzoglich 28

2. Bakendorf (Ksp. Hagenow): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I) , Ende des 13. Jhdts. Besitz der von Blücher (1297) Wipertus „de Bakenthorp“

3. Bantin (Ksp. Zarrentin): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I), Verlust vor 1257, damals verkaufte es Friedrich von Vellahn (von Hagenow) an das Kloster Zarrentin

4. Bartelsdorf : vmtl.von den Schorlemer angelegt, 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I), 1328 zum Ksp. Gülzow gelegt 29 , 1348 Schenkung einer Kornhebung durch Ludolf (V), 1447 verpfändete Otto (II) Schorleke (nicht „Schönböke“) das Dorf an Hartwig (III) von Parkentin 30

5. Beidendorf (Ksp. Krummesse): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I), Verlust vor 1293

6. Benzin (Ksp. Rehna): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I)

7. Blankensee (Ksp. Grönau): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I), Verlust vor 1293

8. +Campenwerder (Ksp. Lassahn): 1230 Besitz Graf Gunzelins von Schwerin, kam dann in den Besitz der Ratzeburger Kirche, vor 1330 Pfandbesitz der Familie „von Seedorf“, 1340 an Herzog Erich V 31

9. Echem (Landkreis Lüneburg): ursprünglich Besitz der Herren von Echem; die Schorleke Otte, Achym, Hinrik, David) verkaufen ihren Besitz 1443

9. Garlstorf (Landkreis Harburg): 1444 erhebt Otto (II) Schorleke Ansprüche auf einen Hof

10. Granzin : 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I)

11. Hasenthal (Ksp. Hamwarde): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I), Vorwerk von Gülzow,
später Besitz der Schack

12. Kembz i. H.: 1267 verkauft Ludolf (II) Hufen in Kembz

13. Krützen (Ksp. Lütau): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I), später Besitz der Schack

14. Lauenburg : Burgsitz der Schorlemer/Schorleke, die sich auch „von Lauenburg“ nannten;
1365 Verkauf des Sees bei der „Oo“ an die Kalands-Brüder in Lauenburg

15. Neuengamme : 1309 verkauft Reinward (III) den Zehnten aus 2 Hufen an das Kloster
Reinbek, Herzog Erich bestätigt den Verkauf

16. Püttelkow (Ksp. Wittenburg): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I), Verlust vor 1282, da damals Dietrich von Püttelkow das Dorf dem Kloster Zarrentin verkauft

17. Schattin (Ksp. Grönau): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I)

18. Schulendorf (Ksp. Gülzow): vmtl. von den Schorlemer angelegt, 1230 Zehntenbesitz
Reinfrids (I), 1656 durch von Bodeck an Herzog Julius Heinrich abgetreten

19. Seedorf : nach diesem Besitz am Schaalsee nannte sich im 14. Jhdt. Eine Linie des Geschlechts

20. Stintenburg (Ksp. Lassahn): vor 1330 Pfandbesitz der Familie „von Seedorf“

21. +Turkowe (Ksp. Neuenkirchen): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I)

22. Wangelau (Ksp. Lütau): 1230 noch wendisch, besaß im Mittelalter eine Kapelle,
1417 Verkauf durch Ludolf (?VII)

23. +Wendisch-Seedorf (Ksp. Seedorf): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I), 1292 ist der Ort nicht mehr genannt

24. Witzeetze (Ksp. Büchen): 1230 Dorf mit 20 Hufen, vor 1358 Besitz von Johannes Wotzetzen, 1393 Besitz von Clawes „Wytzeeken“, 1419 verkauft Ludolf (VII) Schorleke das Dorf Wutzetze“ an Herzog Erich V 32

25. Wulfsdorf (Ksp. Krummesse): 1230 Zehntenbesitz Reinfrids (I), Verlust nach 1248/vor 1293




Stammfolge:



Stemma: von SCHORLEMER / SCHORLEKE



Die erste Generation:



Ludolf (I) von SCHORLEMER


(I – 1); nobilis, urk. 1196/1200 – 1201 - In der Grafschaft Ratzeburg ist Ludolfus (I) de Scorlemer gegen Ende des 12. Jahrhunderts der erste Vertreter seines Geschlechts. Er ist zwischen 1196/1200 Zeuge, als Bischof Isfried von Ratzeburg die Schenkungen der Gräfin Adelheid über das Dorf Walksfelde bestätigt 33. Dann nimmt er noch einmal 1201 im Gefolge des Grafen Adolf II. von Schauenburg (1164-1225) an der Diözesansynode des Bistums in Hamburg teil 34. Hier wird er verderbt als Ludolfus de „Scurrem“ bezeichnet.


Kinder:

  1. Reinfrid (I) > II - 2




Die zweite Generation



Reinfrid (I) von SCHORLEMER


(II – 2); nobilis Ritter, Sohn Ludolfs (I), nennt sich de Scurlemer, de Schorlemure, de Scorlemere, de Louenborch, urk. 1210/1230 - Reinfrid (I) stand schon früh in Beziehungen zum dänischen Statthalter über die Grafschaften Holstein und Ratzeburg, Graf Albrecht von Orlamünde. In der Zeugenliste am 04.12.1210, in der der Graf dem Lübecker Johanniskloster das Dorf Kükülühn in Wagrien und Hebungen aus Lübeck verleiht, ist Reinfridus Scurlemer erster Zeuge nach den Hofbeamten 35. Zwischen 1210 und 1214 ist er Zeuge im Gefolge des Grafen, als dieser dem Lübecker Domkapitel die halbe Mühle zu Seedorf im Lande Dartzow (Dassow) schenkte 36 und 1212, als der Graf Reiner von Pinnows Stiftung aus Kirchwerder an die Hamburger Marienkirche bestätigte 37. Seit spätestens 1215 bekleidete Reinfrid (I) das wichtige Hofamt eines Truchsess bei Graf Albrecht von Orlamünde (1202-1225). Als Reinfridus dapifer bezeugt er 1215 die Bestätigung der von Heinrich dem Löwen dem Lübecker Bistum verliehenen Privilegien durch den Grafen 38 und 1216 ist er Zeuge bei der Belehnung Marquards von Stenwer mit einer Salzwiese und einem Teil der Probstei 39. 1217 bezeugt er die Bestätigung der Schenkung einer Hufe in Kirchwerder an die Marienkirche in Hamburg durch Dietrich, der jetzt das Truchsessamt am Hofe Albrechts von Orlamünde bekleidet 40. Das Reinfrid aber weiterhin bei Graf Albrecht von Orlamünde in hohem Ansehen stand, zeigt deutlich der Umstand, dass er bis zu dessen Sturz 1225 in den Zeugenlisten immer noch vor den Hofbeamten den Vorrang hatte 41. Als getreuer Parteigänger des Orlamünders wurde er von diesem offenbar reich belohnt, vor allem mit Lehen in dem dem Grafen 1208 zugefallenen Land Wittenburg 42.


