Beiträge zur Geschichte des Adels
im Herzogtum Sachsen-Lauenburg und angrenzenden Territorien

Eberhard Specht - Speyer / Rhein 2020

 

                 

8. Die Herren, Grafen (ab 1705), Freiherren (ab 1910)
von WACKERBARTH (1190 – heute)



Herkunft, Name Wappen:

von WACKERBARTH (Stammwappen, bei Siebmacher)


Eine bis heute ungelöste Frage ist die Herkunft der Wackerbarth. Die Anfänge liegen im Dunkel der Geschichte. Erst 1238 erscheint es mit Conradus Wackerbart unter seinem Geschlechtsnamen erstmals urkundlich belegt 1. Er war aber sicherlich nicht der erste Vertreter seines Geschlechts in der Grafschaft Ratzeburg.



Verbindung der Wackerbarth zu den Witte/Albus/von Kogel:

Zumeist wird angenommen, dass die Wackerbarth mit den Witte/Albus/von Kogel agnatisch miteinander verbunden sind. Bereits von Kobbe hat das Geschlecht der Wackerbarth direkt von den Albi abgeleitet 2. Und von Warnstedt hat darauf hingewiesen, dass der ursprüngliche lauenburgische Name des uralten Geschlechts der Wackerbarth wohl von Witte/von Cowale (Kogel) gewesen ist 3. Begründet wird diese Aufassung u. a. wie folgt:


1. Die Wackerbarthe sind die natürlichen Nachfolger der Albus/Witte auf dem Stammgut Kogel.


Dieses Argument ist nicht stichhaltig. Schon Bertheau hatte 1911 darauf hingewiesen, dass die Urkunden dagegen spächen, denn Otto de Cowale und Konrad von Wackerbarth fänden sich bis 1246 in Urkunden als Zeugen nebeneinander 4. Dies spricht gegen eine agnatische Verbindung. Und eine Besitzkontinuität von den Albi zu den Wackerbarth ist für Kogel im 13. Jahrhundert – zumindest für den Zehntbesitz – nicht erkennbar 5. Im Gegenteil: der gesamte Zehntbesitz Ottos (III) von Kogel lag spätestens 1277 wieder in der Hand des Bischofs von Ratzeburg, denn Bischof Ulrich von Blücher (1257-1284) stiftete in diesem Jahr alles für fromme Zwecke 6: ½ Zehnt von Wendisch Turow plus die 2 Hufen in Ekhorst an „sein Konvent“ und den ½ Zehnten von ganz Kogel und ein Drittel Zehnt von Dargow zur „Verfügung des Probstes“ für einen bestimmten Feiertag. Es bleibt mithin festzuhalten: der Zehntbesitz in Kogel schließt einen Besitzübergang von den Albus/Witte auf die Wackerbarth aus. Diese waren in Kogel weder deren Rechts- noch Zehntnachfolger. Eine agnatische Abstammung beider Geschlechter kann mithin auf dieses Argument nicht gestützt werden. Allerdings: „das Kirchen-Zehntregister ist kein Grundbuch“ 7 . Es sagt nur aus, dass Otto (III) von Kogel der einzige Beistzer in Kogel war, der Mitbesitzer des Kirchenzehnten war. Daneben wird es weiteren Besitz des Adels gegeben haben, z. B. Allodialbesitz, der in den frühen Urkunden allerdings nicht nachzuweisen ist. Über ihn haben die Wackerbarth in Kogel aber nachweislich schon früh verfügt, so dass zumindest an eine enge – cognatische – Verbindung beider Geschlechter zu denken ist.


2. Die Wappengleichheit der neumärkischen Witte mit den Wackerbarth


Wappen von Wackerbarth                        Nicolaus WITTE (1342)
(Kirche zu Sterley, um 1340)                                  (Neumark)       


Durch das Wappen einer nach der Neumark um 1230/1240 ausgewanderten Linie der Albus/Witte 8 sei belegt, dass dieses Geschlecht dasselbe Wappen wie die Wackerbarth führte: einen Schild von silber und rot quadriert, ohne Bild. Das Wackerbarthsche Wappen zeigte dann später auf dem Helm über einem rotsilbernen Wulst drei Pfauenfedern zwischen zwei Pfauenwedeln von je drei Federn an goldenen Stäben. Die Helmdecken sind silbern und rot. Wappenverbesserungen erfolgten mit den späteren Standeserhöhungen für den Reichgrafen August Christopher von Wackerbarth (XVII-130, 1705) und den Freiherren Ludwig Carl Wilhelm von Wackerbarth (XIX-165, 1810).


Auch dieses Argument lässt sich nicht für eine agnatische Abstammung der Albus/Witte und der Wackerbarth heranziehen. Von Warnstedt sieht in den Albus/Witte in der Neumark und von Wackerbarth „Wappenvettern“, die ein gleiches Wappen führten 9. Dem hat der anerkannte Kenner deutscher Heraldik, Baron von Recum 10 widersprochen 11. Nach seiner Ansicht ist das neumärkische Witte-Wappen ein anderes als das der Wackerbarth. Ein Siegelschneider hätte sehr wohl seine Kunst beherrscht und ein so simples Heroldsbild wie eine Vierteilung sei etwas anderes als ein gespaltenes und schräggeteiltes Bild.


3. Der schon früh bei den Wackerbarth auftretende Wittesche Leitname Otto


Auch dieses Argument dürfte für eine agnatische Verbindung der Albus/Witte mit den Wackerbarth nicht ausreichen. Der spätere – neben Konrad – Leitname der Wackerbarth Otto erscheint erstmals unter den Söhnen Konrads (II) Wackerbarth. Er wird am ehesten durch eine Eheverbindung Konrads mit einer Witte – (?)Erbtochter von Otto (III) von Kogel – in die Familie von Wackerbarth gekommen sein.


4. Das ungewöhnlich häufige Auftreten von Familienmitgliedern gemeinsam in Urkunden


Auch dieses Argument lässt sich für eine agnatische Verbindung nicht heranziehen. In den von den Lehnsherren ausgestellten Urkunden erscheint in der Regel die gesamte Gefolgschaft als Zeugen und bei den „privaten“ Urkunden wie der von 1228 12 oder 1240 13 lässt sich allenfalls auf eine enge Verwandtschaft der beteiligten Zeugen schließen.


Im Ergebnis ist festzuhalten: Für eine agnatische Verbindung der Wackerbarth zu den Witte/Albus/von Kogel gibt es keine stichhaltigen Argumente. Insofern halte ich meine früher geäußerte Auffassung 14 nicht mehr aufrecht. Eine cognatische Verbindung beider Geschlechter ist dagegen überaus wahrscheinlich.



Verbindung der Wackerbarth zu den von Ritzerau:

Eine interessante Sicht auf die Anfänge des wackerbarthschen Geschlechts liefert jüngst Johannes von Wackerbarth gnt. von Bomsdorff 15. Er fragt, ob nicht die von Ritzerau und die Wackerbarth eines Stammes gewesen sind. Als Argument für seine Überlegung führt er eine in das Ratzeburger Zehntenlehensregister von 1230 eingeschobene Urkunde von 1229 an, in der Corvus et Conradus, milites de Raceburg den Vertrag des Ratzeburger Bischofs mit dem Grafen von Dannenberg über die Zehnten im Land Wehningen bezeugen 16. Von Wackerbarth schreibt: „Die Konjugation „et“ (und) zwischen zwei Personen findet sich nach eingehender Durchschau der Urkundenbücher ausschließlich bei Verwandten im 1. Grad oder bei Geistlichen desselben Konvents“ 17. Als Beispiele führt er an:


  • Im Ratzeburger Zehntenlehensregister: die Brüder Heinrich und Nikolaus (von Salem-Wittenburg) 18; die Brüder Werner und Otto (Grote) 19

  • Die Brüder „Adolpho et Ludolpho comitibus de Dassela“ 20

  • Die Brüder Gunzelin und Heinrich, Grafen von Schwerin 21


Er fährt dann fort: „Bei Vater und Sohn ist oft eine nähere Erläuterung (senior/iunior oder filius), bei Brüdern seltener der Hinweis fratres hinzugefügt. Man muss folglich bei Walraven und Konrad von Brüdern ausgehen, die sich für gewisse Zeit das Burglehen zu Ratzeburg teilten. In der gleichen Urkunde stehen in ähnlicher Weise die „comites Henricus et Bernardus“ (Grafen Heinrich und Bernhard von Dannenberg), welche allerdings Vater und Sohn waren 22. Von den 4 Urkunden zu Konrad von Lauenburg wird er dreimal gemeinsam mit Walraven erwähnt. Davon ist Walraven 1228 als Edelfreier noch dem Konrad vorangestellt, aber 1235 stehen sie direkt nebeneinander 23 bzw. Konrad sogar von Walraven, was durch seine Stellung als Burgmann der Lauenburg oder eine andere, uns unbekannte Funktion am Hof bedingt sein könnte. Dennoch kann man aus Corvus et Conradus herauslesen, dass Walraven sicher der ältere Bruder war, da in diesem Falle ihre Stellung diegleiche war. Hierzu fügt sich, dass Konrad Wackerbarth, nach dieser Lesart der Neffe Walravens, von seinem ersten Auftreten an bis zu Walravens Tod in drei Urkunden mit ihm gemeinsam und 1240 beim Nachlass des letzteren auch als „Verwandter“ genannt ist. Konrad Wackerbarth steht wiederum in späteren Urkunden (1262-1266) gemeinsam mit (seinem Vetter) Berthold von Ritzerau“.


Seine These sieht Johannes von Wackerbarth weiter durch einige weitere Beobachtungen hinsichtlich des Besitzes gestützt.


  • Walraven von Ritzerau vermachte 1240 testamentarisch einige Hufen des Dorfes Sterley als fromme Stiftung. Er muss dort Besitz gehabt haben. Sterley wird später ein Hauptsitz der Wackerbarthschen Nachkommen, spätestens zu Beginn des 13. Jahrhunderts, wahrscheinlich bereits früher.


  • Konrad von Lauenburgs Zehntbesitz in Mecklenburg, die 4 Gründungshufen von Neuenkirchen bei Zarrentin, liegen nicht weit (5 km Luftlinie) von Döbbersen, dem Besitz des Walraven von Ritzerau. Interessant ist die Ähnlichkeit der Aufgabenstellung: sowohl Neuenkirchen als auch Walravens weiterer mecklenburgischer Besitz, Dümmer, waren bereits Burgen aus mittelslawischer Zeit, wie Aufgrabungen gezeigt haben 24. Auch für Döbbersen wird eine (spätere?) Burganlage angenommen. Für die Lokation bzw. die Übernahme solcher regionaler Machtzentren kommen nur Mitglieder der höhergestellten Familien in Frage. Es ist reizvoll, hier die gleiche Familie anzunehmen.


  • Eine nicht unähnliche Situation, sogar noch weit aufschlussreicher, zeigt sich in Mölln. Hier besaß Konrad gemäß dem Zehntregister von 1230 die 2 Gründungshufen von Alt Mölln als alten Erbbesitz. In unmittelbarer Nachbarschaft dazu befand sich das Dorf Gülze25 am Nordufer des Möllner Sees, ein später eingegangenes Dorf, dessen Gebiet bereits 1262 an die Stadt Mölln gelangte 26. Im Zehntregister von 1230 wird als Besitzer der 2 Gründungshufen von „Guletse“ ein Albertus genannt, den Biereye schwer einzuordnen vermag 27. Im hier dargestellten Zusammenhang muss darin der weitere Bruder Albernus oder Alberus (alles Ableitungen von Albrecht) von Ritzerau gesehen werden. Es macht Sinn, dass zwei jüngere Brüder Erbanteile auch an solchen Dörfern erhielten, die trotz geringer Hufenzahl durch die Nähe der bereits aufstrebenden Stadt eine privilegierte Position besaßen. Schließlich bezeugte auch der Neffe des Salbern/Albert, Konrad Wackerbarth, im Jahre 1262 die Bestätigung des möllnischen Besitzes an Gülze 28. Dies tat er zusammen mit Bertold von Ritzerau, seinem Vetter … Hier wäre sogar zu überlegen, ob Bertold nicht ein Sohn des Albern/Albert von Ritzerau war. Zumindest darf er als dessen (Mit-)Erbe angesehen werden“.


Als letzes Argument führt Johannes von Wackerbarth an, dass wir bei Walraven dessen Familiennamen von Ritzerau kennen, den von Konrad aber nicht. Die von ihm bekannten Zusätze „von Lauenburg“, „von Ratzeburg“ bezeichnen nur seine Position als dortiger Burgmann und geben keinen Hinweis auf seinen Geschlechtsnamen.


Diese Sicht hat zweifellos etwas Bestechendes. Zwingende Beweise dafür aber gibt es nicht. Ich möchte ihr deshalb in dieser Form nicht folgen. Da ist zu einem die Frage nach dem gemeinsamen Vater von Raven/Walrav (I) von Ritzerau und Konrad „von Lauenburg“. Für Raven ist dies allem Anschein nach Hartwig (I) von Ritzerau, der nur einmal, 1222, in einer schwerinschen Urkunde genannt wird. Die Ritzerau treffen wir als Gegner der dänischen Herrschaft und Albrechts von Orlamünde vor des letzteren Sturz 1225 in der Grafschaft Ratzeburg nicht an. Sie erscheinen dort erst ab 1227, dann aber in herausragender Stellung. Anders die Wackerbarth. Wenn Konrad tatsächlich der Stammvater der Wackerbarth ist, dann stand er zumindest am Anfang (1224) noch treu zu dem dänischen Statthalter Albrecht von Orlamünde. Das hieße, wir hätten es zu Beginn des 13. Jahrhunderts mit einer Adelsfamilie zu tun, die sich in zwei Lagern feindlich gegenüberstand. Das halte ich für wenig wahrscheinlich.


Auch die gemeinsame Nennung in den weiteren Urkunden stützt nicht unbedingt ein „echtes“ Bruderverhältnis, zumal da immer auch noch die Nähe von Walrav zu Otto von Kogel augenfälliger ist. Auch sollte die Stellung Walravs (I) von Ritzerau als „nobilis“ nicht unterschätzt werden. Und dann sind da die Leitnamen: bei den frühen Ritzerau sind es Walrav und Hartwig, bei den Wackerbarth ist es Konrad. Auch wenn man berücksichtigt, dass uns das 13. Jahrhundert nur wenige Namen überliefert, so fällt doch auf, dass es an familienübergreifenden Leitnamen zwischen den Ritzerau und den Wackerbarth fehlt. Beide Geschlechter verbindende Namen wie Otto und Detlev folgen erst am Ausgang des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts und den Namen des Stammvaters, Hartwig, finden wir bei den Wackerbarth erst 1400. Das alles spricht nicht unbedingt gegen eine nahe Verwandtschaft, wohl aber gegen die Annahme, die Ritzerau und Wackerbarth wären stammesgleich.


Allerdings lässt sich die Nähe beider Geschlechter und der der Witte/Albus/von Kogel nicht hinwegdiskutieren. Dies kommt vor allem im Text der von Walrav von Ritzeraus Testament von 1240 zum Ausdruck 29. Dort heißt es: „ … presentibus filiis, cognatis et amiciis, familiaribus, heredibus et coheredibus …“ („ … in Anwesenheit von Söhnen, Verwandten und Freunden, Familienangehörigen, Erben und Nacherben …“). In der Zeugenreihe finden sich nach zwei Geistlichen als weltliche Zeugen nur Otto von Kogel, Konrad Wackerbarth und Poppo von Krempe. Konrad Wackerbart und Otto von Kogel werden dabei zur Familie gehören. Poppo von Krempe - vielleicht der Familie von Barmstedt zugehörig -, war der Familie zumindest freundschaftlich verbunden.


Wie diese Verwandtschaft der drei Geschlechter von Ritzerau, Wackerbarth und Witte/Albus/von Kogel tatsächlich ausgesehen hat, darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen. Da sind zum einen die evidenten Hinweise einer cognatischen Verbindung zwischen den Witte/Albus/von Kogel und den von Ritzerau. Sie kommt vor allem in einer auf 1236 datierten Urkunde – die aber wohl ins Jahr 1228 gehört 30 - über die fromme Stiftung einer Odilia und deren Tante Bertha zum Ausdruck. Der Name der Odilia weist dabei in die Familie der Witte/Albus/von Kogel und Bertha finden wir bei den von Ritzerau belegt. Wenn wir hier also Tante und Nichte vor uns haben, dann muss es eine Eheverbindung zwischen den Witte/Albus/von Kogel und den von Ritzerau gegeben haben. Hier wäre zu überlegen, ob nicht Walravens Ehefrau Adelheid eine geborene Witte gewesen ist 31. Will man für das Verwandtschaftsverhältnis von Corvus von Ritzerau zu Konrad von Lauenburg ein Bruderschaftsverhältnis erkennen will, wofür in der Tat einiges sprcht, dann eher in dem Sinne, dass sie als Halbbrüder über eine gemeinsame Mutter verbunden waren, die vmtl. in erster Ehe 32 mit dem unbekannten Stammvater der Wackerbarth und danach in zweiter Ehe am ehesten mit einem uns ebenfalls namentlich nicht bekannten Angehörigen der Familie von Ritzerau verheiratet gewesen ist.




hypothetische Verbindung der Geschlechter
ALBUS – von RITZERAU - WACKERBARTH



DieAnfänge des Geschlechts Wackerbarth


Nach dem vorstehend gesagten müssen wir uns den Anfängen des Geschlechts Wackerbarth anders nähern. So sollen die Wackerbarth „ohne Zweifel zu den ältesten Adelsgeschlechtern Deutschlands“ gehören. Dies behauptet jedenfalls ein Auszug aus der „Deutschen Adelszeitung“ um 1840. Schon Karl der Große soll nach einer leider verloren gegangenen Urkunde im Archiv der Universität Antwerpen 814 einen Wackerbarth zum Erzbischof von Lyon eingesetzt haben. Es war dies Agobard, der sein Amt bis 842 versah. Auch wenn der Name auf den ersten Blick nichts mit Wackerbarth zu tun zu haben scheint, so ist doch anzumerken, dass in dem ersten Namensbestandteil „ago“ das griechische Wort αςαδος = „gut, adelig, tapfer, wacker“ bzw. αςοηια = „Kampf“ steckt. Ob dies allerdings ausreicht, in Bischof Agobard einen frühen Vertreter des Wackerbarthschen Geschlechts zu sehen, scheint zweifelhaft. Das gilt auch für die Behauptung, 1261 seien zwei Wackerbarthe Domherren in Ratzeburg gewesen 33. Es sind diese Behauptungen wohl eher Konstrukte nach barocker Literatur (Pfeffinger etc.) und halten einer kritischen Überprüfung nicht stand.


Dass allerdings die Anfänge des Geschlechts weit zurückreichen, belegt der Kaufvertrag von 1642, in dem es heißt: „Gleichwohl das Gut Kogel hinbey achthundert Jahren ein Wackerbartsches Fundum gewesen“. Dass Kogel allerdings schon 872 Besitz der Wackerbarth gewesen wäre, erscheint bei dem Gang der deutschen Besiedlung des Herzogtums Lauenburg ganz unwahrscheinlich. Aber vielleicht schon 1138 mit Albrecht dem Bären, spätestens zwischen 1143, als Graf Heinrich von Bodwide im Auftrag Heinrichs des Löwen die Grafschaft Ratzeburg gründete und 1158, dem Jahr der Gründung des Bistums Ratzeburg, kamen die Witte/Albus vermutlich ins Land. Ihr Name begegnet im 13. Jahrhundert häufig in den Urkunden 34, ohne dass sich allerdings sagen lässt, ob hier Zusammenhänge mit dem dem später in Kogel ansässigen Adelsgeschlecht der Wackerbarth bestehen. Und wenn Hellbach 35 allerdings die von Wackerbarth „den beiden Kaiserhöfen und dem königlich preußischen Hause anverwandt“ sein lässt, so hat er zweifellos maßlos übertrieben. Allerdings, die Heirat mit einer „Madame de Brandenbourg“, am Kaiserhof in Wien, beim Kurfürsten von Sachsen und König von Polen und in königlich-preußischen Diensten finden wir die Wackerbarth schon. Zweifellos gehört das Geschlecht zu denen, das von Anfang an bei der deutschen Besiedlung des alten Polabenlandes dabei war und das dem Land seinen prägenden Stempel mit aufgedrückt hat.


Ein „Conradus de Witte gnt. Wackerbart“ soll sich 1164 in der Schlacht bei Verchen, in der Heinrich der Löwe über die Obodriten siegte und die sächsische Macht östlich der Elbe endgültig festigte, ausgezeichnet haben und damals den ehrenden Beinamen „Wakkerbart“ (= „tapfere Streitaxt“) erhalten haben, den seine Nachkommen dann als Geschlechtsnamen trugen. In diesem Konrad sieht Rüdiger Freiherr von Wackerbarth den Lokator und Gründer der späteren Stadt Mölln 36, die als „Antiquum Mulne“ erstmals 1194 erwähnt ist 37. Er rechnet Konrad der Familie Albus/Witte zu. Nach Ansicht Rüdiger von Wackerbarths hätte der Gründer Möllns von dem heute „Ohlendorp“, einst „Steinfeld“ genannten, Platz neun slawische Bauern in das heutige Alt Mölln umgesetzt, wo die Wackerbarth zwei Lokatorenhufen besaßen und an die Ohlendorp-Stelle ein neues sächsisches Dorf mit 12 Hufen gesetzt. Erst später um 1210 sei der Siedlungskern dann auf den Werder zwischen Möllner und Schul-See verlegt und ummauert worden.


Gestützt wird die Annahme von Rüdiger von Wackerbarth durch zwei Arbeiten von Hans-Georg Kaack, der sich eindeutig festlegt, wenn er bereits 1988 schreibt: „Diese von Conradus Wackerbarth als direktem Initiator vorgenommenen Veränderungen des Grundbesitzes im Raum Mölln können durchaus noch zu Zeiten Heinrichs des Löwen geschehen sein, denn nach seinem Sturz im Jahre 1180 erfolgt unter dem Askanier Bernhard von Anhalt eine erhebliche Schwächung der Reichsgewalt im Raum der Grafschaft Ratzeburg“. 38 In einem weiteren Aufsatz 39 bekräftigt er seine Auffassung und schreibt: „Vor dem Jahre 1194 legt dann im Zuge der Kolonisierung der Lokator Conradus Wackerbarth durch Siedlungsverlagerung ein slawisches Dorf nach deutschem recht mit 9 Hufen um“.


Mölln zwischen 1160 und 1190
(nach Rüdiger von Wackerbarth)

Richtig an den Annahmen von Rüdiger von Wackerbarth und Hans Georg Kaack ist, dass die Kolonisierung Alt-Möllns bereits viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, vor 1194 geschehen sein muss. Und da besteht das Problem, dass wir den Namen Wackerbarth erstmals 1238 mit Conradus Wackerbart, vermutlich ein Sohn des 1224/1235 bezeugten Conradus de Lauenburg, belegt finden 40. Allerdings begegnet uns der frühe Leitname des wackerbarthschen Geschlechts bereits 1194 mit dem Diakon und spärteren Domherrn Cuno, der seinem Namen und seiner Stellung nach der Familie zugerechnet werden sollte. Als Gründer von Mölln aber dürften die Wackerbarth ausscheiden. Diese Ehre gebührt vermutlich der Familie von WUSTROW, die sich anfänglich auch „von MÖLLN“ nannte, wohl deshalb, weil sie als Gründer dieses Ortes dort ansässig und begütert waren. Bezeugt ist hier vor allem Thiedhard „de MULNE“, der zwischen 1212 und 1243 urkundet. Er verfügte offenbar über Grundbesitz in Mölln, da er sich 1212 im Zusammenhang mit einer Stiftung durch den Ritter Reiner von Pinnow an ein Hamburger Kloster, bei dem auch Otto (II) Albus von Wittenburg als Zeuge auftritt, nach diesem Besitz nennt 41. Diese Tatsache und der Umstand, dass sein Rufname mit Thiet- beginnt, einem Namensbestandteil, den wir später bei dem Wackerbarthschen Rufnamen Thietlev/Thetlev (Detlef) wiederfinden, hat dazu geführt, in Thiethard den Erben und Nachfolger des Gründers von Mölln zu sehen und ihn damit zu einem Angehörigen des Wackerbarthschen Geschlechts zu machen 42. Abgesehen davon, dass die Übertragung von Thiethardus in Detlef, nicht zuässig ist, ist wohl als gesichert davon auszugehen, dass Thiedhard und sein 1217 erwähnter Bruder Werendag von Mölln 43 der Familie von WUSTROW angehören. Darauf hat insbesondere Johannes (Hanno) von Wackerbarth überzeugend hingewiesen 44. Thiethard, den wir 1217 noch im Gefolge des Grafen von Schwerin finden 45, wird 1235 bis 1243 bei den Markgrafen Johann und Otto von Brandenburg erwähnt. 1225 erscheint er zusammen mit seinen Brüdern Helmbrecht und Werendag von Wustrow am Hof der Grafen von Lüchow. Aus der Wackerbarthschen Genealogie ist Thiethard von Mölln jedenfalls zu streichen.


Die Anfänge des Wackerbarthschen Geschlechts lassen sich vermutlich durch zwei Vertreter ausmachen: der eine wird seinem Namen nach der Kanonikus Cuno (I-1; Konrad) gewesen sein, der zwischen 1194 und 1224 belegt ist. Von dem zweiten (I-2) kennen wir seinen Namen nicht. Er dürfte aber der Vater von Konrad von Lauenburg (II-3) gewesen sein.


Die Wackerbarth waren die einzige der großen Adelsfamilien des Herzogtums Sachsen-Lauenburg, die ihren Namen nicht von einem Stammsitz herleiten. Allerdings stellt uns die Deutung dieses Namens vor größere Probleme. Allgemein wird angenommen, dass das Geschlecht seinen Namen wohl der tapferen, wackeren Führung der Barte 46, ein Wort, das wir auch noch in anderem Zusammenhang als Hellebarde kennen 47, verdankt. Rüdiger von Wackerbarth hat den Ursprung des Namens im tapferen Einsatz im Zusammenhang mit dem Wendenfeldzug Heinrichs des Löwen und der Schlacht bei Verchen am 06.07.1164 gesehen, in der ein „Konrad de Witte gnt. Wackerbart“, der spätere Lokator von Mölln, sich seine Sporen verdient haben soll 48. Dies ist eine reizvolle Sicht und vielleicht nicht ganz von der Hand zu weisen, zumal das Geschlecht ja vermutlich zwischen 1143/1158 ins Land gekommen ist. Der Schlüssel für die Deutung des Namens ist sicher weiterhin die Barte, die im Kampf jedoch eine landsknechtische Waffe war und vom Adel nur als handliche Axt zur Jagd eingesetzt wurde. Bei dieser deutung ist Wackerbarth also kein „nom de guerre“, sondern meint einen wachen und geschickten Axtwerfer bei der Jagd 49.


Welcher Rang kam nun den von Wackerbarth zu? Von Warnstedt 50 hält sie – mit den RITZERAU, SCHACK und SCHORLEMER - für „nobiles“, also Edelfreie. Seine These fußt auf der Annahme, dass die den Wackerbarth stammesgleichen Albus/Witte edelfrei gewesen seien und damit logischerweise dies auch für die Wackerbarth gelten müsse. Dass diese Ansicht nicht zutreffend ist, hat zuletzt Johannes von Wackerbarth mit guten Argumenten dargelegt 51. Auch ich halte meine, an von Warnstedt orientierte Ansicht nicht länger aufrecht und gehe nicht mehr von einer Edelfreiheit der Wackerbarth aus.


Schon früh lassen sich dann bei den Wackerbarth verschiedene Linien ausmachen. „Schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts können wir zwei Stämme des Geschlechts unterscheiden. Stammvater des Stammes A ... war sicherlich der ... Ritter Konrad Wackerbarth (e. 1238 – 1246). Der Stamm B (+1785) stammt dagegen von dem auch in Mecklenburg reich begüterten Ritter Detlof Wackerbarth (e. 1273 – 1309)“. Diese, von von Warnstedt geäußerte Ansicht 52 lässt sich indes nicht verifizieren. Abgesehen von dem Umstand, dass es äußerst unsicher ist, ob der Ritter Detlof Wackerbarth (V-11) überhaupt männliche Nachkommen hinterlassen hat, ist am Ende des 15. Jahrhunderts von den ehedem zahlreichen Linien nur noch eine übrig: Ihr Repräsentant ist Otto (VI) Wackerbarth d.Ä. (X-51, 1439/1475). Seine Söhne sind es dann, die die beiden großen Stämme des Geschlechts begründen: Hartwig (III) (XI-57, 1493/1517) ist der Begründer des Stammes Kogel A, der noch heute in legitimierter Linie in Amerika blüht; Detloff (V) (XI-59, +1506/1507) begründet den Stamm Kogel B, der in der Tüschenbecker Hauptlinie 1785/1801 und in seinem Mecklenburger Zweig bereits 1711/1745 erlosch. Es sollen auch Angehörige des Geschlechts im 18. Jahrhundert von Hannover aus nach England gekommen sein (die Brüder Georg von Wackerbarth *1732 +1811 und Dietrich von Wackerbarth), von denen im Laufe des 19. Jahrhunderts einer (Athanasius Franz Dietrich *1813) nach Schweden übergesiedelt ist, der als Professor der Astronomie an der Universität Uppsala lehrte 53.


Bis zum Dreißigjährigen Krieg lässt sich ein wesentlicher Unterschied weder im Einfluss noch in der Begüterung zwischen den Stämmen Kogel A und B beobachten. Beide waren – trotz der z.T. erheblichen Schulden – reich und bedeutend. Der Unterschied lag eher in der politischen Ausrichtung. So lässt sich schon im frühen 16. Jahrhundert eine besondere Beziehung des Stammes A nach Braunschweig-Lüneburg und des Stammes B nach Mecklenburg erkennen. Als es dem Stamm A nach dem Dreißigjährigen Krieg gelang, Kogel wieder auszulösen, führte dies nicht nur zu einer wesentlich größeren Begüterung dieses Stammes, sondern auch zu einem größeren politischen Gewicht. So gehören sämtliche höhere Adelstitel erwerbende Personen dem Stamm A an.



Besitzungen:

Die Wackerbarth waren – neben den von Zülen – die einzige Familie, die im Osten des Herzogtums Sachsen-Lauenburg im Mittelalter dauernd über einen großen Besitz verfügte. Dieser Besitz erstreckte sich von der Möllner Feldmark über Sterley, Hollenbek, Kogel, Segrahn, Gudow bis nach Langenlehsten. Mittelpunkt dieses Besitzes waren das Gut Kogel und das Kirchdorf Sterley (Stralige), ein von Hellwig als „Dreidoppeldorf“ bezeichnetes deutsches Besetzungsdorf. Das weit über die engeren Grenzen dieses Kernbesitzes hinausreichende Betätigungsfeld der Wackerbarth bedingt es, dass wir z. T. ausgedehnten Besitz auch in Mecklenburg, der Mark Brandenburg und vor allem im Kurfürstentum Sachsen finden. Im Einzelnen besaß das Geschlecht:



Wackerbarthsche Besitzungen im Herzogtum Sachsen-Lauenburg


  1. Alt Horst: (Ksp. Sterley), von den v. W. nach 1575 auf der wüsten Feldmarck +Clotesfelde angelegter Gutshof mit Herrenhaus (1864 abgebrochen), 1666 verkaufen Hans Heinrich v. W. und Otto (IX) v. W. an von Brömbsen


  1. Alt Mölln: (Ksp. Breitenfelde), alter Wackerbarthscher Besitz wohl schon im 12. Jhdt., 1194 „antiquum Mulne“, 1230 besitzt Conrad (I) den Zehnten von 2 Hufen; 1341 verpfändet Otto (II) v. W. eine Rente aus der oberen Mühle und Ida v. W. verkauft 1432 ein Haus und einen Hof


  1. Bahnsen: Allodialgut bei Suderburg (Amt Bodenteich) in Niedersachsen, war kurzzeitig von Wackerbarthscher Besitz 54, 1791 gab es 13 dienstpflichtige Höfe; auf dem Gut bestand schon 1621 eine Krugwirtschaft; 1793 vertauschte Carl Ernst Heinrich von Bülow das Gut


  1. +Bannau: östlich vom Lehmrader-Gudower Weg am Rande des Bannauer Moores, als Dorf 1194 vorhanden, 1230 mit 12 Hufen, 1278 zuletzt als bestehend erwähnt 55; wackerbarthscher Besitz wohl schon im 13. Jhdt., 1494 verpfänden Detlev (V) und Hartwig (III) v. W. Pächte, später Verkauf an die Stadt Mölln


  1. Besenthal: (Ksp. Gudow), Teil der von Wackerbarthschen Grundherrschaft Segrahn; 1412 verkaufen Otto (V) und Heinrich (VIII) v. W. Besenthal an die Marienkirche zu Gudow; auf den Vorbehalt der Nutzung von Acker und Weichholz auf Lebenszeit verzichtet Otto (V) v. W. 1424. 1503 verkaufen Detlev (V) und Hartwig (III) v. W. die Gerichtsbarkeit über ihr Dorf Besenthal an Clemens von Bülow. Der Hof Besenthal ist 1412/1424 einer der Wohnsitze der Wackerbart.


  1. Briesen: im Spreewald (Kreis Cottbus); 1346 erstmals als Breßzine („Birkenort“) genannt, 1381 wird eine Familie von Briesen genannt, im 16. Jahrhundert bis 1718 gehörte das Gut der Familie von Blitzingow danach 1718/1735 war es im Besitz der Gräfin von Schönburg-Glauchau, dann erwarb es Baron von Vernezobrede-Laurieux, der das Gut bedeutend vergrößerte. 1765/1783 besaß es die Familie von Roebel, dann kam es 1783 durch Kauf an Ludwig Carl Wilhelm Frhr. v. W. (+1817). Bis 1945 war das Gut im Besitz der Freiherren von Wackerbarth gnt. Bomsdorff


  1. +Brodesende: (Ksp. Gudow), sö von Grambek im Ksp. Gudow 56; unter Bischof Marquard (1309-1335) sind Otto (I) und Ludolf (I) v. W. mit dem Zehnten belehnt; 1493 verkaufen Detlev (V) und Hartwig (III) v. W. ihr wüstes Dorf und ganzes Gut Brodesende wiederkäuflich an die Nikolai-Kirche in Mölln; 1503 verkaufen beide Besenthal dann mit der Grundherrschaft Segrahn wiederkäuflich nach 100 Jahren an Clemens von Bülow


  1. Bützow: hier besaß Jürgen (I) v. W. u.a. die „Reuterwiesen“


  1. +Clotesfelde: (Ksp. Sterley), nw von Horst auf der Flur „Kloats Feld“ 57; ehem. Dorf mit 1230 12 Hufen im Ksp. Sterley, vom Ratzeburger Domkapitel kaufen es 1573 Claus und Hartwig (III) v. W., die hier ein arrondiertes Gut als Allodialbesitz mit den Höfen > Alt und > Neu Horst anlegen; 1666 Verkauf an von Brömbsen


  1. Dalberg: (Ksp. Cramon), 1271 erstmals genannt, als von Graf Gunzelin und seinem Sohn Helmold an das Schweriner Domkapitel verkauft wird, Anfang des 16. Jhdts. gab es 15 Hufen und 7 Bauern; 1578/1599 vom Domherrn Otto (VIII) v. W. gepachtet


  1. +Dargenow: (Ksp. Gudow), 1230 Dorf mit 17 Hufen im Ksp. Gudow am Westrand des Langenlehstener Moores 58; urspr. Besitz der Familie von Dargenow, dann Teil der wackerbarthschen Grundherrschaft Segrahn; 1503 von Detlev (V) und Hartwig (III v. W. wiederkäuflich nach 100 Jahren an Clemens von Bülow verkauft.


  1. Dobbin: im ehem. meckl. Amt Krakow; Besitz des Klosters Dobbertin, später Gutsdorf, im Dreißigjährigen Krieg entvölkert, Detlev (I.) v. W. ist 1293 Pfandherr


  1. Dresden: hier ließ August Christopher Reichsgraf v. W. zwei prächtige Barockanlagen für sich erbauen: 1. 1723 das „Palais Wackerbarth“ in der Dresdener Neustadt als Ritterakademie für das Kadettenkorps (1945 ausgebrannt, 1962 abgerissen) und 2. 1728/1729 (durch J. Ch. Knöffel) das spätere „Kurländer Palais“ als Dienstsitz und Wohnung (1945 ausgebrannt, wird 2009 wieder aufgebaut)


  1. Dutzow: Schloss (mit Burglehen, zwischen 1291 und 1308 erbaut) und Dorf werden 1308 an die Brüder Konrad (III), David (I) und Heinrich (III) v. W. verlehnt; 1334 folgen die von Lützow, die hier bis ins 18. Jhdt. einen Wohnsitz hatten


  1. Gebeltzig (sorbisch Hbjelsk; Kreis Rothenburg/Niederschlesien): Waldhufendorf am Rande des Oberlausitzer Berglandes, als Dorf 1390 erstmals genannt; eine Kirche wird schon 1346 erwähnt; Schloss aus dem 14. Jhdt.; es gab zwei Rittersitze: Nieder- und Ober Gebeltzig, die sich zeitweilig im Besitz von Reichsgraf August Christoph v. W. befanden 59; heute Ortsteil der Gemeinde Hohendubrau im Landkreis Görlitz


  1. Gralow: (Ksp. Kublank), erstmals 1264 genannt, bereits Ende des 17. Jahrhunderts war hier eine Ziegelei und etwas später eine Glashütte, war zwischen 1549 und 1651 von Wackerbarthscher Besitz, heute Ortsteil von Baumgarten


  1. Greven: (Ksp. Granzin), im ehem. Amt Boizenburg; Otto (VII) v. W., Hennekes (IV) Sohn, verkauft 1470 eine Rente aus Greven an Herzog Heinrich IV. von Mecklenburg


  1. Groß Medewege: (Ksp. Groß Trebbow), Pachtgut im Besitz des Schweriner Domkapitels am nördlichen Stadtrand von Schwerin, das wuchtige Herrenhaus steht auf hohem Sockel und hat einen wehrhaften Charakter; die Gutsanlage schiebt sich weit in den Medeweger See vor; 1578/1599 vom Domherrn Otto (VIII) v. W. gepachtet


  1. Groß Sedlitz: August Christoph Reichsgraf v. W. ließ 1718/1723 durch J. Ch. Knöffel die symmetrische Parkanlage mit einem dreiflügeligen Schloss und Orangerie erbauen. Bereits 1723 kaufte ihm August der Starke Park und Schloss ab


  1. Groß Sarau: (Ksp. Grönau), 1230 erstmals genannt, reines Bauern- und Fischerdorf, kam 1690 mit Tüschenbeck an die Wackerbarth, die es bis 1785 besaßen


  1. Großensee: (Ksp. Trittau) 60, vmtl. Gründung Hermanns von Barmstedts, 1248 erstmals genannt, 1253 erwirbt es das Hamburger Domkapitel, 1256 „magnum stagnum“, 1279 Besitz der von Hamme, 1294 Otto (I) v. W. Anteilsbesitz


  1. Grünhof: (Ksp. Hagenow), für kurze Zeit Besitz von August Joseph Ludwig v. W. (+1850)


  1. Gudow: Kirchdorf, ursprünglich Besitz der Familie Wulff von Schwarzenbeck (1230), 1278 im Besitz Herzog Johanns I. von Sachsen-Lauenburg, wohl schon im 13. Jhdt. Teilbesitz der Wackerbarth, hier hatte Otto (I) v. W. „longo tempore“ Teilbesitz; 1300 schenkte er dem Hl.-Geist-Altar zu Mölln 4 Hufen. 1308 schwört Konrad (V) „von Gudow“ der wohl zur Familie gehört, Urfehde, dann wiederim Besitz der Herzöge von Sachsen-Lauenburg, die Gudow 1334 an Marquard von Zecher verkaufen, 1343 ist Conradus Wackerbart de Gudowe genannt


  1. Guhrow: (ehem. Amt Luckau/Brandenburg), Ludwig Carl Wilhelm Frhr. v. W. kaufte das 300 ha große Gut, 1807 im Zuge der Steinschen Reformen teilweise vererbpachtet, die Wackerbarth verkauften 1836 den Rest


  1. Hamburg: Otto (I) v. W. überträgt 1310 seinen am Pferdemarkt belegenen Hof an seine Frau


  1. Heidenau: (Sachsen), südlich von Dresden im Oberen Elbtal an der Mündung der Müglitz in die Elbe, 1347 erstmals erwähnt, 1719 Besitz von August Christoph Reichsgraf v. W.


  1. Heimburg (bei Niederheimbach/Bingen a. Rhein) Besitz Teuts v. W.


  1. Hilgendorf: (bei Schwerin); 1578/1599 vom Domherrn Otto (VIII) v. W. gepachtet


  1. Hollenbek: (Ksp. Sterley), wackerbarthscher Besitz schon im 13. Jhdt; Konrad (I) v. W. ist 1230 Inhaber des halben Zehnten des ganzen Dorfes; die Burg war zeitweilig Sitz einer Nebenlinie des Geschlechts (Heinrich (VI) v. W. +v. 1341) und seiner Söhne (1351)


  1. Hornsdorf: (Ksp. Grönau), 1230 „Toradesdorp“, kam 1690 mit Tüschenbeck an die Wackerbarth, die es bis 1785 besaßen


  1. Horst Valluhn: hier lag einst das Dorf Matzlewitz; der halbe Horst Valluhn war Teil der wackerbarthschen Grundherrschaft Segrahn und teilte deren Schicksal, kam später zu Valluhn und damit an Mecklenburg


  1. Hundorf: (Ksp. Groß Trebbow), 1171 erstmals genannt, 1578/1599 vom Domherrn Otto (VIII) v. W. gepachtet, heute Ortsteil von Seehof am Westufer des Schweriner Außensees


  1. Käselow: (Ksp. Pokrent), 1266 verleiht Konrad (II) v. W. dem Kloster Rehna 1 Hufe, mit der er von Fürst Heinrich von Mecklenburg belehnt war


  1. Kassow: (Ksp. Lüssow), 1374 erstmals erwähnt, spätestens 1593 ritterschaftliches Lehngut (bis 1877); kam 1739 pfandweise und 1796 erblich an die v. W.; nach der im Ortsteil Werle gelegenen mittelalterlichen Burg nannten sich die Fürsten von Werle


  1. Katelbogen: (Ksp. Kublank), 1233 als schwerinsches Stiftsdorf erstmals genannt.; kam 1549 mit Pertinentien zunächst lehnsweise an Jürgen (I) v. W., der es 1563 mit Moisall käuflich erwarb. 1596/1604 ist Hardenack v. W. Besitzer, danach seine Söhne Jürgen (II), der es 1631 an Jürgen Lohrmann verpfändet und Hartwig (VI), der es. 1651 an Gotthard von Vogelsang verkauft. Vom einstigen Wohnsitz der Wackerbarth hat sich nichts erhalten. Der Überlieferung nach soll das alte Gutshaus auf den Grundmauern einer slawischen Burg gestanden haben; das heute Gutshaus stammt aus dem Jahre 1898; zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es eine Glashütte; heute ist das Dorf Ortsteil von Baumgarten


  1. Klein Lünow: nö von Brandenburg an der Havel, Besitz von Hartwig V), Achatz (+1711) und Reinhold Ulrich (+1710) v. W., 1710 Verkauf an von Lehsten


  1. Klein Mistorf (Ludwigsdorf): (Ksp. Schorrentin); 30 km südlich von Rostock, zwischen Güstrow und Schwaan; 1782/1802 Besitz der Wackerbarth


  1. Klein Sedlitz (Sachsen): 1719 im Besitz von August Christoph, Reichsgraf v. W.


  1. Klein Tessin (Ksp. Groß Tessin): 1755 durch Kauf Besitz von Joachim Otto Gottfried v. W. (+1782)


  1. Klein Zecher (Ksp. Seedorf): im 15./16. Jhdt. Anteilsbesitz der Wackerbarth: Otto (VI) v. W. verkauft 1471 eine Rente aus seinem Gut „Lutke Tzeggere“; Detlef (V) und Hartwig (III) v. W. verkaufen 1500 ihren Untertanen Hinrik Molre an die von Parkentin und noch 1543 vergleichen sich Claus v. W. und Hartwig (IV) von Parkentin wegen Ansprüchen aus diesem Verkauf; 1566 verkauft Joachim v. W. eine halbe Hufe aus dem Dorf an die Parkentin.


  1. Kogel (Ksp. Sterley): Stammsitz des Wackerbarthschen Geschlechts, 1230 besitzt Otto (III) Albus den halben Zehnten des ganzen Dorfes; nach dem Absterben der Albus verfügt 1277 Bischof Ludolf von Ratzeburg über den Zehntbesitz; die Wackerbarth verfügten dann später neben Lehnsbesitz auch über ein Allodialgut. Vielleicht waren sie die Erben des Allodialbesitzes der Albi? 1503 war Kogel Sitz einer wackerbarthschen Linie, später waren hier zwei Sitze: Kogel I (bis 1850) und Kogel II (bis ca. 1700)


  1. Koschendorf (im ehem. Amt Senftenberg/Brandenburg): 1735 von Anton Heinrich d. J. v. W. gekauft; Besitz von August Heinrich Ferdinand v. W. (+1823), von dessen Tochter Wilhelmine verh. V. Boeltzig an ihren Neffen Teut v. W. vererbt


  1. Kühsen: erstmals 1230 genannt; 1344 hat Konrad (VII) v. W. hier Besitz


  1. Kurzen Trechow (Ksp. Brütz): 6 km nw von Bützow; ehemalige Wasserburg aus dem 12. Jahdt.; im 16. Jhdt. ersetzt durch ein Gebäude, auf dessen Feldsteinmauerwerk 1814 ein zweigeschossiger Renaissancebau erriochtet wurde; Besitz der Familie von Trechow, von Maltzahn und ab 1847 von Plessen; Mitte des 16. Jhdts. kurzzeitig Besitz von Jügen (I) v. W.


  1. Laase (Ksp. Eichelberg): 1298 erstmals genannt, kurzzeitig Besitz von Jürgen (I) v. W.; heute Ortsteil von Baumgarten


  1. (Langen-)Lehsten (Ksp. Gudow): Teil der wackerbarthschen Grundherrschaft Segrahn; die Burganlage („Bollberg“) war um 1350 vmtl. Wohnsitz der Wackerbarth; 1503 verkaufen Detlef (V) und Hartwig (III) v. W. wiederkäuflich nach 100 Jahren an Clemens von Bülow, 1622 endgültig verkauft


  1. Langen Trechow (Ksp. Brütz): kurzzeitig Besitz von Jürgen (I) v. W.,


  1. Lankow (Ksp. Schwerin-Dom): 1237 erwirbt das Schweriner Domkapitel 2 Hufen; 1300 kommt das ganze Dorf in den Besitz des Domkapitels; 1578/1599 vom Domherrn Otto (VIII) v. W. gepachtet; heute Stadtteil von Schwerin


  1. Lauenburg: Conradus (I) besitzt hier 1224/1235 ein Burglehen


  1. Linderode (Lipinski Luzyckie) (Kreis Sorau/Neumark): Gutsdorf in der Neumark, es gab 5 Güter: 1. Ober-Linderode (Gut A): im 18. Jhdt Besitz der von Zeschau, 1857-1945 Besitz der v. W. gnt. Bomsdorff; 2. Mittel-Linderode I (Gut C): 1857-nach 1881 Besitz der v. W. gnt. Bomsdorff, vor 1903 Brase; 3. Mittel-Linderode II (Gut B): im 19. Jhdt Besitz der Stendel, vor 1903 Bartsch; 4. Nieder-Linderode I (Gut D): im 19. Jhdt. Besitz der von Steindel, vor 1903 Bernhard; 5. Mittel-Linderode II (Gut E): 1823-1945 Besitz der von Schönermark


  1. Lübeck: Ulrich v. W. besitzt ein Haus in der Hartengrube


  1. Klein Lünow: 1652 kauft Hartwig (V) v. W. das Gut von Hinrich von Levetzow


  1. Markow (Ksp. Schorrentin): im ehem. Amt Stavenhagen i. M.; 1782/1802 zeitweilig Besitz der Wackerbarth, sonst in Händen der von Levetzow


  1. Mölln: 1212 im Besitz von Thiethard de Mulne (von Wustrow), 1230 besitzt Konrad (II) den Bischofszehnten; 1299 trifft der Hamburger Bürgermeister Johann von dem Berge, der Schwiegervater von Otto (I) v. W., Verfügungen über „decimam de Molne“ zugleich mit solchen über anderen wackerbarthschen Besitz 61;; David (I) v. W. verkauft 1321 den Zehnten auf dem Steinfelde und seine Söhne verfügen 1325 dort über den halben Zehnten, den sie von Bischof Marquard zu Lehn tragen


  1. Moisall: Kirch- und Gutsdorf im ehem. Amt Bützow; 1264 erstmals erwähnt; 1649 zunächst als Stift-Schwerinsches Lehn an Jürgen (I) v. W., der es 1563 mit Katelbogenkauft; 1569 erhalten die v. W. das Patronat der Kirche; 1594/1604 besitzt es Hardenach v. W.; Hartwig (V) v. W. verkauft es zunächst an Vicker Barner – von dem er es wieder herausklagt – und dann an Gotthard Vogelsang; 1651/1661 Pfandbesitz von Kaspar von Vieregge, danach wechselten die Besitzer häufig, 1714 ist Georg von Winterfeld Eigentümer, dann wieder häufiger Besitzwechsel


  1. Müssen (Ksp. Siebeneichen): 1663/1670 Besitz von Christian Ulrich v. W., der als „Erbherr auf Müssen“ bezeichnet wird 62


  1. Nepersdorf (Ksp. Zurow/Jesendorf): war im 18. Jhdt. im Besitz von Detlef (VII) v. W.


  1. Neu Horst (Ksp. Sterley): nach 1575 von den Wackerbarth angelegter Meierhof (Pertinenz von Alt Horst), 1666 Verkauf an die von Brömbsen


  1. Nieder-Gebeltzig (Kreis Rothenburg/Niederschlesien): am Rande des Oberlausitzer Berglandes; Besitz Graf August Christopher v. Ws 63


  1. +Nienhagen (Ksp. Kublank): untergegangenes Dorf bei Katelbogen, 1649 im Besitz von Jürgen (I) v. W., der hier zeitweilig wohnte


  1. Ober-Gebeltzig (Kreis Rothenburg/Niederschlesien): Besitz Graf Augusts v. W. 64

  2. +Oldenburg (Ksp. Sterley): 1823 gelegtes Dorf im Südteil der Gemarkung Horst, zuerst 1211/1238 als Schwarzensee genannt, dann 1294 zuerst Oldenburg, 1573 verkauft das Ratzeburger Domkapitel sein Dorf Oldenburg mit der wüsten Feldmark > +Clotesfelde an Claus und Hartwig (IV) v. W. 65


  1. +Pinnow: Otto (I) v. W. hatte hier Besitz; 1300 schenkte er dem Hl.-Geist Altar in Mölln 2 Hufen


  1. Oettelin: (Ksp. Lüssow), östlich der Warnowniederung, 1285 erstmals genannt; 1778 teilweise im Besitz von Joachim Otto Gottfried v. Wackerbarth


  1. Poggelow: (Ksp. Jördensdorf), 1697 erwarb Reinhold Ulrich v. W. (+1710) den von Bassewitzschen Anteil


  1. Ratzeburg: Conradus (I) von Lauenburg besitzt hier (zusammen mit Corvus von Ritzerau) ein Burglehen; später, im 16. Jhdt., hat die Familie von Wackerbarth (Claus) hier ein Stadthaus


  1. Rethmar: Schloss Rethmar bei Sehnde (Hannover) ist seit 1984 Mittelpunkt der Familie von Wackerbarth gnt. Bomsdorff


  1. Rühn: kurzzeitig Besitz von Jürgen (I) v. W.: die Wackerbarth hatten hier auch Anteile am See, die vmtl. Gegen solche am Schlockower See eingetauscht worden waren


  1. Sagstorf (Ksp. Sternberg/Sülten): 1549 kaufte Jürgen (I) v. W. das Dorf 1631 an Joachim Lohrmann verpfändet


  1. Salem (Ksp. Sterley): die Wackerbarth hatten hier seit alter Zeit Hufenbesitz von zuletzt 2 Bauern- und 2 Katenstellen


  1. Sarmstorf (Ksp. Schorrentin): in dem ehem. Amt Güstrow i. M.; 1782/1802 Besitz der Wackerbarth


  1. Schadeland (Ksp. Zarrentin), im ehem. Amt Zarrentin, 1351/1356 hatten hier die Brüder Johann (II) gnt. Wacker und Konrad (VI) v. W. zu Hollenbek Besitz


  1. +Schlockow (Ksp. Zernin): Dorf und See; das Dorf wird 1517 zuletzt genannt; der Hof stand noch zur Zeit von Jürgen (I) v. W.; die Wackerbarth besaßen hier auch die Rechte am See


Schwarzensee > siehe Oldenburg


  1. in Schweden: Franz Heinrich v. W. (+n. 1736) besitzt in Uppland die Rittersitze Kurö (1599/1620), Hässle (1610/1636), Ryda (1610/1636), Svepnäs (1610/1636) und Wärnsta (1608); in Östergotland besitzt er Windingsjö (1608)


  1. Schwerin: 1578/1599 hatte der Domherr Otto (VIII) v. W. die „Bischofsmühle“ bei Schwerin in Pacht; 1586 kaufte er den ehemaligen bischöflichen Bauhof, errichtet hier 1590 seinen Schweriner Amtssitz, der bis um 1685 (Absterben der Linie) in wackerbarthschem Besitz blieb


  1. (Deutsch-)Segrahn (Ksp. Gudow): Dorf mit 1230 36 Hufen; im 12./13. Jhdt. Besitz der Ritterfamilie von Segrahn; dann werden die von Zülen Grundherren, die – vmtl. nach der teilung der Feldmark – ihren Rittersitz noch in der ersten Hälfte des 14. Jhdts. nach Wendisch Segrahn verlegen; damals kam Deutsch Segrahn an die Wackerbarth und blieb es mit Unterbrechungen bis 1622 66. Als Mittelpunkt einer Grundherrschaft gehörten dazu > +Bannau, > +Brodesende, Teilbesitz in > Gudow, Besenthal, > (Langen-)Lehsten und der halbe > Valluhner Horst. 1503 verkaufen Detlef (V) und Hartwig (III) v. W. ihre Grundherrschaft wiederkäuflich nach 100 Jahren an Clemes von Bülow; vor 1547 wurden die Bauern nach Gudow umgesetzt; in der Folge Errichtung einer Hofanlage durch Busso von der Schulenburg; nach der Wiedereinlösung ihrer Grundherrschaft war (Deutsch-)Segrahn 1573/1577 und erneut 1657 Wohnsitz einer Linie der Wackerbarth


  1. Sehlsdorf (Ksp. Brütz): 1293 Besitz von Detlef (I) v. W.


  1. Steinhagen (Ksp. Kunlank): schwerinsches Stiftsdorf, kam 1549 zur Hälfte an Jürgen (I) v. W.


  1. Sterley: 1230 Kirchdorf mit 40 Hufen mit den Zehnteninhabern Wedekinus und Bruno; dann erscheint hier im 13. Jahrhundert zuerst ein Geschlecht, das sich nach dem Ort selbst „von Stralige“ nennt (1263/1290), wohl noch im 13. Jahrundert folgen dann – vmtl. als Rechts- und Lehnsnachfolger - bis 1850 die Wackerbarth, die den größten Anteil des Dorfes besaßen 67. Anteilsbesitz anderer Geschlechter (von Ritzerau, von Scharpenberg) findet sich noch bis ins 16. bzw. 19. Jahrhundert. Das Patronat lag wechselweise bei den v. W. und dem Landesherrn


  1. Tessin: (Kirchort) 1778 im Besitz von Joachim Otto Gottfried v. W.


  1. Tesperhude: für kurze Zeit Besitz von Agust Joseph Ferdinand v. W. (+1850)


  1. Tieltz (Ksp. Linderode): im 19. Jhdt. Besitz der Wackerbarth gnt. von Bomsdorff (-Linderode)


  1. Todendorf (Ksp. Siek) 68: 1259 erstmals urkundlich genannt. 1263 verkauft Ritter Gerhard Todendorpe für 150 Mk an das Hamburger Domkapitel 69; Wackerbarthscher Besitz lässt sich seit Ende des 13. Jhdts. nachweisen: 1294 hatte Otto (I) v. W. Anteilsbesitz neben anderen Geschlechtern (1300 von Homere, 1317 von Wedel); 1342 ist das Dorf erneut im Besitz des Hamburger Domkapitels


  1. Tüschenbek (Ksp. Grönau): kam 1690 – mit Hornstorf, Groß Sarau und Groß Grönau – durch testamentarische Verfügung der Fürstin Sybilla Augusta von Sachsen-Lauenburg an die Ehefrau von Christian Ulrich v. W.; das Gut blieb – nachdem 1699 Groß Grönau und Hornstorf abgetrennt worden waren – bis 1785 Besitz der Wackerbarth


  1. Wackerbarthsruh (Radebeul-Niederlößnitz): 1730 als Alterssitz für August Christoph Reichsgraf v. W. erbaut; nach dem Tode von Joseph Gabaleon v.W.-Salmour 1761 zugunsten der Armen von Dresden versteigert; 1808-1816 und 1824.1846 in Besitz von August Joseph Ludwig v. W. (+1850); 1945 übergaben in Wackerbarthsruh die amerikanischen Truppen die von ihnen besetzten Teile Sachsens an die Rote Armee und hier erhielt Walter Ulbricht den Auftrag der Sowjets zur Gründung der DDR; heute sächsisches Staatsweingut


  1. Warksdorf (Ksp. Goldenbee): 1591/1599 im Besitz des Domherren Otto (VIII) v. W.


  1. Wien: August Christoph v. W. besaß hier ein Stadthaus und Joseph Gabaleon v. W.-Salmour einige Mietshäuser


  1. Wilsen: im ehem. Amt Lübz i. M.; gehörte dem Kloster Marienfließ an der Stepenitz; 1293 hatte Detlef (I) v. W. hier Besitz


  1. Woserin: Kirchdorf im ehem. Amt Güstrow i. M. 13 km nö Goldberg;seit 1254 gehörte dioe Kirche zum Dobbertiner Archidiakonat, Detlev (I) v. W. besitzt hier 1293 8 Hufen als Teilbesitz; die eigentlichen Herren Woserins, die den weitaus größeren Anteil besaßen, waren zu dieser Zeit ein Geschlecht, das sich nach dem Dorf selbst nannte 70. Sie verkauften 1319 an die von Cramon


  1. Zabeltitz: Herrschaft im ehem. Amt Großenhain/Sachsen; Schloß und Amt Zabeltitz mit neun lehnpflichtigen Dörfern waren Besitz von August Christoph Reichsgraf v. W., der hier 1730 das „Neue Schloss“ durch J. Ch. Knöffel erbauen ließ; 1760 wurde der Besitz von seinen Erben v. W.-Salmour verkauft


  1. Ziggelmarck: (Ksp. Wittenburg), die Wackerbarth besaßen hier geringen Grundbesitz



Kogel – Allod oder Lehn?

