Beiträge zur Geschichte des Adels
im Herzogtum Sachsen-Lauenburg und angrenzenden Territorien

Eberhard Specht - Speyer / Rhein 2020

 

                 

9. von WITTE / ALBUS – von KOGEL (1246+)



Name, Verbreitung


Der Name Albus –nddt. Witte – taucht in zahlreichen Urkunden der Zeit als Beiname auf. Er ist dabei meist personenbezogen und bezeichnete einen blonden Menschen. Der Name ist also Unterscheidungsmerkmal gewesen. In den mittelalterlichen Urkunden finden sich zahlreiche Belege 587.Bereits 1181 ist Hartwicus Witte genannt 588. In Ratzeburg findet sich 1211 Nibelung albus und 1224 Nibelung niger. Ähnlich verhält es sich 1221 beim Bischof von Lübeck mit den dort genannten Ratwardus albus und Radwardus niger. Wir finden weitere Belege u. a. in Lübeck (Wilhelm 1225/1259 Ratsherr; Heinrich 1233/1266 Ratsherr; Adolph 1249 mit Zehntenbesitz in Genin; Hildebrand 1274 Ratsherr; Johannes 1300 Ratsherr), Segeberg (Johannes 1216 Probst), Ripen (Conradus 1259), Rostock (Bruno, Hermann, Johann, Peter, Patrizier) und Wismar (Johann, Heinrich, Patrizier). Weiter gab es als Unterscheidungsmerkmal „rufus“ für Rothaarige oder „luscus“ für Scheeläugige usw. Daneben scheint Witte – patronym Witten - auch als eigener Personenname geführt worden zu sein. Er ist dann Kurzform eines mit Widu-/Witte- zusammengesetzten Rufnamens wie etwa Widukind, Wittekind. Allerdings ist in der Regel für die Namensvariante Witten weniger von einer Ableitung von einem Rufnamen Witte auszugehen, sondern davon, dass seine Träger aus Witten an der Ruhr stammen. Dies lässt sich für das bedeutende Dynastengeschlecht Witten zweifelsfrei belegen.


Für die lauenburgische Adelsfamilie Albus/Witte kann der Umstand, dass diese ausschließlich als Witte, niemals als Witten, erscheint, bedeuten, dass ein namengebender Ahnherr mit dem Rufnamen Witte, ähnlich dem Beispiel der Schack, die sich nach Scacco von BARDEWIC (1162) benannten, möglich ist. Dennoch scheint es mir wahrscheinlicher, dass namengebend wohl eher ein NN war, der aufgrund seiner blonden Haare oder seiner auffallend hellen Hautfärbung den Beinamen „der Witte“ erhielt.


Aufgrund der Tatsache, dass der Name Witte/Witten, „der Blonde, der Weiße, d. h. hellhaarige, hellblonde“ im niederdeutschen Raum recht zahlreich auftritt, finden sich in den Urkunden mehrere, dem Adel zugehörende Familien dieses Namens.



Die ALBUS/WITTE im Herzogtum Sachsen-(Lauenburg)


1. Herkunft und Rang


Die Herkunft der adeligen Witte im polabischen Kolonisationsgebiet am Ende des 12. und in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts bleibt im Dunkeln, aber ihr Stammsitz wird wohl in Niedersachsen gelegen haben, wo es Mitte des 12. Jahrhunderts etwa 20 km westlich von Hildesheim bei Elze die Wittenburg und später das Kloster Wittenburg gab. Und dieser Name taucht dann im neuerschlossenen Siedlungsraum im südwestlichen Mecklenburg wieder auf. Dies wird kein Zufall sein, ebenso wenig wie es Zufall sein wird, dass wir den Namen des Stammsitzes des Geschlechts in der Grafschaft Ratzeburg, Kogel, nur wenige Kilometer weiter südöstlich auf dem Wege ins mecklenburgische Wittenburg wiederfinden.


Welcher Rang kam nun den von Witte/Albus/von Kogel zu? Von Warnstedt hält sie – mit den RITZERAU, SCHACK und SCHORLEMER - für „nobiles“, also Edelfreie, d. h., die frühen Vertreter wären freie Gefolgsleute der neuen Herren des alten Polabenlandes gewesen. Als „viri nobiles“ bildeten sie die niedrigste Stufe des Fürstenstandes. Der Träger war Kleinfürst und Chef einer adeligen Großsippe. Da aber das kolonisierte Land nur als Lehen verteilt wurde, verschwanden die meisten kleinen Edelherren im Laufe der Kolonisation schnell dadurch, dass sie durch das Lehensverhältnis ihren freien Fürstenstand einbüßten und sich in den gewöhnlichen niederen Lehnsadel einreihten bzw. in den Ministerialenstand wechselten. Als Beweis für seine These beruft sich von Warnstedt auf die Urkunde von 1194, in der Bischof Isfried von Ratzeburg (1180-1204) die Stiftsgüter zwischen sich und seinem Domkapitel unter Hinzuziehung von Zeugen und Schiedsrichtern verteilt 589. In dieser Urkunde wird Otto (I) Albus vor den Edelfreien Heinrich von BÜTZOW gestellt, weshalb er gemäß der Rangfolge ebenso edelfrei gewesen sein müsse. Dass diese Annahme falsch ist, begründet Johannes von Wackerbarth. Er macht darauf aufmerksam, dass die Aufzählung nach den „provintiae“-Burgämtern sortiert ist: Ratzeburg, Wittenburg, Gadebusch und Schwerin. Erst hinter den Zeugen werden die zuständigen „iurati“ (Schiedsrichter) benannt:


1. die Ratzeburg mit Bernhard von MALTZAHN, Otto ALBUS, Wilhelm von SEGRAHN

2. die Wittenburg mit Woldemar, Werner von MARSOW und Friedrich von HAGENOW

3. Burg Gadebusch mit Heinrich von BÜTZOW, dem Vogt Friedrich und Eilbert von DARGUN


Folgte man nun von Warnstedts Argumentation, dann müssten auch die von Maltzahn edelfrei gewesen sein, was sie nachweislich nicht waren.


Zieht man weiter eine Urkunde von 1228 heran, so wird deutlich, dass von Warnstedts These nicht haltbar ist. In dieser Urkunde wird Walrav (I) von RITZERAU wird hier ausdrücklich als „nobilis“ bezeichnet, die dahinter genannten Verwandten, Konrad (I) von „LAUENBURG“ und Otto (III) von KOGEL dagegen als „milites“ dem Ritterstand zugeordnet. Johannes von Wackerbarths Schlussfolgerung, dass Otto (I) Albus nicht unter die „nobiles“ zu zählen ist, überzeugt. Auch ich halte meine, an von Warnstedt orientierte Ansicht nicht länger aufrecht: die Albus/Witte waren ebensowenig edelfrei wie die von Wackerbarth.