An der Spitze der Zeugen steht Reinfrid (I) 1219, als Graf Albrecht der Kirche zu Ratzeburg den Zoll von 8 Last Salz erlässt und ihr das Dorf Schwartensee, 2 Hufen in Boissow, das Dorf Lockwisch, Güter in Goldensee und 5 Hufen in +Chemelin schenkt 43. Dann ist Reinfridus de Schorlemure am 01.01.1220 Zeuge, als der Graf der Domkirche in Lübeck 10 Drömbt Roggen schenkt 44. Am 08.07.1222 ist Reinfridus miles Zeuge, als sich Fürst Heinrich Borwin II. (1219-1226) von Mecklenburg und seine Söhne mit Bischof Heinrich I. von Ratzeburg (1215-1228) über die Zehnten in den Ländern Bresen und Dassow, sowie in Klütz und Tarnewitz vergleichen 45. Als Mitlober wirkt er am 04.07.1224 beim ersten Vertrag über die Freilassung König Waldemars II. (1202-1241) von Dänemark und dessen Sohnes mit 46. Dann ist er am 12.11.1224 Zeuge, als Graf Albrecht der Kapelle zu Hoibeke mehrere Hufen schenkt 47. Letztmals urkundend genannt ist Reinvridus de Schurlemer am 24.12.1224, als Graf Albrecht von Orlamünde der Stadt Hamburg ihre Rechte bestätigt 48.


Mit dem Sturz Albrechts von Orlamünde verschwindet auch sein Vertrauter Reinfrid (I) von Schorlemer aus den öffentlichen Urkunden. Seine Lehen allerdings konnte ihm niemand nehmen. Und die waren ausweislich des „Ratzeburger Zehntenlehensregisters“ von 1229/1230 beträchtlich 49. Der überaus ansehnliche, weit gestreute Zehntenbesitz Reinfrids (I) umfasste:


  • In Parrochia Crumesse / Im Kirchspiel Krummesse


94. Wulvestorp dimidiam decimam habet Reinfridus / Wulfsdorf Den halben Zehnt hat

Reinfried

95. Begenthorp dimidiam decimam habet idem Reinfridus / Beidendorf. Den halben

Zehnten hat derselbe Reinfried

99. Blankense. Reinfridus dimidiam tenet ab episcopo / Blankensee. Rinfried hat den halben

Zehnten vom Bischof

101.Scatin. Reinfridus dimidiam decimam habet ab episcopo / Schattin. Reinfried hat den

halben Zehnten vom Bischof


  • In Parrochia Sethorp /Im Kirchspiel Seedorf


37. In slauico Sethorp Reinfridus dimidiam decimam habet ab episcopo / In Wendisch

Seedorf hat Reinfried den halben Zehnten vom Bischof


  • In terra Godebuz / Im Land Gadebusch

In parrochia Rene / Im Kirchspiel Rehna


231.Bansin. Theodolfus I reliquam partem Episcopi Reinfridus / Benzin. Theodolf 1 (Hufe)

Den restlichen Anteil des Bischofs hat Reinfried


  • In terra Wittenburg / Im ande Wittenburg


132.Bantin (XVI). Reinfridus dimidiam decimam habebt ab episcopo / Bantin (16 Hufen).

Reinfried hat den halben Zehnt vom Bischof

166.Putlekowe XII. Johannes II, reinfridus IIII / Püttelkow, 12 Hufen. Johannes 2,

Reinfried 4


  • In Parrochia Nienkerken / Im Kirchspiel Neuenkirchen


138.Turkowe, (IX). dimidiam decimam habet Reinfridus / Türkow, 9 Hufen. Den halben

Zehnt hat Reinfried


  • In Parrochia Hagenowe / Im Kirchspiel Hagenow


171. Bakenthorp XII. Reinfridus dimidiam decimam habet / Bakendorf, 12 Hufen.

Reinfried hat den halben Zehnten

178.Grancin XII. Fridericus II. Reinfridus IIII / Granzin, 12 Hufen. Friedrich 2, Reinfrid 4


  • In terra Sadelbande / Im Land Sadelbande

Ad Cornu / Hohenhorn


399.Crutsem VII, Hasledale VIII, Sculenthorp V, Bertoldestorp V, harum uillarum decimas

habet Reinfridus ab episcopo / Krüzen 7 Hufen, Hasenthal 8 Hufen, Schulendorf 5

5 Hufen, Bartelsdorf 5 Hufen. Die Zehnten dieser Dörfer hat Reinfried vom Bischof


Dieser Besitz scheint von Belehnungen mit Land herzurühren, dessen Besiedlung die Schorlemer in eigenem Interesse angegriffen hatten und in dem sie daher auch grundherrliche Rechte besaßen 50. Der Besitz macht zugleich auch die Ausnahmestellung Reinfrids (I) von Schorlemer deutlich, da er mit den Zehnten in Bartelsdorf und Schulendorf – außer Lütau – die einzigen Zehnten im Nordteil der Sadelbande besaß, deren Zehnt vergeben worden war 51.