Das Lehen war höchstpersönlich. Es fiel nach dem Tode des Inhabers an den Lehnsherrn zurück und konnte nur in gerader Linie an einen männlichen Erben gegeben werden (Mannlehen). In seltenen Fällen ging das Lehen auch in der weiblichen Linie weiter (Kunkellehen). Der Erbe des verstorbenen Lehnsträgers musste in jedem Falle die Genehmigung des Lehnsherrn in der Regel des Landesherrn, einholen. Er musste „muthen“ und bekam einen „Muthzettel“, eine Art Quittung. War kein direkter mänlicher Erbe vorhanden, kamen Mitbelehnte, Vettern oder Neffen in Betracht. Hatten sie den gleichen Namen, waren meist keine Schwierigkeiten zu erwarten. Waren es aber Namensfremde oder gar Blutsfremde, dann zog der Lehnsherr gerne das Lehen ein, um es an einen Mann seiner Wahl zumeist als Belehnung für treue Dienste neu zu vergeben. Verkaufen konnte der Lehnsnehmer nichts, außer vielleicht Teile des Inventars, und Geld darauf borgen war auch nur sehr beschränkt möglich und nicht gegen den Willen des Landesherrn. Als Sicherheit für Anleihen konnte man nur seinen „Allod“ bieten, also das Land und den Wald, den man neben dem Lehen selbst als Eigentum erworben hatte.


Im Herzogtum Sachsen-Lauenburg ging man erst in der frühen Neuzeit dazu über, Lehnbriefe zu erteilen. Auf dem Lehnstag in Lauenburg 1566 erklären die Lehnsleute, dass es im Herzogtum Sachsen-Lauenburg nicht Brauch gewesen sei, Lehnsbriefe zu nehmen, sondern sie seien nur „mit Hand und und“ belehnt worden. Sie bitten den Herzog als Ihren Lehnsherrn, es dabei zu belassen 71. 1599 verweigert Hartwig (IV) von Wackerbarth in einem Brief an Herzog Franz II. von Sachsen-Lauenburg sein Kommen an den Hof, um dort wie verlangt, Lehnsnachweis und persönliche Schuldverhältnisse offenzulegen. Als sich 1611 die von Schack, von Daldorf und von Wackerbarth erneut weigern, Lehnbriefe zu nehmen 72, werden Heinrich (VIII, XIV-84) und sein Vetter Ulrich von Wackerbarth (XIV-88) von ihren askanischen Landesherren aufgefordert, ihre Lehnsbriefe vorzulegen. Als sie sich am 31.10.1611 im herzoglichen Schloss zu Lauenburg einfinden, können sie nur „Muthzettel“ vorlegen, so dass ein neuer Termin „zur Produktion ihrer Originallehnsbriefe“ festgesetzt wird 73. Dieser Vorgang wiederholt sich bis zum Erlöschen des askanischen Herzogshauses im Jahre 1689 noch einige Male. Zu keinem der vereinbarten Termine legen die Wackerbarth einen Lehnsbrief vor. Der Grund dafür ist einfach: Die Familie besaß keinen.


Die Wackerbarth waren im 17. Jahrhundert mit den Schack und Daldorp die letzten Adelsfamilien, die ihren Besitz noch aus der Zeit der deutschen Kolonisation hatten. Das Ratzeburger Zehntenregister von 1230 nennt 1230 Otto Albus (II-6) mit dem jeweils halben Zehnten der Dörfer Kogel. Klein Thurow und (Groß) Disnack, sowie Conradus (III, IV-10) mit dem von Hollenbek und Mölln. In der Ortschaft aber, in der der halbe Zehnt vergeben ist, handelt es sich nach Hellwig um ein Allodialgut, also um frei verfügbares Landeigentum. Der Inhaber eines Allodialgutes hatte aber im Landtag weder Sitz noch Stimme. Dagegen stand der Lehnsbesitz, der der Bestätigung durch den Landesherrn in Form der sogenannten „Muthung“ bedurfte. Aller dings kannte man zur Zeit der deutschen Kolonisation noch keine Lehnsbriefe. Das vorhandene und zu kolonisierende Land wurde einfach vom Landes- und Lehnsherrn an seine Kampfgefährten und deren Großfamilien verteilt oder aber diese Familien saßen bereits im Lande, hatten sich dem neuen Herrn nur angeschlossen und verwalteten ihre Besitzungen aus eigenem Recht. Man fühlte sich in seinen großen Ländeeien sehr sicher, gab dem Herzog, was des Herzogs war, aber keinesfalls wollte man eine Unter tänigkeit durch einen Lehnsbrief dokumentieren lassen. Den meisten Landesherren gelang es aber, ihre Vasallen bis zum 16. Jahrhundert zur Annahme solcher Lehnsbriefe zu zwingen. Auch die Wackerbarth haben zwar mehrfach das Lehnsverhältnis anerkannt, aber immer „Seine Fürstlichen Gnaden gebeten, sie mit Lehnsbriefen gnädigst zu verschonen“.


Kogel besaß eine Zwitterstellung: es war sowohl ein altes Mannlehngut als auch ein Allodialgut. Das ist seit alters her bemerkenswert. Ein zu Kogel gehöriger Hof wird bereits im Mittelalter als Allodialgut aufgeführt, befand sich also im Privatbesitz der von Wackerbarth. Die Tatsache, dass die Familie von Wackerbarth in Kogel bereits im Mittelalter über derartigen Allodialbesitz verfügte, weist angesichts der Tatsache, dass im Herzogtum Lauenburg die Struktur des Lehnsverbandes erst 1876 aufgehoben wurde, weit über den materiellen Rahmen hinaus 74.



Schreiben von Otto von Wackerbarth vom 28.11.1587
an Herzog Franz wegen der Lehnbriefe






Beziehungen zu geistlichen Einrichtungen:


Geht man von der Bedeutung der Wackerbarth aus, so nehmen sich deren Beziehungen zu geistlichen Einrichtungen eher bescheiden aus. Wir finden Angehörige als bischöflich-ratzeburgische und bischöflich-schwerinsche Vasallen, aber auch zur Hamburger Diözese bestanden Verbindungen. Bekannt sind drei Domherren: Conrad/Cuno (I, II-3, 1194/1224) Detlef (II; VI-20) 1327/1341 und Marquard (IV, XI-61) 1496. Ein weiterer Marquard, nach älterer Überlieferung zwischen 1261 und 1289 Ratzeburger Domherr gewesen sein soll, ist zu streichen. Mit Otto (VIII; XIII-73, +1599) stellt das Geschlecht in Schwerin einen Dompropst, Ulrich (XIV-88) ist dort Domdechant. Richolf (VI-23) ist 1316 Deutsch-Ordensritter. Wir finden wackerbarthsche Töchter als Nonnen in mehreren Klöstern: eine Tochter Detlevs (I), deren Namen wir nicht kennen (VI-15), in Dobbertin, Elisabeth (I, IX-43) und Richarda (IX-44) 1388 in Zarrentin, Benedicta Margarete (XV-104) in Ütersen. Anna Sophia (I, XV-111, *um 1572) ist Priörin vom Stift zum Heiligen Grabe in der Mark Brandenburg, Anna Victoria Louisa (XVII-135) ist Nonne, ihre Schwester Benedicta Sophia (XVII-137) Äbtissin des Klosters Barsinghausen in Niedersachsen.


Schenkungen und Stiftungen finden wir nur spärlich bezeugt. Otto (I, V-13) trifft Verfügungen aus Großensee und Todendorf im Zusammenhang mit der Stiftung einer Memorie für sich und seine Frau. Detlef (I, V-11)) ist Mitstifter des Hospitals zu Dobbertin. Aus späterer Zeit haben wir die Stiftung der Kanzel in der Kirche von Moisall (1615) und wohl auch der dortigen Glocken (1625). Daneben gibt es immer wieder auch Stiftungen von Abendmahlsgerät.


Als Grundherren besaßen die Wackerbarth das Patronat über die Kirche in Moisall sowie über die Kapellen in Oldenburg und (Langen-)Lehsten. Das Patronat in Sterley übten sie im Wechsel mit dem Landesherrn aus. Dieses lag 1564 bei den Wackerbarth, 1581, 1590 und 1614 dagegen bei den Herzögen von Sachsen-Lauenburg.




Die Wackerbarthsche Bürgschaft von 1565:

(nach Christopher Freiherr von Warnstedt) 75


Von schicksalhafter Bedeutung für die Wackerbarth wurde das Jahr 1565, als Claus (XII-65) und Joachim von Wackerbarth (XII-64) sich mit fünf weiteren Standesgenossen (Heinrich, Franz Hartwig und Valentin Schack, Jürgen von der Lieth, Matthias von Kalbe) für ihren Lehnsherrn verbürgten. Herzog Franz I. d.Ä. von Sachsen-Lauenburg (1543-1581) hatte sich 5000 Mk. lüb. (= 2500 Rtlr) von Eckard (X) von Parkentin geliehen und ihm Bürgen gestellt. Diesen Bürgen überschrieb er für den Fall, dass sie in die Bürgschaft eintreten müssten, die Dörfer Hollenbeck mit dem Hof und Lehmrade nebst der Schäferei Brunsmark als Sicherheit. Abgesehen von diesen Sicherheiten wäre es den Wackerbarth bei ihrer engen Einbindung in den herzoglichen Hof wohl auch kaum möglich gewesen, der Bitte ihres Landes- und Lehnsherrn nicht nachzukommen. Am 15.02.1571 nahm Herzog Franz I. erneut ein Darlehn auf, dieses Mal von Levin Winterfeldt und gab den Bürgen Vettern und Gebrüdern Schack das Recht, Hollenbek in Besitz zu nehmen. Inzwischen hatte aber der zweite Herzog, Franz II., das Pfand besetzt. Deshalb wandten sich die Bürgen nun an ihn mit der Bitte, die Schuld zu bezahlen oder das Pfand herauszugeben. Ein Jahr später mahnten sie ihn und seinen Vater erneut. Franz I. wandte sich gleichfalls an seinen Sohn Franz II. mit der Forderung, das Pfand an die Bürgen herauszugeben. Als das nicht geschah, musste er ihnen erklären, das er weder bezahlen, noch das Pfand ausliefern könne. Bei der ständigen Geldnot der askanischen Herzöge kam es wie es kommen musste: Eckhard von Parkentin hält sich an die Bürgen, die in Wismar die herzogliche Schuld bezahlen mussten. Auf die Wackerbarth entfallen 2/7 der Summe, also 715 Rtlr incl. Zinsen und Kosten. Aber es waren ja Sicherheiten da. Doch da stellt sich heraus, dass die Dörfer Hollenbeck und Lehmrade nicht automatisch an die Bürgen fallen.


Noch 1577 forderten die Bürgen den Herzog auf, er möge endlich die Schuld bezahlen. Als dies ohne Erfolg blieb, kündigten Otto (VIII) Wackerbarth (XIII-73) zu Kogel und Franz Wackerbarth (XIII-75) zu Segrahn, am 23.06.1582 gegenüber Herzog Franz II. die von ihrem Vater Claus übernommene Bürgschaft und suchen vergeblich um Erstattung der wegen dieser Bürgschaft von ihnen an Kapital, Zinsen und Kosten bezahlten Summe nach, die sie nun schon mit 1500 Rtlr beziffern. 1614 klagen die Wackerbarth ihre Forderung dann in einen hundertjährigen Prozess gerichtlich ein, doch bevor das Verfahren so richtig in Gang kommt, beginnt der Dreißigjährige Krieg. Das Geld wird immer knapper, Requirierungen und Plünderungen gehen auch an Kogel nicht vorbei, und die zur Sicherheit verschriebenen Dörfer tragen nichts zur Verbesserung der Lage bei, da der Fürstenhof deren Überschreibung immer weiter verzögert. Schließlich entscheidet das Reichskammergericht in Speyer in den Jahren 1671, 1674, 1684 und letztlich noch 1686 zugunsten der Wackerbarth. 1687, in der Exekutionsinstanz, wird die Forderung der Wackerbarth auf 17 765 Reichstaler 14 4/7 gute Groschen beziffert. Die Mitbürgen der Wackerbarth, die Schacks, waren in der Person des Oberhauptmanns Schack 1674 von dem letzten askanischen Herzog, Julius Franz, befriedigt worden. Endlich, im Jahre 1690 wird das Urteil zur Vollstreckung an die Sächsisch-Lauenburgische Behörde ausgeschrieben. Aber gerade da ist der Schuldner, der letzte lauenburgische Herzog aus dem Hause der Askanier, unter Hinterlassung weiterer Schulden dahingeschieden.


Als nun der Oberhauptmann der Feste Harburg, Christian-Ulrich von Wackerbarth, (XVI-128) im Einvernehmen mit seinem Schwager, dem allmächtigen Staatsminister Andreas Gottlieb von Bernstorff in Hannover, handstreichartig das „herrenlose“ ehemalige askanische Herzogtum für Herzog Georg-Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg besetzt, legt er auch Arrest auf die Dörfer Hollenbeck und Lehmrade. Letzteres geschah sicher nicht ohne Wahrung eigener Interessen, hatte er doch bemerkt, dass die beiden Töchter des letzten Herzogs damit begonnen hatten, die „Mobilia“, das bewegliche Inventar aus diesen verbürgten Dörfern außer Landes zu bringen. Die beiden Prinzessinnen wollten die Beschlagnahme nicht hinnehmen und beauftragten den Hamburger Anwalt Dr. Zacharias Kramer mit der Wahrung ihrer Interessen. Dieser erwirkte einen Gegenarrest, doch gelingt es Christian-Ulrich schließlich von seinem Herzog in Celle anstelle der Dörfer, für die von ihm nach dem Geldverfall des 17. Jahrhunderts auf nunmehr 11000 Taler bezifferte Schuld, eine Geldzusage von immerhin 6000 Talern zu bekommen. Dafür wollte der Herzog von der alten Schuld seiner askanischen Vorgänger in Lauenburg allerdings freigestellt sein. Den noch fehlenden Rest von 5000 Talern wollte sich Christian-Ulrich von den Allodialerben, also den beiden Prinzessinnen, holen. Immerhin erhält er in Celle von den versprochenen 6000 Talern 4000 Taler. Von den askanischen Erben dagegen erhält er nichts. Diese behaupteten, das Geld sei seinerzeit zum Wohle des Staates ausgegeben worden und die Landstände hätten durch eine Umlage die Schuld abzulösen gehabt.


Christian-Ulrich von Wackerbarth schloss nun mit dem Vertreter des Stammes Kogel A, August-Heinrich von Wackerbarth (XVI-123), den Drosten zu Ahlden, einen Vertrag und versprach von seinen 4000 Talern die Hälfte nach Kogel zu geben, d. h., 1000 Taler wollte er noch zurückbehalten für die zu erwartenden Prozesskosten gegen die Allodialerben. Als dann 1711 August-Heinrich von Wackerbarth starb, waren selbst von den versprochenen 1000 Talern noch kein Heller nach Kogel gelangt. Der Sohn des Drosten, Berufssoldat und Lehnsnachfolger, stand im Feld und die Sache schlief wieder ein, bis die von Christian-Ulrich begründete Tüschenbecker Linie 1785 in der männlichen Linie ausstarb. Als nun die Schwestern des Letztverstorbenen Ulrich Andreas Hans von Wackerbarth (XVIII-150) das Gut Tüschenbeck per Inserat in der Zeitung meistbietend versteigern wollten, versuchten ihre Vettern vom Stamm Kogel A, Joseph Friedrich Erdmann (XIX-162), Ludwig Carl Wilhelm (XIX-165) und August Heinrich Ferdinand (XIX-163) als „von Wackerbarthsche Consorten“ wenigstens die noch nicht gezahlten 1000 Taler aus der Versteigerung zu retten, offenbar vergeblich, denn später griff der „Raugraf“ August Joseph Ludwig von Wackerbarth (XX-172) die Geschichte unglückseligerweise wieder auf und begann den ganzen Prozess von neuem.




Die wackerbarthsche Grundherrschaft Segrahn:

(nach Karl Behrends 76)


Neben der Grundherrschaft Kogel-Sterley besaßen die Wackerbarth mit Segrahn eine weitere. Zu ihr gehörten außer Deutsch-Segrahn und zeitweilig (um 1300) auch Gudow, die Dörfer (Langen)Lehsten, Dargenow, Besenthal und Brodesende sowie die halbe Horst Valluhn. Das Ratzeburger Zehntenlehnsregister macht für das Jahr 1230 hier folgende Angaben:


Dorf

Kirchspiel

Grundherr

Hufenzahl

Anteil des Grundherrn

Gudow

Gudow

Theoderich Lupus

?

3

Lehsten

Gudow

Bruno

Bernhard (v. Maltzan?)

36

Bruno 2

Bernhard 2

Maslevitz

(Horst Valluhn?)

Gudow

Johannes (v. Bülow?)

12

½ des ganzen Dorfes

(Deutsch)-Segrahn

Gudow

Wilhelm v. Segrahn

36

6

Wendisch-Segrahn

Gudow


-


Dargenow

Gudow

Heinrich (v. Salem?)

Friedrich (v. Hagenow?)

17

Heinrich 1

Friedrich 1

Besenthal

Gudow

Bernhard (v. Maltzan?)

12

2

(Brodesende)

-

-

-

-


Das Zehntenlehnsregister belegt zweifelsfrei, dass die Wackerbarthe um 1230 im Kirchspiel Gudow noch nicht Fuß gefasst hatten. Wann sie hierher kamen, darüber sagen die Urkunden nichts. Vermutlich starb die Familie von Zageran (Segrahn) noch im Verlauf des 13. Jahrhunderts aus, so dass das Lehengut Segrahn frei wurde und an den Herzog zurückfiel. Da in dem Lehengut zwei Dörfer lagen, belehnte er nun zwei Adelsgeschlechter damit bzw. verkaufte die Dörfer an sie. Die Grundherrschaft wurde so geteilt. Dabei erhielten die von Zülen Wendisch-Segrahn mit dem Dorf und dem halben See, von Deutsch-Segrahn den halben Berg und die anliegende Bergbreite mit der Rehburg (1349 zerstört). Den Wackerbarthen fiel der größere Teil der Feldmark von Deutsch-Segrahn zu, mit dem Dorfe, dem Wirtschaftshof und dem ursprünglichen Rittersitz der Familie von Segrahn. Die Familie war bereits im benachbarten Gudow begütert. Otto (I, V-13) hatte dort seit längerer Zeit („longo tempore“) Besitz, von dem er 1300 4 Hufen dem Heilig-Geist-Altar in Mölln schenkte 77 und Konrad (V) „von Gudow“ (VI-21), der 1308 Urfehde schwört, gehört wohl schon wegen seines Rufnamens zur Familie von Wackerbarth.


Selbst haben die Wackerbarth aber wohl nicht in Deutsch-Segrahn gewohnt. Der einzige Burgplatz, den wir auf allen Feldmarken der wackerbarthschen Grundherrschaft Segrahn kennen, ist der „Bollberg“ zwischen Langenlehsten und der Wüstung Dargenow. Über ihn schreibt Hofmeister 78:


Mitten aus dem Lehstener Moor, das sich an der westlichen Seite des langen Straßendorfes hinzieht, ragt der Bollberg hervor. Er ist ein natürlicher, runder Horst von 75 bis 80 m Durchmesser. Hier hat eine Burg gelegen, deren Gestalt durch die Natur vorgezeichnet war. Das mittlere Kernstück wurde mit Wall und Graben gesichert. Da die Oberfläche des Horstes segmentartig gewölbt war, wurde eine natürliche Höhenlage des Burgplatzes im Verhältnis zu dem Vorgelände gewonnen. Der Grundriss war aber nicht groß genug, um die ganze Insel zu füllen. Am Rand blieb ein Kranz stehen, der nun als Vorwall erschien und diesen Dienst leistete. Der Eingang, der sich als Unterbrechung des Walles und korrespondierende Mulde des Vorwalles zeigt, lag im Westen“.


Die Burganlage ist entweder eine Gründung der Familie von Lehsten, die im 13. Jahrhundert mehrfach genannt wird oder aber sie steht ursprünglich mit dem 1254 genanten Siegfried von Dargenow in Verbindung. Nachdem Lehsten an die Wackerbarth gekommen war, ist es nicht ausgeschlossen, dass die Segrahner Linie dieses Geschlechts auf dem Bollberg gewohnt hat, bevor auch er in einer Fehde zerstört wurde. Nach dem Untergang der Burg werden sie dann ihren Hof, zentral gelegen zwischen den Dörfern ihrer Besitzungen, im Osten der Feldmark Besenthal errichtet haben. Dort wohnte 1412 Otto (V) von Wackerbarth (IX-41), der in diesem Jahr - zusammen mit seinem Sohn Heinrich (VII, X-46) - das Dorf Besenthal an die Marienkirche in Gudow verkaufte, aber den Hof und das Gericht Besenthal behielt 79. In Besenthal wohnte das Geschlecht noch 1424 80, ehe es dann endgültig auf seinen Stammsitz nach Kogel verzog.


Die von Zülen, die nach der Zerstörung ihres Rittersitzes „Rehburg“ in der Fehde von 1349 auf die Kemlade im Segrahner See gezogen waren, wechselten bald nach 1400 ebenfalls auf ihren 1334 erworbenen Besitz Gudow, den sie mit Wendisch-Segrahn vereinigt hatten. Dieser von Zülesche Besitz kam 1470 an die von Bülow.


1503 verkaufen Detlef (V, XI-59) und Hartwig (III, XI-57) von Wackerbarth auf Kogel für 1578 Mk wiederkäuflich nach 100 Jahren dann ihre Grundherrschaft Segrahn an Clemens von Bülow auf Gudow 81 und zwar: „Unser Dorf Lehsten, die wüste Dorfschede Feltmarcke und Holtzungen zu Darg(en)au, die halbe Feltmarcke Seggeran mit dem halben See und den halben Berg zu Seggeran mit der Halben Horst zu Vallun, die dorfschede zu Brodesende und mit das Gerichte, was unß zu kombt zu Beßenthal und was wir vor Gerechtigkeiten daran haben“. Mit diesem Verkauf oder richtiger, mit dieser Verpfändung, beginnt ein langwieriger Streit zwischen den Wackerbarth und den von Bülow. Er begann, als Joachim von Bülow im Jahre 1565 im Zusammenhang mit Erbstreitigkeiten um Gudow Busso von der Schulenburg die Pfandgüter der Wackerbarth überließ 82. Von der Schulenburg errichtete noch 1565 in Segrahn eine Schäferei und erbaute in der Folge den Segrahner Hof, den er ab 1570 auch selbst bewohnte. Ob er auch mit dem Bau einer Burganlage begonnen hat, ist nicht sicher. Auch diese hat Hofmeister untersucht und beschrieben 83.


Am Ortsrande des (Segrahner) Hofes liegt eine eigenartige Wehranlage. Ein rhombusartiger Platz von 20 Meter durchschnittlichem Durchmesser ist von einem 10 Meter breiten Graben umzogen. Die Senke, die östlich und südlich gleichsam als zweiter Graben vorgelagert, ist ein natürlicher, höchstens künstlich regulierter Abfluß zum Segrahner See ... Bei der Örtlichkeit ist bemerkenswert, daß die Burg in festen Lehmboden eingeschnitten ist, im Gegensatz zu den meisten Anlagen, die im Schutze des Moores errichtet sind. Eine eingehende Untersuchung des Burgplatzes nach Steinfunden hat zu keinem Ergebnis geführt. Der Boden ist rein und noch nicht einmal mit Kulturresten durchsetzt. Die Anlage gibt ein Rätsel auf, das vorläufig noch nicht gelöst ist. Für einen Rittersitz, zu dem es der Größe nach passen würde, fehlen Brandschutt und die Fundamente. Gegen einen hölzernen Wohnturm aus dem Ende des 13. Jahrhunderts spricht der Grundriß“.


Es ist also durchaus möglich, dass Busso von der Schulenburg die Absicht hatte, in Segrahn ein festes Haus zu errichten, doch ist er dann offenbar über den Bau des Burgplatzes nicht herausgekommen. Vielleicht hat aber auch erst Detlef von Wackerbarth mit dem Bau begonnen 84.


Der Ausbau von Segrahn verschlang naturgemäß große Geldmittel. Und um die war Busso von der Schulenburg ständig verlegen. So betrieb er den Holzeinschlag in einem solchen Ausmaß, dass die Wackerbarthe sich zum Handeln genötigt sahen 85: „Busso von der Schulenburg betrieb auf der Segrahner Feldmark die Holzverwüstung in solchem Ausmaß, daß 1568 seine Prozessgegner im Streit um dieses Gut mit einem Aufgebot von 34 mit Kerbstöcken ausgerüsteten Bauern aus Kogel und Sterley die Zahl der gefällten Bäume notariell feststellen ließen. Im ‚Dicken Grund’ waren 594 Bäume, meist große Eichen und Buchen, Stamm bei Stamm geschlagen, zwischen dem Gudower See und dem Segrahner Hof gar 1650 Stämme Eichen- und Buchenbauholzes, darunter 16 große Schneidebäume, die schon zu Schiffsplanken verarbeitet waren; auf die Auszählung eines weiteren, völlig abgetriebenen Ortes zwischen dem Hof Segrahn und Langenlehsten wurde verzichtet“. Um seiner ständigen Geldnot Herr zu werden, lieh sich Busso von der Schulenburg von Balthasar von Pentz in Oldesloe 8000 Taler und verpfändete ihm dafür Segrahn. Das war aber bereits von Franz von Bülow für 4000 Mk an die Rantzau auf Putlos verpfändet worden, denen Franz von Bülow zur Sicherheit außerdem eine Lade mit Silbergeschirr ausgehändigt hatte, die der Statthalter Heinrich Rantzau verwahrte. Busso von der Schulenburg hatte deren Pfandsumme nicht bezahlt und die Pfandverschreibung nicht eingelöst. Die Rantzau sahen nun ihre Rechte aus der Pfandverschreibung gefährdet und verlangten vom Herzog, dass er ihnen das Gut Segrahn übergeben möge. Durch einen gerichtlichen Entscheid erlangten sie die Einsetzung in die Pfandgüter der Wackerbarthe.


Diese fürchteten nun ihrerseits um ihre Pfandgüter, denn sie wussten nicht, was die in Holstein ansässigen Rantzau mit Segrahn machen würden. So entschlossen sich 1572 Hartwig (IV, XIII-70) und Detlev (VI, XIII-71) von Wackerbarth, ihre Pfandgüter einzulösen. Sie einigten sich mit den Rantzau, die ihnen gegen eine Zahlung von 1200 Talern ihre Ansprüche an Segrahn abtraten.

Nachdem die Wackerbarth ihre Pfandgüter zurückgekauft hatten, wollten sie diese natürlich auch wieder in Besitz nehmen, doch Busso von der Schulenburg weigerte sich, den Hof Segrahn zu räumen. Die Wackerbarthe wandten sich daraufhin an Herzog Magnus II., der die Angelegenheit zur Entscheidung an die Ritterschaft weiterleitete. Diese entschied 1573, dass Busso von der Schulenburg Segrahn räumen und an die Wackerbarthe zurückzugeben und sich mit den Wackerbarthen wegen des unangemessenen Holzeinschlages zu einigen hätte 86. Da Busso von der Schulenburg sich weiterhin weigerte, Segrahn zu räumen, schritt man zu einer gewaltsamen Lösung. Als Busso und seine Frau in Segrahn abwesend waren, erschien Herzog Magnus II. mit den Wackerbarthen in Segrahn. Man drang mit Gewalt in das Haus ein, räumte es leer und stellte alles ins Freie. Nun nahm Detlef von Wackerbarth auf dem Hof Segrahn Wohnung. Busso von der Schulenburg zog auf die ihm von Joachim von Bülow überlassene wüste Feldmark Bergholz und den Gudower Anteil an der Valluhner Horst. Er verlässt auch diesen Besitz nach 1583.


Das Verhältnis der Wackerbarthe zu Joachim von Bülow scheint in der Folge zunächst unproblematisch gewesen zu sein. Detlef (VI) von Wackerbarth überließ Joachim von Bülow sogar den Zehnten von Segrahn. Erst als es bald nach 1580 wegen des Wendfeldes zwischen Herzog Franz und Joachim von Bülow zum Streit kam, nutzte Detlef diese Situation und zog den Zehnten von Segrahn wieder selbst ein. Die Folge war ein anhaltender Streit um diese Zehntrechte. Als 1583 Fritz von Bülow die Güter seines Vaters übernommen hatte, erhob er Klage gegen Detlef (VI) wegen des Zehnten. Detlef strengte daraufhin am 15.01.1586 eine Gegenklage an, in der auf die Dorfstelle von Wendisch-Segrahn am See mit den Wäldern bei dieser Dorfstätte und dem Rittersitz der von Zülen Anspruch erhob 87. Zur Untermauerung seiner Ansprüche trägt er vor 88:


Es ist als bekannt anzunehmen:

  1. Bezeugen undt sagen demnach klagende Wackherbarthe wahr sein, das im Fürstentumbe Niedersachsen im Ambte Razeburgke ein Dorff Segran genandt, etwa gelegen sey

  2. Wahr, daß nahe, an undt bey articulirten Dorffe Segran, wie es noch besetzet gewesen, ein Rittersitz undt Edellmanßwohnung belegen gewesen ist.

  3. Wahr, daß, obwohl articulirtes Dorff undt wohnunge hernacher in abgangk kommen, daß doch auff heuttigen thag der orth, da das Dorff Segran gelegen, die Segraner Dorfstette genandt wirdt.

  4. Wahr, das noch heutigen thages an Kirchhoffen, Backöffen Undt Steinen, auch Pfärlen im Sehe offenbahr zustehen undt zuerkennen, an welchen Orthe undt stette articulirtes Dorff Segran undt darzu gehöriger Rittersitz belegen gewesen sey.

  5. Wahr, das articulirtes Dorff Segran vor neunzigte Jaren des klagenden Wackerbarthen ganz zustendigt gewesen, undt das Sy dasselbige von den Herzogen zu Sachsen zu lehenen eingehabt haben.

  6. War, das den klgenden Wackerbarthen die halbe feldmarckhte undt Dorfstette Segran noch izo zugehören, undt das sie daßselbige von den Niedersächsischen Fürstentumbe sambt den zugehörigen Diensten undt alten andern Zubehörunge neben anderen den Niedersächsischen Lehengüthern auch noch ito zu lehene tragen“.


Veränderungen der Grenzen der Grundherrschaft Segrahn (K. Behrends)

Der Streit mit den Bülow eskalierte weiter als sich Detlef (VI) von Wackerbarth auch darüber beschwerte, dass Fritz von Bülow den Wasserspiegel des Segrahner Sees gesenkt und „in den Rosengartens“ die Heide umgebrochen hatte und diese beackern ließ. Dadurch floss der See nicht mehr nach Süden ab und tangierte so die Pläne Detlefs (VI). Der wollte den Segrahner Hof ausbauen und gestalten, unter anderem auch einen Fischteich anlegen. Dafür ließ er den ursprünglichen Abfluss des Sees ausheben, um das Wasser des Segrahner Sees in den Teich zu leiten. Schon Joachim von Bülow hatte den Graben nach dem Gudower See „ausschlammen“, d. h. tiefer ausheben lassen, so dass der Wasserspiegel des Segrahner Sees nun so weit ansank, dass Detlef (VI) von Wackerbarth sein Vorhaben auf dem Segrahner Hof einstellen musste. Diesem Umstand trägt er 1586 in seiner Klageschrift vor:


38. Ingleichen wahr, daß Joachim von Bülow den Segraner Sehe daraus die Wackerbardten die helffte haben Clegers zu sondern trotze unndt abbruche Ihrer fischereyen, mit einen tieffen graben dermaßen untergraben, unndt bis ins Schar ablauffen lassen, des clegers Ihres Theylls weder Körbe oder Netze darauff mehr nutzbahr gebrauchen können“.

Fritz von Bülow lehnte die Ansprüche Wackerbarths insgesamt ab und entgegnete u. a. auf die Beschwerde:


38. glauben nicht, daß es wahr sei, sondern Detlef Wackerbart hat sich kürzlich unterstanden, den Segraner See abzugraben unndt gegen den Segraner Hof zu leiten, um auf ein strich des Hofes eine Vischerey anzurichten. Was den andern Graben anbetrifft, so ist derselbe vor Joachim von Bülows Zeiten gewesen, unndt mit Ime angefangen worden. Es trifft zu, daß Joachim von Bülow den Graben hat ausschlammen, räumen oder reinigen lassen. Dazu war er berechtigt“. Lediglich hinsichtlich des Zehnten in Segrahn war Fritz von Bülow zu Konzessionen bereit: „So habe ich mich auch vor Euren Fürstlichen gnaden Rhäten am 29. Juli dieses 86. Jahres in Sachen des Segranischen Zehenden erboten, um geliebten friedens willen, den Segranischen Zehenden ... mit den Wackerbarthen zu teilen. Ich spurr aber, daß sie gerne des Sacks vier Zippels in der Handt haben, undt dazu oben darauff sitzen wollen“.


Die Prozesse zwischen Detlef (VI) von Wackerbarth und Fritz von Bülow gingen durch alle Instanzen weiter 89. Sie fanden ein Ende, als 1596 auf Betreiben Bussos von der Schulenburg ein kaiserliches Gericht sowohl die Erben des Fritz von Bülow auf Gudow, als auch die Wackerbarthe von Segrahn entsetzte und die Güter Busso von der Schulenburg zusprach. Im Unterschied zu den Bülow auf Gudow räumten Hartwig (IV, XIII-70) und Hardenack von Wackerbarth (XIII-80) freiwillig Segrahn und zogen sich nach Kogel zurück. Besitzer von Segrahn war nun wieder Busso von der Schulenburg, der nach der Vertreibung der Bülowschen Erben aus Gudow zunächst in Gudow Wohnung nahm. Als er erneut begann, die Wälder durch unmäßigen Holzeinschlag zu verwüsten, musste er Gudow jedoch schon 1597 wieder verlassen und zog auf den Segrahner Hof. Dort trieb er die Holzverwüstungen weiter. Da ihm jedoch die Arbeitskräfte für den Holzeinschlag fehlten, verkaufte er Waldungen in Segrahn zum Abholzen an die Stadt Lüneburg. 1599 überließ er Segrahn seinem Sohn Franz, der jedoch schon Ende 1603 starb. Busso von der Schulenburg folgte im Frühjahr 1604 und seine Witwe Catharina von Karberg musste Segrahn räumen, das am 10.09.1605 an die Wackerbarth zurückgegeben wurde, die nun hier wieder Wohnung nahmen.


1622 verkaufte dann Ulrich von Wackerbarth (XIV-88) „das Gut Segeran mit dem halben Berg und mit dem halben Segeraner See, das Dorff Lehsten mit der Mühlen, die Feldmarck Dargenau, auch alle pertinentien und Zubehörungen“ für 12.000 Reichstaler an Joachim von Bülow d. J. 90. Da Joachim von Bülow die Kaufsumme nicht voll bezahlen konnte und die übrigen Angehörigen der Familien von Wackerbarth geltend machten, dass Ulrich von Wackerbarth nicht berechtigt gewesen wäre, Segrahn zu verkaufen, blieben die Wackerbarte in Segrahn wohnen. Bis zum 04.07.1649 sind sie noch in Segrahn nachzuweisen. An diesem Tage ließ der Junker Baltzer Henning (I) von Wackerbarth (XV-101) seine Tochter Catharina Maria (Margaretha) (XVI-121) in der Gudower Kirche taufen. Bald danach dürften die Familie dann aber von Segrahn verzogen sein. Am 10.03.1661 wurde in Schwerin zwischen den Wackerbarthen und Jakob von Bülow „wegen des Nachstandes der Segranischen Kauff Gelder und anderen Forderungen“ ein Vergleich geschlossen, und am 18.02.1663 wurde der letzte Teilbetrag der Restsumme bezahlt. Damit war Segrahn nach über 300 Jahren endgültig in den Besitz der Bülow übergegangen.



Wackerbarthe in der großen Politik

Finanzielle Nöte waren es sicher nicht allein, sondern auch der innere Drang nach Ruhm und Ehre, die zahlreiche Mitglieder der Familie von Wackerbarth bewogen, Kogel zu verlassen und in den Dienst fremder Herren zu treten. Dort machten einige von ihnen beachtliche Karrieren und schrieben teilweise im Buch der europäischen Geschichte mit. Schon Georg Heinrich von Wackerbarth (XI-62) erwarb sich als General des französischen Königs Louis XII seine Meriten. Otto (VIII) von Wackerbarth (*1540 +1599, XIII-73) suchte als Propst des Schweriner Domkapitels die althergebrachten Rechtre des Domkapitels gegenüber der Landesherrschaft zu wahren. August Heinrich (*1651 +1711, XVI-123) bekleidete als Drost zu Ahlden und Aufseher der durch ihre Affäre mit dem Grafen Königsmarck bekannte „Prinzessin zu Ahlden“ eine Vertrauensstellung am Hofe Herzog Georg-Wilhelms von Lüneburg-Celle. Europäische Bedeutung erlangten August Christopher von Wackerbarth (*1662 +1732, XVII-130), Reichsgraf und Vertrauter des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August des Starken und sein Adoptivsohn Joseph Anton Gabaleon von Wackerbarth-Salmour (*1685 +1761), sächsischer Gegenspieler Friedrichs des Großen im „Siebenjährigen Krieg“. Als letzter spielte Christian Ulrich von Wackerbarth (*1641 +1701, XVI-128) nach dem Absterben der askanischen Herzöge von Sachsen-Lauenburg im Jahre 1689 eine Schlüsselrolle bei der Gewinnung des erledigten Herzogtums für das welfische Herzogshaus Lüneburg-Celle. Darüber hinaus haben zahlreiche Angehörige des wackerbarthschen Geschlechts als Militärs auf den Schlachtfeldern Europas gekämpft und dort z. T. ihr Leben gelassen.



Bürgerliche Namensvorkommen:


1536 wird erstmals in Wehren bei Fritzlar urkundlich ein Simon Wackerbarth erwähnt. Er war nach den Angaben von Rüdiger Freiherr von Wackerbarth 91 zweifelsfrei bäuerlicher Herkunft. Allerdings lässt sich für eben das Jahr 1536 in Sterley ein Symon Wackerbarth (XII-67) als Angehöriger der adeligen Familie von Wackerbarth belegen, der sonst weiter nicht genannt wird. So einfach scheinen die Dinge also nicht zu liegen. Weitere frühe Namensträger in Wehren waren Johannes (*um 1630), Christoph (*um 1660), Adam (*um, 1685 +Gudensberg 1750) Johannes (*Obermollrich um 1698) und Thomas (*um/vor 1710) Wackerbarth. Die bürgerlichen Wackerbarth, die noch heute bei Fritzlar angesessen sind (Bad Wildungen, Edermünde, Fritzlar, Fuldabrück, Gilserberg, Gudensberg, Homberg/Efze, Kassel, Marburg, Niedenstein, Rotenburg a.d. Fulda) gelangten im 18. Jahrhundert mit einem Zweig (Georg *1732 +1801 und Dietrich (von)Wackerbarth) nach London, wo sie als Zuckerindustrielle zu Wohlstand gelangten. Zu diesem Zweig gehört Athanasius Franz Dietrich von Wackerbarth (*1843), der als Professor in Schweden lebte. Ein weiteren Zweig gelangte aus dem Hessischen im 19. Jahrhundert auch nach Nordamerika, wo die Wackerbarth heute eine starke Verbreitung erfahren haben. Trotz der Seltenheit des Familiennamens gibt es keine erkennbare Verbindung zur adeligen Familie von Wackerbarth, wobei allerdings nicht zu übersehen ist, dass auch bei dieser bürgerlichen Familie der Rufname Konrad wiederholt begegnet. Bekannt sind heute vor allem der Fotokünstler Horst Wackerbarth (*1950) und der rechtswissenschaftler Ulrich Wackerbarth (*1967).



Die Wackerbarthsche Genealogie:


Die ältere Genealogie der Wackerbarth ist alles andere als gesichert. Festzustehen scheinen cognatische Verbindungen zu den Familien von Ritzerau und Albus/Witte und vermutlich zur Familie von Stralige, da die Wackerebarth in Sterley als deren natürliche Erben und Rechtsnachfolger erscheinen.


Als gesicherten Anhalt für die Genealogie dürfen dann die Grabplatte, die Heinrich (VIII) von Wackerbarth in der Kirche zu Sterley für seine Eltern und Vorfahren gestiftet hat, die Leichenpredigt auf den Schweriner Domherren Otto (VIII) von Wackerbarth 92 und die Ahnentafel für Christian Ulrich von Wackerbarth 93 gelten. Sie münden alle bei Otto ( Adelheid von Schack), wobei diese aufgrund der Leichenpredigt für Otto (VIII) und der Ahnentafel für Christian Ulrich noch um Marquard ( Margarethe von Stoltzing) fortgesetzt werden kann. Diesen Tatbestand belegt auch die bei von Hoinckhusen wiedergegebene Ahnentafel 94, die in Marquard ebenfalls den Vater von Otto sieht. Wenn in der Leichenpredigt auf Otto (VIII) allerdings von Curt ( N. von Stake) als Marquard als Vater genannt ist, so kann dies nicht richtig sein. Es fehlt hier ganz offensichtlich eine Generation und auch die Erinnerung an Curts/Konrads Frau ist bereits verblasst. Sie war eine von Hacke, keine von „Stake“. Aufgrund der von Hoinckhusenschen Ahnentafel lässt sich die Reihe der Wackerbarthe über Otto (1360/1362), Konrad (1325, Anna von Hacke) und David (1308) fortschreiben. Wenn er allerdings Konrad (1238/1266, N. von Barmstedt) als Vater von David (I) annimmt, so ist festzustellen, dass hier aufgrund der Zeitspanne eine Generation fehlt. In sie wird Heinrich (I) einzusetzen sein, der am ehesten als Vater von David (I) in Frage kommt. Wir kommen somit auf eine Folge von zehn Generationen von Konrad (III) bis Otto (VIII, Kogel B) bzw. Hartwig (IV, Kogel A). In diese Generationenfolge lassen sich nun die übrigen Vertreter des wackerbarthschen Geschlechts weitgehend einordnen.


Völlig abwegig erscheint dagegen die bei Pfeffinger überlieferte Ahnenreihe 95, wenn er Detlof ( Pelle von Plessen) Stammvater aller späteren Wackerbarthe sein lässt und ihm außer Claus (Kogel B) noch die Söhne Abraham und Johann Heinrich als Begründer der mecklenburgischen Linie und des Stammes Kogel A zuordnet. Abgesehen davon, dass Abraham als Sohn von Detlof zu streichen ist, ist auch seine Ahnenreihe Johann Heinrich N. von Bülow) – Georg Heinrich ( Salome von Oppershausen) – Georg Baltzer ( N. von Rehden) – Joachim ( Catharina von Ritzerau) – Hartwig (IV, +1602) falsch. Sie widerspricht der gesicherten Generationenfolge wie sie in der Leichenpredigt auf Otto (VIII) und auf der Wackerbarthschen Grabplatte in Sterley wiedergegeben ist.


An die ältere, barocke und noch frühere, Überlieferung 96 knüpft Hans Albert Baron von Buxhoeveden an 97 wenn er die nachstehende Ahnentafel abdruckt 98. Für die Auffassung Buxhoevedens findet sich indes keinerlei Bestätigung in den bekannten Urkunden. Johannes (Hanno) von Wackerbarth sieht hier zu Recht ein Konstrukt barocker Literatur 99- Die Verbindung zu Marwuard von Barmstedt ist willkürlich. Sie ist vmtl. nur deshalb in die Genealogie eingefügt, um einen grund für den häufigen Rufnamen Marquard in der Familie von Waxkerbarth zu begründen. Dieser taucht urkundlich aber erst gut 100 Jahre später auf.




frühe Wackerbarth/Wittesche Genealogie nach Buxhoeveden

Woher kommen aber die Abweichungen? Nun, wir wissen, dass das Barock eine Zeit war, in der der Adel danach strebte, eine möglichst illustre Ahnenreihe vorweisen zu können. Dieses Bedürfnis hatte schon die Antike, in der sich die führenden Familien gerne ihrer „göttlichen“ Abstammung rühmten, und bei den germanischen Herrschern des frühen Mittelalters war es nicht anders: Sie stammten alle von Odin/Wotan ab. So gesehen musste auch für die Kogeler Wackerbarthe verlockend erscheinen, ihre Abkunft auf berühmte Vorfahren wie den Bischof „Wackerbarth“ (Agobard) unter Karl dem Großen oder den noch berühmteren General unter dem französischen König Louis XII., Georg Heinrich von Wackerbarth, abzuleiten. Letzterer war in der Erinnerung zweifellos der berühmteste Vertreter des Geschlechts und wohl der erste, der die engen Grenzen seiner lauenburgischen Heimat gesprengt hat. So ist es dann zu verstehen, dass Joachim von Wackerbarth zu einem Sohn von Georg Heinrich wird, der der Überlieferung nach einen Sohn mit Namen Joachim gehabt haben soll, von dem aber nichts bekannt ist und der – wenn er denn gelebt hat – sicherlich in jungen Jahren verstorben ist. Heinrich (VIII), der Stifter der Grabplatte für seine Eltern in der Kirche zu Sterley, wusste es jedenfalls besser.


Auch die von Rüdiger von Wackerbarth erstellten beiden großen Ahnentafeln des wackerbarthschen Geschlechts 100 erweisen sich, soweit sie die frühe Genealogie wiedergeben, als nicht überzeugend. Allerdings geben die Tafeln die Anzahl der Generationen von Konrad (III) bis auf Hartwig (IV) mit zehn richtig wieder 101: Hartwig (IV) – Joachim – Hartwig (III) – Johann Heinrich ( N. von Bizauen) – Henneke ( N. von Bibow) – Otto ( Adelheid von Schack) – Konrad ( Anna von Hacke) – Heinrich gnt. Kale – Otto ( Lucia von dem Berge) – Konrad ( N. von Barmstedt). Die Tafeln stützen sich erkennbar auf die ältere Überlieferung des Barock, wenngleich Abweichungen unschwer zu erkennen sind. Dass Johann Heinrich zu streichen ist, ist vorstehend bereits dargetan. Wenn dann Henneke und Otto folgen, so hat schon von Hoinckhusen darauf hingewiesen, dass ersterer ohne leibliche Erben zu hinterlassen gestorben ist. Zudem war er nicht Sohn, sondern Bruder von Otto. Dieser Otto ist allerdings nicht mit Otto (VI), dem Ehemann von Adelheid von Schack, gleichzusetzen, sondern mit dem um die Mitte des 14. Jahrhunderts lebenden Otto (III). Der folgenden Konrad ( Anna von Hacke) steht dann wieder am richtigen Platz. Dann allerdings folgen nicht Heinrich gnt. Kale (der allerdings einen Sohn mit Namen Otto hatte) und Otto ( Lucia von dem Berge). Letzterer scheidet schon deshalb aus, weil er vermutlich kinderlos gestorben ist. Hier ist die bei von Hoinckhusen wiedergebene Reihenfolge diejenige, die auch die Urkunden wahrscheinlich machen.


Im Folgenden sollen nun die einzelnen Vertreter des wackerbarthschen Geschlechts genauer betrachtet werden.




Stammfolge:
Die älteren von WACKERBARTH



Stemma: ältere von WACKERBARTH


Die erste Generation:


Die Anfänge des Wackerbarthschen Geschlechts lassen sich vermutlich zwei Vertreter ausmachen.


NN


(I – 1); er ist als mutmaßlicher Vater von Konrad von LAUENBURG und damit als Stammvater des Wackerbarthschen Geschlechts zu erschließen. Da Konrad bei den frühen Wackerbarth Leitname war, könnte auch er diesen Namen getragen haben. Er scheint früh verstorben zu sein. Möglicherweise hat seine Witwe in zweiter Ehe einen von RITZERAU (?Hartwig I) geheiratet, wodurch sich die enge Verbindung seines mutmaßlichen Sohnes Konrad von Lauenburg zu Walrav (I) von Ritzerau erklären würde 102.


Kinder (vmtl):

  1. Konrad (II) „von LAUENBURG“ > II-3



Conrad (I), Cuno

(I – 2), Diakon (1194), Priester (1217), Domherr in Ratzeburg (1194/1224) – Mit ihm lässt sich 1194 dem Geschlecht erstmals eine Person der höheren Kirchenhierarchie zuordnen 103. Seiner Stellung nach muss er adliger Herkunft gewesen sein. Er mag zu dieser Zeit etwa 20 bis 25 Jahre alt gewesen sein, erfolgte doch die Ordination zum Diakon, der untersten Weihestufe, nach älteren Kirchengesetzen in diesem Alter 104. Sein Rufname weist im Lauenburgischen um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert in Richtung der Wackerbarth. Allein das wäre sicherlich nicht ausreichend, ihn der Familie Albus/Witte-von Wackerbarth zuzuordnen, obwohl der Name Konrad in dieser Zeit, mit Ausnahme eines 1222 genannten mecklenburgischen Marschalls Konrad 105, sonst nicht in der Gegend vorkommt. Entscheidend für die Zuordnung ist seine Nennung im Kontext der Urkunden, wo er zusammen mit weiteren Familienmitgliedern erwähnt wird und durch seine offenbar besonderen Beziehungen zur Bergedorfer Kirche. Erstmals erwähnt, als jüngster von 5 Domherren der Ratzeburger Kirche, wird „Conradus diaconus Raceburgensis ecclesie, canonicus“ 1194 als Zeuge bei der Isfriedschen Teilung der bischöflichen Tafelgüter 106. 1208 ist „Cuonradus Raceburgensis canonicus“ anwesend, als Graf Albrecht von Orlamunde die Bergedorfer Kirche dotiert 107. Spätestens ab 1217, als der Bischof Heinrich I. von Ratzeburg (1215-1228) am 24.05. die Dotierung der Kirche zu Bergedorf in Curslak, Börnsen und Wentorf bestätigte, war „Conone sacerdote, Raceburgensis ecclesie canonicus“ Priester 108. Zusammen mit Otto (II) Albus von Wittenburg bezeugt er diesen Vorgang. Als Domherr ist „Cuno Raceburgensis canonicus“, zusammen mit Bischof Bertold von Lübeck (1210-1230), 1220 Zeuge bei Graf Albrecht von Orlamünde, als dieser dem Kloster Neumünster Schenkungen in Flintbek, Ascheberg, Korau, Brügge und Eiderstedt bestätigt. 109. Zuletzt genannt wrd „Cuno Raceburgensis canonicus“ als erster Zeuge am 12.11.1224 als Graf Albrecht von Orlamünde das von dem Bruder Lüder bei der Kapelle zu Hoibek gestiftete Maria-Magdalenen-Kloster, das später nach Reinbek verlegt wird, dotiert 110.