2. Agnatische oder cognatische Verbindung der ALBUS/WITTE mit den

von WACKERBARTH?


Das Verhältnis der Albus/Witte/von Kogel zu den von Wackerbarth ist alles andere als gesichert. So geht Christopher Freiherr von Warnstedt von einer Stammesgleichheit der Albus/Witte-von Wackerbarth aus , wenn er ausführt: „Die drei verschiedenen Familiennamen lassen sich am einfachsten wohl so erklären, daß das Geschlecht schon um 1150 so bedeutend war, daß man zwei ‚Extra Namen‘ bedurfte. Diese bürgerten sich durch mehrere Generationen so fest ein, daß, als im Laufe des 13. Jahrhunderts die Linien von Kogel und Witte erloschen und von der Linie Wackerbarth beerbt wurden, diese Linie keinen Anlaß zum Namenswechsel zurück zu ‚von Kogel‘ sah“. Rüdiger Freiherr von Wackerbarth gnt. von Bomsdorff nennt in seiner Familienchronik „Die Häuser der Wackerbarths“ einen „Otto Albus“ als Stammvater des Geschlechts derer von Witte (Albus)/von Kogel/von Wackerbarth, dem er eine mutmaßliche Lebensspanne von 1110 bis 1180 zuweist. Er soll bereits nach 1138 mit Albrecht dem Bären aus der Gegend von Hildesheim ins Land Ratzeburg gekommen sein und angeblich in einer Urkunde vom 08.09.1230 zusammen mit seinem Sohn und Enkel, Otto (II) Albus und Otto (III) Albus genannt sein. Abgesehen davon, dass die herangezogene Urkunde nur Otto de Cowale nennt, gibt es für einen Otto (I) Albus vor 1190 keinen urkundlichen Beleg. Allerdings lässt die urkundlich erstmals 1154 erwähnte Stadt Wittenburg den Schluss zu, dass dies eine Gründung der Witte gewesen ist, die dort auch ihre Burg in dem neu für deutsche Siedler zu erschließenden Polabenland hatten. Die Witte dürften also in der Tat im Zuge der deutschen Landnahme kurz vor der Mitte des 12. Jahrhunderts, am wahrscheinlichsten mit Heinrich von Bodwide, ins Land gekommen sein. Ob ihnen schon damals auch einer der drei polabischen Ringwälle, nämlich der „Oldenburger Wall“ bei Horst, zugeteilt worden ist, lässt sich nicht sagen. Vermutlich waren die Witte aber mit Lokatorenaufgaben im Großraum Kogel/Mölln betraut.


Eine agnatische Verbindung zwischen den Albus/Witte und den Wackerbarth, wie sie z. T. angenommen wird, wird auf folgende Argumente gestützt:


1. Die Wackerbarthe sind die natürlichen Nachfolger der Albus/Witte auf dem Stammgut Kogel 590.


Dieses Argument ist nicht stichhaltig. Eine Besitzkontinuität von den Witte zu den Wackerbarth ist für Kogel im 13. Jahrhundert – zumindest für den Zehntbesitz – nicht erkennbar. Im Gegenteil: der gesamte Zehntbesitz Ottos (III) von Kogel lag spätestens 1277 wieder in der Hand des Bischofs von Ratzeburg, denn Bischof Ulrich von Blücher (1257-1284) stiftete in diesem Jahr alles für fromme Zwecke : ½ Zehnt von Wendisch Turow plus die 2 Hufen in Ekhorst an „sein Konvent“ und den ½ Zehnten von ganz Kogel und ein Drittel Zehnt von Dargow zur „Verfügung des Probstes“ für einen bestimmten Feiertag. Es bleibt mithin festzuhalten: der Zehntbesitz in Kogel schließt einen Besitzübergang von den Albus/Witte auf die Wackerbarth aus. Diese waren in Kogel weder deren Rechts- noch Zehntnachfolger. Eine agnatische Abstammung beider Geschlechter kann mithin auf dieses Argument nicht gestützt werden. Allerdings: „das Kirchen-Zehntregister ist kein Grundbuch“. Es sagt nur aus, dass Otto (III) von Kogel der einzige Beistzer in Kogel war, der Mitbesitzer des Kirchenzehnten war. Daneben wird es weiteren Besitz des Adels gegeben haben, z. B. Allodialbesitz, der in den frühen Urkunden allerdings nicht nachzuweisen ist. Über ihn haben die Wackerbarth in Kogel aber nachweislich schon früh gehabt verfügt, so dass zumindest an eine enge – cognatische – Verbindung beider Geschlechter zu denken ist.


2. Der schon früh bei den Wackerbarth auftretende Wittesche Leitname Otto


Auch dieses Argument dürfte für eine agnatische Verbindung der Albus/Witte mit den Wackerbarth nicht ausreichen. Der spätere – neben Konrad – Leitname der Wackerbarth Otto erscheint erstmals unter den Söhnen Konrads (II) Wackerbarth. Er wird am ehesten durch eine Eheverbindung Konrads mit einer Witteschen ?Erbtochter von Otto (III) von Kogel – in die Familie von Wackerbarth gekommen sein.


3. Wappengleichheit der neumärkischen Witte 591 mit den Wackerbarth


Auch dieses Argument lässt sich nicht für eine agnatische Abstammung der Albus/Witte und der Wackerbarth heranziehen. Von Warnstedt sieht in den Albus/Witte in der Neumark und von Wackerbarth „Wappenvettern“, die ein gleiches Wappen führten. Die Vierteilung des Wackerbarthschen Wappens ist in der Heraldik nicht mit dem schräggeteilten Bild der Witte in der Neumark in Verbindung zu bringen.


4. Das ungewöhnlich häufige Auftreten von Familienmitgliedern gemeinsam in Urkunden


Auch dieses Argument lässt sich für eine agnatische Verbindung nicht heranziehen. In den von den Lehnsherren ausgestellten Urkunden erscheint in der Regel die gesamte Gefolgschaft als Zeugen und bei den „privaten“ Urkunden wie der von 1228 oder 1240 lässt sich allenfalls auf Verwandtschaft der beteiligten Zeugen schließen.


Als Fazit lässt sich festhalten: Stichhaltige Argumente für eine agnatische Verbindung zwischen den Albus/Witte und den von Wackerbarth gibt es nicht. Eine cognatische Verbindung dagegen dürfte unbestritten sein.


Besitz der Familie ALBUS/WITTE/von KOGEL


3. Besitzungen:


Die Albus/Witte erweisen sich aufgrund ihres umfangreichen Zehntenbesitzes um 1230 als eine der einflussreichsten Familien im polabischen Kolonisationsgebiet.