Reinfrid (I) ist vermutlich identisch mit dem nur ein Mal am 19.03.1248 als bereits verstorben bezeichneten Reinfridus de Louenborch, der etwas über 2 Hufen an der Stecknitz zwischen Lübeck und Wulfsdorf um seines Seelenheils willen dem Lübecker Heiligen-Geist-Hospital vermacht hatte. Der Widerstand seiner Söhne Reinfrid (II), Konrad und Ludolf (II) gegen diese Schenkung ihres Vaters konnte erst durch Vermittlung Herzog Albrechts I. von Sachsen (1212-1260) und Zahlung eines „Schmerzensgeldes“ von 12 Mk durch das Hospital überwunden werden 52.


Ob Reinfrid (I) darüber hinaus identisch ist mit dem am 14.05. und 03.07.1217 genannten gleichnamigen Ministerialen des Grafen Gottfried II. von Arnsberg 53 wie es das Register des Westfälischen Urkundenbuchs annimmt, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden, da die ebenfalls 1217 datierte Urkunde Graf Albrechts von Orlamünde kein Tagesdatum trägt. Wenn Personenidentität vorliegt, dann könnte er auch noch jener Remfridus de Scorlemere sein, der 1238 Zeuge ist, als Graf Bernhard III. von Lippe einen Streit zwischen dem Kloster Liesborn und Margarethe, der Witwe des Ritters Berthold schlichtet 54. Unzweifelhaft kommt aber in beiden Zweigen des Geschlechts, dem westfälischen und dem lauenburgischen, dem Rufnamen Reinfrid Leitnamenfunktion zu 55.


Nachdem der Besitzkomplex der Schorlemer um Beidendorf, Blankensee, Schattin und Wulfsdorf noch vor 1293 in andere Hände übergegangen war, verlagerte sich das Interesse des Geschlechts in den südlichen, den lauenburgischen Teil des Herzogtums, wo Reinfrid (I) bereits Burgmann in Lauenburg gewesen war. Dort kamen zu den bereits 1230 im Besitz der Schorlemer befindlichen Dörfer Bartelsdorf, Hasenthal und Schulendorf noch Abbendorf und Wangelau hinzu. Außerdem hatten die Schorlemer Besitz in Kembz (1267), Neuengamme (1309) und vor 1330 besaßen sie Kampenwerder und Stintenburg zu Pfand.


Kinder:

  1. Adelheid > III - 3

  2. Reinfrid (II) > III – 4

  3. Konrad > III – 5

  4. Ludolf (II) > III - 6


Die dritte Generation:



Adelheid von SCHORLEMER +nach 1264


(III – 3); vmtl. Tochter Reinfrids (I), Walter von PENTZ (gnt. 1219/1245), dem Zehnteninhaber von +Paniz, Klein Zecher, Progreß, Scharbow und Körchow - Als Angehörige er Familie von Schorlemer weist sie der Umstand aus, dass ihr zweitgeborener Sohn Reinfrid den Leitnamen dieses Geschlechts trägt. Bei der Tradition der Namensgebung im Mittelalter trugen die zweiten Söhne in der Regel den Rufnamen des mütterlichen Großvaters. Trifft dies auch bei der Familie von Pentz zu, dann war Adelheid am ehesten eine Tochter von Reinfrid (I) von Schorlemer 56. Adelheid wird noch 1264 als lebend genannt 57.


Kinder:

  1. Johann von PENTZ

  2. Reinfrid von PENTZ

  3. Ernst von PENTZ




Reinfrid (II) von SCHORLEMER


(III – 4); Sohn Reinfrids (I), urk. 1248 - Zusammen mit seinen Brüdern Konrad und Ludolf (II) widersetzt sich Reinfridus der Schenkung seines Vaters an das Lübecker Heiligen-Geist-Hospital. Erst nach Zahlung eines „Schmerzensgeldes“ von 12 Mk gibt er am 19.03.1248 seine Zustimmung 58. Danach hören wir von Reinfrid (II) nichts mehr. Wenn es sich erweisen sollte, dass der 1217 als Ministerialer Graf Gottfrieds II. von Arnsberg genannte Reinfrid 59 identisch ist mit Reinfrid (I), dann ist es denkbar, dass dessen Sohn Reinfrid (II) das Herzogtum Sachsen-Lauenburg, mit dem ihn nach dem Sturz des Grafen Albrecht von Orlamünde im Jahre 1225, der auch die Schorlemer, Pentz und andere Geschlechter mitgerissen hatte, nicht mehr viel verband, verlassen hat und in die Stammheimat des Geschlechts nach Westfalen zurückgekehrt ist.



Konrad von SCHORLEMER


(III – 5); Sohn Reinfrids (I), urk. 1248 – Conradus widersetzte sich zusammen mit seinen Brüdern Reinfrid (II) und Ludolf (II) der Schenkung seines Vaters an das Lübecker Heiligen-Geist-Hospital. Erst nach Zahlung eines „Schmerzensgeldes“ von 12 Mk gibt er am 19.03.1248 seine Zustimmung 60. Danach hören wir von Konrad nichts mehr. Vermutlich kehrte auch er in die Stammheimat seines Geschlechts zurück.