Der Domherr Conrad wird vor 1230 gestorben sein, denn mit dem in diesem Jahr bei Bischof Gottschalk von Ratzeburg genannten Domherrn Conrad kann er nicht identisch sein. Dieser war Diakon 111.




Die zweite Generation:



Konrad (II) „von LAUENBURG“ +1235/1238

(II – 3); Ritter, Burgmann in Lauenburg und Ratzeburg mit Zehntenbesitz in Hollenbek, Alt Mölln, Mölln und Neuenkirchen; Kämmerer Herzog Albrechts I., urk. 1224/1235


Conradus de Louenburg erscheint urkundlich zuerst am 12.11.1224 im Gefolge des dänischen Statthalters, des Grafen Albrecht von Orlamünde, als dieser mehrere Hufen in Hoibeke schenkt 112. Nach der Schlacht bei Mölln, in der Graf Albrecht von Orlamünde in Gefangenschaft gerät, wechselt er die Seiten und geht zur antidänischen Partei über. Wir dürfen unterstellen, dass er 1227 an der Schlacht bei Bornhöved teilgenommen hat und vmtl. für seine dortigen Verdienste in den Ritterstand erhoben wurde. Dann ist er am 13.08.1228 als Conradus „camerarius“ dritter Zeuge, als Herzog Albrecht I. von Sachsen (1212-1260) dem St.Johannis-Hospital in Jerusalem das Dorf Pogez verleiht 113.


1229 bezeugen Coruus et Conradus milites de Razeburg in einer in das Ratzeburger zentenregister eingeschobenen Urkunde den Vertrag des Ratzeburger Bischofs mit dem Grafen von Dannenberg über die Zehnten im Land Wehningen 114. Bei den Genannten handelt es sich zweifellos um Walrav (I) von Ritzerau und Konrad von Lauenburg. Das „et“, das die beiden Namen miteinander verbindet, lässt offensichtlich auf ein Verwandtschaftsverhältnis schließen. Normalerweise deutet es auf eine Verwandtschaft ersten Grades oder bei Geistlichen desselben Konvents. Bei Vater und Sohn ist meist eine nähere Erläuterung (senior/junior oder filius), bei Brüdern oft, aber nicht immer, der Hinweis frater/fratres hinzugefügt. Möglicherweise waren Corvus und Conradus also (Halb)brüder. Johannes von Wackerbarth geht sogar noch weiter und will in ihnen echte Brüder sehen. Er begründet dies nicht nur mit der Art, wie beide in der urkunde genannt werden, sondern auch damit, dass wir von Corvus den Familiennamen – von Ritzerau – kennen, von Conradus aber nicht.


Zuletzt genannt ist Konrad „de Louenburg“ am 02.12.1235 als Zeuge bei Bischof Gottschalk von Ratzeburg (1229-1235), als dieser dem Domkapitel den halben Zehnten von Woitendorf verleiht 115.


Seine Einordnung in die Zeugenlisten zeigt, dass Konrad „von Lauenburg“ eine angesehene Stellung in der ratzeburgischen Ritterschaft hatte. Dieser Stellung trägt auch sein umfangreicher Zehntenbesitz Rechnung, denn an der Gleichsetzung des Zehnteninhabers Konrad mit Konrad „von Lauenburg“ dürfte kein Zweifel bestehen 116.


1230 ist Konrad Zehnteninhaber in 117:





Ort

Kirchspiel

Hufenzahl

Anteil Konrads

Hollenbek

Sterley

?

½ des ganzen Dorfes

Alt Mölln

Breitenfelde

9

2

Mölln

Mölln

12

½ des ganzen Dorfes

Neuenkirchen

Neuenkirchen

25

4


Die Inhaberschaft des halben Zehnten zweier ganzer Dörfer lässt vermuten, dass Konrad – wie Otto (III) Albus von Kogel - einem der älteren Geschlechter des Landes angehört hat. Vielleicht war schon sein unbekannter Vater Burgmann in der wichtigen Lauenburg gewesen und von Graf Albrecht von Orlamünde mit größerem Landgebiet in der Gegend des heutigen Mölln und südlich von Sterley belehnt worden, wo das Geschlecht dann Mölln und Hollenbek als grundherrliche Siedlungen anlegten 118. Die Wahl des Grundbesitzes in Mölln wurde dabei wohl bestimmt durch die beiden Lokatorenhufen, die Konrad in Alt Mölln gehörten. Als sein Sohn und Erbe erscheint Konrad (III) von Wackerbarth, was Konrad „von Lauenburg“ vielleicht als - cognatischen - Angehörigen der Familie Witte-Wackerbarth ausweist 119.


Kinder (vmtl.)

1. Konrad (III) WACKERBARTH > III-4




Die dritte Generation:




Konrad (III) WACKERBART

(III – 4); 1240 Ritter, fürstlich-mecklenburgischer, herzoglich-sachsen-lauenburgischer und gräflich-schwerinscher Vasall, Besitz in Kogel, Horst und ?Todendorf, urk. 1238/1266 - Mit Conradus Wackerbart tritt uns der erste Vertreter des Geschlechts entgegen, der mit seinem Geschlechtsnamen urkundet. In den Urkunden erscheint er als natürlicher Erbe des Besitzes von Konrad „von Lauenburg“ nicht nur im Herzogtum Sachsen-Lauenburg, sondern auch im südwestlichen Mecklenburg. So ist es denn nicht verwunderlich, dass wir ihn und seine Nachkommen auch unter den gräflich-schwerinschen und fürstlich-mecklenburgischen Vasallen finden 120. Bis 1246 tritt er zunächst mehrfach gemeinsam mit seinem Altersgenossen Otto (IV) von Kogel (siehe dort) als Zeuge bei Herzog Albrecht I. von Sachsen auf:


1238, 05.03. Otto de Cowale und Conradus Wackerbart sind Zeugen bei der Bestätigung der Freiheiten des Dorfes Walksfelde durch Herzog Albrecht I. 121


1238, 14.04. Otto de Cowale und Conradus Wackerbart sind Zeugen, als Herzog Albrecht I. dem Domkapitel zu Ratzeburg die Grenzen und die Rechte von Römnitz und Ziethen bestätigt und dem Kapitel die Kirche in Schlagsdorf überweist 122


1240, 25.12. Otto de Cowale und Conradus Wackerbart, Ritter, sind – als nahe Verwandte des Erblassers – Zeugen, als Bischof Ludolf von Ratzeburg das Testament des Ritters Walrav (I.) von Ritzerau bestätigt 123,

1246, 29.05. Otto de Cowale und Conradus Wackerbart sind unter den Zeugen bei Herzog Albrecht I., als dieser dem Domkapitel zu Ratzeburg das Dorf Goldensee übergibt 124.


Ab 1240 ist Konrad Wackerbart Ritter. Ein Ritterschlag erfolgte in der regel ium Rahmen einer Schlacht, auf einem Kreuzzug oder bei einer Pilgerreise ins Heilige Land bzw. nach Rom, auf keinen Fall in der Kemenate des Herrschers. Um 1240 gab es weder eine bedeutende Schlacht noch fand ein Kreuzzug statt. So kann man nur annhemen, dass Konrad seinem Herzog 1240 auf dessen Italienreise, zu Kaiser Friedrich II. (1212-1250) begleitete und in Rom den Ritterschlag erhielt 125. Im Dezember 1240 ist er auf jeden Fall wieder zu Hause und bei der Nachlasssache des Walrav von Ritzerau als neher Verwandter zugegen.


Ab 1245 sehen wir Konrad (III) Wackerbarth dann überwiegend in Mecklenburg. Anfang 1245 ist er im Gefolge des Grafen Gunzelin von Schwerin, als dieser dem Bischof von Ratzeburg alle seine Rechte in Boissow, Bennin und Dodow überlässt 126. Konrad war hier ja Nachbar des Bischofs, verfügte er doch in dem nahegelegenen Neuenkirchen über Hufenbesitz. Erneut bei Graf Gunzelin ist Konrad am 26.05.1254, als dieser dem Kloster Zarrentin 13 Hufen und 8 Katen in Kölzin verleiht, die das Kloster von Siegfried von Dargenow erworben hatte 127.


Am 21.10.1261 ist Conradus Wackerbart erster ritterlicher Zeuge, als die Herzöge Johann I. und Albrecht II. von Sachsen dem Bistum Schwerin das Land Tribsees verleihen 128. Dann sehen wir Konrad am 04.01.1263 als Zeugen bei Fürst Johann von Mecklenburg und seinen Söhnen, als diese das Dorf Bünsdorf an Bischof Ulrich von Ratzeburg vertauschen 129. Nach diesem Zeitpunkt verlegt Konrad seine Aktivitäten wieder in das Herzogtum Sachsen-Lauenburg. Am 17.02.1262 ist Konrad Zeuge, als Herzogin Helene von Sachsen der Stadt Mölln den Besitz des ihr von Herzog Albrecht I. geschenkten Gulz bestätigt 130. Dann bezeugt er am 20.01.1263 die Schenkung des Dorfes Pinnow durch die Herzöge Johann I. und Albrecht II. an die Stadt Mölln 131. Zuletzt genannt ist er – wieder bei den askanischen Herzögen – als diese am 15.06.1266 dem Kloster Scharnebeck 3 ½ Hufen in Hitzacker übertragen und dem Kloster Zollfreiheit gewähren 132.


Über Konrads Familie wissen wir nur wenig. Seine Frau soll eine von Barmstedt, Tochter des Ritters Marquards (III) von BARMSTEDT, 1210/1216 Herrn auf Hetbergen, gewesen zu sein, die ihm ein Lehen in Todendorf bei Ahrensburg mitbrachte 133. Marquard von Barmstedt wiederum soll eine Tochter des Ritters Albert WITTE zur Frau gehabt haben, deren Bruder 1238/1247 in Estland bezeugt ist 134. Ob diese Familie Witte aufgrund ihres geteilten Wappens, das oben zwei Wolfsköpfe und unten ein Gitter zeigt, mit der lauenburgischen Familie Albus/Witte in Zusammenhang gebracht werden kann, muss bezweifelt werden. Ohne urkundlichen Beleg bleibt die Verbindung Konrad Wackerbarths mit der Familie von Barmstedt allerdings reine Spekulation und gehört wohl eher in den Bereich barocker Phantasie 135. Möglich scheint da eher eine Verbindung mit der Familie ALBUS/WITTE in Kogel, über die Allodbesitz in Kogel und der Rufname Otto an die Wackerbarth gekommen sein mag.


Da wir keinen weiteren Namensträger Wackerbart zu seinen Lebzeiten haben, mag ihm dann die nächste Generation als Kinder zugeordnet werden:


  1. ?Detlef (I) > IV-5

  2. ?Heinrich (I) > IV-6

  3. Otto (I) > IV-7

  4. Luder (I) > IV-8




Die vierte Generation:


In diese Generation soll der Domherr „Marquard von WACKERBART“ gehören, auf den angeblich die späteren Wackerbarth in Kogel zurückgehen sollen. Die ältere Überlieferung gibt über ihn verschiedene Nachrichten. Nach der einen soll er erst Kanonikus in Ratzeburg gewesen sein, sich dann aber nach päpstlicher Dispensation mit Margarethe von Stoltzing verehelicht haben. Nach anderer Ansicht wäre er erst nach dem Tod seiner Frau in den geistlichen Stand getreten. Nach Pfeffinger 136 wäre Marquard ein Sohn von Konrad (III) gewesen. Er setzt ihn in die Jahre 1261/1263, wo er Zeuge bei Schenkungen Herzog Johanns I. von Sachsen-Lauenburg an die Kirche in Schwerin gewesen 137. und noch bis 1289 genannt sein soll 138.. Dies hat schon von Hoinckhusen 139 als offensichtlichen Irrtum erkannt. Als Vater von Otto (VI, Alheit von Schack) ist er zeitlich deutlich später anzusetzen


In den mecklenburgischen und schleswig-holstein-lauenburgischen Urkunden sucht man denn in den Jahren 1261/1263 und 1289 einen Marquard von Wackerbarth vergebens und auch Bernhöft, der die Domherren des Prämonstratenserstifts Ratzeburg namentlich aufführt 140, kennt ihn nicht. Marquard ist in der Wackerbarthschen Genealogie an dieser Stelle mit Sicherheit zu streichen.



Detlef (I) WACKERBART ?+vor 22.01.1304


(IV - 5); Knappe (1273), Ritter (ab 1284),, fürstlich Werle-Güstrowscher Lehnsmann, Lehnsmann des Klosters Dobbertin, hat Besitz in Sehlsdorf, Woserin, Wilsen und Dobbin, Mitstifter des Dobbertiner Hospitals, urk. 1273/(1309) - Wie Detlef (I) Wackerbart in die Wackerbarthsche Genealogie einzuordnen ist, lässt sich nicht sicher sagen. Vielleicht war er ein Sohn Konrads (III) und Bruder von Otto (I), Ludolf (I) und Heinrich (I) oder aber deren Cousin. Thetleuus (Thetlews) Wackerbart tritt und erstmals – noch als Knappe – am 30.01.1273 in Güstrow als Zeuge bei Fürst Nikolaus von Werle (1234-1277) und seiner Söhne entgegen, als diese den Bürgern von Parchim das Stadtrecht bestätigen 141. Als „dominus Dethleuus Wackerbarth, miles“ ist er dann am 22.06.1284 Zeuge, als Fürst Nikolaus und seine Brüder in Parchim der Stadt deren Gerechtsame bestätigen 142. Wieder bei Fürst Nikolaus finden wir ihn am 10.08.1286 in Malchow, als dieser dem Benediktinerinnenkloster Dobbertin die diesem noch nicht gehörende Hälfte des Dobbertiner Klostersees und den Vogtszug auf dem See von Kleisten verkauft 143. Am 13.06.1288 ist Dethleuus dictus Wackerbart, miles bei der Bestätigung des Hospitals zu Dobbertin durch Bischof Hermann von Schwerin als Mitstifter genannt – zusammen mit dem Pfarrherrn Detlevus WACKERBART zu Lüdershagen, über den sonst nichts bekannt ist. 144. Papst Clemens V. bestätigt die Stiftung und Bewidmung des Hospitals am 06.06.1309 145. Da war Detlev allerdings schon tot. Am 30.09.1293 bekennt Detlev, „daß er alle seine guter, so unter dem Closter Dobbertin belegen sein, von dem Probste daselbst und Closter zu lehne habe, und do er ohne menliche Leibeserben sterben würde, sollen alle die guter nach seinem und seiner frauen tode dem Closter eroffnet werden. Do ihme aber Gott einen Sohn geben wurde, soll dem Closter frey stehen, vorbenomede guter von ihme oder seinem Sohne zu kauffen oder zu losen, dieser gestalt, daß sie ihm oder seinem Sohne vor das Dorf Bucelisdorp (Sehsdorf) und vor 8 Hufen in Woserin tausend Mark wendisch geben sollen. Item vor das dorff Dobin (Dobbin), welchs er vom Closter zu pfande hat, sollen sie geben 300 Mark wendisch. Die andern seine guter, so er von andern Hern hat, sollen seine Tochter haben, aber noch sollen aus dem Dorffe Wilssne (Wilsen) den Closterjungfrawen 30 Mk wendisch zur Kleidung ierliches gegeben werden“ 146. Aus einer Urkunde vom 22.01.1304 erfahren wir von Arnold, Probst des Klosters Dobbertin, dass diese 30 Mk ein Vermächtnis von Johannes Prin (Preen) gewesen sind. „Weil aber solch gelt hernach vor das Dorff Dobin permutirt, welches Thetleuus Wackerbart vor 300 Mk zu pfande gehabt, und weil seine Antecessores gemeltes Dorf mit seinen Einkünften zur Kleidung der Jungfrawen gelassen und confirmiret, alss wol er (Arnold) solchs auch bestedtiget haben“ 147.


Den Namen von Detlevs Frau kennen wird nicht. Auch wissen wir nur von einer Tochter. Aber möglicherweise sind ihm weitere Kinder zuzuordnen. Vielleicht gehen auf ihn die baltischen Wackerbarth zurück?


  1. Tochter N. > V-9



Heinrich (I) WACKERBART


(IV – 6); Ritter, sachs.-lauenburg. Vasall, urk. 1274 – Henricus Wackerbart miles tritt uns nur einmal, am 08.07.1274 als neunter und letzter Zeuge bei Herzog Albrecht II. entgegen, als dieser mit Zustimmung seines Bruders Johann I. dem lübschen Bürger Bertram Mornewech die Wehre am Ratzeburger See verkauft 148. Heinrich (I) hate angeblich eine von ZECHER, Tochter Heinrichs (I) von ZECHER, zur Frau. Ob Heinrich (I) Nachkommen hinterlassen hat, ist unsicher. Es sprechen aber die mutmaßlichen Lebensdaten eher dafür in ihm den Vater der nachfolgenden Söhne zusehen, da seine Brüder Otto (I) und Lüder (I) erst später in den Urkunden genannt sind, also wohl deutlich jünger waren um als Väter in Frage zu kommen.


Kinder (vmtl.)

  1. Konrad (IV) > V-10

  2. David (I) > V-11

  3. Heinrich (II) > V-12



Otto (I) WACKERBART +15.03.(nach 1317)


(IV – 7); Ritter, sachsen-lauenburgischer und fürstlich-mecklenburgischer Vasall, Vasall des Stifts Ratzeburg, Sohn Konrads (III) und Bruder von Ludolf (I), hat Besitz in Todendorf, Großensee, Gudow, Sterley, Brodesende und Pinnow; urk. 1283/1308; Lucia vom BERGE (de MONTE) (+07.11.(nach 1310)), Tochter des Hamburger Bürgermeisters Johann vom Berge 149.


Seiner Nennung in den Urkunden nach muss Otto Wackerbart eine bedeutende Persönlichkeit gewesen sein. Zuerst erscheint er am 13. und 14.06.1283 in Rostock als Mitlober bei den Fürsten Johann und Heinrich von Mecklenburg beim Abschluss des Landfriedensbündnis der Fürsten, Vasallen und Städte der wendischen Ostseeländer und Herzog Johanns I. von Sachsen-Lauenburg 150 und beim Schutz- und Trutzbündnis gegen die Markgrafen von Brandenburg 151. Ab 1286 finden wir Otto dann fast ausschließlich als Lehnsmann der askanischen Herzöge, zuerst als Herzog Albrecht II. dem Kloster Reinfeld einen Teil seiner Zehnten in Neuengamme verkauft 152. Dann erscheint er in mehreren Urkunden zusammen mit seinem Bruder Ludolf (I):


1287, 05.11. Ottonis et Luderi dictorum Wackerbart militum geben ihre Zustimmung, als Marquard von Zecher dem Domkapitel zu Ratzeburg den Fischfang in den Gewässern bei Boissow und Schaliß verkauft und einer Hebung von 3ß für 20 Mk. lübsch entsagt 153. Die Wackerbarth sind hier als Nachbarn – sie haben Besitz in Neuenkirchen – zugegen.


1288, 15.12. Otto Wackerbart und Ludolfus Wackerbart sind Zeugen bei Herzog Albrecht II., als dieser seinen Vasallen im Land Ratzeburg für die Übernahme einer fürstlichen Schuld von 4000 Mk Hamb. Pf. einen Freibrief erteilt (Bertheau: „Magna Charta des lauenburgischen Adels“) 154


1289, 12.06. Otto Wackerbart und Ludolfus Wackerbart sind Zeugen, als Heinrich von Hodenhagen und seine Söhne die Feste Hodenhagen von Herzog Albrecht II. zu Lehn nehmen 155


1290, 05.02. Otto Wackerbart et Luderus Wackerbart sind Zeugen bei den Herzögen Albrecht II., Johann II. und Albrecht III., als diese dem Kloster Reinbek das Dorf Wentorf übertragen und dessen Feldmark begrenzen 156


1291, 19.01. In der großen Fehde des Jahres 1291 gegen Hermann Ribe und Reinbern (II) von Karlow und ihre Genossen erscheinen Otto Wackerbart und Luderus Wackerbart als Mitlober beim Frieden von Dutzow 157.


Am 01.10.1294 gibt das Hamburger Domkapitel sein Dorf Todendorf an Otto von Wackerbarth für 150 Mk zu Lehen. Dessen Erben sollen sich allerdings keinerlei Rechte an dem Dorf anmaßen. Vielmehr soll das Dorf nach dem Tode Ottos wieder an das Domkapitel fallen. Dies ist ganz offensichtlich geschehen, gehört das Dorf doch 1342 wieder ganz dem Hamburger Domkapitel. Otto dictus Wackerbart miles schließt im Zusammenhang mit dem Erwerb Todendorfs mit dem Domkapitel zu Hamburg auch einen Vertrag über die Stiftung einer Memorie für sich und seine Frau. Diese Memorie Ottos ward am 15.03., die seiner Frau am 07.11. begangen 158, d. h., wir haben hier die Sterbetage des Ehepaares, ohne dass wir das Sterbejahr kennen. Diese Tatsachen sprechen dafür, dass Otto (I) offenbar keine leiblichen Erben hatte, auch wenn ihm die Familiengeschichte der baltischen Familie von Buchoeveden die Kinder Otto, Johann (I), Richolf und eine eine namentlich nicht genannte Tochter zuschreibt.


Dann finden wir Otto wieder im Gefolge seiner askanischen Lehnsherren. Am 20.09.1296 ist er erster Zeuge, als die Herzöge Albrecht III. und Johann II. den während ihrer Minderjährigkeit von ihrem Oheim Albrecht II. mit der Stadt Lübeck geschlossenen Wakenitzvertrag bestätigen 159. Bei der Ermäßigung des Zolls zu Herrnburg auf den Zollsatz von Mölln durch Herzogin Ingeburg und ihrer Söhne und deren Zusage, den lübschen Kaufleuten Schutz gegen Übergriffe der Zöllner zu gewähren, ist Otto am 21.09.1296 erneut erster ritterlicher Zeuge 160. Am 21.09.1299 schließlich ist er Mitlober, als die Herzogin und ihre Söhne die Dörfer Möhnsen, Grabau, Groß Pampau, Brunsdorf und drei Hufen in Wiershop verkaufen 161.


Ottos Bedeutung wird sichtbar durch die Art seiner Nennung beim Notarialinstrument über die Zurückweisung der Dominikaner und Franziskaner in Lübeck von den Kirchen zu Mölln, Gadebusch, Schwerin, Oldesloe und Eutin 162 Noch einmal treten er und sein Bruder Luder am 01.11.1299 gemeinsam als Zeugen bei den Herzögen Johann II. und Albrecht III. auf, als diese den Hamburgern und allen das Meer befahrenden Kaufleuten das Privileg zur Errichtung eines Leuchtturms auf der Insel Neuwerk erteilen, sowie das Strandrecht und den Seefund zubilligen 163. 1300 schenkt Otto dem Heilig-Geist-Altar zu Mölln 2 Hufen in Pinnow und 4 Hufen in Gudow mit allen Rechten, die er dort „longo tempore“ inne gehabt hat 164. Am 16.01.1302 ist er als Zeuge zugegen, als die Herzöge Johann II. und Albrecht III. der Stadt Mölln ihre Privilegien und das Lübsche Recht bestätigen 165 sowie der Stadt das Dorf Pinnow schenken 166. Wieder als Zeuge bei seinen askanischen Lehnsherrn finden wir ihn am 21.05.1302, als diese dem Domkapitel zu Ratzeburg in dem Dorf Mist alle ihre Rechte mit Ausnahme des Burg- und Brückenwerks und der Landwehr verkaufen und den Tausch des Domkapitels von 11 ½ Hufen in Schlagsdorf und 2 Hufen in Schlagbrügge gegen Güter in Alten und Neuen Gamme bewilligen 167.


Am 25.11.1306 ist Otto Wackerbart erster Mitlober bei der Beurkundung des wegen der Zerstörung des Turms in Travemünde geschlossenen Bündnisses zwischen den Herzögen Albrecht III. und Erich I. sowie der Herzogin Margarethe und der Stadt Lübeck gegen die Grafen von Holstein 168. Otto ist zweiter Zeuge, als die Herzöge am 21.12.1307 gegen eine Entschädigungssumme allen Ansprüchen an den Bischof von Ratzeburg in ihrem Gebiet bis auf die Landwehr entsagen 169. Am 12.03.1308 ist Otto Wackerbart Mitlober beim Erbvertrag zwischen den Herzögen Rudolf, Albrecht und Wenzeslaw mit ihren Vettern Johann II., Albrecht III. und Erich I., der eine zukünftige Einheit der askanischen Lande, zu der es nie gekommen ist, wiederherstellen sollte 170. Dann ist „dominus Otto Wackerbardt senior“ als Onkel – „patruus noster“ - der Brüder Konrad (IV), Heinrich (III) und David (I) Wackerbart erster Zeuge, als diese von Herzog Erich I. gegen Übernahme des Burglehns in Dutzow den erblichen Lehnsbesitz des Dorfes Dutzow erhalten 171. 1310, überträgt er seinen in Hamburg am Pferdemarkt belegenen Hof an seine Frau 172. Letztmals als lebend erscheint Otto (I) Wackerbarde miles senior 1317, als er zu der Vikarie S. Spiritus in Mölln 1 Mk jährlicher rente vermacht.


Im Verzeichnis der Vasallen des Stifts Ratzeburg vom 25.07.1335 erscheint er – inzwischen verstorben – zusammen mit seinem ebenfalls schon verstorbenen Bruder Ludolf (I) als Vasall des Stifts Ratzeburg zur Zeit Bischof Marquards (1309-1335) mit Zehntenbesitz in Sterley und +Brodesende 173, d. h., er muss noch während der Regierungszeit des Bischofs am Leben gewesen sein.


Ob Otto (I) Nachkommen hinterlassen hat, ist unsicher. Die Regelungen im Zusammenhang mit der Stiftung einer Memorie für sich und seine Frau sprechen eher dafür, dass Otto keine leiblichen Erben hatte, denn sonst hätte man erwarten dürfen, dass diese eine Memorie für ihre Eltern gestiftet hätten. Nach anderen soll Otto (I) Vater eines Sohnes Otto und von Johannes (I), Richolf und einer Tochter gewesen sein. Zumindest ist nicht anzunehmen, dass sich die Urkundeneinträge ab 1294 auf einen gleichnamigen Sohn beziehen. Der würde schon wegen seines noch jugendlichen Alters nicht an erster Stelle in den Zeugenreihen genannt worden sein.



Ludolf (I, Luder) WACKERBART +nach 1309


(IV – 8); Ritter, sachsen-lauenburgischer Vasall, Vasall des Stifts Ratzeburg, Sohn Konrads (III) und Bruder von Otto (I), Besitz in Kogel, Sterley, Segrahn, Brodesende, urk. 1287/1299 - Luder/Ludolfus Wackerbart urkundet überwiegend zusammen mit seinem älteren Bruder Otto (I): 05.11.1287, 15.12.1288, 12.06.1289, 05.12.1290, 19.01.1291, 01.11.1299 174. Alleine erscheint er am 01.05.1293 als Zeuge bei den askanischen Herzögen Albrecht II., Johann II., Albrecht III. und Erich I., als diese über die bereits erfolgte Auflassung der Hälfte der Dörfer Wulfsdorf, Beidendorf und Blankensee an den lübschen Bürger Gottfried von Cremun urkunden 175. Als Bruder von Otto ist er am 01.10.1294 – zusammen mit seinen Neffen Coneke (Konrad IV) und David (I) Wackerbart – Mitlober, als Otto mit dem Hamburger Domkapitel Verfügungen über die Dörfer Großensee und Todendorf trifft und für sich und seine Frau am 29.11.1301 eine Memorie stiftet 176. Verheiratet war Ludolf angeblich mit einer Frau namens Vredeke STEDING. Ob Luder (I) Nachkommen hinterlassen hat, ist nicht überliefert. Er könnte der Vater sein von


Kinder:

  1. ?Heinrich (III) > V-13

  2. ?Detlef (II) > V-14

  3. ?Konrad (V) „von GUDOW“ > V-15


Ein Luder von Wackerbart erscheint noch im Verzeichnis der Vasallen des Stifts Ratzeburg vom 25.07.1335 als Vasall von Bischof Marquard (1309 – 1335) mit Zehntenbesitz in Sterley und +Brodesende 177. Seine Nennung in dieser Urkunde hat dazu verleitet, in ihm einen von Ludolf (I) zu unterscheidenden weiteren Vertreter des wackerbarthschen Geschlechts, Luder (II), zu sehen 178. Dies ist historisch nicht zu verifizieren, denn die Urkunde von 1335 nennt alle Vasallen des Stifts Ratzeburg, die zu ihren Lebzeiten dem Ratzeburger Bischof Marquard von Jesow zehntpflichtig waren, also auch die, die 1335 längst nicht mehr am Leben waren. Dies lässt sich für eine größere Zahl der in der Urkunde genannten Adeligen belegen. Es gilt auch für Luder von Wackerbarth. Wenn er in der Urkunde genannt wird, dann bedeutet dies, dass er 1309 bei Beginn der Amtszeit von Bischof Marquard noch gelebt hat und erst nach diesem Zeitpunkt gestorben ist.




Die fünfte Generation:



N. WACKERBART


(V – 9); 1293 ohne Vornamen als Tochter Detlefs (I) genannt 179. Sie war vmtl. Nonne im Kloster Dobbertin.



Konrad (IV) WACKERBART +n. 28.07.1315/v. 25.07.1335


(V – 10); evtl. Sohn von Heinrich (I); Ritter, sachsen-lauenburgischer Vasall, Vasall des Stifts Ratzeburg, Burgmann in Dutzow, hatte Besitz in Dutzow, Groß Thurow, Bruder von David (I) und Heinrich (II), urk. 1294/1315 - Zuerst genannt wird Coneke Wackerbarth – zusammen mit seinem Bruder David (I) – am 01.10.1294 als Neffe („fratruelis“) von Otto (I) bei dessen Verfügungen über Großensee und Todendorf und der Stiftung seiner und seiner Frau Memorie 180. Am 06.08.1303 ist dominus Conradus Wackerbart sechster Zeuge, als die Herzöge Albrecht III. und Erich I. dem Grafen Gunzelin von Schwerin auf drei Jahre der vierten Teil des Zolls in der Stadt Mölln verpfänden 181. Als am 25.04.1305 die beiden Herzöge über einen mit ihrem Bruder Johann II. geschlossenen Vergleich urkunden, nach welchem sie sich bei Ausbruch eines neuen Zwistes unter ihnen dem Spruch eines Schiedsgerichts unterwerfen wollen, gehört u.a. Conradus Wackerbarth diesem Schiedsgericht an 182. Konrad (IV) von Wackerbarth zählt damit zweifelsohne zu den einflussreichsten Adeligen des askanischen Herzogtums. Am 25.11.1306 sind er und sein Bruder Heinrich (III) sowie beider Onkel Otto (I) Mitlober beim Bündnis der askanischen Herzöge mit der Stadt Lübeck gegen die Grafen von Holstein 183. Nach dem 04.09.1308 ist dominus Conradus Wackerbart Bürge bei der Urfehde seines Verwandten Konrad von Gudow, der seinem Namen nach zur Familie von Wackerbarth gehören wird 184.


Rekonstruktion der Burg Dutzow um 1291 (G. Stange)


Die bedeutende Stellung der Familie von Wackerbarth im Gefüge der lauenburgischen Ritterschaft wird dann deutlich, als Konrad (IV), Heinrich (II) und David (I) am 05.12.1308 von Herzog Erich I. das Burglehen in der strategisch für das askanische Herzogtum so wichtigen Burg Dutzow annehmen, wofür ihnen der Herzog den erblichen Lehnsbesitz des Dorfes Dutzow verleiht. Die Burg Dutzow war vor 1308 im Besitz des Ritters Detlev Wulf von Schwarzenbeck (gnt. 1302/1323) gewesen. Dieser hatte sich am 04.09.1308 mit Volrad von Züle und Ludolf Scharpenberg in Schaliß mit Graf Nikolaus von Schwerin gegen die Wackerbart und deren Anhänger verbunden 185. Fürst Wizlav von Pommern (1309-1326) stellte Detlev Wulf und seine Verbündeten und deren Burgen unter seinen Schutz 186, doch ohne Erfolg. Die Wackerbarth obsiegen und Herzog Erich I. belohnte ihre Treue mit dem Burglehn in der Burg Dutzow.


Dutzow hatte für den Osten des Herzogtums Sachsen-Lauenburg eine besondere strategische Bedeutung. Zwischen den Ausläufern des Schaalsees und dem Goldensee gelegen, war sie eine Art Brückenkopf zwischen Lauenburg und Mecklenburg. Es kam daher sehr viel darauf an, in wessen Händen sie sich befand. Als Herzog Erich I. 1308 die Wackerbarth mit Dutzow belehnt, behielt er sich – vielleicht eingedenk des Verhaltens von Detlef Wulf – in nachdrücklicher Weise die Benutzung der Burg und die Verteidigung derselben in Kriegszeiten vor. Konrad, Heinrich und David Wackerbarth verpflichteten sich, ihrem Lehnsherrn und dessen Erben die Burg zu erhalten, sie auszubauen und als „Wächter und Türhüter“ zu verwalten, ohne ihrem Herrn dafür Ausgaben zu berechnen. Wenn der Herzog mit irgend jemand Krieg führte und wenn er des Schlosses zu Unternehmungen bedurfte, um von da aus „Reysae“ d. h. Kriegszüge, zu machen und seinen Ausbruch vorzubereiten, so sollte es ihm freistehen, dort einen Hauptmann einzusetzen; nahm er indes davon Abstand, dann wollten die Wackerbarth die Burg schützen, „damit von seiner Gewalt nicht entfremdet wird“. Den Lehnsbesitzern gab der Herzog die Erlaubnis, ihnen zugefügtes Unrecht abzuwehren und sich dagegen zu verteidigen. Es war ihnen aber untersagt, einen Krieg ohne den Willen, die Übereinstimmung und den Rat ihres Lehnsherrn zu unternehmen 187. Die Wackerbarth blieben im Besitz von Dutzow bis 1334, dann folgten ihnen dort die von Lützow. Am 09.07.1311 ist Konrad (IV) – mit seinem Bruder Heinrich (II) – zweiter Mitlober beim Friedensschluss Herzog Erichs I. mit Graf Nikolaus von Schwerin 188. Am 28.07.1315 ist er dann Mitsiegler, als seine (?)Verwandten, die Brüder Heinrich (VI) und Detlev (VI) von Parkentin, ihrem Kaplan Johann eine Rente aus dem Dorf Siebenbäumen verkaufen 189.


Bereits verstorben ist Konrad (IV), als er in der Urkunde vom 25.07.1335, die uns die Vasallen des Stifts Ratzeburg unter Bischof Marquard (1309 – 1335) nennt, zusammen mit seinen Brüdern Heinrich (II) und David (I) – mit dem halben Zehnten in allen seinen Besitzungen („de dimidia decima omniorum bonorum suorum“) genannt wird 190.


Konrad (III) ist vermutlich Vater von:


  1. Markward (I) > VI-19

  2. Konrad (VI) > VI-20



David (I) WACKERBART +nach 1321/vor 16.01.1325


(V – 11); evtl. Sohn von Heinrich (I); Ritter, sachsen-lauenburgischer Vasall, Vasall des Stifts Ratzeburg, Burgmann zu Dutzow, hat Besitz in Dutzow und Mölln, Bruder von Konrad (IV) und Heinrich (II), urk. 1294/1321 - Erstmals genannt wird David als Mitlober mit seinem Bruder Konrad (IV) am 01.10.1294 bei seinem Onkel Otto (I) 191. Dann urkundet er erst wieder am 05.12.1308, als er und seine Brüder Konrad (IV) und Heinrich (II) das Burglehen zu Dutzow erhalten 192. Danach hören wir erneut längere Zeit nichts von ihm, bis er am 15.05.1321 als Zeuge bei Herzog Erich I. erscheint, als dieser dem Heiligen-Geist-Hospital zu Lübeck aufs neue den vollen Besitz des Hofes zu Falkenhusen und dem St. Johannis-Kloster zu Lübeck das Eigentum an den von diesem erworbenen Dörfern Utecht, Schattin, Wulfsdorf, Beidendorf und Blankensee bestätigt 193. Selbst verkauft er 1321 Zehnten vom Steinfeld in Mölln an den Vikar des Heiligen Geistes in Mölln, Albert Albus und an dessen Mutter Alheid, Witwe des Albert Albus, mit der Verpflichtung, deshalb etwa künftig vom Ratzeburger Bischof erhobene Ansprüche abzuwehren 194. Vor dem 16.01.1325 ist er dann gestorben, denn als seine Söhne, die von Bischof Marquard den halben Zehnten ihrer Güter zu Lehen empfangen hatten 195, die von diesem zu Lehen rührende Hälfte des Zehnten auf dem Steinfeld verkaufen, heißt es von ihm: „Dauidis Wackerbart, miles bone memorie“ 196. Noch ein Mal ist er dann mit seinen Brüdern 1335 als Vasall des Stifts Ratzeburg genannt, die unter Bischof Marquard (1309 – 1335) „de dimidia decima omniorum bonorum suorum“, den halben Zehnten in allen ihren Besitzungen zu Lehn trugen 197.


Verheiratet war David (I) mit einer namentlich nicht näher bekannten Frau. Sie könnte eine ?N. von KARLOW gewesen sein, Schwester von Ludeke (II) von Karlow, der als Onkel („avunculus“) von Davids Söhnen bezeichnet wird. Allerdings ist auch vorstellbar, dass Ludeke (II) von Karlow mit einer Schwester Davids (I) Wackerbart verheiratet gewesen ist. Davids (I) Söhnen waren 198:


  1. Konrad (VII) > VI-21

  2. Heinrich (IV) gnt. Kale > VI-22

  3. David (II) > VI-23

  4. Otto (II) > VI-24

  5. Heinrich (V) jun. > VI-25



Heinrich (II) WACKERBART +n. 22.04.1318/v. 25.07.1335


(VII – 12); - angeblich Sohn von Luder (I); Ritter, sachsen-lauenburgischer Vasall, Vasall des Stifts Ratzeburg, Burgmann zu Dutzow, besitzt Hollenbek und Schadeland, Bruder von David (I) und Konrad (IV), Neffe von Otto (I), urk.1306/1319 - Heinrich (II) Wackerbart ist erstmals am 25.11.1306 mit seinem Bruder Konrad (III.) Mitlober beim Büdnis der askanischen Herzöge von Sachsen-Lauenburg und der Stadt Lübeck gegen die Grafen von Holstein genannt 199. Zusammen mit seinen Brüdern erhielt er 1308 das Burglehen zu Dutzow 200 und am 09.07.1311 ist er – wieder mit seinem Bruder Konrad (IV) – Mitlober beim Friedensschluss Herzog Erichs I. mit Graf Nikolaus von Schwerin 201. Am 19.07.1314 ist Hinricus Wackerbart miles Zeuge bei der Belehnung der Gräfin Anastasia von Holstein mit dem von ihrem verstorbenen Gemahl, dem Grafen Gerhard, aufgelassenen Leibgedinge durch Herzog Erich I. 202. Zuletzt genannt ist dominus Hinricus Wackerbart miles am 22.04.1318 bei der Verpachtung der Schalmühle an den Müller Hermann durch das Kloster Zarrentin 203. Möglicherweise hatte er verwandtschaftliche Beziehungen zur Familie von Stralige (Sterley), etwa dergestalt, dass er mit einer Tochter von Johann (II) von Sterley – gnt. 1290 – verheiratet gewesen ist und so dessen Rechts-und Lehnsnachfolger in dem Dorf wurde. Der Rufname seines Sohnes Johann könnte darauf einen Fingerzeig geben.

Kinder:

  1. Johannes (II) Wacker > VI-26

  2. Konrad (VIII) > VI-27


Als bereits verstorbenen Vasallen Bischof Marquards nennt ihn das Verzeichnis der Vasallen des Stifts Ratzeburg vom 25.07.1335 204.



Heinrich (III) WACKERBART


(V – 13); Knappe in Mecklenburg, urk. 1316 - Am 17.08.1316 gehört Hinrik Wackerbart knacht (d.h. Knappe) zu den 24 Rittern und 11 Knappen – darunter auch Marquard von Zecher -, die sich dem Rat und den Älterleuten der Stadt Stralsund zu einer Schuld von 8000 Mk wend. Pf. bekennen und versprechen, diese Summe in bestimmten Raten zu tilgen 205. Der Umstand, dass wir ihn unter den mecklenburgischen Adligen finden, lässt es möglich erscheinen, ihn dort auch genealogisch einzuordnen. Er würde dann am ehesten ein Sohn von Detlef (I) sein, aber sicher ist dies nicht. Er könnte auch ein Sohn von Ludolf (I) gewesen sein.


Kinder (vmtl.)

  1. Detlev (III) > VI - 28



Detlev (II) WACKERBART


(V – 14); urk. 1327/1341, Domherr in Ratzeburg - Sein Rufname bringt ihn in die Nähe zu Detlev (I), vmtl. war er aber ein Sohn von Ludolf (I). Am 25.06.1327 ist Dithleuus Wakkerbard, Domherr zu Ratzeburg Zeuge, als Fürst Heinrich II. von Mecklenburg (1287-1329) 2 Hufen in Vietlübbe an das Domkapitel zu Ratzeburg gegen den Zehnten von 4 Hufen in Schwemmien auf der Gadebuscher Feldmark vertauscht 206. Ein weiteres Mal als Zeugen finden wir hern Dethlef Wackerbard, als Bischof Marquard von Ratzeburg bekennt, dass der Zehnte aus dem Dorf Dammhusen von der Stadt Wismar mit dem Dorfe Bünsdorf eingetauscht sei 207. Als am 06.08.1341 Probst Eckhard von Ratzeburg seinem Domkapitel ein Verzeichnis von den im Namen der Kirche gemachten Schulden überreicht, hat auch dominus Dethleuus Wackerbart 7 Mk „de pane et ceruisia“ (Brot und Bier) zu fordern 208.



Konrad (V) „von GUDOW“

(V – 15); urk. 1308 - Über Besitz in Gudow verfügten die Wackerbarth bereits im 13. Jahrhundert, so wird Konrad „von GUDOW“, der nach dem 04.09.1308 zusammen mit den Brüdern von Wokendorp Urfehde schwörte 209, wobei dominus Conradus (IV) Wackerbart als Bürge fungierte, dem Geschlecht der Wackerbarte zugehören, ohne dass sich eine Einordnung in die Genealogie des Geschlechts geben lässt. Vielleicht war er ein Sohn Ludolfs (I)? Grund für die Urfehde war eine Fehde der Wackerbart gegen Volrad von Züle, Detlef Wulf, Ludolf (II) von Scharpenberg und Graf Nikolaus (I) von Schwerin-Wittenburg. Über den Verlauf der Fehde selbst ist nichts bekannt. Ein weiterer Conradus Wackerbart de Gudowe (etwa Konrad VIII?) kommt noch 1343 im Urkundenbuch der Stadt Lübeck vor 210.



Johannes (I) WACKERBARDT ++Riga 1305


(V – 16); Ritter, angeblich Sohn Ottos (I) 211, Bruder von Richolf 212; 1305 hatten die Rigaer eine Anzahl Geistlicher, Ritter und Knappen, die sich bei einem Tumult zwischen Kirche und dem Deutschen Orden in ein Gotteshaus geflüchtet hatten, erschlagen. Zu den etwa 20 Getöteten gehörten auch Johannes Wackerbardt und Marquardus Albus. Für ihn übernimmt sein Bruder Richolf bei der anschließenden Fehde gegen die Stadt Riga und den folgenden Sühneverhandlungen die Interessen der Familie 213. Er lässt sich in die Wackerbarthsche Genealogie gesichert nicht einordnen.



Richolf WACKERBART

Wappen Richolf Wackerbarth (1316)


(V – 17); angeblich Sohn von Otto (I) 214, Bruder von Johannes (I) 215; 1316/1317 ist Rycholph Wackerbarth Komtur des Deutschen Ordens in Dünamünde 216; bei den Sühneverhandlungen mit der Stadt Riga im Jahre 1316 vertritt er die Interessen seines erschlagenen Bruders Johannes 217. Erzbischof Friedrich gebietet ihm 1317, seines erschlagenen Bruders und Vetters nicht mehr zu gedenken 218.


Richolphus Wackerbart siegelt am 25.07.1316 seinem Wappen, das im Schild einen linken, damascierten, Schrägbalken zeigt 219. Dieses Wappen macht es fraglich, ob die baltischen Wackerbarth mit dem lauenburgischen Geschlecht in Verbindung gebracht werden können. Allerdings ist es bei dem seltenen Namen und dessen mutmaßlichem Ursprung wenig wahrscheinlich, dass es mehrmals im Herzogtum Sachsen-Lauenburg, in der Umgebung von Fritzlar und im Baltikum - entstanden sein soll.



N. von WACKERBART

(V – 18); angeblich Tochter von Otto (I) 220; Schwester von Johannes (I) und Richolf 221, um 1300 Heidenreich von BUXHOEVEDEN (BEKESHOVEDE), Sohn von Johannes (II) von Bekeshovede und N. von Hude (Livland), er vertritt 1315 bei den Sühneverhandlungen mit der Stadt Riga die Interessen der Hinterbliebenen seines Onkels Mauritius von Hude 222.




Die sechste Generation:



Markward (I) WACKERBART


(VI – 19); ?Knappe, vmtl. Sohn von Konrad (IV); Bruder von Konrad (VI), Vetter („patruelis“) der Brüder Konrad (VII), Heinrich (IV) David (II), Otto (II) und Heinrich (V), urk. 1321/1325 - Als „patruelis“ von David (I) ist Markward – zusammen mit seinem Bruder Konrad (VI) – 1321 Mitlober beim Verkauf des Zehnten vom Steinfeld an die Stadt Mölln 223. Wieder mit seinem Bruder Konrad gibt er als „patruelis“ der Brüder Konrad (VI), Heinrich (IV), Otto (II), David (II) und Heinrich (V) – zusammen mit seinem Verwandten Ludolf von Karlow – seine Zustimmung zum Verkauf des halben Zehnten auf dem Steinfeld bei Mölln 224.



Konrad (VI) WACKERBART

(VI – 20); ?Knappe, vmtl. Sohn von Konrad (IV); Bruder von Markward (I), urk. 1321/1325 - Konrad (VI) urkundet ausschließlich zusammen mit seinem Bruder Markward (I) 225.



Konrad (VII) WACKERBART

(VI - 21); Knappe, Sohn Davids (I), „patruelis“ von Konrad (VI) und Markward (I), Neffe von Ludeke (II) von Karlow, sachsen-lauenburgischer Vasall, hat Besitz in Kühsen - „Conradus filius Davidis Wackerbart, militis bone memorie“ verkauft am 16.01.1325 für sich und seine – minderjährigen – Brüder Heinrich (IV), Otto (II), David (II) und Heinrich (V) d. J. an Albrecht Witte, Pfarrer an der Heilig-Geist-Kirche zu Mölln, den halben Zehnten auf dem Steinfeld bei Mölln und lässt denselben vor Bischof Marquard von Ratzeburg auf 226. Mitlober sind seine „patrueles“ Konrad (IV) und Markward (I) sowie sein Onkel Ludeke von Karlow. Dann hören wir lange Zeit nichts mehr von ihm. Erst am 13.06.1341 verkauft er mit seinem Bruder Otto (II) und Otto (V), Sohn des verstorbenen Heinrich Wackerbart gnt. Kale eine Rente aus der oberen Mühle zu Alt Mölln 227. Dann ist auch er offenbar in die Fehdehandlungen zu Beginn der 1340ziger Jahre verstrickt. So erscheint er in der Urkunde vom 10.12.1343, als es um die Entschädigung für die Zerstörung des Bergfrieds seines Bruders David (II) in Sterley geht 228. Im Zusammenhang mit Streitigkeiten der Familie mit Bischof Volrad von Ratzeburg hatte er Rechtsverletzungen in seinem Besitz in Kühsen erlitten, aber offenbar Genugtuung erhalten 229. Letztmals genannt ist er am 08.08.1347 mit seinen Brüdern Heinrich (V) und Otto (II), seinen Vettern Detlef (III) Wackerbard und Heinrich (VI) Wackerbard gnt. Douendeghe und ihren Genossen bei der gütlichen Beilegung ihrer Fehde mit der Stadt Lübeck 230.


Konrad (VII) war mit Anna von HACKE verheiratet 231 und hatte vielleicht als Kinder


  1. Otto (III) > VII-29

  2. Hennekinus (Johann III) > VII-30



Heinrich (IV) WACKERBART gnt. Kale


(VI – 22); +v. 13.06.1341; Knappe, Sohn Davids (I), Bruder von Konrad (VII), Otto (II), David (II) und Heinrich (V) jun., und Neffe von Ludeke (II) von Karlow, hat Besitz in Hollenbek urk. 1325 - Hinrisci Wackerbarth ist nur am 16.01.1325 genannt, als sein Bruder Konrad (VI) für sich und die Brüder den halben Zehnten auf dem Steinfeld bei Mölln verkauft 232.


Wohl als Hinricus miles dictus Kale wird er nur ein Mal, am 13.06.1341, beim Verkauf einer Rente aus Alt Mölln als verstorbener Vater von Otto (IV) bezeichnet 233. Ob und wenn ja, mit welchem der vorangegangenen Heinriche – in Betracht kommen Heinrich (II) (1316), Heinrich (IV) (1325), Heinrich (III) (1306/1318) – er dann gleichzusetzen wäre, lässt sich nicht sicher sagen. Am ehesten möchte man an den 1325 genannten Sohn von David (I) denken. Dazu würde auch der Rufname seines Sohnes Otto passen, der bei diesem Zweig der Wackerbarte gebräuchlich ist.


Kinder 234:

  1. Otto (IV) gnt. Pouche > VII-31

Otto (II) WACKERBART


Siegel Otto Wackerbards, 1343


(VI – 23); Knappe (1325), Ritter (ab 1341), Sohn Davids (I), Bruder von Konrad (VII), Heinrich (IV), David (II) und Heinrich (V) jun., Neffe von Ludeke (II) von Karlow, sachsen-lauenburgischer Vasall , sachsen-lauenburgischer Rat, urk. 1325/1354 - Für Otto (II) und seine minderjährigen Brüder verkauft sein Bruder Konrad (VI) am 16.01.1325 den halben Zehnten auf dem Steinfeld bei Mölln 235. In der Folge ist Otto (II) dann offenbar die dominierende Figur innerhalb der Familie. Als einziger der Brüder erreicht er die Ritterwürde. Am 13.06.1341 verkaufen „Otto Wackerbarth miles, Conradus eius frater necnon Otto, filis quondam Hinrici militis dicti Kale, armigere“ an den Kaland in Mölln für ein Kapital von 20 Mk eine Rente von 2 Mk aus der oberen Mühle in Alt Mölln 236. Dann ist auch Otto (II) verstrickt in die Fehdehandlungen der Zeit. Er erscheint in der Urkunde vom 10.12.1343, als es um die Entschädigung für die Zerstörung des Bergfrieds seines Bruders David (II) in Sterley geht 237. Nach der Zerstörung von David (II) Wackerbarts Bergfried im Jahre 1343 hatte die Feindschaft der Wackerbart mit der mächtigen Hansestadt an der Trave offenbar weitergeschwelt. Zusammen mit seinen Brüdern Heinrich (V) und Konrad (VII) sowie seinen Neffen Detlef (III) und Heinrich (VI) gnt. Douendeghe und ihren Genossen legt er am 08.08.1347 die mit der Stadt Lübeck entstandene neue Fehde gütlich bei 238. Allerdings hatten die Wackerbart den Tod von Otto (V) Wackerbart gnt. Poche und die Gefangennahme von Heinrich (V) Wackerbart zu beklagen. Dann ist „her Otto Wackerbard, unse truwe man“ als Rat 239 Herzog Erichs II. zugegen, als dieser am 20.10.1348 dem Kloster Reinbek für 290 Mk den Hof zu Escheburg verkauft 240. Am 25.05.1351 ist er in Nykjöbing Mitlober beim Vertragsschluss Herzog Albrechts von Mecklenburg mit Herzog Erich d. J. wegen des Krieges mit dem Grafen von Schwerin 241 und am 31.03.1353 ist er Mitlober bei Herzog Johann III., als dieser dem von der Stadt Lübeck mit den Herzögen Albrecht und Johann von Mecklenburg und dem Grafen Otto von Schwerin geschlossenen Waffenstillstand beitritt 242. Zuletzt genannt ist Otte Wakkerbard ridder erneut als Mitlober am 01.11.1354 beim Abschluss eines zweijährigen Landfriedens 243.



David (II) WACKERBART


(VI – 24); Knappe, sachsen-lauenburgischer Vasall, Sohn Davids (I), Bruder von Konrad (VI), Heinrich (IV), Otto (II) und Heinrich (V) d. J., Neffe von Ludolf (II) von Karlow, urk. 1325/1344 - Für ihn und seine Brüder verkauft am 16.01.1325 der Bruder Konrad (VI) den halben Zehnten auf dem Steinfeld bei Mölln 244. Dann hören wir lange Zeit nichts mehr von David. Bei der Erbteilung war ihm als Wohnsitz Sterley zugefallen, wo er einen befestigten Bergfried besaß. Ohne dass wir wissen weshalb, war er in die Fehdehandlungen der 1340ziger Jahre geraten, in deren Verlauf sein Bergfried von den Lübeckern zerstört worden war 245. Die Wackerbart hatten wohl durch Anlage eines festen Turms in Sterley den Handesweg Lübecks bedroht und sich Gewalttaten gegen lübsche Kaufleuite erlaubt, bis die Stadt ihren reitenden Vogt mit seiner Mannschaft ausschickte, durch die sie den Bergfried kurzerhand niederbrennen ließ. Ob diese Privatfehde der Wackerbart im Zusammenhang mit den großen Fehdehandlungen des Jahres 1343 stand, lässt sich nicht sagen. Sicher waren die Wackerbart als Gegner Lübecks keine Verbündeten der Holstengrafen und an den hambugischen Zwsitigkeiten hatten sie anscheinend wenig Interesse. So sind die Ereignisse um die Zerstörung des Sterleyer Bergfrieds von David (II) Wackerbarth wohl doch eine der vielen Privatfehden, wie sie der Adel damals häufig mit den Städten führte.