Im Einzelnen besaß das Geschlecht:


1. Dargow : (Ksp. Seedorf), 1230 besitzt Otto (III) Albus den Zehnten von 3 Hufen

2. +Ekhorst : 1230 besitzt Otto Albus (III) den Zehnten von 2 Hufen

3. Frauenmark : (Ksp. Vietlübbe), 1237 schenkt Otto (III) de Cowale dem Kloster Rehna 6 ½ Hufen

4. Groß Disnack : (Ksp. St. Georgsberg), 1230 besitzt Otto (III) Albus den halben Zehnten des ganzes Dorfes vom Bischof, er tritt ihn an die Johanniter ab, die 1229 in den Besitz von Groß Disnack gekommen waren

5. Groß Thurow : (Ksp. Roggendorf), wohl schon im 13. Jhdt. Besitz der Witte; als Pertinenz von Dutzow kam es 1334 an die von Lützow

6. Klein Thurow : (Ksp. Mustin), 1230 besaß Otto Albus (III) den halben Zehnten des ganzen Dorfes

7. Kogel : (Ksp. Sterley), 1230 besitzt Otto (III) Albus den halben Zehnten des ganzen Dorfes

8. Kogel : (Ksp. Camin) möglicherweise Gründung Ottos (I/II) Albus

9. Lübsee : Kirchdorf, 1236 schenkt Otto (III) de Cowale hier dem Kloster Rehna 10 Hufen

10. Wittenburg : Otto (II) Albus besitzt hier 1212 ein Burglehen




4. Stammfolge:


Stemma: Genealogie der Familie ALBUS/WITTE



Die erste Generation:



N. ?”WITTE”


(I – 1); nach Rüdiger von Wackerbarth 592 kam ein „Otto Albus“ vermutlich im Zuge der deutschen Landnahme Mitte des 12. Jahrhunderts im Gefolge des Grafen Heinrich von Bodwide ins Polabenland.; vmtl. ist er der Gründer von Wittenburg, wo er wohl einen Burgsitz hatte und vielleicht auch des 1194 erwähnten „Antiquus Mulne“, der späteren Stadt Mölln. Dort hatte 1230 Konrad (II) von Lauenburg die zwei Gründer-Hufen in Besitz 593. Ob der zu vermutende Ahnherr des Geschlechts schon Besitz in Kogel hatte, steht zu vermuten. Ob er dagegen auf den Namen „Otto“ gehört hat, wissen wir nicht.


Kinder (vmtl.)

1. Otto (I) Albus > II-2



?Konrad „de WITTE“ gnt. WACKERBART


Ein „Conradus de Witte gnt. Wackerbart“ soll sich 1164 in der Schlacht bei Verchen, in der Heinrich der Löwe über die Obodriten siegte und die sächsische Macht östlich der Elbe endgültig festigte, ausgezeichnet haben und damals den ehrenden Beinamen „Wackerbart“ („tapfere Streitaxt“) erhalten haben, den seine Nachkommen dann als Geschlechtsnamen trugen 594. Diese Annahme wird durch keine Quelle gestützt und bleibt Spekulation.




Die zweite Generation:


Otto (I) ALBUS/WITTE /von RATZEBURG


(II – 2); Burgmann in Ratzeburg, ?bischöflich-ratzeburgischer Vasall, urk. 1190/1194 - Als Otto Albus „de Raceburg“ erscheint er in den Urkunden stets im Umfeld des Bischofs von Ratzeburg. Dieser hatte 1158 bei der Gründung des Bistums Ratzeburg auch die Burg „Kolatza“ (= ?Oldenburg/Clotesfelde) erhalten, in dessen unmittelbarer Nähe der alte von Wittesche Besitz Kogel lag. Möglicherweise verwaltete und sicherte Otto Albus diesen bischöflichen Besitz. In den Urkunden ist er Zeuge bei Bischof Isfried von Ratzeburg (1180-1204), als dieser zwischen 1190 und 1194 mit Graf Heinrich von Dannenberg in Hagenow über die Zehnten des Landes zwischen Elbe, Elde und Walerow verhandelte 595. Dieser Urkunde lässt sich zweierlei entnehmen: erstens weist der Zusatz „de Raceburg“ darauf, das Otto Albus dort über ein Burglehen verfügte, das ihn verpflichtete, die Burg im Falle eines Angriffs für seinen Landes- und Lehnsherrn zu verteidigen und zweitens belegt seine Anwesenheit in Hagenow, dass er im Land Wittenburg wohl auch begütert gewesen ist. 1194 war er bei der Verteilung der Stiftsgüter zwischen dem Bischof und seinem Domkapitel zusammen mit Bernhard von Maltzahn und Wilhelm von Seggeran Schiedsrichter für das Land Ratzeburg 596.


Als die Grafschaft Ratzeburg bald nach 1202 unter Albrecht von Orlamündes Herrschaft kam, hat Otto Albus sich dem neuen Herrn angeschlossen.


Die Lebensspanne von Otto (I) Albus wird unterschiedlich gesehen. Biereye und das Mecklenburgische Urkundenbuch unterstellen, dass er noch 1228 geurkundet und 1230 noch gelebt hat. Sein Nachfolger wäre hier Otto („II“) von Kogel. Schon von Warnstedt hat diese Ansicht verworfen und ist von drei Personen mit dem Namen Otto Albus ausgegangen. Dies wird richtig sein, denn die höchst vertrauensvolle Aufgabe eines Schiedsrichters über die Stiftsgüter dürfte keinem sehr jungen Mann zugefallen sein, d. h. Otto (I) Albus wird der Generation der ebenfalls genannten Bernhard von Maltzahn und Heinrich von Bützow (*um 1155/1160, urk. 1179/1210) angehört haben.




Die dritte Generation:



Otto (II) ALBUS / WITTE /“von WITTENBURG“ +1228


(III – 3); Ritter (1228), Burgmann in Wittenburg (1212), Kämmerer Graf Albrechts von Orlamünde (1202-1225), Marschall Graf Adolfs IV. von Holstein (1226), urk. 1210/1228 - Ab 1210 tritt uns mit dem Kämmerer Otto Albus vermutlich der Sohn des 1190/1194 genannten älteren Otto Albus entgegen. Am 04.12.1210 ist Otto „camerarius“ vierter Zeuge, als Graf Albrecht von Orlamünde, der dänische Statthalter in Holstein und der Grafschaft Ratzeburg, dem St. Johanniskloster zu Lübeck das Dorf Kükelühn in Wagrien mit Ausnahme von 3 nach Neukirchen angewiesenen Hufen und einige Hebungen aus der oberen Mühle und dem Zoll zu Lübeck schenkt 597. Als Otto „de Wittenburch“ bezeugt er 1212 die Stiftung einer Seelenmesse durch den Ritter Reiner von Pinnow und die Übertragung von 2 Hufen mit Zehnten in Neuengamme an die St. Marienkirche zu Hamburg 598. Wenn Otto als „von Wittenburg“ bezeichnet wird, so wohl deshalb, weil er dort nach der Eroberung des Landes durch Graf Albrecht von Orlamünde im Jahre 1208 von diesem mit einem Burglehen ausgestattet worden war. Die Burgen des Mittelalters waren nur zum Teil Wohnsitz adliger Familien. Viele waren, im Besitz der Landesherren, die von dort ihre Territorien kontrollierten und schützten. Landesherrliche Burgen waren Ratzeburg, Lauenburg, Dutzow. Gadebusch und Wittenburg. Die militärischen Aufgaben, die diese Burgen erfüllten, wurden meist dem niederen Adel entstammenden Burgmannes übertragen, die sich für eine bestimmte Zeit oder auf Dauer auf der Burg aufzuhalten und die notwendigen Wach- und Wehrdienste wahrzunehmen hatten. Die Entlohnung für diese Dienste bestand in der Übertragung eines Burglehens. Dessen Gegenstand war nicht die Burg, die in der Verfügung des Eigentümers blieb, sondern häufig (nicht immer) ein Haus auf der Burg, in dem der Burgmann wohnte, während er seiner Burghutverpflichtung nachkam. Stets aber gehörten zu einem solchen Burglehen Einkünfte an Geld und Naturalien, aus denen der Burgmann während der Zeit der Burghut seinen Unterhalt bestritt. An die Stelle dieser Einkünfte konnten auch Besitzungen und Rechte treten, die entsprechende Einkünfte abwarfen. In jedem Fall hob die Stellung als Burgmann, den Inhaber dieses Amtes über seine adeligen Genossen hinaus.


Wie lange Otto (II) Albus das Burglehen in Wittenburg besaß, ob er das er wieder veräußert oder sonst verloren hatte, wissen wir nicht. Dass er das zu einem bestimmten Zeitpunkt nach 1212 dieses Amt nicht mehr innehatte, findet darin eine Stütze, dass schon 1230 auch 10 km westlich von Wittenburg im Kirchspiel Camin ein Dorf Cowale (Kogel) vorhanden war. Das Auftreten des gleichen Ortsnamens an verschiedenen Stellen des Kolonialgebiets ist dabei häufig darauf zurückzuführen, dass Kolonisten den Namen ihres Heimatortes, von dem sie auszogen, auf die neue Siedlung übertrugen. Dass das Kirchspiel Camin erst verhältnismäßig spät besiedelt worden ist, belegt die auffallende Dürftigkeit der Angaben im Ratzeburger Zehntenlehnregister von 1230 über die Besitzer gerade in diesem Kirchspiel. Von diesem zweiten Cowale ist hier nur die Zahl der Hufen angegeben, woraus zumindest zu schließen ist, dass das Dorf 1230 wohl dem Bistum Ratzeburg gehört hat. Zudem spricht das Auftreten des Dorfnamens Cowale bei Wittenburg 1230 dafür, es irgendwie mit den Witte/Albi in Verbindung zu bringen, die ja das andere Cowale bei Sterley besaßen.


1214 ist Otto „camerarius“ zweiter Zeuge, als Graf Albrecht dem Propsten Rudolf in Lübeck seinen halben Zehnten im Dorfe Röbel überlässt und der Domkirche 1 Hufe in Stolpe schenkt 599. In einer um 1215 ausgestellten Urkunde ist Otto Albus „camerarius“ fünfter Zeuge bei der Bestätigung des Bistums Lübeck durch Graf Albrecht von Orlamünde. Am 24.11.1216 ist Otto „camerarius“ Zeuge, als Papst Honorius III. das Bistum Lübeck unter seinen Schutz nimmt und ihm alle Güter und Gerechtsame bestätigt 600. Um 1217 ist Otto „camerarius“ erneut Zeuge, als Graf Albrecht von Holstein die von seinem Truchsess Dietrich vorgenommene Schenkung einer Hufe in Kirchwerder an die Marienkirche in Hamburg bestätigt 601. Letztmals im Dienst des Grafen von Orlamünde erscheint Otto „senior“ – zusammen mit seinem Sohn Otto „junior“ – 1219 als Zeuge, als der Graf dem Ratzeburger Bistum Zölle erließ und ihm das Dorf Schwartensee (Oldenburg), 2 Hufen in Boissow, das Dorf Lockwisch, Güter in Goldensee und 5 Hufen in Chemelin schenkte 602.


In der Folge scheint Otto (II) Albus weitgehend nur noch in Angelegenheiten des Bistums Ratzeburg tätig gewesen zu sein. Als Vasall des Bischofs war er schon am 24.05.1217 in Mölln zugegen, als Bischof Heinrich I. von Ratzeburg (1215-1228) der Bergedorfer Kirche die ihr von Graf Albrecht in Kurslak geschenkten Besitzungen bestätigte 603. Am 08.07.1222 nahm Otto (II) Albus an der endgültigen Regelung der Zehntverhältnisse für den im Herrschaftsgebiet Borwins II. von Mecklenburg (1219-1226) liegenden Teil des Bistums (den Landen Breesen und Dassow, sowie Klütz und Tarnewitz) als Gefolgsmann des Ratzeburger Bischofs teil 604. 1228 ist Otto Albus zum letzten Mal als Zeuge bei Rechtshandlungen des Bischofs nachweisbar 605. Bald darauf wird er gestorben sein, vmtl. noch 1228, denn sein Sohn Otto (III) von Kogel tritt ab 1228 selbständig urkundend auf, was ungewöhnlich wäre, würde der Vater noch leben.


Die Nennungen in den Urkunden belegen, dass Otto Albus zweifellos zu den herausragenden Persönlichkeiten der Grafschaft Ratzeburg im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts gehört hat. Seine Stellung wird vor allem durch seine Stellung als Kämmerer des Grafen Albrecht von Orlamünde während der dänischen Besatzungszeit deutlich, ein Amt, das er zwischen 1210 und 1217 bekleidet hat. Er scheint auch politischen Weitblick besessen zu haben, als er sich seit 1219 zunehmend aus der engsten Umgebung des Grafen zurückzog. Spätestens nach der Schlacht bei Mölln im Jahre 1225, in der Graf Albrecht von Orlamünde in gefangenschaft seiner Gegner geriet, dürfte Otto (II) Albus mit seiner Sippe zusammen mit den von Ritzerau und anderen bisherigen Anhängern des Grafen von ihm abgefallen und zur antidänischen Partei übergelaufen sein. Für Otto (II) Albus hatte dies keinerlei Nachteile. Er scheint sich der Gunst seines neuen Lehnsherrn, des Grafen Adolf IV. von Schauenburg-Holstein (1225-1238, +1261) erfreut zu haben, denn als „Oddo Marschall“ bezeugt er – zusammen mit Gottschalk dem Overboden (Präfekt von Holstein), Heinrich von Barmstedt, dem Truchsess Albern (?von Ritzerau), Marquard und Heinrich von Tralau u. a. die Schenkung an das Kloster Preetz durch Graf Adolf IV. Das es sich in dieser Urkunde bei „Oddo Marschall“ um Otto (II) Albus handeln muss, beweist die Tatsache, dass fast die versammelte Mannschaft kurz zuvor noch beim Grafen von Orlamünde präsent war. Wenn Otto (II) Albus nicht schon früher zum Ritter geschlagen worden war, so ist dieses spätestens 1227/1228 nach der Schlacht bei Bornhöved geschehen.