Ludolf (II) von SCHORLEMER


(III – 6), Ritter, Sohn Reinfrids (I), nennt sich de Scorlemorle, de Scorlemer, de Schortelemurle, urk. 1248/1278 – Mit Ludolf (II) setzt sich das Geschlecht im Herzogtum Sachsen-Lauenburg fort. Zusammen mit seinen Brüdern Reinfrid (II) und Konrad widersetzte er sich der Schenkung seines Vaters an das Lübecker Heiligen-Geist-Hospital. Erst nach Zahlung eines „Schmerzensgeldes“ von 12 Mk gibt er am 19.03.1248 seine Zustimmung 61. Nach einer längeren Pause urkundet Ludolf (II) am 15.06.1266 als Ludolfus Schortelemurle bzw. Scorlemorle, als die Herzöge Johann I. und Albrecht II. von Sachsen dem Kloster Scharnebeck 3 ½ Hufen in Hitzacker übertragen und ihm Zollfreiheit gewähren 62. Am 12.05.1267 hatte Ludolf Scorlemer 10 Hufen in Kembz an das St. Johannis-Kloster in Lübeck verkauft, die Graf Gerhard von Holstein am 12.05.1267 gegen solche in Sülsdorf vertauschte 63. Zwischen 1271 und 1274 ist Ludolfus Scorlomorle unter den Schiedsrichtern beim Vergleich Herzog Johanns von Braunschweig mit den Herzögen Johann I. und Albrecht II. von Sachsen, nach welchem letztere versprachen, die Burg Blekede niederzubrechen und nicht wiederaufzubauen. Die offene Stadt und den Zoll zu Esslingen sollten sie jedoch behalten 64. Ludolf (II) erscheint dann am 22.09.1272 als Ludolfus Scorlemere 65 und am 20.03.1278 ist Ludolfus Scorlemorle unter den Zeugen, als Herzog Johann I. den Lüneburgern eine Zollrolle erteilt 66. Letztmals genannt ist Ludolfus de Scorlemer am 18.10.1278 beim Verkauf der Dörfer Dechow und Utecht an das St. Johannis-Kloster zu Lübeck 67.


Kinder:

  1. Reinfrid (III) > IV – 7

  2. Ludolf (III) > IV - 8




Die vierte Generation



Reinfrid/Reynward (III) von SCHORLEMORLE/SCHORLEKE


(IV – 7); Ritter, Burgmann, nennt sich de Schorlemer(e), de Schorlemorle, Schorleke, Scorlemorle, herzogliche sachsen-lauenburgischer und lüneburgischer Vasall, urk. 1280/?1322 - Reinfrid (III, Reinward) ist zwischen 1280 und ?1322 genannt. Am 02.11.1280 bezeugt als Reywardus de Schorlemere, Burgmann in Lauenburg, das Versprechen Herzog Johanns I., den gerichtlichen Zweikampf aufzuheben und keine willkürlichen Abgaben mehr zu erheben 68. Dann ist Reynfridus „Schulche“ am 01.05.1293 unter denen, die die Auflassung der Dörfer Beidendorf, Blankensee und Wulfsdorf – Dörfer, die ehemals im Besitz der Schorlemer gewesen waren – an Gottfried von Cremun bezeugen 69. 1300 begegnet er als Reinvard Schorlemorle 70 und am 16.01.1302 ist er als Reynfridus Scorlemorle in Lauenburg Zeuge, als die Herzöge Johann II. und Albrecht III. der Stadt Mölln ihre Privilegien und das Lübsche Recht bestätigen und ihr das Dorf Pinnow schenken 71. Dann bezeugt er am 21.05.1302 in Ratzeburg die lehnrechtliche Bestätigung des Verkaufs des Dorfes Groß Mist an das Domkapitel zu Ratzeburg durch die Erben des Gottfried von Cremun 72 sowie die Zustimmung der Herzöge Johann II. und Albrecht III. zum Tausch von 11 ½ Hufen in Schlagsdorf und 2 Hufen in Schlagbrügge gegen Güter in Alten- und Neuengamme durch Siegfried vom Broke mit dem Domkapitel in Ratzeburg 73. Am 19.02.1306 ist Reinfrid (III) Zeuge, als die askanischen Herzöge dem Kloster Reinfeld den Zehnten von 4 Hufen in Neuengamme verkaufen 74. Reinfrid erscheint hier erstmals unter dem Namen SCORLEKE, wodurch erwiesen ist, dass die lauenburgischen Schorlemer und die Schorleke identisch sind. Dann ist er am 08.09.1307 als Reinuertus Scorlemorle unter den Zeugen, als die Herzöge Albrecht III. und Erich I. dem Domkapitel zu Ratzeburg das Eigentum der von den Brüdern von Lassan erworbenen 6 ½ Hufen in Schlagsdorf verkaufen 75. Am 12.03.1308 ist Reynward Scorlemorle Mitlober beim Erbvertrag der Herzöge Rudolf I., Albrecht und Wenzeslaus von Sachsen-Wittenberg mit ihren lauenburgischen Vettern Johann II., Albrecht III. und Erich I. 76. Als Reinfridus Scorlemorle bezeugt er dann am 05.12.1308 die Verlehnung des Burglehens in Dutzow durch Herzog Erich I. von Sachsen-Lauenburg an die Brüder Konrad, Heinrich (III) und David (I) Wackerbarth 77. Dann wird Reinfrid (III) am 12.02.1309 beim Verkauf von 3 Hufen in Wohltorf durch die Brüder Hermann (II), Marquard (II) und Johann (I) von Lasbek an das Kloster Reinbek 78 und in einer Urkunde desselben Jahres ohne Tagesangabe, in der Herzog Erich I. den Verkauf des Zehnten aus 2 Hufen in Neuengamme an das Kloster Reinbek bestätigt 79, genannt. In der letzteren Urkunde ist er Burgmann in Lauenburg. Reynwardus Scorlemorle ist am 24.09.1319 erster Zeuge, als Herzog Erich I. dem Kloster Zarrentin gestattet, auf dem Teiche bei der Buchhorster Mühle einen Prahm zur Überfahrt zu halten 80. Letztmals genannt ist Reywardus Scorleke als lüneburgischer Vasall in einer um 1322 ausgestellten Urkunde bei der Klage Herzog Rudolfs I. von Sachsen-Wittenberg (1298-1356) gegen Herzog Otto I. von Braunschweig und Lüneburg (1213-1252) 81.


Kinder:

  1. Ludolf V > V – 10

  2. Johann > V - 11



Ludolf/Ludeke (III) SCHORLEKE


(IV – 8); Ritter, herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1312 – Der am 27.12.1312 unter den Rittern genannte Ludolfus (III) Scorleke miles, die Herzog Erich I. von Sachsen-Lauenburg verprechen, dass der Ritter Otto Holste das Eigentum und den Zehnten zweier Höfe in Neuengamme von dem Kloster Reinbek innerhalb dreier Jahre wieder einlösen soll 82, war vielleicht Reinfrids (III) Bruder. Jedenfalls kann er nicht mit dem 1324 zuerst genannten Knappen Ludolf (V) gleichgesetzt werden. Vielleicht haben wir in ihm den Begründer der sich nach Seedorf/Schaalsee nennenden Linie vor uns.