Mutmaßliches Aussehen einer Turmhügelburg
wie sie auch David Wackerbarth besessen hat


Sterley: Lageplan der drei Burganlagen im Dorf (bei Prange)


Sterley: Wackerbarthsche Burg Sterley 2
(Grabung Prange)


Am Mittwoch, den 10.12.1343 beurkundete David (II) Wackerbarth, dass seine Streitigkeit mit der Stadt Lübeck, die sich wegen der Zerstörung seiner Befestigung in Sterley („racione destructionis fortalicii mei in Stralye“) entstanden waren, dergestalt beigelegt seien, dass Ludeke Scharpenberg einen von beiden Parteien anzuerkennen den Schiedsspruch fällen solle 246. Das geschah schon am nächsten Montag, den 15.12. Ludeke Scharpenberg nennt zunächst genauer den Grund des Streits: Die Zwietracht habe sich erhoben „van des vorbeno-meden Davytes berchvrede weghene, de beleghen was in deme dorpe tho Stralye; den der stat voghet van Lubeke brande myt syner kumpaneye“. Dann entscheidet er, die Stadt Lübeck solle David aus ihrem Verfestungsbuch streichen. d. d. seine Friedloslegung aufheben und ersetzen, was ihm beim Niederbrennen des Bergfrieds genommen worden war. Von einer Entschädigung für das Niederbrennen des Turmes selbst ist nicht die Rede 247. Diesen Bergfried konnte Prange aufgrund der Sterleyer Verkoppelungskarte von 1789 östlich des Dorfes in der Nähe des Niederungszuges, der sich vom Ratzeburger zum Seedorfer Weg zieht und „Borggraben“ heißt, nachweisen (Burganlage 2).


Prange legte im Frühjahr 1956 im Auftrag des Landesamtes für Vor- und Frühgeschichte einen Suchgraben an und fand unter anderem blaugraue Keramik aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Wie die Anlage einst ausgesehen hat wissen wir nicht. Prange denkt an eine Motte, „gegen den umgebenden Graben mit Feldsteinen abgestützt und darauf einen Turm, nicht aus Stein, sondern eher einen Fachwerkbau“, wie er für die Müggelburg der von Salem oder die ritzerauischen Anlagen in +Siltendorf bei Koberg oder in Dechow nachgewiesen werden konnte. Für Wirtschaftsgebäude war auf dem Hügel sicherlich kaum Platz; sie werden an anderer Stelle im Dorf gestanden haben.


Sterley: Burganlage 1 am Südrande des Dorfes
(Zeichung Hofmeister)




Sterley z. Zt. der Verkoppelung
(Burganlage Davids (II) südlich „auf der Hagedorn“)


David (II) Wackerbarth war aber nicht allein mit der Stadt Lübeck in Streit geraten. Auch mit Bischof Volrad von Ratzeburg gab es Probleme. Davon zeugt die Klage Davids und der übrigen Wackerbarte gegen den Bischof, die schließlich Herzog Erich II. schlichten musste 248 Der Grund des Streits war eine bewaffnete Auseinandersetzung mit des Bischofs Leuten, die das wackerbarthsche Dorf Kühsen ausgeraubt hatten.


Die Wackerbarth brachten vor 249: „Merswin war unser Feind, wie es Herren, Leuten und Landen wohl bekannt war, und ritt mit des Bischofs Schwestersohn von Farchau aus des Bischofs Dienst und raubte und brannte uns zu Kühsen. Davon ist unseren Bruder Conrad Recht geschehen und uns nicht“. Darum bitten David (II) Wackerbarth und die übrigen Mitglieder der Familie, dass Herzog Erich II. ihnen zu ihrem Recht verhelfe, da sie von einem Streit mit dem Bischof nichts wüssten. David (II) Wackerbarth hatte ganz offensichtlich verdrängt, dass er es gewesen war, der die Dörfer des Bischofs geplündert, seine Leute getötet und Häuser angesteckt hatte und zu einem klärenden Gespräch mit dem Bischof in Farchau nicht erschienen war. Stattdessen hatte er aus Kneese Kühe, Pferde und Ochsen weggetrieben und das Dorf niedergebrannt. Bischof Volrad, dem all dies noch gut in Erinnerung war und der sich offenbar zur Wehr gesetzt hatte, beteuerte seine Unschuld und führte bei seiner Gegenklage an, dass Merswin und seine Genossen zum Zeitpunkt der Übergriffe auf die wackerbarthschen Besitzungen und auch danach nicht mehr in seinen Diensten gestanden hatten. Herzog Erich d. Ä. sprach daraufhin den Bischof frei von aller Schuld, den erlittenen Schaden sollte er schätzen und die Wackerbarth sollten das Recht auf Minderung haben („moghen en minieren mit eren rechte“).


Sterley: St. Johannis von Südwesten
(in „Chronik Sterley“ Bild 1)


Heinrich (V) WACKERBART junior


(VI – 25); Knappe, sachsen-lauenburgischer Vasall, Sohn Davids (I), Bruder von Konrad (VII), Heinrich (IV), Otto (II), David (II); Vetter von Johann (II) Wacker und Detlev (IV) Wackerbart, Neffe von Ludolf (II) von Karlow; urk. 1325/1357 - Als Heinrich junior erscheint er am 16.01.1325 als jüngster der wackerbarthschen Brüder, für die ihr ältester Bruder Konrad (VI) den halben Zehnten auf dem Steinfeld bei Mölln verkauft 250. Als wir wieder von Heinrich hören, ist er Beteiligter an einer Fehde mit der Stadt Lübeck, bei der er gefangengesetzt und ein Vetter, Otto (IV) Wackerbard gnt. Pouche getötet wurde. Am 08.08.1347 wird der Streit beendet 251: „Wy, Hinrik Wackerbard en knape, Otte en rideer vnde Hinrik Wackerbard geheten Douendeghe vnde Vicke Hidzacker, Heyneke von Tzüle, Make Muggesueld, Otte van Ritzerowe unde Hinrik Sprengel, knapen“ urkunden über die gütliche Beilegung des zwischen ihnen und der Stadt Lübeck wegen der Gefangennahme von Heinrich und der Tötung von Otto (IV) Wackerbard gnt. Pouche „unde ok van roues, brandes eder anders van ienigherhande sake wegene“ entstandenen Fehde.


Auch mit dem Kloster Zarrentin hatte es offenbar Differenzen gegeben; darauf lässt eine am 21.07.1357 ausgestellte Urkunde 252 schließen, in der sich Heinrich Wackerbard mit dem Kloster versöhnt und diesem seinen Schutz gelobt. Bürgen sind seine „patrui“ Johannes (II) Wacker gnt. Wackerbard und Detlef (IV) Wackerbard sowie Heinrich von Zecher.



Johannes (II) Wacker gnt. WACKERBARD


(VI – 26); Knappe, sachsen-lauenburgischer Vasall, Sohn Heinrichs (II), Bruder von Konrad (VII), Vetter von Heinrich (V) und Detlef (IV), hat Besitz in Schadeland, Hollenbek und ?Segrahn, urk. 1344/1357 - Erstmals genannt ist Johannes Wacker am 06.01.1344, als Herzog Erich d. Ä. den Streit zwischen den Wackerbarth und Bischof Volrad schlichtet 253. Am 06.07.1351 verpfänden „Johannes et Conradus fratres dicti Wackerbard, famuli, filii Hinrici Wackerbard quondam militis morantis in Holenbeke“ dem Kloster Zarrentin 16 Mk jährlicher Hebungen in ihrem Dorf Schadeland zu Brenn- und Bauholz 254. Am 17.08.1352 ist Wacker Wackerbard Mitlober bei Vicke (I) von Karlow und seinem Sohn Ludolf (IV), als diese Besitz in Falkenhagen verkaufen 255. Letztmals genannt ist Johannes Wacker dictus Wackerbard am 21.07.1357 als „patruus“ von Heinrich (V), für den er sich bei dessen Auseinandersetzung mit dem Kloster Zarrentin verbürgt.



Konrad (VIII) WACKERBART


(VI – 27); Knappe, sachsen-lauenburgischer Vasall, Sohn Heinrichs (II), Bruder von Johannes (II) Wacker, hat Besitz in Schadeland, Hollenbek und ?Segrahn, urk. 1347/1360 - Am 08.01.1347 legt er mit dem Ritter Otto (II) Wackerbard und den Knappen Heinrich (V), Detlef (IV) und Heinrich (VII) Wackerbard gnt. Douendeghe und weiteren Genossen die Fehde mit der Stadt Lübeck gütlich bei 256. Mit seinem Bruder Johannes (II) Wacker verpfändet er am 06.07.1351 16 Mk jährlicher Hebungen in Schadeland 257. Dann ist Cord Wackerbard am 10.08.1360 vor Helsinborg mit Otte (III) und Detlef (IV) Wackerbard Mitlober beim Bündnis der Herzöge von Sachsen-Lauenburg mit Herzog Albrecht von Mecklenburg 258. Möglicherweise ist Konrad identisch mit dem 1343 im Urkundenbuch der Stadt Lübeck genannten Conradus Wackerbart de Gudowe 259.



Detlef (III) WACKERBART


(VI – 28); vmtl. Sohn Heinrichs (III); Knappe, Vater von Detlef (IV), urk. 1347/1352 - Detlef (III) Wackerbart urkundet am 08.08.1347 über die gütliche Beilegung der zwischen den Wackerbart und ihren Genossen und der Stadt Lübeck u.a. wegen der Tötung des Otto (IV) Wackerbart gnt. Pouche entstandenen Fehde 260. Er wird dann noch einmal, am 17.08.1352, als Vater von Detlef (IV) genannt 261.


Kinder:

  1. Detlev (IV) > VII-33



Die siebte Generation:



Otto (III) WACKERBART


(VII – 29); Knappe, sachsen-lauenburgischer Vasall, Sohn Konrads (VI). Bruder Johanns (II) 262, hat Besitz in Todendorf und Großensee, urk. 1360/1362 - Otto (III) Wackerbart ist – zusammen mit Cord (Konrad VIII) und Detlef (IV) am 10.08.1360 vor Helsingborg Mitlober beim Bündnis der Herzöge von Sachsen-Lauenburg mit Herzog Albrecht von Mecklenburg 263. Am 10.07.1362 ist er Zeuge bei Herzog Erich, als dieser seine Hoheitsrechte in Schlagbrügge und Schlagresdorf gegen die in Goldensee und an 7 ½ Hufen in Drogen-Vorwerk und gegen 150 Mk lüb. an das Domkapitel in Ratzeburg abtritt 264. Für der Stadt Lübeck geleisteten Kriegsdienst empfängt Otto Wackerbard, principalis huius cause am 04.08.1362 eine Quittung über empfangenen Sold 265


Otto (III) war vmtl. Vater von


  1. Otto (V) gnt. Cruk > VIII-35

  2. ?Marquard (II) > VIII-36

  3. ?Elisabeth (I) > VIII-37

  4. ?Richarda > VIII-38



Hennekinus (Johann III) WACKERBARD


(VII – 30); Knappe, Bruder von Otto (III) 266, urk. 1370 - Hennekinus Wackerbard urkundet nur ein Mal, am 18.02.1370, als Mitlober bei dem Knappen Volquin Parsow, als dieser für 330 Mk seinen Besitz in Schürsdorf an das Lübecker Domkapitel verkauft 267.



Otto (IV) WACKERBARTH gnt. Pouche ++vor 08.08.1347


(VII – 31); Knappe, sachsen-lauenburgischer Vasall, Sohn von Heinrich (IV) gnt. Kale, urk. 1341 - Zusammen mit dem Ritter Otto (II) Wackerbarth und dessen Bruder Konrad (VII) verkauft Otto, filius quondam Hinrici militis dicti Kale, armiger am 13.06.1341 dem Kaland in Mölln für ein Kapital von 20 Mk eine Rente von 2 Mk aus der oberen Mühle in Alt Mölln 268.

Otto ist vermutlich identisch mit Otto gnt. Pouche dessen gewaltsamer Tod u.a. Anlass für eine Fehde der Wackerbart mit der Stadt Lübeck war, die 1347 gütlich beigelegt werden konnte 269.



Heinrich (VI) WACKERBARD gnt. Douendeghe

(VII – 32); Knappe, sachsen-lauenburgischer Vasall, urk. 1347 - Hinrik Wackerbart geheten Douendeghe urkundet nur ein Mal am 08.08.1347, zusammen mit seinen Vettern, den Brüdern Heinrich (V), Otto (III) und Konrad (VII) Wackerbart sowie Detlef (IV) Wackerbart und ihren Genossen, über die gütliche Beilegung der u.a. durch die Tötung von Otto (IV) Wackerbart gnt. Pouche entstandenen Fehde 270. Die Bedeutung seines Beinamens „Douendeghe“ hat sich nicht erschließen lassen. Wenn Rüdiger von Wackerbarth 271 ihm mit Heinrich gnt. Kale gleichsetzt, so kann dies nicht richtig sein, da der letztere 1341 schon tot war und Heinrich gnt. Douendeghe noch 1347 urkundet. Seine Einordnung in die Wackerbarthsche Stammtafel ist allerings nicht möglich, doch wird er seinem Namen nach in die Generation der Enkel von David (I) gehören.



Detlef (IV) WACKERBARD


(VII – 33); Knappe, Sohn von Detlef (III), „patruus“ von Heinrich (V), urk. 1352/1360 - Am 17.08.1352 ist Dethleuus Wackerbard, filius Dethleui Wackerbard, famulus Mitlober bei Vicke (I) von Karlow und seinem Sohn Ludolf (IV), als diese dem Bischof Volrad von Ratzeburg 4 Hufen, Worth und Dorland in Falkenhagen verkaufen 272. Als „patruus“ von Heinrich (V) Wackerbard bürgt er am 21.07.1357, als dieser sich mit dem Kloster Zarrentin versöhnt 273. Zuletzt genannt ist Detlef (IV) am 10.08.1360 vor Helsingborg als Mitlober beim Bündnis seines askanischen Lehnsherrn mit Herzog Albrecht von Mecklenburg 274.



Konrad (IX) WACKERBARTH +1378/1382


(IX – 34); Knappe, begütert in Östergötland (Schweden), gnt. 1377 275. Ob er dem lauenburgischen Uradelsgeschlecht entstammt ist nicht geklärt. Vielleicht gehört er auch zu den baltischen Wackerbarth, deren Herkunft bislang nicht geklärt werden kann.




Die achte Generation:



Otto (V) WACKERBARD gnt. Cruk *um 1360 +1425

(VIII - 35); Knappe, 1391-1398 lübscher Vogt von Mölln, vielleicht Sohn von Otto (III), Vater von Heinrich (VII); urk. 1395/1424 - Otten Wackerbarde anders gheheten Cruk, vogede to Molne ist am 29.08.1395 bei Gerd Gudow und seinem Sohn Gereke Mitlober, als diese dem Möllner Bürgermeister Johann Molner eine jährliche Rente von vier Pfund Mehl aus der Lütauer Mühle verkaufen 276. Am 21.12.1398 bürgt er für seinen Herzog und Lehnsherrn Erich IV., als dieser Johann Molner die Hälfte des Sees zu Drüsen und 4 Pfund Mehl aus der Lütauer Mühle überträgt, die damals Gerd Gudow gehörte 277. Otto (V) amtierte bis 1398- als Vogt in Diensten der Stadt Lübeck. Sein Amtssitz war der „Herrenhof“ bzw. Stadthauptmannshof. Dieser wird schon 1359 bei der Verpfändung Möllns an die Stadt Lübeck genannt. Er wurde später 1414 (nach dem Brand von 1409) und 1550 durch Neubauten ersetzt 278.


Aus einem Eintrag vom 25.07.1399 im Niederstadtbuch der Stadt Lübeck erfahren wir, dass „Ottoni Wakkerbarde alsia dicto Krukke advocato in Molne“ und Jordan Pleskow bei der Schuldverschreibung des Luder Lützow über 1200 Mk Lüb. beteiligt gewesen sind 279. Am 28.09.1409 verkaufen Otto Wackerbard, wandages voghet to Molne unde Hinrik Wackerbard myn sone, knapen dem Priester Johann Abbentorp mit Zustimmung Herzog Erichs IV. für 68 Mk unter dem Vorbehalt des Rückkaufs „unsen hoppenhof bi der Hanebeke belegen uppe dem velde to Oldenmolne mit II stucken ackers, de to dem houe de bi dem berghe to Oldenmolne beleghen sind, unde II wissche belegen bi den Oldenmolne wisschen bi der Stekenisse unde XII Schil. geldes van enen haluen houe landes, de nv is to Kroghers erue to Oldenmolne, unde 1 Schilling geldes van I stucke landes dat nv buet Henneke Burmester to Oldenmolne“ 280.

1412 verkauft Otto (V), zusammen mit seinem Sohn Heinrich (VII) Wackerbart der Marienkirche in Gudow Besenthal mit Acker, Weide, Wisch und allem Zubehör für 16 Mk. Dabei behält sich Otto jedoch die Nutzung von Acker und Weichholz auf Lebenszeit vor 281.


Mölln: Ensemble des Stadthauptmannshofes
(um 1750, nach dem Stadtmodell von Nissen)

Dem geringen Preis sowie der ungewöhnlichen Formulierung nach, die nicht, wie sonst üblich, die von den Bauern zu zahlenden Abgaben erwähnt, auch Besenthal selbst nicht als Dorf bezeichnet, ist zu schließen, dass seine Hufen 1412 nicht mehr besetzt waren, dass jedoch die Äcker, zumindest ein Teil, durch Otto Wackerbart bebaut wurden 282. 1424 verzichtet Otto auch auf diesen Vorbehalt 283. Trotzdem scheint Besenthal aber nicht gänzlich wüst gelegen zu haben, denn als 1503 Detlef (V) und Hartwig (III) Wackerbarth den von Bülow auf Gudow die Gerichtsbarkeit über Besenthal verkaufen, bezeichnen sie dieses ausdrücklich als Dorf, während zugleich in der Urkunde von der wüsten Feldmark Dargenow und der Dorfstätte Brodesende die Rede ist 284. In den Bederegistern des beginnenden 16. Jahrhunderts wird Besenthal als Dorf dann nicht mehr genannt. Noch als Herzog Franz I. von Sachsen-Lauenburg es 1559 einzuziehen und der Gudower Kirche zu nehmen drohte, sprechen die Kirchgeschworenen immer nur von dem Gut Besenthal und den Leuten dort, nie aber von einem Dorf 285. Das Gut Besenthal war 1412 bis 1424 auch Wohnsitz Ottos (V) Wackerbarth 286.


Otto (V) gnt. Cruk war vmtl. Vater von:


  1. ?Hartwig (I) > IX-39

  2. Heinrich (VII) > IX-40

  3. ?Henneke > IX-41

  4. ?Hermann (I) > IX-42



Marquard (III) WACKERBART


(VIII - 36); Knappe, Sohn von Otto (III); angeblich 1358/1370 Erbherr auf Todendorf; Margarethe von STOLTZING (?HOLTZING) „aus dem Lande Lüneburg“ 287– Er hat sich urkundlich bislang nicht belegen lassen. Allein in der Leichenpredigt auf den Schweriner Dompropst Otto (VIII) von Wackerbarth wird er als Sohn von Otto und Vater von Otto ( Alheit von Schack) genannt 288.


Kinder:

  1. Ermgard > IX-44

  2. Otto (VI) > IX-45

  3. ?Marquard (III) > IX-46


Zarrentin: ehemaliges Zisterzienserinnen-Kloster (Westseite)
(aufgenommen 1923, Zeichnung Bruns)



Zarrentin: ehemaliges Zisterzienserinnen-Kloster (Seeseite)
(Foto: Specht, 1991)



Elisabeth (I) WACKERBARTH

(VIII - 37); Sie ist 1388 Nonne im Kloster Zarrentin 289. Ihre Zuordnung als Tochter Ottos (III) ist nicht sicher.


Zarrentin: Klosterkirche (Nordseite)


Richarda von WACKERBARTH

(VIII - 38): Sie ist 1388 Nonne im Kloster Zarrentin 290. Ihre Zuordnung als Tochter Ottos (III) ist nicht sicher.



Die neunte Generation:



Hartwig (I) WACKERBART


(IX – 39); Knappe, urk. 1400/1404) - Hartich Wackerbart ist Mitlober bei Reimar (VI) von Karlow, als dieser sich am 07.07.1400 mit den Herzögen von Mecklenburg aussöhnt und einen ewigen Frieden gelobt 291. Am 01.11.1403 ist er Bürge und Mitlober bei Heinrich Sack, als dieser über die Bedingungen urkundet, unter denen er für eine Forderung von 2000 Mk die Vogtei und das Schloss Lüdershausen angenommen hat 292. Am 18.05.1404 gehört Hartwich zu den 18 Adligen des Herzogtums Sachsen-Lauenburg, die mit 12 anderen dortigen Standesgenossen ein Bündnis schließen 293 . Hartwigs Herkunft ist ungeklärt. Vielleicht war er ein Sohn von Otto (V) Cruk?



Heinrich (VII, Heyneke) WACKERBARTH +vor 1432


(IX – 40); Knappe, Sohn des Vogts Otto (V), urk. 1409/1420 - Heinrich verkauft am 28.09.1409 mit seinem Vater einen Hopfenhof auf dem Altmöllner Felde nebst Zubehör an den Priester Johann Abbendorf 294. 1412 verkauft er – zusammen mit seinem Vater Otto – der Marienkirche in Gudow Besenthal 295. Wie zahlreiche Angehörige seines Geschlechts hatte auch Heinrich (VII) sich – zumindest zeitweise – dem Kriegshandwerk verschrieben und in den Diensten der Stadt Lübeck gestanden. Dies ergibt aus einer ihm 1420 ausgestellten Soldquittung.


Verheiratet war Heinrich (VII) mit N. NN. Witwe von Hermann von BLÜCHER (gnt. 1388/1400) auf Lehsen 296. Aus dieser Ehe stammte die Tochter


  1. Ida > X - 47



Henneke (Johann IV, Hans) WACKERBARD

(IX – 41); Knappe, Vater von Otto (VII), urk. 1424/1448 - 1424 stifteten Johann und Hermann von Wackerbard eine Vikarie in der Kirche von selmsdorf, die mit 16 Mk Zinsen von einem Kapital von 200 Mk dotiert war 297. Henneke Wackerbard to Kowalle knape ist am 30.03.1425 Mitlober – mit Detlev von Scharpenberg zu Seedorf – bei Detlev von Stove, als dieser dem Vikar am Altar zum Heiligen Kreuz in der Kirche zu Mölln für ein Kapital von 200 Mk eine Jahresrente von 16 Mk aus seinem Dorf Kittlitz verkauft 298. Danach wird er noch mehrfach (21.10.1445, 20.12.1446 und 27.02.1448) als Vater von Otto (VII) genannt 299, ohne dass sich erkennen lässt, ob er zu diesem Zeitpunkt noch gelebt hat.

Verheiratet war er vielleicht mit einer N. von BIBOW. Aus der Ehe stammen vmtl. die Söhne


Kinder:

  1. Otto (VII) d. J. > X-48

  2. Johann Heinrich > X-49



Hermann (I) WACKERBARTH


(IX – 42); Knappe, zusammen mit Johann (IV) Wackerbard, dessen Bruder er wohl war, stiftete er 1424 eine Vikarie in der Kirche zu Selmsdorf 300.



Wakkerbard“

(IX - 43); Knappe, zu Kogel, gnt. 1391/1392 - „Wakkerbard“ erscheint ohne Nennung eines Rufnamens 1391/1392 in Aufzeichnungen über Straßenräuber und die von ihnen in der Umgebung von Wismar verübten Straftaten 301. 1391 ist er mit anderen in Wedendorf und 1392 ist „Wackerbarde de wonet to Kowalle“ im Zusammenhang mit der Ermordung des Wismarer Bürgers Tymme Knoke genannt (“Dar umme den vorscreuenen mort, den se hebben dan up mynes heren straten“). Wer sich hinter „Wakkerbard“ konkret verbirgt, darüber sagt die Urkunde nichts. Er wird sich hinter einem der zuvor genannten Kogeler Namensträgern verbergen (?Hartwig I).



Ermgard von WACKERBARTH

(IX - 44); * ..... + ....., Tochter Marquards (II) 302, Arnd GRAMBEKE



Otto (VI) WACKERBARTH +nach 25.09.1475/vor 1478

(IX – 45); Knappe, sachsen-lauenburgischer Rat (1444), Erbherr auf Kogel, Sohn von Markward (III) 303, urk. 1439/1475 - Verheiratet war Otto (VI) mit Alheit SCHACK verw Ludolf von PARKENTIN (+n. 1478), Tochter von Ludolf Schack auf Gülzow und Margarethe von Pentz 304


Kinder:

  1. ?Hartwig (II) > X-50

  2. Hartwig (III) > X-51 > Stamm Kogel A

  3. Margarethe > X-52

  4. Detlof (V) > X-53 > Stamm Kogel B

  5. ?Amalie > X-54

  6. ?Marquard (IV) > X-55


Otto (VI) Wackerbarth ist die zweifellos überragende Persönlichkeit des Geschlechts um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Um ihn von seinem gleichzeitigen jüngeren Namensvetter zu unterscheiden, wird er in den Urkunden als „de oldere“, „de oldeste“, „de olde“ bezeichnet. Erstmals genannt ist Otte Wackerbard knape am 01.01.1439 als Mitlober bei Wedege von Züle, als dieser dem Kloster Marienwohlde 7 Mk jährlicher Rente für ein Kapital von 100 Mk aus einem Hof in Boddin verschreibt, den Hermann Scharpenberg von Marquard von Boddin gekauft hatte 305. Ab 1442 wird Otto dann als „der Ältere“ von dem ab diesem Zeitpunkt urkundenden Otto (VIII) d. J., „Hennekes sone“, unterschieden. Dies geschieht erstmals am 13.08.1442, als Otte Wackerbarth de oldere tho Cowale als Mitlober bei Otte Wackerbarth d. J. auftritt, als dieser für ein Kapital von 30 Mk eine Jahresrente von 2 Mk an den Möllner Bürger Hermann Schilling verkauft 306. Am 05.11.1442 ist Otte Wackerbard tho Kowalle in dem kerspele to Stralye dann Mitlober bei Helmich Scharpenberg zu Seedorf, als dieser für ein Kapital von 100 Mk dem Ägidien-Kaland zu Lübeck eine Rente von 7 Mk aus den Dörfern Seedorf und Hollenbeck verkauft 307. Dann ist Otto (VI) zwischen dem 28.04.und 04.05.143 Mitlober bei Detlev Scharpenberch zu Seedorf, Hermanns Sohn, als dieser an Hermann Schilling für 15 Mk eine Jahresrente von 1 Mk aus Külzeß Hufe zu Seedorf verkauft 308. Erneut als Mitlober tritt er am 20.12.1443 bei Hermann von Blücher auf, als dieser den Vikarien der Petri-Kirche zu Lübeck ebenfalls für ein Kapital von 100 Mk eine jährliche Rente von 7 Mk aus seinem Hof zu Lenschow verkauft 309. Am 16.11.1444 ist Otto Wackerbard to Koewalle als herzoglich-sachsen-lauenburgischer Rat zugegen, als Bischof Magnus von Hildesheim und sein Bruder, Herzog Bernhard I. von Sachsen-Lauenburg, dem Rat zu Lübeck den bis dahin grönauischen Hof und das Dorf Behlendorf mit dem See und dem Zoll sowie die Dörfer Giesensdorf, Harmsdorf und Albsfelde sowie den Hof Klein Anker f+r 2000 Mk verkaufen 310.


Dann erscheinen in der Folge Otto (VI) Wackerbarde d. Ä. und Otto (VII) Wackerbard d. J., Hennekes Sohn, in zahlreichen Urkunden gemeinsam als Mitlober:


  • 1445,21.10.: Otto Wackerbarde unde Otte Wackerbarde, Henneken sone, sind Mitlober, als die Knappen Detlof und Gerhard von Nateldorne eine Rente von 18 Mk jährlich für ein Kapital von 300 Mk aus ihrem Dorf Kulpin an Hermann Schilling d. Ä. verkaufen 311


  • 1446,20.12.: Otto Wackerbard de oldeste wonaftich to Koewalle, Otto Wackerbard Henneken zone, wonaftich darsulues in dem kerspele to Stralye ... knapen sind Mitlober bei Helmich Scharpenberg, als dioeser dem Ägidien-Kaland zu Lübeck für ein Kapital von 60 Mk eine jährliche Rente von 4 Mk aus dem Dorf Bresahn verkauft 312


  • 1448,06.11.: Otte Wackerbard de oldere unde Otte Wackerbard de jungere syn veddere to Kowale wonende in deme kerspele to Stralye sind Mitlober bei Herzog Bernhard I., als dieser den Vikaren im Dom zu Lübeck 70 Mk Rente aus den Dörfern Hamwarde, Wiershop und Abbendorf verkauft 313

  • 1449,15.09.: Olde Otte Wackerbard unde Otte Wackerbard de jungere to Kowalle sind Mitlober, als Herzog Bernhard I. dem Lübecker Domkapitel 112 Mk Rente aus Büchen, Fitzen, Thömen und Krukow verkauft 314


  • 1451,15.11.: de beyden Ottel Wackerbaerde knapen sind Mitlober, als Herzog Bernhatd I. dem Vikar an der Petrikirche zu Lübeck, Hermann Löding, 18 Mk Rente aus der Bockmühle in Krüzen verkauft 315


  • 1452,26.01.: de beyden Wackerbarde knapen sind Mitlober bei Herzog Bernhard I., als dieser den Vorstehern der Leichnams-Bruderschaft zu Burg für 1200 Mk eine jährliche Rente von 24 Mk aus den Dörfern Bartelsdorf und Wangelau verkauft 316


  • 1452,24.06.: Otte Wackerbart unde Hartich (II) Wackerbart, Otten (VI) sone unde junge Otte Wackerbard wonaftich to Kowale sind Mitlober bei Joachim und Ulrich von Pentz, als diese dem Bernd Darsow in Lübeck 8 Mk jährlicher Rente in Düssin für ein Kapital von 100 Mk verpfänden 317


  • 1452,09.11.: Otto Wackerbard de oldere wonaftich to Kowalle ... unde Otte Wackerbard de jungere ok wonaftich to Kowalle, knapen sind Mitlober und Bürgen bei Heinrich (IX) von Krummesse, als dieser dem Lübecker Bürger Berd Darsow für 550 Mk eine Rente von 38 ½ Mk als “unter Verpfändung des Dorfes Lankau“ vekauft 318


  • 1453,13.11.: Otte Wackerbard de olde tho Kowal … und Otte Wackerbard de iunge ock tho Kowal wonende, knapen sind Mitlober und Bürgen, als Herzog Bernhard I. für 200 Mk eine jährliche Rente von 14 Mk aus der ihm vom Rat zu Ratzeburg zu leistenden jährlichen Zahlung an Johann Segeberg, Ratmann zu Lübeck, verkauft 319


Mit der Stadt Lübeck hatte Otto d. Ä. 1454 Streit wegen „Holzfrevels“ seiner Untertanen. In einem Rechtsstreit, den der Lübecker Bürger Gotke Bramstede 1455 gegen ihn führte, verwandte sich 1457 Herzog Bernhard II. beim Rat zu Lübeck für seinen Lehnsmann 320.


In der Folge haben wir etliche Urkunden, in denen Otte Wackerbard to Kowal als Mitlober auftritt, wobei sich nicht sagen lässt, ob sich diese Urkunden nun auf Otto (VII) d. J. oder auf Otto (VI) d. Ä. beziehen:


  • 1461,11.11. Otte Wakkerbart tho Kowal, knape ist Mitlober bei Vicke (III) Karlow zu Tüschenbeck, als dieser für 400 Mk eine jährliche Rente von 28 Mk aus einem Hof Tüschenbeck und dem Dorfe Hornstorf verkauft 321

  • 1462, 18.11. Otto Wackerbard to Kowal in deme kerspele Sterlige wonaftich, knape ist Mitlober bei Abel Schacke und Volrad Scharpenberg, als diese für 300 Mk eine jährliche Rente von 21 Mk aus dem halben Dorf Duvensee verkaufen 322.


  • 1465, 10.11. Otto Wackerbardt zu Kowale ist Mitlober, bei Joachim Lützow zu Grabau, als dieser an die Kirche zu Mölln für 400 Mk Kapital eine Rente von 24 Mk aus Groß Salitz verkauft 323


  • 1466, 09.11. Otto Wackerbard zu Kogel ist erneut Mitlober bei Joachim von Lützow zu Grabow, als dieser für ein Kapital von 400 Mk eine weitere Jahresrente von 24 Mk aus Groß Salitz verkauft 324


  • 1466, 18.11. Otte Wackerbard to Kowall ist Mitlober, als sich die Brüder Volrad (II) und Otto (V) von Ritzerau für 200 Mk eine jährliche Rente von 14 Mk aus ihrem Hof Klein Ritzerau verkaufen 325.


  • 1467, 01.11. Otte Wackerbard tho Kowal ist Mitlober, als die Brüder Volrad (II) und Otto (V) von Ritzerau für 500 Mk eine weitere jährliche Rente von 35 Mk aus ihrem Hof Klein Ritzerau verkaufen 326.


Am 10.11.1469 sind Otto Wackerbarth d. Ä. und junge Otto Wackerbart, beide wohnhaft zu Kogel noch einmal gemeinsam Bürgen für Detleff Scarpenberch zu Seedorf, als dieser für ein Kapital von 300 Mk lüb. eine Jahresrente von 18 Mk aus „seinem ganzen Gut und Anteil des Dorfes Bresahn“ und einem Erbe zu Seedorf verkauft 327.


Bei dem in der Folgezeit in den Urkunden genannten Otto Wackerbarth ist nicht sicher, ob es sich dabei um Otto (VI) oder um Otto (VII) handelt. Diese Urkunden sind hier versuchsweise dem älteren, zweifellos bedeutenderen, Namensträger zugeordnet. Am 22.11.1469 verkauft Otto Wackerbarth, Knappe, zu Kogel im Kirchspiel Sterley rückkäuflich an die Kirchgeschworenen der St. Nikolaikirche zu Mölln für 100 Mk lüb. eine Jahresrente von 6 Mk aus den Gütern seiner Untersassen Hans Redekenn und Hinrik Mo(ller) 328. Herzog Heinrich IV. von Mecklenburg beurkundet am 15.03.1470, dass er an Otto Wackerbart auf Kogel 8 Mk jährlicher Rente aus Greven im Kirchspiel Granzin für 100 Mk rückkäuflich überlassen hat und stellt demselben und dessen Erben Bürgen 329. Am 12.11.1470 verkauft Otto Wackerbarth, Knappe zu Kowale, rückkäuflich an Bürgermeister und Ratmannes von Mölln für 30 Mk eine Jahresrente von 2 Mk aus seinem Gute Kogel 330. Dann ist er am 04.11.1471 Mitlober bei Joachim von Lützow zu Grabow, als dieser an den Vikar der Vikarien dKalands zu Mölln, Johann Glinde, für ein Kapital von 100 Mk eine Jahresrente von 6 Mk aus 2 Höfen in Groß Salitz und Klein Thurow verkauft 331. An Bürgermeister und Rat der Stadt Lübeck als Lehnsherren der Vikarie „Unser Frauen Kapelle“ in der Kirche zu Mölln verkauft Otto Wackerbart am 04.02.1471 gegen ein Kapital von 200 Mk eine jährliche Rente von 12 Mk aus den Erträgnissen seines Gutes Lutke Tzeggere (Klein Zecher) 332. Am 14.11.1471 ist Otte Wackerbart wonafftich to Kowalle Zeuge, als die ritzerauischen Schwestern Abel Schack, Adelheid Dargessen und Beke von Buchwald Herzog Johann IV. von Sachsen-Lauenburg den ihnen gehörenden Anteil an den ritzerauischen Stammgütern verkaufen 333. Dann ist Otto Wackerbard zu Kogel am 27.10.1473 Bürge für Marquard von Lützow zu Pritzier, als dieser mit Einwilligung des Herzogs von Mecklenburg dem Bürgermeister und Rat der Stadt Mölln als Lehnsherren und dem Vikar der Partzowschen Vikarie daselbst eine Jahresrente von 11 Mk aus 4 Höfen des Dorfes Pritzier gegen ein Kapital von 200 Mk verkauft 334. Vom Kaplan Brunoldus Grant aus Mölln hatte Otte Wackerbarth zu Kogel Geld geliehen und dafür Bürgen gestellt. Der Rat der Stadt Lübeck wandte sich am 25.07.1475 auf Gesuch Grants an diese Bürgen (Ludeleff Schacke, Gülzow; Bertold Daldorp, Wotersen; Hermen Karlow, Tüschenbek; Detloff Stove, Kittlitz; Luder Dargez, Mustin und Hartich Scharpenberg, Seedorf) wegen der Einforderung der ausstehenden Renten über 28 Mk lüb. und 40 Mk. lüb. aus Mustin für die Vikarie des Kaplans von Mölln 335. Am 15.03.1476 ist Otto Wackerbardt to Kowalle Zeuge bei den Brüdern Otto (V) und Hartich (X) von Ritzerau, als diese versprechen, die Güter zu Ritzerau, welche ihr Vetter Hans (IV) und ihr Bruder Volrad (II) und sie dem Rat von Lübeck verpfändet, nach Ablauf der festgesetzten Frist wieder auszulösen und falls sie die nötige Summe nicht aufbringen können, dem Herzoge Johann IV. oder einer von ihm bestimmten Person die Auslösung zu übertragen und die Güter zu verpfänden, bis sie dieselben selbst wieder einlösen können 336. Dann finden wir Otto Wackerbardt zu Kovale erneut als Bürgen bei den Erben des Joachim von Lützow, nämlich dessen Vettern Luder und Hans von Lützow zu Grabow, die am 13.11.1477 die Urkunde über den Verkauf einer Jahresrente von 6 Mk an den Vikar Johann Glinde vom 04.11.1471 erneuern 337.


Vor 1478 ist Otto (VI) d. Ä. Wackerbarth dann gestorben, denn in diesem Jahr ist seine Witwe Alheit wegen ausstehender vier Jahresrenten aus Kogel und Sterley als Schuldnerin genannt 338. Otto (VI) erscheint noch ein Mal - ebenfalls als verstorben – am 27.02.1494 unter den Schuldnern der Diözese Lübeck. 339



Marquard (III) WACKERBARTH

(IX – 46); Marquard Wackerbarde to Kowale ist am 10.05.1460 Mitlober, als der Knappe Otto Schacke zu Lauenburg an Jacob Krusemake und Hans Vos, Ratmannen, Kirchgeschworene und Vorsteher der St. Nikolai-Kierche in Mölln unter Vorbehalt des Rückkaufsrechts für 100 Mk lüb. eine jährliche Rente von 6 Mk aus drei Erben i Klein Pampau verkauft 340. Wie Marquard in die Wackerbarthsche Stammtafel einzuordnen ist, muss offenbleiben. Nach Rüdiger vo Wackerbarth wäre er ein Sohn Ottos (VII) d. J. Dies wird schon aufgrund der mutmaßlichen Lebensdaten von Otto (VII) und Marquard wenig wahrscheinlich sein. Marquard (III) war eher Zeitgenosse (Ottos (VII) und wird seinem Rufnamen nach zu den Nachkommen Marquards (II) gehören.



Die zehnte Generation:



Ida WACKERBARTH

(X – 47); - * ..... + ....., Tochter von Heinrich (VIII) 341, Stiefschwester des lübschen Reitermarschalls Lüdeke von Blücher (+vor 28.03.1445) - 1432 verkaufen „Ide sehligen Hinrikes Wackerbarde dochter unde Ludeke Bluchger, ere Bruder un der Tijd Marschalk to Lubecke“ dem Ludeke Klüver, „der Heren Schaffere to Lubecke“, ein Haus und einen Hof zu „Oldenmolne in deme Kerspele to Bredenvelde, in der vogedie to Molne“ 342



Otto (VII) d. J. WACKERBARTH, „Henneken sone“

(X – 48); +n. 10.11.1469, Knappe, „Otte Wackerbarth de Junge, Henneken (Johann IV) sone“, ?Neffe von Otto (VI), urk. 1442/(1469) - Erstmals genannt ist „Otte Wackerbarth de Junge, wohnhaft zu Cowale, knape“ am 13.08.1442, als er an Hermann Schyllynge, Bürger zu Mölln, für ein Kapital von 30 Mk eine Jahresrente von 2 Mk verkauft 343. Dann erscheint er in zahlreichen Urkunden zusammen mit seinem Verwandten Otto (VI) d. Ä. (siehe dort: 21.10.1445, 20.12.1446, 06.11.1448, 15.09.1449, 15.11.1451, 26.01.1452, 24.06.1452, 09.11.1452, 13.11.1453, 10.11.1469) 344.


Am 27.02.1448 ist „Otte Wackerbard, Henneke Wackerbard sone, knape“ Mitlober und Bürge bei Otto von Ritzerau, als dieser den Priester Ludeke Bergmann in Mölln und dessen Erben für 200 Mk wiederkäuflich eine Rente von 12 Mk aus Klein Ritzerau verkauft 345. Am 19.12.1459 ist „Otte Wackerbard de junge to Kowalle, knape“ Mitlober bei seinem Lehnsherrn, Herzog Bernhard II. und dessen Sohn Johann IV., als diese für 1000 Mk eine jährliche Rente von 70 Mk aus der Fähre zu Esslingen an die Bürgermeister Gerd von Minden und Bertold Witik als Vorsteher des Heilig-Geist-Hospitals in Lübeck verkauft 346. Dann verwendet sich Herzog Bernhard II. am 19.01.1460 in einem Rechtsstreit der Stadt Lübeck gegen Otte Wackerbarth d. J. für seinen Lehnsmann. Dabei spielte offenbar ein Untertan Ottos, Willeke Frost, eine Rolle, um dessen Haftentlassung sich Otto am 21.12.1460 in einem Gesuch an den Rat zu Lübeck bemüht. Am 03.06.1461 ersucht Otto die Stadt um Verschiebung eines – in diesem Zusammenhang stehenden (?) Termins in Lübeck zur Verhandlung der Klage Lübecks gegen ihn und seine „veddern“ 347. Am 10.11.1469 sind dann Junge Otto (VIII) Wackerbart und Otto (VII) Wackerbart d. A. Bürgen für ihren Verwandten Detlef Scarpenberch zu Seedorf, als dieser eine Jahresrente aus Bresahn und einem Erbe zu Seedorf verkauft 348.


Es folgen erneut etliche Urkunden, bei denen nicht deutlich ist, ob wir es hier mit Otto d. Ä. oder Otto d. J. zu tun haben. Vermutlich sind sie aber eher dem älteren Namensträger (Otto VI) zuzuordnen.


Johann Heinrich WACKERBARTH

(IX – 49); fürstlich-pommerscher Rat, Herr auf Kogel und Segrahn, vmtl. Sohn Hennekes (Johann IV) und Bruder von Otto (VII) d. J., angeblich 1430/1480, verheiratet mit N. von BIZAUEN a.d.H. Westenbrügge.

Kinder:

1. Georg Heinrich > X-56


Nach Rüdiger von Wackerbarth wäre er der Stammvater der Linie Kogel A 349. Dem steht die im „Deutschen Herold“ veröffentlichte Stammtafel von Christian Ulrich von Wackerbarth (XVI-128) sowie der Wackerbarthsche Grabstein in der Kirche zu Sterley entgegen. Beide nennen übereinstimmend als Stammvater der Stämme Kogel A und B Otto (VI) und seine Gemahlin Adelheid Schack.



Hartwig (II) WACKERBARTH

(XII – 50); Knappe, urk. 1452/1457 - Am 24.06.1452 ist Hartich Wackerbart, Otten sone zusammen mit Otte (VI) Wackerbart (de Oldere) und junge Otte (VII) Wackerbard – alle wohnhaft zu Kogel – Mitlober bei Joachim und Ulrich von Pentz, als diese dem Bernd Darsow zu Lübeck 8 Mk jährlicher Rente in Düssin für ein Kapital von 100 Mk verpfänden 350. Dann wird er am 20.01.1457 im Zusammenhang eines „Holzfrevels“ seiner Untertanen bei einem Rechtsstreit mit der Stadt Lübeck genannt 351.


Ob dieser Hartwig noch mit dem ab 1493 bezeugten Sohn Ottos (VII) gleichzusetzen ist, lässt sich nicht sagen. Die Formulierung in der Urkunde vom 24.06.1452 spricht aber wohl eher dagegen, ebenso die lange Zeitspanne zwischen 1457 und 1493. Möglicherweise war Hartwig (II) der erstgeborene Sohn Ottos (VI), der bald nach 1457 verstarb und einen gleichnamigen jüngeren Bruder hatte, der dann erst nach seinem Tod geboren wäre.



Hartwig (III) WACKERBARTH

> Stamm Kogel A



Margarethe WACKERBARTH


(X – 52); - * vor 1560 + ....., Tochter von Otto (VII), Carl von BISCHWANG *vor 535 +nach 1572 352, Herr auf Körchow, Zühr und Tüschow, Sohn von Cyriacus von Bischwang und Marie von Kaphengst

Kinder (u. a.):

  1. Christian von BISCHWANG *um 1586 +1659, um 1625 Maria von OERTZEN

Detlef (V) WACKERBARTH

(X – 53) > Stamm Kogel B



Amalie WACKERBARTH

(X – 54); * ..... + ....., vielleicht Tochter Ottos (VII), sie ist genannt 1484, 1509, Bernhard von BEHR, 1484 Herr auf Vargatz und Dargentin, Sohn von Claus von Behr 353

Kinder:

  1. Eberhard von BEHR (*1520 +1579) war Dr. jur., Professor in Greifswald und Dekan des Stifts Cammin 354

  2. Margarethavon BEHR * ….. + ….., Wilken (II) von PLATEN +1538/1541



Marquard (IV) WACKERBARTH


(X – 55); * ..... + ....., Domherr in Ratzeburg, genannt am 05.04.1496) 355, ob er mit dem 1460 Genannten gleichzusetzen ist, scheint eher unwahrscheinlich. Seine Einordnung in die Wackerbarthsche Stammtafel ist unsicher. Er wird aber schon wegen seines Rufnamens am ehesten zu den Enkeln von Marquard (II) gehören.



Georg Heinrich (Christian) WACKERBARTH


(X – 56); * ..... + ....., Herr auf Kogel, Horst und Segrahn, Sohn von Otto (VII) - Er verschrieb sich dem Kiegsdienst, belagerte 1491 mit Herzog Heinrich Braunschweig, kämpfte in den spanischen Niederlanden und brachte es bis zum französischen General im Dienst König Ludwigs XII. von Frankreich (+1515),; Salome von OPPERSHAUSEN (aus dem Braunschweigischen) 356. Pfeffinger schreibt über ihn 357: „weil Er große Lust zum Kriege getragen, gieng Er nach Franckreich, wohnete vielen großen Belagerungen bey, und erzeigte Seine Kriegs-Erfahrenheit in vorfallenden Handlungen. In Betracht seiner guten conduire ward Ihm der damahlige König Ludovicus XII. sehr gewogen, und, nachdem sich eine gute Gelegenheit ereignet, Bey Erledigung einer hohen Krieges-Bedienung begnadigte Er ihn, Seiner offt geleisteten treuen Dienste halber, mit einer Generals-Stelle in welcher würde Er auch in den Spanischen Niederlanden dem gantzen Königreich einen grossen Ruhm erlanget. Die Hochachtung, so Ihm die gantze Generalitaet erzeigte, und die grosse Liebe, so seine Untergebene gegen Ihm hatten, ist nicht zu beschreiben“.


Aus seiner Ehe soll er zwei Söhne, Joachim und Georg, gehabt haben 358. Belegt ist zumindest Georg (Baltzer)


Kinder:

  1. ?Joachim (über ihn ist nichts bekannt; er ist wohl auch zu streichen und es liegt eine Verwechslung mit XII-64 (Kogel A) vor)

  2. Georg-Baltzer > XI – 65



Dorothea (I) von WACKERBARTH

(X – 57); *um/vor 1445 +vor 1489, Heinrich von LINSTOW (* ..... +n. 1506), Sohn von Achim von Linstow auf Lütgendorf



N. von WACKERBARTH

(X – 58); In die elfte Generation wird jene Tochter Wackerbarth gehören, die Reimar von der OSTEN, Sohn von Jacob von der Osten (+n. 1467) und N. von Voss, heiratete. Ihren Vater kennen wir nicht mit Namen. Ihre Mutter war eine geborene von Jagow.



Die elfte Generation:



In diese Generation fällt die Schlacht bei Hemmingstedt (17.02.1500), in der die Dithmarscher erfolgreich ihre Freiheit gegen den dänischen König Hans und eine gewaltige Schar holsteinischer Ritter und Knappen verteidigte. Theodor Fontane sagt dazu in seinem Gedicht „Der Tag von Hemmingstedt“, dass dabei „fünf Rantzaus, sieben Ahlefeld und vierzehn Wackerbarte" ihr Leben gelassen hätten. Dies ist historisch nicht erwiesen und wohl auch falsch, da die Wackerbarth nicht dem holsteinischen Adel angehört haben und der lauenburgische Adel an der Schlacht nicht beteiligt war. Auch die dithmarsische Geschichtsschreibung kennt keinen Wackerbarth als Kriegsteilnehmer 359.



Georg Baltzer

(XI – 65); * ..... +um 1540, Sohn von Georg Heinrich, Erbherr auf Kogel, Horst und Segrahn, N. von REHDEN (aus der Mark Brandenburg). Er starb ohne leibliche Erben zu hinterlassen 360. Nach seinem Tod wurde das Stammgut Kogel gemeinschaftlich Lehen beider Stämme bis 1701.



Die WACKERBARTH auf Kogel: Stamm A



Stemma: Kogel A



Die zehnte Generation:



Hartwig (III) WACKERBARTH +nach 1517 / vor 1521

(X – 51); Knappe, erbgesessen auf Kogel, Sohn Ottos (VI), Bruder von Detlef (V), urk. 1493/1520 N. von LASBEK, Tochter von Heyne (V) von Lasbek und N. von Guldeboken (GULDENBORCH) 361


Kinder:

  1. Joachim > XI-59


Erstmals genannt ist Hartwig (III) 1493. In diesem Jahr verkauft er wiederkäuflich mit seinem Bruder Detlef (V) das wüste Dorf und ganze Gut Brodesende im Kirchspiel Gudow mit Gerichtsbarkeit, Rauchhuhn, Pacht, Heuer, Zehnt, Zins, Kornpacht an die Nikolaikirche zu Mölln 362. Offenbar haben die Brüder es wieder eingelöst, denn 1502/1503 gehört Brodesende zu den Wackerbarthschen Besitzungen der Grundherrschaft Segrahn, die von Detlef (V) und Hartwig (III) an Clemens von Bülow auf Gudow veräußert werden 363. 1494 verpfänden die Brüder Wackerbarth die von den Bauern zu Lehmrade für die Nutzung der Feldmark Bannau ihnen zu zahlende Pacht an den Möllner Hans von Lübeck 364. Später sollen sie die Feldmark an die Stadt Mölln verkauft haben, von der sie Herzog Franz I. wieder eingelöst hat 365. 1499 gelobt Hartich Wackerbarth to Kowale mit Clemens vo Bülow zu Wehningen, Vicke (?IV) Karlow zu Tüschenbek, Detleff Preen zu Jesow, Hartich Nygenkercke und Cordt Boldens wegen der Inhaftierung, in welche sie durch Detlof von Buchwaldt zu Borstel, Detleff von Buchwaldt zu Hasselburg und Hans von Buchwaldt zu Neustadt im Auftrag von König Johann von Dänemark geraten waren, nachdem sie durch die Bemühungen ihres Herzogs Magnus von mecklenburg und Heinrich d. J. von Braunschweig-Lüneburg aus dem Gefängnis befreit waren, sich nicht zu rächen 366. Mit seinem Bruder Detlef (V) verkauft Hartwig am 02.04.1500 seinen Untertanen Hinrik Moler in Klein Zecher an die Brüder von Parkentin 367. Seinen Besitz in Klein Zecher verdankte er wohl seine Heirat mit der Tochter Heynes (V) von Lasbek. Dann verkaufen die Brüder am 25.12.1502 wiederkäuflich nach 100 Jahren für 1578 Mk lüb. ihre Grundherrschaft Segrahn an Clemens von Bülow auf Gudow und zwar „unser Dorff Lehsten, die wüste Dorfschede Feltmarcke und Holtzungen zu Dargau (Dargenow), die halbe Feldmarcke Seggeran mit dem halben See und den halben Berg zu Seggeran mit der Halben Horst zu Vellun, die dorfstede zu Brodesende und mit das Gerichte, was unß zu kombt im Dorf zu Beßenthal und was wir vor Gerechtikeiten daran haben“ 368. Damit nimmt ein Kapitel seinen Anfang, das die Familie Wackerbarth über ein Jahrhundert beschäftigen wird 369.


Als bedepflichtiger Grundherr in Kogel und Sterley ist Hartwig (III) noch 1517 und 1520 in den Landbederegistern genannt. 1521/1525 erscheint dann dort seine Witwe 370. Auch dies mag ein Hinweis darauf sein, dass Hartwig (III) nicht mit dem 1452/1457 genannten Hartwig gleichgesetzt werden kann, denn bei seinem Tod war sein Erbe noch ganz offensichtlich minderjährig.


Gutsherrschaft Kogel: Gemarkung





Sterley: Kirche St. Johannis



Die elfte Generation:



Joachim WACKERBARTH

(XI – 59); *um 1500/1505 +n 1565; Sohn Hartwigs (III), Erbherr auf Kogel, Segrahn und Sterley, herzoglich-lauenburgischer Rat, urk. 1531/1566, vor 1531 Catharina von RITZERAU (*vor 1515), Tochter von Georg von Ritzerau und N. von Stralendorff und Enkelin von Volrad (II) von Ritzerau und N. von Schack 371


Kinder:

  1. Hartwig (IV) > XII-66


Beim Tode seines Vaters war Joachim Wackerbarth noch minderjährig, denn die Landbederegister nennen für die Jahre 1521 und 1525 seine Mutter. Erst im Landbederegister von 1531 ist er der bedepflichtige Grundherr von Kogel und Sterley 372. Durch seine Heirat kann Joachim offenbar den alten ritzerauischen Anteil von 2 ½ Hufen in Sterley in Wackerbarthschen Besitz bringen. Im Jahre 1535 lebte in Sterley eine Bruderschaft wieder auf, die durch die Reformation schon als erloschen galt: die „Heiligen Leichnams Bruderschaft“. Luther sah in diesen Bruderschaften „einen Hort des Egoismus und Hochmuts, dadurch man sich selbst sucht und liebt und andere verachtet“. Er bekämpfte sie aber vor allem auch deshalb, weil ihre Treffen meist in Gelage ausarteten. Die Stiftungsurkunde der Sterleyer Bruderschaft lautet 373:


Anno Domini 1536 hebben wedder uppet nyge angenommen die Broderschop des hilligen Leichnams mit Flyte by dussen Broke to holden. Ein jeder, der in dieser Broderschop screven is, soll in Jahr personliken zu der Stede kamen und maken sick fröhlich mit der Broderschop und Schwestern, die in göttlicher und brüderlicherliebe versammelt sind, ... Wer dieses unterläßt, wird am nächsten Sonntag in der Kirche von den Vorstehern gepfändet oder, wo man ihn trifft.“


Die neue Gilde, die vier Vorsteher und weitere 17 Mitglieder samt Egefrauen hatte, bedurfte der Bewilligung der Gutsherrschaft. So bestätigte 1536 Joachim Wackerbarth zusammen mit seinen Vettern Clawes, Jorgen und Simon sowie der Witwe Pelle Wackerbarth und der Jungfer Aleyt Wackerbarth die Stiftung der „Bruderschaft des Heiligen-Leichnams“ zu Sterley 374. Und 1537 gewährten die Jungfern von Wackerbarth den Vorstehern die Berechtigung, auf dem Felde, wo sie bisher „Lin seyget hebben“, künftig der Bruderschaft zum Besten Gerste oder anderes Korn zu bestellen und zu ernten. Nach 1538 sind keine Eintragungen der Bruderschaft mehr vorhanden und so kann man annehmen, dass sie wieder erloschen ist.