Sicherlich liegt im rechtzeitigen Seitenwechsel Ottos (II) und seiner Sippe einer der Gründe, dass er und sein Sohn 1227 nach der Schlacht bei Bornhöved und dem Sturz des Orlamünder Grafen bei den neuen askanischen Machthabern, die sonst die ehemaligen Vasallen ihres unterlegenen Gegners geflissentlich von aller weiteren politischen Tätigkeit in ihren Landen ausschlossen, Gnade fand .


Zusammen mit Rauen (Walrav I) von Ritzerau ist Otto (II) Albus dann ein letztes Mal in einer auf „1236“ datierten Urkunde unter den Zeugen, als Bischof Ludolf von Ratzeburg die Übertragung ihres Erbgutes an die Kirche zu Bergedorf durch die Frauen Odilia und Bertha und deren dortige Aufnahme als Nonnen im Kloster Hoibek bestätigt . Die Anmerkung im Mecklenburgischen Urkundenbuch zu dieser Urkunde weist wohl zutreffend darauf hin, dass diese Urkunde wohl in das Jahr 1228 gehört. Durch die Vordatierung wäre dann erklärbar, warum Otto (II) Albus in der Rangfolge vor Walrav (I) von Ritzerau zu stehen kommt: er war neben seiner angesehenen Stellung das Familienoberhaupt der Witte und somit innerhalb des familiären Sippschaftsverbandes auch für seinen mutmaßlichen Stiefneffen Walrav (I) von Ritzerau. Die von von Warnstedt vermutete Edelfreiheit Ottos (II) Albus lässt sich jedenfalls auch aus dieser Urkunde nicht begründen. Die beiden in der urkunde genannten Frauen werden zweifellos enge Verwandte von Otto (II) Albus und Walrav (I) von Ritzerau gewesen sein.


Kinder (vmtl.):

1. Otto (III) von KOGEL > IV-4

2. ?Adelheid > IV-5

3. ?Odilia > IV-6




Die vierte Generation:



Otto (III) ALBUS / „von KOGEL“ +nach 1246


(IV – 4); 1228 Ritter, herzoglich sachsen-lauenburgischer und bischöflich-ratzeburgischer Vasall, urk. 1219/1246. - Ob der bereits mit dem 1215 am Hofe von Herzog Otto („dem Kind“) von Lüneburg (1213-1252) in einer Zeugenreihe als Otto „iuuenis“ Genannten gleichgesetzt werden kann, scheint mehr als unwahrscheinlich. Darauf hat Johannes von Wackerbarth mit überzeugenden Argumenten hingewiesen. Er führt u. a. aus: „Iuvenis, d. h. der Jugendliche, ist nämlich nicht mit iunior, dem Jüngeren, gleichzusetzen, sondern meint hier wohl: den noch nicht volljährigen oder den, die vor der zeit volljährig erklärt wurde. Einen Teenager am Hofe des jungen Welfenherzogs zu finden, erstaunt nicht. Doch dürfte Otto iuvenis als Begleitung von Otto dem Kind eher aus einer verlässlichen Familie des eigenen Landes stammen. Da in der gleichen Urkunde auch Werner und Gebhard (von Lauenburg), wohl aus der Familie Grote) erwähnt sind, möchte ich an deren Verwandten Otto denken, der im Ratzeburger Zehntenregister 1230 mit Bruder Werner als Besitzer von Hohenhorn im Land Sadelbande, einem alten welfischen Lehnsland, auftritt. Sie werden im Mecklenburgischen Urkundenbuch den Grote zugerechnet“.


1219 ist Otto „iunior“ – zusammen mit Otto „senior“ – unter den Zeugen bei Graf Albrecht von Orlamünde, als dieser der Kirche zu Ratzeburg den Zoll von 8 Last Salz erlässt und ihr verschiedene Dörfer, darunter Schwartensee (Oldenburg) schenkt 606. Nach der Schlacht bei Mölln im Jahre 1225 wechselt er mit seinem Vater und weiteren Verwandten zur antidänischen Partei und wurde vermutlich nach der Schlacht bei Bornhöved, an der 1227 teilgenommen haben wird, zum Ritter geschlagen. In den Urkunden erscheint er nach einer längeren Pause nach dem Tod des Vaters ab 1228 selbständig urkundend.


Die Schlacht bei Bornhöved
(Miniatur aus der sächsischen Weltchronik, um 1300)


Nach einer langen Pause erscheint er erstmals wieder als Otto „de Kowal“ am 13.08.1228 unter den Zeugen bei Herzog Albrecht I. von Sachsen, als dieser dem St. Johannis-Hospital zu Jerusalem das Dorf Pogez verleiht. 1229 bezeugt er die Schenkung des Dorfes Groß Disnack an dasselbe Hospital. Otto „der Kerval“ ist am 08.09.1230 zugegen, als Bischof Gottschalk von Ratzeburg und sein Domkapitel über den mit der Stadt Lübeck getroffenen Grenzvergleich urkunden.


1230 ist Otto (III) Albus von Kogel Zehnteninhaber in:


Ort Kirchspiel
Hufenzahl
Anteil von Otto Albus
sclauico Turowe Mustin
?
½ des ganzen Dorfes
Ekhorst Mustin
8
2 Hufen
Dargowe Seedorf 3 Hufen
Cowale Sterley
6
½ des ganzen Dorfes
Dosnik (Disnack) St.Georgsberg
?
½ des ganzen Dorfes

Am 03.08.1232 bezeugt er die Bestätigung des Besitzes des Klosters Preetz durch Herzog Albrecht I. Als am 16.05.1236 in Gadebusch Fürst Johann I. von Mecklenburg die Gründung und Bewidmung des Nonnenklosters Rehna bestätigt, schenkt Otto der Kowale 10 Hufen in Lübsee 607. Dass der „dominus Otto de Cowale“ weitere 6 ½ Hufen aus seinem Besitz in Frauenmark dem Kloster geschenkt hatte, erfahren wir aus einer Urkunde vom 06.09.1237, in der Fürst Johann I. dem Kloster Rehna das Patronat der Kirchen zu Rehna und Wedendorf verleiht und ihm seine Güter zu denselben Rechten überweist, mit denen die übrigen Klöster im Lande ihre Güter besitzen 608. Den Besitz in Lübsee und Frauenmark muss Otto nach 1230 erworben haben, da Lübsee 1330 noch nicht genannt ist und in Frauenmark Zehnteninhaber ein Hartmodus war, der aber mit den Herren von Kogel nicht verwandt gewesen sein dürfte 609.