Kinder (vmtl.)

  1. Detlev > V – 13

  2. Ludolf (VI) > V -14



Ludolf (IV) SCORLEKE


(IV – 9), Er ist am 14.12.1317 als „canonikus Bremensis“ genannt 83. Seine Einordnung in die Genealogie des Geschlechts ist nicht möglich.




Die fünfte Generation



Ludolf (V) SCHORLEKE


(V – 10), Knappe (1324), Ritter (1341), herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1324/1348 - Ludolf (V) urkundet erstmals am 18.09.1324 als Ludolfus Scorleke famulus beim Vergleich Herzog Erichs I. von Sachsen-Lauenburg mit dem Kloster Reinfeld über den Grundzins der Klosterländereien in Neuengamme 84. Am 29.09.1325 ist er zugegen, als der Herzog die Freiheiten des Klosters Cismar bestätigt 85 und am 29.08.1328 beurkunden Ludolf Schorleke und Johannes von Wittorp, dass Bischof Marquard von Ratzeburg ihre Dörfer Bartelsdorf und Abbendorp (Juliusburg) zum Kirchspiel Gülzow gelegt hat 86. Dann sind die Brüder Ludolfus (V) und Johannes Scorleken milites am 17.05.1341 Zeugen, als Herzog Erich I. den Lüneburger Bürgern eine Zollrolle erteilt 87. Ebenfalls mit seinem Bruder Johann ist her Ludeke Scorleke am 25.07.1344 zugegen, als die Herzöge Erich I. d. Ä. und Erich II. d. J. den Lüneburgern Rechte und Freiheiten zusichern 88. Letztmals genannt wird strenuus miles Ludolfus dictus Scorleke am 17.09.1348, als Herzog Erich II. seine Schenkung einer Kornhebung von jährlich 1 Maß Weizen und 1 Maß Hafer aus seinem Dorf Bartelsdorf der Kirche in Lauenburg für sein Seelenheil bestätigt 89. Der Urkunde hängt sein rundes Siegel an. Es zeigt auf dem Schilde einen stehenden nach rechts schreitenden Pfau und die Umschrift zwischen feingeperlten Kreisen ... LVDOLFI x SCORLEMORL(E) 90


Kinder (vmtl.):

  1. Ludolf (VII) > VI - 15

Siegel Ludolf (V) SCHORLEKE



Johann (I) SCHORLEKE


(V – 11); Ritter, herzoglich sachsen-Lauenburgischer Vasall, urk. 1341/1348 - Der zischen 1341 und 1348 genannte Ritter Johann Schorleke wird eher Bruder denn Sohn Ludolfs (V) gewesen sein. Erstmals genannt ist her Johann Scorleke riddere am 17.05.1341 zusammen mit Ludolf (V) als Zeuge, als Herzog Erich I. den Lüneburger Bürgern eine Zollrolle erteilt 91. Am 19.02.1344 ist her Johan Scorleke, ridder unter den Getreuen Herzog Erichs II., als dieser sich dem schiedsrichterlichen Urteil des Herzogs Otto von Braunschweig und Lüneburg über den Zoll zu Esslingen fügt 92. Dann ist her Johan Scorleke am 25.07.1344 bei der Zusicherung der Rechte und Freiheiten für die Lüneburger Bürger zugegen 93. Als Ludolf (V) am 17.09.1348 eine Kornhebung aus Bartelsdorf schenkt, ist Johann unter den Zeugen 94. Letztmals genannt wird er am 20.10.1348, als Herzog Erich II. dem Kloster Reinbek für 290 Mk den Hof zu Escheburg verkauft 95.



Johannes WOTZETZEN +v. 1358


(V – 12); starb vor 1358, seine Witwe Margarete NN. heiratete in zweiter Ehe Johannes von SALEM. Das Domkapitel zu Ratzeburg löste von ihr 1358 gegen Erlegung von 5 ½ Mk ein Ackerstück genannt die „Klotesfelder Horst“ wieder ein 96. Die Einordnung von Johannes Wotztzen in die Stammtafel Schorlemer/Schorleke ist nicht sicher. Dass er aber dort hinein gehört, belegt schon Clawes von Witzeetze, der unzweifelhaft zur Familie gehört. Vielleicht ist Johannes personengleich mit Johann (I) Schorleke, von dem wir nach 1348 keine Nachrichten mehr haben.



Detlev (I) von SEEDORF


(V – 13), Ritter, herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1339/1343 - Als Zeitgenossen von Ludolf (V) und Johann Schorleke tritt uns ein Geschlecht entgegen, das sich nach seinem Wohnsitz „von SEEDORF“ nennt und das nur durch wenige Urkunden belegt ist. Es ist zu unterscheiden von der gleichnamigen holsteinischen adeligen Familie in Seedorf bei Segeberg 97. Sicher in Seedorf am Schaalsee begütert waren die Brüder Dethleuus (I) miles et Ludeko (VI) armiger, frates de Sedorpe, die am 12.04.1339 über eine zwischen ihnen und der Stadt Lübeck geschlossene Sühne urkunden 98. An der Urkunde hängt Detlevs Siegel. Es zeigt auf stehendem Schilde einen nach rechts schreitenden ?Pfau und die Umschrift (+) S’ DETLEVI . DE . SEDORP 99.


Siegel Detlevs von SEEDORF (1339)


Detlev von Seedorfs Burganlage in Seedorf gehört dann zu denen, die im Zuge der Fehde von 1349 zerstört und nicht wieder aufgebaut wurden 100. Wo diese Anlage gelegen hat, ist nicht sicher auszumachen. Bis heute ist es nicht gelungen, irgendeinen gesicherten archäologischen Anhalt für das Vorhandensein einer Burganlage der Herrn von Seedorf in Seedorf selbst zu finden. Dass es indes eine solche gegeben hat, dafür spricht vielleicht der Name „Burgberg“, den der westlich von Seedorf gelegene Kopf der Halbinsel „Zuckerhut“ zwischen Priestersee und Schaalsee trägt. Hier erhebt sich ein etwa 8 m hoher Hügel über den See, der einen weiten Blick über Land und See gewährt. Befestigungen sind bislang nicht nachgewiesen, doch das Plateau scheint eingeebnet zu sein und auch Wall und Graben deuten sich an. Zur Landzungenspitze fällt der Burghügel steil ab. Hinweise zum möglichen Alter liegen allerdings nicht vor 101 .