1545 nennt das Türkensteuerregister Joachim von Wackerbarth im Besitz von Kogel und Sterley 375. Am 20.05.1556 verkauft Joachim ½ Hufe in Klein Zecher an Bertold (II) von Parkentin auf Zecher und dessen Brüder 376. Damit gaben die Wackerbarth den letzten Teil ihres Anteilsbesitzes an Klein Zecher auf. 1557 gehört Joachim Wackerbarth einer Kommission an, die das kirchliche Inventar aufnehmen sowie die Vermögens- und Besitzverhältnisse der Kirche in Sterley klären soll. Er selbst schuldet der Kirche in Sterley 17 Mk an Zinsen 377. Von großer Tragweite für die Familie Wackerbarth wurde dann das Jahr 1565, als Joachim sich mit seinem Vetter Claus und fünf weiteren Standesgenossen für seinen Lehnsherren, Herzog Franz I., für eine Schuld von 5000 Mk verbürgte 378.




Die zwölfte Generation:



Hartwig (IV) WACKERBARTH *1542 +1602

(XII – 66); * (1542) +11.09.1602 - Sohn von Joachim, Erbherr auf Kogel, Segrahn und Alt Horst, herzoglich-lauenburgischer Hofmarschall, 1567 Margaretha von DALDORP a.d.H. Wotersen (*22.09.1540 +1616), Tochter von Heinrich von Daldorp (*1515 +1566) und Catharina von Oppershausen (+1565, Erbhofmeisterin der Herzogin) und Enkelin von Hans von Daldorp und Adelheid von Vieregge 379


Kinder:

  1. Catharina > XIII-79

  2. Heinrich (VIII) > XIII-80


1562 erhält Hartwig (IV) seine Bestallung 380. Zusammen mit seinem „Vetter“ Claus Wackerbarth (B XII-65) löste er 1572 Segrahn wieder ein und 1573 kauften beide vom Ratzeburger Domkapitel Oldenburg und die wüste Clotesfelder Feldmark. Der Name Hartwich von Wackerbarth steht – zusammen mit dem unleserlichen H... (?Hardenack) Wackerbarth auf einer Inschrift aus dem Jahre 1581 über dem Eingang zur Gruft an der Ostwand des Ratzeburger Domes 381. Ob sich die Inschrift auf Hartwig (IV) und seinen Vetter Hardenack bezieht, lässt sich nicht sagen. Aus der Inschrift lässt sich vermuten, dass die Genannten in der Gruft beigesetzt waren. 1585 erhielt Hartwig (IV) vom Herzog die Bestätigung über sein Lehngut Kogel 382. Aus dem Jahre 1593 stammt ein Akt hinsichtlich der Interzessionale Lübecks auf ein Rechtshilfegesuch an Hartich Wackerbarth auf Kogel für Jürgen Scharfenberg, Bürger in Lübeck und die Witwe des Heinrich Wittenborg gegen ihren Schwager Harmen Wittenborg 383. Einer Notiz aus den Jahren 1593/1594 ist zu entnehmen, dass seine und Ottos (VIII) Wackerbarths Untertanen das Mastungsrecht auf dem Salemer Feld zustand 384. 1596 räumte Hartwig (IV) mit Hardenack Wackerbarth Segrahn. In einem auf den 15.02.1599 an Herzog Franz II. datierten Brief weigert sich Hartwig, bei Hofe zu erscheinen, um dort Lehnsnachweis und persönliche Schuldverhältnisse offenzulegen. Zur Begründung führt er u. a. an, dass Sterley seit Jahrhunderten, zusammen mit anderen Familien, den Wackerbarth gehöre. Letztmals genannt ist er am 03.03.1600 als Bürge bei der Urfehde seines Sohnes Heinrich (VIII) 385.

Die Türkensteuerregister des Ratzeburger Domkapitels 386 enthalten für die Jahre 1598 bis 1621 die Höhe der rückständigen Steuern, die er bzw. seine Vettern an das Kapitel zu zahlen hatten. Einer Notiz aus dem Jahre 1598 ist dabei zu entnehmen, dass seine Oldenburger Untertanen bislang keine Türkensteuer gezahlt hatten: „Zu gedenken, dass Hartich Wackerbart und Frans Wackerbart in diesem 98. Jahr mit einem Erwürdigen Capitul alhir gehandellt wegen Ihren unterthanen zu Oldenborch. Sintemahl dieselben bisanhero keine Türkensteuer außgegeben“. Zu zahlen waren:


Jahr

Kogel A

Kogel B

1598

Hartich Wackerbarth

Frans Wackerbart

1605

Hartich Wackerbarth 3 ½ Rtlr

Frans Wackerbarth 3 ½ Rtlr

1611

Heinrich Wackerbarth 5 Mk 4ß

Ulrich Wackerbarth 5 Mk 4ß

1616

Heinrich Wackerbarth 5 Mk 4ß

Ulrich Wackerbarth 5 Mk 4ß

1621

Heinrich Wackerbarth 3 ½ Rtlr


1626




Doch mit der Zahlung klappte es nicht so richtig. Das Domkapitel muss Hartwig und seinen Vetter Franz Wackerbarth noch mehrmals auffordern, die fällige und vereinbarte Türkensteuer abzuführen 387.




Die dreizehnte Generation:



Catharina von WACKERBARTH

(XIII – 79); - ?Tochter von Hartwig (IV) 388, Hartwig von PREEN



Heinrich (VIII) von WACKERBARTH +n. 1626

(XIII – 80); - * ..... + ....., Sohn von Hartwig (IV), Erbherr auf Kogel A, Sterley und Horst, Catharina von BISCHWANG a.d.H. Körchow, Tochter von Christoph von Bischwang auf Körchow (1612) und Armgard von Blücher, Enkelin von Balthasar von Bischwang und Katharina von Züle


Kinder:

  1. Balthasar Henning (I) > XIV-97

  2. Anna Salome > XIV-98

  3. Hans Heinrich > XIV-99

  4. Benedicta Margreth > XIV-100

  5. ?Elise (Elisabeth IV) > XIV-101


Sterley: St. Johannis, Grabplatte der Wackerbarth


1585 unterschreibt Heinrich (VIII) Wackerbart die Union der Ritterschaft 389. 1600 ist Heinrich wegen verübter Exzesse in Mölln inhaftiert 390. Am 03.03.1600 stellt er dem Rat der Stadt einen Urfehdebrief aus, wobei sich sein Vater Hartwig (IV) und Hans Daldorp zu Wotersen für ihn verbürgen 391. Nach dem Tode des Vaters mutet er am 08.03.1603 und bekommt am 19.08.1603 den Mutzettel 392. Mit der Stadt Lübeck liegen er und sein Vetter Ulrich Wackerbarth wegen Jagens auf Möllner Gebiet in beständigem Streit 393. 1611 werden Heinrich und sein Vetter Ulrich aufgefordert, ihre Lehnbriefe vorzulegen. Als sie sich am 31.10.1611 in Lauenburg einfinden, können sie aber nur „Muthzettel“ vorlegen, so dass ein neuer Termin „zur Production ihrer Originallehnsbriefe“ festgesetzt wird 394. Dieser Vorgang wiederholte sich bis 1689 noch einige Male, ohne dass die Wackerbarth einen Lehnsbrief vorlegen 395. Am 03.06.1611 wenden sich Heinrich und Ulrich Wackerbarth an Bürgermeister und Ratmannen zu Lübeck wegen einer auf ihrem Grunde Segrahn lastenden Schuldforderung der Kirche zu Mölln 396. Als Patronatsherr der noch bis 1590 genannten Kapelle in (Langen)lehsten empfängt Heinrich vor 1614 den Erlös aus dem Verkauf des vergoldeten silbernen Kelchs mit Patene, die 1581 und 1590 in der Kirche zu Gudow verwahrt worden waren, wohl weil die Kapelle in Langenlehsten damals schon baufällig war. Das Geld sollte der Kirchengemeinde erstattet werden, wenn eine neue Kapelle erbaut würde 397. „Wenn der Pastor und die Kirchenjuraten den Erlös für den Kelch und die Patene an Heinrich Wackerbart ausgehändigt haben, so haben sie damit Rechte desselben an der Kapelle anerkannt“ 398. Die Kapelle in Lehsten unterstand nicht dem Patronat der Gudower Kirche, sondern Patronatsherr waren die Wackerbarth als Grundherren der Grundherrschaft Segrahn, zu der auch das Dorf Lehsten gehörte.


Die schwierige wirtschaftliche Lage, in die die Wackerbarth durch die Übernahme der Bürgschaft von 1565 geraten waren, wird zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges überdeutlich. 1621 sucht Heinrich um die Zustimmung nach, sein Gut Kogel und Sterley an Hans Volrath von Scharfenberg verpfänden zu dürfen 399. Dazu kam es aber offenbar nicht, denn „acht Tage vor Antoni“ 1624 erhält er den Konsens, dass Dr. Christopher Gerdes, Bürgermeister von Lübeck, 10 000 Mk in das Gut Kogel „hypothekiert“ 400. Heinrich (VIII) konnte die Hypothek nicht zurückzahlen und so erscheint dann in der Folge Gerdes als Besitzer von Kogel. Am 12.05.1648, nach Heinrich (VIII) Tod, sucht Gerdes um Konsens über den ihm von Heinrich adjungierten Anteil an Kogel nach, der ihm am 13.05.1648 erteilt wird. Die verzweifelte finanzielle Lage Heinrichs (VIII) Wackerbarth erhellen u. a. auch drei Schreiben Heinrichs aus dem Jahre 1625. Am 15.03.1625 wendet er sich an Oswald Rantzau, von 1618 bis 1635 lübscher Hauptmann zu Mölln, wegen einer Schuldforderung der Möllner Kirche an ihn. In dem Schreiben bittet er um Zahlungsaufschub und erklärt sich zur Zahlung einer Teilsumme bereit. In derselben Sache wendet er sich am 25.04.1625 erneut an Oswald Rantzau und erklärt sich zur Zahlung von 200 Mk bereit und bittet um Stundung der Restforderung. Am 07.05.1625 schließlich stellt er den Provisoren der Nikolai-Kirche in Mölln eine Verschreibung über eine von seinem Vorfahren Otto Wackerbarth überkommenen Schuld von 150 Mk aus 401. Trotz seiner schwierigen finanziellen Lage stiftete Heinrich (VIII) Wackerbarth 1624 zum Andenken an seine Eltern in der Kirche zu Sterley einen Grabstein, „die einzige sichtbare Erinneruing an das hier einst ansässig gewesenen uralte Geschlecht der von Wackerbarth“ 402. Der Stein zeigt in der Mitte eine Kreuzigung, darüber den Bibelspruch Hiob am XI., darunter die Inschrift



Anno M.D.C. XX IIII hat der edler gestrenger
und ehrvester Heinrich Wackerbart seinen sehligen
Eltern diesen Leichenstein zum Gedechtnis legen lassen“.


In den vier Ecken befinden sich Medaillons mit den Wappen Wackerbart, Daldorf, Ritzerau und Oppershausen, dazwischen auf jeder Seite sechs Wappen, nämlich rechts: Strahlendorf, Bibow, Lasbek, Auerberg, Schack, Zülen und links: Viereck, Rheden, Stake, Jagow, Bibow und von Guldenborch.


Ahnenliste von Heinrich (VIII) Wackerbarth
(nach dem Grabstein in der Kirche zu Sterley)




Die vierzehnte Generation:



Balthasar Henning (I) +um 1657


(XIV – 97); Sohn von Heinrich (VIII), ansbachischer Oberamtmann in Hohenfridingen, Erbherr auf Segrahn und Kogel, I. Renate Sidonie HOE von HOENEGG, Tochter von Maximilian Hoe von Hoenegg und Elisabeth (?)von Neithardt, II. Margaretha von BISCHWANG a.d.H. Körchow (+Segrahn --./□ Gudow 18.12.1645), Tochter von Balthasar von Bischwang, und Anna Sophia von Pentz 403, III. Maria von LINSTOW a.d.H. Diestelow, Tochter von Georg von Linstow und Sophie von Warnstedt


Kinder:

  1. Joachim Christoph > XV-116

  2. Catharina Maria (Margaretha) > XV-117

  3. Anton Heinrich (I) > XV-118

  4. August Heinrich > XV-119

  5. Georg Hartwig > XV-120


Balthasar Henning war während des Dreißigjährigen Krieges in ansbachische Dienste getreten und hatte es dort zum Oberamtmann in Hohenfridingen gebracht. Gegen Ende des Krieges quittierte er dort seinen Dienst und kehrte in seine norddeutsche Heimat zurück, wo er zunächst auf dem Hof Segrahn wohnte. Am 13.09.1640 mutete er Kogel, erhielt aber keinen Mutzettel, da sich der Besitzer der zweiten Hälfte von Kogel, Dr. Köler, beschwerte 404. Am 18.12.1645 ließ Balthasar Henning seine in Segrahn gestorbene zweite Ehefrau in der Kirche zu Gudow neben dem Altar begraben und nach seiner Wiederheirat wurde seine Tochter Catharina Maria (Margaretha) am 04.07.1649 in der Gudower Kirche getauft. Die Dinge änderten sich, al er am 17.09.1650 den Konsens erhielt, sein Gut Kogel von Bürgermeister Gerdes wiederkaufen zu können. Dazu hatte er 1649 von Herzog August von Sachsen-Lauenburg 3000 Rtlr „so zur Erkauffung Kogels“ geliehen 405. Am 14.04.1656 mutete er über seinen wiedererlangten Anteil an Kogel. Der Umfang seines Anteils an Kogel lässt sich der „Specification“ von 1660 entnehmen, allerdings war Balthasar Henning hier bereits tot 406:


Specification von Kogel
Besitzer: die Kinder des Baltzar Henning Wackerbarths
(Vormund ist ihr Vaterbruder Hans Heinrich Wackerbarth)


  1. Patron der Kirche zu Sterley ist der Herzog, Aber die von Wackerbarth haben dort ihr Erbbegräbnis

  2. Das Gut Kogel „hat mein Sehl. Bruder“ von dem Bürgermeister Gerdes in Lübeck gekauft. Früher war es „von vielen Jahren von denen Wackerbarthen besessen worden. Die Schuldt darinnen ist entstanden, aus einem gelübde, so mein Sehl. Grossvaetter etwa vor einen Fürsten zu Sachsen gethan, und mein Sehl. Vatter solches hatt bezahlen müssen“.

  3. An Kogel haften folgende von meinem Bruder gemachte Schulden:

    1. 3000 Rtlr. An Rittmeister von Scharfenberg, die dieser für meinen Bruder an Herzog August ausgezahlt hat

    2. 1000 Rtlr an des verstrobenen Marschalls von „Göhrne“ Wittwe

    3. 300 Rtlr.an Herrn Karsten Clausen

    4. dazu kommen einige kleinere Schulden ohne herzoglichen Konsens

  4. Im Dorfe Sterley 6 Hufner und 5 kleine Kätner

  5. Ein Hufner zu Salem

  6. Eine Schäferei zu Kogel und eine Schäferei zu Sterley, „doch schlecht im stande oder besetzet“

  7. Keine Mühlen

  8. Hohe und Niederjagd, „wie auch mein Sehl. Vaetter der Gerechtigkeit des Jagens und Netzestellens auf dem Salemer Felde sich allemahl gebrauchet, welche aber meinen Sehl. Bruder von den H. Ratzeburger Beambten wiederrechtlich gestritten worden ist“

  9. Die Fischereijen auff dem Pfeffer See und Bültenmoor“

  10. Hohe und Niedergericht

  11. Die Kiche ist „im schlechten Stande und sehr baufällig, die Hoffstädeten in den Dörffern, Imgleichen der Hoeff selbst, seind, wegen des vieljährigen Krieges, sonderlich durch die vergangenen Herbst beschehene Brandenburgische einlogirung, fast gantz ruiniret“. Wird viele Jahre nehmen wiederherszustellen.

  12. Holtzung betreffend, ist füer diesem, ehe ich meiner pupillen Vormünder worden, fast gantz verhauen und ruiniret worden, welches Mittels sich den so woll mein Sehtl. Vaetter, als Bruder Sehl. Wegen der langwierigen Kriegspressuren und ausgaben aus Höchst dringender Noeth gebrauchen müssen“.

  13. Von diesem Gueth wirdt mit einem Lehnpferde gedienet“.


1651 quittiert Balthasar Henning zu Kogel über den Empfang der gelder aus dem Verkauf von zwei wüsten Hufen und Kätnerstellen in Ziggelmarck 407.



Anna Salome WACKERBARTH

(XIV – 98); * ..... + ....., Tochter Heinrichs (VIII), Sparenburg 29.11.1653 Joachim von BÖ-SELAGER (*16.10.1608 +31.04.1668) auf Burg Gräfe zu Jever (Ostfriesland) 408, Hofbeamter und Diplomat, Sohn von Henning Böselager und Anna Dorothea von Brobergen



Hans Heinrich WACKERBARTH * ..... +21.01.1685


(XIV – 99); * ..... +21.01.1685, Sohn von Heinrich (VIII), Erbherr auf Kogel, Konsistorialrat 409, Landrat, Ida Hedwig von RATHLOW, Tochter von Wolf von Rathlow und Emerentia von Buchwald 410. Die Ehe blieb kinderlos.


Hans Heinrich Wackerbarth wurde am 07.10.1657 als Vormund für die unmündigen Kinder seines Bruders Balthasar Henning bestellt 411. Am 10.03.1661 war er auf Seiten der Familie Wackerbarth an dem Vergleich mit Jacob von Bülow (+1681) „wegen des Nachstandes der Segranischen Kauff Gelder und anderer Forderungen“ beteiligt 412. Als dann am 18.02.1663 der letzte Teilbetrag der Restsumme aus dem Kaufvertrag von 1622 bezahlt war 413, ging Segrahn endgültig in den Besitz der Familie von Bülow über und die Beziehungen der Wackerbarth zu Segrahn endeten nach über 350 Jahren. 1664 hatte Juncker Hans Heinrich Wackerbarth dem Domkapitel zu Ratzeburg „zu seinem antheil (an den Horsten und Oldenburg) eingesandt laut rechung 28 Gulden 12 Schillinge“ 414. 1666 verkaufte er zusammen mit seinem Vetter (Otto) Joachim Ivo Wackerbarth Alt Horst an den Lübecker Patrizier von Brömbsen. 1672 übertrug ihm sein Neffe Anton Heinrich (I) Wackerbarth Kogel, wobei er das Inventar kaufte. Im Dezember 1673 wurde Hans Heinrich Wackerbarth zur Huldigung zitiert und am 03.02.1674 erhielt er den Mutzettel über Kogel 415. Hans Hinrichs Witwe übergibt 1694 das Gut Kogel an ihren Vetter, den königlich-dänischen Obristlieutenant Sivert von Rathlow 416.



Benedicta Margarete WACKERBARTH


(XIV – 100) - * ..... +Uetersen ....., Tochter von Heinrich (VIII), Nonne im Kloster Uetersen 417. Das Kloster Uetersen war eine Stiftung der Herren von Barmstedt, die ihren Besitz „uterst End“, am äußersten Marschrand, 1234 zu einer geistlichen Stiftung bestimmten. Das Nonnenkloster wurde mit Zisterzienserinnen aus dem Kloster Reinbek besetzt. Durch Schenkungen, Stiftungen und Zukauf war die Bedeutung des Klosters stetig gewachsen. Der zerstreute Landbesitz reichte von Neumünster bis Altona und über die Elbe ins Kehdinger Land. Nach Einführung der Reformation im Jahre 1555 wurde Uetersen in ein adeliges Damenstift umgewandelt.


Kloster Uetersen



Elise/Elisabeth (IV, Elisabeth Sophie) von WACKERBARTH

(XIV - 101); * (1625) □ Kloster Barsinghausen 28.10.1669 - Tochter Heinrichs (VIII). Sie wird aufgrund der Tatsache, dass Sie in Barsingshausen begraben wurde, dem Stamm Kogel A angehören, der ja auffallend enge Verbindungen ins Niedersächsische hatte. Aufgrund ihrer Lebensdaten kommt als ihr Vater dann eigentlich nur Heinrich (IX) in Frage.




Die fünfzehnte Generation:



Joachim Christopher WACKERBARTH

(XV – 116); *um 1640/1645 +n. 1669, Sohn von Balthasar Henning (I), ? 418 N. von EHLERS, Tochter von Heinrich von Ehlers und Anna von Stiten aus Lübeck 419, Rüdiger von Wackerbarth vermutet eine N. Ehler(s), bürgerlicher Herkunft vmtl. aus Lüneburg 420

Kinder:

  1. August Christopher > XVI -126



Catharina Maria WACKERBARTH


(XV – 117); *Segrahn --./Gudow 04.09.1649 421 + ....., Tochter von Balthasar Henning, Sterley 11.05.1676 422 H. Peter Jacob BERNHOLD



Anton Heinrich (I) WACKERBARTH

(XV – 118); *um 1650 ++bei Laudon 04.12.1676, Sohn von Balthasar Henning (I), schlug die militärische Laufbahn ein und übergab 1672 Kogel an seinen Onkel Hans Heinrich, Lucia Magdalena von SEHESTEDT a.d.H. Ottenbüttel, Tochter von Hieronymus von Sehestedt (*1602 +n. 1661)und Anna Elisabeth Rantzau (*28.06.1610 +1643), Enkelin von Oswald von Sehestedt (*1572 +1622) und Anna von Plessen (*1576 +n. 1646)


Kinder:

  1. Balthasar Heinrich (II) > XVI-127

  2. Tochter N. > XVI-128



August Heinrich von WACKERBARTH

(XV – 119); (*1651) +18.01.1711, Sohn von Balthasar Hennning (I), Erbherr auf Kogel, pfälzischer Kammerherr, Capitain der Leibgarde zu Heidelberg, herzoglich-braunschweigischer Hofmeister des Prinzen Christian, Rittmeister und Drost zu Ahlden (Kreis Soltau-Fallingbostel), Oberhofmeister der „Prinzessin von Ahlden“ 11.12.1681 Susanna Julia Freiin von BERLICHINGEN a.d.H. Ronach (*1660) +19.09.1705, Tochter von Gottfried Freiherr von Berlichingen und Juliane Emilie von Brand


Kinder:

  1. Carl Friedrich > XVI-129

  2. Ludwig Anton > XVI-130

  3. Victoria Louisa > XVI-131

  4. Esther Renate > XVI-132

  5. Sophia Ernestine (XVI-132a) *(1691) +02.03.1696

  6. Benedicta Sophia > XVI-133

  7. Dorothea Juliane (XVI-133a) *15.08.1695 +(1696)

  8. Sophie Charlotte (XVI-133b) *21.03.1698 +15.07.1699

  9. JohanettaSusanne Juliane (XVI-133c) (1699) +(1700)

  10. August Heinrich (XVI-133-d) *02.01.1704 +(1707)


August Heinrich von Wackerbarth war 1685 bis 1711 Besitzer von Kogel 423. Als sein Vater starb, war er gerade fünf Jahre alt und kam unter die Vormundschaft seines Onkels Hans



Kogel: Herrenhaus
(oben: Gartenfront, unten: Vorderfront)


Heinrich. Da er kaum Aussicht hatte, einmal den väterlichen Besitz zu erwerben, ergriff er –wie so viele Angehörige seines Geschlechts - die militärische Laufbahn. Mit etwa 30 Jahrentreffen wir ihn als Capitain der Garde am Hofe des Kurfürsten von der Pfalz in Heidelberg wieder. Dort heiratete er Susanne von Berlichingen, aus der Familie des berühmten Ritters mit der eisernen Hand. Leider sind beim Brand des Heidelberger Schlosses auch alle Notizen über August Heinrich von Wackerbarth vernichtet worden. Er muss aber der Prinzessin Sophie von der Pfalz als zuverlässig im Gedächtnis geblieben sein, denn 1696 holte sie – inzwischen Kurfürstin von Hannover – ihn in ihre Dienste. Offiziell war er Haushofmeister und Drost von Ahlden, einem Wasserschlössschen nördlich von Hannover. Tatsächlich aber war es seine Aufgabe, die Schwiegertochter der Kurfürstin, Sophie-Dorothee, nach deren Gefangensetzung und dem Tod ihres Liebhabers, des Grafen Königsmark, zu bewachen.


Als 1685 sein Onkel Hans Heinrich auf Kogel starb und die Verwandtschaft von dessen Witwe, allen voran Hans von Buchwaldt, versuchte, in den Besitz von Kogel zu kommen, suchte August Heinrich auf den nach dem Tod der beiden älteren Brüder das Lehnsrecht gefallen war, um die Belehnung nach. Ihm wurde daraufhin gestattet, in aller Form um die Mutung, also die Lehnsbestätigung, nachzusuchen 424. Zunächst sollte August Heinrich alle auf Kogel lastenden Schulden zurückzahlen und die waren offenbar beträchtlich. In einer Anfrage Herzog Georg-Wilhelms von Lüneburg-Celle von 1685 heißt es, „ob es denn stimme, dass 18 500 Thaler Schulden auf Kogel lägen“. August Heinrich von Wackerbarth antwortete ausweichend und machte eine komplizierte und verwirrende Rechnung auf, in der Buchwaldtsche Gelder, eigene, im Gut stehende Beträge und dann die Schulden an von Falkenberg und von Rathlow durcheinander stehen. Es waren wohl an die 9000 Reichstaler, die August Heinrich zwischen 1696 und 1699 gegen die Pfandscheine ablöste. Als er schließlich die Schuldscheine in der Hand hatte, begann das Feilschen mit der Lauenburger Regierung respektive der Celler Obrigkeit wegen des Umfanges der Belehnung. August Heinrich machte geltend, es sei die niedere und hohe Jagd dabei gewesen und die hohe und niedere Gerichtsbarkeit. Sein Vater habe schließlich noch den neuen Galgen beim Gute aufgerichtet. Insoweit mochte ihm die Regierung wohl folgen. Als er auch auf der Mühlengerchtsame beharrte und behauptete, die Wackerbarths hätten immer eine Windmühle gehabt, versagte ihm die Regierung hier ihre Zustimmung.


1704 konnte er dann auch den 1651 verkauften Anteil an Kogel für 17 000 Mk wieder einlösen 425. Er bestimmte, dass die Einlösesumme beim Erlöschen des Mannesstammes den Allodialerben vergütet werden sollte. Er bestimmte auch, dass die beiden Güter Kogel nicht wieder getrennt werden sollten. Aus Dankbarkeit, dass er den alten Familienstammsitz Kogel wieder ungeteilt in der Hand seiner Familie vereinen konnte, setzte er in seinem Testament den Armen ein Legat von 50 Gulden aus 426. „Was August Heinrich von Wackerbarth


dann in wenigen Jahren in Kogel neu erbaute oder reparierte, das nötigt den größten Respekt ab“ 427. Wir haben darüber genaue Kenntnis über den Bericht einer Regierungskommission, die nach seinem Tode auflistete, was in Kogel neu gebaut wurde und in welchem Zustand die Gebäude waren. Eigenartigerweise fehlen dabei Angaben über das Wohnhaus, das seinem Stil nach in diesen Jahren gebaut oder zumindest teilweise renoviert worden sein muss. Insgesamt hatte er 3500 Taler zur Wiederherstellung der Gebäude des Gutes aufgewand.


Georg Hartwig von WACKERBARTH

(XV – 120); *(1656) +(1700), Sohn von Balthasar Henning (I), königlich-dänischer Obrist der Garde zu Pferde, Magdalena Sybille von WACKERBARTH, Tochter von Hartwig (V) von Wackerbarth (XV-98) und Dorothea von Hagen gnt. Geist


Kinder:

  1. Christian Adam > XVI-134




Die sechzehnte Generation:



August Christopher Reichsgraf von WACKERBARTH 428

(XVI – 126); *Kogel 22.03.1662 429 +Dresden 14.08.1734/Zabeltitz-St.Georg, Sohn von Joachim Christopher, General der Artillerie, Generalmajor, königlich polnischer und kursächsischer Generalfeldmarschall, 1705 Reichsgraf des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Geheimer sächsischer Kabinetts- und Staatsminister, Freund und Günstling des sächsischen Kurfürsten August des Starken. In einer zeitgenössischen Beschreibung hört sich die Biographie August Christoffer von Wackerbarths folgendermaßen an 430: Er war „ein rechtes Muster eines heutigen fürtrefflichen, getreuen und geleahrten, Königlich Pollnischen und Chur-Sächsischen Staats-Ministers wie auch eines wohl versuchten, sehr tapffern, klugen, aldasigen Generals. Ist seit Ableben des Grafen von Flemming commandirender General en chef über alle Chur-Sächsische Troupen, Gouverneur und Ober-Commendant der Residenz-Vestung Dreßden, ingleichen König-Sonnenstein und Stolpen, General-Commendant, der Adelichen Compagnie Cadets General-Intendant, der Civil- und Militair-Gebäude Obrister Hauß- und Zeugmeister, General-Commissär der Baltischen Pforte und Obrister über ein Regiment Ritter-Pferde, wie auch des Polnischen Weissen Adler-Ordens Ritter“. Wien 1707 Anna Catharina Paolina Maria Marchesa di BALBIANO (*1670 +Kloster Mariaschein/Böhmen 1718, in I. Giovanni Michele Gabaleone, Graf von SALMOUR ++1691 bei Cuneo, II. 1695 Karl-Philipp Markgraf von BRANDENBURG +1695)


1662 in Kogel geboren, kam August Christopher von Wackerbarth bereits 1679 als Page der königlich-dänischen Prinzessin Wilhemina Ernestina, Kurfürstin von der Pfalz, an den kurpfälzischen Hof nach Heidelberg. Mit der verwitweten Kurfürstin, die zu ihrer Schwester, der Mutter des sächsischen Kurfürsten August d. Starken, zog, ging er nach Dresden. August Christopher von Wackerbarth war begabt und ehrgeizig und so begann eine unvergleichliche Karriere. Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen (1680-1691) nahm sich des Pagen besonders an und sorgte für eine gründliche allgemeine und vor allem militärische Ausbildung 431. Beim Studium des venezianischen Bau- und Festungswesens führten den jungen Offizier Reisen sogar durch den Balkan.


Generalmajor August Christopher Reichsgraf von Wackerbarth (1705)
(Staatliche Gemäldegalerie Dresden)


Für seinen weiteren Aufstieg hilfreich waren sicher seine guten Beziehungen zu August dem Starken mit dem er einen „Saufclub“ gründen sollte, die „Antisombres“, die „Nüchternheitsgegner“ sowie seine Ehe mit der Marchesa Anna Catharina Paoline Maria die Balbiani, der Witwe des Grafen Michael Gabaleon von Salmour sowie der Witwe des Markgrafen Karl von Brandenburg, eines Sohnes des Großen Kurfürsten. Die geborene Italienerin galt als eine der geistvollsten und schönsten Frauen ihrer Zeit.


Seinnen ersten Kriegseinsatz erlebt August Christopher 1691 als Ingenieur beim Festungsbau in der Pfalz bei der Abwehr des dritten französicshen Eroberungskrieges unter Ludwig XIV., der 1688 begann und in dem Stadt und Schloss Heidelberg verbrannt wurden. Besondere Missionen führten ihn im Auftrage des Kurfürsten Johann Georg IV. (1691-1694) nach Ungarn und Italien. 1695/1696 kämpft er als Generaladjutant an der Seite von Kurfürst Friedrich August I. „des Starken“, der in persönlichem Einsatz an der Spitze seiner truppen standgegen die Türken in Ungarn. Hier entging August Christopher nur knapp der Gefangennahme. Als Kurfürst Friedrich August I. 1697 zum König von Polen gewählt wird, verbündet dieser sich mit Zar Peter I. von Russland gegen Karl XII. von Schweden. Er will Livland für Polen wiedergewinnen, wird aber 1701 bei Riga geschlagen und verliert den polnischen Thron an Stanislaw Lesczynski. August Christopher von Wackerbarth, der an diesen Kämpfen als Oberst teilgenommen hatte, wird 1703 auf den Kriegsschauplatz des Spanischen Erbfolgekrieges versetzt, wo er sich unter Prinz Eugen bewährt und auszeichnet. Als Kommandant von Hagenau im Elsass musste er dieses 1706 den Franzosen übergeben, weil er „kein Pulver und kein Brot“ mehr hatte. Nachdem er 1708 und 1709 als Generalleutnant in Flandern gekämpft, wurde er 1710 zum General der Infanterie befördert.


  

Wappen des Grafen August-Christopher von Wackerbarth (1705)
(links bei Siebmacher, rechts bei Rüdiger von Wackerbarth, Stammtafel ab 1600)


Zwischen den einzelnen Kriegsabschnitten war August Christopher in den Jahren 1705 bis 1711 wiederholt als Gesandter am kaiserlichen Hof in Wien, wo er mit seinem Auftreten und dem Geschick seiner Verhandlungsführung Aufsehen erregt. Kaiser Joseph I. erhob August Christopher von Wackerbarth am 13.06.1705 in den erblichen Grafenstand. Die kurfürstlich-sächsische Anerkennung erfolgte am 24.08.1705, gefolgt vom schlesischen Inkolat am 17.04.1711 (Hier besaßen die Wackerbarth im Kreis Rothenburg Ober und Nieder-Gebeltzig).

Mit der Standeserhöhung erfolgte auch eine Wappenberbesserung 432. Das gräflich von Wackerbarthsche Wappen zeigt in Blau einen goldenen Sparren, begleitet oben von 2 goldenen Sternen, unten von einem, von goldenem Stern überhöhten silbern geharnischten Arm, welcher einen goldenen begriffteschwarzen Kommandostab schräglinks hält. Auf dem Giebel des Sparrens ruht eine goldene Konsole, auf welcher ein gräflich gekrönter, quadrirter Schild steht: 1 und 4 von Rot und Silber geschacht, 2 und 3 silbern ohne Bild.Pfauenschweif zwischen 2 goldenen oben mit einer Pfauenfeder besteckten und schrägauswärts gestellten Stäben. Die Decken sind sot-silbern.


Wappen des Reichsgrafen von Wackerbarth


In Wien lernt er seine Frau kennen. Er informierte den Kaiser und bat um dessen förmliche Einwilligung, beabsichtigte er doch eine habsburgische Untertanin zu heiraten. Die Antwort kam mit einem handschriftlichen und gesiegelten Billet in französischer Sprache:


Brief Kaiser Josephs I. vom 03.05.1707



Lieber Graf von Wackerbarth,


weit davon entfernt, den Wunsch zu mißbilligen, den Sie haben, Madame, die Prinzessin von Brandenburg um die Ehe bitten zu wollen, stimme ich von ganzem Herzen zu und wünsche Ihnen beiden

tausensmal Glück. Versichern Sie meinerseits der Prinzessin den Fortbestand meines Schutzes und daß ich die Pension weiter zahlen werde bis an ihr Lebensende.

Geben Sie mir immerwieder Ihre Neuigkeiten an die Adresse, die ich Ihnen genannt habe.


Sagen Sie meinem lieben Bruder, dem König, Ihrem Herren, daß die Freundschaft, die ich persönlich mit ihm eingegangen bin, niemals enden wird und ich wage die Fortführung meiner Gunst und meines Schutzes für die Favoritin zuzusichern


Joseph, Wien 3. Mai 1707“.



August Christopher Reichsgraf von WACKERBARTH


August Christopher Reichsgraf von WACKERBARTH


1715 übernimmt August Christopher – zunächst unter dem Generalfeldmarschall Graf Flemming – dann als dessen Nachfolger die Führung der sächsischen Truppen gegen Karl XII. von Schweden 433 Bei der Belagerung von Stralsund erzwingt er, vor allem durch seinen überlegenen Artillerieeinsatz, die Kapitulation der Stadt, was Geduld erforderte, aber, wie rühmend hervorgehoben wurde, seinen Truppen Verluste ersparte. König Friedrich Wilhelm

I. von Preußen rühmte ihn in einem Brief an König August den Starken. Er schrieb 1715 u. a. 434: „ ..... Hierbey kann Ich nicht umhin, Euer Mejestät anzurühmen, die sonderbahre Valeur, Kriegs-Erfahrung, auch unermüderen Fleiß und Sorgfalt, so Euer Majestät General, Graff von Wackerbarth, bey der Belagerung vor Stralsund erwiesen, und muß Ich Demselben billig den Ruhm beylegen, daß man Ihm vornehmlich die glückliche Eroberung des Orts zuzuschreiben habe“.


Dresden: Stadtplan von 1755
(kol. Kupferstich von Matthäus Seutter)


Als Kurfürst Friedrich August I. 1719 nach dem Tode Karls XII. wieder als König von Polen anerkannt wurde, wird August Christopher von Wackerbarth mit dem Ausbau der Festung Warschau und anderer Standorte in Polen beauftragt. In Warschau initiierte und überwachte Wackerbarth auch die Schlossbauten. Zusammen mit dem ersten Minster des Königs, Graf Flemming, trägt August Christopher von Wackerbarth aber auch Mitschuld an der größer werdenden Misswirtschaft in der Regierung Polens, die 1721 im „Thorner Justizmord"“gipfelt. Hier begann deutlich zu werden, dass zwei so unterschiedliche Staaten wie Sachsen und Polen nicht einfach zusammengespannt werden konnten. Das sächsisch-polnische Experiment musste letztendlich scheitern.


August der Starke konnte während des Nordischen Krieges (1700-1721) diplomatisch fast nichts erreichen, weil hinter seinen Bemühungen keine militärische Macht stand. Das sächsische Söldnerheer einschließlich seiner Offiziere war völlig undiszipliniert, außerdem gehorchten die Sachsen nur widerwillig ihrem zum Katholizismus übergetretenen Landesherrn, um gegen den lutherischen Schwedenkönig zu kämpfen. Aus dieser Erfahrung zog August der Starke die Konsequenzen und organisierte sein Söldnerheer in ein stehendes Heer um. Den Autrag dazu erhielten Graf Flemming (+1728) und der 1725 zum Chef aller in Kurfürstentum Sachsen stehenden Truppen ernannte August Christopher von Wackerbarth, dessen ausgesprochenes Otrganisationstalent nun zum Tragen kam. Aus der Artillerie, die bis dahin ein etwas wilder Haufen von Spezialisten gewesen war, formte er eine uniformierte Truppengattung. Und zur Freude der Dresdner führte er in die Militärmusik die Kesselpauken ein, die er wohl bei den Türken abgeschaut hatte. Im Jahre 1730 konnte er diese neue Armee bei den Zeithayner Manövern der interessierten Fachwelt vor. Als Kommandant des königlich-Polnischen und Churfürstlich Sächsischen Feldlagers von Zeithayn organisierte der gerade zum Generalfeldmarschall beförderte August Christoher von Wackerbarth vor zwei Königen, zwei Kronprinzen und 38 weiteren Fürstlichkeiten Europas „das erste Großmanöver der Neuzeit“ mit 30.000 Mann. Bei der Heerschau in Zeithayn trug die sächsische Artellerie Uniform, grün mit rotem Kragen und behielt diese bis 1914 bei. Berühmt war der Paukenwagen, gezogen von sechs Schimmeln mit Tigerfellen und von Mohren geritten. Die übergroßen silbernen Kannen und Gemäße von Zeithayn wurden im „Grünen Gewölbe“ in Dresden aufgestellt. Unter dem Eindruck des Geschehenen sagte der als Gast anwesende preußische König Friedrich Wilhelm I. (1713-1740), wie sein General von Grumbkow berichtet hat, über August den Starken, er sei „der größte Fürst, der je geherrscht habe“.


August Christopher von Wackerbarth erwies sich aber auch auf dem glatten politischen Parkett als geschickter Akteur. So hatte er als sächsischer Gesandter in Wien nicht nur seine Gemahlin, die verwitwete „Madame de Brandenbourg“, kennengelernt sondern auch die Lehnsbestätigung für seinen sächsischen Kurfürsten empfangen. Am 13.06.1705 erhob ihn in Wien Kaiser Joseph I. in den erblichen Stand eines Reichsgrafen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (Incolat in Schlesien am 17.04.1711). Allerdings, eine dazugehörige Reichsgrafschaft besaß August Christopher von Wackerbarth niemals. 1710 avancierte er zum Geheimen Rat und sächsischen Kabinettsminister. 1718 machte ihn August der Starke zum Gouverneur von Dresden und Oberkommandeur der sächsischen Festungen. Diese Posten schlossen auch den eines Bauintendanten ein. Für ihn hieß dies, dass das ruhelose Reiseleben, teils als Soldat, teils als diplomatischer Gesandter nun einem mehr sesshaften weichen würde. August der Starke hatte für seine Resedenz große Baupläne und Wackerbarth schien der Geeignete, diese Pläne umzusetzen. Bereits 1697 hatte ihn Kurfürst Friedrich August der Starke, der gerade zum König von Polen gewählt worden war, mit der Leitung des gesamten kurfürstlich-sächsischen Bauwesens beauftragt. Nun trat 1720 ein neus Bau-Reglement für Dresden in Kraft. Es enthielt die Aufforderung zum Steinbau und verbot Stroh und Schindeln auf den Dächern. Einzelnen Bauzonen wurden eingegrenzt, darin galten neue Bauhöhen und eine Katalogisierung von Haustypen wurde eingeleitet.


August Christoph von Wackerbarth gilt als „Regisseur“ des Dresdner Barock. So ist ein Großteil des barocken Dresden unter der Oberleitung August Christophs von Wackerbarth, der in Rom Architektur studierthatte, entstanden. Er holte die Künstler nach Dresden und scheute sich nicht, bis in die Einzelheiten ihrer Pläne hinein zu korrigieren. So auch dem Ratszimmermeister Bähr beim 1726 begonnenen Bau der berühmten Frauenkirche, dem er mehrmals die Fassade änderte, weil so, aus der Sicht der Betrachter, eine größere Wirkung zu erwarten war. Unter seiner Schirmherrschaft errichtete Matthäus Daniel Pöppelmann den


Dresden: Kurländer (Wackerbarthsches) Palais
(nach dem Wiederaufbau)


Dresden: Neues Wackerbarthsches Palais /Ritterakademie)
(Entwurf Johann Christoph Knöffel)


Dresdner Zwinger und 1721/1722 das „indianische Lustgebäude zum oberen Elblauf“ (Schloss Pillnitz). 1732 fördert Wackerbarth, auch durch Einsatz eigener Mittel, den Bau der Interimskirche in Dresden-Neustadt und treibt vor allem den Bau des großen Kasernen-Gevierts voran. Bis dahin war es immer noch üblich, dass Soldaten „in Logis“, privat bei Familien wohnten, wodurch diese zwar ein Zubrot hatten, der Zusammenhalt der truppe aber nicht gefördert wurde.


Einen Schatten auf sein Ansehen wirft ein Vorfall vom 21.05.1726, als es nach dem Mord an dem evangelischen Diakon Hahn durch den Botenläuder Leubler in Dresden zu einem Aufruhr kam. Es war der evangelische Mob, der die Katholiken in der Stadt angriff, die verprügelte, in die Häuser eindrang, randalierte und plünderte. Wackerbarth als Kommandant von Dresden ließ sofort die Innenstadt von der Wache besetzten und trieb, selbst dabei auf dem Pferd, mit berittenen Patrouillen jede Menschenansammlung auseinander. Dabei ließ er einen Soldaten – Kanonier der Armee – mit Namen Mittag erschießen, der sich, seinem Eid zuwider aus dem Quartier entfernt und der randalierenden Menge angeschlossen hatte. Er war evangelisch und man legte Wackerbarth diese Bestrafung als Parteinahme für die Katholiken aus.


Wie später der berühmte sächsische Minister Graf Heinrich Brühl besaß auch August Christopher von Wackerbarth bedeutende Kunstwerke und hatte vor allem eine riesige Bibliothek und eine Plansammlung von Städten angesammelt, die bei einem Brand in seinem Gouverneurshaus, dem späteren „Kurländer Palais“ am 17./18.01. 1728 vernichtet wurden. Dies Palais war 1705 erweitert und durch einen Lustgarten ergänzt worden. Seit 1718 war es im Besitz des Dresdner Gouverneurs August Christoph von Wackerbarth gewesen. Den Brand im Wackerbarthschen Hause erlebten damals der in Dresden weilende König Friedrich Wilhelm I. von Preußen und sein Sohn Friedrich, später „der Große“ genannt, die auf eigenen Wunsch im Wackerbarthschen Hause logierten, als Augenzeugen mit. Am Tag nach dem Brand schenkte August der Starke seinem Vertrauten ein Palais in der Prinaischen Gasse, „mit allen Meublen“, das er bisher dem Feldmarschall von Flemming überlassen hatte. Und dieser wurde vom König „gebeten“, diese Nachricht auch noch persönlich an Wackerbarth zu überbringen, der sich mit dem preußischen König in einer Stube wärmte.


August der Starke nahm sein „Geschenk“ allerdings schon bald wieder gegen Überlassung der Herrschaft Zabeltitz zurück.


In Erinnerung geblieben ist der Besuch des preußischen Königs durch zwei Vorfälle, deren Initiatoren der sächsische Kurfürst und sein Vertrauter August Christopher von Wackerbarth waren. Rüdiger von Wackerbarth schreibt dazu in seinem „Die Häuser der Wackerbarth“ 435:


Weniger edel war das Komplott, das er mit August dem Starken ausheckte, um den peniblen, moralisch so festen preußischen König zu foppen und den Kronprinzen über das weiblich, alzu weibliche aufzuklären. Offensichtlich hatten sie da einen Mangel entdeckt. Während eines Festmahls ließen sie als Obstschale ein Riesentabeltt hineintragen, auf dem eine Tänzerin lag, anmutig lächelnd und mit Obst nur unzureichend bekleidet. Alles schaute verstohlen auf den Kronprinzen, der aber sah gar nichts. Sein Vater hatte nämlich blitzschnell seine Hut vom Kopfe genommen, damals war es üblich, diesen beim Essen auf dem Kopf zu haben und hielt ihn dem Sohn vor das Gesicht. Das wurde später am frivolen Dresdner Hof viel belacht“.


Ein anderer Spaß ging ernster aus. Dem alten, damals jungen Fritz legte man, das Gouverneurshaus war noch nicht abgebrannt, eine junge Tänzerin ins Bett und sie scheint ihre Mission erfüllt zu haben, der vom Vater kujonierte Fritz taute sichtlich auf. Dresden war ein voller Erfolg, zunächst jedenfalls. Denn die Tänzerin übertrug Gonorrhoe. Schmerzhafte Verwachsungen, die den Geschlechtsverkehr unmöglich machen, sind bei dieser Krankheit oft die Folgen. Die menschlichen und politischen Folgen sind im Lebensbild des Alten Fritz bekannt“.


Herrschaft Großen Hayn und Zabeltitz


Nach dem Brand seines Gouverneurshauses erhielt August Christopher von Wackerbarth von seinem Landesherrn die Mittel, das Palais wiederaufzubauen, „nach neuester Facon, ganz steinern und proper“. Dies geschah 1729 durch Johann Christoph Knöffel. Bereits am 30.11.1729 konnte der Bau wieder bezogen werden. Er hatte Bestand bis zur unseligen Zerstörung Dresdens durch britische Fliegerbomben am 02.1945. Später hieß dieses Gebäude das „Kurländer Palais“, nach Prinz Karl-Christian-Josef von Sachsen, der nach dem Sturz des Herzogs Ernst Biron kurzzeitig Herzog von Kurland war. Nachdem Biron wieder in Gnaden am zaristischen Hof aufgenommen war, musste der sächsische Prinz weichen und bezog 1763 in Dresden das frühere wackerbarthsche Gouverneurshaus. Bei der Zerstörung Dresdens in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 durch britische Bomben am wurde das Palais zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 2006/2008. Neben den Mitteln für den Wiederaufbau des Gouverneurshauses erhielt August Christopher von Wackerbarth von August dem Starken auch ein neues Palais in Dresden im Werte von 50 000 Reichstalern, das der Landesherr aber bereits kurze Zeit später von ihm zurückkaufte, um es seiner polnischen Mätresse, der Gräfin Orselska, zu schenken. Das 1723/1726 von ihm in der Dresdner-Neustadt errichtete „Neue Wackerbarthsche Palais“ mit reithalle, Fechtboden und Exerzierhalle hatte August Christopher von Wackerbarth vor allem für die von ihm gestiftete Ritterakademie als Kadettenanstalt für den jungen Adel Sachsens nach eigenen Plänen konzipiert und auf eigene Kosten durch den Architekten Klöffel errichten lassen. Bereits 1705 nach dem Sieg der Schweden und der Einnahme Warschaus durch König Karl XII. hatte er den Plan gefasst, das zukünftige Offizierscorps einer neuen Armee durch eine völlig andere Erziehung von Jugend an, zu einer zuverlässigen des Staates zu machen. Daraus war dann die Gründung des Wcadettencorps“ geworden, das aber noch lange Jahre in privaten Quartieren oder ungeeigneten Kasernen logieren musste.


Von seinem Souverän erhielt er für seine Verdienste am 03.03.1728 die Herrschaft Zabeltitz, bestehend aus Amt, Domäne und neun lehnspflichtigen Ortschaften und einem langgezogenen, stallähnlichen Renaissanceschloss. Dort ließ er durch seinen Baumeister Klöffel neben das etwa ungefüge alte Schloss an der Stelle einer kleinen alten und morschen, vom Flüsschen Roeder umflossenen, Wasserburg einen neuen Prachtbau errichten, das 1730 Mittelpunkt des „Zeithayner Lagers“ war. Die alten Hofställe ließ er abreißen und baute sie neu hinter dem Renaissanceschloss wieder auf. Sternförmige umschlossen die halbkreisförmige Anlage. In diesem Jahr 1728 wird August Christopher von Wackerbarth „General en Chef“ über alle im Kurfürstentum stehenden truppen. Nie zuvor, vielleicht nur vor dem Ende der dänischen Herrschaft über das Herzogtum Sachsen - Lauenburg und nie mehr danach standen die Wackerbarth nach der Übertragung der Herrschaft Zabeltitz so nahe davor, vom Landadel heraus aufzusteigen.


Zabeltitz: Schlossbau von 1728/1730


In Großsedlitz, etwa eineinhalb Stunden mit der Kutsche von Dresden entfernt, hatte August Christopher von Wackerbarth 1719 das Friedrichsschlösschen und eine barocke Parkanlage als Ruhesitz anlegen lassen. Die Konzeption des dreigliedrigen Schlosses nach französischem Barockstil stammte vmtl. von Matthäus Daniel Pöppelmann, die barocke Gartenanlage geht in ihrer Planung auf Skizzen Augusts des Starken selbst zurück 436. Ausgeführt wurden die Pläne durch Johann Christoph Knöffel. Links und rechts einer breiten Haupttreppe sollte sich, spiegelbildlich gedacht, eine breite Gartenanlage vom Hang herab in ein kleines Tal ziehen, um sich dann jenseits und hangaufwärts in Alleen, breiten Schnittschneisen und Ausblicken in der bewaldeten Landschaft zu verlieren. Steinerne Seitentreppen, geschwungene Treppenläufe, die berühmte „stille Musik“, Wasserbassins,


Zabeltitz: altes Renaissanceschloss


Großsedlitz: Schloss Friedrichsburg (1723, Zeichnung Alexander Thiele))



Großsedlitz
(unten: obere Orangerie)


eine Orangerie in den Hangwänden und mittendrauf eine Schlossanlage, die sich mit ihren drei Flügeln zum Park hin öffnet, 1723 war die Anlage fertiggestellt. Sie gefiel August dem Starken so gut, dass er sie kurzer Hand seinem Minister abkaufte. Allerdings „stotterte“ dieser den Betrag zunächst aus seiner Gemeimschatulle ab, ehe er mit der Restforderung an die Landstände herantreten konnte. In der Folgezeit war die Anlage erheblichen Eingriffen ausgesetzt. Bis 1732 wurde die Anlage u. a. durch Pöppelmann und Languelune vergrößert und umgestaltet. Als Lustgarten wurde Großsedlitz bis 1763 für glanzvolle Feste des Dresdner Hofes genutzt. Der Garten blieb unvollendet. Zwei Flügel des Schlosses brannten im 19. Jahrhundert ab und wurde 1871 abgerissen, ein Seitenflügel steht noch.


Großsedlitz: Plan aus dem 18. Jahrhundert


1727/1729 kaufte Wackerbarth den Lößnitzer Bauern Weinbergsflächen sowie Feld- und Wiesenparzellen ab und ließ 1729 durch Johann Christoph Knöffel seinen Alterssitz, das Schloss „Wackerbarthsruh“ errichten 437.


In Sachsen machte der Gouverneur von Dresden und ausgewiesener Gourmet auch mit einer seinerzeit viel gelobten lukullischen Entdeckung von sich reden. Er führte die Trüffeljagd in Sachsen ein und holte dazu Trüffeljäger mit ihren abgerichteten Hunden aus Italien.


Da ihm leibliche Erben versagt geblieben waren, adoptierte er 1708 den jüngsten Sohn seiner Frau, Joseph Anton Gabaleon Marquis de SALMOUR (*Turin 1685 +Nymphenburg 02.06.1761) 438 und setzte ihn 1720 in seinem Testament als Universalerben ein. Joseph Anton Gabaleon, der fortan den Namen von WACKERBARTH-SALMOUR führte, war als Oberhofmarschall des Prinzen Friedrich-Christian (*1722 +1763), des Enkels August des Starken, dessen Erzieher, Lehrer, Vorbild, väterlicher Freund und Berater. Er war ein erklärter Gegener des allmächtigen sächsischen Ministers, des Grafen Heinrich von Brühl. Er schuf in seiner Prinzenerziehung das Fundament für den Wiederaufbau Sachsens nach dem Siebenjährigen Krieg und dem Ende der Ära Brühl mit ihrer Verschwendungssucht. Friedrich der Große schätzte Graf von Wackerbarth-Salmour richtig ein als die Seele des antipreußischen Widerstandes in Sachsen und internierte ihn auf der Festung Küstrin. Freigelassen ging er mit dem Kurprinzen und dessen Frau nach München ins Exil.