Von den Besitzungen des Otto von Kogel bilden +Ekhorst, Dargow, Kogel und Sterely einen geschlossenen Bezirk 6 km südöstlich von Ratzeburg, der sich quer vor dem Nordrand des Schaalsees hinzieht. Während Klein Thurow 5 km südöstlich des Waldes Eichhorst liegt. In +Ekhorst und Dargow hatten 1230 auch die miteinander nahe verwandten Geschlechter von Stove und von Karlow einen Anteil von je zwei Hufen. Da er beidemal die sonst bei Lokationen übliche Hufenzahl übersteigt – es käme in beiden Fällen nur je eine Hufe in Betracht – wird hier vielleicht eine gemeinsame Aktion der Albi mit den von Stove und von Karlow erfolft sein 610.


Als Bischof Ludolf I. von Ratzeburg (1236-1250) am 26.12.1237 das Nonnenkloster Rehna bestätigt, finden wir auch Otto de Cowale unter den zahlreichen Zeugen. Am 05.03.1238 bezeugt er – zusammen mit Conradus (III) Wackerbart – die Bestätigung der Freiheiten des Dorfes Walksfelde durch Herzog Albrecht I. von Sachsen. Dann ist er, wieder bei Herzog Albrecht, am 04.04.1238 unter den Zeugen, als der Herzog dem Marien-Magdelenen-Kloster zu Reinbek halb Reinbek und ganz Mollenrade schenkt und die Schenkung des Grafen Adolf von Holstein bestätigt 611. Am 14.04.1238 ist er – mit Conradus (III) Wackerbart – in Ratzeburg Zeuge, als Herzog Albrecht I. dem Domkapitel zu Ratzeburg seinen Besitz, darunter den Wald Campowe, die Fischerei im See Lentsecowe (= ?Lankow), die Grenzen und Rechte von Römnitz und Ziethen, die Höfe Ziethen und Clotesvelde und das Dorf Swarthensee bestätigt und ihm die Kirche zu Schlagsdorf überweist 612. Als Zeugen finden wir ihn auch, als Bischof Ludolf am 25.04.1238 in Dodow die Schenkung der Kirche in Schlagsdorf bestätigt. Zusammen mit den Rittern Conradus (III) Wackerbarth und Poppo von Krempe ist er – wohl als naher Verwandter – Zeuge, als Bischof Ludolf am 25.12.1240 in Ratzeburg das Testament des Ritters Walrav (I) von Ritzerau bestätigt 613. Letztmals genannt ist Otto de Cowale als er – wieder mit Conradus (III) Wackerbarth – am 29.05.1246 die Übertragung des Dorfes Goldensee an das Domkapitel zu Ratzeburg durch Herzog Albrecht I. bezeugt 614.


Seine Zeugenbeglaubigungen zusammen mit Konrad (III) Wackerbart (1238, 1240) und Poop von Krempe (1240) lassen enge familiäre Beziehungen der Albi mit den von Ritzerau und von Wackerbarth und vielleicht auch den von Krempe vermuten. Diese Vermutung wird gestützt durch die unmittelbare Nachbarschaft Ottos von Kogel, Konrads (III) von Wackerbarth und Walravs (I) von Ritzerau in den Zeugenlisten zahlreicher Urkunden 615.


Kinder (vmtl.)

1. Tochter N > V-7



?Adelheid (WITTE)


(IV – 5); Sie ist nur 1240 als Ehefrau von Walrav (I) von RITZERAU bezeugt. Ob sie der Familie Albus/Witte angehört hat, ist unsicher. Zum Teil wird in ihr eine von SALEM gesehen, über die die von Ritzerau in den Besitz von Mustin gelangt sind. Doch ist dies Spekulation. Da scheint es zumindest wahrscheinlicher, in ihr eine Angehörige der Familie Albus/Witte zu sehen. So würde sich das Verwandtschaftsverhältnis von ihrer mutmaßlichen Schwester/Nichte Odilia zu Bertha (?von Ritzerau) erklären, die entweder Tante oder Schwester von Walrav (I) von Ritzerau war. Möglich ist allerdings auch, dass Adelheid in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zu Poppo von Krempe gestanden hat.



Odilia ?WITTE


(IV – 6); 1228 Nonne im Kloster Hoibek – Zusammen mit ihrer „Muhme“ Bertha (?von RITZERAU) hatte sie der Kirche in Bergedorf Schenkungen gemacht 616, wohl aus Anlass ihres Übertritts in das neugegründete Zisterzienserkloster Hoibek, das schon bald nach Reinbek und 1238 nach Köthel verlegt und 1534 zerstört wurde 617. In einer Urkunde, deren Ausstellungsdatum nicht genau bekannt ist, die aber wohl nicht in das Jahr 1236 sondern ins Jahr 1228 zu datieren ist, weist Bischof L(unleserlich) ihr und Bertha in Bergedorf und Neuen Gamme Einkünfte zum Unterhalt zu. Als Aussteller der Urkunde wird allgemein Bischof Ludolf I. (1236-1250) angesehen, doch sprechen gute Gründe dafür, sie Bischof Lambert (1228) zuzuschreiben. Die Tatsache, dass Otto (II) Albus und Walrav (I) von Ritzerau als einzige weltliche Vertreter diesen Vorgang bezeugen, macht es fast sicher, dass beide Frauen engste Verwandte gewesen sind. Der Name Odilia als weibliche Namensform zu Otto weist dabei auf die Familie Albus/Witte, Bertha auf die Familie von Ritzerau. Wenn Bertha als „Muhme“ (materta) Odilias bezeichnet wird, so bedeutet dieser Verwandtschaftsbegriff ursprünglich: der Mutter Schwester, also Tante. Aber wenigstens seit den späten mittelhochdeutschen Zeiten hat das Wort seinen Sinn auch auf die Schwester des Vaters, auf Geschwisterkinder und weibliche Seitenverwandte ausgedehnt. Leider gibt das Mecklenburgische Urkundenbuch den Wortlaut der Urkunde nicht wieder, sondern nennt nur die Zeugen.


Ein besonders enges Verhältnis zwischen den Familien Albus/Witte und von Ritzerau belegen die mehrfachen Nennungen von Otto (III) von Kogel und Walrav (I) von Ritzerau unmittelbar nacheinander. Sie drängen ein Verwandtschaftsverhältnis geradezu auf.