Lage der Burganlagen im Bereich Seedorf und Groß Zecher


Seedorf: Großer Burgberg (Dähn)


Seedorf: Großer Burgberg (Lageplan, bei Dähn)



Mit wem Detlev (I) von Seedorf verheiratet war, wissen wir nicht. Seine Kinder waren vermutlich


  1. Heyne (I) > VI - 16

  2. Detlef (II) > VI - 17




Ludeke/Ludolf (VI) „SCHORLEKE“ / von SEEDORF


(V – 14); Knappe, urk. 1339 - Ludeco armiger de Sedorpe urkundet allein am 12.04.1339 zusammen mit seinem Bruder Detlev (I) 102. Vermutlich ist er aber identisch mit dem am 22.04.1343 als Scorleke armiger dictus de Zedorpe genannten Bruder von Detlev (I) 103. Dies lässt jedenfalls die Art der Nennung von Detlef (I) und Ludeke (VI) bzw. „Schorleke“ in den Urkunden von 1339 und 1343 vermuten. Dass „Schorleke“ jedenfalls kein Rufname ist, dürfte unbestritten sein.




Die sechste Generation



Ludeke/Ludolf (VII) SCHORLEKE


(VI – 15); Knappe, herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1360/1375 - Am 10.08.1360 urkundet er zusammen mit Heinrich (II) von Zecher, Heyne (I) Schorleke und anderen in Helsingborg bei der Aussöhnung der Herzöge von Mecklenburg und Sachsen-Lauenburg 104. Hern Ludeken Scorleken gestehen dann am 22.06.1365 die gemeinen Kalands-Brüder zu Lauenburg das Recht zu, den See bei der „Oo“, den er ihnen verkauft hat, innerhalb von 20 Jahren für 30 Mk zurückzukaufen 105. Am 05.03.1375 erklärt Ludeke Schorleke, knape, zusammen mit Bosse von der Chartowe, Henneke Schacke, Otto Schacke und Detlev (I) Gronow, dass die Fehde der Stadt Lübeck mit Herzog Erich IV. von Sachsen-Lauenburg und den Schacken bis acht Tage nach Ostern ruhen soll, um dann durch Verhandlungen ausgeglichen zu werden 106. Sein rundes Siegel 107 zeigt auf stehendem Schilde einen nach rechts schreitenden Pfau – ähnlich dem bei Ritter Ludolf (V) von 1348 – und die Umschrift zwischen undeutlichen Kreisen: + S’ LVDOLFI SCORLEKEN.


Kinder (vmtl.):

  1. Clawes > VII - 18

  2. Otte (I) > VII – 19



Heyne/Heinrich (I) SCHORLEKE „von SEEDORF“


(VI – 16); Ritter, herzoglich-sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1360/1363 - Der Ritter Heyne Schorleke van Zedorpe wird erstmals am 10.08.1360 zusammen mit Ludeke (VII) vor Helsingborg genannt 108. Am 02.10.1363 gelobt er zusammen mit Detlev (I) Schorleke seinem Lehnsherrn, auf Aufforderung zu zwei Terminen, jedes Mal mit 50 Mann, acht Tage auf eigene Kosten diesseits der See zu dienen, wenn er sie zwei Wochen zuvor auffordert 109.


Kinder (evtl.):

  1. Tochter N > VII - 21



Detlev (II) SCHORLEKE „von SEEDORF“


(VI – 17), Knappe, herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1363 - Am 02.10.1363 gelobt er zusammen mit Heyne (I) Schorleke seinem Lehnsherrn, auf Aufforderung zu zwei Terminen, jedes Mal mit 50 Mann, acht Tage auf eigene Kosten diesseits der See zu dienen, wenn er sie zwei Wochen zuvor auffordert 110.




Die siebente Generation:



Clawes von WYTZEEKEN/WUSSEKE


(VII – 18), Knappe, herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1393 - Clawes Wusseken ist am 18.10.1393 in Niehuus unter den Zeugen, als erzog Erich III. auf dem Landding zu Urnehöved auf alle Ansprüche auf das Herzogtum Schleswig verzichtet 111. Am 12.96.1393 ist Klaus Wytzeeken in Panten Zeuge, als Herzog Erich III. Bischof Gerhard von Ratzeburg das von Gottschalk von Züle und dessen Neffen Make erkaufte Lehngut Steinburg zu vollem Eigentum überlässt 112. Clawes, der ohne Zweifel zur Familie Schorleke gehört, nannte sich nach seinem Wohnsitz Witzeetze bei Büchen.



Otte (I) SCHORLEKE


(VII – 19), herzoglich sachsen-lauenburgischer Lehnsmann, urk. 1396 - Otte (I) Schorleke – „Papa Otto“ genannt - schwört 1396 - zusammen mit Tzabel, Heinrich Bromes, Klaus Halewat und Henneke Schulze – der Stadt Hamburg Urfehde 113.