Wackerbarthsruh


Joseph Anton Gabaleon Graf von Wackerbarth Salmour



Reproduktion der ersten Seite der Adoptionsurkunde
(„Sterley . Chronik eines Dorfes“, Anlage 5, S. 75)



Testament und Adoptionsurkunde des Grafen August Christopher von Wackerbarth aus dem Jahre 1720


Ich August Christoph des heiligen Römischen Reichs Graf von Wackerbarth, aauff Groß und Klein Sedlitz auch Heidenau Ihro Königl. Majestät in Pohlen und Churfürstliche Durchlaucht zu Sachsen Cabinets.Ministre, würklicher Geheimer- Rath, General von der Infanterie, Gouverneur und Ober-Commandant der residenz Vestung Neu- und Alt-Dreßden, ingleichen König-Sonnenstein, und Stoplen, Commandant der Adelichen Compaie Cadets, General-Intendant derer Civil- und Militär-Gebäude. Obrister Hauß und Lands Zeugmeister, General-Commissarius der Baltischen Meer-Porten und Obrister über ein Regiment Ritter-Pferde, wie auch des Pohlnischen weißen Adler Ordens Ritter hiermit urkunde und bekenne Demnach in denen zwischen mir und meiner Wohlseeligen Gemahlin, der weiland Hochgeborenen Gräfin, Frau Annen Catharinen, vormahls vermählt gewesen Gabelon reichs-Gräffin von Salmour gebohrener Marchesin von Balbiani ..., aus der ersten Ehe erzeugten jüngeren Sohn 439, Joseph Anton Gabaleon Reichs Grafen von Salmour, ...., diesen meinen Stieff Sohn und benannten Fideicommis-Erben, vor meinem Sohn auf – und anzunehmen, auch denselben nach meinem Gutbefinden zu verheyrathen, und da er wie nicht zu zweifeln, sich geschickt machen, und meyne Gunst zu erwerben sich angelegen seyn laßen würde, noch mit mehreren Mitteln zu versehen; ..., als auch ... wegen seines mir jedesmahl erzeugten kindlichen Respects und Gehorsambs, auch sonst zu seiner Gefälligkeit wohl eingerichteten Conduite, tragenden besonderen Neigung und Affection, nur gedachten meinen Stief-Sohn, den Hochgebohrenen Joseph Anton Gabaleon Reichs-Grafen von Salmour, Ihre Königliche Majestät in Pohlen und Churfürstliche Durchlaucht zu Sachsen würcklichen Cammerherrn, wie es zu recht zu beständigsten geschehen kann, hiermit accogiret, und an Sohnes Statt angenommen haben, dergestalt, und also, daß derselbe ... meinen Nahmen, Schild und Wappen führen möge ...“.



Stemma: von WACKERBARTH - SALMOUR


Als nach dem Tod Augusts des Starken am 01.02.1733 in Polen Aufstände ausbrechen mit dem Ziel den abgesetzten Stanislaus Leszcynski wieder als König einzusetzen, kann August Christopher von Wackerbarth die dagegen eingesetzten Truppen nicht mehr selbst befehligen. Zunehmende körperliche Beschwerden hindern ihn daran. Ihn plagt die „Wassersucht“. Er reist dennoch im Spätherbst 1733 zur Krönung des neuen Königs, August III., an der Spitze der Armee nach Krakau und Warschau. Anfang 1734 ließ er sich in Krakau beurlauben und trat, in seiner Sänfte, von zwei Maultieren getragen, die Heimreise nach Dresden an. Am 21. März erreichte er die Stadt, wo er die Treppe zum Gouvernementshaus zwar noch selber hochstieg, dann aber seine Räume bis zu seinem Tode am 14.08.1734 nicht mehr verließ. Begraben wurde er mit dem ganzen Pomp seiner Stellung in der Kirche zu Zabeltitz. Prinz Eugen von Savoyen bezeichnete ihn als „einen egschickten Mann, der unter einer eingetrübten Gelassenheit die denkbar größte Lebhaftigkeit verbarg. Er habe ihn stets hoch geachtet“. 1738/1739 erschien in Eisenach eine von Frigander verfasste zweibändige Schrift „Leben und Thaten des chursächsischen General-Feldmarschalls A. C. Grafen von Wackerbarth“.


Die mit der Adoption verbundene Hoffnung auf Fortbestand des Namens erfüllte sich nicht. Die Linie der Reichsgrafen von Wackerbarth-Salmour verlosch noch im 18. Jahrhundert.


Zu seinem Geburtsort Kogel besaß August Christopher von Wackerbarth nur noch sehr lose Kontakte. So berichtet der Drost zu Ahlden, August Heinrich von Wackerbarth, dass seine Absicht, sich um die Belehnun von Kogel zu bemühen, mit seinem „Vetter“ (d. h. seinem Neffen), dem polnischen Generalmajor in Dresden abgesprochen sein. August Christopher von Wackerbarth selbst hat Kogel nie wieder betreten. Mit ihm hatte sich das Geschlecht von Wackerbarth aus dem Landadel herausgehoben. Nie zuvor und nie mehr danach stand das Geschlecht so kurz vor dem Aufstieg in den Reichsadel.



Balthasar Heinrich (II) von WACKERBARTH

(XVI – 127,* um 1665 + (1725), Sohn von Anton Heinrich (I), brandenburgisch-ansbachischer Rat, Oberamtmann zu Hohenbeichlingen und Marktheidenheim, Oberjägermeister, Christine Dorothea Juliane von CRAILSHEIM (* ..... +27.11.1750)


Kinder 440:

  1. Friedrich Krafft > XVII-140

  2. Carl > XVII-141

  3. Lucia Margaretha > XVII-142

  4. Sophia Dorothea > XVII-143

  5. Anton Heinrich (II) > XVII-144

  6. Renata Helena Juliana > XVII-145



N. von WACKERBARTH

(XVI – 128); * ..... + ....., Tochter von Anton Heinrich (I), verstarb als „Jungfer“ mit einer Leichenpredigt, die umfangreiche genealogische Angaben über acht Generationen enthält, die allerdings nicht in allen Punkten den Tatsachen entsprechen


„Trauer- und Trost-Arie“ auf den Tod von Balthasar Heinrich von Wackerbarth
(gedruckt Oettingen 1725)



Carl (Friedrich) Heinrich von WACKERBARTH

(XVI – 129); *10.11.1684 ++Malplaquet 11.09.1709, Sohn von August Heinrich (I), N. von BOYE – Carl Friedrich von Wackerbarth hatte die militärische Laufbahn eingeschlagen und kämpfte im Spanischen Erbfolgekrieg unter den hannoverschen Truppen im vereinten Heer der Engländer, Hannoveraner, Hessen, Holländer, Österreicher, Preußen und Dänen als Leutnant unter Prinz Eugen von Savoyen und Malborough in einer Armee von 91 000 Mann gegen die Truppen Ludwigs XIV. von Frankreich. Er fiel in der Schlacht bei Malplaquet, in der Ludwig XIV. seine Vorangstellung in Europa verlor.



Ludwig Anton von WACKERBARTH

(XVI – 130); *26.02.1687 +Wiesbaden 08.10.1735, Sohn von August Heinrich (I), hannoversch-großbritannischer Oberstleutnant im Regiment von Klinckström auf Rheden, 1718 Helene Margarethe Wilhelmine Gräfin BAR a.d.H. Barenaue (* ..... + ...., sie in II. Ludolf Friedrich von KROSIGK) Tochter von Heinrich Siegmund Graf von Bar, kur-braunschweiguscher Geheimer Rat und Anna Agnese de Chalon gnt. Gehlen, die Ehe blieb kinderlos. 1724 musste er einen Prozeß gegen Jacob Scharnweber, den Pächter seines Gutes Kogel, führen „in puncto verdorbenen Landes“ um ihn vom Pachtvertrag entbinden zu können 441. Ludwig Anton starb, „als er sich anschickte zum Feldzuge am Rhein abzugehen“ 442. Erbe wurde sein Neffe Anton Heinrich (II).



Anna Victoria Louisa von WACKERBARTH

(XVI – 131); *05 (?14.).06.1689 +(1722), Tochter von August Heinrich (I), ), 1703 bis 1714 Konventualin im Kloster Barsinghausen, Ernst von NIEBELSCHÜTZ auf Glienitz (Schlesien), königlich-polnischer Oberstleutnant und Generaladjudant



Esther Renate von WACKERBARTH


(XVI – 132); *26.11.(?06.12.)1690) + ....., Tochter von August Heinrich (I, 13.10.1706 Detlev Reinfeld von PAHLEN, churhannoverscher Obristlieutenant, später Drost 1695-1727, Sohn des königlich-schwedischen Majors Heinrich von Pahlen und der Anna Hedwig Clüver


Kloster Barsinghausen



Benedicta Sophia Maximiliane Christiane von WACKERBARTH

(XVI - 133); *24.06.1694 +Possendorf (Obersachsen) 14.01.1767 „bei ihren Verwandten“, Tochter von August Heinrich (I), Konventualin, dann 1754-1756 Äbtissin des Klosters Barsinghausen. Das Kloster Barsingshausen wird 1193 erstmals urkundlich erwähnt. Es war einige Jahre zuvor von Graf Wedekind von Schwalenberg als Doppelkloster geründet worden. Ab 1229 war es ausschließlich Nonnenkloster. Nach Einführung der Reformation im Jahre 1543 wurde es in ein evangelisches Damenstift umgewandelt.



Christian Adam von WACKERBARTH

(XVI – 134); * ..... ++18.02.1734, Sohn von Georg Hartwig, schwedischer Leutnant, wurde im Streit erstochen




Die siebzehnte Generation:



Friedrich Krafft von WACKERBARTH

(XVII – 140); *(1698) ++Neapel 1728, Sohn von Balthasar Heinrich (I), kaiserlicher Leutnant



Carl von WACKERBARTH

(XVII – 141); *um 1700 ++1718 als kaiserlicher Fähnrich auf Sizilien, Sohn von Balthasar Heinrich (I)



Lucia Margaretha von WACKERBARTH

(XVII - 142); * ..... + Januar 1735, Tochter von Balthasar Heinrich (I), 1726 Conrad Ernst von TURCKHEIN zu Kaltenbrunn



Sophia Dorothea von WACKERBARTH

(XVII - 143); * ..... + ....., Tochter von Balthasar Heinrich (I), Ludwig Ernst von ?BURGER auf Wechmar (+1735)



Anton Heinrich (II) von WACKERBARTH

(XVII – 144); *(1707) +Lübben 30.10.1767 am Schlagfluss, Sohn von Balthasar Heinrich (I) , kursächsischer Hauptmann im 2. Garderegiment, Herr auf Koschendorf, erbte 1796 Kogel, 1734 Christiane Charlotte von KÖCKRITZ (* ..... +1787) a.d.H. Koschendorf


Kinder:

  1. Charlotte Christiane (II) > XVIII-155

  2. Caroline Juliane > XVIII-156

  3. Henriette Wilhelmine > XVIII-157

  4. Joseph Friedrich Erdmann > XVIII-158

  5. August Heinrich Ferdinand > XVIII-159

  6. Juliana Christina > XVIII-160

  7. Ludwig Carl Wilhelm > XVIII-161

  8. Eleonore Henriette > XVIII-162





Koschendorf
oben: Frontansicht (Zeichnung Rüdiger von Wackerbarth), unten: Rückansicht


Anton Heinrich ging nach Sachsen, wo ihm die Protektion seines Onkels, des Reichsgrafen August Christopher von Wackerbarth, sicherlich zu einem guten Start verhalf. Er wurde chursächsischer Hauptmann im 2. Garderegiment und Ende 1734, der Onkel war gerade gestorben, heiratete er Christiane Charlotte von Köckritz, Gutsbesitzerstochter aus Siewisch und Koschendorf in der Lausitz. Als 1735 sein Onkel Ludwig Anton kinderlos als Offizier im Kriege fiel, erbte er auch das Lehengut Kogel 443. Noch 1735 kaufte Anton Heinrich (II) von Wackerbarth seinem Schwager für 18 000 Rthrl. dessen Gut Koschendorf ab, wovon 1000 Rtlr. als Mitgift seiner Frau stammten. Ein Teil der Kaufsumme stammte vielleicht aus der Erbmasse des Reichsgrafen August Christopher von Wackerbarth. Nach dem angeblichen Willen des Reichsgrafen sollten die alten Wackerbarths – er meinte wohl die in Kogel – 65 000 Rtlr. bekommen. Diese Summe ist nie dorthin gelangt und es sieht so aus, als hätte sich des Reichsgrafen Erbe, sein Stiefsohn, der Hofmarschall Joseph Anton Gabaleon von Wackerbarth-Salmour, durch eine vorzeitige Abschlagszahlung von der Verpflichtung der 65 000 Rtlr freigekauft. Dazu würde auch eine Bemerkung aus Leipzig passen, wonach der Hofmarschall nach dem Tode seines Adoptivvaters eiligst dessen Sammlungen zu barem Gelde machte, was als wenig pietätvoll und kunstsinnig vermerkt wurde 444.


die erste Seite des „Pacht Contracts“ mit dem Pensionarius Heinrich Ehlers
(in: „Chronik Sterley“ S. 46 Bild 29)


Anton Heinrich (II) von Wackerbarth verpachtete am 16.05.1745 sein Gut Kogel auf sechs Jahre an Heinrich Ehlers. Insbesondere werden die Abgrenzung der rechte und Aufgaben des Gutsherren und seines Verwalters geregelt 445.


1. „Es wird das gesamt adeliche Gut Kogel verpachtet, wie solche in ihren Scheiden und Grenzen gelegen, samt den darauf befindlichen Gebäuden, Äckern, Wiesen, Weyden Trifften, Koppeln, Obst und Küchen Garthen, Schäfereyen, Fischerey, Brau- und Branntwein Brennerey usw.“

2. Pensionarius zieht die Contribution ein.

3. „Er verpflichtet sich bei Durchzügen und Einquartierungen die Unterthanen … soviel wie möglich conservieren und beschützen, auch von ihrem Zustande Herrn Principali von zeit zu Zeit zu berichten“.

4. „Auch ist beyden Theilen verabredet, daß, wenn an denen Schäfereyen oder denen zum Hofe gehörigen Kathens die Dächer gedeckt werden müssen, der Pächter solche Deckung … übernimmbt“.

5. „Die Priester und Küster gebühren verreichtet Herr Pensionarius“.

Es reserviret sich aber Herr Locator:

Die Hohe und Niedere Gerichte, … doch soll Pensionario erlaubet seyn zur Abfragung ihrer prostandorien die Unterthanen executive anzuhalten, und muß der Förster dazu die Hand biethen. Wegen anderer Dinge halber darf Herr Pensionarius die Unterthanen mit keiner Execution belegen, auch nicht mit Schlägen tractiren, es sey denn, daß ein unnützer Junge etwa nicht thun wolltze, was seyne Schuldigkeit wäre, so kann Herr Pensionarius ihm wohl ein oder zwey Streiche mit der Peitsche geben. Hingegen versichert Herr Locator die widerspenstigen nachdrücklich bestrafen zu laßen. Pensionarius muß an Pacht 2200 Reichsthaler bezahlen“.


Ehlers war nicht der erste Pächter von Kogel gewesen. Seit Ende des 17. Jahrhunderts haben u. a. Christian KROLLOW (1684), DARINGBERG (1700), Jacob SCHARNWEBER (1703/1724), WARNKE (1725), Christian BADING (1736), Georg gerhard LORENZEN (bis 1744), Heinrich EHLERS (1745/1747) und Joachim Heinrich PIEPENPALM (1747/1756) dier Wackerbarthschen Begüterungen in Kogel und Sterley bewirtschaftet 446.


Nach Anton Heinrichs Tod scheint seine Witwe, wohl aus Sorge um ihre Alterssicherung, schon nach wenigen Tagen das Gut Koschendorf an ihren mittleren Sohn August Heinrich Ferdinand verkauft zu haben. Zwei Töchter waren bereits verheiratet und hatten sehr anständige Aussteuern bekommen, beanspruchten aber dennoch einen Erbteil. Zwei weitere Töchter waren noch unverheiratet und wollten ihre Aussteuer gesichert sehen. Der älteste Sohn Joseph Friedrich Erdmann sollte Lehnsherr auf Kogel werden und vom jüngsten, Ludwig Carl Wilhelm, war überhaupt nicht die Rede. Schließlich einigte man sich bei einem erneuten Treffen. Die verheirateten Töchter mussten sich ihre Aussteuer anrechnen lassen und zu diesem Zweck wurde jedes einzelne Stück bewertet und notiert. Eine der Töchter musste daraufhin eine geringe Summe in die Erbmasse zurückzahlen und den unverheirateten Töchtern wurde eine Aussteuer in gleicher Güte zugesichert. Dem mittleren Sohn blieb Koschendorf, der älteste erhielt Kogel, das weit mehr als 17 000 Rtlr wert, aber vmtl. noch mit Schulden behaftet war. Der jüngste Sohn bekam 6300 Rtlr versprochen, wohl weil man ihn auf das künftige Erbteil der Mutter vertröstete.



Renata Helena Juliana von WACKERBARTH

(XVII - 145); * ..... +(?1752), Tochter von Balthasar Heinrich (I), 1733 Friedrich Ernst von SEGEBOTH (+1751)




Die achtzehnte Generation:



Charlotte Christiane (II) von WACKERBARTH

(XVIII – 155); *03.09.1735 +07.02.1819, Tochter von Anton Heinrich (II), Leuthen um 1770 Johann Christian KORN (*Papitz 1739 +11.07.1802), Pastor, Sohn des Johannes Korn und der Charlotte Margarete Spahn



Caroline Juliane von WACKERBARTH

(XVIII – 156); *29.03.1737 + ....., Tochter von Anton Heinrich (II), Johann Georg von BELLING, Major

Kinder:

  1. Carl Friedrich Bernhard (XIX-167) *Cottbus um 1770 + ....., Freiherr, von seinem Onkel Ludwig Carl Wilhelm Freiherr von Wackerbarth 1811 adoptiert; am 30.06.1817 in den preußischen Freiherrenstand erhoben; führte den Namen Freiherr von WACKERBARTH gnt. BELLING, Herr auf Preußisch-Kretschen, königlich-preußischer Rittmeister im Husarenregiment Fürst Anhalt-Pless, Rybnik, Schlesien 25.09.1806 Charlotte von Wittke *Rybnik 1786 +Preiskretscham 1837, Tochter von Joachim Friedrich von Wittke und Jeanette Gottliebe Erdmuthe von Zimietski, er hinterließ nur Töchter 447, darunter

a. Helene Caroline Ernestine Wilhelmine von WACKERBARTH-BELLING *Rybnitk um 1815 +Berlin 02.11.1889, Friedrich von der LANKEN, Major


Carl Friedrich Bernhard von WACKERBARTH gnt. BELLING



Henriette Wilhelmine von WACKERBARTH

(XVIII – 157); *20.02.1738 +(1817), Tochter von Anton Heinrich (II), Heinrich Erdmann von KÖCKRITZ, Rittmeister, Erbherr auf Siewisch



Joseph Friedrich Erdmann von WACKERBARTH

(XVIII – 158); *23.07.1740 +29.12.1800, Sohn von Anton Heinrich (II), Erbherr auf Kogel, Mutung des Lehnsgutes zusammen mit seinem Bruder August Heinrich Ferdinand 448, blieb unverheiratet



August Heinrich Ferdinand von WACKERBARTH

(XVIII – 159); *31.01.1745 +30.07.1822, Sohn von Anton Heinrich (II), Erbherr auf Koschendorf, mitbelehnt mit Kogel 449, Sophie Augusta von OERTZEN (* ..... +1822)


Kinder:

  1. Joseph Ludwig August > XIX-168

  2. Wilhelmine > XIX-169



Juliana Christiana von WACKERBARTH

(XVIII –160); *25.03.1746, Tochter von Anton Heinrich (II), N. von RIETZ, Major



Ludwig Carl Wilhelm Freiherr von WACKERBARTH

(XVIII – 161), * Koschendorf 17.11.1747 +Briesen 03.04.1817, Sohn von Anton Heinrich (II), Leutnant, Erbherr auf Groß Briesen und Guhrow, Mitlehensträger auf Kogel, Helene von BOMSDORFF a.d.H.Weissagk bei Forst; die Ehe blieb ohne leibliche Erben.


Ludwig Carl Wilhelm von Wackerbarth war zunächst Hauptmann in preußischen Diensten. Er hatte zunächst Anteile eines Gutes in Werben gekauft, dieses aber wiederverkauft und dafür 1797 von dem Dichter Heinrich von Kleist dessen nahe gelegenes Gut Guhrow mit knapp 300 ha erworben, dass im Zuge der Steinschen Reformen 1807 aber wieder verlorenging 450. Die im Anschluss bis 1836 geführten Prozesse führten zu keiner Rückgabe des Gutes. 1783 kaufte er dann das im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben liegende Rittergut Briesen im Spreewald, wohl vom Erbteil seiner Mutter. Am 10.03.1810 wurde er in den Freiherrenstand des Königreichs Sachsen erhoben, mit Wappenverbesserung 451. Das freiherrlich von Wackerbarthsche Wappen von 1810 ist Geviertet von Gold und Rot mit Herzschild (Wackerbarthsches Stammwappen) 1 und 4 ein schwarzer Adler aus dem Spalt wachsend, 2 und 3 ein silberner LöweZwei Helme: I. zum Stammwappen, doch statt des Hutes ein roter und silberner Wulst, der auch zwischen den Schäften noch mit Pfauenspiegeln besteckt ist. II. Ein schwarzer Adler, Decken rot, silber und schwarz, gold Schildhalter: ein goldener Löwe und ein schwarzer Adler. Sein Neffe Adolph von Bomsdorff, den er am 30.05.1809 adoptiert hatte, erhielt am 12.12.1811 den Freiherrenstand unter Vereinigung von Namen und Wappen Wackerbart und Bomsdorff 452. 1811 adoptierte Ludwig von Wackerbarth auch seinen Stiefsohn und Neffen, den preußischen Major Carl Friedrich von Belling, der am 30.06.1817 in den preußischen Freiherrenstand erhoben wurde. 453


Wappen des Freiherrn Ludwig von Wackerbarth (1810)


Ludwig Carl Wilhelm von Wackerbarth war mitbelehnt mit Kogel. Er soll dort bei der Einsetzung der Zwangsverwaltung einen schönen Schimmel als sein Eigentum mitgenommen haben, aber eigenartigerweise keine Familienpapiere. „Vielleicht lag ihm das alles zu weit weg, von der Entfernung sicher und vom Familiengefühl her auch. Sein Ururgroßvater war der letzte volle Besitzer auf Kogel gewesen, schon sein Urgroßvater hatte seine Ansprüche aufgegeben, der Raugraf (XIX – ) war für ihn eine Strafe Gottes“ 454.



Eleonore Henriette von WACKERBARTH

(XVIII – 162); *07.07.1749 + ....., Tochter von Anton Heinrich (II), Johann Friedrich von MAURITIUS (*29.03.1737 +1817)




Die neunzehnte Generation:



August Joseph Ludwig „Raugraf“ von WACKERBARTH 455

Gut Kogel: Gemarkung


(XIX – 168); *Koschendorf 07.03.1770 +Niederlößnitz (Wackerbarthsruh) 19.05.1850/□ Radebeul, Sohn von August Heinrich Ferdinand, Herr auf Kogel 456, sächsischer Historiker, Kunsthistoriker, Kunstsammler, Abenteurer, Güterbesitzer, Reisender, Gelehrter und Philosoph, 1804 (oIo 1811 457) Friederike Sophie von SCHWENDENDORFF a.d.H. Dölitz, o-o Sophie WEYDEMANN (Hamburg)


Kinder:

  1. Hermann (II) > XX-171

  2. Teut (Theobald) > XX-172, > legitimierte Linie


August Joseph Ludwig Graf von WACKERBARTH


August Joseph Ludwig von Wackerbarth war eine schillernde, tragische Figur 458. Mit 12 Jahren kam er für ein Jahr zu den Großeltern nach Musske, wo er mehrere Privatlehrer hatte und ein Jahr lang die öffentliche Schule besuchte. Dann ging er vier Jahre auf die Stadtschule im Kamenz, danach zwei Jahre auf die Hochschule nach Wittenburg und zwei Jahre an die Universitäten Leipzig und Göttingen. Danach lebte er ein Jahr in Dresden und Leipzig, ging dann nach England, Amerika, Ostindien und hielt sich nach seiner Rückkehr abwechselnd überwiegend in Wien, Hamburg und Dresden auf. Nach weiteren reisen nach


In Mecklenburg besaß er für kurze Zeit Grünhof im Landkreis Ludwigslust. Als er durch Abtretung von seinem Vater und seinem Onkel Ludwig Carl Wilhelm das alte Familiengut


Kogel erhielt 459, glaubte er den uralten Bürgschaftsstreit um Kogel wieder aufnehmen zu müssen 460 und machte dabei als Schuldner das dänische Königshaus aus. Seine Forderung, mit der er sogar bei Napoleon I. und beim Wiener Kongress vorstellig wurde, bezifferte er auf 299 Millionen Louisdorr! (> siehe Anhang). Insgesamt mehr als drei Jahrzehnte führte er diesen kräfte- und geldverschlingenden Rechtsstreit. Sein Vermögen schmolz dahin und Kogel wurde schließlich unter Sequestur gestellt 461. Wackerbarth selbst wohnte um diese Zeit schon längst nicht mehr in Kogel. 1808 hatte er den von seinem Großonkel August Christopher errichteten Ruhesitz, das Schloss „Wackerbarth Ruh“ in der Lößnitz, gekauft, das er aber bereits 1816 durch Konkurs wieder verlor. 1824 konnte er es erneut kaufen und musste es, nachdem das Anwesen um 1840 die größte Ausdehung erreicht hatte, 1846 wieder versteigern lassen. Er hatte dort am Belvedere, dem Gartentempel, eine Inschrift anbringen lassen: „Menschengeschlechter ziehen vorüber, wie die Schatten an der Sonne“. Wackerrbarth lebte in seinen letzten Lebensjahren auf dem Weingut Zechstein in Zitschewig und starb völlig verarmt. Sein Grabstein steht heute auf dem Friedhof in Radebeul..


Schloß Wackerbarthsruh
(Zeichnung Rüdiger von Wackerbarth)














Privat war Joseph Ludwig August von Wackerbarth ein Sonderling, überspannt, gutartig, höflich, doch eben völlig weltfremd und blauäugig. Als ihn seine Frau nach kurzer Ehe verlassen hatte, wandte er sich an seinen Lehnsherren, den dänischen König, mit der Bitte, er möge sie „ihm wieder einfangen und zurückbringen“. Der „Raugraf“ versuchte sich auch als Schriftsteller und schrieb eine große Anzahl von Büchern 462, in denen er die abstrusensten Theorien vertrat. Er besaß eine große Kunstsammlung von ca. 4000 Exponaten (Kupferstiche, Holzschnitte, alte Handzeichnungen, antike Urnen, Vasen, Waffen und Gemälde).


Nachdem sein legitimer Sohn bereits 1839 verstarb, erlosch mit August Joseph Ludwig „Graf“ von Wackerbarth die echte, alte Wackerbarthsche Linie und Kogel wurde als Lehnsgut von der dänischen Krone eingezogen und an einen von Bülow weitergegeben.


Grabstein August Joseph Ludwig Graf von WACKERBARTH



Wilhelmine von WACKERBARTH

(XIX – 169); * ..... + ....., Tochter von August Heinrich Ferdinand, Erbin von Koschendorf, vererbte das Gut an ihren legitimierten Neffen Teut von Wackerbarth, 1803 Ferdinand Leopold von BOELTZIG



Die zwanzigste Generation:


Hermann (II) von WACKERBARTH

(XX – 171); *(1807) ++26.07.1839, Sohn von August Joseph Ludwig, promovierte zum Dr. jur, ertrank in der Elbe



Die legitimierte Linie von WACKERBARTH



Sächsischer Adelsstand als „von Wackerbarth“ Dresden 03.12.1847 für Teut Wackerbarth, den legitimierten Sohn des „Raugrafen“ August Joseph Ludwig von Wackerbarth 463. Das Wappen ist das des Lauenburgisches Uradelsgeschlecht: Schild von silber und rot quadriert, ohne Bild; auf dem rot-silbernen bewulsten Helm mit gleichen Decken ein Pfauenstoß zwischen zwei auswärts-gelehnten, oben je mit drei Pfauenfedern bestandenen rot-silbernen übereck-geteilten Schäften 464.


Wappen: von Wackerbarth (legitimierte Linie)
(Abb. bei Siebmacher)



Stemma: von WACKERBARTH (legitimierte Linie)



Die zwanzigste Generation:


Dr. med. Teut (Theobald) von WACKERBARTH

(XX – 172); *Hamburg 09.10.1816 +Koschendorf 30.04.1904, Sohn von August Joseph Ludwig auf Koschendorf, Leipzig 30.04.1848 I. Mathilde von WEBER (*Dresden 1827 +ebd. 1865), aus Zschillichau bei Bautzen, II. 1866 Marie KUBITZ (*Hoyerswerda 20.07.1843 +Koschendorf 10.05.1907)


Kinder:

  1. Else *Koschendorf 20.11.1866 > XXI-178

  2. Theobald Otto *Heimburg 26.05.1869 > XXI-179


Theobald oder Teut von Wackerbarth, wie er sich später nannte, war ein nichtehelicher Sohn von August Joseph Ludwig von Wackerbarth und Sophie Weydemann. Am 03.12.1847 wurde er in Sachsen mit dem Namen von Wackerbarth und dem unveränderten Wappen legitimiert 465, wogegen seine Tante Wilhelmine aufs heftigste protestierte 466.Das Diplom datiert vom 08.11.1848. Da er nach dem im Herzogtum Lauenburg geltenden Adelsrecht nicht lehensfähig war, fiel das Gut Kogel, nachdem es über 650 Jahre im Besitz des wackerbarthschen Geschlechts gewesen war, 1850 der Krone Dänemark anheim 467. Teut von Wackerbarth studierte, nachdem seine persönliche Basis gesichert war, Medizin und wurde Augenarzt.


Von seiner Tante Wilhelmine, die ohne leibliche Erben geblieben war, wurde er als Erbe ihres Besitzes Koschendorf eingesetzt. Er vergrößerte das dortige Gutshaus und legte ein Erbbegräbnis an. Außerdem besaß er das von ihm ausgebaute Heimburg bei Niederheimbach (Landkreis Bingen) am Rhein.




Die einundzwanzigste Generation:



Else von WACKERBARTH

(XXI – 178); *Koschendorf 20.11.1866 +Krossen 26.07.1887, Tochter von Teut, Hugo Karl Heinrich von DOBSCHÜTZ *Friedersdorf 23.09.1858 +Cottbus 07.12.1899, Sohn von Hans Heinrich Hugo von Dobschütz und Emilie Schützenhofer



Theobald Otto von WACKERBARTH

(XXI – 179); *Heimburg b. Niederheimbach a, Rh. 26.05.1869 +Cottbus 09.05.1927, Erbherr auf Koschendorf, königlich-preußischer Major der Reserve, Ehrenritter des Johanniterordens, Küstrin 09.05.1898 Elsbeth RICHTER (*Küstrin 11.07.1876 +1962), Tochter des Fabrikbesitzers Oskar Richter und der Helene Meyer

Kinder:

  1. Hans-Joachim Theodor Oskar *Koschendorf 26.01.1899 > XXII–185

  2. Marquardt Conrad *Koschendorf 04.05.1902 > XXII-186




Die zweiundzwanzigste Generation:



Hans-Joachim Theodor Otto von WACKERBARTH

(XXII –185 ); *Koschendorf 26.01.1899 +in den USA ...., königlich-preußischer Leutnant a. D., Betrüger, wurde vom Vater enterbt und wanderte in die USA aus (Smoky Mountain Farm, Route 1, Lake Toxaway, North Carolina), I. New York 02.06.1927 (oIo 1937 Berlin) Gertrud MEYER (*New Orleans 20.12.1906 + ....., sie in II. Wien 14.10.1941 Max Eugen Graf von Tauffkirchen zu Guttenberg auf Ybm *Ansbach 10.11.1896 + ....., Oberstleutnant a. D.), Tochter des Präsidenten der „Gans-Dampfschiff-Linie“ Richard Meyer und Selma NN., II. Santa Cruz/Californien 1952 (oIo 1955) Maud Elsa Freiin OTTER (*Karlskrona 09.11.1911 +2001), Tochter des königlich-schwedischen Oberstleutnants Friedrich Edmund Freiherr Otter und Else Thomasine Freiin Wrede auf Elima (New York), III. (oIo) Lilly KRAYER (* ….. + .....), IV. N. NN.


Kinder

  1. Harro (Henry) MEYER (XXIII–190); *Berlin 15.06.1929 + ....., von den Großeltern adoptiert, nahm den Familiennamen seiner Mutter an



Marquardt Conrad von WACKERBARTH

(XXII – 186); *Koschendorf 04.05.1902 ++Posen 17.02.1945, Erbherr auf Koschendorf und Bolbritz b. Bautzen, Rittmeister der Reserve im Reiterregiment 10, Buro b. Coswig 26.11.1927 Franziska Eugenie Renate BRENNECKE (*Wittenberg 20.11.1901 +Innien 01.09.1960), Tochter des königlich-preußischen Hauptmanns a. D. Max Rudolf Hermann Brennecke (*05.07.1869 +08.01.1915) und er Margarete Bake (*24.11.1876 +22.11.1908) aus Innien/Kreis Rendsburg


Kinder:

  1. Heinrich Christoph Theobald Rudolf > XXIII–191

  2. Joachim Ivo > XXIII–192

  3. Ilsabe > XXIII–193

  4. Ines > XXIII-194




Die dreiundzwanzigste Generation:



Heinrich-Christoph Theobald Rudolf von WACKERBARTH

(XXIII – 191); *Cottbus 07.02.1929 + ....., Sohn von Marquardt Conrad, Farmer in Sangudo/Alberta in Canada, Gertrud BLECHER (*1930)


Lageplan von Koschendorf und Briesen


Koschendorf: Herrenhaus (alte Ansicht)

Kinder:

  1. Ingrid (XXIV-204) *1960, 1986 (oIo 1992) Donald CAVEY

  2. Ilka-Renate (XXV-205) *1962

  3. Kim-Birgit (XXV-206) *1967

  4. Gitta (Sabine) (XXV-207) *1970


Koschendorf: Wappen am Gutshaus



Joachim Ivo (II) von WACKERBARTH

(XXIII – 192); *Koschendorf 08.07.1931 + ....., Sohn von Marquard Conrad, Farmer in Sangudo/Alberta in Canada, Saskatschewan 16.05.1953 Käte SCHUSTER (*Böttensohl/Kreis Salzwedel 09.08.1930 + .....), Tochter des Landwirts Georg Schuster und der Hildegard Kuthe


Kinder:

  1. Kristin Susan (XXIV-208) *Mayersthorpe/Alberta 07.09.1954, Derek DEMERS

  2. Anette Sybille (XXIV-209) *Edmonton/Alberta 30.07.1956, Richard ZOLMER

  3. Ingo (XXIV-210) *1961



Ilsabe von WACKERBARTH

(XXIII – 193); *Cottbus 07.08.1936 + ....., Tochter von Marquardt Conrad, staatlich geprüfte Hauswirtschaftsleiterin in Reno/Nevada (USA), Frederic von LANG



Ines von WACKERBARTH

(XXIII – 194), *Cottbus 07.08.1936 + ....., Tochter von Marquardt Conrad, technische Assistentin, Dr. Peter SEIDEL, Köln






Die Freiherren von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF



Stemma: von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF



Gutshaus Bomsdorff


Die von Bomsdorff gehörten dem niederlausitzischen Uradel an. Ihren Namen trägt das Geschlecht nach seinem gleichnamigen Stammsitz bei Guben. Erstmals namentlich wird am 18.11.1310 Frenzil von BOMSDORF 468. August Rudolf von Bomsdorff wurde am 13.10.1748 von König Friedrich II. von Preußen in den preußischen Freiherrenstand mit dem Incolate in Schlesien erhoben. In Schlesien besaß die freiherrliche Linie Dobritsch, Endersdorf, Gorpe, Jacobskirch, Klinkenhaus, Kuchendorf usw.


Wappen von Bomsdorff


Das Stammwapen der Familie von Bomsdorff 469 ist von Silber über Blau schrägrechts geteilt mit 3 roten Rosen auf der teilungslinie. Kleinod: 2 Hörner: silbern-blau, je an der Außenseite mit 5 schwarzen Hahnenfedern besteckt. Decken blau-silbern.


  

Wappen von Wackerbarth gnt. von Bomsdorff (1811)
(links bei Siebmacher, rechts bei Rüdiger von Wackerbarth, Stammtafel nach 1600)


Aus dem Hause Weissagk heiratete Helene von Bomsdorff den 1810 in den Freiherrenstand erhobenen Ludwig von Wackerbarth. Da diese Ehe kinderlos blieb, adoptierte Ludwig von ackerbarth 1809 seinen Neffen Adolph von Bomsdorff, der am 12.12.1811 unter Vereinigung von Namen und Wappen Wackerbart und Bomsdorff in den preußischen Freiherrenstand erhoben wurde (von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF). Das Wappen 470 ist geviertet, im Herzschild das Wappen von Bomsdorff – von Silber und Blau schräggeteilt mit drei roten Rosen auf der Teilungslinie - - 1 und 4 Wackerbart Stammwappen, 2 in Rot ein silberner Löwe, 3 in Gold aus dem Spalt kommend ein schwarzer Adler. Drei Helme: I. ein roter, silberner Wulst, der auch zwischen den Schäften noch mit Pfauenfedern besteckt ist; II. zwei Hörner, silber, blau, außen mit silbernen Federn besteckt; III. ein schwarzer Adler. Decken rot, silber, blau und schwarz, gold; Schildhalter ein goldener Löwe und ein schwarzer Adler.



Die achtzehnte Generation:



Adolph Leberecht Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XVIII -170); den Gutsbesitzer Adolf von Bomsdorff (*Weissagk 11.12.1781 +Mittel-Linderode 12.04.1862), Sohn des Heinrich Rudolf von Bomsdorff (*Weissagk 24.05.1735 +05.04.1804) und der Gottliebe Henriette Sophie von Buxdorff (*1752 +1819), Herr auf Ober- und Mittel Linderode, Tielitz, Briesen und Guhrow, Königlich-sächsischer Freiherrenstand 12.12.1811, Diplom 10.04.1816; Ehrenritter des Johanniterordens, Kittlitz i. M. 17.07.1810 Sophie Philippine von LANGENN *27.05.1793 +24.07.1858), Tochter von Friedrich Moritz Sigismund von Langenn auf Kittlitz und Christine Ernestine von Steinkeller a.d.H. Krügersdorf als Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF 471.


Kinder:

  1. Ludwig Friedrich Moritz *Linderode 20.06.1811 > XIX-173,

Erbe auf Linderode und Tielitz

  1. Therese Helene Ernestine *Linderode 15.07.1816 > XIX-174

  2. Agnes Sophie *Linderode 18.11.1817 > XIX-175

  3. Emilie Antonia *Linderode 10.08.1821 > XIX-176

  4. Otto Julius *Linderode 10.03.1823 > XIX-177

Erbe auf Briesen und Guhrow


Adolph von Bomsdorff war Neffe des kinderlos gebliebenen Freiherrn Ludwig von Wackerbarth, von dem er am 30.05.1809 adoptiert worden war. Er besaß als von Bomsdorffsches Erbe das Gut Mittel-Linderode C mit Tielitz und erwarb das bis dahin im Besitz der Zeschau befindliche Gut A in Ober-Linderode hinzu, das zuletzt Balthasar Heinrich Erdmann von Zeschau (+1810) besessen hatte. Briesen und Guhrow bekam er als Erbe seines Adoptivvaters Ludwig von Wackerbarth.




Die neunzehnte Generation:


Ludwig Friedrich Moritz Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XIX - 173); *Linderode 20.06.1811 +ebd. 21.02.1881, als ältester Sohn erbte er die von Bomsdorffschen Güter in Ober- und Mittel-Linderode und Tielitz, Ehrenritter des Johanniterordens, Potzdam 04.10.1845 Sophie Wilhelmine Clara von BÜNAU (* Spandau 15.07.1829 +Görlitz 15.05.1882, in II. Görlitz 15.05.1882 Heinrich SEYDEL * ..... +Görlitz .... auf Liebesitz und Guben, Königlich-preußischer Major), Tochter von Rudolph von Bünau und Karoline Christine von Zabeltitz (+23.11.1832)


Kinder:

  1. Konrad *Linderode 31.01.1848 > XX-180



Linderode: Kirche



Therese Helene Ernestine Freiin von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF


(XIX - 174); *Linderode 16.07.1816 +Brunzelwaldau 02.10.1880, 15.07.1834 August E. Freiherr von TSCHAMMER (*07.04.1801 +12.01.1875) Majoratsbesitzer auf Quaritz, Sohn von Theodor Freiherr von Tschammer und Helene von Haugwitz

Kinder:

  1. Klara von TSCHAMMER *Quaritz 09.12.1886 +Dresden 14.02.1915, 04.07.1860 Friedrich Wilhelm Ludwig Adalbert von SEHERR-THOSS *Hohenfriedberg 25.12.1822 +ebd. 18.11.1880



Agnes Sophie Freiin von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF 472

(XIX - 175); Linderode *08.11.1817 +Buchelsdorf 21.01.1906, 05.04.1840 Arthur Friedrich Joachim Freiherr von KNOBELSDORFF *Buchelsdorf 28.12.1813 + …..

Kinder:

  1. Helene Therese Sophie Tugendreich von KNOBELSDORFF *Buchelsdorf/Schlesien 18.02.1842 +Reichenau 04.07.1863, Buchelsdorf 22.03.1862 Gustav von NOSTITZ-WALLWITZ *Dresden 31.10.1827 +ebd. 10.11.1903

  2. Agnes Lucie von KONOBELSDORFF *Buchelsdorf/Schlesien 30.05.1843 +Dresden 30.06.1922, Buchelsdorf 20.02.1869 Gustav von NOSTITZ-WALLWITZ (Schwager)



Emilie Antonia Freiin von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XIX - 176); *Linderode 10.08.1821 +23.01.1858, Albert von PLOETZ


Briesen: Gutshaus
(Zeichnung Rüdiger von Wackerbarth)



Otto Julius Freihherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XIX - 177); *Ober-Linderode 10.03.1823 +Groß Briesen 17.05.1904; Erbherr auf Briesen (er baute 1860 das Gutshaus um), Ziethenhusar, Königlich-preußischer Kammerherr, Mitglied des preußischen Herrenhauses, Rechtsritter des Johanniterordens, Berlin 30.03.1859 Susanne Alexandrine Helene Gertrud von BREDOW (*Berlin 02.10.1841 +Leontinenhof bei Görlitz 11.01.1918, Tochter von Karl Friedrch Wilhelm von Bredow (*Pessin 24.10.1799 +Charlottenburg 20.08.1871) und Louise Wilhelmine Amalie von Viereck (*Friedland 02.11.1803 +Haselhorst 24.05.1843), Enkelin von Dietrich Friedrich Wilhelm von Bredow (*1768 +1836)und Sophie Charlotte von der Hagen (*1770 +1844)


Kinder:

  1. Erich Leberecht Detlef *Rathenow 08.05.1861 > XX-181

  1. Oskar Leberecht Detlev *Rathenow 13.11.1862 > XX-182

  2. Ottilie (Tilla) Gertrud *Groß Briesen 08.03.1865 > XX-183

  3. Lilly Wilhelmine Sophie *Groß Briesen 19.05.1867 > XX-184


Die von Wackerbarth gnt. Bomsdorff sind eng verbunden mit dem Gut Briesen, auf dem seit Otto Julius bis 1945 eine eigene Linie ansässig war. Das im angestammten Siedlungsgebiet der Sorben liegende Gut mit 540 ha hatte 1783 Ludwig von Wackerbarth erworden und es seinem Adoptivsohn Adolf Leberent von Bomsdorff auf Linderode vererbt, der es wiederum an seinen jüngsten Sohn weitergegeben hatte. Briesen wird als Ort erstmals 1346 als Breßzine urkundlich erwähnt. Der slawische Ortsname bedeutet so viel wie „Birkenort“. Die Besitzfolge des häufig die Eigentümer wechselnden Gutes lässt sich zunächst nur lückenhaft rekonstruieren 473.


Lageplan von Briesen


1486

Hans und Caspar von SACHS (?von Luckewin) verkaufen ihr Gut an Johann von MÜHLEN, die von Markgraf Johann von Küstrin mit dem Dorf, allen Gütern, Zinsen und Renten belehnt werden. Mit Lehnbrief erhielt von Mühlen 1519 auch das Dorf Brahmow und Besitzanteile in Werben, Guhrow, Kunersdorf und Ruben. Die Familie verkaufte das Gut zwischen 1550 und 1576 an

1576

Hieronymus von MINCKWITZ wird 1576 mit Briesen belehnt

1586-1591

von BIRCKHOLTZ Besitzer

1591

Otto von HAKE auf Berge, Rat und Hauptmann zu Cottbus erwirbt Briesen

1617

sein Bruder Weigand von HAKE kauft Gut Brahmow hinzu, das bis 1781 mit Briesen vereinigt blieb

1664

der mit den Hakes verschwägerte General und Gouverneur der Festung Peitz, Hans Caspar von KLITZING (*1594 +1644), erwirbt Briesen mit Brahmow. Nach dem kinderlosen Tod seines Enkels Carl Philipp kaufte

1719

Wilhelmine Christiane Gräfin von SCHÖNBURG-GLAUCHAU die Güter, veräußerte sie aber schon an

1735

Franziskus Matthäus Freiherrn von VERNEZOBRE de LAURIEUX (+1748). Der aus einer Hugenottenfamilie stammende und 1724 in den preußischen Adels- und Freiherrenstand erhobene Kaufmann hatte ein beträchtliches Vermögen erwirtschaftet, das er in Gütern auf dem Barnim (1721 Hohenfinow und Tornow, 1731 Sommerfelde), in der Uckermark (1731 Polßen) und in der Niederlausitz (1733 Krieschow und Milkersdorf) anlegte. Vernezobre ließ das Barockschloß erbauen, das im Inneren zur Hälfte aus dem spätmittelalterlichen Vorgängerbau bestand. Nach seinem Tode erbte der Sohn

Friedrich Wilhelm von VERNEZOBRE, Landrat des Kreises Cottbus, die Niederlausitzer Güter Krieschow, Milkersdorf, Briesen und Brahmow. Infolge des Siebenjährigen Krieges, von Fehlinvestitionen und einer Viehseuche auf seinen Gütern war er schließlich so verschuldet, dass seine Gläubiger sein Landratsgehalt mit Arrest belegten und seine Güter unter Zwangsverwaltung stellen ließen. Kurz vor seinem Tode wurde der Konkurs über sein Vermögen eröffnet. 1779 musste er Krieschow an Johann Alexander von Normann veräußern und im Konkurs von 1781 wurden Brahmow und Milkersdorf seinen beiden Töchtern Johanna Chrstiana Louisea und Friederica Wilhelmina Augusta verh. Von Normann zugeschlagen. Bereits


Briesen: altes Gutshaus (um 1909)


1766


hatte er Briesen an Carl Gustav con ROEBEL verkauft. Von ihm erwarb dann

1783

Ludwig von WACKERBART Briesen

Die Briesener Kirche, gegen Ende des 15. Jahrhunderts errichtet, enthält bedeutende spätmittelalterliche Wandmalereien, die erst von einigen Jahrzehnten wieder entdeckt und freigelegt wurden. Sie datieren aus dem Jahr 1486 und zeigen die Passion Christi, die Kreuzigung und das fast zerstörte Jüngste Gericht. Weiter zu sehen sind Stifterfiguren, Mönche und junge Männer, deren Deutung aber unsicher ist. Ferner befinden sich in der Kirche mehrere barocke Prunkepitaphien der Familie von Klitzing. Der Dachturm wurde 1804 hinzugefügt. Vor der Kirche befindet sich das denkmalgeschützte Grab von Ludwig von Wackerbart und seiner Ehefrau Helene von Bomsdorff.




Die zwanzigste Generation:



Konrad Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF


(XX - 180); *Linderode 31.01.1848 +Mildenau 12.02.1927, Erbhherr auf Ober-Linderode, I. Berlin-Lichtenberg 04.11.1881 Dorothea (Doris) PRIEVER * (Krossen 27.03.1838 + Linderode 30.07.1903, in I. Krossen24.06.1860 Rudolf von BUNAU * ..... +Berlin 04.06.1874, Königlich-preußischer Hauptmann), II. Linderode 28.01.1911 Elisabeth HAUSWALDT *Magdeburg 27.03.1878) +Upen b. Goslar 10.09.1945, in I. Magdeburg 27.03.1897 Hermann von VAHL *Gahlkow 30.07.1867 +Mildenau 23.01.1910, Herr auf Mildenau), Tochter des Fabrikbesitzers und Kommerzienrats Johann Wilhelm Hauswaldt (*Magdeburg 28.06.1846 +ebd. 19.11.1900) und der Elisabeth Marianne Koehne (*18.10.1852 +Berlin 11.03.1905) aus Klein Ottersleben und Enkelin von Johann Georg Hauswaldt (*Braunschweig 17.05.1813 +Magdeburg 18.12.1872) und Emilie Auguste Bouvier (*Magdeburg 10.07.1821 +ebd. 29.11.1888)


Kinder:

  1. Adolf Konradin (I) *Mildenau 26.11.1911 > XXI-187



Erich Leberecht Detlef Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XX - 181); *Rathenow 08.05.1861 +Nieder Lößnitz 18.11.1897, Tamsell/Kreis Landsberg 06.10.1891 Margarethe Angelique Gräfin von SCHWERIN *Tamsel 31.07.1865 +Potzdam 26.03.1940, sie in II. Neuenburg 30.09.1905 Heinrich Freiherr von GAGERN * ..... +Potzdam 07.09.2942, Großherzoglich-hessischer Kammerherr, Vizepräsident des Rechnungshofes), Tochter des preußischen Leutnants Bogislav Konrad Adolf Graf von Schwerin (*Wolfshagen 20.11.1830 +Berlin 19.05.1899) auf Tamsel und der Pauline von Sichart (*Leipzig 19.06.1835 +Potzdam 16.03.1902).



Oskar Leberecht Detlev Freiherr von WACKERBARTH gnt von BOMSDORFF

(XX - 182); *Rathenow 13.11.1852 +Briesen 07.06.1937, Erbherr auf Briesen, Königlich-preußischer Regierungsrat, Landrat, Mitglied des Preußischen Herrenhauses, Rechtsritter des Johanniterordens, Dresden 19.11.1897 Olga Gertrud Wanda Amalie Sophie KALAU vom HOFE (*Glogau 06.10.1862 +Briesen 02.01.1945), Tochter des Königlich-preußischen Hauptmannes Achilles Kalau vom Hofe und der Wanda Trzebinska a.d.H. Karniszewo/Provinz Posen


Kinder:

  1. Egon Detlev Leberecht *Cottbus 11.10.1898 > XXI-188

  1. Christa Olga Gertrud Wanda *Cottbus 26.02.1900 > XXI-189

  2. Detlef Leberecht Oskar *Cottbus 12.04.1901 > XXI-190



Ottilie (Tilly) Gertrud Freiin von WACKERBARTH

(XX – 183); *Groß Briesen 08.03.1865 + (1928



Lilly Wilhelmine Sophie Freiin von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XX - 184); *Groß Briesen 19.05.1867 +Potzdam 06.12.1945; Ernst Max Bernhard Carl Gustav von KLINCKSTRÖM (*Drehnow 25.01.1856 +Potzdam 02.08.1936), Sohn von Thure Ernst Carl von Klinckström (+Schlesisch-Drehnow 26.11.1901) und Leontine Bernhardine von Schmettau (*Brauchitschdorf 20.03.1834 +Schlesisch-Drehnow 01.02.1906)


Kinder:

  1. Ernst Konrad Otto Thure von KLINCKSTRÖM *Fürstenwalde 03.07.1887 + …..




Die einundzwanzigste Generation:



Adolf Konradin (I) Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXI - 187); *Mildenau bei Schönwalde/Kreis Sorau 26.11.1911 +12.04.1983; letzter Erbherr auf Ober-Linderode, Diplomlandwirt, Bankkaufmann, lebte zuletzt in Wuppertal-Vohwinkel, Wernigerode 06.09.1943 (oIo) Renate MAUSBERG (*Jena18.09.1923 + .....), Tochter des Landwirts und Saatzüchters Dr. phil. Anton Mausberg (*Kempen 23.11.1885) und der Cläre Schreiber (*Duisburg 19.06.1886 + …..)


Kinder:

  1. Konradin (II) *Ober-Linderode 22.06.1944 > XXII-195

  2. Cornelia *24.10.1946 > XXII-196

  3. Christina *16.12.1954 > XXII-197



Egon Detlev Leberecht Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXI - 188); *Cottbus 11.10.1898 + (1974), Dr. jur., Rechtsanwalt und Notar, Major der Reserve, I. Greifswald 03.06.1922 Hedwig BREMER (*Greifswald 24.04.1897 +Berlin 06.01.1934), Tochter des Kaufmanns Louis Bremer und der Alwine Grosche, II. Augsburg 10.10.1934 (oIo München 1957) Hellene ROTH (*Ay bei Senden 04.06.1906 + .....), Tochter des Prokuristen Christian Roth und der Helene Haller, III. München 02.07.1957 Elfriede RADTKE (*Straßburg/Elsaß 24.01.1916 + .....), Tochter von Prof. Dr. phil. Wilhelm Radtke und Elisabeth Keding. Er verfasste 1973 eine Ausarbeitung über die Familie von Wackerbarth


Kinder:

  1. Ingeborg *Neuruppin 12.06.1923 > XXII-198

  2. Margot *Neuruppin 16.02.1926 > XXII-199

  3. Konrad Oskar Kudwig Heinrich Leberecht *Neuruppin 06.04.1930 > XXII-200



Christa Olga Gertrud Wanda Freiin von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXI - 189); *Cottbus 26.02.1900) + (1985), Karlsruhe 20.10.1942 Egon von FOLLER *Wickendorf bei Schwerin 23.05.1900) + (1986), Landwirt, die Ehe war kinderlos



Detlef Leberecht Oskar Adolf Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXI - 190); *Cottbus 12.04.1901) + (1986)/ □  Rethmar     königlich-preußischer Landrat im Kreis Cottbus, Ehrenritter des Johanniterordens, übernahm 1937 Briesen, Berlin 28.02.1928 Vera Clara Cäcilie von ZÜLOW (*05.03.1910 +München 12.04.2000) Tochter von Wilhelm Hans Otto Ernst Heinrich von Zülow (*Knorrendorf 25.07.1879 +Dresden 16.012.1919) und Armgard Klara Ottilie von Leers a.d.H. Schönfeld (*Lübeck 14.03.1884 +Berlin 29.07.1954), Enkelin von Hans Joachim Karl August Ulrich von Zülow (*1846 +1908) und Cäcilie Minna Fanny von Schumann (*1851 +1914)


Kinder:

  1. Rüdiger *Wischershausen 04.09.1929 > XXII-201

  2. Karin *Cottbus-Ströbitz 04.01.1935 > XXII-202

  3. Dietloff *Cottbus 23.07.1938 > XXII-203


Die Familie musste 1945 Briesen verlassen. Das Gut mit rund 500 ha wurde im Zuge der Bodenreform aufgesiedelt, das Gutshaus, das den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden hatte, auf Geheiß des damaligen Bürgermeisters 1946 abgebrochen. Der einst unter Beratung Fürst Pücklers angelegte kleine, mit Orangerie, Teichen und Grotte Schloßpark wurde mit einer Schule überbaut.