Die Witte scheinen – wie auch die Ritzerau – überhaupt enge Beziehungen zu Bergedorf und seiner Kirche und zum Kloster Hoibek gehabt zu haben. Schon 1208 war der Domherr Conrad anwesend, als Graf Albrecht von Orlamünde die Bergedorfer Kirche dotier 618t. 1217 bei der Bestätigung dieser Schenkungen durch den Ratzeburger Bischof ist Otto (II) Albus von Wittenburg Zeuge 619 und 1224 bezeugt Konrad von Lauenburg die Schenkungen Graf Albrechts von Orlamünde an das Kloster Hoibek 620. Schließlich bezeugen 1238 Otto (III) Albus von Kogel und Walrav (I) von Ritzerau eine Schenkung Herzog Albrechts von Sachsen (-Lauenburg) an das Kloster Reinbek 621.




Die fünfte Generation:



N. WITTE


(V – 7), vmtl. Tochter von Otto (III) Albus von Kogel; sie ist nach dem mutmaßlichen Erlöschen der männlichen Linie vmtl. Erbin des Allodialbesitzes der Familie Albus/Witte. Da wir diesen Besitz – zumindest im Raum Sterley/Kogel – schon früh in Händen der Wackerbarth sehen, ist die Annahme nicht unbegründet, dass dieser Besitzübergang über die Ehe einer Witteschen Tochter mit Konrad (III) WACKERBART geschehen ist. Hier kommt am ehesten eine Tochter Ottos (III) von Kogel in Frage. Dies würde auch hinreichend erklären, warum wir unter den Söhnen Konrads (II) Wackerbart erstmals den Rufnamen Otto bei den Wackerbart finden, der in der Folge zu einem der Leitnamen des Geschlechts wird.



Das Geschlecht der Albus/Witte dürfte mit Otto (III) Albus von Kogel im Lauenburgischen kurz nach 1246 – in jedem Fall vor 1277 - im Mannesstamm erloschen sein, denn die Zehntenlehen des Geschlechts fielen an das Bistum Ratzeburg zurück. Am 09.09.1277 wies Bischof Ulrich von Ratzeburg eine Reihe von Zehnten des Bistums für besondere kirchliche Zwecke an, darunter den halebn Zehnten von Wendisch Thurow und Kogel, ein Drittel des Zehnten in Dargow und den Zehnten von zwei Hufen in +Ekhorst 622.Spätere Namensträger wie der Möllner Bürger Albert ALBUS, seine Frau Adelheid und ihr Sohn, der Vikar des Heiligen Geistes in Mölln, Albert, die 1321/1325 genannt sind, gehören allem Anschein nach nicht zu den im 12./13. Jahrhundert einflussreichen Geschlecht, sondern waren bürgerlicher Abkunft.



Nachtrag:

WITTE / ALBUS) in der Neumark


Die Familie ALBUS/WITTE ist in der Neumark sehr alt. DasGeschlecht erscheint bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts im Dienst der brandenbugischen Askanier in der Neumark. Es erwarb dort südöstlich von Angermünde beträchtlichen Grund- und Lehnsbesitz 623 .


Besitz der Familie WITTE in der Neumark


1. Altenkirchen (Neumark, Civitas Bärwalde): als Burgmannsdorf gegründet, nach dem Ort nannte sich ein Adelsgeschlecht; 1337 gab es 54 Hufen, davon besaß Nicolaus Witte 18, wofür er den Ritterdienst leisteten

2. Alt Glietzen (Neumark, Civitas Bärwalde): 1337 Besitz von Nicolaus Albus auf Neuenhagen

3. Alt-Lietzengöricke (Neumark, Terra Königsberg): Dorf westlich von Bärwalde; zu Beginn des 14. Jahrhunderts hatte Nicolaus Albus hier Besitz, u. a. eine Mühle, aus der 1335 Einkünfte an einen Königsberger Bürger übergingen

4. Brahlitz (Neumark, Civitas Bärwalde): 1337 Besitz von Nicolaus Albus auf Neuenhagen

5. Clausdorf (Neumark, Terra Bernstein): 1289 Dorf mit 64 Hufen und 16 Hufen Übermaß, 1289 im Besitz von Werner Albus, 1321 Streit zwischen Ulrich Witte und dem Kloster Bernste

6. Gabow (Neumark, Civitas Bärwalde)): Fischerdorf, gehörte 1337 dem Ritter Nikolaus Albus auf Neuenhagen

7. Grape(Neumark, Terra Bernstein): Dorf mit 64 Hufen, 1337 besitzt Nicolaus Albus 6 und Henning Albus 10 Hufen, für den sie den Ritterdienst leisten.

8. Herzfelde (Neumark, Terra Bernstein): Dorf mit 50 Hufen, Henricus Albus besaß 4, wofür er den Ritterdienst leistete

9. Hohenwutzen (Neumark, Civitas Bärwalde)): auf der Neuenhagener Insel gelegen, die „villa Botzow“ gehörte 1337 Nicolaus Albus; Nachfolger Witte sind 1490 die Uchtenhagen

10. Kienitz (Neumark, Terra Soldin): Dorf mit 64 Hufen, 1337 besitz Hinrich Albus 8 (oder 9) Hufen, für die er den Ritterdienst leisten muss

11. Klein Lindenbusch (Neumark, Terra Lippehne): Dorf mit 64 Hufen, 1337 besitzen Gebhard und Heine Witte 12 Hufen, für die sie den Ritterdienst leisten.

12. Klein Mantel (Neumark, Civitas Bärwalde): 1337 gehörte das Dorf dem Ritter Nicolaus Albus

13. Neuenhagen : (Neumark, Civitas Bärwalde), Besitz der Witte (mit Gabow, Hohen- und Niederwutzen und Kleinmantel), 1337 sitzt Nicolaus Albus auf der „curia Nienhoff“, 1350 erhielten die Mörners das Angefälle 624 der Witteschen Güter; 1490 sind die Uchtenhagen Nachfolger der Familie Witte

14. Niederwutzen (Neumark, Civitas Bärwalde): Besitz der Witte

15. Panzerin (Neumark, Terra Schievelbein): Dorf mit 64 Hufen, Sifrid Witte besitzt 1337 8 Hufen, für die er den Ritterdienst leistet

16. Ringenwalde (Neumark, Terra Schildberg): Dorf mit 64 Hufen, 1337 hat Heyne Witte dort Besitz, für den er den Ritterdienst leistet

17. Sellin (Neumark): ungewöhnlich großes Dorf nordöstlich Bärwalde mit 80 Hufen, ritterlicher Besitz zahlreicher Adelsfamilien: 1334 von Wagenschütz; 1335 von Jagow, von Uchtenhagen, 1336 von Witte, von Marwitz, 1369 von Wedel