Heyne/Heinrich (II) SCHORLEKE


(VII – 20); Knappe, herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1391/1394 - Am 08.08.1391 ist Heyne Schorleke unter den Eideshelfern, als der Knappe Klaus Bonenzak der Stadt Lübeck Urfehde schwört 114. Der Urkunde hängt Heynes rundes Siegel an. Es zeigt auf stehendem Schild den nach rechts schreitenden Pfau und zwischen glatten Kreisen die Umschrift: + S’ ... SCORLEK ... 115. Am 05.06.1393 ist er Treuhänder Herzog Erichs IV. von Sachsen-Lauenburg, als Arnd von Lützow in den Dienst des Herzogs tritt und auf alle Ansprüche an diesen und Ulrich von Pentz verzichtet 116. Dann ist er am 28.09.1394 Zeuge, als Herzog Erich IV. und der Knappe Hinrik von Grönau als Vormünder für die minderjährigen Kinder von Hinrchs Bruder Detlev (I), dem Lübecker Bürger Ludeke Drynnyng zum Behuf einer Vikarie in der Marienkirche zu Lübeck eine Rente von 24 Mk aus dem Dorf Buchholz (Ksp. St. Georgsberg) und Renten aus Albsfelde, Behlendorf und Harmsdorf verkaufen 117. Die Urkunden sagen nichts darüber aus, wo Heyne (II) Schorleke begütert war. Sein Wirkungsfeld liegt offenbar im nördlichen Teil des Herzogtums Sachsen-Lauenburg. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass er noch über Besitz in Seedorf verfügte.



N. SCHORLEKE „von SEEDORF“


(VII – 21); sie war vmtl. eine Tochter Heynes (I) 118 und brachte zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt nach 1360 durch ihre Ehe mit (?Detlev) von SCHARPENBERG Seedorf an die Scharpenberg.




Die achte Generation:



Ludolf (VIII) SCHORLEKE +v. 1443


(VIII – 22), herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1417/1419 - Ludolf (VII) verkauft 1417 sein Dorf Wangelau und 1419 das Dorf Witzeetze an Herzog Erich V. 119


Kinder (vmtl.):

1. Otte (Otto II) > IX-23

2. Achym > IX-24

3. Hinrik (III) > IX-25

4. David > IX-26



Die neunte Generation:



Otto (II) SCHORLEKE


(IX – 23), Knappe, herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, Vogt von Trittau, urk. 1441/1447 -


Otte (II) Schorleke ist 1441/1444 Vogt in Trittau. Am 02.05.1441 ist Otte Schorleke „nu tor tidt voghet to Trittowe“ Mitgelober bei Vollert Heest zu Tremsbüttel, als dieser dem Lübecker Kleriker Johannes Swin 14 Mk Renten aus Klein Hansdorf im Kirchspiel Bargteheide verkauft 120. 1443 verzichtet er mit seinen Brüdern Achim, David und Heinrich auf alle Ansprüche an Güter in Echem, um die die Schorleke mit dem Koster Scharnebeck in Streit lagen 121.


1444 erhebt er Ansprüche auf einen Hof in Garlstorf südlich Harburg, ein Hinweis, dass die Schorleke wohl auch südlich der Elbe begütert waren. 1447 schließlich verpfändet er sein Dorf Bartelsdorf an Hartwig von Parkentin 122.



Achym SCHORLEKE


(IX – 24); herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1443 - zusammen mit seinen Brüdern Otte (II), Heinrich und David verzichtet er auf alle Ansprüche an Güter in Echem, um die die Schorleke mit dem Koster Scharnebeck in Streit lagen.



Heinrich (III) SCHORLEKE


(IX – 25); Kanppe, herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1443/1463 - 1443 verzichtet er mit seinen Brüdern Otte (II), Achym und David auf alle Ansprüche an Güter in Echem, um die die Schorleke mit dem Koster Scharnebeck in Streit lagen.


Hinrick (III) Schorleke gehörte zu denen, die die Sicherheit der Landstraße bedrohten. Dies ergibt sich aus einer auf dem 27.07.1463 (nicht 1464!) datierten Urkunde, in der der Rat zu Hamburg den Rat zu Lübeck um Entsendung von Truppen in den Wunnekenbruk zur Vereinigung mit den Hamburger Truppen ersucht, um einen Raubüberfall durch Johann Wulff, Hinrick Schorleke, Kruse Hermann, Hinrik Kampow, Herman Große, Titcke Korff u. a. zu verhindern 123. Herzog Johann V. von Sachsen-Lauenburg bittet den Rat zu Lübeck am 22.12.1463 um Aufschub zur Klärung des Gerüchts über die Beteiligung des Hinrik Schorleke an dem Raubüberfall auf Kaufleute im sog. Öhr im Wunnekenbruk bis zur Genesung Hinriks von einer Krankheit 124.



David SCHORLEKE


(IX – 26), herzoglich sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1443/1476 – 1443 verzichter er zusammen mit seinen Brüdern Otte (II), Axhym und Hinrik auf alle Ansprüche an Güter in Echem, um die die Schorleke mit dem Koster Scharnebeck in Streit lagen. Als ?ULTIMUS GENTIS bezeugt David Schorleke am 18.02.1476, dass ihm zur Befreiung aus Not und Gefangenschaft der Propst des Klosters Reinbek, Johann Eggers, 40 rhein. Gulden geliehen hat, rückzahlbar nach Ostern des laufenden Jahres. Für den Fall, dass er die Rückzahlung nicht rechtzeitig leisten sollte, verpfändete David mit Zustimmung Herzog Johanns IV. seine Hufe Landes „bilegen twiscchen Hartich (III) Parkentins houe und her Schacken houe landes“, wie er und seine Eltern es vorher lange besessen haben 125.


Stemma: von SCHORLEMER / SCHORLEKE



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Namensregister


Achym IX-24

Adelheid III-3


David IX-26

Detlev (I) “von Seedorf” V-13; (II) VI-17


Heyne (Heinrich) (I) “Schorleke von Seedorf” VI-16; (II) VII-20; (III) IX-25



Johann V-11; “von Wotzetzen” V-12


Clawes „von Witzeetze“ VII-18


Konrad III-5


Ludolf, Ludeke (I) I-1; (II) III-6; (III) IV-8; (IV) IV-9; )V) V-10; (VI) „Schorleke