Die zweiundzwanzigste Generation:



Konradin (II) Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF


(XXII - 195); *Ober-Linderode 22.06.1944, Programmierer Wuppertal-Vohwinkel 23.11.1968 Ursel EBBINGHAUS *Hagen 11.03.1952, Tochter von Walter Ebbinghaus und Eia Exner


Kinder:

  1. Olaf Konrad *Hagen 11.02.1969 > XXIII-211



Cornelia Freiin von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXII - 196); *24.10.1946, Walter KOHLER



Christina Freiin von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXII - 197); *16.12.1954


Christina Freiin von WACKERBARTH


Ingeborg Freiin von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXII - 198); *Neuruppin 12.06.1923 +Esslingen 22.07.1963, Potzdam 09.12.1944 (oIo 1947) Karl MICHEL (*Altona 10.06.1909 + .... Dr. jur.).


Kinder:

  1. Sybille MICHEL * ….., in den USA verheiratet



Margot Freiin von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXII - 199); *Neuruppin 16.02.1926, Neuruppin 27.05.1944 (oIo Bremen 1953) I. Helmut MILBACH (*Labes/Kreis Regenwalde 22.04.1920 + ....., Steuerberater, II. Stuttgart 28.03.1953 Hans-Joachim von KNOBLAUCH (*Magdeburg 12.12.1910 + ....., Kriminaldirektor)



Konrad Oskar Ludwig Heinrich Leberecht von WACKERBARTH

(XXII – 200); *Neuruppin 06.04.1930, ledig



Rüdiger Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXII - 201); * Wischershausen/Kreis Demmin 04.09.1929, Geschäftsführender Gesellschafter der Starprint-Datendruck GmbH, Werbegraphiker, Künstler (Roger Baron), Ehrenritter des Johanniterordens, lebt in München, am Ammmersee und im 1986 erworbenen neuen Familiensitz Schloss Rethmar (Sehnde bei Hannover), Lerbach bei Bergisch-Gladbach 29.07.1960 Adelheid von FLEMMING *Potzdam 03.01.1938, Tochter von Karl Heino von Flemming a.d.H. Bassenthin (*1905 +1966) und Huberta Marie Ellen Gertrud Freinn von Münchhausen (*1912)


Rüdiger und Adelheid von WACKERBARTH mit den Söhnen Falk und Jens



Schloss Rethmar
(bei Rüdiger von Wackerbarth „das seh‘ ich aber anders“)


Kinder:

  1. Falk *München 20.11.1962 > XXIII-212

  2. Jens *München 22.11.1964 > XXIII-213

  3. Hanno (Johannes) *München 20.07.1967 > XXIII-214


Rüdiger von Wackerbarth, der unter dem Künstlernamen Roger Baron eine gefragter Portraitmaler ist, verfasste u. a. mit dem Werk „Die Häuser der Wackerbarths“ eine Geschichte dieses uralten Geschlechts, eine Biographie über die Marchesa die Balbia ni sowie aus Anlass seines 80ziggsten Geburtstages seine Lebensbeichte „Das seh‘ ich aber anders“. Das 1986 erworbene Schloss Rethmar wurde umfassend wiederhergestellt. Von der ein eindrucks vollen Empfangshalle führt ein mit Gemälden und Jagdttrophäen geschmückter Treppenaufgang in das Obergeschoss mit dem Wintersaal. Mit seinen klassizistischen Deckenmalereien und Kachelöfen ist er teilweise noch im Originalzustand aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhun derts erhalten. Darunter befindet sich der neu gestaltete Gartensaal, in dem regelmäßig Konzerte stattfinden.


Schloss Rethmar
(Zeichung Rüdiger von Wackerbarth)



Karin Freiin von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXII - 202); *Cottbus-Ströbitz 04.01.1935, München 29.08.1957 I. Hubertus Graf von ROEDERN (*Simsdorf/Kreis Trebnitz 24.02.1928 + ....., Kaufmann); II. Hermann RUILE (* .....).


Kinder:

  1. Tochter N. von ROEDERN * …..

  2. Tochter N. von ROEDERN* …..


Dietloff Leberecht Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXII - 203); *Cottbus 23.07.1938, Kaufmann, Immobilienmakler in München, Köln 24.05.1969 Renate BENNINGER (*Köln 25.03.1940), Tochter des Großkaufmanns Hermann Benninger und der Aenne Pieper


Kinder:,

  1. Alexander * München 13.07.1971 > XXIII-215

  2. Nicolas * München 31.05.1973 > XXIII-216



Olaf Konrad von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXIII-211) *Hagen 11.02.1969, Studium der Informatik mit Betriebswirtschaft, Geschäftsführer ber bws datentechnik GmbH, einem DATEV-Systemhaus mit Sitz in Hagen, seit 1997 im Honorarmanagement, Qualitätsingenieur, Mitglied des Arbeitskreises Banken und Finanzen (Basel II), lebt in Herdecke


Olaf Konrad Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF


Falk von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXIII-212); *München 20.11.1962, Dr. jur., Rechtsanwalt in Berlin


Studium in Freiburg und Bonn; Referandarausbildung in Hannover und Brüssel; 1987-1990 Fraktionsassistent beim Deutschen Bundestag; 1994 Rechtsanwalt in der Kanzlei Schön Nolte Finkelnburg & Clemm in Berlin, 1999 Rechtsanwalt in der Kanzlei Feddersen Laule Ewerwahn Scherzberg Finkelnburg & Clemm in Berlin; 2000 Rechtsanwalt bei White & Case,


Falk Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF


Jens Freiherr von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF



Feddersen in Berlin, seit 2002 Rechtsanwalt bei von Trott zu Solz Lammek in Berlin. Seine juristischen Schwerpunkte sind das Recht der offenen Vermögensfragen, Erbrecht und Immobilienrecht 474.



Jens von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXIII-213); *München 20.11.1964, Haus- und Grundstücksverwaltung in München, Katja DÖRKEN (*1965)


Nicolas und Alexander Freiherrn von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF


Hanno von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXIII-214); *München 20.07.1967



Alexander von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF


(XXIII-215); *München 13.07.1971, Unternehmer (KSAR GmbH, Holdinggesellschaft) in Unterföhring, N. NN.

Kinder:

  1. Sohn (XIV-217)



Nicolas von WACKERBARTH gnt. von BOMSDORFF

(XXIII-216); *München 31.05.1973, Filmregisseur, Autor und Schauspieler


Nicolas Wackerbarth 475 erhielt seine Schauspielausbildung an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München. Danach stand er ab 1996 am Schauspielhaus Frankfurt auf der Bühne und war von 1997 bis 2000 Mitglied des Ensembles der Bühnen der Stadt Köln. In Anschluss erlernte er Filmregie an der DFFB in Berlin. Sein Kurzfilm „Halbe Stunden“ wurde 2007 auf den Filmfestspielen in Cannes uraufgeführt. Der von der ZDF-Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“ produzierte Abschlussfilm „Unten Mitte Kinn“ (2011) wurde auf dem Filmfest München mit einer lobenden Erwähnung bedacht. 2011 fanden die Dreharbeiten zu seinem abendfüllenden Spielfilm „Halbschatten“ statt. Nicolas Wackerbarth ist Mitherausgeber der Filmzeitschrift „Revolver“. Er lebt in Berlin





Die WACKERBARTH auf Kogel: Stamm B,
Linie Kogel - Tüschenbek


Stemma von WACKERBARTH Kogel B
Linie Kogel-Tüschenbek



Die neunte Generation:



Detlef (V) von WACKERBARTH +nach 1501

(IX – 53); Knappe, Sohn Ottos (VII), Erbherr auf Kogel, Segrahn und Sterley 476, sachsen-lauenburgischer Geheimer Rat, Bruder von Hartwig (III), urk. 1494/1502 - Pella von PLESSEN a.d.H. Neuhof (*vor 1490+zwischen 1559/1574 über 90 Jahre alt, in II. Hartwig von LÜTZOW), Tochter von Klaus von Plessen (+vor 10.06.1494) auf Neuhof und Pella von Hasenkopf (+nach 1501)


Kinder:

  1. Claus > X-60

  2. Georg (I, Jürgen) > X-61, > Linie Mecklenburg

  3. Dorothea > X-62

  4. ?Simon > X-63

  5. ?Alheyd (Adelheid I) > X-64


Detlef (V) urkundet durchgehend zusammen mit seinem Bruder Hartwig (III), wobei er stets als erster genannt ist, vermutlich war er der ältere der Brüder. 1494 verpfänden die Brüder die von den Bauern zu Lehmrade für die Nutzung der feldmark Bannau ihnen zu zahlende Pacht an den Möllner Hans von Lübeck 477. Später sollen sie die Feldmark an die Stadt Mölln verkauft haben, von der sie Herzog Franz I. von Sachsen-Lauenburg wieder eingelöst habe 478. Am 02.04.1500 verkaufen Detlef (V) und Hartwig (III) ihren Untertanen Hinrik Moler in Klein Zecher an die Brüder von Parkentin 479. Weitreichende Folgen für die Familie hat es dann, als die Brüder am 25.12.1503 wiederkäuflich nach 100 Jahren für 1578 Mk.lüb. ihre Grundherrschaft Segrahn an Clemens von Bülow auf Gudow verkaufen 480 :


Wir Detleff und Hartwig Wackerbart, Brüder, wohnhafftig zu Kugell, im Stiffte Ratzeburg, bekennen und bezeugen offenbar, vor allem die diesen Brief sehen, lehsen, oder hören lehsen, daß Wir mit wohlbedachtem Muhte, mit unserm freyen willen, mit fulborde und willen unser Erben und alle denjennen, die daran rechte mit fulborden sollen; und besonderen nach Willen und Fulbord Unser gnädigen Herren von Sachsen etc., haben verkaufft, verlassen und aufgelassen, und gegenwärtigen, in Krafft dieser Schrifft, verkauffen, verlassen und aufflassen recht und redlichen, zu einem ewigen Erbkauff, dem düchtigen und Erenvesten Clementen von Bülow, und seinen rechten Erben, Erbehmern und dem Haber diesses Briefes, mit seinen und seiner Erben freyen willen, die sein geistlich oder weltlich, die Uns nun und noch in zukommenden ewigen Zeiten kommen mögen


  • Unser Dorff Lehsten, die wüste Dorffschede Feltmarck und Holtzungen zu Dargau (Dargenow), die halbe Feldmarcke Seggeran mit dem halben See und den halben Berg zu Seggeran mit der halben Horst zu Vellun, die Dorffstede zu Brodes-Ende und mit das Gerichte, was Unß zukombt im Dorffe zu Beßenthal und was wir vor Gerechtigkeiten daran haben, mit aller dieser vorgenanten Güthern, Zubehörungen und Gerechtigkeiten, alse daßelbige Guth zusamende und ein jetzliches bey sich, und allen seinen Enden, begriffen und lelegen ist, an Felder, an Ackern, Brüchen, Püschen, Holtzungen, hart und weich, fruchtbar und unfruchtbar, als das der Wind bewegen mag, nichts daraus. Zu bescheiden, wir alles das nun zu dem vorherbenanten Guthe zugehöret, mit allen Rechten und Richten, höchst und diedest, an Hand und Hals, und mit dem Rockhun vor fünffzehn hundert und acht und siebenzig gude genge Lübische Marck, die wir von ihme zu guter Gnüge, in einer Summen, zu dancke empfangen und gebört haben in Gudau, und die fort in Unser und Unser Erben nottürfftigen Nutzen und Frommen gekehret und ausgegeben haben.


Und wir vorgenannte Detlef und Hartich Wackerbarde, Brüder vor Uns und Unsere Erben, geben Macht und setzen den Düchtigen und Ehrenvesten Clement von Bülow, seine rechte Erben, und den Haber dieses Briefes mit ihrem guten willen, in Krafft und Macht dieses Briefes, und auch in der That, von Stund an, in die kundliche Besitzunge, in die aufnehmende habende brauchende ware, so daß der genannte Clemens von Bülow, und seine Erben oder Haber dieses Brieffes, sich sodann vorgeschriebener Dörffer und Güter, mit allen Zubehörungen, dar nichtes auszubenehmen, mag nutzlichen brauchen, und erblicher Weise ewigen besitzen, so sich deren unsere Eltern zuvor, und Wir darnach, gebrauchet haben, und unsere Eltern Uns dar aller freyest geerbet haben.


Wir und unsere Erben, auch niemand von unsernt wegen, sollen und wollen auf sodanne vorgeschriebene Dörffer und Güther, mit allen ihren Zugehörungen, nun und zu ewigen Zeiten, nimmer aufsagen, oder aufsagen lassen, sondern Wir und unsere Erben wollen und sollen Clemens von Bülow und seinen rechten Erben und Erbnehmern, und auch dem Haber dieses Briefes, mit ihrem guten Willen, dieses verschriebene Guth, mit aller Zugehörunge, ein recht warend sein, vor alle Ansprake eines jeglichen, er sey geistlich oder weltlich, und allen denen die vor Recht kommen wollen, und der Rechten geniessen und entgelten wollen, wie offt es Noth und Gehuef werde.


Jedoch haben wir oben geschriebene Wackerbarten vor Uns und Unsere Erben Uns behalten, auch hat Uns Clemens von Bülow, seine Erben und Haber dieses Briefes vergönnet, einen Wiederkauff sodaner Güther, wie oben geschrieben, nach dato dieses Briefs, über Hundert Jahr; und sodann vorgeschriebene hundert Jahre ume sein und Wir vorbenambte Wackerbarten unsere Erben und Nachkömlinge, sodann unsere Güther wieder zu uns kauffen wollen, so sollen wir den von Bülow, ihren Erben und dem Haber dieses Briefs, mit ihrem guten Willen, den Kauff verkündigen ein halb Jahr zuvor, und wann die Kündigung also geschehen ist, so sollen wir den obgeschriebenen von Bülow und ihren Erben, sodan fünffzehnhundert und acht und siebenzig gute Lübsche Marck, so zu Lübeck und Hamburg genge und geve sindt, in einer Summen entrichten, vergnügen und bezahlen, an einer bequämen Stätte, wie ihnen und ihren Erben das am bequemsten ist. Und so dann die Bezahlung gantz und all geschehen ist, in vorgeschriebener Weise, dann, nicht eher, sollen wir obbeschriebene Wackerbarten und unsere Erben, uns zu denen Gütern unterwinden, sondern die von Bülow und ihre Erben, sollen erst gäntzlich vergnügt und bezahlet seyn.


Und dieses zu fürder Sicher- und Wissenheit dieses Kauffes, Degeding, Verhandlunge und entkofftige Vereinigung, Seind an und ober gewesen, die diese vorgeschriebene Kauff-Artikel und Puncten dieses Briefes Wort verhandelt und degedinget, namentlich Panner Blicher zu Gamelin, Hartig Scharffenberg zu Sehdorff, Laurentz Schacke, die dieseas vorgeschriebenen Kauffes und Sache Handeler gewest sein.


Gegeben und geschrieben nach Christi Unsers Herren Geburt, tausend fünffhundert und drey, in den heiligen Weynachetn“


Segrahn hatte zur Hälfte bereits zu Gudow gehört. Die andere Hälfte ward von Clemens von Bülows Sohn Franz den Rantzau zu Putlos verpfändet. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts kam es um den Pfandbesitz zu langwierigen Streitigkeiten mit Busso von der Schulenbur, dem die Pfandgüter der Wackerbarth 1565 von Joachim von Bülow überlassen worden waren 481. Die Wackerbarth lösten 1573 mit Genehmigung von Herzog Magnus II. Segrahn wieder ein.


Detlef (V) von Wackerbarth starb bereits um 1506/1507. Seine Witwe Pelle überlebte ihn um Jahrzehnte. Die Landbederegister nennen sie für die Jahre 1517 bis 1531 als bedepflichtige Grundherrin in Kogel und Sterley. Sie verwaltete diesen besitz in dieser Zeit für ihre minderjährigen Söhne Claus und Georg. 1536 bestätigte sie, zusammen mit ihren beiden Söhnen, mit Joachim und Simon Wackerbart sowie Alheyt (I) Wackerbart die Stiftung der „Bruderschaft des Heiligen Leichnams“ zu Sterley 482. Noch am 17.01.1559 erklärt sich Frau Pelle Plessen, Witwe des Detloff Wackerbard zu Kugel vor Notar und Zeugen – u. a. ihr Sohn Claus Wackerbarde zu Kugel – hinsichtlich einer Äußerung, welcher in ihrer und ihres verstorbenen Ehemannes Gegenwart Hartich Scharpenberch zu Seedorf über seine Verwandtschaft mit Hans Scharpenberch zu Heede im Stifte Münster (Itzehoe) gesessen, getan hat 483. Es ging hierbei um das Erbe der Seedorfer Scharpenberg. Zwischen 1559 und 1574 ist Pelle von Plessen dann über 90jährig gestorben.




Die zehnte Generation:



Claus von WACKERBARTH

(X – 60); *um 1495 +nach 1577/um 1585, Sohn von Detlof (V), herzoglich sachsen-lauenburgischer Rat, mitbelehnt auf Kogel, lebte in Alt-Horst - I. um 1534 Hippolita SCHACK adH. Basthorst (+um 1553), Tochter von Luder (II) Schack auf Basthorst und Alheit von Lützow gnt. von Oppershausen, II. Barbara POGWISCH (+n. 29.02.1560), Tochter von Wolf Pogwisch auf Ehlersdorf und Anna Gadendorp, III. vor 1563 Ilsabe von BLÜCHER, adH. Lehsen, Tochter des Ewald von Blücher auf Lehsen und Anna von Sperling 484


Kinder

  1. Detlof (VI) > XI-67

  2. Willa > XI-68

  3. Otto (IX) > XI-69

  4. Luder (III) > XI-70

  5. Franz > XI-71

  6. Adelheid (II) > XI-72

  7. Anna Dorothea > XI-73

  8. Hippolita > XI-74

  9. Franz Heinrich > XI-75


Am 25.05.1543 vergleichen sich Claus Wackerbarth und Hartwig von Parkentin wegen der Abtretung von Ansprüchen auf den ehemaligen Wackerbarthschen Untertanen Hinrik Moler in Klein Zecher 485. 1557 schuldet Claus der Kirche in Sterley 30 Mk Zinsen 486. Am 17.01.1559 ist Claus Zeuge bei der Aussage seiner Mutter Pelle von Plesser über Äußerungen von Hertich Scharpenberg zu Seedorf bezüglich seiner Verwandtschaft mit Hans Scharpenberg zu Heede 487. Am 29.02.1560 setzt ihn seine zweite Frau Barbara Pogwisch zusammen mit seinem Sohn erster Ehe testamentarisch als Erben ein 488. 1573 kaufen Claus und sein „Vetter“ Hartwig (IV) vom Ratzeburger Domkapitel das Dorf Oldenburg, den See, den halben Clotesfelder Teich, den Zehnten, das jus patronatus der Kapelle, die wüste Feldmark Clotesfelde mit dem großen gestauten Moor, drei große Torfmoore, den Zehnten usw. für 5000 Mk lüb. Pf. 489


Die Wackerbarth schufen ein arrondiertes Gut, das ihnen als Allodialbesitz übereignet wurde, d. h., sie konnten diesen Besitz ohne Bestätigung (Mutung) des Landesherrn wieder veräußern. Sie gründeten nacheinander zwei Höfe: Alt Horst (zuerst Neurad genannt) sowie Neu Horst, das bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Meierhof bestanden hat. Zu den Pertinentien gehörten die Dörfer Oldenburg und Kehrwieder. Für 17 000 Kölnische Mk verkauften die Wackerbarth Alt Horst bereits 1666 wieder an den Lübecker Ratsherrn Diedrich von Brömbsen.


Alt Horst: Herrenhaus aus dem 17. Jhdt. (1864 abgerissen)


Aus der Zeit der Wackerbarth stammte das alte, im 17. Jahrhundert als Fachwerkbau errichtete, Herrenhaus im Renaissancestil, das 1864 abgerissen wurde 490.


Im Landeshauptarchiv in Schwerin befindet sich eine alte Abschrift von Eintragungen, die Claus Wackerbarth begonnen hatte. Er schrieb in Latein, sein Sohn Otto (IX) in Französisch und sein Enkel in Deutsch. Es sind kurze Notizen über Geburt, Taufe, Hochzeit und Tod und manchmal über glücklich verlaufene Reisen 491.


1574 verschreibt Claus Wackerbarth seinen Söhnen Otto (VI), Detlof und Franz das Lehengut Kogel. Zur Erbteilung kommt es 1577 492. Wem von den Söhnen das Los zufiel, der sollte Kogel bekommen, die anderen je 2000 Taler. Drei Töchter, Schwestern der ebenden Brüder, seien schon versorgt und für die letzten drei Kinder aus seiner dritten Ehe mit Ilsabe von Blücher, die vorläufig noch bei ihrem alten Vater bleiben sollten, sei später von den drei Brüdern, respektive von demjenigen, dem Kogel zufallen sollte, zu sorgen. 2000 Taler für den jüngsten Sohn Franz Heinrich und eine Aussteuer für die Töchter, genauso gut wie die der älteren Schwestern. Georg (VI), Otto (IX) und Franz würfelten und das Los fiel auf Otto (IX). Doch da machte der Onkel der brüder, der Stiftshauptmann von Bützow, Georg von




Wackerbarth (XII – 64) Ärger und weigerte sich entschieden, das aus seinem Anteil an Sterley verkaufte Geld herauszugeben. So musste die Erbschaftsangelegenheit neu verhandelt weden. Ein Schiedsgericht mit Freunden und Nachbarn wurde einberufen und eine Neubewertung versucht. Dabei stellte sich heraus, dass Anna Dorothea, eine Schwester Ottos (IX), die mit Heidenreich von Bibow verheiratet war, ihre Aussteuer noch immer nicht bekommen hatte. „Sie hatte ihren Brautschatz noch auf Kogel stehen“. Und auch die Erben des Joachim Wackerbarth, eines Vetters vom Stamm Kogel A, meldeten sich und machten Summen geltend, die der Stamm B ihrem Vater schuldete. Als Ergebnis würfeln die Brüder 1577 noch einmal und erneut fällt das Los auf Otto (IX). Dieser verpflichtet sich nun, die Schulden seines Vaters zu übernehmen und seinen Brüden je 605 Mk und 9ß auszuzahlen.



Georg/Jürgen (I) von WACKERBARTH

(XI – 61); > siehe Linie Mecklenburg



Dorothea (I) von WACKERBARTH

(XI - 62); *um 1445 +vor 1489, Tochter von Detlev (V) und Pella von Plessen; Heinrich von LINSTOW +nach 1506, Sohn von Achim von Linstow auf Lütgendorf und Hohen-Wangelin und Enkel von Claus von Linstow gnt. Kortemake und Anna von Pritzbuer 493


Kinder:

  1. Achim d. Ä. von LINSTOW +n. 1524, Catharina von SMECKER, Tochter von Mathias (IV) von Smecker und Agnesa von Hahn



Symon von WACKERBARTH

(XI – 63); 1536 bestätigte er zusammen mit Joachim, Clawes, Jorgen, der Witwe Pelle und Aleyt Wackerbarth die Stiftung der „Bruderschaft des Heiligen Leichnams“ 494. Wie er in die Stammtafel einzuordnen ist, lässt sich bislang nicht sagen. Es findet sich im Jahre 1536 in Wehren/Hessen ein weiterer Symon Wackerbarth. Zufall? Oder gibt es eine Verbindung?



Adelheid (I) von WACKERBARTH

(XI – 64); 1536 bestätigte Aleyt Wackerbarth zusammen mit Jochim, Clawes, Jorgen, Symon und der Witwe Pelle von Wackerbarth die Stiftung der „Bruderschaft des Heiligen Leichnams“ 495. Ihre Einordnung in die Wackerbarthsche Stammtafel ist bislang nicht möglich. 1537 gewährten die „Jungfern von Wackerbarth“ den Vorstehern der „Heiligen Leichnams Bruderschaft“ in Sterley die Berechtigung, auf dem Felde, wo sie bisher „Lin seyget hebben“, künftig der Bruderschaft zum Besten „Gerste oder anderes Korn zu bestellen und zu ernten“. Wer außer Adelheid (I) zu den „Jungfern von Wackerbarth“ gehört hat, hat sich nicht herausfinden lassen.


Die elfte Generation:



Detlof (VI) von WACKERBARTH

(XI – 67); *um 1535 +nach 15.01.1586/vor 1600, Sohn von Claus, braunschweig-lüneburgischer Rittmeister, Hofmarschall, wohnt auf Segrahn - 1594 Hippolita von DANNENBERG (* ..... + ....., in I. N. von der KNESEBECK, in III. N. von EINBECK)496


Hof Segrahn zur Zeit Detlofs (VI) von WACKERBARTH
(der jetzige Hof ist punktiert eingetragen)


Nach der Wiedereinlösung ihrer Pfandgüter Deutsch Segrahn und dem halben Horst Valluhn im Jahre 1572 nimmt Detlef (VI) auf dem Hof Segrahn seinen Wohnsitz 497. Der Rittmeister Hans Preen zu Modentin i. M. klagte Detlef an, dass ihn dieser 1579 bei der Belagerung von Maastricht wegen Beleidigungen angeklagt habe, worauf ihn ein Kriegsgericht verurteilt habe, in dem Herzog Franz I. von Sachsen-Lauenburg als Richter gesessen habe. Dieses Gericht sei nicht zuständig gewesen, das Verfahren ungültig. Als Hans Preen 1584 nun gegen Detlef klagte, suchte dessen Lehnsherr, Herzog Franz I. das Verfahren zu verzögern 498. 1586/1587 verwaltete Detlef zusammen mit seinen Brüdern Otto, Franz und Franz Hinrich für seinen Neffen Hardenack das Gut Katelbogen. In langwierigen Prozessen versuchte er vergeblich (u. a. 1586), den seiner Meinung nach nicht restlos zurückgegebenen Anteil an Segrahn von den von Bülow zurückzubekommen. 499. Er wird häufig wegen seiner guten Vertragstexte gelobt. Am 31.05.1582 erhalten Georg von Wackerbarth und seine Neffen Detlof (VI) und Otto (IX) vom Landesherrn die Bestätigung für ihren Lehnsbesitz 500.



Willa (?Dorothea) von WACKERBARTH

(XI – 68); * ..... + ....., Tochter von Claus, um 1555 Joachim von WINTERFELD a.d.H. Lunow (*Dalmin b. Grabow um 1520), er gewährt 1571 Herzog Franz I. von Sachsen-Lauenburg ein Darlehen



Otto (VIII) von WACKERBARTH

(XI – 69); *Kogel 09.03.1540 +/□ Schwerin 20.03./17.04.1599, Sohn von Claus, Erbherr auf Kogel, fürstlich-mecklenburgischer und niedersächsischer Landrat, Domprobst zu Schwerin, - Schwerin 1573 Anna von SPERLING a.d.H. Schlagsdorf (*Schlagsdorf 1550 +1599), Tochter des Georg von Sperling (+1560) auf Schlagsdorf, Reetz und Turow und Leveke von Bülow a.d.H. Zibühl (+1569). Anna brachte einen Anteil an Schlagsdorf mit in die Ehe 501, den sie dann aber an Cord von Sperling abtrat.


Kinder:

  1. Justina > XII-81

  2. Georg Detloff > XII-82

  3. Maria Blasia > XII-83

  4. Ulrich > XII-84

  5. Dorothea (II) > XII-85

  6. Eva > XII-86

  7. Elisabeth (III) > XII-87

  8. Sophia (I) > XII-88


Über das Der Domprobst Otto von Wackerbarth war zu seiner Zeit eine der hervorstechendsten Persönlichkeiten als führender Kopf der lauenburgischen Ritterschaft 502. Über sein Leben sind wir durch die auf ihn gehaltene Leichenpredigt 503 recht gut unterrichtet. Mit sieben Jahren kam er für drei Jahre auf die Domschule nach Ratzeburg zu Kanonikus Johannes Ernesti, danach mit zehn Jahren für weitere drei Jahre nach Lübeck zum Vikar Johannes Schlüter, „der damals fürnemer Leute Kinder aus den Geschlechtern unter seiner Disciplin gehabt“. Nach dem Tod der Mutter holte ihn der Vater 1553 nach Hause zurück. Damit war sein Ausbildungsweg abrupt abgebrochen und seine Chancen auf dem „adeligen Arbeitsmarkt“ mächtig reduziert. Sein Onkel Georg, Stiftshauptmann des Bistums Schwerin, Konnte seinen älteren Bruder davon überzeugen, dass Otto nicht länger zu Hause herumsitzen dürfe. Er nahm den Neffen unter seine Fittiche und förferte ihn, wo er nur konnte, „weil er vermerckt, Daß er eines feinen ingenii und zum studiren tüchtig gewesen, und hat ihn von seinem Vater zu sicgh genommen“. Zunächst schickte er Otto für drei Jahre auf die Stiftsschule nach Bützow, wo er bei den Kapitularen im Kapitel eingeschrieben wurde. 1557 schickte ihn der Onkel dann auf die Universität Rostock, wo er 3 ½ Jahre Theologie studierte. Dann ging er für weitere vier Jahre nach Wittenberg, um Jurisprudenz zu studieren. In Wittenberg wohnte er bei Justus Jonas, einem bekannten Reformator und bei Philipp Melanchthon junior. Sein Onkel Georg hatte schon früh dafür gesorgt, dass Otto ins Schweriner Domkapitel eingeschrieben wurde und ihm eine satte Pfründe zur Finanzierung seines Studiums verschafft. Als Herzog Ulrich 1566 zum Reichstag nach Augsburg reiste, erreichte Georg, dass sein Neffe ihn begleiten konnte und der Herzog sich von seinen Qualitäten ein Bild machen konnte. Dann kehrte Otto für ein weiteres Jahr nach Wittenberg zurück. Insgesamt verbrachte er neun Jahre auf Universitäten, „hat seine Jugend nicht mit fressen und saufen und anderer Üppigkeit zugebracht, wie dies heute auf Hochschulen so gebräuchlich ist, sondern hat fleißg und redlich studiert“. Otto von Wackerbarth war ein ungewöhnlich gebildeter Mann und seine weitere Karriere ein Beleg dafür, dass „die vom Adel löblich daran tun, wenn sie ihre Kinder und Freunde zur Schulen halten und auff ihre Studia etwas wagen und wenden, denn solche werden hernacher herfür gezogen, wie die erfahrung außweiset“.


Aus seiner Absicht, nach Beendigung des Studiums Bildungsreisen nach Frankreich und Italien zu unternehmen, wurde michts, zum einen wegen des niederländischen Krieges, der ihn hinderte nach Frankreich zu kommen, zum anderen, weil er „eben damals ins Schwerinische Consistorium beruffen und in in etzlichen fürnemen Rathschlägen mit gebrauchet ward ...überdies ist ihm auch eine zimliche gelegenheit, eine Erbjungfrau zu freyen zu handen gekommen ...“. Als frisch gebackener Domherr gehörte Otto von Wackerbarth 1570 zu den Stiftern drt prächtigen Renaissancekanzel im Schweriner Dom. Diese Kanzel, im vergangenen Jahrhundert abgerissen, enthielt ein Epitaph mit den Stifterwappen, darunter in der Mitte dass des jungen Otto von Wackerbarth.


1578 pachtete Otto das Gut Medewege, zu der Zeit die satteste Pfründe des Schweriner Domkapitels mit allen grundherrlichen Einkünften aus Gut und Dorf Medewege, aus Lankow, Dalberg, Hilgendorf, Hundorf und aus der „Bischofsmühle“ bei Schwerin. Dazu gehörte auch die Gerichtshoheit über diese Gebiete, so dass z. B. noch Einnahmen aus Geldstrafen abfielen. 1584 wird Otto von Wackerbarth zum Dekan des Domstiftes Schwerin gewählt, vermutlich mit kräftiger Unterstützung seines Onkels, des Stiftshauptmannes Georg von Wackerbarth und von Herzog Ulrich. Damit war Otto de facto Chef des Domkapitels, denn der nominelle Propst, Heinrich von der Lühe, ist permanent abwesend, weil er seine Hauptaufgabe als Stiftshauptmann von Halberstadt zu erfüllen hatte. 1586 verkauft das Domkapitel „dem Edlen Ernfestenn Otto Wackerbartten, zu Kugelle erbgesessen und seiner lieben Haußfrauen ... Unsere Wueste Hoffstette auf de Schelfen, mit aller Harligkeit, Frey- und gerechtigkeit“. Was Otto von Wackerbarth hier kaufte, war der Bauhof, die ehemalige bischöflicher Residenz, die ab spätestens 1423 verpachtet worden war. Sie gehörte ab 1479 als „Großer Bauhof“ dem Domkapitel und war 1584 deutlich verkelinert worden. 1590 errichtet Otto von Wackerbarth genau an der Stelle des Bischofshauses seinen Schweriner Amtssitz. In einer Steuerregister von 1593 wird „Otto von Wackerbarthen Hof“ un der Steinstraße genannt. Von diesem zweistockigen unterkellerten Gebäude sind heute nur noch Fachwerkteile (u. a. ein mit Schnitzereien versehener Türpfosten) und der Keller erhalten. Nach Ottos Tod übernahm zumnächst seine Witwe bis zur Volljährigkeit des ältesten Sohnes den Hof. 1591 wird Otto zum Propst des Stifts gewählt und von Herzog Ulrich in diesem Amt bestätigt. Damit erhält er noch eine Pfründe in Warksdorf bei Wismar.


Wirtschaftlich aufs Beste gestellt, ist Otto von Wackerbarth ein vielbeschäftigter Mann: Er war viele Jahre Assessor des fürstlich-mecklenburgischen. Der Herzog gebraucht seine Dienste als Reisediplomat: er „wurde wegen seines Wissens und der Beredenheit zu vielen Verhandlungen und Verschickungen gebraucht“. Dazu kümmert er sich intensiv um


Schwerin: Blick auf den Dom


seinen“ Dom und sein Kapitel: 1589 wird ein größerer Umbau im Inneren des Domes vorgenommen, damit die Gemiende optisch und akustisch am liturgischen Geschenen im Domchor teilnehmen kann. „Der in der Wolle gefärbte Lutheraner“ Wackerbarth – er wird als ein als überaus gläubiger Anhänger der lutherischen Lehre beschrieben - sorgt auch dafür, dass die „calvinistischen Umtriebe“ derzeit nicht das Schweriner Domkapitel erreichen und „weil eine Zeit her etlichen Capitularenstellen vacireten, ließ er sichs höchstes fleisses angelegen sein, daß micht verdechtige und sonderlich dem Calvinismo zugethane Personen ins Capitel möchten einschleichen und diese Gemeine mit falscher Lehre unruhig machen“. Seine besondere Aufmerksamkeit galt der fürstlichen Domschule in Schwerin „Zur Domschule hautte er besondere Zuneigung und freute sich, wenn die Schüler in Haufen kamen ... Er kam auch gern selbst in die Examina und examinierte oft selbst. Wenn das Geld für die guten Schüler nicht reichen wollte, griff er in seinen Beutel“. . 1590 stiftete das Domkapitel auf sein Betreiben Stipendien für gute Leistungen.


Besonders kämpfte Otto von Wackerbarth auch für die Ausweitung der Rechte des Domkapitels. Herzog Ulrich, dessen Protege Otto war, bewies ein immer größer werdenden Interesse, das bischöfliche Gebiet seinem Herzogtum einzuverleiben. Darüber kam es immer mehr zu einem Streit um die alten Rechte des Domkapitels. Otto von Wackerbarth kämpfte hier roßen persönlichen Einsatz für eine verlorene Sache, denn überall im protestandtischen Deutschland setzte sich die Landesherrschaft gegen die kirchliche Autonomie durch. Jedesmal wenn Herzog Ulrich einen Eingriff in angestammte Rechte des Kapitels versuchte oder durchsetzte, war Otto von Wackerbarth zur Stelle. In seinen späten Jahren traute er offenbar auch seinen Kollegen im Kapitel nicht mehr die nötige Standfestigkeit zu und reichte – ohne Wissen des Kapitels – eine Klage gegen den Herzog beim Reichskamergericht ein. Trotz dieser andauernden Streitigkeiten war 1594 das Tzutrauen des Herzogs in die Urteilsfähigkeit und Loyalität des aufmüpfigen Dompropstes offenbar noch groß genug, dass er Otto von Wackerbarth bittet, ihm einen Hofmarschall zu besorgen. Ein Jahr später kam es dann allerdings bei einer Konferen mit Herzog Ulrich zum Bruch. „Endlich warf man dem Capitel vor, daß es sich schon früher in der That dem meklenburgischen Hofgerichte unterworfen hätte, worauf die gantze Zunft: Wackerbarth, Schack und Bassewitz, überlaut erklärten, wenn das erwiesen sei, so müßten sie lose, leichtfertige und keine redliche Leute sein, da sie ferner dem Hofgericht die jubjection streiten sollten. Johann Kellermann mußte nun schleunigst nach Güstrow reisen und die Acten holen. Als diese vorgelegt wurden, waren sie sehr bestürzt; Otto Wackeerbarth aber, als ein alter Fuchs, suchte sich mit allerlei Ränken zu helfen. Der Fürst aber sagte: ‚ihr habt Euch selbst gescholten, dafür will ich Euch hinfüro auch halten‘, und damit ging er aus dem Zimmer, und die Capitularen gingen wie beschniene Hunde vom Hause, ohne zur Tafel gefordert zu sein“. In Ottos Leichenpredigt wird dies aller sehr viel dezenter formuliert. Dort heißt es: „Die Sachen des Domkapitels verursachten gar viel Unruhe; bei Disputationen war er (otto) wohl manchmal zu eifrig, auch wollte er wohl die Rechte des Capitels zu weit ausdehen, was sich andere nicht gefallen ließen“.


Durch Los hatte Otto auch das väterliche Gut Kogel erhalten 504. Zusammen erhielten Georg, Detlof (VI) und Otto (VIII) „Gevettern Wackerbarth“ 1582 „Ultimo May“ den Mutzettel, allerdings keine Lehnbriefe 505. Am 23.06.1582 kündigten Otto und sein Bruder Franz gegenüber Herzog Franz II. von Sachsen-Lauenburg die 1565 von ihrem Vater Claus und Joachim Wackerbarth übernommene Bürgschaft und suchten um Erstattung der wegen dieser Bürgschaft von ihnen an Kapital, Zinsen und Kosten bezahlten 1500 Taler nach 506. Nach Erteilung des Mutzettels hatte Otto Von Wackerbarth bei Herzog Franz II. noch nicht um einen Lehnbrief nachgesucht. Er wurde daher aufgefordert, am 29.11.1588 bei Verlust seiner Lehne persönlich in Ratzeburg zu erscheinen, sämtliche Lehnbriefe seiner Vorfahren vorzulegen und „weiteren Vortrags gewärtig“ zu sein. Otto Wackerbarth entschuldigte sich aber wegen seines Ausbleibens mit Kränklichkeit. Wegen der Lehnsbriefe behauptete er, solche wären seinen Vorfahren vom Hause Sachsen niemals erteilt worden, diese hätten die Lehneide geleistet, darauf hätte der Lehnsherr ihnen seine Hand oder auch sein Biret (fürstlicher Hut) gereicht. Es wären auch noch viele andere Geschlechter unter den Niedersächsischen Lehnleuten, welche mit keinem Lehnbriefe beschwert würden. Herzog Franz II. war mit dieser Argumentation nicht zufrieden. Er legte die Sachen den Juristenfakultäten in Leipzig, Rostock und Helmstedt vor, erhielt aber übereinstimmende Gutachten, dass die Belehnten, welche von Alters her keine Lehnbriefe genommen, auch dazu nicht genötigt werden könnten 507. 1590 beschwerte sich der Pastor in Sterley, dass Otto und Hardenack von Wackerbarth „1 Hufe Landes, Strokerken Erbe“ unter sich geteilt hätten, ohne die fälligen Abgaben davon zu entrichten 508. 1593/1594 erfahren wir, dass den Untertanen von Otto (VIII) und Hartwig () Wackerbarth zu Kogel auf dem Salemer Feld das Mastungsrecht zustand 509. Als 1594 die Ziethener Kirche gebaut wurde, stiftete Otto (VIII) ein Fenster mit seinem Wappen 510.


Titelblatt der Leichenpredigt auf Otto von Wackerbarth


1596 klagten der Dompropst Otto von Wackerbarth sowie die Ritterschaft des Herzogtums Lauenburg gegen die Stadt Ratzeburg wegen der vom Ratzeburger Rat in den Jahren 1593 bis 1594 eingeforderten Steuer- und der Akzisefreiheit des in die lübischen Gebiete und Krüge verführten Ratzeburger Bieres und gegen den Ratzeburger Bürgermeister Andreas Karstede wegen Rechnungsführung 511.


Otto von Wackerbarth, zweifellos einer der hervorragendsten Vertreter seines Geschlechts, hatte sich bei dem Versuch, alte Strukturen fortzuentwickeln und alte Rechte gegen neue Machtansprücke zu verteidigen aufgerieben und war letztlich daran gescheitert. „Er wurde fast Tag für Tag mit Boten und Schreiben überlaufen, wobei er seine Gesundheit zusetzte und wohl auch seine Hausverwaltung nicht so in Acht nahm, wie es sich gebührt hätte“. „Die unmäßige Arbeit zermürbte ihn schließlich, obwohl er von Ansehen ein starker Mann war“. Am 20. Februar 1599 starb er, begleitet u. a. von vier Geistlichen, auf seinem Hof Medewege. Begraben wurde er am 17. April in seinem prächtigen Erbbegräbnis, das sich in der Marienkapelle des Schweriner Domes befand.



Luder (II) von WACKERBARTH

(XI – 70); * ..... + .....!, Sohn von Claus, er trug seinen Namen nach seinem Großvater Luder Schack auf Basthorst, „kam im Magdeburger Kriege“ um.



Franz von WACKERBARTH

(XI – 71); Sohn von Claus, Erbherr auf Horst 512, mitbelehnt in Kogel und Segrahn - Elisabeth SCHACK adH. Basthorst, Tochter des Valentin Schack (+1584) auf Basthorst und Ursula von Pentz - Von Franz heißt es: „verblühte zeitig“ 513. Dies ist nicht richtig, finden wir Franz doch mehrfach als Gutsherrn belegt. Am 23.06.1582 kündigte er zusammen mit seinem Bruder Otto (VIII) gegenüber Herzog Franz II. die 1565 von ihrem Vater Claus übernommene Bürgschaft 514. Am 21.01.1586 bezeugt Abeljohann Bahn, Stadtschreiber zu Mölln, von Franz Wackerbarth zu Nienrade eine Summe von 318 Gulden in das Depositum der Stadtkasse genommen zu haben 515. Anlässlich der Kirchenvisitation von 1590 versprciht er, bis 1591 die Schulden, die sein Vater bei der Kirche in Sterley stehen hat, zu bezahlen. Am 30.01.1596 beleibzüchtigt seine Frau auf seinen Anteil an Segrahn und erhält dafür den herzoglichen Konsens 516.



Adelheid (II) von WACKERBARTH *um 1520

(XI – 72); Tochter von Claus, erhielt ihren Namen nach der Großmutter Alheit von Lützow gnt. von Oppershausen, I. Skälboö, Östergotland, Schweden um 1537 Hans (Johann) von ZÜLEN (*um 1515 + …..), Herr auf Zühr, Tessin und Tüschow, II. Otto von BESTENBORSTEL, Landdrost zu Kiel und Bordesholm 517

Kinder:

  1. Poletta von ZÜLEN Erik Bentson Bagge von BERGA *1564 +Taby, Örebro län, Närike/Schweden 13.06.1593



Anna Dorothea von WACKERBARTH

(XI – 73); *(1555) +/□ Westenbrügge 21./27.10.1580, Tochter von Claus, vor 1574 Heidenreich (III) von BIBOW a.d.H. Westenbrügge (gnt. 1575/1603, in II. Mette von der LÜHE a.d.H. Buschmühlen 518), Herr auf Westenbrügge, Blengow und Wichmannsdorf, Sohn von Hardenack von Bibow und Catharina von Krakevitz



Hippolita von WACKERBARTH

(XI – 74); *(1568) + ....., Tochter von Claus, sie ist 1577 genannt



Franz Heinrich von WACKERBARTH

(XI – 75); *um 1569/1570 +1636/1645, Sohn von Claus, naturalisierter schwedischer Ritter, Kammerjunker, I. N. NN., II. 1608 Carin Andersdotter CRUUS (*25.07.1573 + .....) Tochter von Anders Larsson Cruus (+26.06.1591) 519 und ( 1515 Turku/Finnland) Christina Pedersdotter Fleming


Kinder (u. a., vmtl.):

  1. Eric > XII - 89


Franz Heinrich von Wackerbarth, jüngster Sohn von Claus von Wackerbarth auf Kogel und seiner dritten Frau Ilsabe von Blücher, kam schon in recht jungen Jahren nach Schweden, wo er beim Hofstaat des Herzogs Gustav von Sachsen-Lauenburg (+1597) angenommen wurde. Am 22.06.1595 wurde er dort diensttätiger Hofjunker und erhielt erst am 27.01.1598 seinen Abschied. Er trat dann in den Dienst des Herzogs Carl von Södermansland, damals Reichsverweser des Königreiches Schweden, als Hofjunker und Offzier ein. Als der Herzog als Carl IX. (1600-1611) König von Schweden wurde, folgte ihm Franz Heinrich als Kammerjunker, der damals höchsten Hofcharge nach den Hofmarschällen und Hofmeistern 520. Nach dem frühen Tod Carls IX. war Franz Heinrich lange Jahre diensttätiger Kammerjunker König Gustav II. Adolphs (1611-1632), des genialen Führers der Protestanten im Dreißigjährigen Krieg. Von beiden Königen war Franz Heinrich Wackerbarth hochgeschätzt, oft mit wichtigen Aufgaben betraut und ungewöhnlich oft und freigiebig mit Landgütern ausgestattet. Er besaß schließlich folgende Rittersitze in der Provinz Uppland:


  • Kurö 1599, vertauscht 1620

  • Hässle 1610, verkauft 1636

  • Ryda 1610, verkauft 1636

  • Svepnäs 1610, verkauft 1636

  • Wärnsta angeheiratet 1608


Dazu kam noch in Östergötland das 1608 angeheiratete Widingsjö. Franz Heinrich von Wackerbarth war also in Schweden ein sehr angesehener und wohlhabender Mann. Er heiratete dort wenigstens zweimal, hinterließ aber keine Söhne. 1608 wurde er in den schwedischen Adel aufgenommen und zwar in die Ritterschaft, d. h. in den Hochadel 521, denn Ritterschaft ist in Schweden die Sammelbezeichnung des gegliederten Hochadels: Grafen, Freiherren, Ritter, Komture. Auf dem Reichstag zu Stockholm 1626 – dem ersten Reichstag nach der Errichtung des Ritterhauses im Jahre 1625 – war er bei der Eröffnung anwesend. Er war also damals sowohl als schwedischer Staatsangehöriger als auch als schwedischer Edelmann anerkannt. Bei der auf diesem Reichstag vorgenommenen ersten Registrierung und Nummerierung der schwedischen Adelsgeschlechter fehlte er jedoch und das Geschlecht Wackerbarth wird deshalb nicht als auf dem Ritterhaus zu Stockholm introduziert angesehen. So steht er da „als der einzige unnummerierte intrduzierte schwedische Edelmann“ 522.




Die zwölfte Generation:



Justina von WACKERBARTH

(XII – 81); *Schlagsdorf i. M. 16.01.1574 + ....., Tochter von Otto (VIII), Melchior von FOLCHERSHEIM, Erbherr zu Calcum in Kurland 523



Georg (Jürgen) Detloff von WACKERBARTH

(XII – 82); *Schlagsdorf i. M. 20.09.1575 +07.07.1592 mit einer Leichenprdigt, Sohn von Otto (VIII)



Maria Blasia von WACKERBARTH

(XII- 83); *Schlagsdorf i. M. 07.07.1577 +/□ Schwerin 24.12.1599/04.01.1600 mit einer Leichenpredigt, Tochter von Otto (VIII) 524Hoffräulein in Güstrow



Ulrich von WACKERBARTH

(XII – 84); *Schlagsdorf i. M. 04.11.1579 +15.05.1659, Sohn von Otto (VIII), Domdechant der Hohen Stiftskirche in Schwerin, fürstlich-niedersächsischer Landrat, Erbherr auf Kogel, Horst, Sterley und Segrahn, 1606 Margarethe BROCKDORFF (+1635), Tochter von Joachim Brockdorff a.d.H. Tralau und Benedicta von Reventlow a.d.H. Lambrechtshagen


Kinder 525:

  1. Joachim Ivo (I) > XIII-102

  2. Detlof (VII) > XIII-103

  3. Otto (IX) > XIII-104

  4. Josua > XIII-105

  5. Georg (III) > XIII-106

  6. Anna Sophia (I) > XIII-107

  7. Benedicta *14.08.1612 + .....


Ulrich war mit Prinz Ulrich, dem Bruder des dänischen Königs Christian von Dänemark auf den Universitäten zu Rostock, Leipzig und Helmstedt gewesen 526. Er verbrachte „9 Jahre mit Reisen durch Franckreich, Italien, Teutsch-, Holl- und Engelland zu“ 527. Nach seiner Rückkehr nahm er mit Herzog Ulrich von Mecklenburg am Reichstag in Augsburg teil. Mit Erlangung der Volljährigkeit übernahm Ulrich von Wackerbarth auch den vom Vater gekauften ehemaligen bischöflichen Bauhof in Schwerin. Sein Gut Kogel blieb auch vor den Verwüstungen und Plünderungen des Dreißigjährigen Krieges nicht verschont. Fischer-Hübner berichtet aus dem Reichsarchiv zu Kopenhagen unter „Sach von Lauenburg Al Breve fra Hertug August“: „Als Ulrich von Wackerbarth, der herr auf Kogel, mit anderen adeligen Herren ins Feld geritten kam, sprengten etwa 20 Reiter auf den Gutshof, erbrachen die Stalltür und requirierten, was sie brauchen konnten: Sattel, Zweuge, lange Büchsen, Pistolen, überhaupt alles, was vorhanden war. Dann brachen sie die Tür des Herrenhauses auf, alle Türen wurden in Stücke gehauen, mit dem Beil öffneten sie Kammern, Kisten und Laden, rissen Silber, Geld, Kleider und Leinwand samt allem Inhalt heraus und mißhandelten Knecht und Mägde durch Schläge“ 528. 1627 bis 1634 ging er vor den herannahenden Truppen Wallensteins mit dem gesamten Schweriner Domkapitel ins Exil. Der Hof wurde von Wallenstein konfisziert. Nach dessen Vertreibung aus Mecklenburg und der Rückkher des Schweriner Domkapitels ist Ulrich von Wackerbarth dann Dekan und ab 1642 auch Propst des Domkapitels. Mit seinem Tod endet 1659 die rund 500jährige Geschichte des Schweriner Domkapitels.



Die Schulden der Bürgschaftsübernahme seines Großvaters Claus lasteten noch immer schwer auf Kogel. Ulrich suchte der schwierigen finanziellen Lage dadurch Herr zu werden, dass er u. a. am 11.05.1608 um den lehnsrechtlichen Konsens nachsuchte, Sterley verkaufen zu dürfen. Außerdem hat sich das Konzept eines gesuchten Konsenses über ein Pfand auf Kogel und Sterley erhalten. Es wurde ihm verweigert 529. Jetzt wandte Ulrich von Wackerbarth sein Augenmerk auf Segrahn, das die Familie 1573 ja wieder eingelöst hatte. Mit Schreiben vom 03.06.1611 wenden sich er und sein Vetter Heinrich an Bürgermeister und Ratmannen zu Lübeck wegen einer auf ihrem Gute Segrahn lastenden Schuldforderung der Kirche zu Mölln 530. 1612 erbt er von seinem Onkel Detlev halb Segrahn. Die andere Hälfte besitzt Heinrich von Wackerbarth. „Auf Hinrich Wackerbarths Hof, in der Stube, um 2 Uhr nach seiner Uhr, ward dies mit Gottes gnädiger Hilfe zum Abschluß gebracht“. Am 19.01.1622 schließlich erhält Ulrich den herzoglichen Konsens, seinen Anteil an der Grundherrschaft Segrahn an Joachim von Bülow auf Gudow verkaufen zu dürfen 531. Der Vertrag über den dann folgenden Vertrag lautet 532:


Ich Ulrich Wackerbart, zu Kugel Erbgesessen, für mich, meine Erben und LehnsFolger, ihne kund und bekenne öffentlich mit diesem meinem Briefe und Siegel, daß ich mit zeitigem Rathe und gutem Vorbedacht, aus redlichen mit dazu bewegenden Ursachen und zuforderst um mein und meiner Erben mercklichen Frommen, Besten und erfolgenden Nutzen, auch zu mehrerer Abwendung meines befahrenden Schadens und Nachtheils, eines rechten redlichen Erbkauffs, habe verkauffet, verkauffe und gebe hiemit also gegenwärtigen zum wahren beständigen Erbkauff, in der allerbestenn Form und Maaß, als ein ewiger, rechter, redlicher, unwiderrufflicher Erbkauff, in allen und jeden Geist- und weltlichen Rechten, Gerichten und Gewohnheiten, am allerkräftigsten und beständigsten sey, und wohl geschehen soll, kann oder mag dem Edlen, Gestrengen und Vesten Jochim von Bülowen zu Gudow Erggesessen und dessen Erben und Erbnehmern


  • mein Gut Seggeran, mit dem halben Berge und mit dem halben Seggeraner See, das Dorff Lehsten, mit der Mühlen, die Feld-Marck Dargenow, auch allen andern pertinentien und Zubehörungen, nichts davon ausbeschieden, wie Ich und mein seel. Vorfahren dasselbige ohnstreitig besessen, gebraucht und inne gehabt, und ein jegliches in seinen Enden und Scheiden belegen, mit allen und jeden, Hohen und Niedrigen, Obrigkeit-, Geist- und weltlichen Gerichten, Rechten und Gerechtigkeiten, Herrlichkeiten und sonsten allen andern rechten, Freyheiten, gewaltsamer Gebothen und Verbothen, samt allen adarzu gehörigen Unterthanen und Einwohnern, Feldern, Höfen und Hof-Stätten, Gebäuden, allen und jeden, gantzen und halb-jährigen Geld-Gefällen, Hebungen, Getreyde und anderen Pächten, Haus- und Hand-Frohnen, und anderen Diensten und Pflichen, gar nichts ausgeschlossen, besäetes und unbesäetes, auch alles von dieser Handlung an, darauff vorhandene Viehe und Fahrniß, mit allem zu diesem Gut gehörigem Wasser, Flüssen, Teichen, Teichstätten, Eckern, Wiesen, Hoden und Weyden, Baum-Gaten, Vorwercken, Strassen, Wäldern, Büschen, Sträuchern, harter und weicher Holtzung, Mühlenstätten,Wild-Hecken, Hetzen und Vogel-Weide, und allen anderen zugehörigen Dingen, wie solches hiebevor meine Vorfahren überlängst wohlverwahrter Zeit, und bis auf diese Stunde für Männiglich und gantz ungehindert, ruhiglichen besessen innegehabt, genutzet und gebrauchet haben,


alles nach mehrerem Einhalt und des hierüber zu Korßem (Kehrsen), den 3. Sept. A0 1621 uffgerichteten Vertrages, um und vor Zwölftausend Rtlr rechtes bestimmtes Kauff-Geld, die Ich bey Dato dieses aufgerichteten vollentzogenen Erblichen Ewigen Kauf-Briefes, bahr über, an guten gangbaren, wohlgeltenden Reichs-Thalern, und in einer Summe, wohl bezahlet, entfangen.