18. Wittstock (Neumark, Civitas Bärwalde): Dorf südöstlich Bärwalde mit (1337) 64 Hufen, das Angefälle der „villa Withstock“ besaß 1337 Nicolus Witte, 1350 erhielten es die von Mörner

19. Zachow : (Neumark, Civitas Bärwalde), Burgmannendorf mit 64 Hufen nahe Zehden mit ursprünglich mindestens drei Rittersitzen, 1317 als Dorf vorhanden, 1336 besitzen die Königsberger Bürger Bollo und Heinrich 24 Hufen, 1338 sind 40. Sie haben auch das Patronat über die Kirche. Die Witte besitzen zwei Rittersitze mit 9 bzw. 4 Hufen; seit mindestens4 1425 sind auch die Zehdener Nonnen in Zachow begütert


Wappen von WACKERBARTH                Wappen Nikolaus WITTE
(Kirche zu Sterley, um 1340)                                 (1342)                


1289 gab Markgraf Albrecht von Brandenburg „villam Clausdorff“ an Dominus Wernerus miles dictus ALBUS mit dem Versprechen, dass dieser Ort nicht weiter vermessen werden sollte 625. 1301 geben die Markgrafen „villam Claustorp“ frei von Bede an das Kloster Bernstein. In der Folge kam es zu Streitigkeiten zwischen Ulrich WITTE, vmtl. Werners Sohn, und dem Kloster, den 1321 Herzog Otto von Pommern-Stettin schlichtete 626. 1321 wurde Dominus Nicolaus WITTE (ALBUS) auf Neuenhagen im pommerschen Krieg gefangen. Er kommt 1335 und 1336 in Urkunden vor und erscheint im Neumärkischen Landbuch von 1337 als bedeutender Landbesitzer und Lehnsinhaber (u. a. Wittstock, Altenkirchen, Neuenhagen, Alt-Glietzen, Brahlitz, Gabow, Hohenwutzow, Zachow, Klein Mantel, Lietzegöricke) 627. Im Landbuch heißt es u. a. „Dominus Nicolaus Albus habet IIII villas, ut dicit, cum omni iudicio scil(icet) Glizen (Alt-Glietzen), Gralizen (Brahlitz), Gabow (Grabow) et Botzow (Hohenwutzow) cum taberna super littus Frienwold (Fährkrug bei Freienwalde), et cum curia sua Nienhoff (Neuenhagen)“ 628. Um 1335/1340 besaß er die gesamte sogenannte Neuenhagener Insel, etwa 22 km lang und 7 km breit.


Neuenhagener Insel


Sein Wappen, das auf den ersten Blick dem der von WACKERBARTH ähnelt und das zu der Annahme geführt hat, die neumärkischen Witte und die Wackerbart wären eines Stammes 629, zeigt einen quadrierten, schräggeteilten Schild, während das wackerbarthsche Wappen einen quadrierten Schild zeigt. Diese Darstellungen machen es jedoch so gut wie sicher, dass es sich um verschiednene Wappen und damit wohl auch um verschiedene, nicht stammverwandte Geschlechter handelt 630. Dafür sprechen auch die unterschiedlichen Rufnamen der neumärkischen Witte, die auch eine Verbindung zu dem gleichnamigen lauenburgischen geschlecht unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Das Neumärkische Landbuch nennt weitere Angehörige des Witteschen Geschlechts mit Lehnsbesitz. Hinrich ALBUS hat solchen in Zachow, Kienitz und Herzfelde, Heyne WITTE in Ringenwalde und Klein Lindenbusch (dort zusammen mit Gebhard WITTE, vielleicht sein Bruder?), Henning und Nicolaus WITTE 631 in Grape und Sifrid WITTE in Panzerin.


Die neumärkischen Witte starben etwa um 1490 aus. Wie in der alten Grafschaft Ratzeburg die lauenburgischen Witte, so hatten auch die Witte in der Neumark offenbar Sicherungsaufgaben zu erfüllen.








Fussnoten:





587 MUB, UBL, UBBiHL, SHRU, SHUS

588 BremerUB I, 56

589 MUB I, 154; von Warnstedt „Wackerbarth“ in LbgH NF H. 67 S. 11f

590 von Warnstedt „Wackerbarth“ aaO. S. 11ff

591 siehe Nachtrag

592von Wackerbarth „Die Häuser der Wackerbarths“

593 MUB I, 375

594 von Wackerbarth aaO.

595 MUB I, 150

596 MUB I, 154

597 UBL II, 4

598 HUB I, 387 = SHRU I, 288

599 UBBiHL I, 28

600 UBBiHL I, 30

601 HUB I, 404 = SHRU I, 340

602 MUB I, 459

603 MUB I, 233

604 MUB I, 284

605 MUB I, 459

606 MUB I, 249

607 MUB I, 453

608 MUB I, 467

609 Biereye aaO., S. 14

610 Biereye aaO. S. 16

611 MUB I, 480 = SHRU I, 566

612 MUB I, 482 = SHRU I, 568

613 MUB I, 516 = SHRU I, 603 = UBL I, 10 = SHUS I, 38

614 MUB I, 581 = SHRU I, 666

615 MUB I, 459, 471, 472, 480, 482, 483, 516, 581; SHRU I, 501, 502, 567

616 MUB I, 198

617 Winter „Die Cisterzienser des nordöstlichen Deutschlands“, Bd. I, Gotha 1868, S. 103f

618 MUB I, 281

619 MUB I, 233

620 SHRU I, 421

621 MUB I, 480 = SHRU I, 566

622 Biereye aaO. S. 16, MUB I, 1442

623 von Raumer „Die Neumark Brandenburg 1337“, Seiten 81, 84, 87, 89, 92, 103, 104

624 Angefälle: 1. Anwartschaft des Lehnsherrn auf das Lehn während der Minderjährigkeit des Belehnten; 2.

dem Lehnherrn zufallendes Lehngut, wenn der Belehnte ohne Erben stirbt oder der Lehen sonst verlustig wird

(Pierer’s Universal-Lexicon)

625 von Raumer aaO. S. 103 Anm. 4

626 von Raumer aaO. S. 103 Anm. 4

627 von Raumer aaO. S. 80 Anm. 16; S. 81 Anm. 21 + 24; S. 84; S. 85 Anm. 21

628 von Raumer aaO. S. 81

629 von Warnstedt „Wackerbarth“ aaO S.11

630 Die früher geäußerte Ansicht – vgl. „Chronik von Sterley“, Laupheim 2005 S. 36 – wird hiermit aufgegeben

631 Er ist vielleicht von dem zuvor genannten zu unterscheiden


Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung vom 11.06.2021 durch Eberhard Specht, Speyer