von Seedorf” V-14; (VII) VI-15; (VIII) VIII-22


Otte (I) VII-19; (II) IX-23


Reinfried (I) II-2; (II) III-4; (III) IV-7


Tochter VII-21



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Fußnoten

1 Witte S. 86; Westermann Phil. Diss., Münster 1951, S. 205

2 WUB VII, 134, 136; Westermann aaO. S. 205f) bzw. der Edelherren von Lippe (WUB VII, 468; vgl. Höm

berg „Giselbert von Warendorp“

3 WUB VII, 134, 136

4 Westermann aaO. S. 205

5 WUB VII, 468

6 WUB IV, 1118

7 WUB VI, 1206

8 WUB VII, 1545

9 WUB VI, 1064

10 WUB IV, 2298

11 WUB VII, 2428

12 WUB VII, 2429

13 WUB IV, 2605

14 WUB IV, 2625

15 WUB IX, 5

16 Seib, UB II, 665 S. 293 Z. 29

17 Seib, UB II, 665 S. 289 Z. 351

18 Westermann aaO. S. 206

19 Siebmacher S. 365 Tf. 415

20 Siebmacher S. 95 Tf. 53; Milde Tf. 16

21 Helmold von Bosau I, 92

22 Bertheau „Uradel“ in AVL Bd 10, 1911, S. 43

23 Neuschäffer S. 175

24 Milde 4. Heft S. 139, Tf. 14 Nr. 201

25 von Kobbe III S. 336

26 Bertheau „Uradel“ in: AVL Bd. 10, 1911, S. 43

27 Siebmacher S. 39 Tf. 56; vgl. Tafeln 6, 13, 25

28 Oldekop IV, 58

29 MUB VII p. 608

30 Oldekop IV, 14

31 Oldekop IV, 126f

32 Oldekop IV, 133

33 MUB I, 160 = SHRU I, 221

34 MUB I, 170 = SHRU I, 227 = SHUS I, 451/452 = UBL I, 10 = HUB I, 319

35 UBL II, 4 = SHRU I, 277 = SHUS I S. 453

36 MUB I, 201

37 SHRU I, 288

38 UBBiHL I. 30 = SHRU I, 311

39 MUB I, 222 = SHRU I, 328 = SHUS I, 171

40 HUB I, 402 = SHRU I, 340

41 SHRU I, 361, 368, 421, 425

42 Biereye S. 8

43 MUB I, 249

44 UBBiHL I, 35 = SHRU I, 361

45 SHRU I, 368

46 MUB I, 305 = SHRU I, 419

47 MUB XXV, 197 = MUB I, 308 = SHRU I, 421 = SHUS IV, 201

48 HUB I, 483 = SHRU I, 425 = SHUS I, 20

49 MUB I, 375 = SHRU I, 486

50 Biereye S. 9f

51

52 UBL I, 135 = SHRU I, 699 = SHUS I, 55

53 WUB VII, 134, 136

54 WUB VII,

55 vgl. WUB VII, 468

56 von Meyenn. „von Pentz“, 1. Bd., S. 31

57 MUB II, 1014

58 UBL I, 135 = SHRU I, 699 = SHUS I, 55

59 WUB VII, 134, 136

60 UBL I, 135 = SHRU I, 699 = SHUS I, 55

61 UBL I, 135 = SHRU I, 699 = SHUS I, 55

62 SHRU II, 323/324

63 SHRU II, 361 = UBL I, 298

64 MUB II, 1349 = SHRU II, 431 = Sud, I, 76

65 MUB II, 1257 = SHRU II, 447 = Sud. I, 74

66 SHRU II. 541 = UBLG I, 126

67 UBL I, 399 = SHRU II, 544

68 MUB II, 1550 = SHRU II, 586

69 UBL I, 602 = SHRU II, 814

70 SHRU II, 961

71 SHRU III, 24/25

72 MUB V 2793

73 MUB V 2794

74 SHRU III, 116

75 MUB V, 3187

76 SHRU III, 174

77 MUB V, 3259

78 SHRU III, 195

79 SHRU III, 211 = UB Kloster Reinbek 44

80 MUB VI, 4011

81 Sud. I, 370

82 SHRU III, 258 = Sud. IX, 131.1 = UB Kloster Reinbek 50

83 HUB II, 405, 406, 410

84 SHRU III, 584

85 SHRU III, 518 = SHUS II, 862 = MUB VII, 4653

86 MUB VII, 4967 = SHUS II,63

87 UBLG I, 402

88 Sud. II, 77 = UBLG I, 417

89 SHRU IV, 333

90 Milde Heft S. 164 u. Tf. 16 Nr. 240

91 UBLG I, 402

92 Sud. II, 63

93 Sud. II, 77 = UBLG I, 417

94 SHRU IV, 333

95 SHRU IV, 338

96 MUB XIV, 8430

97 SHRU III, 822; IV, 297, 590, 1310, 1485; VI, 81; UBL II/1, 881, 892; UBBiHL I, 589

98 MUB IX, 6294 = UBL II/2, 684

99 Milde aaO S.

100

101 Dähn S. 131

102 UBL II/2, 684

103 MUB IX, 6294

104 MUB XIV, 8776 = Sud. VIII, 93.3

105 SHRU IV, 1126 = Sud. IX, 51.8

106 UBL IV, 247

107 Milde aaO S. 164

108 MUB XIV, 8776 = Sud. VIII, 93.3

109 SHRU IV, 1053 = Sud. VII S. 65

110 SHRU IV, 1053 = Sud. VII S. 65

111 SHRU VU/2, 1091 = SHUS II, 293

112 SHRU VI/2, 1080 = MUB XXII, 12531

113 StAHH Urk. D. Trese Gg 10, siehe Von Lehe S. 60

114 UBL IV, 546 = SHRU VI/2, 966

115 Milde aaO. S. 164

116 SHRU VI/2, 1079 = MUB XXII, 12528 = Sud. VII S. 87

117 SHRU VI/2, 1147 = Sud. IX S. 163 Nr. 2 = UBL IV, 613

118 von Weltzien III S. 237

119 Oldekop IV, 131 u. 133

120 UBBiHL III, 1582

121 UB Scharnebeck Nr. 657

122 Oldekop IV, 14

123 StAHL ASA Ex Nr. 2693

124 UBL X, 377 Anm. = StAHL ASA Ex Nr. 2695

125 LAS Urk. Abt. 210 nrn. 171, 172

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung vom 11.06.2021 durch Eberhard Specht, Speyer