Mit welchen Erbkauff Summen, Ich mein und meiner Erben Schaden gewendet, und mein und deren scheinbarlichen Nutz und Frommen, wieder angekehret und fortgesetzet. Sage darauf für mich und meine Mit-Beschriebene, Jochim von Bülow, dessen Erben und Erbnehmern, gantz quitt, frey, ledig und loß und setze sie hiermit in die rechte, ruhigliche und würckliche possession und Gewehr meines gewesenen, und jetzo Erb-verkaufften Guths Seggeran, samt allen und jeden ob-specificirten Herrlichkeiten, nichtes ausbeschieden, als wäre es alles hieher wörtlich wiederhohlet und specificiret, also und dergestalt, daß Jochim von Bülow, dessen Erben und Erbnehmere nun, hinführo und zu ewigen Zeiten und Tagen solch erkaufftes Guth Seggeran gantz Erblichen inne behalten, besitzen, geniessen, gebrauchen und damit, gleich andern seinen Lehn-Gütern,handeln, thun und lassen mögen, als ihnen best gut düncket, und gefällig begebe, verzeihe und veräussere, vor mich und meine Mitgeschriebene, dis Gut quite und frey, Niemand verkauffet und versetzet, wie Ich dasselbe von meinen Vettern freyest erkauffet und ererbet.


Will auch Jochim von Bülow und seine Mitbeschriebene zu jeder Zeit, für Männigliches An- und Zuspruche, so oft es noth, und ich darum ersucht, auch solches nach gemeinen beschriebenen Rechtes und hergebrachten Landes-Gewohnheit, zu thun und zu leisten schuldig bin, Schern und auf meinen Unkosten vertreten, und sage, solchemnach, für mich und meine Erben, alle und jede Unterthanen dieses verkaufften Gutes, der Eyde, Gelübde, Pflicht und Dienste, damit sie mir, als ihrem rechten Herrn, samt den andern gehörigen Gerechtigkeiten, verwandt, und mir und meinen Mitbeschriebenen, zu leisten schuldig gewesen seyn möchten oder sollten, gantz quitt, ledig und loß und weise sie damit allenthalben in und mit diesem Brieff künftig an Jochim von Bülowen, dessen Erben und Erbnehmern, deme und denselben hinfürter zu allen künfftigen Zeiten, als den rechten Herren unterthänig gehörsam und getreulich zu seyn, gleichwie sie mir und meinen Vorfahren gethan und mit Fuge zu thuende seyn pflichtig und verbunden gewesen.


Gerede, lobe und zusage, hiemit auch, für mich und meine Mitbeschriebenen dessen obgehörten, schriftlichen Ewigen Erbkauff stete, feste und unwiderruflichen zu halten, dawider mich und meine Erben nichts sol schützen, weder Welt- noch Geistlich Recht, sondern verzeihen Uns deroselben allen, insonderheit der Exception non numerate pecuniae, deceptionis dimidiae sive ultra vel citra dimidiam justi pretii, sei justae venditionis & exceptioni doli, restitutionis in integrum, condictioni indebiti, conditioniis sine causa vel es injusta causa & actioni in jactum & de dole, omnique alii Exceptioni, Defensioni & Juri ac Legum auxilio, volentibus hanc generalem renunciationam tantum valere & periude haberi, ac si de omnibus & singulis Legibus, Juribus, exceptionibus & defensionibus quibuscunque hic & in quolibet capitulo huius contractus facta esset vel fuisset mentioni specialis, specifice & expresse renunciando, etiam legi dicenti generalem renunciationem noch valere nisi praecesserit specialis etc.


Und alles anders, so wider diesen Erbkauff, durch Menschen Witz und Vernunfft erdacht und angezogen werden könnte oder möchte Zu mehrer des Käuffers und der Seinigen Versicherung habe ich Durchlauchtigen, Hochwohlgebohrnen Fürsten und Herrn, Herrn Augusti, Hertzogen zu Sachsen, Engern und Westphalen, als dieses Guts ordentlicher Obrigkeit, meines auch gnädigen Landes- und Lehens-Fürsten, so wol auch der nächsten Agnaten und Mitbelehneten gnädigen Consens und Bewilligung, hierüber Jochim von Bülow, zugleich miteingeantwortet.


Des zur Uhrkund habe ich mein angebohrnes Pittschafft untebn an diesen Brief gehänget, und mich mit eigener Hadn unterschrieben.


Geben zu Kugel am Tage Anthonii, im Jahr nach Christi Unsers Erlösers und Seligmachers Geburth, Eintausen Sechshundert Zwey und zwantzig.


Ulrich Wackerbarth


Mit dem Verkauf von Segrahn waren die Probleme jedoch nicht gelöst. Dafür sorgten die Bedrückungen des Dreißigjährigen Krieges, die nicht nur die Gutsuntertanen trugen, sondern auch die Gutsherrschaft selbst. Hierüber berichtet ein Schriftstück, das sich im Reichsarchiv in Kopenhagen befindet 533: „Als Ulrich von Wackerbarth, der Herr auf Kogel, mit anderen adligen Herren ins Feld geritten kam, sprengten etwa 20 Reiter auf den Gutshof, erbrachen die Stalltür und requirierten, was sie brauchen konnten: Sattel, Zeuge, lange Büchsen, Pistolen, überhaupt alles, was vorhanden war. Dann brachen sie die Tür des Herrenhauses auf, alle Türen wurden in Stücke gehauen, mit dem Beil öffneten sie Kammern, Kisten und Laden, rissen Silber, Geld, Kleider und Leinwand samt allem Inhalt heraus und mißhandelten Knechte und Mägde durch Schläge“. So bittet Ulrich von Wackerbarth in immer neuen Eingaben an den Herzog, Hartholz schlagen zu dürfen, um die ihn hart bedrängenden Gläubiger zu befriedigen. So will er um 1638 etwa 200 Eichen fällen lassen, um 333 Taler zurückzahlen zu können. Vergeblich. Der Herzog verweigert seine Zustimmung. So bittet er denn immer wieder verzweifelt, der Herzog möge ihm das Gut abkaufen 534. Schließlich ist die Lage unhaltbar und Ulrichs Anteil an Kogel, Horst und Sterley geht in andere Hände über.


Schwerin um 1600
(Daniel Frese, StA Lüneburg)


In seinen Anteil an Kogel waren 1651 seine Gläubiger, Detlef von Buchwald, Aton Meyer und Johann Barchfeldt Erben, eingewiesen. Sie verkauften es für 8100 Mark an den Rittmeister Asmus Rathlow und dessen Sohn Sievert. Aus der Spezifikation der Güter im Jahre 1660 lässt sich der Umfang des dem Wackerbarthschen Stamm B gehörenden Anteils an Kogel und Sterley ablesen:


Spezifikation von Kogel
Besitzer: Asmus von Rathlow

  1. In der herzoglichen Patronatskirche zu Sterley habe ich mein Erbbegräbnis

  2. Das Gut Kogel mit 2 kleinen Katen, wie es von vielen Jahren von den Antecessoren besessen und gebrauchet, habe ich mit herzoglichem Konsens, wie der Contractus gewesen, von den Kreditoren des Vorgängers gekauft

  3. 3 Hufner zu Sterley und 4 kleine Katen dort

  4. 1 Hufner in Salem

  5. Eine Schäferei zu Kogel und eine Schäferei zu Sterley, doch schlecht im stande oder besetzt

  6. keine Mühlen

  7. Hohe und Niederjagd, wie auch mein Antesessor Herr Ulrich Wackerbarth der Gerechtigkeit des Jagens und Netzstellens auff dem Salemer felde sich allemahll gebrauchet, welche mier aber vin den Herren Ratzeburgischen Beambten wiederrechtlich gestritten werden will

  8. Die Fischerei auf dem Pfeffer See und Bülten Moer

  9. Hohe und Niedergericht

  10. Das Gut ist im schlechten stande

  11. Schulden: 4200 Thaler vn dem Kaufgelde. Dies schuldet er Creditoren aus Holstein, weshalb das Geld ohne herzoglichen Konsens an dem Gute haftet

  12. Die Holtzung ist von dem vorigen Besitzer wegen der Kriegsnöten in etwas verhauen ---- dennoch mit Fürstlichem Consens

  13. Dient mit 1 Lehnspferd


Asmus Rathlow, der am 05.09.1656 den Muthzettel erhalten hatte, überließ das Gut mit landesherrlicher Genehmigung seinem Stiefsohn Hans von Buchwald, der 1670 belehnt wurde. Dorothea Amalia Christina von Buchwald, Tochter des von Schelking und einer Rathlow, des Hans Buchwalds Ehefrau, sucht 1673 um Confirmation nach, dass Kogel mit ihrem Eingebrachten, zufolge der Ehestiftung von 1666, bezahlt sei. Am 23.05.1683 bekennt Elisabeth Florabella verwitwete Falkenberg geb. Bünsow, dass Kai Rathlow ihr die Kaufgelder auf Kogel bezahlt habe, dass jedoch die Wiedereinlösung dem Gosche Andreas Buchwald, Hansens Sohn, immer zustehen solle. Erst 1704 konnte das Gut dann von August Heinrich von Wackerbarth (Stamm Kogel A) wieder eingelöst werden.


Ulrich von Wackerbarth hatte schon früh sein Betätigungsfeld von Kogel nach Mecklenburg verlagert, wo er als Domdechant in Schwerin wirkte. Seiner Frau stellte er am 28.05.1627 einen Leibgedingsbrief aus 535 und stiftete mit ihr einen Kronleuchter mit Wappen im Schweriner Dom. 1639 beschwerte sich der Domdechant Ulrich von Wackerbart auf Kogel beim Rat zu Lübeck wegen der Verschließung seines von Johann Damitz gemieteten Hauses in der Hartengrube 536.



Dorothea (II) von WACKERBARTH

(XII – 85); *Schlagsdorf i. M. 14.12.1589 +nach März 1599, Tochter von Otto (VIII), ihr Schicksal ist unbekannt, vmtl. ist sie jung gestorben



Elisabeth (III) von WACKERBARTH

(XII – 86); * .... + ....., Tochter von Otto (VIII), sie lebt 1599, ihr weiteres Schicksal ist unbekannt, vmtl. ist sie jung gestorben



Sophia (I) von WACKERBARTH

(XII – 87); * .... + ....., Tochter von Otto (VIII), sie lebt 1599, ihr weiteres Schicksal ist unbekannt, vmtl. ist sie jung gestorben



Eva von WACKERBARTH +1632

(XII – 88); *um 1595 +(1632), Tochter von Otto (VIII), um 1618 Otto von RABE auf Stück und Steinfeld (*um 1585 +1631), Sohn des Jürgen von Rabe (+1603), mecklenburgischer Landrat und der Clara von Sperling (+1608) a.d.H. Rüting 537


Kinder:

1. Justina Sophie von RABE *Stück 25.01.1619 +Dresden 09.12.1691, Karl von FRIESEN *Rötha 13.05.1619 +Dresden 29.07.1686, Sohn von Heinrich von Friesen (*1578 +1659) und Katharina von Einsiedel (*1585 +1627)

2. Ulrich von RABE *Stück um 1624 + ….., um 1652 Anna Salome von DALDORP



Eric von WACKERBARTH

(XII – 89); * ..... +v. 1636/1645, vmtl. Sohn von Franz Heinrich, um 1600 Soldat in Schweden, kam dann nach Finnland, wo er in dem berühmten Regiment Pori in der Landschaft Satakunta, diente; dort war er offenbar auch begütert, N. NN.


Kinder:

  1. Jacob (XIII-108) *25.07.1627


Angeblich hatte Eric nur weibliche Nachkommen 538. Auch soll er vor dem Vater gestorben sein. Dies steht im Widerspruch zu einer Mitteilung von Herrn Pentti Lyly (*1925) in Helsinki, der in einem Brief an Rüdiger von Wackerbarth mitteilte, dass er mehrere Vorfahren von Wackerbarth in Finnland gehabt habe.




Die dreizehnte Generation:



Joachim Ivo (I, Iwan) von WACKERBARTH

(XIII - 102); * ..... +28.05.1670, Sohn von Ulrich, königlich-dänischer Obrist-Lieutenant, 1648 Margarethe von POGWISCH (* ..... +Schwerin um 1685). Die Ehe blieb kinderlos. Joachim Ivo bewohnte zusammen mit seinem Bruder Otto das an Stelle des ehemaligen Bauhofes in der Schelfe von seinem Großvater Otto errichtete Haus. Mit dem Tod seiner Witwe endet um 1685 die fast hundertjährige Ära Wackerbarth. Das Anwesen geht in den Besitz des Obristen von Hundt über. Heute ist hier das „Schleswig-Holstein-Haus“.



Detlof (VII) von WACKERBARTH

(XIII - 103); * ..... + (1673), Sohn von Ulrich, kaiserlicher Major, Herr auf Nepersdorf, Anna von ESSEN (* ..... + ....., I. Hinrich von FADEN). Sie brachte das Gut Neperstorf bei Wismar in die Ehe. Diese blieb kinderlos.


Otto (IX) von WACKERBARTH

(XIII – 104); *07.10.1607 +Februar 1671/□ Schwerin 05.04.1671; Sohn von Ulrich, königlich-dänischer Obristleutnant, fürstlich-mecklenburgischer Geheimer Regierungsrat, mecklenburg-schwerinscher Oberhofmarschall, Erbherr auf Kogel, I. Kogel 28.11.1636 Margaretha Catharina von DANNENBERG (*Breselentz 13.07.1607 +Schwerin 20.03.1651), Tochter des Christoffer von Dannenberg auf Bresenlentz und Lüchow und Maria Anna von Plato (+1626) a.d.H. Grabow, Kammerjungfer der Herzoginwitwe Dorothea, II. 1653 Magdalene von AHLEFELDT (* ..... +02.09.1670), Tochter von Johann von Ahlefeldt auf Satrupholm und Hedwig Rantzau 539. Wegen ihres Testaments kam es unter den Erben zu einem Rechtsstreit 540.


Kinder:

  1. ?Otto (X) > XIV-121

  2. Tochter N. > XIV-122

  3. Anna Sophia (II) > XIV-123

  4. Christian Ulrich > XIV-124

  5. Christina Hippolita > XIV-125


1651 wirkte er als Abgesandter des Herzogs von Mecklenburg erfolgreich bei der Regelung der “Harburger Suczession” zugunsten des Herzogs Georg Wilhelm von Celle mit. 1659 bis 1670 bewohnt Otto mit seinem Bruder Joachim Ivo zeitweilig den ehemaligen Bauhof in der Schweriner Schelfe gemeinsam. In dieser zeit erhielt das Haus vermutlich den südlichen Anbau, dessen Keller noch heute vorhanden ist 541. Otto (X) verkaufte 1666 zusammen mit seinem Vetter Hans Heinrich Alt Horst an den Lübecker Patrizier von Brömbse.



Josua von WACKERBARTH

(XIII - 105); *21.03.1610 ++bei Leipzig ....., Sohn von Ulrich, kaiserlicher Rittmeister, blieb unverheiratet



Georg (III, Jürgen) von WACKERBARTH

(XIII - 106); * ..... + (1672), Sohn von Ulrich, kaiserlicher Rittmeister, blieb unverheiratet



Anna Sophia (I) von WACKERBARTH

(XIII – 106); *14.01.1610 + (1670), Tochter von Ulrich, Priorin des an der Straße zwischen Pritzwalk und Wittstock liegenden Klosterstifts zum Heiligen Grabe in der Mark Brandenburg. Das 1287 als Zisterzienserinnen-Nonnenkloster gegründete Heiligengrabe wurde nach der Reformation in ein evangelisches Damenstift umgewandelt.


Kloster Heiligengrabe



Die vierzehnte Generation:



Otto (X) von WACKERBARTH

(XIV – 121) vmtl. Sohn von Otto (X), er bittet am 09.01.1696 Bürgermeister und Ratmannen zu Mölln um Aushändigung der deponierten 1000 Gulden 542.



N. von WACKERBARTH);

(XIV -122); * ..... + ....., Tochter von Otto (X), Heinrich Coelestin von STERNBERG, königlich-schwedischer Vizepräsident beim Hohen Tribunal in Wismar



Anna Sophia (II) von WACKERBARTH

(XIV – 123); *17.03.1638 +05.09.1661, Tochter von Otto (X), 09.02.1558 Joachim Andreas von THUN (*1618 09.02.1683), kurbrandenburgischer Regierungsrat in Hinterpommern543



Christian Ulrich von WACKERBARTH


(XIV – 124); *08.05.1641 +22.06.1701, Sohn von Otto (X); kurbrandenburgischer Rat, 1685 braunschweigisch-lüneburgischer Oberhauptmann der Feste Harburg, von Moisburg und Winsen 544, Erbherr auf Kogel, Tüschenbeck und Müssen 545, 08.02.1673 Ingeborg (Engelburg) Margarethe von BERNSTORFF (*15.01.1652 +15.01.1713), Tochter des Domherren zu Ratzeburg Andreas von Bernstorff (*1604 +1655) und Anna Dorothea von Bülow a.d.H. Hundorf und Enkelin von Joachim von Bernstorff (*1582 +1625) und Ingeborg von Zepelin (*Gutendorf in Sachsen-Weimar-Eisenach 1580)


Kinder:

  1. Anna Elisabeth > XV-135

  2. Charlotte Magdalena > XV-136

  3. Gustav Adolph Otto > XV-137

  4. Georg Albrecht *Lüneburg (Garnisonskirche) 03.09.1680 + (1682)

  5. Andreas Christian > XV-138

  6. Eleonora Marie > XV-139


Ratzeburg: Schloss (1588), Ausschnitt
(Hane)


1663 und 1670 wird Christian Ulrich von Wackerbarth als zu Müssen wohnend bezeichnet 546. Durch seine Heirat war er Schwager des allmächtigen hannoverschen Staatsministers Gottlieb Andreas von Bernstorff geworden. Seine Frau war eng mit der letzten regierenden Herzogin-Witwe aus dem askanischen Hause, Sibylla Hedwig, befreundet. 1689/1690 beim Absterben der Askanier und der anschließenden Inbesitznahme des Herzogtums Sachsen-Lauenburg durch das Herzogshaus von Lüneburg-Celle spielte Christian Ulrich eine herausgehobene Rolle. Nachdem der letzte Askanier aus dem Hause Sachsen-Lauenburg am 30.09.1689 gestorben war und mehrere Parteien ihre Erbansprüche auf das Herzogtum anmeldeten, besetzte der Kommandant der festung Harburg, Christian Ulrich von Wackerbarth, 1690 handstreichartig das Herzogtum Sachsen-Lauenburg für seinen welfischen Landesherrn, den Herzog Georg-Wilhelm von Lüneburg-Celle (*1624 +1705) und vertrieb die Beamten und Agenten derkonkurrierenden Thronanwärter aus Sachsen, Mecklenburg und



Schloß Ratzeburg
(Zeichnung Modell nach Gerdt Hane)




Feste Harburg


Dänemark. Um den erwarteten dänischen Angriff auf Ratzeburg abwehren zu können, sollte die Stadt zur Festung ausgebaut werden. Das alte Schloss, schon etwas baufällig, stand diesen Plänen im Wege. Wackerbarth wollte es abreißen lassen, aber es wohnte dort noch die Herzogin Sybilla Hedwig, Schwägerin und Couisine des verstorbenen Herzogs. Sie weigerte sich auszuziehen und wandte sich brieflich an Herzog Georg-Wilhelm, um sich über das rabiate Vorgehen Christian Ulrich von Wackerbarths zu beschweren. Dieser antwortete dann auf Nachfrage aus Celle, er habe einige Veränderungen mit dem Schloss vor und bitte um Nachsicht. Dann ließ er in großen Säcken Schießpulver in den Räumen hinter der Herzogin aufstapeln und begann vorne mit dem Abriss. Die Herzogin zog unter diesen Bedingungen eilig ab 547.


Tüschenbeck: Lage des von Wackerbarthschen Hofes
(Zustand um 1600)


Christian Ulrich von Wackerbarth und seine Familie wurden auch selbst im Herzogtum Lauenburg ansässig. Angeblich besaßen sie Müssen, wofür sich bislang kein Beleg hat finden lassen und 1590 vererbte die Herzogin Sybilla Hedwig ihrer „von ihrer Kindheit an Uns bekannten, lieben, besonderen und guten Freundin“ Ingeborg Margarethe von Bernstorff testamentarisch das Gut Tüschenbek und Kulpin, Groß Sarau und Grönau 548. Nach den Umständen ihres Auszuges aus dem Schloss zu Ratzeburg zu urteilen, scheinen die Umstände eines Kaufes, wie es Rüdiger von Wackerbarth animmt, allerdings naheliegender. 1699 schloss Herzog Georg Wilhelm von Lüneburg-Celle mit Ingeborg Margarethe von Bernstorff einen Vertrag, der die freie Disposition über Tüschenbek und Groß Sarau anerkannte. Im Gegenzug verzichtete sie aber auf Kulpin und Grönau 549. Ihr Erbe konnte Ingeborg Margarethe jedoch noch nicht antreten, da sie vor der Herzogin starb. Erst ihre Kinder sind im Besitz von Tüschenbek. Als Witwe wohnte Ingeborg-Margarethe von Bernstorff im Pfarrwitwenhaus in Ratzeburg (Domhof 42). Ihr Name ist in einer Taufschale eingraviert, die sich heute im Taufstein der Kirche zu Siebeneichen befindet 550.


In Tüschenbek geben die Wackerbarth die alte, von Heinrich Rantzau errichtete Hofstelle auf und errichteten an der Stelle, an der das heutige Herrenhaus steht, einen Fachwerkbau mit Wirtschaftsgebäuden. Heute erinnert nur noch ein großes gemaltes Wappen an der Grufttür in der Kirche zu Grönau an die Anwesenheit der Familie von Wackerbarth im Kirchspiel Grönau.


Eine Stammtafel Christian Ulrichs von Wackerbarth ist im „Deutschen Herold“ abgedruckt 551. Sie weicht von der bei Rüdiger von Wackerbarth gegebenen in Teilen ab.



Christina Hippolyta von WACKERBARTH

(XIV – 125); *Sonderburg 04.12.1642 +Rostock 06./Doberan 14.02.1670 im Kindbett, Tochter von Otto (X), Gorow 03.11.1664 Detloff von OERTZEN (*07.11.1635 +Kopenhagen 24.01.1677), Erbherr auf Gorow und Warstorf, königlich dänischer Obristleutnant 552, Sohn von Klaus von Oertzen (*um 1606 +um 1677) und Dorothea von Reventlow; und Enkel von Jürgen von Oertzen und Anna von der Wisch adH. Ehlersdorf (*Ziesendorf 02.02.1607 +Rostock 02.02.1670), Enkel von Jürgen von Oertzen und Anna von der Wisch adH. Ehlersdorf, Detloff von Oertzens Epitaph in der Kirche zu Hanstorf


Kinder:

1. Otto Christian von OERTZEN *01.01.1668 +Gorow 19.06.1712, 1692 Anna Maria von ZÜLOW *Mühlenbeck (1669) +(1720)

2. Dorothea Christina von OERTZEN *04.02.1670 +09.02.1670


Über sie heißt es 553: „Das Licht der Welt erblickte sie als Tochter des Otto von Wackerbarth, Fürstlich Mecklenburg-Schwerinschen Geheimen Regierungsrats und Hofmarschalls und seiner Angetrauten Margaretha Catharina von Dannenberg. Das Ereignis trat in Sonderburg im Schleswigschen am 04. Dezember 1642 ein. Mit christlicher Sorgfalt erzogen, stellten ihr die Eltern einen Präzeptor an, der sie zum besuch des Gottesdienstes anhielt und mit ihr fleißig die Heilige Schrift las. Mit elf Jahren verlor sie ihre Mutter am 20. januar 1654 in Schwerin und wurde daher nun von ihrem Vater zur Fortführung der wweiblichen Erziehung der Domina von Estorff im Kloster Lüne im Lüneburger Land anvertraut, wo sie zwei weitere Jahre erzogen wurde. Als der Vater ein zweites Mal heiratete, holte er sie aus dem Kloster wieder zurück nach Hause. Wenig später hielt der Königlich Schwedische Obristleutnant zu Pferd, Detloff von Oertzen, um ihre Hand bei ihrem Vater und ihrer Stiefmutter an. Sie erklärten sich mit der Ehe einverstanden, die 1664 auf den Bräutigams Rittersitz Gorow abgehalten wurde. …. Nach der Geburt der Tochter Dorothea Christina am 04. Februar 1670, die das jüngste Kind war, verfiel sie jedoch noch im Wochenbett einer hitzigen Krankheit und ob zwar alles ümbsonst gewesen und hat ihr der feindselige Ehetrenner, der Todm den Lebensfaden abgeschnitten. Kurz vor ihrem Tode hatte sie noch den Pastor Müller aus Rostock gebeten, zu ihr zu kommen, damit er ihr ihre Sünden vergeben würde. Im Beisein der Familie schwanden ihre Kräfte schließlich am 06. Februar 1670 abends um 10 Uhr im Alter von 28 Jahren. Die eben erst geborene Tochter indes starb am 09. Februar. Am 14. Juni wurde die Leiche der Mutter auf dem Fürstlichen Amtshaus in Doberan beigesetzt.“


Ihr Logenwappen findet sich in der Kirche zu Hansdorf.


Kirche Hansdorf: Logenwappen Christina Hippolyta von Wackerbarth


Hansdorf: Dorfkirche


Hansdorf: Dorfkirche, Herrenloge mit Wappen
(von Wackerbarth 5. Wappen von links)


Die fünfzehnte Generation:



Anna Elisabeth von WACKERBARTH

(XV – 135); *30.11.1673 +24.10.1695 554, Tochter von Christian Ulrich, 31.01.1695 Johann Joachim Gottfried von BÜLOW (*29.05.1665 +1734, er in I. 1690 Julia Beate von STRUPPEN +1692 und in III. Catharina Hedwig von REHR, Tochter des Johann Albrecht von Rehr und der Sophie Eleonore von Hacke), Herr auf Scharfsdorf und Luttersdorf, honnoverscher Oberlanddrost in Bleckede, Sohn des Hartwig von Bülow auf Scharfsdorf, Gottmannsförde und Lietzow, lüneburgischer Rat und Oberhauptmann zu Bleckede und der Davidia von Loydt 555



Charlotte Margaretha Magdalena von WACKERBARTH

(XV – 136); *13.09.1676 +12.09.1722, Tochter von Christian Ulrich, 16.05.1699 Adolf Benedikt von DÜRING (+1718) zu Francop, königlich-schwedischer Rittmeister, Sohn von Johann von Düring (+vor 15.09.1582) und Gertrud Marschalk von Bachtensbrock



Gustav Adolph Otto von WACKERBARTH

(XV – 137); *Lüneburg 26.07.1678 +Tüschenbeck 06./□ Grönau --.04.1724, Sohn von Christian Ulrich, 1692/1696 auf der Ritterakademie, lüneburgischer Landdrost Hofgerichtsassessor 556, fürstlich-mecklenburg-strelitzscher Regierungsrat, später sachsen-lauenburgischer Landrat 557, Erbherr auf Tüschenbeck, I. 1706 Anna Gilleis PLUMEJOUS (+Lübeck 21.12.1709), Tochter des Janzen Plumejau, II. Bleckede 24.08.1713 Elisabeth Eleonore von BEHR (*Hoya 31.10.1687 +Tüschenbeck 03./□ Grönau 10.10.1762). Tochter von Johann Albrecht von Behr, kurfürstlichj-braunschweig-lüneburgischer Schatzrat zu Hoya und Sophia Eleonora von der Haken


Kinder:

  1. Ulrich Andreas Hans *Tüschenbeck --./GRÖ 29.12.1714 > XVI-146

  2. Margarete Eleonora *Tüschenbeck --./GRÖ 24.12.1715 > XVI-147

  3. Friedrich Albrecht *Tüschenbeck--./GRÖ 18.02.1717 > XVI-148

  4. Joachim Otto Gottfried *Tüschenbeck--./GRO 18.02.1717 > XVI-149

  5. Johann Ludwig *Tüschenbeck 18./GRÖ 30.05.1720 > XVI-150

  6. Dorothea Hedwig *Tüschenbeck --/GRÖ 31.12.1721 +/□ ebd. --./02.09.1722

  7. Charlotte Christina *Tüschenbeck --./GRÖ16.07.1723 > XVI-151


Gustav Adolph Otto von Wackerbarth war sachsen-lauenburgischer Landrat. „Die Institution des Landrats stellt in Sachsen-Lauenburg einen bedeutenden Faktor im fürstlich-ständischen Kräftespiel dar. Denn auch hier trugen die Landräte das Doppelgepräge fürstlicher Beamter und ständischer Vertrauensmänner. Sie wurden ... aus denjenigen Mitgliedern der Ritterschaft genommen, die sich Kenntnis von Land und Leuten, durch gemeinnützige Tätigkeit, durch Ansehen und persönliche Tüchtigkeit das Vertrauen des Fürsten und das ihrer Standesgenossen erworben hatten“ 558. In Tüschenbek ließ er die Mühle bauen.



Andreas Christian von WACKERBARTH


(XV – 142); *Lüneburg (Garnisonskirche) 17.02.1682 +(1722), Sohn Christian Ulrichs, 1694 auf der Ritterakademie, fürstlich braunschweig–lüneburgisch-wolfenbütteler Generaladju-

dant, Mai 1712 N. von WARENDORF a.d.H. Blumendorfff


Kinder:

  1. Sophie (III) > XVI-152

  2. Auguste > XVI-153

  3. Sophia Hedwig > XVI-154


Sein Schwager, der Leutnant Anton Bernhard von Warendorf hatte mit der Tochter des Oberstleutnants Friedrich Ernst von Mey eine außereheliche Tochter. Mey machte auf eine von Andreas Christian von Wackerbarth für seine Frau, Miterbin Anton Bernhards, ausgestellten Schuldverschreibung bei Hermann Eickhof in Lübeck zur Abgeltung der Alimente für das Kind geltend 559.



Eleonora Marie von WACKERBARTH

(XV – 139); *Harburg 24.07.1688 + ....., Tochter von Christian Ulrich, Christian von VIETINGHOFF, hannoverscher Oberst



Die sechzehnte Generation:




Ulrich Andreas Hans von WACKERBARTH

(XVI – 146); *Tüschenbeck --./Grönau 29.12.1714 +/□ ebd. 09./22.03.1785, Sohn von Gustav Adolph Otto, Erb- und Gerichtsherr auf Tüschenbeck, Hofgerichtsassessor 560, 1753 königlich-großbritannischer Regierungsrat in Ratzeburg 561, königlich hannoverscher Kammerherr, mecklenburgischer Ritterschaftsdeputierter und Landesdeputierter am kaiserlichen Hof; er blieb ledig


Mit seinem Tod erbten seine Schwestern Tüschenbeck. Dagegen klagten erfolglos die Wackerbarthe auf Kogel, wobei sie ihre Rechtsansprüche auf die Schuldübernahme von 1565 stützten 562.


Margarete Eleonora von WACKERBARTH

(XVI – 147); *Tüschenbeck --./Grönau 24.12.1715 +Klempau 08.01.1796 (Grabplatte im Ratzeburger Dom),Tochter von Gustav Adolph Otto, Grönau 18.07.1733 Christoph Otto von SCHRADER (*1688 +Klempau 11.10.1766), Erbherr auf Kulpin, sachsen-lauenburgischer Landrat



Friedrich Albert von WACKERBARTH

(XVI – 148), * 18.02.1717 +07.06.1755, Sohn von Gustav Adolph Otto, Erbherr auf Tessin. Drost, 1743 Agnes Hedwig PENTZ (+1748), Tochter von Cuno von Pentz und N. NN. verw. von der Knesebeck, 1736 königlich-großbritannischer Drost, kauft 1795 Tessin die Ehe blieb kinderlos



Joachim Otto Gottfried von WACKERBARTH

(XVI – 149), *Tüschenbeck 18./Grönau 25.02.1718 +Kassow 06.10.1782 (Leichenstein in der Kirche von Lüssow), Sohn von Gustav Adolph Otto, 1732/1733 auf der Ritterakademie, 1738 Fähnrich der Garde, 1741 Lieutenant, 1746 Capitain, 1751 königlich Großbritannischer Oberstleutnant, Erbherr aus Kassow und Tessin, die er 1755 kaufte, Lelkendorf 21.10.1755 Elisabeth Dorothea von LEVETZOW a.d.H. Lelkendorf (*Lelkendorf --./Schorrentin 23.10.1823 +Bützow 20.04.1802), Tochter des Joachim Dietrich von Levetzow (*Mistorff 22.03.1690 +06.07.1776) auf Lelkendorf und Mistorf und Sophie Amalie von Bülow (*1698 +Lelkendorf 18.11.1733)


Kinder:

  1. Joachim Dietrich > XVII-163

  2. Eleonore Amalia > XVII-164

  3. Sophia Amalie > XVII-165

  4. Ulrich Friedrch *05.11.1763 +jung

  5. Otto Gustav *03.11.1764 +jung

  6. Friederica Margaretha Charlotte > XVII-166


Joachim Otto Grottfried von Wackerbarth war Erbherr auf Kassow und Tessin. Kassow wird erstmals 1374 urkundlich erwähnt. 1593 wird erstmals das Gut als ritterschaftliches Lehngut beschrieben. Dies blieb es bis 1877. Als Joachim Otto Gottfried von Wackerbarth das Gut mit den dazu gehörenden Anteilen an Oettelin um 1778 kaufte, legte er in Kassow die letzten Bauern, obwohl in §336 des Landesgesetzlichen Erbvergleichs 1755 festgelegt worden war, dass in jedem Dorf – auch in den ritterschaftlichen – mindestens drei Bauern bestehen bleiben müssen. So kam es ab 1767 zu einem langwiergen Prozess gegen den Oberstleutnant von Wackerbarth und dessen Erben, der erst im Jahre 1790 beendet wurde. Hintergrund war §336 des Landesgesetzlichen Erbvergleichs, in dem 1755 festgelet worden war, dass auch in den ritterschaftlichen Dörfern mindestens 3 Bauernstellen bestehen bleiben müssen.


Lüssow: Kirche



Johann Ludwig von WACKERBARTH

(XVI – 150); *Tüschenbeck 28./Grönau 30.05.1720 +12.12.1754, Sohn von Gustav Adolph Otto, 1740 Fähnrich, 1744 Lieutenant, 1748 Capitainlieutenant, 1750 Rittmeister beim Garde de Corps, hatte keine Nachkommen



Charlotte Christine (I) von WACKERBARTH

(XVI – 151); *Tüschenbeck --./Grönau 16.07.1723 +Schnega --.□ Wedesbüttel 20.02.1783), Tochter von Gustav Adolph Otto, Tüschenbeck 21.02.1744 Wilhelm Heinrich Freiherr von GROTE *Hamburg 05.09.1713 +Bederkesa 02.06.1799, Oberhauptmann und Landdrost zu Bederkesa, Erbherr auf Jühnde, Horn und Schnega


Kinder:

1. Eleonore Sofie von GROTE *Bederkesa 25.02.1749 +Stade 05.05.1820, Bederkesa 05.03.1769 Heinrich von BORRIES *Stade 10.11.1728 +ebd.21.11.1785

2. Otto Ulrich von GROTE *Bederkesa 11.05.1750 +Hannover 28.03.1808, Grabow 06.02.1780 Charlotte Wilhelmine Antoinette von PLATO *Grabow 25.05.1757 +Breckelshof 07.12.1821

3. Margarete Wilhelmine von GROTE *Bederkesa 15.04.1761 +Walsrode 18.05.1833, 15.10.1786 Wilhelm Ludwig Christian von HONSTEDT



Sophie (III) von WACKERBARTH

(XVI – 152); * ..... + ....., Tochter von Andreas Christian, über sie ist weiter nichts bekannt


 

Wilhelm Heinrich Freiherr von GROTE und seine Frau
Charlotte Christine Freiin von Grote geb. von Wackerbarth



Auguste von WACKERBARTH

(XVI – 153), * ..... + ....., Tochter von Andreas Christian, über sie ist weiter nichts bekannt



Sophia Hedwig von WACKERBARTH

(XVI – 154); * (1715) + (1778), Tochter von Andreas Christian, über sie ist weiter nichts bekannt



Die siebzehnte Generation:



Joachim Dietrich von WACKERBARTH

(XVII – 163), * (1757) +15.12.1783/□ Lüssow, Herr auf Kassow, Sohn von Joachim Otto Gottfried, ULTIMUS LINEA, er studierte in Göttingen Geschichte, war dann 1778 großbritannisch-hannoverscher Leutnant der Garde zu Pferde, wurde kurz vor seinem Tode zu Capitain ernannt, er war ledig



Eleonore Elisabeth Amalia von WACKERBARTH

(XVII – 164); *Kassow 08.03.1759 +Teschow 14.10.1783, Tochter von Joachim Otto Gottfried, Nassow bei Belgard 09.10.1775 Theodor von LEVETZOW (*Koppelow 06.06.1744 +Teschow 19.09.1810), dänischer Kammerherr, Erbherr auf Tüschow und Mistorf


Kinder:

1. Joachim Otto Ulrich von LEVETZOW *1777 +1843, Amalie von BRÖSOGKE *1788 +1868

2. Maria Charlotte Eleonore von LEVETZOW *19.10.1783 +Kittendorf 19.04.1865, Gustav Dietrich von OERTZEN



Sophie Amalie von WACKERBARTH

(XVII – 165); *Kassow 14.06.1760 +Lüneburg 27.04.1825, Tochter von Joachim Otto Gottfried, ULTIMA LINEA, Kassow 14.09.1776 Adolf Ludwig Freiherr von SPÖRKEN (*Harburg 24.06.1747 +Hannover 12.02.1794), kurfürstlicher Obrist, Sohn von Werner Gottlieb Adolf von SPÖRKEN (*06.06.1695 +09.02.1752) und Gertrud Ernestine von der SCHULENBURG (*13.01.1728 +05.05.1782)


Kinder:

  1. Elisabeth Charlotte von SPÖRKEN (*Büssow 19.04.1784 +Lübeck 24.06.1856) Lüdersburg 12.11.1802 Dietrich Friedrich Christian von MECKLENBURG (*Ziebühl 09.09.1769 +Schwerin 29.01.1814), Sohn von Herzog Christian Friedrich von Mecklenburg


Friederica Margaretha Charlotte von WACKERBARTH 563

(XVII – 166); *Kassow 04.11.1769 +Rottmannshagen 20.05.1789, Tochter von Joachim Otto Gottfried, Bützow 07.12.1787 Albrecht Joachim Freiherr von MALTZAHN/Graf von PLESSEN (*Rottmannshagen 24.05.1762 +Ivenack 12.07.1828, II. Wolfshagen 23.02.1791 Amalie Christiane Friederike Gräfin von SCHWERIN (*19.10.1769 +08.06.1831, III. 13.10.1799 Bernhardine Charlotte von BROCKHUSEN), später durch Adoption Graf von Plessen auf Ivenack, Sohn des Gustav Friedrich Freiherrn von Maltzahn und Diederike Eleonore von Bülow.


Kinder:

1. Gustav Hellmuth Theodor Dietrich von MALTZAHN *Rottmannshagen 03.12.1788 +Ivenack 12.01.1862, Potzdam 03.12.1811 Cäcilie Wilhelmine Adelaide von RAUCH *Potzdam 10.12.1795 +Ivenack 11.06.1854




Die WACKERBARTH auf Kogel: Stamm B,
Linie Mecklenburg





Stemma: von WACKERBARTH Kogel B
Linie Mecklenburg


Die zehnte Generation:



Georg/Jürgen (I) von WACKERBARTH

(X – 61), * (1506) + (1586), Sohn von Detlof (V); Erbherr auf Sterley, Nienhagen, Moisall und Katelbogen, Oberhauptmann des Stifts Ratzeburg, Stiftshauptmann zu Bützow, Geheimer Rat der Herzöge Heinrich und Ulrich von Mecklenburg, Ursula von VIEREGGE a.d.H. Weitendorf (+1586), Tochter des Gundenacker von Vieregge und Dorothea von Bülow


Kinder:

  1. Hardenack > XI–76

  2. Elisabeth (II) > XI–77

  3. Anna > XI–78

  4. Georg (II) * ..... + jung

  5. Dorothea * ..... + jung

  6. Kind NN. * ..... + jung


Nach dem Absterben des Balthasar von Holstein kam das Stiftsgut Katelbogen lehnsweise mit seinen Pertinentien Nienhagen, Gralow, Moisall und halb Steinhagen, insgesamt 35 Hufen, 1549 wegen seiner Verdienste um das Stift Schwerin an Jürgen (I) von Wackerbarth. Vorübergehend gehörten auch Lasse (Ksp. Eichelberg), Kurzen und Langen Trechow (Ksp. Bützow), Rühn und die Reuterwiesen in Bützow, sowie Sagsdorf (Ksp. Sternberg/Sülten), die Schlockower wüste Feldmark mit dem See und dem dortigen Wadenzuge zum Lehnsbesitz Jürgen (I) von Wackerbarth. Dieser umfangreiche Besitz lag zwischen Lübzin und der Warnow.1563 erwirbt Jürgen von Wackerbarth, der sich nach den Pachtregistern des Stifts Schwerin in diesen Jahren (1563/1565) als zu Nienhagen angesessen bezeichnet, für 2400 Gulden das Gut und Kirchdorf Moisall von den Erben des Achim Passow 564.



Grenzen des Domstifts Schwerin
und Lage der Wackerbarthschen Besitzungen im mittleren Mecklenburg
(rot umrandet: Stift Schwerin, gelb Besitz des Dompropsten Otto /VIII) v. W., grün: Besitz von Jürgen (I) v. W., schraffiert: sonstiger Besitz der Wackerbarth)


Herzog Ulrich von Mecklenburg verleiht am 03.06.1569 als Administrator des Stifts Schwerin mit Zustimmung seines Domkapitels das bis dahin bischöfliche Kirchenlehn in Moisall (Patronat der Kirche) an seinen Stiftshauptmann Jürgen von Wackerbarth und dessen „ewige Erben“, weil derselbe dem neuen Armenhaus in Bützow 200 Gulden verehrt hat. Das Stiftslehn Moisall blieb bis auf die Zeiträume 1636-1644 und 1648 im Besitz der Familie von Wackerbarth und wurde 1651 an den Oberleutnant Gotthard von Vogelsang verkauft. Am 01.03.1581 verzichtet ihm gegenüber Jürgen Barold auf Dudinghausen – die Familie Barold hatte 1551 Moisall an Achim Passow verkauft – für sich und seine Erben auf seine Rechtsansprüche auf Moisall. Jürgen von Wackerbarth zahlt dafür noch einmal 400 Gulden 565. Mit dem Erwerb dieses umfangreichen Besitzes in Mecklenburg verlagert sich Jürgen von Wackerbarths und seiner Nachkommen Interesse nach Mecklenburg. Kogel und Sterley, wo diese Mecklenburger Linie weiterhin mitbelehnt war (Mutzettel vom 31.05.1582) und auch über Teilbesitz verfügte, verlor schließlich gänzlich an Bedeutung. Dennoch verweigerte Jürgen von Wackerbarth 1574 bei der Erbteilung der Linie Kogel A die Herausgabe des auf seinem Anteil an Sterley stehenden Geldes. Jürgen von Wackerbarth förderte nachhaltig die Begabungen seines Neffen Otto (IX) 566. In der Kirche von Moisall findet sich an der Kanzel von 1615 sein und seiner Frau Wappen 567.




Die elfte Generation:



Hardenack von WACKERBARTH

(XI – 76); *Cantate 1554 +Güstrow 03.09./□ Moisall 09.10.1604 568, Sohn von Jürgen, Erbherr auf Katelbogen, Moisall, Segrahn und Sterley, 30.11.1578 Anna von BÜLOW a.d.H. Pokrent, Tochter des mecklenburgischen Landrats Hans von Bülow (+1586) auf Pokrent und der Dorothea von Weyhe a.d.H. Brödessen 569


Kinder:

  1. Jürgen (III) > XII-90

  2. Dorothea (III) > XII-91

  3. Margaretha > XII-92

  4. Elisabeth * ..... +jung

  5. Ursula > XII-93

  6. Hartwig (V) > XII-94

  7. Abraham > XII-95

  8. Ulrich * ..... + jung

  9. Matthias > XII-96

  10. Hans * ..... + jung

  11. Kind N. * ..... + jung



Bützow: Stiftskirche, Epitaph für Georg von Wackerbarth und seine Frau Ursula von Vieregge
(gestiftet 1590 von Hardenack von Wackerbarth)


Hardenack besuchte die Schulen zu Bützow und Schwerin. Er „studierte zwar nicht weiter, verstand aber das Lateinische und konnte das Griechisch lesen“. Er war ein großer Liebhaber von Büchern, namentlich theologischen und sehr fromm, dabei wohltätig gegen Geistliche und Arme 570. Nach dem Tod des Vaters verwalteten zunächst seine Kogeler Verwandten für ihn das Gut Katelbogen. 1590 stiftete er in der Stiftskirche zu Bützow ein Epitaph zum Gedfächtnis an seine Eltern. 1597/1604 ist Hardenack von Wackerbarth Besitzer von Katelbogen und Moisall. In Sterley hatte er Anteilsbesitz, ebenso in Segrahn, das er 1596 mit seinem Vetter Hartwig (IV) räumte. Sein und seiner Frau Wappen findet sich an der Kanzel von 1615 in der Kirche von Moisall 571. Dieser Kirche stiftete er 1597 zusammen mit seiner Frau einen silbervergoldeten Kelch 572. Beider Namen trägt auch die große Glocke von 1625.



Elisabeth (II) von WACKERBARTH

(XI – 77); *vor 1559 +n. 1613 als Witwe in Zurow, Tochter von Jürgen, vor 1573 Joachim von STRALENDORF (+1597/1598) 573



Anna von WACKERBARTH

(XI – 78); * ..... + ....., Tochter von Jürgen, 1582 Ulrich von BÜLOW auf Prützen und Schönwolde, Sohn des Georg von Bülow auf Schönwolde, Mühlengeetz und Boldebuck und der Ilsabe von Blücher a.d.H. Rheinsberg 574


Kinder:

1. Ilsabe von BÜLOW * ….. + ….., Jürgen von WOPERSNOW




Die zwölfte Generation:



Jürgen (III) von WACKERBARTH

(XII - 90); * ..... + ....., Sohn von Hardenack , er hatte studiert und damit offensichtlich das Erwachsenenalter erreicht. 1606 ist er Herr auf Katelbogen. Dies ergibt sich aus einem Prozess vom 29.11.1606 gegen Anna Wulf, die als Magd auf dem Gut arbeiette. Auf sie hatte Jürgen noch zu Lebzeiten des Vaters vergeblich ein Auge geworfen. Als nun Hardenack von Wackerbarth 1604 „qualvoll“ starb und kurz darauf ein großes Viehsterben einsetzte, ließ sich dies nur auf die Hexerei der Anna zurückführen. Ankläger in dem folgenden Prozess war der Gutsherr Jürgen von Wackerbarth, der ja zugleich auch Gerichtsherr war. Die Akten berichten: „Nachdem die Anna Wulfsche eine geraume Zeit wegen Zauberei berüchtigt gewesen, und es deswegen zu vielfältigen Klagen gekommen ist, ich (Jürgen von Wackerbarth) sie aber nicht allein verhört habe, sondern es ist auch der Jürgen Kundt dabeigewesen und versichert die Aussagen, wurde ihr die Tortur zuerkannt. Sie wurde gefangen gehalten und dann der Tortur ausgesetzt“. Anna Wulf gestand und wurde zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Das Urteil wurde auf dem „Hexenberg“, am Waldrand des Katelbogen-Baumgartener Waldes, etwa 200 m südlich des Landweges von Katelbogen nach Baumgarten vollstreckt. Gründlich wie wir Deutschen nun mal sind, wurden auch die Kosten für dieses Verfahren festgehalten: sie beliefen sich auf 38 Reichstaler 5 Schillinge. 1631 verpfändete Jürgen (III) von Wackerbarth sein Gut Katelbogen einschließlich Sagsdorf an den Rostocker Bürger Joachim Lohrmann.



Dorothea (III) von WACKERBARTH

(XII - 91); * ..... + (1648), Tochter von Hardenack, nach 1597 Dietrich von PLESSEN (*1569 ++ bei Sternberg 08.01.1634, in I. 1592 Anna von BÜLOW *um 1570 +um 1596, Tochter von Barthold von Bülow und Anna von Lützow), Sohn des Diedrich von Plessen und Anna von Hobe a.d.H.Fiensdorf und Enkel von Dietrich von Plessen (+18.03.1561) und Anna von Plessen adH. Damshagen 575



Margaretha (II) von WACKERBARTH

(XII – 92); * ..... + ....., Tochter von Hardenack, Moritz von VOGELSANG auf Ermshagen



Ursula von WACKERBARTH

(XII – 93); *Katelbogen um 1580 + ....., Tochter von Hardenack, Basthorst 09.12.1599 Hartich SCHACK auf Basthorst (bis 1603), mecklenburgischer Kammerherr, Amtshauptmann zu Gnoien, Sohn des Valentin Schack und der Ursula von Pentz 576. Als ihr Vater Hardenack zur Hochzeit seiner Tochter reiste, bereitete ihm der Hauptmann Joachim Meyer ein Nachtlager 577.



Hartwig (V) von WACKERBARTH

(XII – 94); *(1599) +(1684), 85 Jahre alt, Sohn von Hardenack, Major unter Herzog Bernhard von Weimar 578, dann königlich-schwedischer, später königlich-französischer Major unter der Kavallerie, Herr auf Katelbogen und (Klein) Lünow, Steinhagen und Moisall, I. Anna von DOTENBERG, Tochter von Balthasar von Dotenberg auf Altenhagen und Margaretha von Mörder a.d.H. Dabkow, II. Dorothea von HAGEN gnt. GEIST a.d.H. Gröningen (im Braunschweigischen), Tochter des mecklenburgischen Stiftshauptmannes zu Bützow, Hinrich von Hagen sonst Geist genannt und Dorothea von Bergen a.d.H. Hertzfeld (Mark Brandenburg)


Kinder:

  1. Achatz > XIII-109

  2. Reinhold Ulrich > XIII-110

  3. Catharina Elisabeth > XIII-111

  4. Magdalena Sybille > XIII-112

  5. Ilsabe Hedwig > XIII-113

  6. Hardenack (II) * ….. + jung

  7. Hartwig (VI) > XIII-114

  8. Sophia (II) > XIII-115


Hartwig (V) Name steht 1625 – zusammen mit dem seines Bruders Matthias – auf der kleinen Glocke in der Kirche von Moisall 579. Er verkauft Moisall an Vicke Barner, von dem er es nach einem zehnjährigen Prozess zurückerhält. Dann veräußert er Moisall für 9500 Gulden an Gotthard Vogelsang 580. 1632 erhielt er die Lehnsbestätigung für Klein Lünow (Anhang).


Katelbogen: altes Herrenhaus


1634 kam es in der Gutsherrschaft Katelbogen unter Hartwig zu nach 1606 zu einem zweiten Hexenprozess. Dazu lesen wir in den alten Gerichtsakten: „Es haben etliche Bauern vo Gutsherrn Wackerbarth, welcher Korn nach Bützow fahren wollte, gesehen, daß bei dem Korn in der Nacht ein Mann namens Simon Schultze angetroffen wurde. Und weil er nicht richtig Bescheid geben konnte, was er nachts bei dem Korn wollte, wurde er dem Richter vorgestellt. Weil es gegen ihn bereits großen Argwohn gab, ist er gefangen gehalten worden und nach Recht und Urteil bestraft worden“. Aus den Urteilsgründen ergibt sich u. a.: Weil seine Hauswirtschaft nur wegen Zauberei so erfolgreich war und er das Korn des Gutsherrn verhexen wollte, wird er mit dem Strang hingerichtet. Weil er aber auch unter der Folter nicht seine Zauberkünste zugeben wollte, sollte er mit dem Kopf nach unten aufgehängt werden. Die Hinrichtung erfolgte in Katelbogen auf dem „Galgenberg“, am alten Gralowschen Weg.



Lehnsbestätigung für Hartwig von Wackerbarth
vom 16. Juli 1632


Am 02.09.1651 verkaufte Hartwig zwei Hufen in Steinhagen und kaufte 1652 von den Kreditoren des Hans und Hinrich von Levetzow das im Amt Gnoien belegene Gut Klein Lünow mit Pertinenzen und erhielt darüber die lehnherrliche Investitur. 1655 verglich er sich mit seinem Sohn erster Ehe, Achatz, wegen dessen mütterlichen eingebrachten Geldern. Um diese Zeit geht dann der Besitz von Katelbogen verloren. Hier folgen bis 1798 die von Plessen.



Abraham von WACKERBARTH

(XII – 95); * ..... + ....., Sohn von Hardenack; er war 1611 mit seinem Vetter Ulrich Student in Jena 581 und 1614 in Tübingen. In Jena heißt es von ihm „non juravit“, d. h. er war noch keine 18 Jahre alt und hatte den Eid noch nicht abgelegt. Weiteres über ihn ist nicht bekannt. In das Stammbuch seines Kommilitonen Joachim Emmerich schrieb er am 24.08.1614 582:


Eintrag von Abraham von Wackerbarth
im Stammbuch seines Kommilitonen Joachim Emmerich vom 24.08.1614

Ich binde den Degen an die Seiten
und mach mich bald davon,
hab ich nicht zu reiten
zu Fuße muß ich gahn

Es gilt mir alles gleich,
ich bin nicht allzeit reich.
Die Zeit muß ich erwarten,
bis mich das Glück erschleicht“.



Matthias von WACKERBARTH

(XII – 96); * ..... + ....., Sohn von Hardenack; sein Name findet sich 1625 mit dem seines Bruders Hartwig (V) auf der kleinen Glocke in der Kirche von Moisall 583




Die dreizehnte Generation:



Achatz von WACKERBARTH

(XIII – 109); * ..... +Lünow 19.05.1711, Sohn von Hartwig (V), Erbherr auf (Klein) Lünow, blieb ledig, ULTIMUS LINEA - 1665 verglich er sich mit seinem Vater wegen der von seiner Mutter eingebrachten Gelder. 1687 bekommen er und seine Brüder Reinhold Ulrich und Hartwig (VI) aus der fürstlichen Hofkanzlei wegen des Gutes Klein Lünow einen Muthschein. 1708 errichtete er sein testament.